Die Rettung der Welt ist ein ehrenhaftes Ziel. Doch vergessen manche im Eifer des Gefechts, dass es bei diesem Unterfangen immer noch angesagt ist, die Grundregeln wissenschaftlicher Kommunikation einzuhalten, auch wenn es dabei nur um den Versuch der Aufklärung der Öffentlichkeit geht. Weil schon immer bekannt war, dass die Argumente des Gegners noch wackliger erscheinen, wenn man ihn vorher schon als Mensch oder Experte diskreditiert hat, beginnt der in der Öffentlichkeit geführte Streit um den Klimawandel auch in der Regel nicht mit dem Austausch von Argumenten, sondern zunächst einmal mit der Zuweisung von mehr oder weniger niederen Motiven. Sehr gern werden auch die politische Orientierung, berufliche Herkunft oder der Arbeitgeber als Mittel zur Vorabdisqualifizierung verwendet.
So geschehen kürzlich beim Sciencblog “PRIMAKLIMA”. Der Autor des Blogs diskutiert dort einen Beitrag zu einer Klimakonferenz im Juni in Berlin (bei der auch ich Vortragender war) im Online-Magazin “Die freie Welt”. Daran ist zunächst nichts Ehrenrühriges, vielmehr ist es sogar erfreulich, dass es mit der Blogosphäre eine Art Reviewprozess des Internet-Journalismus gibt. Überflüssig jedoch ist der hier unternommene Versuch, nicht nur das Magazin als solches durch die Nennung seines Herausgebers, sondern auch den Autoren des Beitrags und andere Mitwirkende des Magazins aufgrund ihrer beruflichen Herkunft oder des Arbeitgebers vorab zu disqualifizieren, bevor auch nur ein Argument genannt ist. Was hat der Geldgeber, die fachliche Ausrichtung oder auch nur die politische Orientierung einer Institution mit dem vorgebrachten Inhalt zu tun, den man ja glücklicherweise anhand vorhandenen Faktenmaterials nach Sachlichkeit überprüfen kann? Mit diesem Stilmittel hat man die Leser bereits vor der Faktenanalyse soweit, dass man sich hier auch nicht mehr so viel Mühe geben braucht. Zwar hat der Autor durchaus einen berechtigten Grund zur Klage an der Darstellung der Fakten, doch kommt die konkrete Auseinandersetzung damit nicht über Spitzfindigkeiten und die Zitation von Quellen, die bei näherer Betrachtung auch inhaltlich nicht unumstritten sind, hinaus.
Auch ich bekomme in der Kommentarsektion des Beitrags vom Blog-Autoren mein Fett weg, nicht bevor zunächst mein Brötchengeber erwähnt wurde. Offenbar hat der Autor noch nicht verstanden, dass Menschen sich häufig nicht so oder so äußern, weil sie dort und dort arbeiten, sondern dass sie von diesem Arbeitgeber wegen ihrer Art zu denken oder zu argumentieren beschäftigt werden. Das ist so und daran wird sich nichts ändern. Auch fühlt sich der Autor gemüssigt, obwohl er sich selbst eingesteht wenig über den Inhalt meines Vortrags informiert zu sein, über denselben sein Verdikt auszusprechen. Hier stellt sich also wirklich die Frage, ob es dem Autoren primär darum geht eine wissenschaftliche Diskussion zu führen oder ob er eher versucht, die Diskussion und ihre Protagonisten zu polarisieren?
Auf jeden Fall zeugt die Verflechtung von Motiven und Argumenten von einem bedauernswerten Diskussionsstil. Die Klimadebatte würde erheblich an Qualität gewinnen, wenn beide Seite den Faktenstreit klar von ihrer weltanschaulichen Position und der persönlichen Einschätzung der Motivation ihres jeweiligen wissenschaftlichen Gegenübers trennen könnten. Zweifellos ist die wissenschaftliche Debatte auch von Interessen geleitet, doch diese Tatsache für sich, beeinträchtigt in keiner Weise die Qualität der in der Diskussion vorgebrachten Argumente. So einfach ist die Welt nicht. Schließlich lässt sich z.B. aus der Tatsache, dass üble Regime oft verantwortlich für den Hunger der von ihnen unterdrückten Gesellschaft sind, nicht zwangläufig ableiten, dass Diktatoren nicht kochen können.