Ein höheres Angebot bedeutet bei unverändertem Nachfrageverhalten sinkende Preise. Es gibt wenige wirtschaftliche Grundprinzipien, die so zuverlässig eintreten wie diese Regel. Das hält eine Gruppe linker und autonomer Aktivisten nicht davon ab, den Anrainern des ehemaligen Flughafen Tempelhofs eine fingierte Mieterhöhung mit der Warnung vor dem Neubau neuer Wohnungen auf dem ehemaligen Flughafengelände in den Briefkasten zu werfen. Es dürfte allgemein bekannt sein, dass der Wohnungsneubau, auch von Luxusappartements, u.a. zu einem Wegzug betuchterer Mieter aus dem bisherigen Wohnungsbestand in die neuen Wohnungen und damit einer Erhöhung des Angebots preiswerter Wohnungen im Altbestand führt. Ähnliches ist auch durch eine wohnungsbauliche Erschließung des ehemaligen Flughafengeländes zu erwarten.
Es mag sein, dass der Neubau den Wohnwert in der Gegend insgesamt aufwertet, weil mit den neuen Wohnungen auch eine bessere Versorgungsinfrastruktur und ein attraktiveres Kulturangebot im Kiez Einzug hält. Das aber dürfte kaum ausreichen den gesamten Preissenkungseffekt der Angebotsausdehnung zu kompensieren. Mit Sicherheit dürfte es für die jetzigen Mieter preiswerte Wohnungen in Gegenden geben, in denen sie sich bislang keinen Wohnraum leisten konnten. Bemerkenswert sind diese etwas abwegigen Befürchtungen auch vor dem Hintergrund, dass die Furcht vor sinkenden Immobilienpreisen durch eine Baulandausweitung im Innenstadtbereich eine der inoffiziellen Begründungen der Befürworter des Weiterbetriebs des Flughafen Berlin Tempelhof war. Es ist nun wirklich kein Geheimnis, dass die künstliche Verknappung von Bauland, gern auch aus Naturschutzgründen oder mit der Forderung nach öffentlichen Parkanlagen vorgetragen, das potentielle Wohnungsangebot reduziert und für höhere Mieten sorgt.
Sollten es die Aktivisten mit ihrer Aktion tatsächlich schaffen den Wohnungsbau in Tempelhof zu behindern, dann haben sie den Anwohnern damit einen Bärendienst erwiesen. Die Immobilienbesitzer und öffentlichen Wohnungsunternehmen reiben sich derweil die Hände, lässt doch der verhinderte Konkurrenzdruck die Mieten da wo sie jetzt sind. Tempelhofs Bürger sollten wirklich mehr Grips an den Tag legen, als derart begriffsstutzigen Aktivisten auf den Leim zu gehen.