Fiat money und die Krise

Man stelle sich vor, die Banken hätten all ihre Aktiva zu 100% durch Einlagen bei der Zentralbank oder durch Eigenkapital decken müssen. Wäre der Staat dann je in die Verlegenheit gekommen, systemrelevante Banken vor dem Zusammenbruch retten zu müssen?

Man lese Norbert Härings “Es werde Geld – es werde Krise” im Handelsblatt.

Ich mag Moby…

… und wenn es nur wegen seiner konstruktiven Einstellung zum Thema “illegaler Musikdownloads” ist.

Update: Passend hierzu der Verweis auf eine neue empirische Studie zum Thema auf Against Intellectual Monopoly:

While this confirms what we thought informally, it is the first study I’ve seen with hard numbers: musicians income up due to increased demand for their live performances; the total production of songs way up, even as the recorded sales have dropped. Basically – the internet balancing distribution cost and business model against the reduction in demand for recordings has helped musicians and increased the output of music. A really careful detailed analysis.

Vom Stress in einer stressfreien Gesellschaft

Viele Europäer wünschen sich eine “neue Wirtschaftsordnung”, um den Stress struktureller und konjunktureller Veränderungen hinter sich zu lassen. In einem sehr schönen Essay schreibt Anthony de Jasay wie stressig so eine Ordnung werden kann:

Reading of 11-digit bank losses and trillion-dollar deficits, of crisis and meltdown, and trembling for their jobs, people are stressed and dream of a “new economic order”, an escape from stressful and unpredictable capitalism. No matter that most of what they are told about such an order is hot air, they believe in it as they long for a world where they own their jobs and cannot be fired, where prices are “just” and do not fluctuate, where healthcare is free, pensions safe, and perhaps above all, nobody earns much more than they do. In most of Europe, the egalitarian obsession is becoming frenzied and a major source of stress.

The trouble is that a tolerably efficient economy generates stress and cannot be purged of it without going back to quasi-medieval and quasi-bolshevik ways. It is worth pausing a moment to see why this is so.

Too obviously, though, it would not and could not become stressless. The stress of living in a hapless, impoverished economy subjected to really radical equalising policies hardly bears thinking about. But how to tell this to the masses clamouring to be led to Fantasyland?

Ein Elch mit Nobelpreis

Ich hatte vor fast einem Jahr mal diesen Link gebracht, weil ich das für eine gelungene Satire hielt.

Aber wieder einmal bestätigt sich, dass die Wirklichkeit die Fähigkeiten selbst begnadeter Satiriker zu übertreffen imstande ist. Im August des Jahres 2002 schrieb doch tatsächlich mal ein Wirtschaftswissenschaftler:

To fight this recession the Fed needs more than a snapback; it needs soaring household spending to offset moribund business investment. And to do that, as Paul McCulley of Pimco put it, Alan Greenspan needs to create a housing bubble to replace the Nasdaq bubble.

Ich glaube, diese Art “Voodoo-Ökonomie” muss Paul Krugman gemeint haben, als er jüngst davon sprach, dass die meisten Arbeiten im Bereich der Makroökonomie in den letzten 30 Jahren bestenfalls unnütz, schlimmstenfalls aber schädlich waren. Leider sprechen die jüngsten Aussagen des Ökonomen, dem wir das obige Zitat verdanken, nicht dafür, dass er die Tragweite von Krugmans Feststellung begriffen hat.

(via Arnold Kling vom “EconLog”, mit weiteren interessanten Verweisen in den Kommentaren)

Wo ist der Mut zum Risiko?

Auf die Tränendrüsen der Leser wollte man offenbar in der Wochenendausgabe der FAZ mit dem Beitrag “Die Milchbauern-Rechnung” drücken. Was dabei heraus kam, war jedoch eine “Milchmädchen-Rechnung” und ein beredtes Zeugnis dafür, dass der Unternehmergeist unter der Bauernschaft, wenn es ihn überhaupt jemals gab, vollends vor die Hunde gegangen ist.

Da wird der Bauer zitiert, er hätte ohne viel eigenes Kapital, dafür aber mit Mut zum Risiko eine ehemalige LPG erworben. Doch wo bleibt der Mut, wenn uns hier eine Vollkostenrechnung präsentiert wird, nach der bei dem gegenwärtigen Milchpreis lediglich keine vollständige Fixkostendeckung erzielt, aber dafür alle variablen Kosten entgolten werden. Also eine betriebswirtschaftlich völlig normale Situation, mit der jeder Unternehmer klar kommen sollte, wenn sie nicht dauerhaft auftritt. Wo steht geschrieben, dass ein Unternehmen jedes Jahr ein Anrecht auf Gewinnüberschüsse hat? Zumal man sich an fünf Fingern ausrechnen kann, dass der zitierte Hof bei relativ geringen Milchpreisanstiegen wieder solide Überschüsse erwirtschaften würde, wie im Artikel für das Vorjahr beschrieben wurde. Kein Wort auch davon, dass der Bauer nur etwas Land, etwas Vieh und einige Milchquoten verkaufen bräuchte, um wirtschaftlich wieder deutlich besser dazustehen. Aber nein, das unternehmerische Risiko sollen die Konsumenten und Steuerzahler übernehmen, der Gewinn wird dann wieder in die privaten Taschen gesteckt. Für mich gibt es da nur eine Reaktion: Ich kaufe die billige ALDI-Milch!

Bastiat meets Baudrillard

Man musste damit rechnen, gerade in einem Wahljahr ständig daran erinnert zu werden, dass Politik und ein Teil der Medien die Dinge, die man sieht, gegenüber denen bevorzugen, die man nicht sieht. Das gilt um so mehr, als sich aller Augen in banger Erwartung “der Krise” auf den guten Vater Staat richten. Und so wird wohl wieder einmal Geld, das vorher den Produktiven abgenommen wurde, dafür eingesetzt, den Unproduktiven unter die Arme zu greifen, die ihre Kernkompetenz eher im richtigen Ausfüllen von Antragsformularen sehen.

Was aber bei Opel passiert, ist eine seltsame Mischung aus Baudrillard und Bastiat. (mehr…)

Auswahlverfahren

Als angehender Ökonom lernt man, dass knappe Güter über verschiedene Auswahlverfahren verteilt werden können (und immer auch müssen!): Versteigerung, Windhundverfahren, Verlosung, Gottesurteil etc.

Kommt die Politik ins Spiel, gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Freundschaft, bzw. in der negativen Ausprägung: Feindschaft. (mehr…)

Eine Anstaltspackung Patronapoteca, bitte

Der Motor des Neoliberalismus, die europäische Ebene, schlägt wieder zu – indem sie das deutsche Apothekermonopol verteidigt.

Die Begründungen sind die gleichen, die auch gerne von Interessensvertretern der Apotheker zitiert werden: eine bessere Beratung und der Gesundheitsschutz sollen durch die inhabergeführten Apotheken garantiert werden. In der Praxis stellt sich allerdings heraus, dass dem nicht unbedingt so sein muss. Was den betroffenen Personenkreis natürlich nicht daran hindert ob der Durchsetzung seiner Interessen Beifall zu klatschen.

Weniger strikte Alternativen zur Durchsetzung der angeführten Ziele brauchen da gar nicht erst in Betracht gezogen werden und obendrein hat, laut diesem FTD-Kommentar, der Gerichtsprozess ein gewisses Geschmäckle..

Noch bleibt ein aktuelles Statement von der Organisation aus, die unter Kritikern gerne (leicht übertrieben gesprochen) als Apothekerverband der das Parteiengesetz beachten muss, bezeichnet wird. Leider ist folgendes Beispiel als ein weiteres Körnchen Wahrheit in der Sache zu werten:
Als Vorsitzender der JuLis hätte Daniel Bahr wohl kaum das Apothekermonopol verteidigen dürfen. Als Mitglied des Bundesvorstandes der FDP ist allerdings diese Position deutlich hoffähiger.

Warum wohl?

Auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe des Spiegel fragt man sich, “Warum der Kapitalismus nicht aus seinen Fehlern lernen kann”. Ohne den Beitrag gelesen zu haben, kann ich sagen: “Das Prinzip Gier” ist nicht der Grund, nein, man lässt es nicht dazu kommen.

Falsche Freunde

Ein höheres Angebot bedeutet bei unverändertem Nachfrageverhalten sinkende Preise. Es gibt wenige wirtschaftliche Grundprinzipien, die so zuverlässig eintreten wie diese Regel. Das hält eine Gruppe linker und autonomer Aktivisten nicht davon ab, den Anrainern des ehemaligen Flughafen Tempelhofs eine fingierte Mieterhöhung mit der Warnung vor dem Neubau neuer Wohnungen auf dem ehemaligen Flughafengelände in den Briefkasten zu werfen. Es dürfte allgemein bekannt sein, dass der Wohnungsneubau, auch von Luxusappartements, u.a. zu einem Wegzug betuchterer Mieter aus dem bisherigen Wohnungsbestand in die neuen Wohnungen und damit einer Erhöhung des Angebots preiswerter Wohnungen im Altbestand führt. Ähnliches ist auch durch eine wohnungsbauliche Erschließung des ehemaligen Flughafengeländes zu erwarten.

Es mag sein, dass der Neubau den Wohnwert in der Gegend insgesamt aufwertet, weil mit den neuen Wohnungen auch eine bessere Versorgungsinfrastruktur und ein attraktiveres Kulturangebot im Kiez Einzug hält. Das aber dürfte kaum ausreichen den gesamten Preissenkungseffekt der Angebotsausdehnung zu kompensieren. Mit Sicherheit dürfte es für die jetzigen Mieter preiswerte Wohnungen in Gegenden geben, in denen sie sich bislang keinen Wohnraum leisten konnten. Bemerkenswert sind diese etwas abwegigen Befürchtungen auch vor dem Hintergrund, dass die Furcht vor sinkenden Immobilienpreisen durch eine Baulandausweitung im Innenstadtbereich eine der inoffiziellen Begründungen der Befürworter des Weiterbetriebs des Flughafen Berlin Tempelhof war. Es ist nun wirklich kein Geheimnis, dass die künstliche Verknappung von Bauland, gern auch aus Naturschutzgründen oder mit der Forderung nach öffentlichen Parkanlagen vorgetragen, das potentielle Wohnungsangebot reduziert und für höhere Mieten sorgt.

Sollten es die Aktivisten mit ihrer Aktion tatsächlich schaffen den Wohnungsbau in Tempelhof zu behindern, dann haben sie den Anwohnern damit einen Bärendienst erwiesen. Die Immobilienbesitzer und öffentlichen Wohnungsunternehmen reiben sich derweil die Hände, lässt doch der verhinderte Konkurrenzdruck die Mieten da wo sie jetzt sind. Tempelhofs Bürger sollten wirklich mehr Grips an den Tag legen, als derart begriffsstutzigen Aktivisten auf den Leim zu gehen.

Verweis zum 1. Mai

Irgendwas zum 1. Mai? Aber gerne, wenn auch nicht von uns, sondern von einem, der sich damit auskennt ;-)

Einspruch!

Wer da glaubt, die Welt kenne nur noch Ökonomen, die ihr Heil in Konjunkturprogrammen suchen, und wer da glaubt, Paul Krugman tauge als Aushängeschild eines ökonomischen “Paradigmawechsels”, der lese mal Robert Barro.

Zwei meiner Lieblingszitate:

For a while there was this ridiculous view that there was this massive consensus in favor of Keynesian stimulus. And Biden even said at some point that “Every economist agrees that we need this stimulus.” Of course that was always nonsense.

Oh, well he [Krugman] wrote a series of posts saying he thought the World War II spending evidence was not good, for a variety of reasons, but I guess…

He said elsewhere that it was good and that it was what got us out of the depression. He just says whatever is convenient for his political argument. He doesn’t behave like an economist. And the guy has never done any work in Keynesian macroeconomics, which I actually did. He has never even done any work on that. His work is in trade stuff. He did excellent work, but it has nothing to do with what he’s writing about.

Skandal: Die Deutsche Bank will zu viel Erfolg

Was machen die Politiker eigentlich, wenn Ackermann sein Ziel erreicht? Können wir bald auf ein Renditebegrenzungsgesetz hoffen?

Avast, Ye Scurvy Scum!

UPDATE 23.04.09: Interessenskonflikt des vorsitzenden Richters?

Überraschend, für diejenigen die den Prozess verfolgt haben, hat ein schwedisches Gericht die Betreiber der Filesharing-Suchmaschine The Pirate Bay in erster Instanz schuldig gesprochen. Die drei Betreiber und ihr ursprünglicher Geldgeber wurden zu einer einjährigen Haftstrafe (keine Bewährung) und zu ca. 2,7 Millionen Euro Entschädigungszahlungen verurteilt. Dabei lief der Prozess für die Angeklagten zuerst sehr erfreulich, wurden doch schon die Hälfte der Anklagepunkte am zweiten Verhandlungstag fallengelassen: es zeigte sich sehr schnell, dass die Anklage wenig Ahnung von den technischen Hintergründen von BitTorrent und den damit assoziierten technischen Aspekten hat. Die Anwälte der Verurteilten haben schon Berufung angekündigt. Dieser Fall wird durch alle Instanzen gehen. Da gehen noch ein paar Jährchen ins Land.
Da der Server der Betreiber sowieso nicht in Schweden steht, wird das muntere Treiben in der Bucht ohnehin weitergehen. Und wenn nicht dort, dann woanders. Die Möglichkeiten urhebergeschütztes Material im Netz zu bekommen sind dermaßen verbreitet und die Loyalität der Filesharer gegenüber den Anbietern ziemlich gering. Die Karawane zieht weiter. Ist schließlich nicht das erste Mal, dass so etwas passiert.

Aus rein technischer Sicht macht The Pirate Bay nicht viel anders als Google (wer auch nur etwas bewandert ist, weiß wie leicht es ist torrent-Dateien oder andere Quellen über Google zu finden). Der prozentuale Anteil des Missbrauchs unterscheidet sich. Die meisten Nutzer kommen zu Pirate Bay auf der Suche nach urhebergeschützten Materialien, da besteht kein Zweifel. Auch nicht daran, dass die Betreiber das wissen. Und auch nicht daran, dass das Anbieten solcher Materialien illegal ist und sein sollte. Dennoch lässt sich die Plattform auch legal verwenden.

Die Grundfrage um die es sich hier im Kern aber dreht ist: kann jemand der ein Produkt anbietet (und in diesem Fall geht es nur um eine Plattform zum Austausch und zur Bewertung von torrent-Dateien), dass missbraucht werden kann (und auch in hohem Umfang missbraucht wird) für den konkreten Missbrauch haftbar gemacht werden? Ist das eine  binäre Entscheidung oder gibt es da bestimmte Schwellen? Wenn ja, wie sehen die aus?
Als klassische Analogie wird gerne die Handfeuerwaffe oder das Küchenmesser zitiert, immer mit der Frage: dürfen die Hersteller für Todesfälle durch den Gebrauch dieser Gegenstände haftbar gemacht werden? Was ist mit Alkohol? Zigaretten? Autos? Kleingegenstände an denen Kinder ersticken können?
Freilich geht es hier nicht um Lebensgefahr, sondern um die legitimen Einkommensinteressen von Urhebern und Industrie. Auch wenn diese Industrie auf einer Urheberrechtsgesetzgebung und Durchsetzung beruht, die meiner bescheidenen Meinung nach unverhältnismäßig ist – genau wie dieses Urteil.

Ökonomie zwischen Voodoo und Realismus

Die Welt kann so einfach sein, zumindest in den Aussagen vieler Spin Doctors dieser Tage.

Nehmen wir die Reaktionen auf die Wirtschafts- und Finanzkrise. Dass sie nicht eine Krise “der” freien Marktwirtschaft, sondern eine eines eher im Vergleich reichlich unfreien bestimmten Marktes ist, haben liberale Stimmen oft genug erläutert, wobei m.E. die Frage “Staat oder Privat” hier am Kern der Sache vorbeizielt, weil zwar die privaten Akteure auf den Märkten für ihr Handeln verantwortlich sind, aber der Staat gerade in diesem Markt, der mit seinem Monopolprodukt umgeht, dem Geld, für die Verfassung des Marktes mitverantwortlich ist und insbesondere in den USA wenig segensreich interveniert hat. Menschen reagieren auf Anreize, und die Marktverfassung hat bestimmte Anreize gesetzt. (mehr…)

Was tun in Zeiten der Krise?

Endlich gibt es einen neuen wichtigen Beitrag, wie der Staat mit der aktuellen Krise umgehen sollte. Lesen Sie hier, was ver.di-Chef Bsirske vorschlägt. Wenn sich die deutsche Regierung jetzt also darauf verständigen könnte, all das nicht zu tun, wäre wenigstens der größte Unsinn schon mal vermieden.

Steuerlogik

Nichts gehört so sehr zum allgemeinen Verständnis wie die Tatsache, dass Selbständige im Gegensatz zu Arbeitnehmern von zig “Steuerschlupflöchern” profitieren.
Als Betroffener kann ich diese Logik nicht nachvollziehen: Das Gegenteil scheint da angemessen. (mehr…)

Papierkrieger

Es scheint so, als wären nicht einmal Terrororganisation vor einer einfachen Wahrheit gefeit: mit der Größe Organisationen steigt die Wahrscheinlichkeit, notwendige Bürokratie durch einen Bürokratismus zu ersetzen.
Oder anders: “Bürokratie wächst dadurch, dass sich immer mehr Menschen verzetteln.”

Reden wir über Grundsätzliches

Ich bin ja nur ein Hobby-Ökonom. (mehr…)

Diplomatische Immunität

In der Debatte darüber, ob eine Enteignung bei Banken wie der HRE gerechtfertigt und geboten sein könnte, geht ein kleiner, aber feiner Unterschied immer unter. Denn die überzeugende Begründung für die Enteignung lautet, dass ohne die Staatshilfe die Anteile der vorherigen Inhaber sowieso wertlos seien und dass es keinen Grund gebe, Aktionäre für die “systemische Relevanz” ihrer Bank in Krisenzeiten zu belohnen. Bloß: Was ist eigentlich mit den Kreditgebern? (mehr…)

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