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You can run…

Als der Schreiber dieser Zeilen mal im Ausland mit einer Amerikanerin zusammen arbeitete, war diese fast ihre gesamt Freizeit damit beschäftigt, mit ihren Steuererklärungen zu kämpfen. Sie musste, wie wir anderen Expats auch, in dem Land Steuern zahlen, in dem sie ihr Einkommen bezog. Was sie aber von uns anderen unterschied, war, dass den amerikanischen Fiskus, den berühmt-berüchtigten IRS, nicht interessierte, ob sie noch im Land der Freien und der Heimat der Tapferen lebte, oder eben in diesem kleinen europäischen Land. Sie musste weiterhin in den USA ihr Einkommen deklarieren (allerdings gibt es auch dann Regeln, Doppelbesteuerung zu vermeiden – um die soll es hier also nicht gehen).

Mit einem Steuergesetz zu leben, ist schon schwer genug. Zwei müssen ein Alptraum sein.

Ein Herr Mounk möchte jetzt auch gerne im Ausland lebende Deutsche damit beglücken. Wie für jeden Linken ist es auch für ihn unerträglich, dass sich die “Reichen”, in seinem Artikel konsequent  “Superreiche” genannt (das ist, wie man aus dem Zusammenhang entnehmen kann, für ihn jeder, der mehr als 100.000 Dollar verdient), durch Wegzug der deutschen Besteuerung entziehen können. Das ist für den wackersten Linken misslich, weil man mit dem Geld anderer Leute doch so schön Gutmensch spielen kann.

Aber nicht nur fiskalisch begründet Herr Mounk seine dolle Idee. Sie sei vielmehr, wie könnte es auch anders sein, der Gerechtigkeit geschuldet:

Denn ihren Erfolg haben die meisten von ihnen nicht nur ihrer eigenen Energie und Intelligenz zu verdanken – sondern eben auch gemeinschaftlich finanzierten Ressourcen. Die meisten Superreichen haben schließlich eine von allen deutschen Steuerzahlern finanzierte Erziehung genossen, auf eine von allen deutschen Steuerzahlern finanzierte Infrastruktur zugegriffen, und vielleicht sogar von allen deutschen Steuerzahlern finanzierte Wirtschaftssubventionen erhalten. Es ist also kaum ungerecht, wenn wir ihnen einen Beitrag zur Weiterfinanzierung dieser Errungenschaften abverlangen, selbst dann, wenn sie diese nicht mehr nötig haben.

Gut, also nicht unbedingt gerecht, aber immerhin “kaum ungerecht”… Allerdings hätte dieser Blogger sich dazu noch eine Erklärung gewünscht, wie es kommt, dass viele andere Menschen all diese Ressourcen auch nutzen können und tatsächlich nutzen, allerdings ohne zu “Supernasenreichen” zu werden. Aber dieses “Du bist nichts, das Kollektiv ist alles”-Ansatz ist ja wohl mittlerweile auch bei amerikanischen Präsidenten populär geworden, und eine Kritik daran würde daher wohl den Weltfrieden gefährden. Mindestens.

Allerdings scheint dieser Ansatz nicht frei von Inkonsistenzen zu sein. Während die bisherige weltweit fast überall (bis auf die Amis eben…) gängige Praxis der Besteuerung am Lebensmittelpunkt immerhin den Vorteil hat, die in einem Land Lebenden gleich zu behandeln, sieht das bei der an die Staatsbürgerschaft gekoppelten Steuerpflicht schon anders aus. Denn selbstverständlich ist nicht ausgeschlossen, dass auch in Deutschland aufgewachsene Ausländer hier zu “Superreichen” werden. Wenn die sich danach ins Ausland verkrümeln, soll das Gerechtigkeitsargument also plötzlich nicht mehr gelten? Oder wie lange muss man von den Wahnsinnsressourcen dieses Landes und seiner Spitzenbildung profitiert haben, um sich zum Steuerbürger bis ans Lebenende qualifiziert zu haben? Und gilt das auch für Einwohner von Bremen?

Herr Mounk ist ja großzügig. Wer auf den deutschen Pass verzichtet, den will er aus der hiesigen Steuerknechtschaft entlassen. Dass gerade “Superreichen” das besonders leicht fällt, während Otto Normalauswanderer dabei größere Hürden erwarten, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Aber wie ist das eigentlich, wenn jemand, der sich auf diese Art ausgebürgert hat, auf seine alten Tage nochmal zurück ins Land der sozial Gerechten und die Heimat der Wütenden ziehen will: Darf der dann wieder Deutscher werden? Oder muss er vorher sozusagen auf einen Schlag für all die Jahre der Untreue deutsche Steuern entrichten?

Fragen über Fragen, und eine weitere praktische folgt auf dem Fuß: Wie soll der deutsche Fiskus seine Steuern in, sagen wir mal, der Dominikanischen Republik eintreiben? Bei den Amis ist das was anderes: Die springen über Karibikstaaten mal eben mit dem Fallschirm ab, und für weiter entfernte Steuerparadiese gibt es ja Flugzeugträger. Die Schweizer jedenfalls würden nicht nur dem nordrhein-westfälischen Staatshehler den Mittelfinger hinstrecken, wenn sie dafür nicht eigentlich zu höflich wären.

Aber wir merken, wohin der deutsche Hase hoppelt. Das DIW macht den Anfang, und schon meldet sich erst der Sommer (leider nur der vom DGB) und dann auch das Fußvolk aus den Qualitätsmedien, um sich gegenseitig mit kreativen und lustigen Ideen zu überbieten, ihren Mitmenschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Es ist ja für einen guten Zweck: Banken und Energieriesen.

Rayson in Politik am 26. 07. 2012 » 3 Kommentare
bisher 3 Kommentare » Kommentare
  1. grenzenlosnaiv sagt am 27. 07. 2012 um 02:08 Uhr:

    Die Idee wirft wirklich viele Fragen auf und allen gerecht zu werden, würde es doch sehr kompliziert machen, wenn man eben keine Großmacht ist, die sich nicht um Gesetze anderer Länder scheren muss. Ohne den Weltfrieden gefährden zu wollen; aber wie wäre es denn, wenn man einfach keinen Deutschen mehr weglässt, also sowas wie eine Mauer um Deutschland baut? Hmja, die Idee ist wohl nicht naheliegend genug für einen Linken, aber es wäre halt die einfachste. Alternativ könnte jeder Ausreisewillige einen bestimmten Prozentsatz seines Vermögens bezahlen, oder besser gleich einen ausreichend hohen Festbetrag, als Ausgleich für die durch ihn entstandenen Kosten, ob nun Deutscher oder nur kurzzeitig hier lebender Ausländer.
    Besser so? ^^

  2. Dagny sagt am 27. 07. 2012 um 20:47 Uhr:

    Wie hoch ist denn genau die Leistung, die das “Kollektiv” denn nun gestellt hat? Ich moechte bitte die Rechnung sehen, auf der steht:

    Leistung dritter um Superreich zu werden
    - gezahlte direkte Steuern
    - geschaffener und an das Kollektiv gegebener Wohlstand
    ——————
    Nettosaldo

    Wetten, dass das Nettosaldo negativ ist und der Superreiche dem Kollektiv mehr gibt als er nimmt? Selbst wenn er keine direkten Steuern zahlt?
    Aber wer ist schon dieser komische John Galt, dass er glaubt ohne Kollektiv ginge es besser?

  3. F.Alfonzo sagt am 28. 07. 2012 um 07:12 Uhr:

    @ Dagny:

    Nachdem Steuern (zumindest in D) nicht zweckgebunden erhoben werden wie bspw. Gebühren, ist es nicht nachvollziehbar wer eigentlich für was zahlt…
    …ein politisch durchaus erwünschter Effekt, weil man dadurch die Illusion aufrecht erhält, dass der Zahler irgendeine Gegenleistung bekommt.

    Man kann’s halt überschlagen: Im Januar arbeitet man für Infrastruktur, Bildung und Forschung, im Februar für Militär und Verwaltung, und von März bis Juli für das Einkommen fremder Leute ;)