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Im unpolitischen Irrgarten

Du merkst, es ist bald wieder Bundestagswahl, wenn …

… kein Mensch mehr über Inhalte redet, sondern nur noch über Kandidaten und Koalitionen.

Dabei ist es ja nicht gerade so, als gäbe es keine Themen auf der Agenda. 

Die auf der anderen Seite aber gerade nicht zur Diskussion einladen, denn das herrschende koalitionsfähige Politkartell hat den Rahmen, innerhalb dessen Diskussion noch zulässig sein soll, will sich der Diskutierende nicht der höchst-offiziellen Ächtung durch die Amtsinhaber und ihren Vasallen in den Qualitätsmedien aussetzen, äußerst eng gesteckt. Man müsste unbedingt darüber reden, wie es denn aussehen soll, das Europa. das sich den für jedermann offen sichtbaren Herausforderungen stellt, aber erlaubt ist nur eine Scheindiskussion “für” oder “gegen Europa”. Man müsste sich grundsätzliche Gedanken machen über ein System, das nur noch durch billigstes und frisch gedrucktes Geld am Leben zu erhalten ist – immer wieder und immer mehr. Und man müsste sich irgendwann mal endlich den Konsequenzen der demografischen Entwicklung stellen. Müsste man. Ist aber alles viel zu mühsam und viel zu kompliziert.

Viel lustiger ist es doch, den Paris zu spielen und irgendeiner der drei SPD-Schönheiten (man muss ja im gewählten Bild bleiben, auch wenn es schwer fällt…) den Apfel in die Hand zu drücken. Und wie viel mehr Spaß es macht,  darüber zu  spekulieren, wer mit wem ins Bett hüpft und ob vielleicht auch flotte Dreier angesagt sind, bestätigt Ihnen gerne Ihr Friseur. 

Nun ist der Schreiber dieser Zeilen ja Mitglied in einer Partei, die absolute Mehrheiten für sich gar nicht und für andere nur als Albtraum kennt. Das heißt, der KopulationsKoalitionswille ist ihr zur Wesenseigenschaft geworden. Und flexibel muss sie dabei auch unbedingt bleiben, denn der jeweilige (kicher, kicher) “Partner” soll sich erstens nicht zu sicher fühlen und kann zweitens auch mal abhanden kommen, und zwar sowohl ganz nüchtern wahl-arithmetisch als auch dann, wenn andere Konstellationen attraktiver erscheinen, wem auch immer.  Volles Verständnis für das. Nur – wer sich allzu bereitwillig dem nächstbesten an die Brust wirft, wird eher nicht als Partner denn als professioneller Erfüllungsgehilfe oder allzeit verfügbare Ausweichmöglichkeit wahrgenommen, während die wahre Liebe weiterhin den Seelengleichen gilt. 

Um aus dem Bildhaften jetzt auch mal herauszukommen: Was Leute wie Niebel und Kubicki da abziehen, mag ihren persönlichen Karriereplänen dienlich sein, ist aus Sicht eines Liberalen in der FDP aber unerträglich, um noch das netteste Wort zu verwenden, das diesem Blogger dazu einfällt. Sicher, die FDP darf sich auf keinen Fall an die Union ketten. Aber man kann nicht einerseits sich dem merkelschen, opportunistischen Linkskurs entgegenstellen und andererseits dem Original, das sich die Kanzlerin zum Vorbild erkoren hat,  schöne Augen machen. Jedenfalls nicht, wenn man noch einen Funken Selbstachtung hat. 

Wir wollen dabei an dieser Stelle nichts gegen die Sozis sagen. Dass sie einem falschen politischen Ideal hinterherrennen, wissen wir ja seit hundert Jahren. Und alle können damit umgehen, sogar die SPD selbst. Will sagen: Viel übler als unter Merkel kann der Linkskurs in einer Koalition mit denen auch nicht werden, und in Regierungsverantwortung haben sich die Sozis, meist in Gestalt eines der Basis eben keinen Zucker gebenden Kanzlers,  in der Regel den Umständen entsprechend vernünftig gezeigt. Das ginge also, wenn beiderseits ein wenig guter Wille im Spiel ist. Aber da ist die Arithmetik im Weg: Wer Rot kauft, bekommt automatisch Grün mit dazu, und das ist das Problem. Wenn man sich eine schon von ihrer DNA her anti-liberale Partei vorstellt, käme dabei so etwas wie die “Grünen” heraus. Der trotz allen Feminismus-Gehabes politische Paternalismus und das Sozialingenieursgehabe, das diese Partei prägen, widerspricht allen liberalen Grundsätzen eklatant. Wo der Liberale einer Gesellschaft die Freiheit lassen will, sich nach den Vorstellungen der sie bildenden Individuen zu entfalten, drückt ihr der “Grüne” ein von ihm präferiertes Idealbild auf, das dann mittels staatlicher Gewalt durchzusetzen ist. Von ihrem Ansatz her sind die “Grünen” dirigistischer und brauchen den Staat mehr als z.B. die Kommunisten, für die ja nach der Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln das Absterben des Staates nur eine Frage der Zeit und ansonsten alle anderen Probleme mitgelöst sind. Da das in der Praxis nicht so recht klappt und deswegen dann eben in sozialistischen Systemen doch kleinlichst in das Leben der Menschen hineinregiert und -spioniert wird, lässt dann doch nicht mehr verwundern, dass zahlreiche ehemalige K-Grüppler und sonstige dem Dia- und dem Histomat frönende Gesellen und Gesellinnen sich bei den “Grünen” so pudelwohl fühlen. Und Zettel weist auch immer wieder gerne auf Wolfgang Harich hin, der diesen Schulterschluss ideologisch beeindruckend unterfüttert hat.

Es gibt Teile der SPD, und da nicht nur “rechte”, die das grundsätzliche Einschwenken auf die “grüne” Logik für falsch halten. Nicht zuletzt entsteht dann nämlich nicht nur ein ideologisches, sondern auch ein soziologisches Problem: Was die “Grünen” so gern regeln und verbieten wollen, gehört oft zu den Vorlieben und Lebensnotwendigkeiten der SPD-Wählerschaft.  Und ihr anti-industrielles Ideal muss geradezu zwangsläufig mit dem für die SPD und ihrer Gewerkschaftsklientel wichtigen Ziel kollidieren, Menschen in Arbeit zu bringen und zu halten.

Wie man als nun jemand, der als Liberaler gelten will, eine Funktion als Mehrheitsbeschaffer ausgerechnet dieser “grünen” Ideologie, die auch bei den Sozis nicht unumstritten ist, ausüben wollen kann, entzieht sich dem Verständnis dieses Bloggers. Jenseits von sehr egozentrischen Motiven natürlich, für die hier immer großes Verständnis aufgebracht wird, die aber nicht vor heftigem Widerspruch schützen. 

Rayson in FDP,Grundsatzfragen,Politik am 24. 09. 2012 » 11 Kommentare
bisher 11 Kommentare » Kommentare
  1. Suwarin sagt am 24. 09. 2012 um 22:18 Uhr:

    Kubicki dient sich der SPD ja schon eine ganze Weile an, von Niebel war ich doch erstaunt. Ich weiß auch nicht, was an diesem Ampelgerede karierrefördernd sein soll, denn wer wählt FDP, wenn er mit Gabriel und Trittin rechnen muss?

  2. Rayson sagt am 24. 09. 2012 um 22:29 Uhr:

    @1.

    wer wählt FDP, wenn er mit Gabriel und Trittin rechnen muss?

    Keine Ahnung, kann aber nichts ausschließen. Die Wählerschaft der FDP ist da sehr flexibel. Liberale Stammwähler dürften eher die Minderheit darstellen.

  3. Boche sagt am 24. 09. 2012 um 23:27 Uhr:

    Mein lieber Don Quijote, das sind wirklich WIndmühlen und keine Partei, die man von innen heraus ändern kann. ;-)

  4. Rayson sagt am 24. 09. 2012 um 23:37 Uhr:

    @3.

    Ungekehrt, gerade! Mit festgefahrener, anders denkender Stammwählerschaft wäre es unmöglich.

  5. Boche sagt am 24. 09. 2012 um 23:51 Uhr:

    Bedenke, dass eine – wie auch immer geartete – Stammwählerschaft, eine nur für ein Parteimitglied relevante Größe ist.
    Dies spricht ein simplizistischer Wähler.

  6. Rayson sagt am 25. 09. 2012 um 00:00 Uhr:

    @5.

    Wenn wir darüber reden, ob man eine Partei von innen heraus verändern kann, ist die Relevanz somit offensichtlich.

    Alles andere ist ein anderes, oben z.T. angeschnittenes Thema.

  7. Boche sagt am 25. 09. 2012 um 00:10 Uhr:

    Ja, da hast du sicher Recht.

  8. F.Alfonzo sagt am 25. 09. 2012 um 17:18 Uhr:

    @ Rayson, Boche:

    Offensichtlich seit ihr beide FDP MItglieder… und ihr koennt beide sehr gut “schwafeln” (no offense), weshalb es diesen Blog ja ueberhaupt gibt.

    Mal darueber nachgedacht, die Schwafel-Power gegen die FDP einzusetzen? Damit Leute wie Niebel entsorgt werden? Ich meine in diesem Blog, oder wo sonst ihr auch schreibt; wesentlich aggresiver, damit der Mann gehoerig Druck bekommt.

    ^
    Der Typ hat’s mir sowieso angetan, ich finde es unertraeglich, dass er Bundesminister ist; da hoert man von FDP-Seite aber auch nicht viel Widerspruch, oder?

    Waere ein leichtes fuer die Politschranzen in der FDP den Niebel fertigzumachen.

  9. Rayson sagt am 25. 09. 2012 um 17:24 Uhr:

    Offensichtlich seit ihr beide FDP MItglieder

    Da tust du Boche aber gewaltig Unrecht ;-) Ich allerdings bin tatsächlich noch FDP-Mitglied.

    Mal darueber nachgedacht, die Schwafel-Power gegen die FDP einzusetzen?

    Och, ich finde, da sind wir schon manchmal heftig genug unterwegs. Das Problem ist nur: Ob wir uns hier über jemanden aufregen oder ihn lobpreisen, das bekommt da draußen keine Sau mit. Wir bloggen letztlich nur für uns selbst und für die Handvoll Leute, denen wir manchmal damit aus der Seele sprechen… Aber die muss man alle eh nicht mehr von irgendwas überzeugen.

  10. Erling Plaethe sagt am 25. 09. 2012 um 19:48 Uhr:

    Lieber Boche, lieber Rayson,
    ganz hervorragendes Konzept!
    Die Diskussionskultur in deutschen Blogs, also denen mit neugierig – offenem Geist, könnte mehr Streit vertragen. Ihr beiden habt das Potential eine deutsche Streitkultur in der liberalen Blogossphäre zu entwickeln.
    Das ist Journalismus wie ich ihn mag:
    Die widerstreitenden Meinungen prallen vor allen Leuten aufeinander.
    Selbst wenn es nur um Nuancen geht, es wäre die Peperoni in der Suppe die ich hier so gerne auslöffele.

  11. Boche sagt am 26. 09. 2012 um 09:24 Uhr:

    Lieber Erling Plaethe,

    leider ist es sehr selten, dass Rayson und ich unterschiedlicher Meinung sind. ;-)
    Deshalb, wie auch auf Grund unseres Mangels an Zeit für die Blogosphäre wird es wohl nichts mit der Peperoni-Suppe (die mir sicher auch sehr schmecken würde!).