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Zitat des Tages

Metaphorisch gesprochen gleicht das Erreichen der Europäischen Einigung der Besteigung des Mont Blanc. Team A läuft in Flip-Flops, Badebekleidung und ohne Proviant los und diskreditiert Team B, welches sich gerne gut ausgerüstet und mit Bedacht auf den Weg machen würde. Es kam, wie es kommen musste. Team A musste den Hubschrauber rufen, postuliert aber weiterhin die Alternativlosigkeit des eigenen Weges und verteilt die Kosten des Hubschraubers auf alle. Die offene Frage derzeit: Kommt der Hubschrauber um zu retten oder um zu bergen?

Martin Skala bei “Ökonomenstimme

Auch den Rest zu lesen lohnt sich.

Rayson in Politik am 25. 06. 2012 » 16 Kommentare
bisher 16 Kommentare » Kommentare
  1. FDominicus sagt am 26. 06. 2012 um 06:34 Uhr:

    Also in diesem Fall fände ich bergen ausreichend.

  2. R.A. sagt am 26. 06. 2012 um 11:46 Uhr:

    Ich bezweifele, daß die “Konvergenzkriterien” überhaupt sinnvoll und notwendig waren (deswegen stört mich auch die mangelhafte Überwachung dieser Kriterien wenig).

    Zu Zeiten des Goldstandards hat keiner danach gefragt, ob irgendein Land solide gewirtschaftet hat, wie die Inflation dort ist, wie sich die Verschuldung entwickelt – das hatte auf die Währung überhaupt keinen Einfluß.

    Der Grundfehler der aktuellen Probleme liegt daher m. E. nicht bei irgendwelchen Fehlern in der Euro-Einführungsphase. Solange die EZB unabhängig bleibt, sich nicht bei der Staatsverschuldung einmischt und bei der Geldemission zurückhaltend bleibt, wäre der Euro eine brauchbare und stabile Währung. Völlig unabhängig davon, daß irgendwelche Regierungen Pleite machen.

  3. Rayson sagt am 26. 06. 2012 um 14:32 Uhr:

    @2.

    Selbstverständlich ist es besser, wenn für Volkswirtschaften in unterschiedlichen Situationen auch eine unterschiedliche Geldpolitik möglich ist. Staatspleiten sind ja auch nicht gerade erstrebenswerte Ereignisse.

  4. TF sagt am 27. 06. 2012 um 00:07 Uhr:

    Staatspleiten sind ja auch nicht gerade erstrebenswerte Ereignisse.

    Staatspleitenvermeidung mit Hilfe der Notenpresse erst recht nicht. Und massive Ausweitung der Geldmenge zur Verhinderung einer massiven Aufwertung (wie gerade in der Schweiz) ist auch kein wünschenswerter Zustand.

    Das “Wirtschaftswunder” vollzog sich übrigens zu Zeiten ziemlich fester Wechselkurse in der gesamten westlichen Welt, ohne dass ich jetzt für ein neues Bretton-Woods-System plädieren würde.

  5. R.A. sagt am 27. 06. 2012 um 11:26 Uhr:

    @2, Rayson:

    Selbstverständlich ist es besser, wenn für Volkswirtschaften in unterschiedlichen Situationen auch eine unterschiedliche Geldpolitik möglich ist.

    Ich habe da meine Zweifel. Mein Eindruck ist, daß mit “Geldpolitik” meist nur versucht wird, Fehler und Schwächen zu vertuschen ohne die Ursachen anzugehen.
    Aber mir fehlt da die Expertise über die genaue Wirkung von “Geldpolitik”. Ich vermisse aber historische Beispiele, wo eine solche Politik wirklich handfeste und stabile Erfolge gebracht hätte.

    Staatspleiten sind ja auch nicht gerade erstrebenswerte Ereignisse.

    Nein. Aber volkswirtschaftliche Schwierigkeiten führen ja nicht automatisch zur Staatspleite. Wenn ein Land wirtschaftlich schwach dasteht, und entsprechend wenig Staatseinnahmen da sind – dann darf eine Regierung halt auch nur wenig ausgeben.
    Bei Staaten wie bei Privatpersonen ist eine Pleite fast nie Folge des Einkommensniveaus, sondern von überzogenen Ausgaben.

  6. FDominicus sagt am 27. 06. 2012 um 12:10 Uhr:

    Geldpoltik ist nicht die Antwort Geldmarkt dagegen schon. Nein mit Geldpolitik wird verschleiert und so getan als ob man mit genügend Geld alles erreichen kann. Das geht immer und überall irgendwann schief. Somit hat R.A es genau getroffen:
    “Fehler und Schwächen vertuschen”.

    Geldpolitik geht immer in den Bereich vortäuschen von falschen Tatsachen. Ein Beispiel: wenn die Löhne nach unten nicht ausweichen können wird die Anpassung von Löhnen nach unten durch Inflation bewerkstelligt. Im Endeffekt hat man persönlich die gleiche Menge an Geld kann sich dafür aber dank Inflation viel weniger leisten.

    Das ist im Prinzip “Geldpolitik”. Das wird und hat auf Dauer nie funktioniert. Daher gibt es auch keine historischen Beispiele für den Erfolg.

    Für die Inflation von Geld gibt es dagegen mehr als genug Beispiele, wie schief das geht. Nur diejenigen die daraus lernen sollten, unsere Politiker ignorieren das immer und immer wieder.

  7. F.Alfonzo sagt am 27. 06. 2012 um 14:52 Uhr:

    @ 6:

    Nur diejenigen die daraus lernen sollten, unsere Politiker ignorieren das immer und immer wieder.

    Warum sollte ein Politiker Interesse an stabilem Geld haben? Das bringt doch keinerlei Vorteile…

    Man kann mit Kreditschoepfung und der Druckerpresse wunderbar viel Quatsch finanzieren, und wenn die Konsequenzen spuerbar werden, gibt’s ein neues Problem, das nach einer politischen Loesung verlangt.

    Das ist das huebsche am Sozialplaner-Dasein: Man erschafft sich seine eigene Existenzberechtigung, und je mehr Probleme man heute angeht, umso mehr hat man morgen zu loesen ;)

  8. Rayson sagt am 27. 06. 2012 um 16:52 Uhr:

    @5.

    Also ich fand die Zeit vor der Währungsunion ganz instruktiv. Staaten, die nicht produktiv und solide genug wirtschafteten, mussten als Konsequenz Inflation und Abwertungen in Kauf nehmen. Und wo man sehr produktiv und nicht ganz so unsolide tätig war, blieb das Geld stabil und die Währung wertete auf. Auf diese Weise blieben die größeren Krisen aus und die “Ansteckungsgefahr” gering, und größere Ungleichgewichte konnten sich nicht verfestigen.

  9. TF sagt am 28. 06. 2012 um 20:16 Uhr:

    und größere Ungleichgewichte konnten sich nicht verfestigen

    Welche “Ungleichgewichte” genau konnten sich denn damals nicht verfestigen, heute aber wohl?

  10. Qualitätsredakteur sagt am 30. 06. 2012 um 14:42 Uhr:

    @ TF
    “Welche “Ungleichgewichte” genau konnten sich denn damals nicht verfestigen, heute aber wohl?”
    Mein Gott, TF, bitte nicht so einen trivialen Scheiß fragen: Die Ungleichgewichte, die sich mit frei handelbaren Währungen nicht verfestigen können, sind Export- bzw. Importüberschüsse. Die Währungen von Ländern mit Exportüberschüssen werten irgendwann auf, was die Exporte verteuert und damit die Überschüsse zurückführt.

  11. Qualitätsredakteur sagt am 30. 06. 2012 um 14:50 Uhr:

    @ R.A.
    “…wäre der Euro eine brauchbare und stabile Währung. Völlig unabhängig davon, daß irgendwelche Regierungen Pleite machen.”
    Kannst Du mal ein Beispiel nennen, wo ein Land Pleite gegangen ist, ohne dass die Währung entweder abgewertet oder das Pleiteland die alte Währung aufgegeben hätte?

    “Zu Zeiten des Goldstandards hat keiner danach gefragt,…”
    Zu Zeiten des Goldstandards war alles gut. Das glaubt nur außer Dir kein Mensch. Der Goldstandard hat Anfang der Dreißiger jedes Land ins Elend gestürzt, das an ihm festgehalten hat.

  12. TF sagt am 30. 06. 2012 um 16:21 Uhr:

    Mein Gott, TF, bitte nicht so einen trivialen Scheiß fragen: Die Ungleichgewichte, die sich mit frei handelbaren Währungen nicht verfestigen können, sind Export- bzw. Importüberschüsse. Die Währungen von Ländern mit Exportüberschüssen werten irgendwann auf, was die Exporte verteuert und damit die Überschüsse zurückführt.

    Die griechische Handelsbilanz war immer stark negativ und die deutsche schon vor dem Euro chronisch positiv. Die Amerikaner haben eine permanent negative, die Japaner eine permanent positive Handelsbilanz. Die Beispiele ließen sich fortführen. Auch ansonsten zeugt die Antwort nicht gerade von Durchblick.

  13. Rayson sagt am 02. 07. 2012 um 00:57 Uhr:

    Es gibt auf der Seite der Hans-Böckler-Stiftung eine interessante Diplomarbeit zu dem Thema “Leistungsbilanzen im Euroraum”.

    Zitat daraus:

    Mit Beginn der Europäischen W ährungsunion (EWU) 1999 haben die Leistungsbilanzungleichgewichte innerhalb der Eurozone bis zur Wirtschafts- und Finanzkrise erheblich zugenommen. Die Entwicklung im Euroraum zeigt, dass sowohl die Höhe als auch die Persistenz der Ungleichgewichte bedeutend größer sind als noch in den vorangegangenen Jahrzehnten. Während sich die Leistungsbilanzungleichgewichte 1998 gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch zwischen -7 Prozent in Portugal und rund 5,5 Prozent in Finnland bewegten, hat sich der Schwankungsbereich innerhalb der Eurozone bis 2007 auf -14,5 Prozent in Griechenland und 7,7 Prozent des BIP in Deutschland stark ausgeweitet. Die durchschnittliche Abweichung der Leistungsbilanzsalden von der ausgeglichenen Position belegt, dass sich die Leistungsbilanzungleichgewichte der Länder im Euroraum von 1998 bis unmittelbar vor der Krise beinahe verdoppelt haben… In den frühen 1970er Jahren bis Mitte der 1990er Jahre haben die Ungleichgewichte hingegen durchschnittlich nur rund 2 Prozent des BIP betragen, was gerade ein Drittel des Niveaus von 2007 ausmacht.

  14. FDominicus sagt am 02. 07. 2012 um 09:26 Uhr:

    @Qualitätsredakteur.
    Das stimmt nur in einer Hinsicht, die Länder die zuerst betrogen haben taten das auf Kosten der Anderen. Das dürfte Ihnen aber aufgefallen sein. GB hat seine Zahlungen in Gold zuerst eingestellt weil es “inflationieren” wollte. Es wollte inflationieren weil die Gewerkschaften den Lohn nicht fallen lassen wollten. Die FED hat zu Hoovers Zeiten den Briten “gerne” geholfen und dafür mit der Rezession bezahlt.

    Wenn wir jetzt den Griechen weiter “entgegenkommen” oder den Spaniern oder oder oder dann werden alle mit einem “Krise” bezahlen.

    Und auch bitte nachzulesen. Die Länder gingen vom Goldstandard ab, weil Sie sich billig verschulden wollten um damit die Wirtschaft zu stabilisieren. Das ist gründlich daneben gegangen und wird auch diesemal gründlich daneben gehen.

  15. TF sagt am 03. 07. 2012 um 00:16 Uhr:

    @Rayson
    Die griechische Leistungsbilanz hat sich aber schon deutlich verschlechtert und die Auslandsverschuldung deutlich erhöht, BEVOR der Euro dort 2001 eingeführt wurde.

    Eine Analyse, die Aufschluss darüber geben könnte, inwieweit tatsächlich der Euro eine Rolle spielt bei der Entwicklung der Leistungsbilanzsalden, wird in der Arbeit leider nicht betrieben.

    In der Arbeit steht aber auch das hier:

    Es zeigt sich, dass die Divergenzen zwischen den Euro-Ländern seit den frühen 1990er Jahren zwar stetig zugenommen haben, verglichen mit anderen industrialisierten Volkswirtschaften jedoch sowohl vor als auch nach Einführung der Währungsunion geringer waren. Die Streuung realer effektiver Wechselkursänderungen hingegen ging im Euroraum zurück. Außerdem ist die Größe von länderspezifischen Leistungsbilanzschocks innerhalb der EWU gesunken, was mit einer zunehmenden wirtschaftlichen Integration einhergeht. Die Persistenz der Leistungsbilanzschocks ist jedoch im Vergleich mit anderen industrialisierten Ländern größer. Diese Änderungen entstanden weitgehend vor Beginn der Währungsunion und erweisen sich auch unter Einbeziehung von Wechselkursdynamiken als robust. Decressin und Stavrev (2010) weisen darauf hin, dass die Analyse der Leistungsbilanz- und Wechselkursentwicklung innerhalb der Währungsunion vor 1992 und nach 1999 sowie der Vergleich mit anderen industrialisierten Ländern zeigt, dass es keine direkte Beziehung zwischen Leistungsbilanzdivergenzen beziehungsweise der Leistungsbilanzdynamik und Wechselkursrigiditäten gibt.

  16. Rayson sagt am 03. 07. 2012 um 00:29 Uhr:

    Da steht aber auch:

    Die Persistenz der Leistungsbilanzschocks ist jedoch im Vergleich mit anderen industrialisierten Ländern größer.

    Schocks können wirklich verschiedene Ursachen haben, die dann auch Länder ohne Rücksicht auf ihr Währungsregime treffen. Die Frage ist aber, wie diese Schocks verkraftet werden können.