Kandidaten für nix
Nicht jedem ist es erlaubt, sich in der Gunst der Medien zu sonnen. Wenn jemandem, dann allerdings den “Grünen”. Was kein Wunder ist, wenn man die Parteirpäferenzen von Journalisten kennt.
Nicht nur dem hier sehr geschätzten sächsischen FDP-MdEP Holger Krahmer ist aufgefallen, dass ähnliche Sachverhalte bei FDP und “Grünen” von den Medien gänzlich unterschiedlich behandelt werden.
Dieser Autor kann sich, weil er selbst propagandistisch mitgemischt hat, noch gut an den Mitgliederentscheid zum ESM erinnern. Echo damals:
- “Zweifel am Euro? Was erlaube FDP!”
- “Aufstand gegen Parteiführung!”
- “Rösler hat den Laden nicht im Griff!”
Echo heute zur Kandidatenkür der “Grünen”:
- “Super, diese innerparteiliche Demokratie!”
- “Welch kluge Kandidatenwahl!”
Daraus ließe sich vielleicht schließen, dass sich die Castingshow-erprobten Journalisten dieses Landes leichter mit Schönheitswettbewerben als mit Sachfragen tun. Oder aber dem Ochsen sind die Früchte des Jupiter eben nicht erlaubt. Für letztere Interpretation spricht noch etwas anderes. Für was kandidieren der Herr Trittin und die Frau Göring-Eckardt eigentlich Spitze, dass man dazu eine Wahl abhalten muss? Bei den Sozis weiß man immerhin: Dass sie den Steinbrück erkoren haben, zeigt, dass sie den zum Kanzler machen wollen (oder vielleicht auch nicht, aber dazu wäre dann eine inzwischen vielleicht noch nicht mal sehr subtile Verschwörungstheorie erforderlich). Und bei den “Grünen”? Sollten die etwa….? Der Schreiber dieser Zeilen kann sich jedenfalls noch gut daran erinnern, welche Häme damals über Guido Westerwelle hereinbrach, als er sich von Möllemann den Floh ins Ohr setzen ließn, für die FDP als “Kanzlerkandidat” anzutreten. Wenn die “Grünen” also entweder völlig aussichtslose Kanzlerkandidaten aufstellen (wer von beiden sollte es denn dann auch machen?) oder Kandidaten für nix, dann wird das nicht kritisch hinterfragt, sondern anderen Parteien zum Nachahmen empfohlen.
Seltsame Welt.
bisher 9 Kommentare » Kommentare
Äpfel, Birnen.
So weit ich mich entsinne gab es für Schäffler und co. mehr Symphatie in den Medien als für Rösler und seine Hampelmänner.
Plus, bei den Grünen ging es um eine Kandidatenkür per Urwahl die von der Parteiführung durchaus unterstützt wurde und nicht wie im Falle der FDP suptil torpediert wurde.
Das die Grünen daher mehr Lorbeeren für Basisdemokratie ernten als die FDP ist daher verständlich. Außerdem, Urwahl? Drauf geschiessen, ich will primaries.
In welchen Medien soll denn das gewesen sein?
Vorherrschende Meinung war doch, daß sowohl Schäffler wie Rösler pöse FDP seien, daß aber Europa nur durch Ablehnung des Mitgliederentscheids gerettet werden könnte.
Die Parteiführung (sprich Claudia Roth) hat das unterstützt, weil sie hoffte zu gewinnen.
Die grüne Grundausrichtung der Medien ist nun wirklich nicht zu übersehen.
[Die grüne Grundausrichtung der Medien ist nun wirklich nicht zu übersehen.]
Und sogar statistisch festgehalten worden:
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/163740/umfrage/parteipraeferenz-von-politikjournalisten-in-deutschland/
@Jaquento:
Erstmal muss ich sagen, dass ich die Wahl eines Spitzenkandidaten durch die Parteibasis gut finde. Hätte ich mir auch für die FDP gewünscht, dann hätten wir Rösler ganz bequem abgesägt, aber was soll’s? Allerdings haben die Grünen das ja nicht gemacht, weil die Basisdemokratie so toll finden, sondern weil die Parteigranden sich nicht einigen konnten. Von daher wäre etwas mehr Kritik durchaus berechtigt gewesen.
Ich stimme Dir aber zu, dass die FDP beim Thema Mitgliederentscheid schlecht kommuniziert und gehandelt hat.
Das Aussenministerium in der naechsten Regierung (das ja aus irgendeinem unerfindlichen Grund zwangslaeufig IMMER an den Spitzenkandidaten der zweitstaerksten Fraktion gehen muss) ist nicht “nix”…
@5.
Und warum nennt man die dann nicht Außenministerkandidaten?
Im Fall Trittins stimmt es außerdem wohl nicht. Und wenn der Finanzminister würde, könnte ein zweiter Grüner (eine zweite Grüne) nie und nimmer auch noch Außenminister(in) werden.
Es bleibt dabei: Wofür die jetzt konkret kandidieren (außer für den Bundestag wie die Nichtspitzenkandidaten auch), weiß kein Schwein.
@Rayson
Quod licet Iovi, non licet bovi!
So ist es eben.
Man könnte aber auch argumentieren, dass unsere “Qualitäts”journaille dialektisch gebildet ist – und Dialektik heißt – und kann nur heißen – mit zweierlei Maß zu urteilen:
So war es, so ist es, und so wird es immer sein…
@1 „Jaquento“
Ich erinnere mich eher noch an diesen Kommentar der auflagenstärksten Zeitung in Herrn Schäfflers Wahlkreis, der (natürlich) sozialdemokratischen “Neuen Westfälischen” zur damaligen Initiative von Herrn Schäffler:
[Aus einem Kommentar der Zeitung vom 12.09.2011]
@7: Hat nichts mit dem Thema zu tun, ist mir nur zu dem Stichwort national-cauvinistisch eingefallen:
http://liberalesinstitut.wordpress.com/2012/11/14/fes-rechtsextremismus-studie-linke-parteien-mit-rechtsextremer-anhangerschaft/
Welche Parteien den nun wirklich von Chauvinisten gewählt werden.
@8.
Wie stefanolix auf seinem Blog richtig ausführt, sind die Ergebnisse nach Parteizugehörigkeit nicht repräsentativ.