Warum wohl?

Auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe des Spiegel fragt man sich, “Warum der Kapitalismus nicht aus seinen Fehlern lernen kann”. Ohne den Beitrag gelesen zu haben, kann ich sagen: “Das Prinzip Gier” ist nicht der Grund, nein, man lässt es nicht dazu kommen.

Die schlimmste Verbraucher-Falle

Man tue so als wäre ein großer Einkaufswagen für den Verbraucher, was die Heroin-Dosis für den Junkie ist, vertrete den Standpunkt nicht die Fahrzeugreparatur sondern den Automechaniker kaufen zu müssen, unterstelle dem Konsumenten, dass Lesen nur etwas für Hochintelligente wäre, lege noch ein paar Dutzend weitere Trivialitäten des Konsumentenalltags zwischen zwei Buchdeckel und verkaufe das Ganze als Verbraucher-Buch, fertig ist die größte Verbraucher-Falle von allen. Selten werden die Konsumenten so dreist abgezockt wie von ihrem obersten Verbraucherschützer.

Prokrustes-Prinzip

Nur, damit wir uns mal vor Augen halten, was das da für ein Europa ist, das wir dieses Jahr mit unserer Wahl neu legitimieren sollen:

Wie die EU Internet-Nutzer nerven will

SPON-Autor Frank Patalong beschreibt da ein absurdes Vorhaben der EU zur Regulierung der sogenannten “Cookies”. Dass die EU sich berufen fühlt, hier Zwangsinstrumente einzusetzen, ist tatsächlich komplett lächerlich, da jeder, der Kontrolle über die bei ihm gespeicherten “Cookies” haben möchte, sich z.B. nur den neuesten Firefox zu installieren braucht.

Aber ein Satz in dem Artikel hat mich dann doch erschreckt. Er zeigt, wie sehr die Ablehnung Patalongs fallbezogen ist, und wie wenig er das eigentliche Problem unlegitimierter zentralistischer Machtausübung erkannt hat:

denn EU-Direktiven sind nach dem Subsidiaritätsprinzip in Landesgesetze umzusetzen.

Eine solche Vergewaltigung des Subsidiaritätsprinzips outet den gläubigen, zentralistischen Etatisten. Ich fürchte, diese Haltung ist Mehrheitsmeinung. Der Demokratie kommt eben viel schneller das Volk abhanden als die Herrschaft.

Daimler, VW und grottenschlechter Journalismus

In einem Artikel auf “Spiegel Online” versucht Michael Kröger, den Versagern des Daimler-Managements das leuchtende Beispiel Volkswagen gegenüberzustellen.

Insgesamt hat der Konzern damit im Auftaktquartal mit 332.300 Pkw und Nutzfahrzeugen 34 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft. Gleichzeitig schrumpfte der Umsatz konzernweit um 22 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro.

Eine Frage allerdings beantwortet der Daimler-Boss bei seinen Auftritten nie: Wie konnte es dazu kommen, dass Daimler so tief in die Krise rutscht, während zum Beispiel der Konkurrent Volkswagen von Rekord zu Rekord eilt?

Von Rekord zu Rekord? (mehr…)

Stell dir vor

… die Großnichte eines bekannten Deutschen gewinnt in Südafrika als erste weiße Frau seit dem Ende der Apartheid einen Ministerpräsidentenposten in einer Art Bundesland gegen den alles dominierenden ANC, und das deutsche Fernsehen verschweigt es. (mehr…)

Windige Talkshow

Wer gestern Abend die Gelegenheit verpasst hat die RBB-Talkshow “Klipp und klar” zu sehen, der hat eigentlich nichts verpasst. Schließlich hat die Sendung ihr Versprechen, eine ausgewogene Darstellung der Position der Gegner und Befürworter des subventionsgetriebenen Ausbaus der Windenergie in Brandenburg zu präsentieren, nicht eingelöst. Während die Befürworter beim ewigen Singsang über die ökologischen und ökonomischen Vorteile blieben und sich in der Position der in die Zukunft denkenden Gutmenschen sonnten, schaffte es die Opposition nicht, ihre berechtigten Argumente zu bündeln und schlüssig auf den Punkt zu bringen. Weil ich es nicht dabei belassen möchte, trage ich meine Gedanken zu den großen Mythen der Windenergie an dieser Stelle zusammen. (mehr…)

Und Lauterbach ist ein intelligenter Mann

Ich bestreite nicht, dass Karl Lauterbach ein intelligenter Mensch ist. Aber im Gegensatz zu SPON reicht mir das nicht für Anbetung. Karl Lauterbach ist ein intelligenter Mensch, der sich gerne der staatlichen Zwangsinstrumente bedient, um seine eigenen Präferenzen durchzusetzen. Liberale stört sowas. Im Gegensatz zu Hofberichterstattern.

Winnenden, Theorien und die große Diskussion im Web

Eigentlich wollte ich relativ schnell etwas zu Winnenden schreiben. Nicht nur bin ich aus der Perspektive eines werdenden Sozialarbeiters heraus natürlich sehr an Jugendgewalt interessiert, als ehemaliger begeisterter Spieler von Egoshootern und aktives Mitglied eines Schützenvereins gehöre ich auch zu den Gruppen, die nach Ansicht mancher mitverantwortlich für solche Katastrophen sein könnten. Nur: Ich kam leider nicht dazu, etwas zu schreiben, und mittlerweile ist alles schon gesagt, nur noch nicht von jedem (also: von mir!).

Darum wähle ich hier einen etwas anderen Ansatz und beschäftige mich mit den Schnipseln anderer Blogeinträge und -kommentare, die mir besonders aufgefallen sind, stelle sie nebeneinander und gebe meine Meinung dazu ab. Vielleicht bildet sich daraus ja ein interessantes Bild.

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“Qualitäts”-Medien

Auch beim zweiten Blogger-Seminar in Gummersbach wurde eifrig über die Unterschiede zwischen klassischem Journalismus und Blogging als neue Form von Journalismus diskutiert.

Und angesichts der Zusammensetzung des Seminars war es nicht überraschend, daß der Anspruch mancher Mainstream-Publizisten, sie würden Qualität produzieren – und die Blogs eben nicht, ganz deutlich zurückgewiesen wurde.

Vielmehr sei es im Gegenteil so, daß Blogger meist besser recherchieren und ihre Behauptungen auch durch Links nachprüfbar machen – und damit nicht nur Glaubwürdigkeit beim Leser gewinnen, sondern eben auch potentiell eine höhere Qualität des Dargestellten.

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Kleine Klimakunde

Eine Rekordhitze in Deutschland ist ein Trend, der die globale Erwärmung belegt. Eine Rekordkälte aber ist natürlich lediglich ein Ausrutscher.

Von der Immobilienblase in die Pessimismusblase

Es ist keine zwei Jahre her, da glaubte fast jeder der Immobilienboom fände kein Ende. Auch dem Ölpreis wurde bescheinigt, er könne wohl kaum mehr sinken. Jeder setzte bei seinen Investitionsentscheidungen auf diese Entwicklungen, weil auch alle anderen es taten. Bis alles anders kam und die Immobilienblase platzte und der Ölpreis wieder in den Keller ging. Doch nicht nur der Boom hatte viel mit einer Massenpsychose zu tun, sondern auch die Krise erinnert stark daran. Schließlich kennen die meisten von uns den wirtschaftlichen Niedergang nur aus der Zeitung voller Fotos und Statements hemdsärmliger Krisenmanager. So eine Informationskaskade verursacht schlechte Laune und verbreitet Unsicherheit. Allein die Tatsache, dass viele Leute ihre Zeit mit der Lektüre endloser Hiobsbotschaften verschwenden, statt sich einfach ganz entspannt ihrer täglichen Arbeit oder anderen nützlichen Dingen zu widmen, legt nahe, dass es sich bei der Krise ein Stück weit um eine selbst erfüllende Prophezeiung handelt.

Weil also der Optimismus der vergangenen Jahre nicht vernünftiger oder besser begründet war als der aktuelle Pessimismus, brauchen wir eigentlich kein Konjunkturprogramm. Nein, wir brauchen eigentlich nur weniger fernsehen und Tageszeitungen lesen. Lieber ein Buch zur Hand nehmen, am besten schon ein paar Jahre alt, in dem man lesen kann, wie die Welt funktioniert und wie man sie gestalten kann, wie man sich an ihr freut und nicht wie man sich vor ihr fürchtet. Und dann sollte man diesen Optimismus ebenso schnell verbreiten wie der Pessimismus sich heute fortpflanzt.

Ich halte ja eigentlich nichts davon, sich am Überbringer schlechter Nachrichten auszulassen. Doch in diesem Fall sollte man wohl eine Ausnahme machen und die ganzen Miesepeter des Krisenzirkus mit Nichtachtung strafen.

Opfer der Finanzkrise?

Der Unternehmer Adolf Merckle wird nach seinem Freitot in den Medien als Opfer der Finanzkrise hingestellt. Tatsächlich war Merckle sein eigenes Opfer: Opfer seiner Geschäftsgebaren und seiner Selbstüberschätzung. Was hinderte den alten Mann daran mit dem Verlust der Führungsposition seines Familienunternehmens fertig zu werden und auf seine alten Tage wandern zu gehen oder am Kamin ein gutes Buch zu lesen? Der Kapitalismus nicht, und auch nicht die Finanzkrise. So bedauerlich sein Tod ist, das Wirtschaftssystem in Sippenhaft für diesen Suizid zu nehmen ist vollkommen unangemessen.

Anmerkung: Ich weise darauf hin, dass ich nicht Herrn Merckle, sondern seine Darstellung in der Presse als Opfer der Finanzkrise kritisiere. Angesichts der Presseberichterstattung zu dem Fall muss man davon ausgehen, dass den Mann die Krise seines Unternehmens gebrochen hat. Das ist sehr bedauerlich. Er hat seine Entscheidung zur Konfliktbewältigung getroffen. Das will ich hier nicht bewerten und auch nicht so verstanden wissen. Ein Selbstmord bedeutet zwangsläufig, dass ein Mensch sich selbst zum Opfer gefallen ist, wozu er sein gutes Recht hat. Nur bedeutet das nicht, dass man externen Ereignissen dafür die Schuld zuschieben kann, zumal viele Menschen vergleichbare Situationen anders meistern. Nicht mehr und nicht weniger beabsichtigte ich hier auszudrücken. Sollte ich jemandem mit meinen Äußerungen zu nahe getreten sein, bitte ich dies zu entschuldigen.

Manipulation gegen Rechts

Rechtfertigt eigentlich der “Kampf gegen Rechts” die Manipulation der Öffentlichkeit? (mehr…)

Wo ist die Besonderheit?

Kann mir mal jemand erklären, was an einem Koalitionsvertrag so außergewöhnlich sein soll, in dem steht, dass man sich im Bundesrat enthält, wenn sich die Koalitionspartner nicht einig sind? Sogar so außergewöhnlich, dass man sich das nur mit der schnellen Aushandlung und der Gewieftheit des einen Verhandlungspartners erklären kann?

Kann außerdem jemand erläutern, warum es die CSU “kalt erwischt”, wenn die Bürgerrechtspartei FDP gegen den größten Angriff auf bürgerliche Freiheitsrechte seit Jahrzehnten eintritt? Und was so überraschend an der Tatsache ist, dass sie nicht einfach alles mitmacht, was der große Koalitionspartner von ihr verlangt?

Zusammenfassend gesagt also: Was ist so überraschend daran, wenn eine Koalition eben keine Alleinregierung ist und die FDP-Landtagsabgeordneten nicht geschlossen in die CSU eintreten, nur weil man gemeinsam regiert?

Am liebsten wäre es mir ja, wenn mir Joachim Peter und Torsten Jungholt das erklären könnten. Aber da stehen die Chancen wohl schlecht.

Aktueller Online-Journalismus bei SpOn

Wer zu früh den Bericht schreibt, den bestraft das Endergebnis… 3:0, du Pappnase!

Herrje!

Selbst im Feuilleton kann man sich bei SpOn manchmal die Haare raufen.

Da erkennt die Autorin inmitten ihres Lobs einer deutschen House-Kopie schon selbst, dass es sich um eine billige House-Kopie handelt, liefert tonnenweise Beweise genau dafür, freut sich dann aber doch darüber, dass es sich um eine deutsche Krankenhausserie handelt, die anders ist als die “Schwarzwaldklinik”.

Manchmal denke ich, dass das deutsche Fernsehen bessere Eigenproduktionen hätte, wenn nur die Hälfte der Energie, die darauf verwendet wird, amerikanische Serien ein wenig abzuwandeln, in Originalität wandern würde. Herrje!

Hysterie?

Keine Frage, die Schaffnerin, die ein zwölfjähriges Mädchen wegen angeblichen Schwarzfahrens des Zuges verwiesen hat, handelte vollkommen falsch. Nicht nur, dass sie die Möglichkeit gehabt hätte, den Fall so aufzunehmen, dass die Kleine ihre Fahrkarte nachträglich hätte vorlegen können, sie verstieß auch gegen Bestimmungen, indem sie eine Minderjährige des Zuges verwiesen hat und nicht einmal versuchte, Kontakt zu den Eltern aufzunehmen. Möglicherweise trägt daran ihre Führung eine gewisse Mitschuld; von einem Bekannten, der im Kontrolldienst bei der Bahn gearbeitet hat, weiß ich, dass dem Kontrollpersonal durch Druck jedes Mitleid mit Schwarzfahrern und ihren abenteuerlichen Geschichten ausgetrieben wird.

Ein wenig seltsam erscheint mir übrigens auch, dass zwar mehrere Mitreisende ihr helfen wollten, indem sie ihr eine Karte kaufen wollten, aber weder das Mädchen selbst noch einer dieser hilfsbereiten Mitreisenden ein Mobiltelefon gehabt zu haben scheint, mit dem sie wenigstens ihre Eltern hätte anrufen können – eine arme Familie ohne Telefon vermute ich nicht, da sie mit einem Cello aus der Musikschule kam, sicher kein sehr preiswertes Hobby.

Aber das Rauschen, das nun durch die toten Bäume streift, scheint mir doch etwas übertrieben, gar hysterisch, von dem Kommentaren eifriger Leser ganz zu schweigen. Immerhin war das Mädchen schon zwölf Jahre alt, also kaum noch ein Kindergartenkind. Da sind fünf Kilometer durch die Dunkelheit sicher sehr unangenehm, aber doch keine Katastrophe. Ich erinnere mich, dass ich im gleichen Alter im Winter auch von Freunden nach Hause gelaufen bin, die ein paar Kilometer entfernt wohnten – und dunkel war es da auch. Eine deutlich ältere Bekannte meinte sogar, wenn ihr das damals passiert wäre, hätten ihre Eltern nicht nur den längeren Fußmarsch als “selbst eingebrockt” bezeichnet, sondern sogar noch mit ihr dafür geschimpft, dass sie besser auf ihr Portemonnaie hätte achten sollen. Ob das stimmt, weiß ich nicht (und es wäre auch sicher falsch gewesen), denkbar ist es aber auf jeden Fall.

Wenn ich dann Kommentare lese, in denen sich jemand erleichtert zeigt, dass die Kleine keinem Sexualtäter zum Opfer gefallen ist, frage ich mich doch, wo manche Leute leben. In dem Land, in dem ich lebe, lauert jedenfalls nicht hinter jedem Busch einer, der nur auf kleine Kinder wartet, die es zu vergewaltigen gilt.

Alles in allem kann ich den Zorn der Eltern verstehen, begreife auch sehr gut, dass diese nun gegen die Bahn und vor allem die Schaffnerin vorgehen. Warum aus dieser Sache aber alsgleich eine Staatsaffäre gemacht werden muss, die die ganze Republik beschäftigt, als sei das Mädchen mit knapper Not aus der Hand der Taliban befreit worden, dafür reicht mein Verständnis nicht aus.

Zeitgemäße Expertise

Kein Wunder, dass am Schluss seine beiden härtesten Gegenspieler in der Runde, der Bremer Wirtschaftwissenschaftler Rudolf Hickel und die ARD-Bösenexpertin Anja Kohl, ausgerechnet ihm ihr Kapital anvertraut hätten, wenn es darum gehen sollte, es solide anzulegen.

(FAZ.net)

Schöner Weltuntergang

“Lehman-Kollaps reißt DAX in die Tiefe”
“Anleger weltweit in Angst”
“Apocalypse now an den Börsen” (Titel inzwischen geändert, aber noch so in Google News)

Jetzt stelle ich mir mal einen Reporter vor (am besten Wigald Boning mit Spülbürste), der Leser dieser Schlagzeilen befragt, wie stark die Verluste des DAX denn nun waren. Welche Antworten könnten wir da erwarten? Also Einbrüche von 30% mindestens müsste man bei solchen Begriffen doch erwarten, oder?

Der DAX fiel gestern um 2,7 Prozent.
Bis heute mittag fiel er um weitere 0,8 Prozent.

Das heißt: Jemand mit einem DAX-Zertifikat im Wert von 100 Euro hätte, wenn er es denn jetzt verkaufte, knapp 3,48 Euro verloren. Ein ärgerlicher Verlust, sicherlich. Aber “Tiefe”? “Angst”? “Apokalypse”? Wie gut muss es Anlegern eigentlich gehen, die solche Vokabeln für solche Ereignisse verwenden?

P.S.: Nicht, damit wir uns falsch verstehen: Die Krise wird ihre negativen Folgen haben, auch für die deutsche Wirtschaft, und viele Menschen werden durch sie in Probleme geraten. Aber die Offenbarung des Johannes bleibt erstmal Vision.

Nicht alles was hinkt …

… ist ein Vergleich.
Um nicht zu sagen: Nur der besondere Respekt vor Rayson hat mich davon abgehalten, hier als Überschrift “Märschen (2)” für die absonderlichen Vergleiche des Herrn Steingart zu wählen.

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