13. August 2009
Auf den Mond geschossen
Derzeit läuft eine hitzige Debatte um ein deutsches Mondprogramm, das der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt und frühere CDU-Generalsekretär fordert. Auch der geschätzte Blogger-Kollege Zettel greift dieses Thema auf und findet die Sache von der Idee her recht gut:
Teuer ist ein solches Programm nicht. Im Augenblick werden Kosten von 1,5 Milliarden Euro erwartet, auf fünf Jahre verteilt. 300 Millionen Euro pro Jahr – das sind ungefähr sechs Prozent des Betrags, der in diesem Jahr allein für Abwrackprämien von uns Steuerzahlern aufgebracht wird.
Das kann ich nicht ganz unwidersprochen lassen. Ob etwas teuer ist oder nicht, kann man nicht mittels eines Vergleiches einer Geldsumme für irgendeinen anderen Unsinn ersehen, sondern indem man das entsprechende Projekt mit der Kosten-Nutzen-Relation von Maßnahmen vergleicht, deren Wirkung von den Menschen allgemein als nützlich anerkannt worden ist. Beispielsweise wäre zu Fragen, wieviele Menschenleben retten diese Ausgaben im Vergleich zu anderen Möglichkeiten des Mitteleinsatzes. Mir fallen da spontan wesentlich wirksamere Verwendungszwecke ein.
Das dürfte ausgezeichnet investiertes Geld sein. Erstens, weil neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden; und zwar ungleich billiger als mittels bemannter Mondflüge. Zweitens wegen der technologischen Kompetenz, die durch ein solches Projekt erworben wird. Und drittens natürlich auch, weil damit neue Arbeitsplätze in der deutschen Raumfahrtindustrie geschaffen und bestehende gesichert werden.
Ein deutsches Mondprogramm hat nun wahrlich kein Alleinstellungsanspruch auf die Gewinnung neuer Erkenntnisse. Erst kürzlich kam eine OECD-Studie zu dem Ergebnis, dass öffentlich geförderte Forschung und Entwicklung im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen R&D-Ausgaben keine eindeutigen Wachstumseffekte zugerechnet werden können. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass öffentliche Forschungsgelder den privaten Mitteleinsatz verdrängen. Ebenso ist es mit der technologischen Kompetenz, denn diese kann auch in anderen Bereichen erworben und dort eingesetzt werden. Das Arbeitsplatzargument schließlich ist so alt wie ausgedroschen und außerdem auch nicht richtig. Arbeitsplätze werden nicht geschaffen, sondern Menschen können produktiv tätig werden und die Ergebnisse dieser Arbeit gegenseitig tauschen, wodurch unser Wohlstand entsteht. Je produktiver wir sind, umso mehr Beschaftigung gibt es und umso höher ist unser Wohlstand. Dabei kommt es jedoch eher auf den Wohlstand als auf die Arbeit an, im Schweiße derer der Wohlstand geschaffen wurde. Insofern kann man das Beschäftigungspotential der Weltraumforschung nur an seinen Produktivitätseffekten messen. Solange nicht klar ist, ob das Geld für die Mondforschung tatsächlich die höchste Produktivität bringt, sind euphorische Aussagen über die Arbeitsplatzeffekte fehl am Platz. Schließlich kann es ja auch sein, dass die Bundesregierung hier Geld und Ressourcen verschwendet und damit Beschäftigungsmöglichkeiten vernichtet. Das relativiert dann auch das folgende Statement Zettels:
Und es handelt sich dabei ja nicht um beliebige Arbeitsplätze. Es sind überwiegend Jobs für Spitzenleute aus Wissenschaft und Technik, die ins Ausland abwandern werden, wenn ihnen Deutschland keine adäquate Beschäftigung bieten kann.
Spitzenleute zeichnen sich dadurch aus, dass sie hoch produktive Arbeit leisten, für die sie am Markt entsprechend hoch entlohnt werden. Wenn aber hochqualifizierte Akademiker mit staatlichem Geld in Deutschland beschaftigt werden, sagt das noch nichts über ihre Produktivität aus, sondern lediglich darüber, dass sie am Monatsende von irgendjemandem Geld in die Lohntüte gesteckt bekommen. Ob das aber in der Summe die produktiven Jobs im Land erhält, ist durchaus fraglich, vor allem dann, wenn nicht klar ist, ob das Mondprogramm die gesamte Produktivität der Volkswirtschaft erhöht. Bei all dem, was wir über die Wirkung öffentlicher Forschungsförderung wissen, bin ich da sehr skeptisch.
Verfasst von SteffenH um 10:17 Uhr in der Kategorie Bildungspolitik, Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)
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