Lautlos

Es gibt Aufschreie in der Blogosphäre, von denen hört man nicht überall etwas… An der Haarfarbe kann es nicht liegen, der Unterschied muss irgendwo anders zu finden sein.

Ich mag Moby…

… und wenn es nur wegen seiner konstruktiven Einstellung zum Thema “illegaler Musikdownloads” ist.

Update: Passend hierzu der Verweis auf eine neue empirische Studie zum Thema auf Against Intellectual Monopoly:

While this confirms what we thought informally, it is the first study I’ve seen with hard numbers: musicians income up due to increased demand for their live performances; the total production of songs way up, even as the recorded sales have dropped. Basically – the internet balancing distribution cost and business model against the reduction in demand for recordings has helped musicians and increased the output of music. A really careful detailed analysis.

Verweis zum 1. Mai

Irgendwas zum 1. Mai? Aber gerne, wenn auch nicht von uns, sondern von einem, der sich damit auskennt ;-)

Maschinenstürmer 2.0

Es gibt nur wenige Dinge, die so verlässlich sind wie die Technikfeindlichkeit bei Intellektuellen. Das hat natürlich seinen Grund: Intellektuelle werden als solche bezeichnet, weil sie – hier den ebenfalls geschätzten Ärzten nicht unähnlich – einmal einen Leistungsnachweis erbracht haben, der sie hinfort berechtigt, zu allem Möglichen Stellung zu beziehen, auch wenn sie keine Ahnung von dem haben, worüber sie sprechen. (mehr…)

Werte statt Nutzen

…what matters is that people be free to associate as much as possible as they voluntarily choose without being constrained by culture or by force to associate on different terms with foreigners than with fellow citizens.

Dan Boudreaux vom “Cafe Hayek” beleuchtet, warum Liberale für Freihandel und Freizügigkeit sind. Nicht aus Nutzenerwägungen, sondern weil es ihren ureigenen Werten entspricht. Sozusagen ein konkreter Unterfall des “Rückenmarksliberalismus“. Gerade heutzutage kann ich jedem die Lektüre von Statlers Beitrag, den ich als so eine Art Manifest dieses “grand old man” des deutschen Blog-Liberalismus betrachte, nur ausdrücklich ans Herz legen.

Der Vater der “Grünen Revolution” wird 95

Norman Borlaug, der amerikanische Agrarforscher, der wie kaum ein anderer zu dem als “Grüne Revolution” bekannten landwirtschaftlichen Produktivitätsschub seit Mitte des letzten Jahrhunderts beigetragen hat, feierte vor zwei Tagen seinen 95. Geburtstag. Seine bahnbrechenden Entwicklungen zur Verbesserung des Pflanzenwachstums und zur Erhöhung der Pflanzenresistenz gelten heute als eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die pessimistischen Prognosen der Malthussianer von einer Welt, die eine explodierende Bevölkerung nicht zu ernähren vermag, nicht eingetroffen sind. Anlässlich dieses Ehrentages erinnert der Weblog des amerikanischen Magazin Reason an ein Interview des heutigen Kritikers unrealistischer Träume eines globalen Ökolandbaus und Befürworter eines undogmatischen Umgangs mit der grünen Gentechnik. Seine Antwort auf die Frage nach dem globalen Ernährungspotential des Ökolandbaus lautet nüchtern:

That’s ridiculous. This shouldn’t even be a debate. Even if you could use all the organic material that you have–the animal manures, the human waste, the plant residues–and get them back on the soil, you couldn’t feed more than 4 billion people. In addition, if all agriculture were organic, you would have to increase cropland area dramatically, spreading out into marginal areas and cutting down millions of acres of forests.

At the present time, approximately 80 million tons of nitrogen nutrients are utilized each year. If you tried to produce this nitrogen organically, you would require an additional 5 or 6 billion head of cattle to supply the manure. How much wild land would you have to sacrifice just to produce the forage for these cows? There’s a lot of nonsense going on here.

If people want to believe that the organic food has better nutritive value, it’s up to them to make that foolish decision. But there’s absolutely no research that shows that organic foods provide better nutrition. As far as plants are concerned, they can’t tell whether that nitrate ion comes from artificial chemicals or from decomposed organic matter. If some consumers believe that it’s better from the point of view of their health to have organic food, God bless them. Let them buy it. Let them pay a bit more. It’s a free society. But don’t tell the world that we can feed the present population without chemical fertilizer. That’s when this misinformation becomes destructive…

Ich schließe mich den Glückwünschen an!

Mein konservativer Moment

text-based Web sites aren’t where the buzz is anymore

(Quelle: Wired, via Achse des Guten)

Das ist die beste Nachricht des Tages.

Winnenden, Theorien und die große Diskussion im Web

Eigentlich wollte ich relativ schnell etwas zu Winnenden schreiben. Nicht nur bin ich aus der Perspektive eines werdenden Sozialarbeiters heraus natürlich sehr an Jugendgewalt interessiert, als ehemaliger begeisterter Spieler von Egoshootern und aktives Mitglied eines Schützenvereins gehöre ich auch zu den Gruppen, die nach Ansicht mancher mitverantwortlich für solche Katastrophen sein könnten. Nur: Ich kam leider nicht dazu, etwas zu schreiben, und mittlerweile ist alles schon gesagt, nur noch nicht von jedem (also: von mir!).

Darum wähle ich hier einen etwas anderen Ansatz und beschäftige mich mit den Schnipseln anderer Blogeinträge und -kommentare, die mir besonders aufgefallen sind, stelle sie nebeneinander und gebe meine Meinung dazu ab. Vielleicht bildet sich daraus ja ein interessantes Bild.

(mehr…)

Die Beliebtheit von Strohmännern oder die Vergeblichkeit, im Internet zu diskutieren

Ab und an ist es mal an der Zeit, das zu reflektieren, was einem beim Leben im Netz so widerfährt. Meine B.L.O.G.-Kollegen und ich freuen uns immer, wenn unser Geschreibsel auf geistreiche Resonanz stößt, ob diese nun positiv oder negativ ausfällt. Leider aber ist, so zumindest lautet mein arrogantes Fazit, das Geistreiche meist in der Unterzahl, obwohl ich der Meinung bin, dass wir hier meist von einem kleinen, aber im Verhältnis zu anderen Sites ähnlicher Verbreitung doch eher vergleichsweise feinen Kommentatorenkreis heimgesucht werden. Zumindest passiert es mir bei uns sehr oft, dass ich, obwohl ich eigentlich mit dem Vorsatz hier blogge, mich mit anderen zu streiten, einige Kommentarstränge nur rein passiv und nicht ohne Bewunderung ob der Qualität des dort Geäußerten verfolge. Was jetzt nicht heißen soll, dass es bei uns keine Trolle und Schwachmaten gäbe – aber so lange es nicht persönlich wird, kann hier jeder loswerden, was er möchte, muss aber eben auch mit heftiger Gegenrede rechnen. Der Blogname ist schließlich Programm. Und dass es hier einen kleinen Bias zugunsten der hiesigen Autoren gibt, wenn es darum geht, wer zuerst polemisch wurde, nun, das gehört eben zu den Hausrechten ;-) (mehr…)

Absicht und Zufall

Da drüben beim A’Team mal wieder fleißig über Evolution, Kreationismus und religiöse Buchstabenlehre gestritten wird, werfe ich auch mal was ein:

Die Überzeugung, dass die Erde tatsächlich vor ca. 6000 Jahren innerhalb von sieben Tagen genau so geschaffen wurde, wie sie heute ist (abgesehen von den menschlichen Manipulationen an ihr), kann man wohl getrost ignorieren. Sie würde jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis widersprechen und wird (zumindest hierzulande) wohl nur von einigen totalen Wirrköpfen vertreten, die keinen Widerhall innerhalb der breiteren Bevölkerung finden. Ebensogut könnte man sich an einer Person reiben, die in einem Institut für Psychatrie steif und fest behauptet, sie sei Napoleon Bonaparte – eine Lebensaufgabe, letztlich aber ebenso sinn- wie bedeutungslos.

(mehr…)

Warum klappt’s nicht mit dem Nachbarn?

Che betrachtet die kommunikativen Defizite des politischen Bloggens. Ich gebe ihm in weiten Teilen recht dabei.

Ein weiteres kommunikationstechnisches Kriterium kommt m.E. noch dazu: Asynchronität. Beim Bloggen kommt es weniger zu spontaner Rede und Gegenrede, die Texte sind länger und werden genauer betrachtet, und es ist schwer, zwischendurch mal etwas einzustreuen, was sonst die Gesprächssituation vielleicht entspannen würde.

Ich erwähne das als Unterschied z.B. zum Instant Messaging oder dem Austausch in Chat-Räumen, die ja auch rein schriftlich vor sich gehen, meinen Erfahrungen nach aber viel mehr von der Person vermitteln, die hinter dem Geschreibe steht.

Aber dennoch liegt es natürlich auch an der Kombination “Bloggen und Politik”. Ein paar Gründe: (mehr…)

Ich freue mich auch schon

Ach, wenn nur alle Atomkraftgegner so wären. Jedenfalls will eine Autorin des Ökoblogs des Freitags die vom RWE-Chef für die Abwendung der Kernenergieausstiegs versprochene Entlastung der Stromverbraucher in den Bau eines Blockheizkraftwerks (BHKW) stecken und sich vom Atomstrom unabhängig machen (Ich will nicht kleinlich sein und lasse ihr die Illusion.). Das ist doch wirklich frischer Wind aus der Ecke derjenigen, die stets nach der starken Hand des Staates rufen, um ihrer energiepolitischen Weltanschauung zum Durchbruch zu verhelfen. Auch freut mich, dass die Autorin es dank der Prämie von der Atomindustrie vielleicht nicht mehr nötig haben wird mit ihren BHKW-Plänen ihren Mitbürgern auf der Tasche zu liegen. Immerhin bekomme ich dann die Prämie und zahle als Stromverbraucher nicht mehr die zusätzlichen Kosten mit, die die gute Frau bislang davon abgehalten haben sich ihre Energieautarkie auch ohne Subventionen (KWK-Gesetz) zu leisten. Mit dem Geld kaufe ich dann auch was ich will, und wenn es ein paar Kilowattstunden Atomstrom sind.

Kopfnuss für Posener

Alan Posener will sich bei der Achse des Guten unbeliebt machen und glaubt dies mit einer Lanze für den klimapolitischen Optimismus von McKinsey machen zu müssen. Und weil er für die angeblichen Peanuts des Klimaschutzes ein hübsches Bild sucht, vergleicht er diese Kosten mit den Buchverlusten der Banken und stellt fest, dass die Klimapolitik dagegen gar nichts ist.

Herr Posener, die Verluste der Banken sind anders als die sinnlosen Ressourcen, die wir in Windkraft & Co. investieren, virtuelle Verluste. Schließlich haben clevere Geschäftsleute schon vor einiger Zeit die faulen Wertpapiere an die Herren Bankmanager verkauft, die jetzt feststellen mussten, dass sie keinen Pfifferling wert sind. Realkapital wurde dabei nicht vernichtet, das Ganze wurde jetzt nur eben mal richtig bewertet. Klimaschutz dagegen, auch wenn jemand wie McKinsey und Konsorten damit richtig Geld verdient, verursacht Kosten für bestimmte Dienstleistungen, die wir viel billiger hätten haben können. Jeder weiß, dass man den Stahl einer schwachbrüstigen Windkraftanlage für viele Jahre nicht mehr für andere Zwecke einsetzen kann. Die Neubewertung von Immobilien verhindert dagegen nicht, dass sich Familien oder Unternehmen in ihr breit machen. Es macht ein gewaltigen Unterschied, ob wir es mit einer ökonomischen Stimmungskrise zu tun haben, in der sich die Wirtschaft wieder fangen muss, weil es darum geht die Geschäfte der Finanzwelt wieder an die reale Güterbewertung anzupassen oder ob wir die Menschen mit einer panischen, undurchdachten Klimapolitik zwingen echtes Kapital in unwirtschaftlichen Verwendungen zu binden. Man muss kein Freund der staatlichen Bankenrettung sein, um den Unterschied zwischen der Umverteilung zu erkennen, die glaubt den Finanzmarkt wieder auf die Beine stellen zu können und der großen Kapitalverschiebung, die tatsächlich eine Ressourcenverschwendung für ein Problem darstellt, das bis heute nicht wirklich greifbar, geschweige denn unumstritten ist.

Insofern kann ich meinem Freund Michael Miersch nur sekundieren, wenn er über die Schwierigkeiten des gut Meinens und gut Machens schreibt und dem hinzufügen, dass schreiben und nachdenken auch nicht immer gleichzeitig funktioniert. Nicht, Herr Posener. Und ein kleiner Tipp dazu: Versuchen Sie mal ihre Energieversorgung mit Wind und Sonne sicherzustellen, ohne auf Backup-Energie aus russischem Erdgas zurückzugreifen. Fragen Sie Ihren Energieversorger über Risiken und Nebenwirkungen erneuerbarer Energieträger.

Ein grüner Maulkorb?

Von mir aus können Blogger auf ihren Blogs machen was sie wollen, auch steht es ihnen frei ihre Kommentarregeln nach ihrem Gutdünken zu gestalten. Aber beschweren kann man sich ja trotzdem. So bin ich heute früh beim Lesen des Blogs “Klima der Gerechtigkeit” auf folgende Kommentarregel gestoßen:

Wir sind inzwischen jenseits der Debatte, ob der Klimawandel stattfindet, und ob er durch den Menschen verursacht wird. Diese Debatte weiterzuführen ist steril. Jetzt geht es darum die Diskussion zu führen, wie wir ihn am besten bekämpfen. Mehr zum Thema “Skeptiker” finden Sie hier.

Gut, es ist nicht gerade ein richtiger Maulkorb, aber doch ein recht eindeutiger Hinweis darauf, dass sich ein Blog, der sich mit der defizilen Frage über Klimawandel, Klimapolitik und deren Implikationen für die globale Gerechtigkeitsdebatte beschäftigt, nicht mehr mit Fragen über den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel auseinandersetzen möchte.

Obgleich die wissenschaftliche Debatte, trotz anderslautender Beteuerung, sehr wohl noch voll im Gange ist und vor allem das Ausmaß und die Ausprägung der Folgen des Klimawandels noch im unklaren sind, wird versucht eine Debatte abzuwürgen, die ganz eindeutig auch Gerechtigkeitsaspekte berührt. Klimapolitik und das tatsächliche Klimageschehen lassen sich eben nicht trennen, denn die jeweilige Änderung naturwissenschaftlicher Parameter führt stets zu veränderten Nutzen-Kosten-Konstellationen der politischen Maßnahmen und damit zwangsläufig zu Folgen für die Gerechtigkeitsdimension dieses Prozesses. Das bis heute unklare Ausmaß des menschlichen Einflusses auf den Klimawandel und diesbezügliche Erkenntnisfortschritte haben vor allem Einfluss auf die Entscheidung zwischen Vermeidungs- oder Anpassungspolitik und die Beantwortung der Frage, ob ein schnelleres wirtschaftliches Wachstum mehr Kapazitäten zur Anpassung unvermeidlicher Klimaänderungen bringt oder ob eher wachstumsschwächende Ansätze drastischer Vermeidungsmassnahmen in der Industrie, Energiewirtschaft und Landwirtschaft den richtigen Weg weisen.

Ohne eine rege und kontroverse Diskussion der naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels und der tagtäglich neu hinzukommenden Erkenntnisse der Klima- und Klimafolgenforschung können derartige Entscheidungen nicht sinnvoll getroffen werden. Wer unter diesen Bedingungen versucht die Diskussion mit derartigen Kommentarregeln zu beenden, der läuft selbst Gefahr auf seinem Blog eine “sterile” Debatte zu führen.

T.I.N.A.

Stefan Niggemeier schreibt in seinem Blog über das Prinzip TINA (There is no Alternative). Er schließt seinen Artikel mit dem Vorschlag

Der Rückgriff auf das „Tina-Prinzip” in Diskussionen sollte den Sprecher ähnlich disqualifizieren wie ein Hitler-Vergleich.

Über TINA bin ich gestern in der F.A.S. auch gestolpert. Wenn ich in der Politik oder in einem Unternehmen jemanden »TINA!« sagen höre, dann löst das bei mir sofort einen internen Alarm aus. Es gibt immer eine Alternative zum Kaputtsparen eines Unternehmens, es gibt immer eine Alternative zum ultimativen Sonderangebot und es gibt immer eine Alternative zum Staatseingriff. Ein Interview mit einer »alternativen« Meinung zur Finanzkrise haben wir ja gestern hier schon verlinkt.

Stefan Niggemeier bringt auch zuerst Beispiele aus der Wirtschaft, über die man durchaus diskutieren kann. Dann schwenkt er aber plötzlich in den Gaza-Streifen und darin ist ihm zu widersprechen:

Tina-Prinzip” heißt dieses Muster („There Is No Alternative”), und das praktische an ihm ist, dass es nicht nur jede Kritik von vornherein als weltfremd und daher zu vernachlässigend abtut, sondern die Folgen der Entscheidungen gleich mit legitimiert. Man darf Israel nicht für den Tod von Hunderten Kinder und Zivilisten verantwortlich machen, denn die Israelis hatten ja keine Wahl.

Bezogen auf die Maßnahmen gegen jahrelange Angriffe aus dem Gaza-Streifen gibt es allenfalls alternative militärische Mittel, jedoch keine Alternative zum Eingreifen. Zur Information über die Situation in Israel muss ich immer wieder Lilas Blog »Letters from Rungholt« empfehlen. Inzwischen ist ihr ältester Sohn in der Grundausbildung bei der Israelischen Armee. Lila ist ganz gewiss keine israelische Hardlinerin [hier ein Beispiel-Artikel], aber sie sieht auch keine Alternative zur Gegenwehr. Was soll denn ein Land tun, das jahrelang mit Raketen beschossen wird?

Wir würden doch hier auch nicht lange über Alternativen nachdenken, wenn alte oder neue Nazis gegen Synagogen vorgehen. Wir würden schon den Farbbeutelwerfer oder den Steinewerfer und erst recht den Bombenleger streng verfolgen, ohne lange über Alternativen nachzudenken. Und ja, in diesem Zusammenhang sollte auch der Tatbestand der »Verhetzung« geprüft werden, um gegen die Ideologen hinter den Farbbeutelwerfern, Steinewerfern und Bombenlegern vorgehen zu können.

So denke ich, dass es TINA in echter und unechter Form gibt und dass man TINA nicht gänzlich als disqualifizierendes Kriterium anwenden darf. Als Marktteilnehmer, Zeitungsleser und überhaupt als politisch denkender Mensch muss man auf die Abgrenzung der beiden Formen achten und darf sich kein TINA vorspiegeln lassen. Aber man muss auch ganz entschieden hinter einer Maßnahme stehen, wenn es eben wirklich keine Alternative gab.

Würde es im Gaza-Streifen auch nur den Ansatz von zivilen und demokratischen Strukturen geben, dann könnten arabische Staaten und EU mit viel Geld eine Infrastruktur aufbauen und eine Marktwirtschaft entstehen lassen. Ich bin sicher, dass das Geld zusammengebracht würde und dass sich in diesem Streifen eine Wirtschaft entwickeln könnte. Aber in der Situation seit Ende 2008 gab es zunächst einmal keine Alternative mehr zu den militärischen Verteidigungsmaßnahmen Israels.

Auf nach Gummersbach!

Wer mehr über die liberale Blogosphäre, ihre Macher sowie die Themen Politische Bildung und Kommunikation, die Debatte um die Vorratsdatenhaltung und Online-Überwachung erfahren möchte kann sich noch für das Seminar “Die liberale Blogosphäre – neue Netzwerke in der virtuellen Bürgergesellschaft” in der Theodor-Heuss-Akademie der Freidrich-Naumann-Stiftung in Gummersbach (23.01.2009 bis 25.01.2009) anmelden. Die B.L.O.G.is sind auch vertreten.

Metamorphosen

Mal ne Frage an den Rest.

Es gibt ja diesen Superspruch:

Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 noch Kommunist ist, keinen Verstand.

(mehr…)

Ypsilantis Scheitern und die Reaktion der linken Blogger

Als am Montag die Entscheidung der vier hessischen SPD-Abgeordneten bekannt wurde, fragte ich mich noch, was wohl die linken Blogger dazu schreiben würden. Ich hatte dann sehr viel Arbeit auf dem Tisch und konnte die bekannten Blogs erst gestern besuchen. Um es vorwegzunehmen: am klügsten erscheinen mir die Linken, die entweder schweigen oder über die offensichtlichen Fehler der eigenen Seite reden. Der SPD-Veteran Hans-Jochen Vogel sagte in einem Interview:

Ich würde bedenken, dass der Bruch eines substantiellen Wahlversprechens, das für den Wahlausgang bedeutsam war, das auslösende Moment der Krise gewesen ist.

Leider konnte ich keinen linken Blogger finden, der auch nur annähernd soviel Einsicht erkennen ließ. Die Anhänger eines Bündnisses mit den Kommunisten hatten sich auf den Dienstag gefreut und wurden bitter enttäuscht. Das konnten sie nicht verbergen: Einer nannte sein Schwein Walter und bezeichnete SPD-Abgeordnete als künftige Koch-Vasallen. In offensichtlich fortdauernder Erregung nennt er Bush auch noch einen »Neoliberalen«. Wirklich amüsant.

Der Spiegelfechter schrieb sich in einem emotional bewegenden Artikel den Frust von der Seele: es ist eine Dolchstoßlegende zum Mitweinen und man weiß nun, wo man ihn einzuordnen hat. Möglicherweise sucht das »Neue Deutschland« noch freie Mitarbeiter;-)

Die Sinistren sind auch bitter enttäuscht und wissen ganz genau, dass es natürlich nicht am Unvermögen der Linken gelegen haben kann. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ersinnen sie ihre eigene Dolchstoßlegende:

Vielen Dank, BILD; vielen Dank, Spiegel; vielen Dank, Ihr schreibenden Musterdemokraten allesamt! Als vierte Macht im Lande nehmt Ihr Euch Frechheiten heraus, für die eine Privatperson wegen Nötigung, Volksverhetzung und Grundgesetzfeindlichkeit schon lange in den Knast gewandert wäre!

Am klügsten scheinen mir diejenigen Linken, die zu diesem Thema geschwiegen haben. Vielleicht aus Taktik, vielleicht war es ihnen auch nicht so wichtig, weil sie lieber Basisarbeit leisten oder kein Interesse an Macht haben. Aber möglicherweise wissen sie auch, dass man auf Betrug und Abneigung gegen einen hochstilisierten »Feind« kein dauerhaftes Bündnis gründen kann.

Roland Koch ist sehr umstritten, er hat teilweise inakzeptable Kampagnen geführt und er steht auch für eine »law-and-order«-Politik, die ein Liberaler nicht mittragen kann. Aber er ist seit vielen Jahren ein vergleichsweise kompetenter Ministerpräsident und seine Kontrahentin hat sich als völlig inkompetent erwiesen. Was sollte einem hessischen Bürger nun lieber sein?

Alles eine Soße

Könnte es nicht sein, dass politisch links oder rechts stehende Zeitgenossen in Bezug auf ökonomische Fragestellungen doch ähnlicher denken als sie allgemein wahrhaben wollen oder sich zumindest weniger voneinander unterscheiden, als von den Akademikern des Faches? Bryan Caplan hat das mal versucht zu quantifizieren:

…, I calculated belief gaps between laymen of the far left (very liberal Democrats) and laymen of the far right (very conservative Republicans). For the SAEE’s 37 questions, the average absolute value of this belief gap is .30 on a 0-2 scale. I also calculated belief gaps between Ph.D. economists and the general public. All else equal, the average absolute value of this belief gap is .52. In other words, the belief gap between economists and the public is more than 70 percent larger than the belief gap between America’s far left and far right. If that isn’t big, what is?

Individuum oder System?

Ich komme erst mal nicht dazu, den ausführlichen Beitrag zu verfassen, der mir seit längerem im Kopf herumspukt. Deswegen zunächst ein paar Anmerkungen anlässlich des Geplänkels um die Äußerungen von Hans-Werner Sinn. (mehr…)

Nächste Seite »

Bad Behavior has blocked 1603 access attempts in the last 7 days.