Erzwungen

Der Kapitalismus ist perfide. Besonders frech ist es, wenn er Bedürfnisse bedient, die eigentlich von ihren Erfindern gegen ihn gerichtet sind. Die Ökobewegung kritisiert “Fabrikfraß”, und die Handelsketten, statt in Selbstzerknirschung um die Erlösung durch Räteherrschaft zu bitten, bieten einfach Bioprodukte an. Das ist eine Frechheit sondergleichen, die gutmenschlich geächtet gehört. Und wer wäre für den Aufschrei der derart Geknechteten besser geeignet als das Sturmgeschütz der Bürokratie, der “Spiegel” bzw. seine Onlineausgabe. Die Liste der Vergehen ist lang: (mehr…)

Das Böse ist immer und überall

Es ist absehbar, dass die Gesundheitspolitik zum einem beherrschenden Thema der Amtszeit dieser Bundesregierung werden wird. Einmal, weil das jetzige System an vielen Ecken und Enden so sehr knirscht, dass praktisch jede Regierung mit irgendwelchen Reformpaketen beschäftigt war, um die Illusion zu nähren, die Knappheit der Ressourcen sei beim Gesundheitswesen nicht gegeben, wenn man das nur doll genug wolle. Und dann natürlich, weil sich bei diesem Thema herrlich Emotionen wecken lassen, die von der jeweiligen Opposition ausgenutzt werden.

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Same procedure as most recently

Die letzte Bundestagswahl hat zumindest eines erreicht: Die Presselandschaft ist wieder berechenbarer geworden. Wenn man mal von unerschütterlichen Parteigängern wie der “Frankfurter Rundschau”, der “taz” oder gar dem “Neuen Deutschland” absieht, haben sich auch andere Presseorgane mittlerweile eindeutig positioniert. Die FAZ lässt keinen Zweifel mehr daran, dass sie sich dem konservativen Flügel der Union zurechnet (auf den Politikteil bezogen), und der “Spiegel” hat sich nicht nur entschlossen, Gabriel zum deutschen Obama zu machen, sondern auch die neue Koalition nach allen Regeln der Kunst (bzw. was der “Spiegel” dafür hält) sturmreif zu schießen.

Wie kotzlangweilig.

PS: Eine Zeitung oder Zeitschrift mit überwiegend liberaler Ausrichtung ist hierzulande seltener als ein Einhorn. Eigentlich unglaublich, wo wir Liberalen doch das Geschäft der herrschenden Klasse besorgen, wenn man unseren linken Freunden glaubt.

Amerika, du hast es besser

Akhavan ist zugleich internationales Aushängeschild der Telekom und ein Fremdkörper im Vorstand des Konzerns: Der gebürtige Iraner hat nie verhehlt, dass er lieber in den USA lebt als in Deutschland. Die Landessprache seines Bonner Arbeitgebers hat er nie erlernt, den deutschen Lebensalltag empfand er als zu kompliziert und unverständlich. So kann sich Akhavan stundenlang darüber aufregen, dass deutsche Fernsehzuschauer bereit sind, stumpfsinnige Sendungen mit Werbepausen im Fernsehen zu akzeptieren, statt sich ein Bündel werbefreier Kanäle mit Spielfilmangeboten für eine Pauschale von 50, 60 Euro monatlich zu buchen, wie es die Amerikaner tun.

(Quelle: FTD)

Man kann sich gar nicht so recht entscheiden, was absurder ist: Wie lebensfremd und volkswirtschaftlich unbedarft Vorstände deutscher DAX-Konzerne sein können oder wie unkritisch-servil deutsche Journalisten schreiben.

Die Logik stinkt

Die Welt berichtet vom Preisrekord auf dem Knoblauchmarkt und macht dafür drei Gründe dingfest, von denen zwei sicherlich treffend sind, der dritte aber Unfug ist, auch wenn er so schön ins Bild des bösen Kapitalisten passt. Chinesen glauben offenbar das Knoblauch gegen die Schweinegrippe hilft und decken sich mit dem aromatischen Zwiebelgewächs ein bis zur Halskrause. Das macht Sinn. Bis vor dem Ausbruch der Wirtschaftskrise boomte die Nachfrage schon einmal, brach dann zusammen und veranlasste die Bauern zur Reduktion der Anbaufläche und damit des derzeitigen Angebots. Chinas Bevölkerung leidet offenbar nicht nur unter der Schweinegrippe, sondern auch unter dem Schweinezyklus. Schließlich sollen die Preise auch wegen der Spekulanten steigen, weil diese die damals billig eingekauften Knollen jetzt gewinnbringend auf den Markt werfen würden. Moment mal, da erhöht jemand das Knoblauchangebot um Gewinne zu machen, für die er, ganz nebenbei, zu Zeiten des Überangebots ein erhebliches finanzielles Risiko eingegangen ist und das soll die Preise treiben. Bekanntlich sinkt mit steigendem Angebot der Preis, weshalb wir chinesischen Knoblauchspekulanten sehr dankbar sein sollten. Offenbar scheuen nicht nur Vampire den Knoblauch, sondern Welt-Journalisten auch die ökonomische Logik.

Energ(et)ische Verdrängung

Glühbirnen produzieren Wärme, m.a.W sie sind leuchtende Elektroheizungen. Doch hüte man sich vor dem Versuch, dies in einer Wirtschaftlichkeitsberechnung alternativer Leuchtmittel zu berücksichtigen. Man kann sich darauf verlassen, dass sich jemand findet, der sich das verbittet. Auch mein gestriger Beitrag zum Thema LED-Leuchte vs. Glühlampe in der Freien Welt hat mir diesbezüglich Schelte eingebracht. Wer manchen Leuten mit Kapitalwertberechnungen die technologische Euphorie kaputt machen will, der muss sich eben auf hässliche Bemerkungen gefasst machen.

Herr Tumas Diary

Wie versucht man witzig zu sein – und wirkt doch irgendwie ganz anders? Das sind die entscheidenden Fragen, die sich der Spiegel-Krisenkolumnist Thomas Tuma in seinem geheimen Tagebuch stellt. Es zeigt: Seriöse Berichterstattung macht einem vom Wahlergebnis frustrierten Journalisten keinen Spaß. (mehr…)

Wie früher…

SpON druckt heute morgen einen Artikel gegen das Vergessen der Vergangenheit der LINKEN ab, dem die Information zu entnehmen ist, dass sich die Landestagsfraktion der LINKEN seit 2002 weigerte die Umbenennung der Arnstädter Str. 51 in Jürgen-Fuchs-Str. 51, benannt nach dem in der DDR inhaftierten Bürgerrechtler und Schriftsteller, zu akzeptieren, weshalb sie auch weiterhin die alte Adressangabe im Briefkopf benutzen würde.

Ich habe mir nach der Lektüre gedacht, das kontrollierst du mal und googelte nach “Arnstädter Str. 51 Linke”. Und siehe da, was findet die Suchmaschine: Einen Verweis auf die Kontaktseite der Thüringer Landtagsfraktion der LINKEN, auf der aber plötzlich die Adressangabe “Jürgen-Fuchs-Str. 51″ lautet. Eine Recherche in jüngeren Dokumenten der Fraktion, die nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion editiert werden können, ergab tatsächlich, dass die LINKE-Fraktion bis vor kurzem die alte Adressangabe verwendete.

Fazit: Auch heute will die LINKE vertuschen, selbst ihre jüngste Vergangenheit. Statt wie immer die Quadratur des Kreisen zu wagen und eigentlich nicht zu rechtfertigende Dinge zu rechtfertigen oder zumindest dazu zu stehen, was man da in peinlicher Geschichtsvergessenheit all die Jahre vom Stapel gelassen hatte, wird die Sache klammheimlich zu den Akten gelegt. Wer weiß, vielleicht merkts ja niemand…

Skandal um Klausi

Ist es eigentlich ein “Eklat“, wenn eine bekannt merkbefreite Dumpfbacke sich doch tatsächlich wieder als merkbefreite Dumpfbacke erweist?

Diese Karikatur würde auch unter dem legendären Team von 1954 wahrscheinlich genug “Plastedeutsche” finden.

Mein Therapievorschlag: Ein Monat auf Schalke in der Fan-Kurve.

Automatisierte Wahl

Ich gebe es zu: Ich bin ein großer Fan des Wahl-O-Mat. Auch wenn das Ja/Nein/Neutral-Schema eigentlich viel zu unscharf ist, spuckte der Automat mir eigentlich immer eine recht zuverlässige Rangordnung aus, die ich auch so unterschreiben würde (wenn ich das denn in unserem Wahlsystem dürfte). Das Prinzip ist einigermaßen erfolgreich und wird dementsprechend gerne kopiert.

Die FDP Berlin zum Beispiel unterhält das Liberal-O-Meter. Die Frage ob ich da zu den ersehnten 100% gelange ist für mich natürlich der höchstwissenschaftliche Lackmustest über die Gültigkeit dieses Messverfahrens. Schließlich habe ich die Lufthoheit über die Definition des “one and only liberalism” (TM).

Ein anderes Automatisierungsverfahren hält der, mir durchaus sympathische, FoeBuD e.V. unter dem Titel “Bürgerrechte wählen” bereit. Ich möchte mal dazu einladen, dass jeder der interessierten Leser diesen Test über sich ergehen lässt. Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere sein orange-rotes Wunder erleben wird. Das Wunder ist aber keines, wenn man die Auswahl der Fragen mal etwas kritischer beäugt und wenn man weiß, dass Parteiprogramme leider nicht alles sind. Das hat der Liberale, der sich zur Wahl dann doch noch zum gelben Kreuz quält, schon häufig genug erfahren.

Was ich aber besonders mild-würzig finde ist, dass der FoeBuD e.V:
1) Durch die Art der Fragestellung schon vorher suggeriert was eine freiheitliche Entscheidung wäre. Bei den meisten Fragen finde ich es eindeutig. Aber bei vielen wird so wenig Kontext vermittelt (irgendwelche “neutralen” Kommissionen und Arbeitsgruppen), dass man da als Liberaler kaum man mal eben einfach auf “stimmt so” klicken kann ohne weitere Infomationen zu erhalten.

2) Man dem Punkt “Parteien im Vergleich” eine gewisse Parteilichkeit nicht absprechen kann: Die Grünen kommen ziemlich gut weg (da könnte man noch was von der “Grünen Giftliste” – Achtung FDP-Meinung – hinzufügen). Die FDP wird zu Recht für ihre Verfehlungen kritisiert. Unter anderem für den Sündenfall des Großen Lauschangriffs – auch wenns natürlich etwas zurückliegt (leider noch nicht lange genug) und sich die Meinung dazu in der Partei gewandelt hat.

Aber: Wie wäre es damit, sich dann auch mit der selben Konsequenz mit der Geschichte der LINKEn auseinanderzusetzen? Gleichbehandlung n’ Rechtsidentität n’ Stuff?

Schlechter Journalismus: Ein Musterbeispiel für die Lehrbücher

…natürlich von SPON und dort natürlich von Marc Pitzke:

Kongress-Gezänk sabotiert Obamas Megaprojekt

Erfahren wir etwas über den Inhalt der geplanten Reform? Nein.
Erfahren wir etwas über die Argumente der Reformgegner? Nein.

Aber wir erfahren, dass Obamas Gegner aus Rechtsextremen, Rassisten und böswilligen Konservativen vom rechten Rand bestehen.
Und dass Demokratie irgendwie störend ist, wenn ein Heiland seine Wunder am amerikanischen Volk tun möchte.

Wir erfahren also mehr über einen bornierten Schreiberling und seine Vorurteile als über das behandelte Thema.

Warum wohl?

Auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe des Spiegel fragt man sich, “Warum der Kapitalismus nicht aus seinen Fehlern lernen kann”. Ohne den Beitrag gelesen zu haben, kann ich sagen: “Das Prinzip Gier” ist nicht der Grund, nein, man lässt es nicht dazu kommen.

Die schlimmste Verbraucher-Falle

Man tue so als wäre ein großer Einkaufswagen für den Verbraucher, was die Heroin-Dosis für den Junkie ist, vertrete den Standpunkt nicht die Fahrzeugreparatur sondern den Automechaniker kaufen zu müssen, unterstelle dem Konsumenten, dass Lesen nur etwas für Hochintelligente wäre, lege noch ein paar Dutzend weitere Trivialitäten des Konsumentenalltags zwischen zwei Buchdeckel und verkaufe das Ganze als Verbraucher-Buch, fertig ist die größte Verbraucher-Falle von allen. Selten werden die Konsumenten so dreist abgezockt wie von ihrem obersten Verbraucherschützer.

Prokrustes-Prinzip

Nur, damit wir uns mal vor Augen halten, was das da für ein Europa ist, das wir dieses Jahr mit unserer Wahl neu legitimieren sollen:

Wie die EU Internet-Nutzer nerven will

SPON-Autor Frank Patalong beschreibt da ein absurdes Vorhaben der EU zur Regulierung der sogenannten “Cookies”. Dass die EU sich berufen fühlt, hier Zwangsinstrumente einzusetzen, ist tatsächlich komplett lächerlich, da jeder, der Kontrolle über die bei ihm gespeicherten “Cookies” haben möchte, sich z.B. nur den neuesten Firefox zu installieren braucht.

Aber ein Satz in dem Artikel hat mich dann doch erschreckt. Er zeigt, wie sehr die Ablehnung Patalongs fallbezogen ist, und wie wenig er das eigentliche Problem unlegitimierter zentralistischer Machtausübung erkannt hat:

denn EU-Direktiven sind nach dem Subsidiaritätsprinzip in Landesgesetze umzusetzen.

Eine solche Vergewaltigung des Subsidiaritätsprinzips outet den gläubigen, zentralistischen Etatisten. Ich fürchte, diese Haltung ist Mehrheitsmeinung. Der Demokratie kommt eben viel schneller das Volk abhanden als die Herrschaft.

Daimler, VW und grottenschlechter Journalismus

In einem Artikel auf “Spiegel Online” versucht Michael Kröger, den Versagern des Daimler-Managements das leuchtende Beispiel Volkswagen gegenüberzustellen.

Insgesamt hat der Konzern damit im Auftaktquartal mit 332.300 Pkw und Nutzfahrzeugen 34 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft. Gleichzeitig schrumpfte der Umsatz konzernweit um 22 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro.

Eine Frage allerdings beantwortet der Daimler-Boss bei seinen Auftritten nie: Wie konnte es dazu kommen, dass Daimler so tief in die Krise rutscht, während zum Beispiel der Konkurrent Volkswagen von Rekord zu Rekord eilt?

Von Rekord zu Rekord? (mehr…)

Stell dir vor

… die Großnichte eines bekannten Deutschen gewinnt in Südafrika als erste weiße Frau seit dem Ende der Apartheid einen Ministerpräsidentenposten in einer Art Bundesland gegen den alles dominierenden ANC, und das deutsche Fernsehen verschweigt es. (mehr…)

Windige Talkshow

Wer gestern Abend die Gelegenheit verpasst hat die RBB-Talkshow “Klipp und klar” zu sehen, der hat eigentlich nichts verpasst. Schließlich hat die Sendung ihr Versprechen, eine ausgewogene Darstellung der Position der Gegner und Befürworter des subventionsgetriebenen Ausbaus der Windenergie in Brandenburg zu präsentieren, nicht eingelöst. Während die Befürworter beim ewigen Singsang über die ökologischen und ökonomischen Vorteile blieben und sich in der Position der in die Zukunft denkenden Gutmenschen sonnten, schaffte es die Opposition nicht, ihre berechtigten Argumente zu bündeln und schlüssig auf den Punkt zu bringen. Weil ich es nicht dabei belassen möchte, trage ich meine Gedanken zu den großen Mythen der Windenergie an dieser Stelle zusammen. (mehr…)

Und Lauterbach ist ein intelligenter Mann

Ich bestreite nicht, dass Karl Lauterbach ein intelligenter Mensch ist. Aber im Gegensatz zu SPON reicht mir das nicht für Anbetung. Karl Lauterbach ist ein intelligenter Mensch, der sich gerne der staatlichen Zwangsinstrumente bedient, um seine eigenen Präferenzen durchzusetzen. Liberale stört sowas. Im Gegensatz zu Hofberichterstattern.

Winnenden, Theorien und die große Diskussion im Web

Eigentlich wollte ich relativ schnell etwas zu Winnenden schreiben. Nicht nur bin ich aus der Perspektive eines werdenden Sozialarbeiters heraus natürlich sehr an Jugendgewalt interessiert, als ehemaliger begeisterter Spieler von Egoshootern und aktives Mitglied eines Schützenvereins gehöre ich auch zu den Gruppen, die nach Ansicht mancher mitverantwortlich für solche Katastrophen sein könnten. Nur: Ich kam leider nicht dazu, etwas zu schreiben, und mittlerweile ist alles schon gesagt, nur noch nicht von jedem (also: von mir!).

Darum wähle ich hier einen etwas anderen Ansatz und beschäftige mich mit den Schnipseln anderer Blogeinträge und -kommentare, die mir besonders aufgefallen sind, stelle sie nebeneinander und gebe meine Meinung dazu ab. Vielleicht bildet sich daraus ja ein interessantes Bild.

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“Qualitäts”-Medien

Auch beim zweiten Blogger-Seminar in Gummersbach wurde eifrig über die Unterschiede zwischen klassischem Journalismus und Blogging als neue Form von Journalismus diskutiert.

Und angesichts der Zusammensetzung des Seminars war es nicht überraschend, daß der Anspruch mancher Mainstream-Publizisten, sie würden Qualität produzieren – und die Blogs eben nicht, ganz deutlich zurückgewiesen wurde.

Vielmehr sei es im Gegenteil so, daß Blogger meist besser recherchieren und ihre Behauptungen auch durch Links nachprüfbar machen – und damit nicht nur Glaubwürdigkeit beim Leser gewinnen, sondern eben auch potentiell eine höhere Qualität des Dargestellten.

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