Der Kunde bleibt König

Deutschlands Verbraucherpolizei macht wieder einmal Großrazzia. Wie so oft ist es das kapitale Verbrechen der “versteckten” Preiserhöhung, dass die Hamburger Verbraucherzentrale brandmarkt, wovon der Spiegel eifrig berichtet. Nicht dass die Verbraucherschützer unrecht hätten, wenn sie eine Liste von Produkten mit veränderten Packungsgrößen und Preisen präsentieren und dabei feststellen, dass bei allen genannten Produkten der auf die Menge bezogene Preis gestiegen ist. Doch muss man auch der damit verbundenen Schlussfolgerung folgen, dass dies einzig und allein zum Schaden der Konsumenten ist?
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B.L.O.G.-Service: Unternehmensnachrichten richtig gelesen

Uns haben viele Anrufe und Briefe besorgter Bürger erreicht, ob wir uns denn immer nur mit abstrakter Politik befassen wollen oder ob es nicht auch wirkliche Lebenshilfe auf diesem Blog gibt. Und ich muss zugeben, dass mich diese Vorwürfe treffen, seitdem ich hier nicht mehr über die Bundesliga berichte (was meinem Wohlergehen eher förderlich war…). Deswegen nutze ich die Gelegenheit gerne, an einem aktuellen Beispiel aufzuzeigen, wie man Pressemitteilungen von Unternehmen lesen muss. Das ist nämlich eine Kunst, die zu beherrschen viel Erfahrung erfordert.

Heute geht es um die SAP. Die originale Pressemitteilung ist iim folgenden als Zitat gekennzeichnet, während die Übersetzung in gewöhnliches Deutsch in kursiver Schrift erscheint:

Die SAP AG gab heute bekannt, dass der Aufsichtsrat des Unternehmens sich mit Vorstandssprecher Léo Apotheker einvernehmlich darauf verständigt hat, dessen Vertrag als Vorstandsmitglied nicht zu verlängern. Léo Apotheker hat sein Vorstandsmandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

Wir haben die Dumpfbacke Apotheker rausgeschmissen.

Der Vorstand hat mit Zustimmung des Aufsichtsrats die beiden Vorstandsmitglieder Bill McDermott, verantwortlich für Vertrieb, und Jim Hagemann Snabe, verantwortlich für Produktentwicklung, zu gleich berechtigten Vorstandssprechern ernannt.

Zusätzlich hat der Aufsichtsrat Vishal Sikka, Chief Technology Officer, zum Vorstandsmitglied bestellt. Auf Wunsch des Aufsichtsrats wird Hasso Plattner, Mitgründer der SAP und Aufsichtsratsvorsitzender der SAP AG, weiterhin eine starke Rolle spielen, um die neue Führung in Fragen der Technologie und der Produktentwicklung zu beraten.

Hasso übernimmt wieder, und getreu dem Motto “divide et impera” wird dafür gesorgt, dass der Vorstand vor allem mit sich selbst beschäftigt ist.

Dazu passt folgendes Zitat Plattners aus der anberaumten Telefonkonferenz:

“Ich werde alles tun, damit SAP wieder happy wird.“

Ich. Nicht etwa wir. Hoffentlich schmeckt euch euer Frühstück, meine lieben Bill und Jim.

Deutsche Wertarbeit

Endlich: Die wildesten Träume der “Klimaschützer” in bewegte Bilder umgesetzt! Und die Firma Audi beweist wieder einmal, worin Deutsche Spitze sind:

In Obrigkeitshörigkeit.

(via Achse des Guten)

Über Unwörter

Es gibt da ja diesen Sprachwissenschaftler, der es sich offensichtlich zur Lebensaufgabe gemacht hat, seine Gesinnung vom Thron des Experten aus unter das Volk zu streuen. Jedes Jahr veröffentlicht er unter großem Medienecho sein “Unwort des Jahres”. Gut, er umgibt sich dabei auch noch mit einer Jury, aber die richtige Gesinnung ist meist nicht gefährdet, wenn man so sieht, wer da z.B. so als “kooptiertes Mitglied” fungiert, in diesem Jahr z.B. ein Journalist der “Frankfurter Rundschau” und der Jesuit Hengsbach.

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Google plant, in China nicht länger zu zensieren*

We launched Google.cn in January 2006 in the belief that the benefits of increased access to information for people in China and a more open Internet outweighed our discomfort in agreeing to censor some results. At the time we made clear that “we will carefully monitor conditions in China, including new laws and other restrictions on our services. If we determine that we are unable to achieve the objectives outlined we will not hesitate to reconsider our approach to China.”

These attacks and the surveillance they have uncovered–combined with the attempts over the past year to further limit free speech on the web–have led us to conclude that we should review the feasibility of our business operations in China. We have decided we are no longer willing to continue censoring our results on Google.cn, and so over the next few weeks we will be discussing with the Chinese government the basis on which we could operate an unfiltered search engine within the law, if at all. We recognize that this may well mean having to shut down Google.cn, and potentially our offices in China.

The decision to review our business operations in China has been incredibly hard, and we know that it will have potentially far-reaching consequences. We want to make clear that this move was driven by our executives in the United States, without the knowledge or involvement of our employees in China who have worked incredibly hard to make Google.cn the success it is today. We are committed to working responsibly to resolve the very difficult issues raised.

[offizielles Google-Blog A new approach to China]

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Wirklich nur ein Sparparadox?

Die Schweizer Monatshefte weisen mich diesen Monat auf folgenden Eintrag hin:

Julika, Freilich

Denkaufgabe: Keynes’ Sparparadox

27. Nov. 2009

Im Jahr 2008 geht X jeden Abend auswärts essen. 2009 verschlechtert sich seine wirtschaftliche Lage und X beschliesst, sein Geld lieber zu sparen und zu Hause zu essen. Dies zerstört das Einkommen des Wirts. Der Wirt muss nun, will er weiterhin sein Lokal betreiben wie bisher, Geld von seinem Sparkonto abheben. Also führt der Rückgang des Konsums (in wirtschaftlich schweren Zeiten) nicht zu vermehrtem Sparen. (X spart zwar, der Wirt spart dementsprechend jedoch weniger.) Im Gegenteil, es wird Einkommen zerstört, weil nicht nachgefragt wird. Also, Lösung: gebt X einen Stimulus. Wer findet den Fehler? Edit: Man widerlege die Argumentation bitte so, dass auch ein Zweitklässler, pardon: Politiker sie versteht. Ganz so einfach ist das nicht.

Ich habe daraufhin die Diskussion unter diesem Beitrag verfolgt und halte sie für reichlich dürftig. Gibt es denn außer mir keinen, dem zu diesem Szenario sofort das Stichwort “Globalisierung” einfällt?

Ist der Weihnachtsmann kein Liberaler?

Ein Herr Waldfogel will uns die Freude an Weihnachten vermiesen, indem er darauf hinweist, wie ineffizient aus Sicht der Konsumentensouveränität das Schenken doch sei. Übersetzt heißt das: Der Beschenkte teilt nicht immer mit dem Schenkenden den Wert des Geschenks. Das ist auch kein Wunder, schließlich ist das Schenken eine komplexe Angelegenheit. Zum Beispiel gibt es die, die sich mit ihrem Geschenk die größte Mühe geben, die Vorlieben des Beschenkten zu treffen. Und andere, die eher Einfluss darauf zu nehmen versuchen, was der Beschenkte hätte wollen sollen (z.B. Wollsocken).

Es ist also alles andere als überraschend, wenn jemand herausfindet, dass man mit anderen Dingen beschenkt wird als man sich selbst gekauft hätte. Die oberflächliche Lösung lautet: Schenkt Geld, denn das gibt dem Beschenkten die maximale Freiheit, sich ein Gut gemäß seiner Präferenzen auszusuchen. Und warum gibt es dann nichts Enttäuschenderes als ein Geldgeschenk? Weil der Ökonom zu früh halt gemacht hat. Das Schenken ist nicht Teil der effizienten Allokation von Gütern, sondern es ist ein sozialer Akt. Der Schenkende offenbart seine Nähe und Zuneigung zu dem Beschenkten, und das insbesondere dadurch, dass er ein Geschenk auswählt, das zu dem Beschenkten aus seiner Sicht irgendwie passt. Also ist im Akt des Schenkens auch eine Botschaft enthalten. Der Schenkende kann natürlich daneben liegen, was sich auch darin äußern kann, dass der Beschenkte das ihm zugedachte Gut zu einem Schnäppchenpreis auf Ebay veräußert. Aber wir wissen nicht, wie sehr der Beschenkte dennoch die Mühen des Schenkenden goutiert. Obwohl das betreffende Gut seine ihm zugedachte Funktion nicht erfüllt, kann der Nutzen des bewussten sozialen Austausches viel höher bewertet werden. Um es mal anekdotisch zu trivialisieren: Wenn meine Liebste mir etwas schenkt, mit dem ich nichts anfangen kann, ich aber trotzdem schätze, welche Ideen sie zu diesem Geschenk geführt haben, dann löst sich die Bewertung des Schenkens von der des geschenkten Gutes. Analysen, die nur auf auf das betreffende geschenkte Gut abzielen, greifen deswegen nur einen Teil des Austauschs und können daher auch keine Aussagen über Effizienzen treffen.

Es lebe der Weihnachtsmann!

Der österreichische Akzent

Wann immer ich keynesianische Saldenmechaniker bei ihren Argumentationen beobachte, befällt mich sofortiges Unwohlsein. Gibt es so etwas wie eine aggregierte Nachfrage und ein aggregiertes Angebot, die als Kollektive interagieren? Oder finden die entscheidenden Anpassungsprozesse nicht auf einer viel niedrigeren Ebene statt, und dann auch den Gesetzmäßigkeiten dieser Ebene unterliegend? Vielleicht gibt es ja auch eine Wechselwirkung.

Wie auch immer: Meine Bedenken gegen die keynesianische Makrosicht formuliert Peter Boettke in “The Austrian Economics“:

Let me state this one more time with feeling — while there may be macroeconomic problems, there are only microeconomic explanations and solutions. Aggregate variables do not interact with one another independent of the choices of individuals. And those choices are guided by the incentives actors face, and the informational signals they receive. In short, economics is about exchange and the institutions within which exchanges take place. It is all about property rights, relative prices, the lure of profit and the penalty of loss.

Paul Samuelson ist tot

Wenn sich jemand aus völlig unerfindlichen Gründen dafür interessieren sollte, wie der ökonomische Mainstream zu meiner Studentenzeit aussah, müsste er sich nur mit dem Werk von Paul Samuelson befassen. Jemand wie Buchanan kam in der VWL wenn, dann nur am Rande vor, und die “Österreicher” fanden schlichtweg gar nicht statt.

So gut wie alle Ökonomen sind sich einig, dass Samuelson ein großer Geist war, dessen Schaffen eine ganze Epoche prägte. Aus der Ecke der “Österreicher” kommt hingegen eine Kritik, deren implizite Aussagen ich zwar nicht komplett teile, aber deren Fragen mir die richtigen zu sein scheinen.

Amerika, du hast es besser

Akhavan ist zugleich internationales Aushängeschild der Telekom und ein Fremdkörper im Vorstand des Konzerns: Der gebürtige Iraner hat nie verhehlt, dass er lieber in den USA lebt als in Deutschland. Die Landessprache seines Bonner Arbeitgebers hat er nie erlernt, den deutschen Lebensalltag empfand er als zu kompliziert und unverständlich. So kann sich Akhavan stundenlang darüber aufregen, dass deutsche Fernsehzuschauer bereit sind, stumpfsinnige Sendungen mit Werbepausen im Fernsehen zu akzeptieren, statt sich ein Bündel werbefreier Kanäle mit Spielfilmangeboten für eine Pauschale von 50, 60 Euro monatlich zu buchen, wie es die Amerikaner tun.

(Quelle: FTD)

Man kann sich gar nicht so recht entscheiden, was absurder ist: Wie lebensfremd und volkswirtschaftlich unbedarft Vorstände deutscher DAX-Konzerne sein können oder wie unkritisch-servil deutsche Journalisten schreiben.

Qu’ils mangent de la brioche

Vielleicht sollte ich mehr die “Süddeutsche” online lesen. Bislang bekam ich diesen Widerwillen, der sich aus knapp über einem Jahr München speist, nicht aus dem Kopf, aber man muss auch mal über seinen Schatten springen. Jedenfalls kam ich über die Links des Lawblog auf diese interessante Geschichte: “Debatte um Null-Euro-Jobber: Überall Verlierer“.

Es handelt sich hier um einen sehr instruktiven Konflikt zwischen der typisch liberalen und der typisch sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Sichtweise. (mehr…)

Sind Heizpilze widersinnig?

Das Umweltbundesamt ist offenbar fest davon überzeugt, dass Heizpilze widersinnig und im Zeitalter des Klimaschutzes überholt sind. Ich bin mir da nicht so sicher, jedenfalls nicht, wenn ich auch berücksichtige, welchen Zweck die Dinger eigentlich erfüllen.

Wo Heizpilze für Wärme sorgen, sitzen die Menschen draußen, Schankterrassen ohne Wärmequelle sind verwaist. “Hätten wir nicht unsere drei Heizpilze, würde kein Gast draußen sitzen”, sagt Oliver Orthey, Besitzer der “Bar Gargarin” an der Rykestraße/Ecke Knaackstraße. “An so einem Sonntag haben wir ungefähr ein Drittel mehr Umsatz.”

Da heizt ja nicht einer einfach so die Straße, sondern er heizt sie, weil er dafür recht großzügig bezahlt wird. Und er wird dafür bezahlt, weil es den Gästen des Restaurants Nutzen stiftet. Es ist also nicht klar, ob der vermeintliche Klimaschaden größer ist, als der Nutzen für Wirt und Gäste. Natürlich berücksichtigt der Wirt in dem Moment nicht den Schaden fürs Klima, aber das Umweltdbundesamt ist auch nicht besser, wenn es in den Heizpilzen einfach nur Energieverschwendung sieht. Wie wärs stattdessen mit einer Kohlendioxidabgabe auf fossile Brennstoffe, dann würde man doch sehen, ob der Schaden fürs Klima höher als der Nutzen der Heizpilze ist.

Die Mehrheit der Ökonomen ist der Meinung, dass die Grenzkosten einer Tonne Kohlendioxid bei maximal 19 € liegen. Das macht für einen Heizpilz zusätzliche Kosten von 76 Euro pro Jahr, die auf die 850 Euro Betriebskosten aufzurechnen sind, also 926 Euro. Da bin ich mir nicht so sicher, ob die Heizpilze von allein verschwinden würden, sollte sich der Umsatz tatsächlich verdreifachen. Auf jeden Fall bin ich mir sicher, dass ein Verbot keine gute Idee ist.

Die Logik stinkt

Die Welt berichtet vom Preisrekord auf dem Knoblauchmarkt und macht dafür drei Gründe dingfest, von denen zwei sicherlich treffend sind, der dritte aber Unfug ist, auch wenn er so schön ins Bild des bösen Kapitalisten passt. Chinesen glauben offenbar das Knoblauch gegen die Schweinegrippe hilft und decken sich mit dem aromatischen Zwiebelgewächs ein bis zur Halskrause. Das macht Sinn. Bis vor dem Ausbruch der Wirtschaftskrise boomte die Nachfrage schon einmal, brach dann zusammen und veranlasste die Bauern zur Reduktion der Anbaufläche und damit des derzeitigen Angebots. Chinas Bevölkerung leidet offenbar nicht nur unter der Schweinegrippe, sondern auch unter dem Schweinezyklus. Schließlich sollen die Preise auch wegen der Spekulanten steigen, weil diese die damals billig eingekauften Knollen jetzt gewinnbringend auf den Markt werfen würden. Moment mal, da erhöht jemand das Knoblauchangebot um Gewinne zu machen, für die er, ganz nebenbei, zu Zeiten des Überangebots ein erhebliches finanzielles Risiko eingegangen ist und das soll die Preise treiben. Bekanntlich sinkt mit steigendem Angebot der Preis, weshalb wir chinesischen Knoblauchspekulanten sehr dankbar sein sollten. Offenbar scheuen nicht nur Vampire den Knoblauch, sondern Welt-Journalisten auch die ökonomische Logik.

Das Versagen der Giganten

Das »Handelsblatt« spricht von einem Bündnis der Giganten: Microsoft und Rupert Murdoch wollen eine Vereinbarung schließen, die auf den ersten Blick völlig absurd erscheint.

Was war? Microsoft hat nach vielen Fehlversuchen im WWW mit großem Marketing-Aufwand eine Suchmaschine namens BING gestartet. Sie hat bis heute nur einen sehr geringen Marktanteil. Und selbst bei diesem geringen Marktanteil würde ich gern mal die Statistik auswerten: Wie viele Nutzer kommen nur auf die Seite, weil BING irgendwo voreingestellt ist? Wie viele Nutzer kommen wirklich wieder?

Was ist geplant? Microsoft will nun mit News Corp folgendes Bündnis eingehen: Die Medien aus dem Imperium des Rupert Murdoch sollen ihre Seiten bewusst aus dem Google-Index heraushalten, damit sie nur noch bei BING gefunden werden.

Warum wird das nicht funktionieren? Jede interessante Nachricht wird heute praktisch innerhalb von Minuten durch andere Medien, durch Blogger oder durch Twitterer übernommen. All diese Medien, Blogs und Twitter-Meldungen werden bei Google weiterhin gefunden. Und aus diesen Medien, Blogs und Twitter-Meldungen wird es Links auf die Murdoch-Medien geben. Die Artikel dieser Medien werden also auch gefunden, wenn sie nicht direkt bei Google in den Suchergebnissen auftauchen.

Welches Prinzip haben Microsoft und Murdoch nicht verstanden? Abschottung ist im offenen Internet des 21. Jahrhunderts nicht möglich. Man wird Informationen niemals auf das »Gebiet« zweier Unternehmen beschränken können. Dem Kunden geht es immer nur um seinen Nutzen. Und sein Nutzen steigt, wenn er mit einer Suchmaschine alles findet, was er im Netz sucht. Diese Suchmaschine wird auch mit diesem Bündnis sicher nicht von Microsoft kommen.

Was bleibt? Diese Vereinbarung ist auch auf den zweiten, dritten und vierten Blick absurd. Verkaufen Sie Ihre Microsoft-Aktien und investieren Sie in ein Unternehmen, das kein Geld damit verbrennt, Informationen einsperren zu wollen;-)

Der Fluch der Finanzmärkte

Das Buch von Hans-Werner Sinn zur Finanzkrise, “Kasino-Kapitalismus”, das ich hier schon allein wegen seiner großen Fülle an Fakten uneingeschränkt empfehlen kann, hat das getan, was ein gutes Buch tun muss: Es hat zu weiterem Nachdenken angeregt. Sinn sieht das Hauptproblem der Finanzmärkte in der mangelnden Haftung der handelnden Akteure, wobei er hier weniger die Manager als treibende Kraft sieht als vielmehr die Aktionäre selbst. Dadurch, dass Banken nur über sehr geringe Eigenkapitalquoten verfügen, können die Eigentümer das Verlustrisiko weitgehend auf die Gläubiger abschieben, was den Erwartungswert der Rendite hochriskanter Geschäfte in die Höhe treibt. Die Geldpolitik sei nicht Ursache, sondern höchstens Auslöser der Krise gewesen – eine Meinung, der ich nicht ganz folgen kann und die für meinen Geschmack im Buch auch etwas halbherzig begründet wird. Vielleicht begründet werden muss, weil die Folgen von Haftungsbeschränkungen seit seiner Dissertation Sinns Steckenpferd sind und er lieber alle Schuld dort suchen möchte, ähnlich dem Betrunkenen, der den verlorenen Schlüssel unter der Laterne sucht, weil er dort besser sieht.

Aber das war jetzt wirklich zu böse, denn Sinn identifiziert darüber hinaus noch andere Dinge, die zur Krise beigetragen haben (mehr…)

Was Mises noch wusste

Heute auf der Nachhausefahrt habe ich ein wenig dem Deutschlandfunk gelauscht – die privaten und öffentlichen Dudelfunker sind kaum mehr zu ertragen, und mein Karlsruher Heimsender bringt um diese Zeit verstärkt 80er Hits, wovon mit fast 100%iger Sicherheit jeder dritte mich zum sofortigen Wegschalten veranlasst – also kann ich es gleich bleiben lassen. Und ich bin viel zu faul, um mir aus meiner CD-Sammlung immer neue Mischungen auf USB-Sticks oder SD-Cards zu spielen, mit denen ich mein Autoradio füttern kann…

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich lauschte also einem Interview mit Rudolf Seiters, zur Zeit des Mauerfalls Kanzleramtsminister. (mehr…)

Anmaßung von Wissen (I)

Es ist nichts weniger als deprimierend, worauf Jan im Filterblog aufmerksam gemacht hat: Die EU-Kommission hat den Sozialismus entdeckt und nennt ihn “Binnenmarkt”:

Die EU-Kommission kritisiere, dass es in den Mitgliedstaaten teilweise drastische Preisunterschiede bei denselben Produkten gebe. Der Untersuchung zufolge ist das beispielsweise bei Mineralwasser, Weißbrot, Hühnereiern und Eiscreme der Fall. Dies laufe den Grundsätzen des Binnenmarkts zuwider, heiße es in dem Papier.

Die Kontrolle von Lebensmittelpreisen ist, nebenbei gesagt, eine in Diktaturen sehr beliebte populistische Maßnahme.

So lügt man mit Statistik

Diese Meldung hier, die eben auch im Nachrichtenteil des “heute journals” unter dem Schlagwort “Ein hohes Bildungsniveau schützt nicht mehr vor Arbeitslosigkeit” verbreitet wurde, wird bei “Neues aus Westsibirien” in aller Sachlichkeit zerlegt.

Aber eins kommt mir sogar dabei noch zu kurz, nämlich dieser praktische Anwendungsfall von So lügt man mit Statistik. Die Meldung erhält ihre Brisanz aus der Tatsache, dass das Wachstum relativer Anteile thematisiert wird, nicht aber die Anteile selbst. Wir kennen das aus der Praxis von Ärztelobbys, wenn es z.B. um die Notwendigkeit von Vorsorgeuntersuchungen geht. Angenommen, das Risiko, an einem tödlichen Krebs des Typs X zu erkranken, läge bei 2 zu 100.000 und eine Vorsorgeuntersuchung drücke das Sterblichkeitsrisiko auf 1:100.000. Weiter angenommen, ein Krebs des Typs Y sei häufiger und führe bei 20 von 100.000 Einwohnern zu einem tödlichen Verlauf, und die Vorsorgeuntersuchung rettet hier fünf Menschen davon das Leben. Welche Vorsorgeuntersuchung sollte wohl mehr unterstützt werden: Diejenige, die das Sterblichkeitsrisiko um 50% senkt, oder diejenige, die es nur um 25% reduziert? Was wäre von einem Redakteur zu halten, der textete, Krebs X sei ohne Vorsorgeuntersuchung der gefährlichere?

Wenn Interessengruppen solche Meldungen verbreiten, ist immer eine gehörige Portion Skepsis angebracht. Von Qualitätsjournalisten, auch den öffentlich-rechtlichen, kann man die aber wohl nicht mehr erwarten.

Pro-Market and Anti-Business

Pro Markt oder Pro Business? Es ist witzig, wie diesseits und jenseits des Atlantiks taggenau offensichtlich unabhängig voneinander plötzlich ähnliche Fragestellungen hochkommen.

Da wäre zum einen der Beitrag von Rainer Hank bei “Wirtschaftliche Freiheit”, der sich kritisch mit der Funktion der FDP auseinandersetzt, und zum anderen der von Arnold Kling in “Econlog”, der die Problematik mit einer einfachen Matrix veranschaulicht. Masonomics, wohin man schaut.

Hank:

Eine Wirtschaftspartei setzt sich für die Interessen der existierenden Unternehmen ein; eine Marktpartei setzt sich für den Wettbewerb ein, also die Interessen der potentiell entstehenden neuen Unternehmen und ihrer Arbeitsplätze.

Kling:

Pro-market and anti-business might seem like an odd combination. But those of us who oppose “too-regulated-to-fail” as a strategy for large financial firms and instead support making failure a viable option for any business might be put in that camp.

Einfache Lösung

US-Präsident Obama im Interview:

“Wir können nicht mehr in die Ära zurückkehren, in der die Chinesen und Deutschen oder andere Staaten uns einfach nur alles verkaufen, wir dagegen einen Haufen Kreditkartenschulden oder Hypotheken aufnehmen, aber ihnen nichts verkaufen” (FTD)

Mein lieber Herr Präsident: Wer zwingt Sie denn zu kaufen?

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