Die Tugendwächter kommen wieder
Die Tugendwächter kommen wieder. Sie haben lediglich ihre Garederobe gewechselt. Bei genauerem Hinsehen sieht sie wie ein Mao-Anzug aus, denn Gleichförmigkeit ist die neue Norm. Der Kampf gegen Diskriminierung entpuppt sich als Kampf für die Durchsetzung vorgegebener Idealvorstellungen. Es soll sie geben, die schöne, moderne Welt. Dass der Mensch noch nicht ganz so weit ist, ist allein darin begründet, dass er von reaktionären Kräften an seinem Gutsein gehindert wird. Dann müssen die Tugendwächter natürlich einschreiten, denn alles, was diesen notwendigen Prozess aufhält, den vorgegebenen Gang der Geschichte stört, ist als Teil des noch irdisch Bösen zu stellen und zur Strecke zu bringen.
Generell hat “Zettel” dazu Interessantes geschrieben.
Aber hier soll es um einen konkreten Fall gehen, und zwar um eine mehr oder weniger geschickte Werbeaktion der Lufthansa. Die hat nämlich versucht, ihren Kunden, die bereits mit einer “Miles & More Credit Card” gesegnet sind, auch noch eine dieser “Partnerkarten” aufzuschwatzenzu verkaufen. Als Aufmerksamkeit erzeugendes Stilmittel verwendete sie dazu einen erfundenen Brief einer Frau an ihren Lebensabschnittsgefährten, in dem sie ihren Wunsch nach einer derartigen Kreditkarte zum Ausdruck bringt, garniert mit einem Kusslippenabdruck (mehr dazu siehe hier). Wahrscheinlich hätte sich der Schreiber dieser Zeilen über diese Werbung auch geärgert. Zum einen, weil er sich über unverlangt zugesendete Werbung immer ärgert (leider wissen die entsprechenden Unternehmen nicht, wie sehr sie ihn damit vergraulen). Zum anderen aber auch, weil diesen Versuch des “sex sells” als absolut unglaubwürdig und lächerlich abgetan hätte. Dann doch lieber eine Vollbusige als Blickfänger – das geht wenigstens direkt ins Rückenmark und erspart den gefährlichen Weg über das Gehirn.
Aber – ups! Mit diesem Bekenntnis hat sich dieser Autor doch gleich zur Lufthansa ins selbe Boot gesetzt, geoutet als Sexist mit einem rückständigen Frauenbild. Denn obwohl der Tipper dieser Buchstaben diese Woche auf Reisen war, erreichte ihn doch, Android sei Dank, ein wenig von dem Twitter-Shitstorm, der durch einen Blogeintrag des Sprachwissenschaftlers Anatol Stefanowitsch gestartet wurde, in dem dieser den Werbebrief Stück für Stück gar als “gefährlich” entlarvte und ein vernichtendes Urteil fällte:
Das alles mag — wie bei der Werbekampagne des Musikhauses Thomann — reine Gedankenlosigkeit und unbewusstes Fortschreiben kulturell tief verankerter Klischees und Stereotypen sein. Führt man sich aber den langen Weg vor Augen, der uns noch vom Ziel einer freien und gleichen Gesellschaft trennt, und die kleinen und zerbrechlichen Fortschritte die Frauen über Hunderte von Jahren erkämpft haben, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass es eine Gedankenlosigkeit ist, die in ihren Konsequenzen von Bösartigkeit nicht zu unterscheiden ist.
Also man begehe bitte nicht den “gefährlichen” Fehler, das Ganze für eine Lappalie zu halten: Es stehen schließlich die Fortschritte von Hunderten von Jahren auf dem Spiel – heute lassen wir solche Werbebriefe durchgehen, und morgen dürfen Frauen dann nicht mehr Kanzlerin oder IWF-Vorsitzende werden. Und man beachte das Ziel: die “freie und gleiche Gesellschaft”. Als Liberaler muss man sich ja den Vorwurf gefallen zu lassen, zu früh Halt zu machen: Uns reicht es, wenn der Staat jeden Menschen gleich behandelt und ihn nicht seiner Freiheiten beraubt. Wer es gerne noch einen Schlag “linksliberaler” hätte, für den könnte man noch mit Amartya Sen den Staat als “Enabler” dieser Freiheiten betrachten, so dass er die Aufgabe hätte, den Einzelnen durch Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Mindestsicherung in die Lage zu versetzen, diese Freiheiten auch adäquat wahrzunehmen. Aber wie die Menschen sich untereinander verhalten, das interessiert den Liberalen eigentlich weniger. Soll doch jeder sein Ding machen. Wenn mein Nachbar ein chauvinistisches Arschloch ist, der sich Frauen nur als bessere Putzen und Köchinnen vorstellen kann – so lange er damit nicht die Rechte anderer verletzt, z.B. auch nicht mein Recht, mit ihm keinen Umgang zu pflegen, aber – natürlich viel wichtiger – auch keine Frau dazu zwingen kann, ihm gefällig zu sein: Mag er’s doch versuchen. Würde der Liberale denken. Diese Genügsamkeit wäre für andere allerdings nicht nur eine Gefahr, sondern nachgeradezu ein Verbrechen, weil man sich schuldig macht, durch das eigene Verhalten und seine Außenwirkung den Weg nicht zum freien Individuum, auch nicht zur Gleichheit vor dem Gesetz, sondern eben zur “freien und gleichen Gesellschaft” aufzuhalten. Und das geht gar nicht, denn dieser antagonistische Kampf muss erst geführt werden, bis uns die Erlösung zuteil wird. Es geht nicht um verschiedene Vorstellungen vom Leben, es geht um “Gut” oder “Böse”.
Anatol Stefanowitschs Verdienst ist es nun, uns darüber auf dem Laufenden zu halten, was denn als “gut” und was als “böse” zu klassifizieren ist. Um seine für alle Zeiten verkarstete Rückständigkeit und Bösartigkeit zu belegen, wird dieser Autor nun der Kleinarbeit des Sciloggers Stefanowitsch seinerseits Kleinarbeit hinzufügen, natürlich nicht so wissenschaftlich fundiert, aber – noch scheint es ja zu gehen – immerhin mit einer eigenen Perspektive.
Zunächst kritisiert Stefanowitsch, dass sich der Werbebrief offensichtlich an eine Zielgruppe richtet, in der heterosexuelle Beziehungen erwartet werden. Immerhin schreibt da ja eine Frau an einen Mann. Damit mache die Lufthansa solche Beziehungen zur Norm und schließe andere aus. Nun ja. Wie oft sind wir nicht schon mit Werbeaussagen konfrontiert worden, die an uns als Zielgruppe offensichtlich meilenweit vorbei gehen. Unter den Inhabern der fraglichen Kreditkarte werden z.B. nicht nur Menschen mit anderer sexueller Ausrichtung sein, sondern auch Alleinlebende. Wenn man sich als Werber aber für eine Botschaft entschieden hat, die möglichst persönlich wirken soll, kann man kaum die von der zur erwartenden Konstellation abweichenden Fälle als Ankreuzoption beifügen. Die Perfektion einer “gleichen” und “gerechten” Sprache ist die Behördensprache, aber wer auch immer den Versuch unternähme, mit sowas zu werben (es sei denn parodistisch), sollte sich wohl besser einen anderen Beruf als ausgerechnet Werber suchen. Und es ist kein Zufall, dass die Behördensprache immer unleserlicher wird, weil immer mehr Menschen sich offensiv als Randgruppe definieren und als solche expliziten Eingang in die Sprache fordern. Wer also nicht will, dass Werbung zuspitzt, und zwar auf alle erdenklichen Art und Weisen, der muss Werbung dann letztlich auch schlechthin verbieten wollen. Werbung als Avantgarde der Gesellschaft wäre Geldvernichtung. Werbung muss den Kunden da abholen, wo er steht, und nicht da, wo er nach Meinung selbsternannter Propheten hin soll. Das Schöne ist dann aber, dass es “den Kunden” nicht gibt, also jedes Produkt, jedes Unternehmen je nach Zeit und Ort anders beworben werden kann und muss, wenn nicht nur nach dem diversen Unternehmensführern zugeschriebenen berühmten Bonmot die Hälfte der entsprechenden Ausgaben zum Fenster hinausgeworfen sein soll (wobei man leider nie weiß, welche Hälfte).
Gehen wir weiter im Text. Dieser Autor ist zwar heterosexuell, aber nach der weiteren Lektüre der Analyse des Sprachwissenschaftlers entwickelte sich eine immer größere Freude, nicht in einer Beziehung zu diesem zu stehen.
Lieber Schatz,
das Gefühl, das Wichtigste in deinem Leben zu sein, ist für mich wunderschön. Uns verbinden so viele unvergessliche Augenblicke.
Die angebliche Briefschreiberin definiert sich über das Gefühl, dass sie das Wichtigste in seinem Leben ist. Ihre Gefühle für ihn werden hier und im Rest des Briefes nicht thematisiert, sie sind irrelevant.
Über die Ausbildung von Sprachwissenschaftlern ist dieser Autor nicht informiert. Vielleicht gehört ja Gefühlsforschung dazu und er entpuppt sich als blutiger Laie, wenn er auch und gerade Gefühle, die sich auf Gemeinsames beziehen, als solche wahrnimmt. Vielleicht bekämen die nicht das Gütesiegel einer nach einer “freien und gleichen Gesellschaft” strebenden Vereinigung, aber “für mich wunderschön” und “unvergesslich” gehen eigentlich nicht gerade als gefühllos durch.
Dabei hast du immer wieder ein gutes Gespür dafür, wie du mir eine Freude machen kannst.Er, ganz der Lady’s Man, weiß, wie er ihr eine Freude machen kann (und das ist nur gut, denn sie kann sich ihre Wünsche ja nicht selbst erfüllen).
So ist das also: Wer z.B. seine Liebste lobt, dass sie sich so sehr in einen hineinversetzen kann, dass sie es schafft, ihm immer wieder eine Freude zu bereiten, der gibt damit zu, sich seine Wünsche nicht selbst erfüllen zu können. So hat der Schreiber dieser Zeilen das bisher noch nie gesehen. War vielleicht zu verliebt. Im Sinne einer “freien und gleichen Gesellschaft” wird er diese Art Lob, die er tatsächlich hin und wieder ausgesprochen hat (mea culpa!) künftig einstellen.
Nun habe ich eine kleine Bitte:Aha! Ganz perfekt ist sein Gespür also nicht, sonst wäre sie ja wunschlos glücklich und bräuchte keine Bitten zu äußern. Die Bitte ist aber nur eine „kleine“, damit er sich weiterhin etwas auf sein männliches Gespür für die Bedürfnisse seines Weibchens einbilden kann. Die Tatsache, dass die Briefschreiberin ihm erst versichert, was für ein toller Mann er ist, bevor sie eine Bitte äußert, entwertet die einleitenden Sätze natürlich noch mehr, als deren nichtsagende Floskelhaftigkeit es ohnehin tut: Hier wird ein Klischee bestätigt, nach dem Frauen Lob und liebevolle Worte nur einsetzen, um etwas dafür zu bekommen.
Es ist bewundernswert, welche Klischeekisten dem Scilogger zur Verfügung stehen, aber dass Menschen dem anderen gerne schmeicheln, um etwas dafür zu bekommen, soll ja nun so ungewöhnlich nicht sein. Übrigens betrifft das nicht nur Frauen, und dass das Klischee so weit geht, diesen keine sonstigen Motive für liebevolle Worte zuzugestehen, war dem Tipper dieser Buchstaben relativ neu.
Es gibt eine Woman’s Special Partnerkarte zu deiner Miles & More Kreditkarte, die echte Vorteile bietet. Ich werde damit sogar auf exklusive Events eingeladen und nehme an tolen Überraschungsaktionen teil.Der einheischende Tonfall schreibt das Klischee fort. Er ist ja ein Mann, es reicht also nicht, dass seine Frau die Kreditkarte haben möchte, sondern es muss ein rationaler Grund dafür her: Die Kreditkarte bietet „echte Vorteile“! Sogar zu exklusiven Events wird das Weibchen eingeladen — zu denen es aus eigener Leistung nie Zugang erhalten könnte.
Natürlich muss ein rationaler Grund dafür her, denn das ist eine Werbeaktion, die einen Kunden zu etwas bewegen will. Und selbst dann, wenn wir ein ziemlich elitäres Menschenbild haben, dürfen wir angesichts der Zielgruppe davon ausgehen, dass die Angsprochenen es irgendwie durchschaut haben, dass der Brief nicht von ihrer Liebsten sein kann. Man muss darin also auch noch das zu jeder Werbung gehörende Vorteilsversprechen unterbrinngen. Ob das angebliche “Weibchen” aus eigener Leistung Zugang zu den “exklusiven Events” erhalten hätte, ist aber eigentlich irrelevant. Sie muss nicht, aber sie kann. Was daran herabsetzend sein soll, begreifen nur der Scilogger und die Shitstormer. Wenn überhaupt.
Falls der Mann noch nicht überzeugt ist, wird noch ein Vorteil aufgefahren:
Und das Beste: Ich bekomme ein 2-Jahres-Zeitschriftenabo der VOGUE, myself oder Architectural Digest geschenkt! Du weißt doch, wie gerne ich in solchen Magazinen stöbere…
Die Auswahl der Zeitungen selbst bestätigt, was man schon vermutet: Die Briefschreiberin ist nicht besonders hell im Kopf. Sie interessiert sich für Mode und für die Häuser anderer Menschen — das aber so sehr, dass ein Zweijahres-Abo „das Beste“ an der Kreditkarte ist. Andererseits aber nicht so sehr, dass sie die Zeitungen auch tatsächlich lesen würde — sie „stöbert“ nur darin. Das einschmeichelnde „Du weißt doch…“ zementiert einerseits die Abhängikeit, in der sich die Briefschreiberin zu ihrem Mann befindet, andererseits hat sie auch wieder etwas manipulatives: Er weiß es ja ganz offensichtlich nicht, sonst müsste sie es nicht erwähnen. Selbst abonnieren kann sie die Zeitschriften nicht, denn sie hat ja kein eigenes Geld.
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie die Lufthansa zu diesen Werbekooperationen gekommen ist. Zu Gunsten der Lufthansa-Werbepartner wollen wir davon ausgehen, dass man sich Gedanken über die Zielgruppenrelevanz gemacht hat. Niemand verspricht verspricht schließlich ein Abo an Uninteressierte. Wir können hier aber einen anderen manipulativen Mechanismus beobachten: Die Herabsetzung von Präferenzen. Für den Sprachwissenschaftler ist es offensichtlich ein Gräuel, dass Menschen sich unter anderem für Architektur oder Mode interessieren könnten. Er muss es so darstellen, als ob mit diesem Angebot die Interessenlage der Angesprochenen hinreichend erschöpft sei. Und selbst ein nur oberflächliches Interesse an diesen verwerflichen Magazinen wird noch verurteilt: Nur “stöbern” ist nicht drin, die Frau von heute hat gefälligst konzentriert zu lesen, was sie abonniert hat. Da ist es dann noch kaum verwunderlich, wenn ein “du weißt doch” nicht etwa als Ausdruck besonderer Nähe betrachtet, sondern zu einem Abhängigkeit kennzeichnenden uminterpretiert wird. Und der Wunsch, etwas umsonst beziehen zu wollen, als unterstellter Mangel an Geld. Dieser Autor weiß nicht, wie das bei Sprachwissenschaftlern ist, aber er hat sich gerade letzte Woche ein Halbjahresabonnement einer Wochenzeitschrift schenken lassen, in der er auch noch ganz selbstverständlich überwiegend nur “stöbern” wird.
Damit der Mann nicht auf die Idee kommt, dass seine Frau mit ihren Zeitungen und ihren exklusiven Events vielleicht zu einem eigenständigeren Leben finden könnte, wird er nun beruhigt, dass die gesammelten Meilen natürlich nur für gemeinsame Reisen verwendet werden sollen:
Selbstverständlich möchte ich mit meiner Kreditkarte auch Meilen sammeln, so wie du, die wir dann gemeinsam in eine schöne Reise – vielleicht nach Paris – einlösen!
Das „so wie du“ ist auch wieder einschmeichelnd und unterwürfig zugleich — du großer starker Mann, du sammelst so toll Meilen (bist halt ein Jäger und Sammler!), und ich will es dir gleichtun. Man hat eher das Gefühl, dass hier ein dreijähriges Kind spricht, das spielen will, dass es Meilen sammelt wie der Papa. Und Paris? Von der klebrigen Klischeehaftigkeit abgesehen möchte man der Briefschreiberin eindringlich raten, sich die Ballad of Lucy Jordan anzuhören um herauszufinden, was mit Hausfrauen passiert, die eskapistische Parisphantasien pflegen, statt ihr Leben einfach selbst in die Hand zu nehmen.
Dass man unter Partnern gemeinsame Reise als etwas Schönes empfunden kann, diese Erfahrung muss dem Scilogger entweder bisher entgangen sein, oder er hat sie sich abtrainiert. Und dass man Kunden damit ködern kann, wenn man sie in ihrem Tun bestätigt (“Ja, es ist gut, dass du Meilen sammelst”) sowie sicherstellen möchte, dass zukünftig bitte weiter Lufthansa geflogen wird trotz günstigerer Angebote, scheint in seine Kreise auch noch nicht vorgedrungen zu sein. Da muss man das dann natürlich als Angriff auf Frauen einordnen.
Ich würde mich unheimlich freuen, wenn du diese Partnerkarte für mich beantragst: www.womans-card.deDie Briefschreiberin geht nicht davon aus, dass sie den Mann überzeugt hat — das wäre ja zu anmaßend. Nein, nachdem alle Argumente auf dem Tisch liegen, wiederholt sie nicht einmal ihre Bitte, sondern sagt nur, dass sie sich „unheimlich freuen“ würde, wenn er (ganz allein) zu der Entscheidung käme, die Karte für sie zu beantragen.
Überzeugen – ja, wann haben wir denn zuletzt mal jemanden wirklich überzeugt? Wenn wir ehrlich sind, fallen Entscheidungen anders. Aus Zuneigung, aus Abneigung, aus Verlegenheit, aus Machtgründen. Man hält sich auch tunlichst in Partnerschaften daran. Wie hätte der Sprachwissenschaftler sich den Briefabschluss denn vorgestellt? “Nachdem ich dir hiermit unwiderlegbar bewiesen habe, wie sehr diese zusätzliche Kreditkarte deinen Wünschen enstpricht, erwarte ich die Zustellung binnen nächster Woche”? Und ein “ich würde mich unheimlich freuen” soll keine Bitte sein? Mit welcher Sprache beschäftigt der Scilogger eigentlich? Mit der deutschen Alltagssprache anscheinend nicht. Denn dort (und übrigens auch in anderen Sprachen) ist das “ich würde mich freuen, wenn” eine übliche Bitt-Floskel. Man findet sie z.B. oft am Ende von Bewerbungsschreiben (vielleicht nicht gerade üblich bei Wissenschaftlern), wenn es um das Vorstellungsgespräch geht.
Tausend Dank
Deine Special Woman
Eine Partnerkarte zu beantragen dauert meiner Schätzung nach etwa fünf Minuten. Dafür „Tausend“ Dank? Nun, es schreibt eben eine Frau, die kein Recht hat, auch nur fünf Minuten der Zeit ihres Mannes in Anspruch zu nehmen. Und mit „Deine Special Woman“ kommt sie zurück zum Anfang des Briefs — Grundlage der Beziehung ist es, dass sie für ihn etwas besonderes ist. Ob er für sie mehr ist, als ein Kreditkartengeber, erfährt man bis zum Ende nicht.
Ach herrje. “Tausend Dank” als Beweis für eine unterwürfige Frau. Der Schreiber dieser Zeilen will natürlich nicht seine privaten Umgangsformen zum Maßstab erheben, aber in seiner, aus beruflichen Gründen leider oft nur schriftlichen Kommunikation mit seiner Liebsten sind solche vordergründig “übertriebenen” Formulierungen gang und gäbe, einfach als Ausdruck der gegenseitigen Zuneigung. Man will einfach zeigen, dass der bzw. die Andere nicht einfach nur ein Mensch unter vielen ist, sondern *der* Mensch, mit dem man sein Leben teilen möchte. Vielleicht geht das in einer “freien und gleichen Gesellschaft” nicht mehr. Wer weiß. Interessant übrigens auch der Fokus der Kritik. Der Scilogger tadelt, dass die Frau betont, welch wichtige Rolle sie im Leben des Mannes einnimmt. Aber stellen wir uns doch mal vor, sie hätte das Gegenteil in den Vordergrund gestellt, nämlich wie wichtig ihr Lebensabschnittgefährte für sie sei. Wie vernichtend das Urteil dann ausgefallen wäre, mag man sich ja kaum vorzustellen. Also: Wie man’s macht, macht frau es falsch. Das Problem bei heterosexuellen Beziehungen ist, dass sich ein Mann und eine Frau lieben. Dieser Makel wird vielleicht in “freien und gleichen Gesellschaften” irgendwann mal beseitigt werden. Noch existiert er.
Der Scilogger kommt zum Fazit:
Fassen wir zusammen: Hier entsteht ein Frauenbild, nach dem Frauen sich über ihre Männer definieren, keine eigenen Interessen oder Aufgaben im Leben und kein eigenes Geld haben. Es entsteht außerdem ein Rollenbild, nach dem Frauen in einer Beziehung eine untergeordnete Rolle spielen und ihren Mann mit Lob und Schmeicheleien (und mittels Kussmund vielleicht mit dem Versprechen von Sex) manipulieren müssen, wenn sie etwas von ihm haben wollen.
Daran stimmt vor allem eins: Dass hier versucht wird, mit Sex zu ködern. Der Rest ist lächerlich und lässt auch das abschließende Verdikt als hoffnungslos übertrieben erscheinen. Aber der Shitstorm auf Twitter, der die Lufthansa zum heftigen Rückrudern bewegte, lässt darauf schließen, dass viele Menschen in diesem Land eine Art der Wahrnehmung haben, die sich von der dieses Bloggers deutlich unterscheidet. Wer in der “freien und gleichen Gesellschaft” dann keinen Platz mehr haben darf, scheint also also offensichtlich. Bis dahin spucken wir den neuen Tugendwächtern aber noch weiter in die Suppe.
bisher 21 Kommentare » Kommentare
Der Autor ist zwar dem Namen nach ein »Science Blogger«, aber eigentlich liefert er in letzter Zeit nur noch Meinungen für Gleichgesinnte (Linkspartei oder Piratenpartei) ab. Wenn man die Werbung der Lufthansa doof findet, kann man sich von Anatol Stefanowitsch darin bestätigen lassen. Muss man aber nicht.
Man möchte sich beim Lesen des Textes der Lufthansa und beim Lesen der Reaktion des Anatol Stefanowitsch die ganze Zeit nur fremdschämen.
Ich habe das gemacht, was ich in solchen Fällen oft tue: Den Text der Lufthansa einer kompetenten Frau gezeigt. Sie hat nur ungläubig gefragt: »Ist das aus dem Jahr 2012?«
Es ist natürlich möglich, dass wir alle die Ironie in der Lufthansa-Werbung nicht verstanden haben. Man steht ja manchmal auf dem Schlauch. Aber die Reaktion des Unternehmens sieht nicht nach beabsichtigter Ironie aus.
Ob Ironie oder nicht: Der Text ist sprachlich einfach schlecht. Man möchte die Werbetexter einfach nur fragen: »Was habt Ihr eigentlich für Zeug geraucht?« Und: »Für wen habt Ihr das überhaupt geschrieben?«
Gibt es heute noch die Zielgruppe der nicht berufstätigen Frauen, die ihre Reisen oder ihre Zeitschriften nicht selbst bezahlen können und deshalb unbedingt eine Partnerkarte ihres Gatten benötigen?
Gibt es heute noch die Zielgruppe der Männer, die eine solche nicht berufstätige Frau zu Hause haben und sich von Texten im Stil der 1950er Jahre überzeugen lassen?
Ich will darüber nicht spekulieren. Wir sind jedenfalls im Jahr 2012. Im Jahr 2012 ist ein solcher Text einfach nur unterirdisch schlecht. Das ist ein »epic fail« in der Unternehmenskommunikation der Lufthansa. Um das festzustellen, muss ich mir gar keine Gedanken in Sachen »gender« oder »Diskriminierung«, »gut« oder »böse« machen.
@1.
Es wäre nicht das erste Mal, dass Werbung in die Hose oder in Entsprechendes geht. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Werbung nicht die Aufgabe hat, Wirklichkeit abzubilden, sondern Aufmerksamkeit zu erregen. Sie darf sich allerdings nicht allzu weit von der Lebenswirklichkeit der Zielgruppe entfernen.
Ich kann letztlich nicht beurteilen, ob das der Lufthansa gelungen ist oder nicht,. Ich will aber nicht ausschließen, dass die Werbung tatsächlich zielgruppengerecht sein könnte. Du taugst als Gegenbeispiel wahrscheinlich eher so wenig wie ich
Bei uns in Dresden findest Du jedenfalls kaum eine Frau, die sich in dieser Weise von einem Mann abhängig machen würde, auch nicht in den anderen aufstrebenden ostdeutschen Großstädten.
Du bist ja viel weiter herumgekommen als ich und im Westen verwurzelt: Wie viele Paare kennst Du, für die diese Werbung wirklich passen würde? Wie viele Frauen kennst Du, die einen Brief in einem so furchtbaren Stil schreiben würden? Nein, ich bleibe dabei: Die Lufthansa trifft hier nicht das Lebensgefühl unserer Zeit. Warum haben sie nicht ein EM-Thema als Aufhänger genommen?
@3.
Ich übernehme das Anatolsche Schema der Abhängigkeit nicht. Meiner Meinung nach wird hier ein Mensch skizziert, der eine Gelegenheit nutzen möchte. Nicht mehr, nicht weniger, und kein Grund, das als Aufhänger für ein Frauenbild zu nehmen.
Nochmal: Meine Lebenswirklichkeit zählt nicht, weil ich sie nur mit maximal 1% der Bevölkerung teile. Aber auch in der begegne ich täglich Menschen, die sich Vorteile verschaffen wollen. Auch in Beziehungen.
Und noch eins: Niemand nimmt doch diesen “Brief” ernst. Jeder weiß: Das ist Werbung. Das ganze Drumherum dient nur dazu, Aufmerksamkeit zu erzeugen.
In einer freien Wirtschaft würde ich es jedenfalls jedem Unternehmen überlassen, wie gut es seine Zielgruppe trifft. Es trägt ja auch die Folgen,
Auf der anderen Seite muß sich der Erfolg vom “Mad Men” ja auch erklären lassen. Da scheint schon so eine Sehnsucht nach dieser scheinbar einfacheren Zeit zu existieren. Die Sehnsucht wollte die Lufthansa wohl mit Ihrer Werbung nutzen.
Ich kenne Paare (mich eingeschlossen) die gern mal in Ihrer Partnerschaft mit solchen Rollenklischees spielen. Macht doch auch Spaß und ist kein Zeichen von Unterwürfigkeit. Gut, daß die Sprachpolizei noch nicht in die Privathaushalte eingreift….
Erstmal finde ich den Brief so schrecklich nun auch wieder nicht. Die fleißigsten Meilensammler, die mir einfallen, leben oberflächlich durchaus in eher traditionellen Rollen. Vorallem die übertriebenen Reaktionen darauf, entlocken mir doch ein reaktionäres Grinsen.
Auch ist die twitter community für diese Leute ja ohnehin nicht repräsentativ.
Die modernen starken Frauen, die ich kenne (aus Universität und Nachtleben, also von Karrierefrau bis berlintechnoqueen) zucken bei so einer Werbeaktion doch nur mit der Schulter. Sie führen ihr selbstbestimmtes Leben und lassen sich nicht von Lufthansa oder selbsternannten Avantgardisten von den Rändern der Gesellschaft einreden, dass sie sich erniedrigen würden wenn sie sich die Türe aufhalten lassen oder mit ihrer Weiblichkeit kokettieren.
Der twitter shitstorm und oben genannter Artikel sind Ausdruck einer virtuellen Öffentlichkeit die nur einen winzigen Teil der Realität abbildet. Meiner Meinung nach wird die virtuelle Öffentlichkeit viel zu oft mit der Realität gleichgesetzt.
Wenn ich am Montag im Hörsaal eine Umfrage starten würde, jede Wette nichteinmal 3% haben von diesem Pseudoskandal überhaupt etwas mitbekommen. Selbst an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten, die ja für ihre tendenziell linken Studenten bekannt sind, wird sich die Kenntniss und vorallem der Aufruhr darüber in engen Grenzen halten.
Und den meisten Studenten unterstelle ich ein größeres Interesse an solchen Dingen als dem Durchschnittsbürger, dem so ein Gelaber um nichts zu Recht am Arsch vorbei geht.
Wo steht in dem Brief eigentlich, dass die beiden verheiratet sind?
Die Lufthansa geht voll mit dem hedonistischen Zeitgeist konform. Die Traditionalisten sind die Kritiker, welche Probleme mit offenen Beziehungen haben und der Frau nicht die Wahl lassen wollen.
Da winkt die Geliebte auf subtile Art mit dem Zaunpfahl und kaum jemand hat den Humor, die dahinter stehende beißende Ironie zu erkennen, welche die Lufthansa an ihre wichtigsten Kunden, die Business Traveler, richtet.
Im angelsächsischen Raum hätte die Lufthansa Werbekampagne gute Chancen auf einen Preis.
@Erling: Ich schrieb ja oben schon: Ironie kann man übersehen. Mag sein, dass ich mich geirrt habe und dass es ein Brief von der Geliebten des Vielfliegers sein soll. Aber in diesem Fall wäre er doch sicher nicht so dumm, eine Partner-Card für seine Geliebte zu beantragen. Eine noch deutlichere Spur wäre nur die Spur des dunkelroten Lippenstifts an seinem Hemdkragen, direkt neben dem langen blonden Haar ;-)
@stefanolix
War mir aufgefallen, dass Du diese Variante in Erwägung zogst.
Und das ist ja gerade der Werbegag. “Schenken Sie ihr lieber die Partnercard bevor es größeren Ärger gibt”.
Schließlich muss die Geliebte kein Interesse haben, dass die Beziehung auffliegt. Vielleicht ist sie ja selbst verheiratet und ebenfalls Business Traveler?
Aber wozu braucht eine Vielfliegerin, die oft geschäftlich unterwegs ist, noch eine Partner-Card? Sie hat doch schon eine eigene platinfarbene Karte ;-)
Wenn die Frau unseres Vielfliegers mit der blonden Geliebten einen Verdacht schöpft (vielleicht war sie ohnehin schon nicht mehr zufrieden), dann wird sie Mittel und Wege finden, an die Kartendaten des werten Gatten zu kommen. Es gibt bei solchen Karten immer Datenspuren und irgendjemand findet sie (ich denke da z. B. an die Bonusmeilenaffären deutscher Politiker). Dann wird er sich wünschen: Hätte ich doch niemals diesen Brief bekommen ;-)
Aber es ist doch schön, wie diese Werbeaktion unsere Phantasie anregt …
@stefanolix
Ja, das macht richtig Spaß, oder?
Bei den ganzen Varianten welche mir in den Kopf kamen und immer noch kommen, ist mir wohl ein dramaturgischer Fehler unterlaufen.
Dann ist die Geliebte also keine Vielfliegerin, ist aber trotzdem gerne unterwegs.
Die Lufthansa hat Probleme: InMünchen wurde gerade der Bau einer neuen Startbahn beerdigt, das Nachtflugverbot in Frankfurt a. M. setzt dem Cargo Geschäft zu, dann die drohende CO2-Abgabe und die Luftverkehrssteuer, da wollte man bei der Lufthansa an die wichtigsten Fluggäste denken, auf dass sie nicht mit der sich ins Fäustchen lachenden Konkurrenz abfliegen.
Und der Betriebsrat mit den vielen “Beauftragten” hat bestimmt auch noch ordentlich Rabatz gemacht.
Ich bin nur einmal in meinem Leben mit Lufthansa geflogen, da wurde mir der Flug von der Bundesregierung bezahlt – danach nie wieder.
Selbst Singapor Airlines war immer günstiger. Man, die hatten einen Service…umbuchen so oft man wollte für nur 50€ mehr…
Wenn Deutschland keine Airline mehr hat, lassen sich bestimmt die Klimaschutzziele leichter erreichen.
Ist doch auch nicht schlecht!
Jetzt wird mir einiges klar: In der Werbeagentur der Lufthansa sitzt ein U-Boot von der Öko-Lobby ;-)
Wenn Deutschland keine eigene Airline mehr hat, dann fliegen wir eben alle mit ausländischen Airlines. Solange die hier noch starten und landen dürfen …
Und wer denkt, das sei ein Witz: Beim »Atomstrom» haben wir die Hälfte des Weges schon zurückgelegt. Wir schalten die AKW ab und importieren »Atomstrom« aus dem Ausland.
Ach so. Ein wirklich bemerkenswerter Schluß für jemanden, der sonst nicht müde wird, zu betonen, daß aus seinen Mißbilligungen keine Verbotsforderung abgeleitet werden können.
@13.
Wie schön, dass ich einen Konsistenzwächter habe. Aber ich würde da an deinem Detektor nochmal nachjustieren. Der kriegt keine Feinheiten mit.
Wogegen ich mich in der Regel wende ist, dass von jemandem, der etwas kritisiert, erwartet wird, dass er ein Verbot des Kritisierten gut fände. In diesem Fall ist es etwas anders: Ich unterstelle nicht dem Kritiker, er wolle ein Verbot, sondern ich weise darauf hin, dass, wenn seine Kritik darauf hinausliefe, eine bestimmte Praxis ändern oder einschränken zu wollen, sich das aus meiner Sicht nicht ohne gänzliches Verbot bewerkstelligen ließe. Ob der Kritiker aber ein solches Verbot gut fände, halte ich auch in diesem Fall für unwahrscheinlich.
Unsinn.
Wenn etwas mißbilligtes nur durch ein Verbot zu beseitigen wäre, dann sollte man also auch seiner Mißbilligung keinen Ausdruck mehr verleihen? Oder was? Das wäre jetzt ausgemachter Schwachsinn.
Nichts für ungut, aber in diesen ‘Feinheiten’ kann ich bis jetzt nur dämliche Wortklaubereien mit starker Tendenz zum Nonsens erkennen, wie man sie leider öfter von Dir hört, wenn man Dich auf einen Selbstwiderspruch oder sonstige Fehler hinweist.
@15.
Und das steht jetzt wo? Die Aussage ist doch: “Was du, lieber Kritiker, hier an der Werbung kritisierst, ist ihr Wesen als Werbung selbst. Wenn du das weghaben willst, musst du sie schon verbieten.” Das ist der einzige Punkt im gesamten Text, in dem ich als Konsequenz der Kritik ein Verbot als Möglichkeit in Betracht ziehe. Jedoch nicht zwingend als vom Kritiker beabsichtigte. Hätte ich das gewollt, hätte ich mir viel Tipperei sparen können (was ja auch meist der Zweck der Gleichsetzung ist). Dann hätte die Frage “Will der etwa Werbung verbieten?” gereicht.
Obwohl ich nach wie vor die Berechtigung deines Angriffs (“Kritik” würde es wohl nicht mehr so recht treffen) nicht nachvollziehen kann, hätte ich aber keine Probleme, die betreffende Passage so umzuformulieren, dass das Wort “Verbot” dort nicht mehr vorkommt und meine eigentliche Aussage trotzdem erhalten bleibt. Dass ich mit einer Formulierung nicht genau das vermittle, was ich eigentlich sagen möchte, ist ja letztlich so unwahrscheinlich nicht. Wäre das wichtig für dich? Oder wolltest du mir nur einen grundsätzlicheren Mangel nachweisen, der durch die Umformulierung unwillkommen verwischt werden würde?
Hier wäre die Umformulierung:
“Wer an einer Werbung kritisiert, dass sie zuspitzt, und zwar auf alle erdenklichen Art und Weisen, der kritisiert letztlich Werbung schlechthin.”
Weißt du, es ist immer etwas mutig, anderen Selbstwidersprüche nachweisen zu wollen, wenn dazwischen das Instrument der Kommunikation geschaltet ist. Mal ganz unabhängig von der Frage, was man davon hat.
Nun ist es aber doch so, daß Stefanowitsch offenbar den weit überwiegenden Teil aller Werbung nicht in diesem Maße öffentlich mißbilligt. Das ist möglicherweise nur deshalb so, weil er dafür nicht die nötige Zeit hat, so genau weiß ich das nicht. Vielleicht aber, und das halte ich für wahrscheinlicher, nimmt er die Lufthansawerbung als einen Extremfall wahr, der in seinen Augen auf eine unnötige und besonders mißbilligenswerte Weise überspitzt (oder wie immer man das nennen will). Inwiefern das plausibel ist könnte man dann diskutieren (was Du dann ja auch noch tust). Zu tun, als sei das, was offenbar gerade nicht als Normalfall wahrgenommen wird, doch der Normalfall, und die Kritik damit nur als Fundamentalkritik sinnvoll, hilft da aber in meinen Augen nicht weiter. Das Ganze auch noch mit der Behauptung zu verbinden, wer dergleichen nicht wolle, müsse Werbung ganz verbieten, ist zumindest gut dazu geeignet, zu suggerieren, daß der Betreffende in seinem Mao-Anzug das wohl tatsächlich wolle. Auch wenn ich Dir glaube, daß das nicht so gemeint war.
Aber selbst dann, wenn tatsächlich das Wesen von Werbung als Ganzes mißbilligt würde, könnte man noch immer seine ganze Mißbilligung vortragen, ohne Werbung verbieten zu wollen. Selbst da ergibt sich keine Notwendigkeit, von Verboten zu schreiben.
Noch als Ergänzung zum zweiten Absatz:
“Wer an einer Werbung kritisiert, dass sie zuspitzt, und zwar auf alle erdenklichen Art und Weisen, der kritisiert letztlich Werbung schlechthin.”
Daß das keine einfache Umformulierung hiervon ist:
“Wer also nicht will, dass Werbung zuspitzt, und zwar auf alle erdenklichen Art und Weisen, der muss Werbung dann letztlich auch schlechthin verbieten wollen.”
Sieht man auch an den unterschiedlichen Wirkungen der Entgegnung: “Ja. Und?”
@16.
Ich sehe auch keine Notwendigkeit, von Verboten zu schreiben. In dem Moment, als ich den Text – übrigens parallel zu einem EM-Spiel – herunterschrieb, ergab sich diese Formulierung eben so. Wenn ich irgendwann mal an dem Punkt angelangt sein sollte, immer nur das Notwendige zu schreiben, lasse ich dich das wissen.
@18.
Sorry, aber ich sehe da keine große unterschiedliche Wirkung. Jedenfalls nicht in meinem Verständnis des Kontext. Du misst einfach Textteilen eine Bedeutung zu, die von mir nicht beabsichtigt ist. Was man auch daran erkennt, dass ich mit den üblen Folgen von Verboten nirgendwo argumentiere. Ob irgendwer irgendwas verbieten will, spielt in meinem Beitrag keine Rolle.
Btw: Aus anderen Gründen war ich gerade im Maschinenraum. Daher lief die letzte Antwort unter “admin”.
Das stimmt allerdings.