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Was zum Urheberrecht

Die Sicht dieses Autors zur Urheberrechtsdebatte fast ganz gut dieser Artikel aus der FAZ zusammen:

Kurz gesagt: Man gebe dem Schöpfer geistiger Werke, was des Urhebers ist. Und wenn dieser mit anderen Verträge abschließt, so sind sie zu respektieren. Aber wichtig ist vor allem ein anderer Punkt:

Wenn das Kaufhaus die Ladendiebe nicht dingfest kriegt, muss es bessere Detektive einstellen.

Und eben nicht den Staat dazu auffordern, alle Personen erkennungsdienstlichen Maßnahmen zu unterziehen, die an seinem Eingang vorbeigehen. Die eine Sache ist das Recht des Urhebers bzw. der von ihm vertraglich dazu ermächtigten Vertreter, Verletzungen ihres Eigentumstitels verfolgt zu sehen. Die andere aber ist das Recht des Bürgers auf Achtung seiner Privatsphäre. Zwischen beiden Rechten gilt es, eine Abwägung vorzunehmen. Und man wird dem Schreiber dieser Zeilen nicht begreiflich machen können, warum in die Bürgerrechte verdachtsunabhängig eingegriffen können werden soll[1]. 

Es gilt daher aus liberaler Sicht vor allem, solche Übergriffe zu verhindern. Auch die Netzsperren wurden zwar mit dem Argument der Bekämpfung der Kinderpornographie begründet, hätten aber nach einer kleinen Schamfrist vor allem den Verwertungsgesellschaften in ihrem vergeblichen Bemühen genutzt, die Uhr der Technik zurückzudrehen. Die Welt des konsumfertigen Angebots an geistigen Werken wie Musik, Film oder Buch wird sich daher verändern müssen. Der Bürger soll weiterhin die Freiheit haben, sich im Netz zu tummeln, ohne das Auge des Staates permanent über ihm wachen zu sehen. Aber wenn er diese Freiheit nicht verantwortungsvoll nutzt, wird das unweigerlich zu einer Verringerung, vielleicht sogar zu einer Verarmung (eh subjektiv), des uns bekannten Angebots an diesen Werken führen. 
Für einige wird sich nicht viel verändern. Jazzfans bevorzugen sowieso das Live-Erlebnis, unbekannte Musiker haben sowieso keine Einnahmen aus Rechteverwertung, und in Clubs und Discos wird weiter gezahlt werden. Und wer sowieso nur das gerade Gehypete hört, wird vielleicht gar nicht merken, dass die Konkurrenz auf dem Weg dahin immer mehr abnimmt. Filme könnten davon profitieren, dass das Erlebnis “Kino” sich nicht im Betrachten des jeweiligen Werks erschöpft. Aber spätestens bei Büchern wird es kritisch. Dort werden die Profis mehr und mehr von den Selbstdarstellern verdrängt werden, und das Angebot insgesamt wird voraussehbar abnehmen, quantitativ und qualitativ. Aufhalten lässt sich das nicht. Bedauern hilft auch nichts. Die Alternativen wären noch übler.

Technik muss das Leben nicht verbessern. Akzeptiert es.

Rayson in Kultur,Medien,Politik,Wirtschaft am 28. 04. 2012 » 15 Kommentare
bisher 15 Kommentare » Kommentare
  1. jopa sagt am 28. 04. 2012 um 23:56 Uhr:

    Und eben nicht den Staat dazu auffordern, alle Personen erkennungsdienstlichen Maßnahmen zu unterziehen, die an seinem Eingang vorbeigehen.

    Was mich an der Debatte irritiert, ist, daß die gesamten bereits etablierten DRM-Lösungen mittlerweile wieder abgeschafft wurden, dem Vernehmen nach, weil auf unterschiedliche Weisen kommerziell unattraktiv. Im Endeffekt macht dann lieber den Staat zum Inkassounternehmen, ist ja auch viel billiger.

    Das (unbestrittene) Recht auf geistiges Eigentum umfasst aber nicht das Recht auf dessen erfolgreiche Verwertung.

  2. David sagt am 29. 04. 2012 um 13:07 Uhr:

    Aufhalten lässt sich das nicht. Bedauern hilft auch nichts. Die Alternativen wären noch übler.

    Technik muss das Leben nicht verbessern. Akzeptiert es.

    Darauf können wir uns wohl einigen. Ich weiß allerdings nicht, ob Dein Pessimismus in diesem Umfang gerechtfertigt ist. Die Frage wäre doch, ob sich Möglichkeiten finden lassen, die Zahlung für das eigentlich knappe Gut, nämlich die Zeit, die Urheber (und alle drumherum) für Urheben und Produktion aufwenden, direkter zu gestalten. Ich bezweifle z.B. daß diejenigen, die ganze Nächte vor Buchhandlungen zubrachten, um den neuen Harry Potter so früh wie möglich in der Hand zu halten, nicht auch bereit gewesen wären, Rowling einen Vorschuß zu zahlen, damit sie ihn schreibt. Ein anderes und, soweit ich weiß, erfolgrieches Modell wäre die freiwillige Download-Pauschale von Magnatune. In dieser Hinsicht gibt es doch möglicherweise ein Potential, das bisher sicherlich nichtmal annähernd ausgelotet ist.

    Ich will wohlgemerkt nicht behaupten, daß mit solchen Modellen letztlich als weitergehen wird, wie bisher. Aber bevor sie wirklich gescheitert sind (und die derzeitigen Erfolge von crowd funding und m.W. Magnatune scheinen mir in eine andere Richtung zu weisen) glaube ich auch nicht so fest an die ganz schwarzen Gemälde.

  3. FDominicus sagt am 30. 04. 2012 um 06:46 Uhr:

    Danke, klar auf den Punkt gebracht.

  4. Rayson sagt am 30. 04. 2012 um 11:19 Uhr:

    @2.

    Aber bevor sie wirklich gescheitert sind (und die derzeitigen Erfolge von crowd funding und m.W. Magnatune scheinen mir in eine andere Richtung zu weisen) glaube ich auch nicht so fest an die ganz schwarzen Gemälde.

    Dein gutes Recht. Ich war ja auch mal jung ;-)

  5. David sagt am 01. 05. 2012 um 00:54 Uhr:

    Hm, das ist jetzt irgendwie etwas dünn, aber ich bin nachsichtig, denn vielleicht werde ich auch mal alt. :P

  6. Rayson sagt am 01. 05. 2012 um 00:57 Uhr:

    Was heißt “dünn”? Du äußerst eine Hoffnung, der ich nicht zu folgen vermag. Vorhersagen sind immer schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Der eine sieht es optimistischer, der andere pessimistischer. Meine Erfahrung lässt mir halt nur letzteren Weg.

  7. David sagt am 01. 05. 2012 um 01:10 Uhr:

    Mich würde halt interessieren, was Deine Gründe dafür sind, diser Hoffnung so gar nicht nicht folgen zu können. Ich sehe ein gewisses Potential in crowd funding und Pauschalangeboten (was bloß zwei Modelle sind, die bereits existieren; wenn die Industrie irgendwann raffen sollte, daß mit Repression kein Blumenkohl zu gewinnen ist, sieht man vielleicht sogar noch mehr). Ich sage ja auch explizit nicht, daß damit alles letztlich alles bleibt wie es ist (natürlich wird alles viel besser!), aber ich dachte, Dein Pessimismus in dieser Hinsicht lasse sich fundiert begründen. Auf welche Erfahrungen beziehst Du Dich denn? Hast Du welche mit crowd funding?

  8. Rayson sagt am 01. 05. 2012 um 01:19 Uhr:

    Nein, spezielle Erfahrungen habe ich nicht, nur halt solche, die allgemein das Zusammenwirken von Interessen betreffen. Und ich sehe halt für alle Beteiligten bessere Anreize, die von dir präferieren Modelle nicht mit Leben zu füllen.

    Übrigens lag ich bisher mit meinen Einschätzungen noch nie falsch. Irgendwann wird es mal so sein, keine Frage. Aber so wie ich meine, dass Menschen ticken, und ich gewinne das aus vielen Jahren im Ausland und vielen Begegnungen dort, sehe ich nur wenig Raum für Ideale, die sich bisher noch nicht aufgedrängt haben.

  9. SteffenH sagt am 01. 05. 2012 um 02:07 Uhr:

    Verarmung ist wirklich subjektiv, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Schein da nicht trügt: http://www.voxeu.org/index.php?q=node/7274 Und was ist mit Autoren wie Cory Doctorov, die ihre Bücher unter Creativ Commons lizenzieren und dennoch recht erfolgreich als Satire arbeiten: http://craphound.com/ ? Ich kann Davids Skepsis gut verstehen. Vielleicht lassen sich manche Liberale auch hier vor den falschen Karren spannen.

  10. stefanolix sagt am 01. 05. 2012 um 07:08 Uhr:

    Auf manchen Gebieten ist das Publizieren und das kreative Schaffen heute viel einfacher als früher.

    Mit modernen digitalen Spiegelreflexkameras, sehr guten Objektiven und einem Programm zum Entwickeln der Rohdaten haben viele ambitionierte Amateure die Möglichkeit, gute Bilder zu veröffentlichen. Früher konnten das nur wenige Profis.

    Seit es diese technischen Möglichkeiten gibt, stieg die Anzahl der Fotos fast ins Unermessliche. In der gleichen Zeit sanken aber auch die Honorare für Fotos fast in den Keller und in vielen Redaktionen wurde nicht mehr so sehr auf Qualität geachtet. Ergebnis: In der Lokalpresse findet man heute oft Fotos, die ich nicht in mein Blog stellen würde. Gewissen Ansprüchen genügen allenfalls noch die F.A.Z. und die F.A.S.

    Ich kann mir durchaus Modelle des »crowd funding« vorstellen. Es wird möglicherweise irgendwann eine zweite J.K.Rowling geben, die als Bloggerin begonnen hat.

    Aber das funktioniert nur, wenn alle Beteiligten zueinander Vertrauen haben und wenn im Erfolgsfall etwas an die ersten »Investoren« zurückfließt.

    Vor einigen Jahren gab es mal einen jungen Tennisspieler, der Profi werden wollte [der Name ist völlig unerheblich und ich will es auch nicht anhand der Person diskutieren].

    Einige Investoren haben ihm die Ausbildung und die erste Phase der Profi-Karriere finanziert. Als er Erfolg hatte, gab es Streit um die Rendite für die Investoren. Soweit ich mich erinnere, ging es zum Nachteil der Investoren aus.

    Scheitern kann das Modell also auch bei Künstlern daran, dass die ersten Investoren weder ihr Geld jemals wiedersehen noch einen tollen Roman (oder irgendein anderes Werk) bekommen.

    Bisher sind Modelle des »crowd funding« für Bücher (soweit ich weiß) nur erfolgreich gewesen, wenn der Autor vorher auf eine klassische Karriere mit Verlag, Lektor etc. verweisen konnte.

  11. Rayson sagt am 02. 05. 2012 um 11:08 Uhr:

    @9.

    Dass etwas bei einigen anscheinend für diese hinreichend funktioniert, ist ja nun nicht gerade das schlagende Argument gegen eine prognostizierte Verringerung des Angebots.

  12. SteffenH sagt am 02. 05. 2012 um 20:53 Uhr:

    Eine Prognose braucht mehr als eine Theorie, die nur deshalb so plausibel klingt, weil sie jeder ohne sie zu durchdringen wiederholt. http://www.techdirt.com/skyisrising/

  13. Rayson sagt am 02. 05. 2012 um 21:27 Uhr:

    @12.

    Eine Prognose braucht vor allem erstmal nur die Zukunft zu betreffen. Mir jedenfalls erscheint es einleuchtend, dass das Angebot abnimmt, wenn die Verdienstmöglichkeiten geringer werden. Und sie müssen geringer werden, weil alles, was als Alternative zum Urheberrecht empfohlen wird, schon jetzt möglich ist, aber von den Anbietern offensichtlich überwiegend nicht so geschätzt wird.

    Es sei denn, man unterstellt beim Angebot Irrationalitäten.

  14. Matthias B. sagt am 05. 05. 2012 um 22:36 Uhr:

    Interessanterweise zitiert man in dem Zeit-Artikel Johann Gottlieb Fichte aus dem Jahre 1793 zur Unrechtmäßigkeit des Büchernachdrucks.

    In der Realität ist Deutschland ohne Urheberrecht auf dem Buchmarkt dagegen ganz gut gefahren zu dieser Zeit wie dieser Spiegel-Artikel sehr gut darlegt.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-72462722.html

    Meiner Meinung nach hat “Geistiges Eigentum” nichts mit Liberalismus zu tun. Schon eher mit Gedankenkontrolle und Wettbewerbsbeschränkung.

  15. Erling Plaethe sagt am 06. 05. 2012 um 04:08 Uhr:

    Meiner Meinung nach hat “Geistiges Eigentum” nichts mit Liberalismus zu tun. Schon eher mit Gedankenkontrolle und Wettbewerbsbeschränkung.

    Meiner Meinung nach hat geistiges Eigentum erstmal was mit Eigentum zu tun. Eigentlich liegt jedem Produkt geistiges Eigentum zugrunde und um so mehr davon in einem Produkt steckt, desto wertvoller und teuerer ist es.
    Das gilt auch für Produkte welche fast nur aus geistigem Eigentum bestehen, wie Bücher zum Beispiel. In Deutschland ist das wegen des mit der Buchpreisbindung faktisch außer Kraft gesetzten Marktes nicht so offensichtlich.
    Überhaupt finde ich es gewagt von einem Urheberrecht in Deutschland zu sprechen. Was davon für den Urheber übrig ist, wäre die Aufregung nicht wert. Hat er es einmal abgetreten ist es weg und will er es nicht abtreten ist es auch weg. Da die Verwertungsgesellschaften so eng mit dem Staat gesetzlich verknüpft sind, ist geistiges Eigentum staatliches Eigentum, so weit diese sich zuständig fühlen.
    Den Verwertungsgesellschaften kann es also m. E. ziemlich schnuppe sein ob es ein Urheberecht gibt oder nicht, zahlen werden die Urheber so oder so und was sie bekommen ist ebenfalls so oder so nicht nachvollziehbar.
    Die Piraten wollen die Enteignung perfekt machen, sie abschließen.