Kriegszustand

Wir alle wissen, dass Werbung und PR “lügen”. Sie “lügen” in dem Sinn, dass sie zwar z.T. vorgeben, sachliche Informationen vermitteln zu wollen, aber in Wirklichkeit ein komplett einseitiges und schöngefärbtes Bild zeichnen. Mit Politik verhält es sich nicht anders.

Es ist tatsächlich auffällig, wie die deutsche Politik sich darum herumzumogeln versucht, den Bürgern in Sachen Afghanistaneinsatz reinen Wein einzuschenken. Da muss, weil die Assoziation “Krieg” unbedingt zu vermeiden ist und man sich die Bundeswehr als mit höchstens Wattebäuschen werfende Gutmenscheneinheit vorzustellen hat, ein Angriff auf einen bewaffneten Konvoi verkauft werden wie ein Bombenanschlag auf, sagen wir mal, ein Einkaufszentrum. Da werden dann gefallene Soldaten zu praktisch zu “unschuldigen” Zivilisten stilisiert, die sich zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort befunden haben. Und von der Tatsache, dass der angegriffene Konvoi zurückschoss und dabei wahrscheinlich dem Feind ebenso Verluste zufügte, darf schon mal gar nicht berichtet werden.

Es ist ekelhaft. Mehr fällt mir dazu nicht ein.

Quellen:

“Augen geradeaus!” (Thomas Wiegold, FOCUS)
Weblog Sicherheitspolitik

Empfindlich

Wenn Strauß und Wehner, Schmidt und Adenauer so empfindlich gewesen wären wie diese zwei Dortmunder Stadträte, hätten sich Generationen von Anwälten eine goldene Nase nur an den vier Herren verdienen können…

Herzlich willkommen im Rechtsstaat!

Hm? Was? Na, das!
[via stilstand]

Überflüssig?

Das schlagendste Argument gegen die Initiative der CDU, Deutsch als Sprache des Staates in das Grundgesetz aufzunehmen, schien bisher immer zu sein, dass so etwas komplett überflüssig sei. Daraus folgt aber im Umkehrschluss, dass es eigentlich auch kein Grund zur Aufregung sein sollte, wenn es doch mal so käme. Die Reaktionen auf den Beschluss des CDU-Parteitags aber lassen nicht nur auf den kommenden Wahlkampf schließen, sondern auch darauf, dass ein solcher Passus in der Verfassung die Kritiker wohl tatsächlich stören würde, sie also nicht nur Deutsch als verbindliche Staatssprache sehen, zumindest nicht für eine einer Verfassung gemäße Geltungsdauer. (mehr…)

Dávila der Woche (I)

Es gibt bestimmt eine ganze Reihe verschiedener Wege, zu Nicolás Gómez Dávila zu finden. (mehr…)

Ann Coulter springt über den Hai

Eine der schönsten Redewendungen des amerikanischen Englisch ist “to jump the shark”. Der diesbezügliche deutsche Wikipedia-Eintrag hält sich bei seiner Erklärung streng an den Ursprung dieses Ausdrucks. Darüber hinausgehend bedeutet es übersetzt etwa: durch extrem übertriebene Aktionen oder Äußerungen auf sich aufmerksam machen, um nachlassendes (Medien- bzw. Zuschauer-)Interesse umzukehren.

Ein Musterbeispiel hat jetzt wieder mal Ann Coulter abgeliefert. Nachdem ihre Ankündigung, bei der Präsidentenwahl notfalls Hillary Clinton zu wählen, um John McCain zu verhindern, in dem Vorwahl-Tohuwabohu untergegangen ist, hat sie jetzt nachgelegt:

Ich will McCain nicht mit Hitler vergleichen. Hitler hatte wenigstens eine schlüssige Steuerpolitik.

Hillary Clinton wollte sie übrigens nicht mit Stalin vergleichen, weil sie sich sonst bei dessen Nachkommen entschuldigen müsste…

Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann Ann Coulter bei Schmidt/Pocher anheuert; dann können sie zu dritt über Haie springen.

Sprachschluderei und Strategiedebatte in der F.A.Z.

F.A.Z.-Herausgeber Berthold Kohler liest offensichtlich nicht beim Antibürokratieteam mit. Das ist zu seinem eigenen Schaden: er hat heute in seinem Leitartikel den »bad guy« Roland Koch fast schon rührend als »bösen Jungen« übersetzt, nachdem dieser monatelang so überzeugend den miesen Kerl, den Bösewicht und den Kotzbrocken gegeben hat. Hätte Berthold Kohler diesen Artikel unserer Kollegen und die dazugehörigen Kommentare gelesen, wäre ihm das sicher nicht passiert.

In seinem Leitartikel schreibt Kohler, die CDU müsse nach der Hessenwahl auch über das Undenkbare nachdenken. Das Undenkbare ist in diesem Fall eine »schwarze Ampel«. Dazu dürften die hessischen Grünen aber nicht gleichzeitig für eine potentielle Koalition mit der SPD und mit den Kommunisten bereitstehen. Genau dadurch wird die Zusammenarbeit zwischen Schwarz und Grün nämlich undenkbar. Abgesehen davon war Koch ja im Wahlkampf der »böse Junge«, der alle anderen auf dem Spielplatz verhauen hat …  Kohler schließt:

Doch die Erfolge der Linkspartei zwingen auch die Union, über das Undenkbare nachzudenken. Hessen ist wieder zur Experimentierstube der deutschen Parteiendemokratie geworden, in der die Volksparteien versuchen (müssen), Mehrheiten mit Zukunft zustande zu bringen. Dazu muss freilich auch die CDU erst einmal an sich selbst glauben. Kochs Politik war und ist bei weitem nicht so falsch und so schlecht, wie sie jetzt geredet und geschrieben wird.

Das mag sein. Aber sein Wahlkampf war unterirdisch.

Rückblende: Ben Bernanke vs. “Dean Glenn Hubbard”

In den letzten Tagen muss ich oft an das Video denken, dass Steven Levitt damals als “the best  economics humor ever” bezeichnet hat (via). Im Moment wird Glenn Hubbard ganz froh sein, dass er nicht an Ben Bernankes Stelle ist, sondern sich als Berater von Mitt Romney Wahlversprechen ausdenken darf.

Ich weiß, dass das jetzt wie Schadenfreude aussieht, aber das Video ist einfach zu gut. Und Schadenfreude empfinde ich absolut überhaupt gar keine, weder in Bezug auf Bernanke noch in Bezug auf die amerikanische Wirtschaftslage.

Every breath Bernanke takes

Every breath you take
Every change of rate
Jobs you don’t create
While we still stagflate
I’ll be watching you

(…)

Cruise-Knopp-Goebbels: Unseren täglichen Nazi-Vergleich gib uns heute

Ich sollte sonntags früher frühstücken, damit mich die Nazis bzw. die Nazi-Vergleiche nicht immer auf nüchternen Magen erwischen.

Letzte Woche Goebbels um 9 Uhr 05 (Der totale Krieg, Deutschlandradio Kalenderblatt), heute eine halbe Stunde früher am Kiosk:

Guido Knopp: Cruise tritt auf wie Goebbels

Online liest sich das dann so:

Historiker Professor Dr. Guido Knopp (59), Chef der Redaktion Zeitgeschichte des ZDF, bewertet die Szene so: „Tom Cruise tritt auf wie Goebbels.“ Konkret denkt er an eine berüchtigte Rede von Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels. Knopp zu BILD am SONNTAG: „Es mag ja sein, dass Cruises Sprechweise bei vielen Erweckungsbewegungen in den USA üblich ist. Doch die Szene, in der er fragt, ob die Scientologen die Welt säubern sollen und alle Ja rufen, erinnert zwangsläufig jeden Deutschen, der sich für Geschichte interessiert, an die berüchtigte Sportpalast-Rede von Goebbels.“

Knopp ist Professor? Wusste ich noch gar nicht. Für was denn?

Hier das Video bei Gawker.com: Tom Cruise Uncut: The Freedom Medal Award Ceremony (das Video, um das es geht, ist ganz am Ende des Beitrags)
Alle Tom-Cruise-Artikel bei Gawker.com

Wenn ich dringend eine historische Einschätzung bräuchte und hätte die Wahl zwischen Knopp und Knoppers – dann würde ich mich für Knoppers (”das kleine Frühstückchen”) entscheiden. Guten Appetit! Und schönen Sonntag noch.

Lady Bitch Ray? Voll die Spießerin, Alter!

Ich bin stefanolix echt dankbar, dass er sich so an Lady Bitch Ray abarbeitet. Nicht nur, dass ich eine vergnügliche halbe Stunde mit youtube-Videos von der Frau verbracht habe, nein, mir ist mal wieder klar geworden, was ein Spießer ist.

Jemand wird nicht allein dadurch zum Spießer, dass er seinen gehäkelten Klorollenschoner auf der Hutablage seines Golfs spazierenfährt, die BILD liest und sich bei Wahlen auf Landesebene immer mit der Entscheidung zwischen NPD, CDU und SPD schwertut – sondern dadurch, dass er sich krass korrekt an die soziokulturellen Parameter seiner eigenen Community hält, weil er entweder zu fantasielos oder zu feige ist, auch nur einmal davon abzuweichen.

Und deshalb ist Lady Bitch Ray eine Spießerin – und die Kaltmamsell nicht! Ätsch!

Schnauze! Sonst Beule! heißt jetzt …

Deutschland, Deine Experten. Gerade im Deutschlandfunk aufgeschnappt:

… und die dann auf körperbetonte Kommunikationswege ausweichen …

Also, “Schnauze! Sonst Beule!” heißt in Zukunft:

“Könntest Du bitte Deine Aussage im Wege der viergeteilten Ich-Botschaft verbalisieren? Sonst sehe ich mich gezwungen, auf körperbetonte Kommunikationswege auszuweichen.” 

Im Moment, Koch sei Dank, kommen im Deutschlandfunk dauernd solche Experten zu Wort. Ich glaub’, ich sollte mir irgendeinen Urdu- oder Farsi-Sender suchen. Da verstehe ich wenigstens nichts. Und die Musik ist auch besser.

Broder nun wieder

Henryk Milhouse Broder (nicht zu verwechseln mit Henryk Martin Brodeur, der viel mehr Shut Outs verbuchen kann als der SPIEGEL-Kolumnist) ist jemand, den ich mal wirklich als Querdenker geschätzt habe. Seitdem “The Clash” allerdings nicht mehr mit einer grandiosen Punk-Reggae-Funk-Dub-Combo, sondern “of the Cultures” verbunden wird, hat sich Broder mehr und mehr zu einem klassischen Troll gewandelt, der mit der Keule ebenso umgehen kann, wie mit dem Florett… sofern vorne am Florett eine Keule befestigt ist.

Und offensichtlich versucht Broder gar nicht mehr zu diskutieren, sondern copypastiert sich fröhlich selbst. Schnell die beliebtesten Evergreens aus dem Setzkasten geholt (Klimapaniker, europäische Appeaseniks, das iranische Atomprogramm) und nur noch hie und da einen tagesaktuellen Bezug eingefügt, fertig ist die Glosse. Zumindest bekomme ich den Eindruck, wenn ich mir diesen Text so ansehe. Will sagen (im besten Colonel-Klink-Tonfall): “Brooooooooooooder!”

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Alte Feindschaft, neu aufgelegt

Viele werden sagen, das sei Alarmismus und völlig übertrieben. (Das sagen “viele” immer, egal, ob das Übertriebene dann plötzlich Wirklichkeit wird.) Aber klingt aus den Verlautbarungen der Sozialdemokraten langsam nicht wieder die von Totalitären bekannte Feindschaft gegen Vernunft und Wissenschaft durch?

Ich will keineswegs behaupten, die SPD wäre eine totalitäre Partei oder verfolgte bewusst das Ziel, eine totalitäre Herrschaft zu errichten. Aber mir wird recht ungemütlich zu Mute, wenn ich einen Arbeitsminister Scholz von “professoralem Unsinn” schwätzen höre. Was mich an Gazpromi Schröder erinnert, der abschätzend über “diesen Professor aus Heidelberg” herzog.

Hier scheint die Politik des Bauches, des Gefühls, der Emotionen mal wieder aufzutrumpfen. Und die Scheu abgelegt zu haben, die sie vor kurzem dann doch noch vor Wissenschaft und Vernunft gehabt hatte.

Godwins Law

Braucht es denn noch mehr als das, um den letzten Friedensnobelpreis als Peinlichkeit zu empfinden?
Und dass sich die eigenen Zweifel an dem verstärken, was dieser Wanderprediger uns verkaufen will?

via Der Lindwurm

Google in China, mal wieder

Im B.L.O.G.-Pliozän bzw. -Pleistozän haben Rayson und ich schon einmal etwas über das Engagement von Google in China geschrieben. Die Kommentator-Reaktionen waren seinerzeit nicht so der burner.

Mittlerweile strebt Google bekanntermaßen nach der Weltherrschaft und hat sogar offizielle Kritiker, die vor Übermut warnen, in beidem der Volksrepublik nicht ganz unähnlich. Und zum Thema “Google in China” gibt es Neuigkeiten. (mehr…)

§ 182 Abs. 1 StGB n.F. vulgo: Sex-Verbot für Jugendliche

Ich bin geschockt. Dass die Schutzaltersgrenze auf 18 Jahre angehoben wird, kann ich noch verkraften. Aber:

- dass Bundesregierung und Bundesrat ohne Begründung auf das Erfordernis eines Mindestalters auf Täterseite verzichten

- dass sich Oppositionspolitiker erst heute (und nur in der BILD bzw. im SPIEGEL) darüber aufregen

[Ergänzung 11. Dezember 2007, 13:15 Uhr: Nach den Lawblog-Kommentaren von "h.c."(# 7 und # 9) hat zumindest die FDP-Bundestagsfraktion einiges gegen den Gesetzesentwurf unternommen bzw. zu unternehmen versucht. Dann stellt sich allerdings die Frage, warum es trotzdem nicht gelungen ist, Spiegel Online früher auf die Sache aufmerksam zu machen; immerhin geht es um Sex, Gewalt und GroKo-Schelte]

- und dass die Bundesministerin der Justiz wider besseres Wissen in einer Presseerklärung mindestens einem Oppositionspolitiker, der sich darüber aufregt, bescheinigt, eine falsche Aussage getroffen zu haben

das lässt meinen Politik-Verdruss doch immens anschwellen.

(mehr…)

Oswald Metzger und die Sozialhilfe-Biografien

SpOn: Metzger pöbelt gegen Sozialhilfeempfänger 

Metzger selbst zeigte Verständnis für die Kritik. Er könne “nicht nur austeilen, sondern auch einstecken”. Er sagte der Nachrichtenagentur ddp, Pauschalurteile seien ihm fremd. Seine kritischen Worte hätten sich vor allem auf die “zweite und dritte Generation von Sozialhilfe-Biografien” bezogen. Damit meine er vor allem Eltern, die nicht in der Lage seien, ihre Kinder zu motivieren, sondern diese “vor der Glotze verdummen” lassen. “Diese Form von Stilllegung brandmarke ich”, fügte Metzger hinzu. 

Und womit hat er angeblich die Stilllegung gebrandmarkt? SpOn behauptet: (mehr…)

Sachen gibts …

Ein Newsweek-Artikel über Angela Merkel. Lede:

Merkel is learning to forget her radical reform agenda.

Autor: Joschka Fischer

Mal wieder nur die Hälfte

Es ist so normal, dass es kaum mehr der Erwähnung wert ist: Minister, die sich mit Großzügigkeit beim Verteilen fremder Leute Geld in Szene setzen.

Heute ist es der Herr Gabriel. Geld für Eigenheimbesitzer (also eher den gehobenen Mittelstand, der das Steuergeld dafür wohl auch hauptsächlich aufgebracht hat; aber lassen wir diese Spitzfindigkeiten, die keinen Politiker interessieren), wenn sie sich neue Heizungen und eine Solarwärmeanlage kaufen.

Dazu sagt der Mann:

Das hilft dem Klimaschutz und gleichzeitig dem Handwerk und der mittelständischen Industrie

Lassen wir den Klimaschutz (und alle Wut über dieses dumme Pauschal”argument”) mal beiseite. Dann fällt mir dazu auch mal wieder nur ein, die passende Stelle bei Bastiat zu verlinken.
Aber was hilft’s: Vernunft und Logik ist Sache solcher, sich über Verteilen fremden Gelds definierenden Politiker natürlich nicht.

Sie wissen nicht, was sie tun. (2)

Okay, machen wir eine Serie daraus. In der Sache nichts Neues in Bezug auf Online-Durchsuchungen, aber die Unkonzentriertheit erreicht neue Höhepunkte:

Plötzlich zwölf Handys, Lawblog

“Herr Dr. Schäuble, wie können Sie garantieren, dass die Online-Durchsuchung tatsächlich nur in Einzelfällen eingesetzt wird?”

Erster Auszug aus der Antwort des Bundesministers des Inneren, Herrn Dr. Wolfgang Schäuble (vollständiges Transkript beim RA Blog):

(…)

Und deswegen bleibt, der Norbert Geis, dass 99, die Aussage, dass 99% nicht betroffen sind, wenn er gesagt hätte 99,9% werden niemals davon betroffen sein, hätte er auch Recht gehabt.

(…)

(mehr…)

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