gleich zum inhalt springen

Zitat des Tages

Denn Europa und insbesondere die Euro-Länder leiden mitnichten unter einem Zuviel an Spar- und Grausamkeit. Man möchte eher meinen, die Tiefe der Krise sei noch gar nicht verstanden worden. Kein Wunder, dass Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Partei händeringend vor einer zu innigen Liaison mit Hollande warnt. Dessen Rezept, höhere Staatsausgaben durch drastische Steuererhöhungen bei stagnierend niedriger Wettbewerbsfähigkeit finanzieren zu wollen, kommt zwar den politischen Fantasien vieler deutscher Sozialdemokraten nahe, taugt aber allenfalls zur Verschlimmbesserung der Lage. Ohne die Agenda 2010 stünde Deutschland heute wesentlich labiler im Sturm.

Malte Lehming im “Tagesspiegel

bisher 6 Kommentare » Kommentare
  1. Qualitätsredakteur sagt am 12. 06. 2012 um 21:32 Uhr:

    “Ohne die Agenda 2010 stünde Deutschland heute wesentlich labiler im Sturm.”
    Noch labiler? Ohne die Agenda 2010 hätte Deutschland zumindest einen Teil des Vermögens, das es im Club Med “investiert” hat (und derzeit gerade in dicken Scheiben abschreibt) selbst verbraucht. Wäre das ein schlechteres Geschäft gewesen als das, das wir gerade bilanzieren?

  2. Rayson sagt am 12. 06. 2012 um 22:05 Uhr:

    Ohne die Agenda2010 wäre der Binnenmarkt schwächer.

  3. F.Alfonzo sagt am 13. 06. 2012 um 01:08 Uhr:

    Das Zitat stimmt definitiv, denn ohne die Agenda 2010 (die Loehne und Sozialhilfe soweit runtergedrueckt hat, dass wieder Leute beschaeftigt wurden) waere das Investitionskapital ansonsten ins Ausland (z.B. Spanien) in irgendwelche Mist-Investments gegangen, und haette die Exporte aus Deutschland bezahlt.

    So blieb ein Teil wenigstens im Land (schon gruselig, dass man heutzutage Angst vor internationalem Handel haben muss).

  4. tizenegy sagt am 13. 06. 2012 um 08:58 Uhr:

    Ohne die Agenda 2010 wäre der Standort weniger konkurrenzfähig.

  5. R.A. sagt am 13. 06. 2012 um 12:26 Uhr:

    Die Agenda 2010 wird von Anhängern wie Gegnern völlig überschätzt.

    Letztlich war es nur eine Umstrukturierung bei den Sozialverwaltungen. Die Empfänger von Hilfsleistungen stehen aber im wesentlichen genauso da wie früher, einige kriegen etwas mehr Geld, andere weniger. In Summe sind die Ausgaben des Staats für Hilfsempfänger sogar gestiegen – das Geschwätz vom “Sozialabbau” ist völlig haltlos.

    Und umgekehrt sind auch keine wesentlichen zusätzlichen Anreize gegeben worden, Arbeit aufzunehmen.
    Die positiven Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt liegen m. E. alleine daran, daß die deutsche Wirtschaft parallel ihre Hausaufgaben gemacht hat und sich wettbewerbsfähiger aufgestellt hat. Und deswegen mehr Jobs anbieten kann.

  6. Rayson sagt am 14. 06. 2012 um 18:15 Uhr:

    @5.

    Und umgekehrt sind auch keine wesentlichen zusätzlichen Anreize gegeben worden, Arbeit aufzunehmen.

    In einen Fluss, der im Schnitt 1m tief ist, sollte man sich als Nichtschwimmer trotzdem nicht hineinwagen…

    Die Arbeitsanreize sind für viele, die ansonsten Empfänger von Arbeitslosenhilfe geworden wären, sehr wohl gestiegen. Und auf alle arbeitsfähigen Bezieher von Hilfe erhöhte sich der Druck zur Arbeitsaufnahme, z.B. durch die 1-Euro-Jobs.

    Die positiven Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt liegen m. E. alleine daran, daß die deutsche Wirtschaft parallel ihre Hausaufgaben gemacht hat und sich wettbewerbsfähiger aufgestellt hat. Und deswegen mehr Jobs anbieten kann.

    Was die Aufschwünge seit der Agenda 2010 auszeichnet, ist, dass tatsächlich Arbeitslosigkeit unter das Level abgebaut werden kann, das durch die Konjunkturdelle davor geschaffen wurde, und das bei nach wie vor steigender Beschäftigung. Hauptverantwortlich hierfür ist die Entwicklung in eher gering entlohnten Sektoren, und das sind dann meist auch die, die sich um externe Wettbewerbsfähigkeit keine Gedanken machen zu brauchen, und es handelt sich meistens um Dienstleistungen, die mangels Kapitaleinsatz nur wenig Produktivitätswachstumspotenzial aufweisen. Da bestehen die “Hausaufgaben” eher darin, zu geringen Löhnen Arbeit anzubieten.