Anlass zum Grübeln

Ich weiß nicht, was von einer Gesellschaft zu halten ist, in der man mit dem Geständnis, in Mathematik immer komplett versagt zu haben, Sympathie und Anerkennung einheimst, während es gleichzeitig opportun ist, sich hämisch über mangelhafte Englischkenntnisse anderer auszulassen.

Aber irgendetwas wird es schon aussagen.

Und wo ich schon beim Positiven bin

Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat eine, wie ich bei allen Einwänden im Detail finde, sehr angemessene und richtige Weihnachtsbotschaft verfasst. Ich glaube sogar, dass er damit auch den Ton derjenigen Muslime hierzulande trifft, die in keinem der bekannten Verbände organisiert sind, und die damit die Mehrheit ausmachen.

Sachlichkeit und Differenzierung, das ist es, was diese Debatte braucht. Wie jede andere auch.

Amerika, du hast es besser

Akhavan ist zugleich internationales Aushängeschild der Telekom und ein Fremdkörper im Vorstand des Konzerns: Der gebürtige Iraner hat nie verhehlt, dass er lieber in den USA lebt als in Deutschland. Die Landessprache seines Bonner Arbeitgebers hat er nie erlernt, den deutschen Lebensalltag empfand er als zu kompliziert und unverständlich. So kann sich Akhavan stundenlang darüber aufregen, dass deutsche Fernsehzuschauer bereit sind, stumpfsinnige Sendungen mit Werbepausen im Fernsehen zu akzeptieren, statt sich ein Bündel werbefreier Kanäle mit Spielfilmangeboten für eine Pauschale von 50, 60 Euro monatlich zu buchen, wie es die Amerikaner tun.

(Quelle: FTD)

Man kann sich gar nicht so recht entscheiden, was absurder ist: Wie lebensfremd und volkswirtschaftlich unbedarft Vorstände deutscher DAX-Konzerne sein können oder wie unkritisch-servil deutsche Journalisten schreiben.

Geschlossene Gesellschaft

Welcher der geneigten Leser hat eigentlich schon mal was von dem Begriff “Gentrifizierung” gehört, gelesen oder sich sogar darüber geäußert? Bis vor geraumer Zeit war zumindest mir der Begriff völlig neu. Bis ich des Abends mehrfach über diverse A6-Flyer (weiß, Umweltpapier, Laserdrucker) linker Gruppierungen in alternativ angehauchten Lokalitäten Besserverdienerbars torkelte stolperte, die mich auf dieses Schreckenswort hinwiesen.

Was hinter dem Begriff steht ist kurz wie brisant: (meist) junge Menschen mit Kapital, sei es monetär oder human, ziehen “frech wie Oskar” in Künstler- und Arbeiterviertel weil es Ihnen da einfach gut gefällt. Günstige Kneipen, bunte Läden, alternatives Lebensgefühl und, im schlimmsten Fall, ein wenig “Menschenzoo” locken. Weil diese Yuppies (im ursprünglichsten Sinne des Wortes) in der Lage sind (oder irgendwann sein werden) mehr Fuffis hinzublättern als viele der der alteingesessenen Bewohner werden Häuser saniert, Etagenklos abgeschafft, höhere Mieten erhoben und – noch sträflicher – Sushirestaurants und Martinibars eröffnet. Der Charakter des Quartiers ändert sich und dazu kann manch einer kann nach Jahren der Wertsteigerungen die Miete nicht mehr aufbringen und zieht in der Folge um. (mehr…)

Damaskus

Jo@chim berichtete neulich von seinen “Damaskus”-Erlebnissen. Ich lasse mal dahingestellt, ob ich einem Kampf-Atheisten biblische Vergleiche durchgehen lassen will, aber wir alle wissen wohl, was gemeint ist.

Ein solches Erlebnis hatte ich auch. Genauer: Eigentlich waren es zwei, aber der Blitz traf so richtig nur bei einem.

Dass ich Zuge des Studiums der Finanzwissenschaft neben dem Ehepaar Musgrave auch auf den Herrn Buchanan stoßen würde, war eigentlich unvermeidbar. Das Kennenlernen war also vorprogrammiert, nur die Einordnung mag mich von den meisten meiner Kommilitonen unterschieden haben. Kein Blitz, nur eine Quintessenz bereits bei mir vorhandenen Denkens.

Eines Tages, als ich keine Vorlesungen, und daher auch nichts zu tun (ich war schon immer eine faule Sau) hatte, stöberte ich ziellos in unserer Bibliothek vor mich hin. Und aus irgendeinem Grund fiel mir ein Werk in die Hände, das weder selbst noch dessen Autor je eine Chance bekommen hätte, zum Lehrstoff zu zählen. Der Autor war Henry Hazlitt, und das Buch hieß “Economics!” Hazlitt tut darin nichts anderes als dieselben Grundsätze, die schon Bastiat seinen Zeitgenossen vorgehalten hat, wieder in Erinerung zu rufen, aber angewandt auf Beispiele seiner Zeit. Nur ihm habe ich den Namen “Bastiat” als zu merkendes Thema zu verdanken. Um so größer war mein Frust, dieses Buch später nicht mehr zu Gesicht bekommen zu können. Aber in diesem Jahr wurde es, dessen US-englischer Originaltext hier zu lesen war, auch als Druckwerk in Deutschland neu aufgelegt. Dank sei dem Olzog-Verlag.

Das Werk Henry Hazlitts, das ich so viele Jahre nie wieder zu Gesicht bekam, wird jetzt auf Deutsch vom Olzog-Verlag vertrieben. Es ist eine schöne Einführung in wirtschaftliches Denken, und sein Charme ergibt sich daraus, wie erkennbar willig um so sinnlos-einfach angebliche tagesaktuelle und allgemein anerkannte Themen meinen, mit den neuen Bedürfnissen zurecht zu kommen.

Ich mag Moby…

… und wenn es nur wegen seiner konstruktiven Einstellung zum Thema “illegaler Musikdownloads” ist.

Update: Passend hierzu der Verweis auf eine neue empirische Studie zum Thema auf Against Intellectual Monopoly:

While this confirms what we thought informally, it is the first study I’ve seen with hard numbers: musicians income up due to increased demand for their live performances; the total production of songs way up, even as the recorded sales have dropped. Basically – the internet balancing distribution cost and business model against the reduction in demand for recordings has helped musicians and increased the output of music. A really careful detailed analysis.

Kunst kommt von Killen

Ich schaffe es schon gar nicht mehr mich darüber aufzuregen, dass schon wieder Beiträge über Killerspiele die Frontseite von Google News zieren. Mein übliches Gezetere bleibt aus und ich greife mal zwei neue Aspekte heraus:

1. Der Beschluss der Innenminister sieht ein Herstellungsverbot für “Spiele, bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen oder anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen ist” vor.
Ich denke unter diese Definition fällt fast jeder First-Person-Shooter (FPS). Virtuelle Tötungshandlungen sind wesentlicher Bestandteil der meisten Exemplare. Selbst dann, wenn es sich um Genrevertreter handelt, die es explizit möglich machen, das Töten zu vermeiden (z.B. Deus-Ex oder Thief) besteht auch weiterhin die Möglichkeit, den virtuellen Feldzug möglichst martialisch zu gestalten.
Die größte deutsche Spieleschmiede (die auch relevant im internationalen Geschäft ist – bei deutschen Entwicklern eher selten der Fall) müsste, bei entsprechender Umsetzung des Beschlusses, wohl das Land verlassen. Aber wie manch’ Verstand (Sach fehlt) meint, handelt es sich hier sowieso um ein Unternehmen an dessen Händen Blut klebt. Unternehmen non grata.

2. These: Einige FPS sind durch die Kunstfreiheit geschützt und können daher nicht strikt verboten werden. Und ich meine nicht die einzelnen Bestandtteile wie Grafiken, Musik, etc. Ich meine als Gesamtkunstwerk.
Die Frage ob Videospiele überhaupt Kunst sein können, wurde in den USA schon vermehrt diskutiert, beispielweise in einem Streitgespräch zwischen Filmkritikerlegende Roger Ebert und Clive Barker. Eine Frage die für mich eindeutig mit “ja, sie können” zu beantworten ist. Einige sind keine Kunst, einige sind “niedere” Kunst und einige wenige müssen sich vor “hoher Kunst” nicht verstecken (Beispiel für die letzten beiden Kategorien hier).
Stellt sich die Frage ob auch die berühmt-berüchtigten Killerspiele Kunst sein können. Das Genre macht es auf jeden Fall schwieriger aber am Beispiel Bioshock (Szenario: gescheitertes libertäres Utopia im Art Déco-Design) zeigt sich für mich, dass es grundsätzlich möglich ist.
Die Kunstfreiheit gibt einem natürlich keine Narrenfreiheit – aber wie würde ein deutsches Gericht wohl seine Güterabwägung vornehmen, wenn es hart auf hart kommt?

Tipp: Ein interesanter Beitrag, der die Verträglichkeit eines generellen Verbotes mit dem Grundgesetz beleuchtet findet sich hier bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Punk is not red…

…jedenfalls nicht immer:

Wir haben ja genug Diktaturen erlebt, auch gut gemeinte. Keine hat funktioniert… Und der kapitalistische Grundgedanke ist eigentlich famos: Tue etwas ganz besonders gut, und du wirst dafür belohnt. Wenn man da den Umweltgedanken geschickt integriert, hat man ein fast perfektes System.

Wenigstens Farin Urlaub hats begriffen.

Erziehungserfolg

Was auf den ersten Blick wie eine Rückbindung dieser Menschen an den Sozialismus erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch stärker noch als eine Bindung weitaus problematischerer Art. Es ist weniger die Ideologie, die sich in ihnen eingenistet hat. Es sind Mentalitäten und Haltungen, bestimmte Unterwerfungs- und Karrieremuster, eine in zwei Diktaturen gewachsene Abhängigkeit von „denen da oben“, die die meisten weiter in einem Zustand der politischen Apathie und Ohnmacht hält.

Großes Kino von Joachim Gauck (via euckenserbe bei den FdoG). Merke: Wer etwas über die DDR erfahren möchte, sollte den Stasi-Beauftragten seines Vertrauens konsultieren.

Verführung zu Mixa

Bischof Mixas Attacke gegen den Atheismus hat ja zu allgemeinem Aufruhr geführt. “Bischof wettert gegen Atheismus” – wenn das ein Skandal ist, dann hat die katholische Kirche wohl tatsächlich sehr viel falsch gemacht in den letzten Jahrzehnten. Die Debatte war dann auch reichlich schief: Gerade wer als Atheist alle im Namen der Religion begangenen Untaten der Religion selbst und an sich zuschreibt, sollte etwas weniger zimperlich sein, wenn Funktionäre von Religionsorganisationen den Spieß mal umdrehen. Deswegen muss man dem ja noch nicht zustimmen, aber der Aufschrei glich dann doch eher dem eines im Austeilen beinharten italienischen Verteidigers, der bei eigener Führung vom gegnerischen Stürmer in unvorteilhafter Lage leicht berührt wurde und sich daraufhin minutenlang auf dem Boden wälzt. (mehr…)

Verteidiger der deutschen Sprache

Ich liebe sie ja. Und sehe sie auch immer wieder, diese Verteidiger des Deutschen, deren Begriff der “deutschen Sprache” ganz einfach definiert ist: “Das, was ich in der Schule gelernt habe, das ist Deutsch. Und natürlich das, was ich noch im Studium gelernt habe. Mein Dialekt auch, aber sonst nix”.

Oder wie erklärt man sich sonst, dass jemand zunächst gegen das Eindringen fremder Begriffe in die deutsche Sprache kämpft, später aber den Begriff der “Larmoyanz” verwendet? Dieses Wort konnten mir mehrere durchschnittlich bis leicht überdurchschnittlich gebildete Leute weder erklären, noch waren sie der Ansicht, dass es sich um ein deutsches Wort handle.

Dazu die Frage: Ist “Bildungssprache” eigentlich deutscher als “Jugendsprache“? Ist die “Umgangssprache” nicht eigentlich deutscher als die “Schriftsprache“, wenn man bedenkt, dass diese beiden Begriffe in manchen Kulturen tatsächlich unterschiedliche Sprachfamilien bezeichneten?

Und darüber hinaus: Ist dieses Thema wirklich interessant genug, um während einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen, an die sich noch eine Mehrheit unserer Mitbürger erinnern kann, zwei der wichtigsten politischen Sendungen dieser Woche zu bestimmen? Oder von einer der beiden Volksparteien genau jetzt ernsthaft diskutiert zu werden?

Nun ja.

Geschluckt, gekaut, verdaut und ausgeschieden

Trotz angestrengter Suche kann ich keine Originalquelle für das präsentieren, was mich heute abend bei “Wer wird Millionär” (ja, ich gucke Privatfernsehen) beschäftigt hat. Darum umschreibe ich diesen spannenden Gedankengang, wer mag, kann mir das Original in den Zitaten nachliefern, ich werde es dann hier nachposten. Das, was ich meine, klang ungefähr so:

“Das wirklich beängstigende an der modernen Kulturindustrie ist die Tatsache, dass man sie weder kritisieren, noch gegen sie kämpfen, noch subversiv gegen sie arbeiten kann. Was immer man unternimmt, wird entweder sinnlos verpuffen, oder – so es denn Erfolg haben sollte – von ihr aufgenommen, gekaut, verdaut, zum maximalen Nutzen verarbeitet und anschließend wieder ausgeschieden werden, um mit dem nächsten Happen zu beginnen”.

Gerne zitiert wurde das von Punkern, Hip-Hoppern, Sprayern und ähnlichen Vertretern subversiver Subkulturen, die ihren Widerstand gegen die herrschende Gesellschaft zum Ausdruck bringen wollten, mit zunehmender Popularität aber mehr und mehr in den Kommerz- und Verwertungsapparat der aktuellen Massenmedien hineingezogen wurden. Mir fiel dieser Gedankengang aber wieder ein, als heute Thomas Gottschalk bei Günter Jauch Marcel Reich-Ranicki als Telefonjoker benutzt hat.

Ein abgekartetes Spiel, wie immer bei diesen Promi-WWM’s, ganz klar. Die Millionenfrage, dann MRR als Joker, und natürlich eine Literaturfrage. Jubeln, Konfetti, Guter Zweck, die unerwarteten Freunde Gottschalk und MRR – der Stoff, aus dem Legenden sind.

Zur generellen Entwicklung dieser “neuen Männerfreundschaft” habe ich drei Theorien:

1. Thomas Gottschalk ist ein ganz besonders abgezocktes Arschloch, das die Vermarktbarkeit von Reich-Ranicki als Witzfigur mit ihm als Identifikationspunkt erkannt hat und den anderen, älteren Mann jetzt zu seinem persönlichen Vorteil ausschlachtet.

2. Beide sind mediengeile Typen, die merkten, dass ihr jeweiliger Stern im Sinken befindlich ist, und nach einem neuen Trick suchten, um sich als “schräges Traumpaar” des deutschen Feuilletons wieder in die Öffentlichkeit zu pusten. Dabei ginge es aber keinem um Inhalte.

3. Beide teilen eigentlich die These, dass das Fernsehen immer niveauloser wird. Nach MRR’s Brandrede haben sie sich zu einem längeren Gespräch zusammengesetzt und festgestellt, dass diese schon nach wenigen Tagen geschluckt, gekaut, verdaut und wieder ausgeschieden worden ist – und haben einen Deal geschlossen, der die Kritik in Gestalt ihres schrillen Gegensatzes länger am Leben halten soll.

Welche Theorie der Wahrheit am nächsten kommt, weiß ich nicht. Aber im Endeffekt bedeuten sie doch alle das gleiche – nämlich, dass die Kritik an einer Kulturindustrie, die man weder in Grund und Boden verfluchen noch subversiv veräppeln kann, gar nicht falsch ist. Selbst die herbsten Kritiker, selbst die unangenehmsten Spötter kann sie in sich aufnehmen, in Einschaltquoten und Umsätze, in Gewinne und betäubte Zuschauer verarbeiten. Das ist beängstigend. Vor allem, weil man kein Gegenprogramm verkünden, keinen Angriff proklamieren, keine Abweichung erklären kann. Nur fassungslos beobachten.

Adorno-Fans sind ausdrücklich zum Kommentar eingeladen – habe ich die Ausgangskritik von da? Es ist zu spät, um nachzulesen, und ich habe gerade Zeit, zu tippen.

Gute Nacht.

Dávila der Woche (I)

Es gibt bestimmt eine ganze Reihe verschiedener Wege, zu Nicolás Gómez Dávila zu finden. (mehr…)

Öffentlich-rechtliches Internet

Die Medien streiten sich momentan untereinander. Vor allem schießen Zeitungen und Zeitschriften gegen die Pläne der öffentlich-rechtlichen Sender, das Internet als Verbreitungsmedium auszubauen. Da geht es dann um solche Details, wie “textähnlich” das Angebot sei.

Ich habe da eine ganz andere Frage: Warum, zum Henker, brauchen wir überhaupt ein öffentlich-rechtliches Internetangebot, das nicht von seinen Nutzern, sondern von denen finanziert wird, die in Deutschland einen Fernseher oder Computer besitzen? Wo doch auf der ganzen Welt jeder das Gleiche zu sehen und zu lesen bekommt?

Kann vielleicht mal einer den selbstgefälligen Funktionären und Politikern, die da so selbstverständlich über unser Geld verfügen, in die Parade fahren? Oh, sorry, mit den Volksabstimmungen haben wir es ja nicht so… Und die Stasi-Methoden der GEZ erscheinen manchen Politikern wohl mehr als Ideal denn als Schreckensbild.

P.S.: Man könnte auch mit immer mehr Recht fragen, wozu wir überhaupt die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen. Aber vielleicht bringt die Konkretisierung am Beispiel Internet mehr.

Öffentlich-rechtliches EU-Bloggen

Für mich (und für uns hier beim BLOG, denke ich) macht das Schreiben hier vor allem Spaß. Und gelegentlich Mühe. Es ist definitiv Hobby und keine Arbeit, kein Journalismus.

Mancher mag in der Blogwelt Informationen finden, die ihm die der Journalismus nicht bietet.
Für mich ist das reizvolle an der Blogwelt vor allem die Vielfalt der Teilnehmer und Positionen und die Möglichkeit der direkten Kommunikation. Manchmal ist der Blog-Beitrag weniger wichtig (und von Form und Präsentation her weniger wertvoll) als die sich daran anknüpfende Diskussion. Selbst rechte oder linke Schundblogs taugen etwas. Dass sie nämlich die Diskussion extremer Meinungen und extremer politischer Dummheit anschaulicher werden lassen.

Nun kommt aus der politischen Kaste die Idee, man müsse die Blogwelt fördern. Ziel sei, «eine pluralistische Medienumwelt und kulturelle Vielfalt garantieren» (Quelle: Netzeitung). Stellen wir fest:
(mehr…)

Mensch, nackt

Die Umstrukturierung will Freenet-Chef Eckhard Spoerr schnell umsetzen, wie er dem Manager Magazin sagte. Demnach spielt Spoerr mit dem Gedanken, aus Freenet ein Medienunternehmen mit Internetportalen für Onlinespiele, Geldanlage und Erotik zu machen.

(aus: heise online)

Zocken, Gier und Geilheit – während in Villabajo noch die moralischen Sonntagsreden geschwungen werden, konzentriert man sich in Villariba schon wieder auf das ewig Gültige.

Daniel Kehlmann über österreichische Kulturpolitik

Aus einem wunderbaren Interview mit dem Schriftsteller Daniel Kehlmann:

(…) Sie sind halber Österreicher, haben einen österreichischen Pass, eigentlich müsste man sich hier um Sie reißen.

Kehlmann: Voriges Jahr wollten ein österreichischer Theaterverleger und ich einen Termin bei der Kulturministerin, erfolglos, es wurde uns nur angeboten, mit einem Mitarbeiter zu sprechen. Dann bekam der Verleger vom Minister-Büro noch einen Anruf, in Wikipedia stünde unter Daniel Kehlmann „in München geboren“, das sei ja kein österreichischer Autor. Dabei habe ich vom österreichischen Staat Stipendien bekommen! Das ist der Musterfall, wie Kulturpolitik nicht laufen sollte: man fördert jemanden, und wenn er einen dann nicht mehr braucht, sagt man, den kennen wir nicht.

Ypsilanti rockt!

Meine Damen und Hessen … äh … Herren,

Ypsilanti rockt! Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie mal hier:

Elvisfest 2006 in Ypsilanti, Michigan.

Fragen über Fragen

Verstärkt das Internet bereits vorhandene Aggressionen? Ruft es neue Aggressionen hervor? Worauf ist es zurückzuführen, dass besonders aggressive Kommentare unter Pseudonym abgegeben werden? Sind aggressive Kommentare, die im Internet abgegeben werden, Ausdruck einer Sehnsucht, zumindest vorübergehend die Schranken der Zivilisation niederzureißen? War früher alles besser? Ist die Welt außerhalb des Internets besser? Sollten wir das Internet a.) mit Öffnungszeiten versehen b.) der persönlichen Aufsicht der FAZ unterstellen oder c.) doch lieber gleich ganz dicht machen?

(Die Fragen sind absichtlich allgemein und unverlinkt gestellt; Gelegenheiten, den eigentlichen Anlass zu diskutieren, gibt es nun wirklich woanders in ausreichender Zahl.)

Subterranean Homesick Blues

I’d rather be in some dark holler, where the sun don’t never shine. So sang das zumindest Clarence Ashley. Damit steht sie der Einschätzung von Franz-Josef Wagner diametral gegenüber, der sagt dass er lieber “über der Erde lebe – mit Bäumen und Blumen.” Ob die Bäume und Blumen vielleicht lieber unter der Erde leben würden, ohne Franz-Josef Wagner, das hat sie keiner gefragt.

Dafür hat sich Franz-Josef Wagner jetzt zusammen mit Dr. Seltsams Faktotum der Bundesjustizzypries “in Berlins gefährlichste U-Bahn gewagt“. Eine U-Bahn in der es “nach abgestandenem Leben” riecht, in der Gangster-Rap-Typen, Bettler, Unter-der-Erde-Fahrer (In einer U-Bahn? Neiiiin!) und Betrunkene unterwegs sind, und in der Franz-Josef Wagner visioniert wie er blutüberströmt auf einen Notknopf zukriechen wird. Alles sehr dramatische Szenen. Alles sehr packend beschrieben. Und das Ende spoilere ich hier mal nicht.

Wer die Spannung und die visuelle Präsenz von Franz-Josef Wagner erträgt, der kann sich das ganze auch hier als Video angucken. Das ist ab heute die Messlatte, die Cloverfield überspringen muss, um für mich als Erfolg zu gelten.

Ob Frau Zypries nun nur mit FJW U-Bahn fährt um ihr Image aufzubessern, ob sie das – wie Wagner andeutet – “als romantische Freundin” getan hat, oder ob die ZEITUNG im Gegenzug ihre bisherige Kampagne ein wenig eindampfen wird, darüber darf man spekulieren. Für mich ist das Mitspielen einer Ministerin in so einer Schmierenkomödie nur ein weiterer Beweis dafür, wie sehr die ganz Jugendgewaltkiste zu einem inhaltsleeren Medienrummel verkommen ist. Interessant allerdings dass Wagner sich inzwischen so stark von seinen subterranen Verwandten distanziert…

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