Wirtschaftsversagen
Es gibt Fragen, die sind so uralt, dass sie heute ohne Wiedererkennungswert erneut gestellt werden können, so dass der Autor meint, für sich einen originellen Gedanken reklamieren zu können. Exemplarisch ist das mal wieder bei SPON zu besichtigen. Der notorische Euro-Zentrist Henrik Müller hat die Wirtschaftsethik für sich entdeckt: Jeder Mensch strebe nicht mehr nach dem schnöden Mammon, sondern nur noch nach dem Hehren, Wahren und Guten. Das sei die Lektion aus Finanz- und Schuldenkrisen und ihrem Symptom "Kettenbrief-Ökonomie".
Wie so viele Versuche zu diesem Thema, leidet auch dieser darunter, dass er eine gar nicht so schlechte Beschreibung mit einer falschen Analyse und einer fatalen oder (in diesem Fall) unklaren Handlungsempfehlung verknüpft. Richtig, niedrige Zinsen und billiges Geld befeuern Vermögenswert-Blasen. Sowas sagt einem, wenn nicht die in ihre abstrakten Modelle verliebte Mainstream-Ökonomie, so doch mindestens schon die Finanzmathematik. Man sollte meinen, eine Analyse hätte an der erkannten Ursache anzusetzen, also z.B. an den Resultaten unseres "Fiat-Money"-Geldsystems, wenn es in die Hände der Politik gerät. Was manche Liberale übrigens als unvermeidbar ansehen. Aber nein.
Niemand erwartet die Spanische Inquisition, und niemand unterschätzt die moralphilosophische Tiefe deutscher Journalisten:
Fehlgeleitet war diese Wirtschaftsordnung auch, weil häufig nicht mehr die Frage im Vordergrund stand, ob eine ökonomische Aktivität eigentlich irgendwie nützlich sei: Machte sie das Leben von Menschen besser? Steigerte sie das Wohlergehen und den Wohlstand? Vielmehr ging es darum, Renditeerwartungen zu erfüllen, die zeitweise exzessiv waren.
Doch eine Wirtschaft, deren primäres Ziel es ist, eine möglichst hohe Kapitalverzinsung zu erwirtschaften, läuft in die Irre. Wer nur kurzfristig die Rendite erhöhen will, kann das tun, indem er beliebig die Kosten kürzt – bis das Unternehmen stirbt. Profit und Rendite zu erwirtschaften, kann nur eine Nebenbedingung einer nachhaltigen Wirtschaft sein, kein Selbstzweck.
Das sind Fragen, die eigentlich nur jemand stellen kann, der sich per Zeitmaschine ins 18. Jahrhundert transportieren lässt, am besten noch in die Zeit von vor 1776. Und wem das übertrieben erscheint, dem sei alternativ das Jahr 1974 als Referenz empfohlen. Denn die Frage aller Fragen ist doch: Wie erkennt eine Volkswirtschaft, "ob eine ökonomische Aktivität eigentlich irgendwie nützlich sei"? An der überlegenen Erkenntnis von Journalisten? An Vorgaben des demokratischen Souveräns? Oder am dezentralen Wissen Einzelner, das durch Preise kommuniziert wird? Kapitalrendite ist so ein Preis: Wo sie hoch ist, lockt sie mehr Kapital an, also Konkurrenz, und vergrößert somit gleichzeitig Angebot wie Rendite von morgen. Eine hohe Kapitalrendite signalisiert ein lohnendes Geschäft, und ein lohnendes Geschäft gibt es nur dann, wenn die Nachfrage hoch und das Angebot niedrig ist. Der gute Journalist weiß nun aber, dass die Kapitalrenditen vor der Krise insbesondere dort besonders hoch waren, wo eigentlich nicht viel produziert wurde, nämlich bei genau den Vermögenswerten, die durch Blasen im Wert stiegen. Und er schafft es sogar, billige Kredite damit in Verbindung zu bringen. Aber statt dass er feststellt, wie sehr die Funktion der sog. "Realwirtschaft" sich von der durch das scheinbare Perpetuum Mobile "fiat money" angeheizten monetären "Wirtschaft" unterscheidet und daraus seine Schlüsse zieht, möchte er am liebsten das Wenige an Funktion, das der Staat dem Kapitalismus noch überlassen hat, nämlich die (obgleich durch zahlreiche Regeln behinderte) Koordiantion zentralen Wissens durch Preise und Renditen in der Nicht-Finanzwelt, endgültig erledigen. Da er noch nicht weiß, wie genau das funktionieren soll, kann er es auch mit einem Appell bewenden lassen. Die Richtung ist ja eh klar.
Für einen stellvertretenden Chefredakteur des "manager magazins" eigentlich erstaunlich, scheint Müller auch nur wenig Ahnung von der Unternehmenswelt zu haben. Wenn man sich umschaut, welche Unternehmen der "Realwirtschaft" momentan die größten Renditen erwirtschaften, dann wird man darunter so gut wie keine finden, die "beliebig die Kosten kürzen", denn so etwas würde tatsächlich kein Unternehmen überleben. Was aber gerade kein Grund zur Kritik an der Marktwirtschaft sein kann, sondern sie doch eher lobpreist. Wir brauchen also kein "neues Modell", denn das alte sortiert solches Fehlverhalten bereits wirksam aus. Zumindest da, wo man es lässt und nicht durch staatliche Eingriffe abwürgt.
Originell ist auch diese Passage:
So war es in den vergangenen beiden Jahrzehnten, als die Globalisierung die Weltmärkte öffnete. In dieser Phase ging es darum, bestehende Geschäftsmodelle weltweit auszudehnen. Mit anderen Worten: immer mehr vom Gleichen zu produzieren. Beispiel Autoindustrie: Erst wurden neue Fabriken in Osteuropa gebaut, dann in Asien. Aber sie fertigen im Prinzip immer noch die gleichen Produkte.
Da stellt man sich doch unwillkürlich die Frage: Warum? Vielleicht gar, weil diese Produkte – man halte den Atem an, jetzt wird es esoterisch: – nachgefragt werden? Um Himmels Willen! Das geht ja gar nicht, wenn man die Welt verbessern will. Wenn doch diese dumme, dumme Marktwirtschaft endlich mal auf den Stand des Wissens eines deutschen Qualitätsjournalisten gehoben werden könnte. Aber nein, sie versagt bei dieser Aufgabe.
Gott sei Dank.
bisher 58 Kommentare » Kommentare
Das MM habe ich vor mehr als 5 Jahren abbestellt. Es war mal eine brauchbare Zeitschrift, aber die Zeiten sind vorbei. Und das der Chefredakteur nichts mehr von Markt versteht darf Dich nicht wundern. Denn heute heißt es nicht mehr Kunden bedienen sondern staatliche Bürokraten und Politiker zufrieden zu stellen und das beste unter “systemrelevant” zu fallen. Dann hat man den “alternativlosen” Durchgriff auf alle Geldbeutel und genau das passt ja den Managern super. Kontrolle durch Eigentümer? Lange Geschichte, Kunden zufrieden stellen?, nicht nötig, Geld verbrennen, gerne.
Dem MM gönne ich nur noch eins: Möglichst viele Kündigungen.
Die Probleme welche der stellvertretende Chefredakteur des MM mit der sinnentleerten Volkswirtschaft hat, waren auch Bismarck in seinem Staatssozialsmus begegnet. Sie wurden mit Schutzzöllen “gelöst”.
Heute heißt das nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltiges Wachstum, weil klar ist, dass man mit Kammern und Verbänden die Konkurrenz auf dem Binnenmarkt fernhält, aber nicht auf dem globalisierten Weltmarkt.
Die Klimakonferenzen und der versuchte CO2-Emissionshandel waren durchsichtige Versuche Protektionismus als Umweltstandards zu verkaufen und ihn über Europas Grenzen hinaus auszudehnen, auf das deutsche, Pardon, europäische Standards weltweit ihre Gültigkeit entfalten.
Für wie blöd muß unsere Regierung die Chinesen eigentlich halten? Und nicht nur die!
Nun muss die Kreativität des Humankapitals (Steuerhöhungen und Brennnesselsuppe) ran, weil das “westliche Wirtschaftssystem” auf dem Prüfstand (Protektionismus scheitert an der Globalisierung) steht.
Dass in Deutschland potentielle industrielle Kapitalisierung verloren geht, weil hunderte von Milliarden Euro verwandt werden um Annanas in Alaska anzubauen (Synonym von RWE-Chef Großmann für die PV-Förderung), läuft dagegen unter nachhaltigem Wirtschaften.
Ist es vermessen anzunehmen, dass unter nachhaltigem Wachstum die logischen Folgen dieser verantwortungslosen Energiepolitik zu verstehen sind?
Offenbar.
Aber wem sag ich das.
Wer ein “bissiger Liberaler ohne Gnade” sein will, ohne eine Vorstellung davon zu haben, was wirtschaftliche Freiheit bedeutet, nämlich das Recht zur Beteiligung am Wettbewerb, und sich noch viel weniger vorstellen kann und will, wie diese zentrale Freiheit, um die sich alle anderen Freiheiten anordnen, zu verwirklichen ist, muss wohl sein sinnfreies Gerede mit “Gott sei Dank” abschließen, um nicht Gefahr zu laufen, eines Tages mit dem selbständigen Denken anzufangen:
[Linkspam gelöscht, R.]
@3. Wir freuen uns über jeden begründeten Widerspruch. Den kriegst du vielleicht irgendwann auch noch hin. Aber als Linkschleuder lassen wir dieses Blog nicht missbrauchen.
“Aber als Linkschleuder lassen wir dieses Blog nicht missbrauchen.”
Die Frage, was “politisch links” und was “politisch rechts” sein soll, ist genauso irrelevant wie die ganze politische Seifenoper. Politik ist nur der sinnfreie Versuch, etwas “regeln” zu wollen, was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Kapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz) befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt:
[Linkspam gelöscht, B.]
Link nicht links.
Das mit den Argumenten übst du noch, gell?
“Link nicht links.”
Von mir aus. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Verfasser des obigen Artikels nicht weiß, was wirtschaftliche Freiheit ist, und offensichtlich nicht zwischen verdientem Knappheitsgewinn in einer freien Konkurrenzwirtschaft (noch nie verwirklicht) und unverdientem Knappheitsgewinn in einer Monopolwirtschaft (noch gegenwärtiger Ist-Zustand) unterscheiden kann, sodass seine “Kritik” an dem Wirtschaftsjournalisten ebenso ins Leere läuft, wie dessen “Kritik” an den (noch) bestehenden, wirtschaftlichen (Miss-)Verhältnissen.
Ich könnts auch nicht unterscheiden. Echt wahr.
“Ich könnts auch nicht unterscheiden.”
Im Einzelfall lässt sich das auch nicht unterscheiden, sondern nur in der Gesamtheit aller Wirtschaftsteilnehmer. Makroökonomisch muss der Kapitalmarktzins im Gleichschritt mit den Sättigungen der Gütermärkte gegen Null absinken können, ohne dass es dabei zum Geldstreik (Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes) kommt. Alle Geldersparnisse müssen stets verlustfrei, d. h. ohne den Störfaktor Liquiditätsverzichtsprämie, in neue Sachkapitalien – und damit in Arbeitsplätze – investiert werden. Nur so ist dauerhafte Vollbeschäftigung garantiert, ohne dass die Volkswirtschaft exponentiell wachsen muss. Der bisherige, quantitative Wachstumszwang wird in ein rein qualitatives Wachstum umgeleitet, bei dem innovative Unternehmen entsprechend verdiente Knappheitsgewinne erzielen können, die jetzt nicht mehr von unverdienten (auf Kosten der Mehrarbeit anderer erzielten) Knappheitsgewinnen von Sparern, die sich für “große Investoren” halten, geschmälert werden.
@ Stefan Wehmeier
Warum sollte jemand Geld verleihen wenn er keinen Zins erhält?
Gesetzt den Fall, dass die Geldersparnisse aufgebraucht sind und sich immer noch niemand findet der Geld ohne den “Störfaktor” Zinsen verleiht, muss da nicht jemand einspringen? Eine Zentralbank vielleicht?
Qualitatives Wachstum haben wir in Deutschland schon seit Jahrzehnten, quantitatives dagegen findet man in China, m.E. nach.
http://de.m.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswachstum#section_1
@7.
Ablehnung sieht für die Verfechter seltsamer Ideen immer wie mangelnde Erkenntnis aus.
Ich frage mich allerdings, wie jemand so nonchalant zugleich “Freiheit” für sich reklamieren und ständig mit dem Wort “muss” um sich werfen kann. Aber man ist ja einiges gewohnt.
“Ich frage mich allerdings, wie jemand so nonchalant zugleich “Freiheit” für sich reklamieren und ständig mit dem Wort “muss” um sich werfen kann.”
Weil Freiheit (das Recht zur Beteiligung am Wettbewerb) einen korrekten Ordnungsrahmen voraussetzt; allein darauf bezieht sich das “muss”. Ist der Ordnungsrahmen dagegen fehlerhaft, bedarf es einer unvergleichlich höheren und zudem ständig ansteigenden Anzahl von “muss” (planwirtschaftliche Eingriffe), um eine Volkswirtschaft bis zum unvermeidlichen Zusammenbruch einigermaßen am Leben zu erhalten.
@12.
Ich habe den Eindruck, wir haben unterschiedliche Vorstellungen vom Begriff “Ordnungsrahmen”.
Und ich habe keinen Bock auf “freiwirtschaftliche” Thesen. Mit Anhängern dieses Glaubens habe ich mich an anderer Stelle schon viel zu viel auseinandergesetzt. Ich wüsste kein Grund, dieses Fass nochmal aufzumachen.
“Warum sollte jemand Geld verleihen wenn er keinen Zins erhält?”
Weil er anderenfalls eine Liquiditätsgebühr bezahlen muss.
“Ich wüsste keinen Grund, dieses Fass nochmal aufzumachen.”
Dann wollen Sie wohl auch nichts wissen – das ist Ihr Problem, nicht meines.
Was am Wort “nochmal” war so unklar? Auch, wenn es einen eingefleischten Anhänger verblüffen sollte: Manche Ideen lehnt man gerade deshalb ab, weil man sich mit ihnen ausgiebig beschäftigt und sie mit ihren Anhängern diskutiert hat.
Als Nichtveteran würde ich aber Stefan Wehmeier doch gern die Frage stellen, wie längerfristig die Akzeptanz eines Zahlungsmittels gesichert werden soll, dessen Besteuerung (nach allem, was man so auf die Schnelle liest) so deutlich über der üblichen Inflationsrate liegt.
@Stefan
Dieses Blog gibt’s schon ‘ne Runde länger und du bist beileibe nicht der erste Freiwirtschaftler der hier aufläuft. Ich würde behaupten, dass die meisten “regulars” hier sich schon mal mit dem Thema auseinandergesetzt haben daher ist deine Attitüde der Art “Schwört ab ihr Unwissenden! Hier kommt die Offenbarung!” fehl am Platz.
“Manche Ideen lehnt man gerade deshalb ab, weil man sich mit ihnen ausgiebig beschäftigt und sie mit ihren Anhängern diskutiert hat.”
Irrtum. Wer die Natürliche Wirtschaftsordnung (freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus = echte Soziale Marktwirtschaft) verstanden hat, kann sie nicht mehr ablehnen. Für die Ablehnung gibt es nur psychologische, aber keine rationalen Gründe.
@ 17.
Sie haben die Wahl:
Entweder ein Geld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion, welches nur dann verlangsamt und unregelmäßig umläuft, wenn die Währung schleichend inflationiert,…
…oder…
…ein konstruktiv umlaufgesichertes Geld ohne Wertaufbewahrungs(un)funktion, welches stetig umläuft, sodass die Währung mit einer direkten Geldmengensteuerung absolut stabil gehalten werden kann (was mit maximal 10 Prozent der heute bei der Deutschen Bundesbank Beschäftigten problemlos zu bewerkstelligen ist).
@Stefan Wehmeier
Und an welche Höhe dachten Sie da?
Da geht sie dahin, die freie Marktwirtschaft. Kein freies Spiel der Kräfte. Diese Gebühr ist Planwirtschaft.
@ Stefan Wehmeier
Ok, ich habe Dich als Freiwirt und die Freiwirtschaft als gut abgegrenztes und beackertes Feld identifiziert. Ich schau mir bei Gelegenheit an, was man vor uns dazu geschrieben hat. Mit Rücksicht auf die Veteranen verzichte ich auf eine (möglicherweise für Neulinge interessante) Diskussion an dieser Stelle.
@22.
Eine solche Diskussion wäre nicht nur hier OT, du solltest dir auch überlegen, wieviel Fanatismus du dir antun möchtest (siehe Kommentar 19.).
“Diese Gebühr ist Planwirtschaft.”
Im Gegenteil. Eine staatliche Liquiditätsgebühr auf alles Zentralbankgeld (Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) ist ein unverzichtbarer Bestandteil eines korrekten Ordnungsrahmens, der ansonsten unvermeidliche planwirtschaftliche Eingriffe in die Marktwirtschaft überflüssig macht.
@ Stefan Wehmeier
Verstehe:
Nachtrag:
Zitat Ordnungsrahmen Wikipedia:
Nochmal @22.
Das entspricht übrigens meinen Erfahrungen aus meinem anderen Leben.
@27
Mal ganz abgesehen von der Freiwirtschaft: Ich finde eigentlich deine Position zu dem SPON-Artikel völlig richtig.
Es ist lächerlich, dass der Autor davon spricht, es fehle nicht an Kapital, sondern an Kreativität. Da, wo man die Menschen in Ruhe lässt, gibt es jede Menge neue Ideen.
Vielleicht ist es ja auch einer Überregulierung in Redaktionen geschuldet, dass Menschen damit Geld verdienen, die immergleichen moralischen Umerziehungsparolen rauszudreschen anstatt sich mal kreative Konzepte zu überlegen. Aber auch dafür gibt es wohl eine Nachfrage – insofern akzeptiert.
Zum Glück gibt es ja ein paar Leute, die sich dazu dann eigene Gedanken machen.
Das solch eine Aussage neugierig macht, ist schon klar, oder?
“Mal ganz abgesehen von der Freiwirtschaft…”
Wer davon absieht, versteht gar nichts. So einfach ist das.
@29
Ja, das ist klar. Und ebenso klar ist, dass diese Neugier unbefriedigt bleiben wird
@30.
Wir sind für Religionsfreiheit, bitten aber, das Rezitieren von Glaubensgrundsätzen zum Zwecke der Missionierung in den Kommentaren durch On-Topic-Argumentationen zu ersetzen.
“Wir sind für Religionsfreiheit…”
Und ich bin dafür, Geisteskrankheiten (Religionen = Rückbindungen auf künstliche Archetypen zur Anpassung eines Kulturvolkes an eine noch fehlerhafte Makroökonomie durch selektive geistige Blindheit) zu erklären und damit wegzuerklären:
(Genesis 2,15-17) Und Gott der HERR nahm den Menschen (freier Unternehmer) und setzte ihn in den Garten Eden (freie Marktwirtschaft), dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR (künstlicher Archetyp Jahwe = Investor) gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen (Gewinn bringende Unternehmungen) im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen (Zinsgeld-Verleih) sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes (in religiöser Verblendung) sterben (Rückfall in die Barbarei).
Lieber Stefan Wehmeier,
denk bitte mal darüber nach, was du hier eigentlich tust.
Die Leute, die du hier von deiner Wahrheit zu überzeugen versuchst, kennen deine Standpunkte schon -> siehe Eintrag 13 und 18.
Ich kenne sie noch nicht, bin auch immer offen für mir neue Ideen. Ich habe aber überhaupt keine Lust, hier auf Nachfrage im luftleeren Raum schwebende Teilaussagen zugeworfen zu bekommen, ohne zu wissen, wo du eigentlich genau ansetzen und am Ende hinkommen willst. Insbesondere, wenn es off topic und somit für alle anderen nervig ist.
Du kannst jetzt also bitte mal kurz, klar und als Ganzes status quo – Problem – Lösungsansatz skizzieren (wie es dir vorschwebt) oder alle nur nerven und deine Zeit verschwenden.
für mich neue ideen. sorry.
@32.
Verpiss dich.
@33
Da unser werter Freiwirt offensichtlich der Meinung ist, zu einer Diskussion gehörten zwingend Beleidigungen Andersdenkender, wirst du sie mit ihm wohl woanders fortsetzen müssen, wenn dir nach sowas gelüstet, denn hier wird er keine Kommentare mehr absetzen können.
Off-topic:
Ich finde hier zeigt sich schoen, warum man freie Meinungsaeusserung nicht einschraenken muss… die Aeusserer reden sich meist um Kopf und Kragen
Rayson hat völlig recht; ob Tortentrolle mit Gerechtigkeitslücke wie letztens bei Zettel oder andere freidrehende Trolle auf Wirtssuche – Freiheit ist nicht der Zwang Intoleranz zu tolerieren.
Wen oder was ein solcher Troll toleriert, ist hier ja egal. Es ist für mich weniger die Intoleranz als vielmehr die Dämlichkeit, die den Augen wehtut.
Hochinteressant.
In einigen Jahrzehnten politischer Diskussionen habe ich ja schon oft genug Leute getroffen, die so etwas denken.
Aber daß es mal einer explizit zugibt, das ist neu.
“… Was aber gerade kein Grund zur Kritik an der Marktwirtschaft sein kann, sondern sie doch eher lobpreist. Wir brauchen also kein “neues Modell”, …”
Leider sagt der Autor nicht welche Art von “Marktwirtschaft” er meint, meint er die heutige real existierende “kapitalistisch verzerrte bzw. politisch vergewaltigte Marktwirtschaft”?
Weiß der Autor um die Option einer kapitalismusfreien Marktwirtschaft mit einem neutralen Geldsystem bzw. konstruktiv umlaufgesichertem Geld?
Mit freundlichem Gruß
Bernd van Straelen
Hier muss irgendwo ein Nest sein… Bin froh, dass die Kommentarsektion für diesen Blogeintrag bald dicht macht
@40.
Doch, dieser Autor sagt das sehr wohl, und das auch noch immer wieder. Was mit dem Begriff “Marktwirtschaft” gemeint ist, sollte hinreichend klar sein.
Weniger Staatseinflüsse wären hilfreich, und das aktuelle Fiat-Money-Geldsystem muss dringend reformiert werden. Allerdings werden wir dann nicht geringere Zinsen haben, sondern höhere…
Ich verweise auf Kommentar #12.
Und wer eine wirklich “perfekte” Marktwirtschaft will, der muss auch für privates Geld optieren. Insofern würden die Vorstellungen der Freiwirte und Radikalliberaler sich de facto letztlich treffen, denn nachdem die Freiwirte das herrschende Geld durch ihr Gemurkse für die meisten Zwecke wertlos gemacht haben, wird an dessen Stelle ein privat bereitgestelltes Angebot treten. Ok, ich mache mir keine Illusionen, wie “freiheitlich” die Herummurkser darauf reagieren würden, aber das ist eine andere Geschichte…
Liegt vielleicht am Aufstieg der Freibeuter. Die Offenheit und Formbarkeit des Parteiprogramms mit Mitmachcharakter zieht dort eine Menge Freiwirte an. Und eine 12% Partei deren Zielgruppe hauptsächlich im Internet aktiv ist, hinterlässt halt auch hier Spuren
“… Und wer eine wirklich “perfekte” Marktwirtschaft will, der muss auch für privates Geld optieren. …”
Offensichtlich verstehen Sie von geldtechnischen Zusammenhängen gar nichts; denn Ihre Behauptung (siehe oben) ist grundfalsch!
Die Aussagen dazu schon vor 1916 von Silvio Gesell sind zeitlos:
“… Die Erzeugnisse der Arbeitsteilung (6), die Waren, sind von vornherein für den Tausch
bestimmt, d. h. sie haben für ihre Verfertiger die gleiche Bedeutung, die das Geld für
uns alle hat – sie sind als Tauschgegenstände nützlich. Nur die Aussicht, die Erzeug-
nisse (Waren) gegen andere Waren tauschen zu können, veranlaßt die Eneuger, die Ur-
wirtschaft zu verlassen und die Arbeitsteilung einzuführen.
Zum Tausch der Erzeugnisse gehört aber wieder ein Tauschmittel, sogenanntes Geld,
denn ohne solches Tauschmittel wäre man auf den Tauschhandel angewiesen, von dem
wir wissen, daß er bei einer gewissen Entwicklung der Arbeitsteilung einfach versagt.
Jeder kann sich leicht vorstellen, daß der Tauschhandel ganz unentwickelte Zustände
voraussetzt.
Das Geld, ein Tauschmittel, ist die Grundlage und Voraussetzung entwickelter Arbeits-
teilung, der Warenerzeugung. Für die Arbeitsteilung ist ein Tauschmittel unentbehrlich.
Aber es gehört zum Wesen eines Tauschmittels, daß bei seiner Herstellung die Ge-
werbefreiheit auf irgendeine Weise ausgeschaltet werde. Stände es jedermann frei, Geld
zu verfertigen, und zwar jedem nach seiner Weise, so würde seine Vielgestaltigkeit solches
Geld für den Zweck, den es erfüllen soll, einfach unbrauchbar machen. Jeder würde
sein eigenes Erzeughnis als Geld erklären, und damit wären wir ja wieder beim Tausch-
handel angekommen.
Wie nötig die Einheitlichkeit im Geldwesen ist, erkennt man auch daran, daß s. Zt.
schon die Doppelwährung als ein Zuviel angesehen und beseitigt wurde. Und wie würde
es geworden sein, wenn man sich zwar über die Goldwährung geeinigt, aber die Her-
stellung von Münzen für jedermann freigegeben hätte, mit dem Ergebnis, daß nun
Münzen von jedem Feingehalt im Umlauf gewesen wären? (Eine solche “Einigung” ist
aber bereits eine Staatshandlung, denn alles, worüber Einigung erzielt ist, bildet den
eigentlichen Stoff zum Aufbau des Staates.)
Wie immer aber auch diese notwendige Ausschließung der Gewerbefreiheit bei der
Herstellung des Geldes erzielt wird, ob durch gesetzliches Verbot, oder durch natür-
liche Schwierigkeiten bei der Beschaffung des Rohstoffes (Gold, Kauri usw.), ob man
dabei bewußt oder unbewußt vorgegangen ist, ob das Volk in einer Versammlung feier-
lich darüber beschloß, oder der vorwärtsdrängenden Volkswirtschaft nachgab, einerlei,
es handelt sich da um eine Handlung des Volkes, und was ist eine solche einmütige
Handlung anders als ein Gesetz, als eine staatliche Handlung? Das Tauschmittel trägt
also immer das Gepräge einer staatlichen Einrichtung, und diese Bezeichnung verdient
sowohl das gemünzte Metall, wie auch die Kauri-Muschel und die Banknote. Von dem
Augenblick an, wo das Volk dazu gekommen ist (einerlei wie), einen bestimmten Gegen-
stand als Tauschmittel anzuerkennen, hat dieser Gegenstand das Gepräge einer staat-
lichen Einrichtung.
Also entweder staatliches Geld oder überhaupt kein Geld. Gewerbefreiheit in der
Herstellung des Geldes ist einfach unmöglich. Ich brauche mich hier nicht weiter auf-
zuhalten, denn die Sache ist selbstverständlich. (7) …”
Mit freundlichem Gruß
Bernd van Straelen
Ach herrje, jetzt werden auch noch lang und breit die Heiligen zitiert…
Es ist schon interessant, wie häufig da solche Formulierungen wie “die Sache ist selbstverständlich” auftauchen oder eben die Zuschreibung psychischer Defizite. Überzeugend geht anders.
Und ich muss noch nicht mal mit Mises- oder Hayekzitaten antworten, sondern brauche nur an Zeiten zu erinnern, in denen schon mal Zigaretten Geld waren. Privat hergestellte übrigens. Und auf dem Papiergeld damals lag ein ungeheurer Weggabedruck…
Da fällt mir noch ein anderes Beispiel ein:
Rumänien, vor dem Sturz Ceausescus. Die Währung war ebenfalls Zigaretten. Eine Marke nur, ausschließlich – Kent. Damit konnte man zugfahren, einkaufen, Essen gehen – was es gab, gab es für Kent.
Kein Hörensagen, sondern meine persönlichen Erlebnisse.
Lei, das staatliche Papiergeld wollte keiner haben, dafür gab es so gut wie nichts.
Rahim Taghizadegan hat übrigens mal eine umfangreichere Gesell-Kritik aus “österreichischer” Sicht (in seinem Fall sogar auch buchstäblich
) verfasst. Wayne’s interessiert: http://www.wertewirtschaft.org/analysen/Freiwirtschaft.pdf
@Rayson:
Vielen Dank für diesen sehr guten Text!
Die zentralen Fehler bei Gesell erkennt man mit etwas Nachdenken ja schnell – wenn es um die praktische Umsetzung geht. Aber welche theoretischen Fehler dabei im Hintergrund stehen, das ist viel schwerer zu sehen.
Und es ist interessant, auch die übrigen (gar nicht so unsympathischen) Ideen Gesells mal kurz kennen zu lernen.
“… Rahim Taghizadegan hat übrigens mal eine umfangreichere Gesell-Kritik …”
„Das Gefährliche an Halbwahrheiten ist, dass immer die falsche Hälfte geglaubt wird“, hat der deutsche Schriftsteller Hans Krailsheimer gesagt. Vermutlich ist dies der Grund, warum es heißt, dass „eine halbe Wahrheit gefährlicher ist als eine ganze Lüge“. Auf die „Kritik der Freiwirtschaft nach Silvio Gesell“, die Rahim Taghizadegan vom Wiener „Institut für Wertewirtschaft“ vor nun schon mehreren Jahren schrieb und veröffentlichte, treffen beide Sätze nur bedingt zu, da in ihr die „Hälfte mit der Wahrheit“ leider nicht zu finden ist!
Jens Kasten zeigt in seiner „Replik zur Kritik“ auf, dass es Rahim Taghizadegan wohl kaum um die Wahrheit gegangen sein kann, als er seinen Text verfasste.
Mit freundlichem Gruß
Bernd van Straelen
@48.
Die Argumentation Taghizadegans ist überzeugend. In ihr geht es auch weniger um die Behauptung irgendwelcher “Wahrheiten”, als um logische Folgerungen .
Dass sowas Freiwirten gefällt, war ja auch nicht zu erwarten. Und dass irgendjemand eine Gegenrede versucht, auch. Wieder bezeichnend ist der Stil, der keine Zweifel zulassen will. Wer’s braucht.
“… Wieder bezeichnend ist der Stil, der keine Zweifel zulassen will. …”
Die Frage ist doch ob und inwiefern Zweifel berechtigt sind; offensichtlich lieben Sie Rahim Taghizadegan oder Sie wissen nicht was Logik bedeutet; ich tippe da eher auf Zweites.
Mit freundlichem Gruß
Bernd van Straelen
Stimmt, ich vergaß ja noch die Beschimpfung Andersdenkender. Gehört für eine Sekte einfach dazu.
“… ich vergaß ja noch die Beschimpfung Andersdenkender …”
Aber Sie haben mit dem Denken doch noch gar nicht angefangen; andernsfalls würden Sie sich Ihre völlig inkompetenten Bemerkungen sparen.
Mit freundlichem Gruß
Bernd van Straelen
Auch wenn es leicht Off Topic ist, möchte ich doch auch einige (völlig unvollständige und ungeordnete) Gedanken zum Thema absondern, bevor der Kommentarstrang geschlossen wird:
1. Wie schon v. Hayek schrieb, erweckt kaum ein Thema soviel Aufregung wie Geld und Sex.
Entsprechend ist natürlich die Aufmerksamkeit auf diesen beiden Themen groß und auch die Versuche, sie zu reformieren.
Im konkreten Falle der Jetztzeit wird mE noch das “Zeitgeist”-Movie seinen Teil dazu beigetragen haben, hinter unserer momentanen Geldpolitik etwas geheimnisvolles, ja verschwörerisches zu ahnen.
2. Die Reaktionen auf die Kritik am Geldsystem können ganz unterschiedlich ausfallen: Freigeld-Anhänger denken, man müsse nur einen einfachen “technischen” Sachverhalt ändern, um die Fehler des Systems zu beheben. Leuchtet einem der Gedanke ein, so ist er enorm verführerisch.
Es ist viel leichter (könnte man denken), einfach das Geldsystem zu ändern als die “Produktionsverhältnisse” zu ändern oder zu versuchen, einen (Ordo-)Liberalen rechtlichen Rahmen zu schaffen. Gäbe es da nicht den Widerstand gegen die Einführung alternativer Währungen von Seiten des Staates.
3. Man muss den “Freiwirtschaftlern” insofern zugestehen, dass ihre Ideen bisher noch keine Chance auf Erprobung hatten, weil sie nirgendwo in größeren Maßstab eingeführt worden sind, anders als etwa beim Kommunismus, der mehrere Anläufe hatte. Dass ein paar Kommunen und Privatinitiativen das unter Widerstand versuchen, kann natürlich mit Recht immer als nicht ausschlaggebend betrachtet werden.
4. An der Stelle deckt es sich auch mit v. Hayeks Idee, dass das Geld selbst sich am Freien Markt bewähren muss, dass also Wettbewerb zwischen verschiedenen Währungen bestehen soll.
Insofern haben “Austrians” und “Freiwirtschaftler” – so unterschiedlich ihre Ansichten im Detail auch seien, immerhin eine gemeinsame Basis.
5. In der neoklassischen Volkswirtschaftslehre dagegen scheint das Thema Geld eher nebensächlich zu sein, was, wenn die obigen Weisheit stimmt und das Thema soviel Aufregung verursacht, natürlich unbefriedigend ist.
Einzig der Monetarismus stellt hier wohl eine Ausnahme dar. Scheint aber von liberalen Kreisen nach Friedman fallen gelassen worden zu sein…
Hohe Inflation gab es schon oft genug und nie wurde das als glückliche Fügung ob steigender Umlaufgeschwindigkeit gesehen. Allzu heftiger Schwund führt nach einer gewissen Zeit auch regelmäßig zu einer Parallelwährung, wie Zigaretten in der Nachkriegszeit oder die DM in Jugoslawien.
“… Leuchtet einem der Gedanke ein, so ist er enorm verführerisch. …”
Wem der Gedanke gar nicht einleuchtet, ist enorm verblödet bzw. unfähig zwischen öffentlichen und privaten Angelegenheiten korrekt zu unterscheiden, was im Altgriechischem als Idiotie bezeichnet wurde; bei einer konstruktiven Geldumlaufsicherung (historisch: Freigeld) handelt es sich schlicht und enfach um eine Fehlerkorrektur!
Mit freundlichem Gruß
Bernd van Straelen
Mich wundert ja immer wieder, was sich solche Trolle wie der gute “Bernd van Straelen” von ihren Ausfällen eigentlich versprechen.
Dass beim Leser ein Damaskus-Erlebnis eintritt? Dass er sich sagt: “Ja Mensch, wenn das so ist, dass die Freiwirte andere als entweder unaufgeklärt, doof oder verrückt bezeichnen, dann müssen sie wohl wirklich Recht haben!”? Dass andere Kommentatoren, überwältigt ob der beeindruckenden Wirkung herabsetzender Worte, keine Widerspruch mehr wagen?
Ich tippe ja auf Ersteres, wegen des religiösen Charakters. Option 2 würde ich aufgrund meiner Sandkastenerfahrungen, die mich zum ersten Mal mit dieser überzeugenden Art der Argumentation in Verbindung brachten, als eher unwahrscheinlich ansehen. Und die dritte Option erweist sich offensichtlich als wirkungslos.
Bliebe noch die Frage, warum ein Kommentator so heftig um seine Sperrung bettelt. Aber das ist allgemeinere Troll-Psychologie. Da auf diesem Blog alle Threads nach zwei Wochen automatisch geschlossen werden, dürfte auch der Versuch des “Herrn van Straelen” enden, mit viel “Bäh”s und “Du bist doof”s eine “Diskussion” auf Kindergartenniveau zu führen. Als Nur-Lese-Troll-Museum bleibt aber natürlich alles zugänglich.
Hallo Rayson,
Arroganz ist die Perrücke geistiger Kahlheit.
Lass doch einfach mal die Luft raus.
Die interlektuelle Hosentrompeterei ist peinlich, gelle!
Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz.
Scheint, als schickten die Freiwirte jetzt ihr letztes Aufgebot.