Verrat oder Mord?

David Friedman fragt Paul Krugman, der in einer unglaublichen Polemik die US-Abgeordneten, die gegen den Markey-Waxman-Bill stimmten, als “Verräter am Planeten” geißelte, ob er selbst sich angesichts der zu erwartenden wirtschaftlichen Konsequenzen dieses Gesetzes zwischen Verrat und Mord entscheiden wolle. Man kann nur hoffen, dass diese Breitseite ordentlich gesessen hat.

Aber es ist nicht nur das von Friedman angeschnittene Problem der steigenden Lebensmittelpreise aufgrund der im Gesetz verankerten Bioenergieförderung, das diese Gesetzesvorlage zu einem mörderischen Unterfangen macht. Auch William Nordhaus hat vor einigen Monaten ausgerechnet, dass eine isolierte Klimapolitik ein Mehrfaches der aus ökonomischer Perspektive sinnvollen Kostenbelastung verursachen würde. Chip Knappenberger zeigte, dass das Gesetz keine ernstzunehmende Klimawirkung zeigt und Indur Goklany machte kürzlich in einer Veröffentlichung für die Friedrich-Naumann-Stiftung deutlich, dass mit dem Finanzbedarf eines Kyoto-Abkommens ein Vielfaches der globalen Klimaprobleme für den Menschen durch pure Anpassungsmaßnahmen und Armutsprävention gelöst werden könnten.

Ignoranz und Ideologie kann auch den intelligentesten Nobelpreisträgern im Handumdrehen zu fragwürdigen Äußerungen verleiten. So einen nützlichen Idioten hat die Ökonomen-Profession der Politik schon lange nicht mehr gestellt.

Was ist ein Klimaforscher?

Jemand der seine eigenen Witze ernst nimmt.

Und was für Leute glauben noch an solche Witze? Diese Sorte von Umweltschützern:

Ms. Barnes decided to use a cooler [um ihren umweltschädlichen Fußabdruck in Form eines stromfressenden Kühlschranks zu verkleinern], which she refilled daily during the summer with ice that she brought home from an ice machine at her office. That worked fine until she began to travel out of town for her job this fall, and the system hit a snag.

(Dis-)Benefits of Green Jobs

“Investing $150 billion in clean energy would create an estimated 1.7 million new jobs.” schreibt das Center for American Progress. Das macht etwa 64000 Euro pro Job im Jahr. Mal abgesehen davon, dass die Finanzierung eines Arbeitsplatzes ökonomische Kosten und keinen Nutzen darstellt, erreichen die Amerikaner hiermit die Größenordnungen der Arbeitsplatzkosten infolge der hiesigen Steinkohlesubventionierung. Dass dies arbeitsmarktpolitischer Nonsens ist, weiß außer einigen NRW-Politikern hierzulande jedes Kind. Nun gut, die Kollegen von der Erneurbare-Energien-Förder-Fraktion glauben diesen Unsinn auch.

Zäune haben ein schlechtes Image

Sascha Tamm erklärt, warum das so ist und weshalb wir sie trotzdem stehen lassen sollten. Lesenswert!

Blonde Klimaengel

Lumo hat ausgerechnet, dass der Besuch beim Friseur mehr für die Rettung des Klimas bringt als eine Reduktion der Treibhausgasreduktionen durch den Verzicht aufs Autofahren:

Even if a brunette changes her hair color to blonde, the effect on the energy budget of the Earth is equivalent to many kilometers of driving her car.

Warum? Nun er vergleicht den globalen Temperatureffekt eines weiß getünchten Gebäudedaches mit dem Temperatureffekt eines im Auto zurückgelegten Kilometers und kommt zu dem Ergebnis, dass der verschwindent geringe Effekt der Dachmalerei immer noch ausreicht, um 12500 Fahrzeugkilometer zu kompensieren. Folglich wird aus jedem Mann im weißen Porsche ein Klimaschützer, erst recht, wenn er sich mit einer Blondine auf dem Beifahrersitz schmückt.

Beim Zappen aufgeschnappt

Gestern blieb ich zappend bei einer Podiumsdiskussion hängen, die anlässlich des Kommunalkongresses 2009 stattfand. Das Thema lautete “Soziale Marktwirtschaft zwischen Ethik und Gier”, und es diskutierten ein paar der üblichen Verdächtigen, also die Herren Struck und Kauder ebenso wie die Frau Künast, und die beiden Ränder “Ethik” und “Gier” sah man wohl mit Bischöfin Käßmann und Ökonom Zimmermann hinreichend besetzt.

Eigentlich halte ich es bei solchen Diskussionen nicht lange aus. (mehr…)

Stellen Sie Fragen!

Das Skeptiker Handbuch der Australierin Joanne Nova steht jedem, der einen kompetenten Berater für den täglichen Umgang mit dogmatischer Klimapolitik benötigt, jetzt auch in deutscher Sprache zur Verfügung. Unbedingt lesenswert und diskussionswürdig!

Nichts ist umsonst

Ein schauriges Beispiel für die Opportunitätskosten der Energieeffizienz bietet der Crashtest eines Smart:

Consumers who buy minicars to economize on fuel are making a big tradeoff when it comes to safety in collisions, according to an insurance group that slammed three minimodels into midsize ones in tests.

In a report prepared for release on Tuesday, the Insurance Institute for Highway Safety said that crash dummies in all three models tested — the Honda Fit, the Toyota Yaris and the Smart Fortwo — fared poorly in the collisions. By contrast, the midsize models into which they crashed fared well or acceptably. Both the minicars and midsize cars were traveling 40 miles per hour, so the crash occurs at 80 m.p.h.

The institute concludes that while driving smaller and lighter cars saves fuel, “downsizing and down-weighting is also associated with an increase in deaths on the highway,” said Adrian Lund, the institute’s president.

“It’s a big effect — it’s not small,” he said in a telephone interview.

Kapitalismus in der Krise?

Angeblich entsteht die Krise des Kapitalismus wegen des Überflusses an Gütern. Tatsächlich, mit unglaublichem Tempo reduzieren Wettbewerb und technischer Fortschritt die ökonomische Knappheit. Und so wird es auch immer billiger ideologischen Unsinn über den Kapitalismus an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Ist eine Wirtschaftsordnung, die es seinen Feinden so leicht macht, nicht tatsächlich in der Krise? Ganz im Gegenteil!

Windige Talkshow

Wer gestern Abend die Gelegenheit verpasst hat die RBB-Talkshow “Klipp und klar” zu sehen, der hat eigentlich nichts verpasst. Schließlich hat die Sendung ihr Versprechen, eine ausgewogene Darstellung der Position der Gegner und Befürworter des subventionsgetriebenen Ausbaus der Windenergie in Brandenburg zu präsentieren, nicht eingelöst. Während die Befürworter beim ewigen Singsang über die ökologischen und ökonomischen Vorteile blieben und sich in der Position der in die Zukunft denkenden Gutmenschen sonnten, schaffte es die Opposition nicht, ihre berechtigten Argumente zu bündeln und schlüssig auf den Punkt zu bringen. Weil ich es nicht dabei belassen möchte, trage ich meine Gedanken zu den großen Mythen der Windenergie an dieser Stelle zusammen. (mehr…)

Wann geht das Licht in Deutschland aus?

Dank dem Hause Gabriel und seinem Entwurf zum Energieeffizienzgesetz wissen wir endlich, wann in Deutschland das letzte Licht ausgemacht werden muss. Dort plant man den Energieverbrauch pro Jahr um ein Prozent zu senken und dafür die Energielieferanten verantwortlich zu machen. Ausgehend von einem Endenergieverbrauch von rund 8500 Petajoule im Jahr 2007 würde das bedeuten, dass in 369 Jahren der Endenergieverbrauch auf das Niveau des heutigen Energieverbrauchs für die Beleuchtung Deutschlands (208 PJ) zu senken wäre. Spätestens dann ist zumindest schrittweise Verdunkelung angesagt. Doch bevor wir in der Finsternis der Nacht verloren gingen, würden wir spätestens in etwa 130 Jahren anfangen zu erfrieren, weil dann das Niveau des heutigen Raumwärmeverbrauchs von 2242 Petajoule nicht mehr überschritten werden dürfte. So lange haben wir also noch Zeit die verbleibenden Reste unseres industriellen Wohlstands zu nutzen, bis dann das verbleibende Energiekontingent ausschließlich für die Aufrechterhaltung der vegetativen Körperfunktionen aufgewendet werden muss.

Schon klar, die Rechnung ist natürlich großer Pfeffer, weil wir ja heute noch so viel Energie verschwenden und angeblich mit viel geringerem Verbrauch mindestens genauso gut leben könnten. Doch hat bei Lichte gesehen jede Energieeffizienzerhöhung ihren Preis und die Energieeffizienz ihre Grenzen, den schließlich brauchen Menschen zur Aufrechterhaltung ihrer Körperfunktionen einen energetischen Grundumsatz von rund 1600 kcal, wobei es illusorisch ist die dabei entstehende Körperwärme wieder voll nutzbar zu machen. Auch gebe ich zu, dass ich Volkswirt und kein Physiker bin, man mag mir also weitere analytische Schwächen nachsehen. Doch als Illustration für diesen zwangswirtschaftlichen Nonsens, mit dem die Bundesregierung da eilfertig die Auflagen des antidemokratischen Monsters EU umsetzen möchte, sind diese Überschlagsrechnungen allemal gut.

Der Vater der “Grünen Revolution” wird 95

Norman Borlaug, der amerikanische Agrarforscher, der wie kaum ein anderer zu dem als “Grüne Revolution” bekannten landwirtschaftlichen Produktivitätsschub seit Mitte des letzten Jahrhunderts beigetragen hat, feierte vor zwei Tagen seinen 95. Geburtstag. Seine bahnbrechenden Entwicklungen zur Verbesserung des Pflanzenwachstums und zur Erhöhung der Pflanzenresistenz gelten heute als eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die pessimistischen Prognosen der Malthussianer von einer Welt, die eine explodierende Bevölkerung nicht zu ernähren vermag, nicht eingetroffen sind. Anlässlich dieses Ehrentages erinnert der Weblog des amerikanischen Magazin Reason an ein Interview des heutigen Kritikers unrealistischer Träume eines globalen Ökolandbaus und Befürworter eines undogmatischen Umgangs mit der grünen Gentechnik. Seine Antwort auf die Frage nach dem globalen Ernährungspotential des Ökolandbaus lautet nüchtern:

That’s ridiculous. This shouldn’t even be a debate. Even if you could use all the organic material that you have–the animal manures, the human waste, the plant residues–and get them back on the soil, you couldn’t feed more than 4 billion people. In addition, if all agriculture were organic, you would have to increase cropland area dramatically, spreading out into marginal areas and cutting down millions of acres of forests.

At the present time, approximately 80 million tons of nitrogen nutrients are utilized each year. If you tried to produce this nitrogen organically, you would require an additional 5 or 6 billion head of cattle to supply the manure. How much wild land would you have to sacrifice just to produce the forage for these cows? There’s a lot of nonsense going on here.

If people want to believe that the organic food has better nutritive value, it’s up to them to make that foolish decision. But there’s absolutely no research that shows that organic foods provide better nutrition. As far as plants are concerned, they can’t tell whether that nitrate ion comes from artificial chemicals or from decomposed organic matter. If some consumers believe that it’s better from the point of view of their health to have organic food, God bless them. Let them buy it. Let them pay a bit more. It’s a free society. But don’t tell the world that we can feed the present population without chemical fertilizer. That’s when this misinformation becomes destructive…

Ich schließe mich den Glückwünschen an!

Ick bün al dor!

Was unterscheidet eigentlich den Staat von der supersympatischen RTL-Super Nanny? Das umschreibt Wolfgang Boger, der Herausgeber des Sammelbandes Der Staat als Super Super Nanny, sehr pointiert in dessen Vorwort:

Freilich unterscheidet sich der Staat in mindestens zwei Punkten erheblich von der Super Nanny. Während, erstens, die Super Nanny nur einige Tage bleibt, schickt uns der Staat von der Wiege bis zur Bahre nicht nur Formulare, sondern bleibt uns als Beraterin, Erzieherin, vor allem aber als (teuer entlohnte) Vormündin (wie man in der Schweiz sagt) erhalten. Seine prätendierten fachlichen Kompetenzen nehmen zu, seine juridischen ebenso. Die Super Nanny kann, zweitens, ihre segensreiche Wirkung nur dann entfalten, wenn die Familie in Not ihr Einlass gewährt, unser Staat dagegen sagt wie der Igel zum Hasen “Ick bün al dor!”, womit er völlig recht hat. Denn der Staat ist immer schon da und dies an mehreren Orten. Die staatliche Super Nanny ist also – richtig besehen – eine Super Super Nanny.

Viel mehr als dieser Vorgeschmack ist als Lektüreempfehlung für dieses Büchlein über die Abgründe der Political Correctness, Corporate Social Responsibility als gewinnwirtschaftliches Komplement einer Welt voller Gutmenschen, die Entdemokratisierung der Gesellschaft durch “moderne” Verbraucherschutzpolitik, die Gleichbehandlungspolitik als Entmündigungsstrategie, Sündensteuern, staatlich verordneten Gesundheitswahn und die schöne neue Welt des Gender-Mainstreamings nicht nötig. Hierfür gibt es – politisch total unkorrekt – einen Lesebefehl!

Die “Berliner Rede” – eine symptomatische Enttäuschung

Wie immer heutzutage muss man unterscheiden zwischen dem Ereignis selbst und dem, was die Medien sowie in Minuten-Statements wiederkäuend die offiziöse Politik daraus machen. In unserer Zeit ist Wahrheit eine abhängige Variable der medialen Vermittlung.

Auch der diesjährigen “Berliner Rede” des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Horst Köhler, erging es nicht anders: Nur einige wenige Sätze wurden allgemein bekannt, und auf diese wenigen Sätze konzentrierte sich das gesamte gewohnte Echo in einer fast schon routiniert zu nennenden Weise. Ich habe mir jetzt den Luxus geleistet, die gesamte Rede zu lesen. Und als hätte ich es aufgrund der bisher veröffentlichten Kommentare, die dem Bundespräsidenten vorwarfen, ihre Meinung getroffen zu haben, schon geahnt: Ich bin enttäuscht. (mehr…)

Unsinn mit CO2

Dass es eine globale Erwärmung gibt, halte ich für wahrscheinlich. Dass der Mensch dabei mitgewirkt hat, für möglich.

Dass der Mensch aber in der Lage sein soll, durch die in diversen Protokollen Maßnahmen beschlossenen Maßnahmen diesen Wandel des Klimas zu stoppen, ist aus meiner Sicht eine mutige Behauptung. (mehr…)

Vom Segen des zivilen Ungehorsams

Hätte eine australische Familie nicht vor Jahren eine hohe Geldstrafe in Kauf genommen, um sich mit einer Brandschutzrodung über eine lebensgefährliche Naturschutzauflage hinweg zu setzen, dann wären ihr Haus und Hof wohl auch dem verheerenden australischen Buschfeuer zum Opfer gefallen. Wie viele andere Umweltprobleme hat die Brandkatastrophe in Australien tatsächlich eine “anthropogene Ursache”: Eine missratene Umweltpolitik.

Weg sind sie

Climate Research News berichten von zwei Videoaufzeichnungen einer führenden Autorin der sog. “Zusammenfassung für Entscheidungsträger” des IPCC-Berichts, die darin zugibt sich ihre klimawissenschaftliche Expertise während einer Zugfahrt angelesen zu haben. Das ist nur eine von mehreren Äußerungen die Stirnrunzeln induzieren. Was will man von jemanden anderes erwarten, der bei der Weltbank arbeitet, um seinen Klienten zu helfen “mit dem Klimawandel Geld zu verdienen”.

Aber zu früh gefreut, angucken ist nicht mehr möglich, denn die Videos sind bei YouTube verschwunden. So viel zur Offenheit der Klimadebatte. Peinlich, peinlich…

Die Industrie im Fieberwahn

Laut Bild soll ja die Erde Fieber haben, die deutsche Industrie läuft jedoch inzwischen auf jeden Fall zu heiß.

Eigentlich sind Klimaschutz-Veranstaltungen in aller Regel so ausgelutscht wie das Thema selbst. Aber unübertroffen öde sind Veranstaltungen, auf denen sich die Industrie für ihr neu entdecktes ökologisches Gewissen selbst auf die Schultern klopft. Halb gelangweilt, halb wütend über die grüne Industriepropaganda, die inzwischen alle zaghaften Versuche der Vergangenheit, eine Gegenrede ökonomischer Vernunft zu führen, vollends ersetzt hat, wird mir schmerzlich bewusst, dass ökonomisch rationales Handeln eben nur dann zu einem dem Gemeinwohl einträglichen Ergebnis führt, wenn die Politik die richtigen Rahmenbedingungen vorgibt. Oder wie in diesem Fall besser darauf verzichtet, denn so wäre die Industrie gar nicht erst auf die Idee gekommen, sich an die Fleischtöpfe der Klimapolitik zu begeben, um dann, so richtig auf den Geschmack gekommen, nicht mehr davon abzulassen. Selbst dem alten Adam Smith wäre angesichts dieses Spektakels der sich auf die Kraft der “Unsichtbaren Hand” und dem die Wohlfahrt steigernden Egoismus hart arbeitender Handwerker stützende Optimismus vergangen.

Versicherungsunternehmen fordern mehr Aufmerksamkeit für den Klimaschutz, Elektrogerätehersteller schärfere Energiestandards und Abwrackprämien für Altgeräte, Energieberater einheitliche und strenge Regeln für Heizung und Dämmung von Gebäuden, Baustoffhersteller eine großzügigere und unbürokratischere Förderung für klimagerechtes Bauen und eine CDU-Landesumweltministerin schmückt sich mit der tollen Idee eines Solarenergiezwangs für Neubauten, wobei sie es kaum abwarten kann, ab nächstes Jahr auch noch die Altbauten in diesen ökonomischen und ökologischen Nonsens mit einzubeziehen. Wenn früher die Energieversorger noch Sturm gelaufen wären, angesichts der Tatsache, dass wegen des hohen subventionierten Windstromaufkommens der Strom an der Börse dem Abnehmer auch mal gegen ein Entgelt aufgedrängelt werden muss, fordert man heute einfach die Umlenkung staatlicher Konjunkturspritzen in den Ausbau der Stromnetze. Als ob der Steuerzahler nicht schon genug für diesen energiepolitischen Unfug geschröpft wird.

Unternehmer, Verbraucherschützer und Politiker üben den Schulterschluss gegen den Klimawandel und spielen sich dabei gegenseitig die regulativen Bälle zu. Jeder Einzelne glaubt von der Großzügigkeit der Politik und der Naivität des Konsumenten jeweils ein großes Stück ergattern zu können, ohne zu merken, dass von einer Energie- und Klimapolitik, die aus mehr Input letztlich weniger Output macht, in der Summe niemand profitieren kann. Hierin liegt auch ein Dilemma der Umweltpolitik, ein Dilemma, das die üblichen Vorstellungen vom Marktversagen auf den Kopf stellt. Wo sonst die Unternehmen die vollen Umweltkosten ihres Wirtschaftens nicht tragen, wetteifern plötzlich alle um die Pfründe der staatlichen Regulierung, im Glauben irgendwer wird die Rechnung schon zahlen. Doch langfristig zahlen alle die Rechnung, was auch die Industrie merken wird, wenn sie mit der selbst geforderten Politik nicht nur ihre Kunden, sondern sich alsbald selbst gegenseitig knebelt. Das ausgerechnet der Chefökonom des gern einmal auf das klimapolitische Gaspedal drückenden PIK in dieser Melange aus industriepolitischen Kalkül und realpolitischer Naivität die einzige Stimme der Vernunft ist und mit dem Verweis auf das grüne Paradoxon des Herrn Professor Sinn verzweifelt auf die klimapolitische Absurdität dieses egoistischen Klein-Kleins hinweist, hat schon etwas Groteskes. Und so bin ich mir nicht sicher, ob dieser Albtraum von einem besseren Klima bald zu Ende sein wird.

No Green Lunch

Der erste Hauptsatz der Thermodynamik ist für die Freunde einer grünen Energiezukunft offenbar keine Hürde. Nachdem schon ein Rotterdamer Diskothekenbetreiber glaubte der Physik mit seiner Strom erzeugenden Tanzfläche ein Schnippchen zu schlagen, statt dessen aber seine Tanzgäste zu üppigeren Mahlzeiten und kräftiger gesüßten Cocktails zwingt, ist man jetzt in Großbritannien auf die kolossale Idee gekommen, in den Straßenbelag eingelassene Geschwindigkeitsbegrenzer zur Stromerzeugung zu verwenden. Ein findiger Energieberater konstruiert aus dieser nicht ganz billig umzusetzenden Idee gleich ein Art Perpetuum Mobile:

“They are speed bumps, but they are not like conventional speed bumps. They don’t damage your car or waste petrol when you drive over them – and they have the added advantage that they produce energy free of charge.”

Vielleicht kann mich armen Ökonomen ja ein technisch versierter Leser eines Besseren belehren, aber irgendwo muss ja die in Strom umgewandelte Energie herkommen, wenn nicht aus dem Tank des Fahrzeugs. Die Energie mag zwar für den Straßenbetreiber nichts kosten, doch die Autofahrer zahlen drauf. Selbst unter der Annahme man nütze allein die Bremsenergie anstatt sie in den Stoßdämpfern der Autos als Wärme verpuffen zu lassen erscheint die Idee unter dem Blickwinkel der Energieeffizienz nicht gerade ein Beitrag zur Rettung unserer Energiezukunft zu sein. Eines kann man der Idee abgewinnen: Da sie für Beleuchtung und Markierung der Straße sorgen soll, genügt sie zumindest dem Verursacherprinzip, denn die Autofahrer zahlen auf jeden Fall die Zeche.

Ich freue mich auch schon

Ach, wenn nur alle Atomkraftgegner so wären. Jedenfalls will eine Autorin des Ökoblogs des Freitags die vom RWE-Chef für die Abwendung der Kernenergieausstiegs versprochene Entlastung der Stromverbraucher in den Bau eines Blockheizkraftwerks (BHKW) stecken und sich vom Atomstrom unabhängig machen (Ich will nicht kleinlich sein und lasse ihr die Illusion.). Das ist doch wirklich frischer Wind aus der Ecke derjenigen, die stets nach der starken Hand des Staates rufen, um ihrer energiepolitischen Weltanschauung zum Durchbruch zu verhelfen. Auch freut mich, dass die Autorin es dank der Prämie von der Atomindustrie vielleicht nicht mehr nötig haben wird mit ihren BHKW-Plänen ihren Mitbürgern auf der Tasche zu liegen. Immerhin bekomme ich dann die Prämie und zahle als Stromverbraucher nicht mehr die zusätzlichen Kosten mit, die die gute Frau bislang davon abgehalten haben sich ihre Energieautarkie auch ohne Subventionen (KWK-Gesetz) zu leisten. Mit dem Geld kaufe ich dann auch was ich will, und wenn es ein paar Kilowattstunden Atomstrom sind.

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