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Nach ihrem Bilde

Wir haben uns auf diesem B.L.O.G. schon des öfteren mit dem Quotenunsinn auseinandergesetzt, zuletzt gerade erst vor zwei Monaten.

Aber da es sich hier um ein gesellschaftlich akzeptiertes Dauerthema handelt, wird uns dieser Quatsch wohl noch einige Zeit beschäftigen, zumal zu erwarten ist, dass die Politik in ihrem gemeingefährlichen Wahn, gesellschaftliche Sollzustände definieren und herstellen zu müssen, ihn an allen unmöglichen Stellen in Gesetzesform gießen wird. Jüngstes Beispiel: die Grünen in Baden-Württemberg. Offenbar ist man dort, seitdem man den Ministerpräsidenten stellen darf, der Überzeugung, sozusagen über das Administrator-Passwort des Landes zu verfügen und daher an beliebigen Stellen “konfigurieren” zu dürfen und zu müssen. Während Kretschmann den volksnahen Oberbürgermeister gibt, machen sich seine Parteifreunde, von der SPD wohlwollend begleitet, an die ideologische Umgestaltung von oben. 

Konkret: Kommunalwahllisten sollen zur Hälfte von Frauen besetzt sein. 

Diese Idee ist schlicht undemokratischer Humbug. Undemokratisch, weil der Staat von oben in die innerparteiliche Willensbildung eingreifen soll. 

Sitzmann will per Erlass kontrollieren, dass die Parteien ernsthaft nach Frauen gesucht haben, die sich aufstellen lassen wollen. Wenn sich eine Partei nicht an die Vorgaben hält, soll sie von den Wahlen ausgeschlossen werden.

“Ernsthaft” sollen sie sich bemühen, die Parteien. Wer definiert, was “ernsthaft” ist? Der obrigkeitlichen Willkür sind damit Tür und Tor geöffnet.  Ein schöneres Instrument, missliebige Parteien von Wahlen auszuschließen, lässt sich kaum noch vorstellen. Angeblich sollen sich ja sogar Juristen gefunden haben, die das für vereinbar mit der Verfassung halten. Wenn dem so wäre, dann müssten wir die Verfassung neu bewerten und ihre Inhalte neu lehren. Auch hier sehen wir wieder das “Kristall-Prinzip” am Werk: Dass sich die Anteile von Frauen und Männern auf Parteien unterschiedlich verteilen, ist im Gesellschafts-Prokrustes-Bett der Grünen nicht vorgesehen und darf sich daher auch nicht in den Wahllisten ausdrücken. Um das Ziel in den größeren Einheiten zu verwirklichen, müssen alle kleineren Einheiten zu getreuen Abbildern des Ideals werden. Dass Leute, die ein derartiges Gesellschafts-Mikromanagement betreiben wollen, nicht aus ihren Ämtern gejagt werden, zeugt davon, wie geduldig der deutsche Michel noch immer die schlimmsten Experimente seiner Obrigkeit zu ertragen bereit ist.

Humbug ist die Idee, weil es ja nicht gerade so aussieht, dass sich auf kommunaler Ebene die Kandidaten nur so stapeln. Im Gegenteil, in den meisten Parteien ist man froh über alle, die sich zur Wahl stellen. Und da, wo fast nur Männer zur Verfügung stehen, werden schon jetzt verzweifelte Versuche unternommen, Frauen zur Kandidatur zu bewegen, sei es aus innerer Überzeugung, sei es aus reinen Marketing-Gründen. In Baden-Württemberg kommt hinzu, dass dort kumuliert und panaschiert werden kann, d.h. die Aufstellung der Wahlliste entscheidet eben nicht darüber, wer tatsächlich in die Kommunalparlamente einzieht. Der nächste konsequente Schritt, wenn man schon die Demokratie zugunsten der Quote in den Parteien ausschließt, sie auch bei den Wahlen selbst einzuschränken: Man muss kein Prophet sein, um die nächste Forderung vorherzusagen, nämlich die nach einer hälftigen Zusammensetzung der Parlamente. 

Und die Grünen prüfen dann, ob die Wähler sich auch ernsthaft bemüht haben.

P.S.: Ganz clever mal wieder die Piraten: Quote woanders ja, aber nicht bei uns. Von wegen “andere Politik”: Das St.-Florians-Prinzip gehört nun wirklich zu den uralten politischen Mustern.

bisher 6 Kommentare » Kommentare
  1. tizenegy sagt am 15. 05. 2012 um 21:35 Uhr:

    Reißverschlussverfahren? Dass heißt, Frau X sucht sich jetzt mal den Kreisverband mit den meisten alten Männern aus, wird Neumitglied, bewirbt sich um einen hohen Listenplatz und muss diesen auch bekommen, weil die Partei sonst von der Wahl ausgeschlossen werden kann? Anruf bei der Wahlleitung genügt?
    Unfassbar.
    Meine Chefin, meine Kreisvorsitzende und unsere Stadträtin würden hier vermutlich einwenden, dass in der Realität die Diskriminierung der Frau wohl eher ein Problem der Generation 60+ ist.
    Aber selbst wenn’s akut wäre: So geht es wirklich nicht.

  2. grenzenlosnaiv sagt am 16. 05. 2012 um 04:41 Uhr:

    Zustimmung.

    Zu dem P.S. kann ich nur sagen, dass es sich da mehr oder weniger um einen Alleingang des BuVos der Piraten handelt; insbesondere einer gewissen Julia Schramm, die nach Höherem strebt und dabei Parteitagsbeschlüsse übergeht. Sehr ärgerliche Sache, aber sie wurde halt ins Amt gewählt, obwohl sowas absehbar war. Von daher bleibt die Kritik trotzdem berechtigt.

  3. stefanolix sagt am 16. 05. 2012 um 07:45 Uhr:

    Zu der zynischen Attitüde der Julia Schramm wurde kurz vor dem Bundesparteitag der Piraten in der F.A.Z. eigentlich alles gesagt. Zitat Schramm:

    „Ich saß in so einer Vertreterkonferenz, da kam die Marketingchefin und meinte: Frau Schramm, wie sieht es denn aus, wenn hier illegal Ihr Buch heruntergeladen wird? Ich so: Ich will natürlich, dass die Leute dafür bezahlen. Ich will aber nicht, dass sie behandelt werden wie Mörder. Schaffen Sie doch legale Angebote.“

    Es mag Frau Schramm vielleicht merkwürdig vorkommen, aber der Kauf eines Buches, eines Taschenbuches oder eines elektronischen Buches sind legale Angebote. Die Piratenpartei will ja erreichen, dass man jedes Buch einscannen und weltweit zum Herunterladen anbieten kann. Das kann ein Verlag natürlich nicht mehr unterbieten …

    Frau Schramm ist das beste Beispiel für die negativen Auswirkungen einer Frauenquote. Die Piraten haben zwar keine explizite Frauenquote, aber sie wollen natürlich auch Frauen im Vorstand haben. Mangels Kandidatinnen kann sich dann eine Dampfplauderin wie Frau Schramm durchsetzen.

  4. R.A. sagt am 16. 05. 2012 um 12:00 Uhr:

    Ein raffiniertes Manöver der Grünen. Damit hätten sie die Konkurrenz von der Frauenpartei de facto eliminiert. Denn die haben überhaupt kein ernsthaftes Interesse, auf ihren Listen 50% Männer kandidieren zu lassen.

  5. Ramblings after midnight - csaggo.com sagt am 17. 05. 2012 um 04:22 Uhr:

    [...] bei der Politik sind, und man sich da ja über so einiges herrlich aufregen kann, hier gleich ein sehr gelungener Blogpost zum Thema Frauenquoten von rayson. Seinen Schlussfolgerungen ist nichts hinzuzufügen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie es [...]

  6. Alreech sagt am 20. 05. 2012 um 21:55 Uhr:

    Warum nur eine Frauenquote ?

    Sind nicht auch Migrant_innen auf den Wahllisten unterrepräsentiert ? ;-)