Zitat des Tages
Metaphorisch gesprochen gleicht das Erreichen der Europäischen Einigung der Besteigung des Mont Blanc. Team A läuft in Flip-Flops, Badebekleidung und ohne Proviant los und diskreditiert Team B, welches sich gerne gut ausgerüstet und mit Bedacht auf den Weg machen würde. Es kam, wie es kommen musste. Team A musste den Hubschrauber rufen, postuliert aber weiterhin die Alternativlosigkeit des eigenen Weges und verteilt die Kosten des Hubschraubers auf alle. Die offene Frage derzeit: Kommt der Hubschrauber um zu retten oder um zu bergen?
Martin Skala bei “Ökonomenstimme“
Auch den Rest zu lesen lohnt sich.
Rayson in Politik am 25. 06. 2012 » 16 Kommentare
bisher 16 Kommentare » Kommentare
Also in diesem Fall fände ich bergen ausreichend.
Ich bezweifele, daß die “Konvergenzkriterien” überhaupt sinnvoll und notwendig waren (deswegen stört mich auch die mangelhafte Überwachung dieser Kriterien wenig).
Zu Zeiten des Goldstandards hat keiner danach gefragt, ob irgendein Land solide gewirtschaftet hat, wie die Inflation dort ist, wie sich die Verschuldung entwickelt – das hatte auf die Währung überhaupt keinen Einfluß.
Der Grundfehler der aktuellen Probleme liegt daher m. E. nicht bei irgendwelchen Fehlern in der Euro-Einführungsphase. Solange die EZB unabhängig bleibt, sich nicht bei der Staatsverschuldung einmischt und bei der Geldemission zurückhaltend bleibt, wäre der Euro eine brauchbare und stabile Währung. Völlig unabhängig davon, daß irgendwelche Regierungen Pleite machen.
@2.
Selbstverständlich ist es besser, wenn für Volkswirtschaften in unterschiedlichen Situationen auch eine unterschiedliche Geldpolitik möglich ist. Staatspleiten sind ja auch nicht gerade erstrebenswerte Ereignisse.
Staatspleitenvermeidung mit Hilfe der Notenpresse erst recht nicht. Und massive Ausweitung der Geldmenge zur Verhinderung einer massiven Aufwertung (wie gerade in der Schweiz) ist auch kein wünschenswerter Zustand.
Das “Wirtschaftswunder” vollzog sich übrigens zu Zeiten ziemlich fester Wechselkurse in der gesamten westlichen Welt, ohne dass ich jetzt für ein neues Bretton-Woods-System plädieren würde.
@2, Rayson:
Ich habe da meine Zweifel. Mein Eindruck ist, daß mit “Geldpolitik” meist nur versucht wird, Fehler und Schwächen zu vertuschen ohne die Ursachen anzugehen.
Aber mir fehlt da die Expertise über die genaue Wirkung von “Geldpolitik”. Ich vermisse aber historische Beispiele, wo eine solche Politik wirklich handfeste und stabile Erfolge gebracht hätte.
Nein. Aber volkswirtschaftliche Schwierigkeiten führen ja nicht automatisch zur Staatspleite. Wenn ein Land wirtschaftlich schwach dasteht, und entsprechend wenig Staatseinnahmen da sind – dann darf eine Regierung halt auch nur wenig ausgeben.
Bei Staaten wie bei Privatpersonen ist eine Pleite fast nie Folge des Einkommensniveaus, sondern von überzogenen Ausgaben.
Geldpoltik ist nicht die Antwort Geldmarkt dagegen schon. Nein mit Geldpolitik wird verschleiert und so getan als ob man mit genügend Geld alles erreichen kann. Das geht immer und überall irgendwann schief. Somit hat R.A es genau getroffen:
“Fehler und Schwächen vertuschen”.
Geldpolitik geht immer in den Bereich vortäuschen von falschen Tatsachen. Ein Beispiel: wenn die Löhne nach unten nicht ausweichen können wird die Anpassung von Löhnen nach unten durch Inflation bewerkstelligt. Im Endeffekt hat man persönlich die gleiche Menge an Geld kann sich dafür aber dank Inflation viel weniger leisten.
Das ist im Prinzip “Geldpolitik”. Das wird und hat auf Dauer nie funktioniert. Daher gibt es auch keine historischen Beispiele für den Erfolg.
Für die Inflation von Geld gibt es dagegen mehr als genug Beispiele, wie schief das geht. Nur diejenigen die daraus lernen sollten, unsere Politiker ignorieren das immer und immer wieder.
@ 6:
Warum sollte ein Politiker Interesse an stabilem Geld haben? Das bringt doch keinerlei Vorteile…
Man kann mit Kreditschoepfung und der Druckerpresse wunderbar viel Quatsch finanzieren, und wenn die Konsequenzen spuerbar werden, gibt’s ein neues Problem, das nach einer politischen Loesung verlangt.
Das ist das huebsche am Sozialplaner-Dasein: Man erschafft sich seine eigene Existenzberechtigung, und je mehr Probleme man heute angeht, umso mehr hat man morgen zu loesen
@5.
Also ich fand die Zeit vor der Währungsunion ganz instruktiv. Staaten, die nicht produktiv und solide genug wirtschafteten, mussten als Konsequenz Inflation und Abwertungen in Kauf nehmen. Und wo man sehr produktiv und nicht ganz so unsolide tätig war, blieb das Geld stabil und die Währung wertete auf. Auf diese Weise blieben die größeren Krisen aus und die “Ansteckungsgefahr” gering, und größere Ungleichgewichte konnten sich nicht verfestigen.
Welche “Ungleichgewichte” genau konnten sich denn damals nicht verfestigen, heute aber wohl?
@ TF
“Welche “Ungleichgewichte” genau konnten sich denn damals nicht verfestigen, heute aber wohl?”
Mein Gott, TF, bitte nicht so einen trivialen Scheiß fragen: Die Ungleichgewichte, die sich mit frei handelbaren Währungen nicht verfestigen können, sind Export- bzw. Importüberschüsse. Die Währungen von Ländern mit Exportüberschüssen werten irgendwann auf, was die Exporte verteuert und damit die Überschüsse zurückführt.
@ R.A.
“…wäre der Euro eine brauchbare und stabile Währung. Völlig unabhängig davon, daß irgendwelche Regierungen Pleite machen.”
Kannst Du mal ein Beispiel nennen, wo ein Land Pleite gegangen ist, ohne dass die Währung entweder abgewertet oder das Pleiteland die alte Währung aufgegeben hätte?
“Zu Zeiten des Goldstandards hat keiner danach gefragt,…”
Zu Zeiten des Goldstandards war alles gut. Das glaubt nur außer Dir kein Mensch. Der Goldstandard hat Anfang der Dreißiger jedes Land ins Elend gestürzt, das an ihm festgehalten hat.
Die griechische Handelsbilanz war immer stark negativ und die deutsche schon vor dem Euro chronisch positiv. Die Amerikaner haben eine permanent negative, die Japaner eine permanent positive Handelsbilanz. Die Beispiele ließen sich fortführen. Auch ansonsten zeugt die Antwort nicht gerade von Durchblick.
Es gibt auf der Seite der Hans-Böckler-Stiftung eine interessante Diplomarbeit zu dem Thema “Leistungsbilanzen im Euroraum”.
Zitat daraus:
@Qualitätsredakteur.
Das stimmt nur in einer Hinsicht, die Länder die zuerst betrogen haben taten das auf Kosten der Anderen. Das dürfte Ihnen aber aufgefallen sein. GB hat seine Zahlungen in Gold zuerst eingestellt weil es “inflationieren” wollte. Es wollte inflationieren weil die Gewerkschaften den Lohn nicht fallen lassen wollten. Die FED hat zu Hoovers Zeiten den Briten “gerne” geholfen und dafür mit der Rezession bezahlt.
Wenn wir jetzt den Griechen weiter “entgegenkommen” oder den Spaniern oder oder oder dann werden alle mit einem “Krise” bezahlen.
Und auch bitte nachzulesen. Die Länder gingen vom Goldstandard ab, weil Sie sich billig verschulden wollten um damit die Wirtschaft zu stabilisieren. Das ist gründlich daneben gegangen und wird auch diesemal gründlich daneben gehen.
@Rayson
Die griechische Leistungsbilanz hat sich aber schon deutlich verschlechtert und die Auslandsverschuldung deutlich erhöht, BEVOR der Euro dort 2001 eingeführt wurde.
Eine Analyse, die Aufschluss darüber geben könnte, inwieweit tatsächlich der Euro eine Rolle spielt bei der Entwicklung der Leistungsbilanzsalden, wird in der Arbeit leider nicht betrieben.
In der Arbeit steht aber auch das hier:
Da steht aber auch:
Schocks können wirklich verschiedene Ursachen haben, die dann auch Länder ohne Rücksicht auf ihr Währungsregime treffen. Die Frage ist aber, wie diese Schocks verkraftet werden können.