Diskriminierung oder Kristall?
Nicht erst seit dem AGG gibt es einen durch die veröffentlichte Meinung vorgeschriebenen Konsens, dass gruppenbezogene Diskriminierung, also die Unterscheidung nach bestimmten einem Kollektiv zugeordneten Merkmalen, von Übel sei und zu unterbleiben habe. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich zwar, dass dieser hehre Grundsätze durch anscheinend noch hehrere überlagert werden kann, denn NPD-Mitglieder und andere als "extrem rechts", also überhaupt "rechts", also "nicht links" einzuordnende Mitbürger z.B. *müssen* diskriminiert werden, und zwar bis in alle Aspekte privaten Lebens hinein, und irgendwie hat das alles auch mit Macht und Einkommen zu tun, denn der eklatante Männermangel bei Erziehern und Lehrern z.B. lockt offensichtlich keine Maus hinter dem Ofen hervor.
Hingegen ist es Anlass zu Empröung, wenn ein Schützenverein seinem schwulen Schützenkönig untersagt, mit seinem Lebensgefährten als "Königspaar" aufzutreten und stattdessen mit Berufung auf seine christliche Basis die Hinzunahme einer weiblichen Begleiterin einfordert. Und dass die Vorstände "deutscher" Aktiengesellschaften nur einen geringen Frauenanteil aufweisen, ebenfalls. Es dauert dann in der Regel nicht lange, bis jemand staatliches Eingreifen fordert, um den Diskriminierern Einhalt zu gebieten.
Das angestrebte gesamtgesellschaftliche Ideal soll somit verwirklicht werden, indem das ganze Land mit kleinen Prokrustesbetten vollgestellt wird. Diesem Ideal dient das Bild eines idiomorphen Kristalls als Vorbild: eine homogene Volksgemeinschaft, bei der die äußere Struktur sich in allen Bestandteilen wiederfindet. Die Gesellschaft soll nicht diskriminieren, also darf auch jede beliebige Teilmenge der Gesellschaft nicht diskriminieren. Männervereine müssen demzufolge Frauen aufnehmen, katholische Einrichtungen Muslime und Discos Greise.
Einem Liberalen wird dieser Weg widerstreben. Auch wenn er selbst nicht nur kein Bedürfnis hat, irgendjemanden aufgrund einer Zugehörigkeit zu einem Kollektiv zu diskriminieren, sondern als kaltherzige neoliberale Ausgabe auch erkannt hat, dass ein solches Verhalten ihn nur Geld kosten würde, so würde er sich doch immer zuerst dafür aussprechen, eine Vielfalt zuzulassen, in der jeder bei Bedarf seinen Platz findet, und darauf bauen, dass sich im Zusammenspiel des Entdeckungsverfahrens der vielen dezentralen Entscheidungen, wirtschaftlich auch "Markt" genannt, eine insgesamt diskriminierungsfreie Gesellschaft herausbildet. Wenn es also irgendwo einen Schützenverein gibt, in dem der Schützenkönig nur eine weibliche "Königin" haben darf, so gibt es vielleicht woanders einen, in dem das Paar immer aus zwei Männern bestehen *muss*. Oder zumindest eben doch darf. Und die Leute, die Freude an dieser Art Freizeitvergnügen haben, suchen sich dann den Verein aus, in dem sie sich am wohlsten fühlen. Aus Sicht der individuellen Freiheit sind solch vielfältige Angebote dem Einheitsbrei immer vorzuziehen. Selbst dann, wenn Schützenvereine überwiegend aus ewig gestrigen konservativen Knochen bestehen, an denen der Zug der Zeit vorbeigerauscht ist. Auch die haben ein Recht darauf, ihre Vorurteile unter sich auszuleben.
Ebenso die Frauenquote in Vorständen. Warum in wirklich jeder Aktiengesellschaft dieselbe Mindestquote gelten soll, erschließt sich dem unbefangenen Betrachter nicht. So lange noch so etwas wie freie Berufswahl herrscht, muss man damit rechnen, dass sich die Geschlechter auf Branchen unterschiedlich verteilen. Wenn man meint, dass alles irgendwo einer Gaußschen Verteilung folgt, folgt daraus noch lange nicht, dass es überall dieselbe Verteilung sein muss. Wo sich nur sehr wenige Frauen überhaupt für die Laufbahn einer Führungsnachwuchskraft entscheiden, ist natürlich auch die Wahrscheinlichkeit entsprechend geringer, dass es eine davon bis ganz nach oben schafft. Dienstleistungsbranchen wie z.B. Beratungsunternehmen, Banken oder Werbeagenturen sollten es wesentlich leichter haben, Frauen für die Spitze zu rekrutieren als Branchen wie Maschinenbau oder Bauindustrie. . Es gibt objektive Gründe, warum Frauen so wenig in den Vorständen vertreten sind. Würde man sie abbauen, wäre eine insgesamt höhere, aber sehr ungleiche Verteilung des Frauenanteils zu erwarten. Selbst als Freund von gesetzlichen Regelungen müsste man daher zu der Erkenntnis kommen, wie – sorry – hirnrissig eine Einheitsquote wäre.
Es ist eigentlich immer dasselbe, wenn staatliche Eingriffe durchgesetzt werden. Wir treffen dann auf alle uns bekannten Phänomene: Anmaßung von Wissen, Ausschaltung von Innovation, Einschränkung an Möglichkeiten, Uniformierung. Kurz: weniger Freiheit. Man sollte sensibel bleiben. Es sind immer die hehrsten Ziele, mit denen uns unsere Freiheit genommen wird.
bisher 37 Kommentare » Kommentare
Endlich mal wieder ein knackiger Beitrag in dem nicht rumgejammert wird, wie sehr alles den Bach runtergeht. Hab ich sehr vermisst.
Moment. Du vermischst da mehrere Ebenen.
Die Schützenvereine können so einen Stuss beschließen. Harte Kritik müssen sie dann eben aushalten. Aber: als Konsequenz sollte der Staat entsprechend reagieren und keine öffentlichen Gelder mehr bewilligen.
Bezogen auf Aufsichtsräte und Vorstände ist es in der Tat ein Eingriff in die Eigentumsverhältnisse, eine Quote vorzuschreiben. Es ist aber gerechtfertigt, da Gleichstellung nicht nur de jure auf dem Papier stehen soll.
Christian, in meiner Abteilung sind von 20 Mitarbeitern zwei Frauen, die eine ist Berufsanfängerin die andere arbeitet Teilzeit. Fändest du es gerecht wenn es auf der nächst höheren Hierarchiestufe eine Frauenquote von sagen wir 20% gäbe?
Es ist höchste Zeit, dass unter Deutschlands Brücken und in den Obdachlosenasylen eine Frauenquote eingeführt wird. Nur so kann die Diskriminierung wirksam bekämpft werden.
@Qualitätsredakteur: Und bei den Gefallenen und Mauertoten sieht es auch ganz schimm aus. Da ist Frauenquote unter 10%.
Das kingt jetzt zynischer als es gemeint ist.
@Christian: In Norwegen gibt es schon so eine Quote. Es hat sich eine Clique (positiv formuliert: ein Netzwerk) der sogenannten »Goldenen Röcke« gebildet, in dem sich einige wenige Karrierefrauen gegenseitig in die besten Aufsichtsratsposten helfen. Die Frauen in diesem Netzwerk haben bis zu neun Aufsichtsratsposten inne. Sie ziehen ihren Profit aus diesem Gesetz. Ich glaube aber nicht, dass der breiten Masse der Frauen dadurch geholfen wird.
Erst diese Ankündigung allgemein weniger zu schreiben und dann auch noch Beiträge verfassen, bei denen ich kaum widersprechen kann…langsam nehme ich das persönlich
Das allerdings: “darauf bauen, dass sich im Zusammenspiel des Entdeckungsverfahrens der vielen dezentralen Entscheidungen, wirtschaftlich auch “Markt” genannt, eine insgesamt diskriminierungsfreie Gesellschaft herausbildet.”
widerspricht allen Erfahrungen mit dem persönlich beobachteten Hirni Koeffizienten.
Eines fällt mir dann aber doch noch ein:
Die Ausnahme sollte dort sein, wo Vereine u.Ä. (keine politischen Parteien) staatliche Zuschüsse und Förderungen (nicht aber Steuerliche Vorteile) erhalten.
So etwas kann man meiner Ansicht nach von fast beliebigen Bedingungen (Mindest Standards) abhängig machen.
Welche das sein könnten, wäre eine politisch zu klärende Frage.
@1.
Nun übertreibe mal nicht.
@2.
Harte Kritik muss jeder aushalten können. Aber ich finde Leute, die die Privatangelegenheiten anderer Leute kritisieren, reichlich seltsam. Der Verein kann sich die Regeln geben, die er will, und alle können sich überlegen, ob sie da Mitglied sein wollen oder nicht. Das gilt für Schützenvereine ebenso wie für die römisch-katholische Kirche. Natürlich,
Was die Zuschüsse und die “Gleichstellung” betrifft: Auch da halte ich es nicht für sinnvoll, nach dem Kristallprinzip zu verfahren, wonach jede kleinste Einheit so aussehen muss, wie der Staat es als Ideal vorgibt.
@7.
Man muss das ganz nüchtern sehen: Die Vorstands- und Aufsichtsratsquote dient allein den Interessen von einigen ganz wenigen privilegierten Frauen, die sich an Fleischtöpfen bedienen wollen, die bisher vorwiegend in der Hand von wenigen privilegierten Männern sind, indem das Kriterium “Geschlecht” die vielschichtigen anderen Kriterien verdrängt, die bei der Berufung in ein solches Gremium angelegt werden.
@8.
Zwischen diesem und dem letzten Beitrag liegt eine Woche. Ich finde das relativ lang. Außerdem hatte ich das Thema schon im Kopf, als ich die “Erklärung” verfasste. Ich baue sozusagen das Lager ab…
Sehe ich anders. Ich finde, es gelingt im Allgemeinen sehr gut, wenn ich die Präferenzen der Menschen als gegeben hinnehme (was überzeugte Anti-Diskriminierungskämpfer oft eben nicht tun). Natürlich kann der Markt allein keine Vorurteile beseitigen. Aber er macht sie wenigstens teuer.
Wie oben geschrieben, halte ich das nicht für sinnvoll. Wenn denn solche Zuschüsse überhaupt notwendig sind, dann sollte man sie auch vergeben, wenn der Grund für sie vorliegt, statt sie an einen Strauß von Wohlverhaltensregeln zu knüpfen. Richtig ist aber natürlich, dass das eine politische Entscheidung ist.
Ach Rayson, dass Männer sich mehr für Maschinenbau interessieren als Frauen liegt doch nur an den Rollenbildern, die den Geschlechtern aufoktroyiert werden. Das ist ein blosses soziales Konstrukt, das durch ein neues ersetzt werden kann. Hat die Genderforschung mit wissenschaftlichen Methoden einwandfrei bewiesen.
Unterschiedliche Präferenzen? Pah! Die Menschen sind alle gleich, insbesondere die Geschlechter. Oder willst Du hier einen verstaubten Biologismus auspacken?
@Christian S.
) gehe ich mit der Auffassung konform, dass es mit “de jure” nicht getan ist, weil es gewachsene Sozialstrukturen gibt die dadurch nicht berührt werden. Als Liberaler melde ich dann aber dennoch erhebliche Zweifel daran an ob eine staatliche Quote für Vorstandsebenen diesem Ziel a) wirklich zuträglich und b) überhaupt gerechtfertigt ist.
Als Teilfeminist (sic
@dirk
Auch wenn ich weiß, dass du das satirisch meinst: Ich glaube die “Wahrheit” kann durchaus irgendwo zwischen den “anything goes”-Genderforschern und einem “naiven” Biologismus liegen.
@12.
*Hust* Sorry, musste den Staub erst wegwedeln…
Wie in Kommentar Nr. 11 geschrieben: Mir ist bekannt, dass andere die Präferenzen nicht als gegeben hinnehmen wollen. Aber es kommt hoffentlich keiner auf die Idee, die Schaffung neuer Menschen habe etwas mit Liberalismus zu tun.
@13.
Es ist m.E. völlig müßig, sich darüber zu streiten, welchen Anteil Gene, Hormone, Eltern, Umgebung etc. haben, wenn man nicht bereit ist, in eins davon entsprechend massiv einzugreifen.
Was man als Liberaler in der Regel nicht sein wird.
Auf dem Markt der politischen Meinungen hat sich eine Mehrheit gebildet, die Schützenvereinen schwule Könige und vielleicht, wer weiß das schon, die nächsten Wahlen werden es zeigen, Unternehmen eine Quote verordnen will. Das Liberale scheint nicht wettbewerbsfähig zu sein. So what, so isser, der Markt, der gepriesene.
Und ehrlich, der obige Text ändert an der Wettbewerbssituation gar nichts. Dafür ist er zu platt und vorhersagbar. Der hier aber auch, tröstet euch: http://www.sehnsuchtsort.de/?p=3084
@16.
Der angebliche “Markt der politischen Meinungen” hat leider nur den Nachteil, stets Einheitslösungen als Ergebnis zu zeigen. Ich hatte die leise Hoffnung, das im Beitrag entsprechend betont zu haben.
Und was die Geschmäcker angeht: Ja, die sind verschieden. Ich würde mich trotzdem freuen, wenn Kommentare auf Linkspam verzichten könnten. Wenigstens in der Fastenzeit.
@googlehupf
Das bestreite ich gar nicht. Die Beweislast liegt ja bei demjenigen, der staatliche Zwangsmaßnahmen einfordert. Deswegen wird von Genderseite auch jeglicher biologischer Einfluss bestritten und behauptet das Geschlecht sei ein reines soziales Konstrukt. Dafür gibt es aber mindestens so wenig evidenz wie für die rein biologistische Sicht (Im Gegenteil, ich sehe sie durch die Existenz von Transvestiten widerlegt).
Ob aber nun die Präferenzen sozial oder biologisch bestimmt sind (oder – um Himmelswillen – von keinem von beiden sondern einfach individuell “da sind”), ergibt sich daraus kein Argument für Staatshandeln, kein Argument für das Ändern der Präferenzen. Das hiesse ja gegen die Präferenzen ALLER Beteiligten zu handeln.
Darum also kann es nicht gehen.
Ich vernute ja stark, dass die Diskussion wieder in Richtung Frauenquote abdriftet, weil ihr aufmüpfigen Kommentatoren eh nie das tut, was ich euch sage.
Deswegen schnell mal vorbeugend: Ich weiß nicht, ob ich es je ins oberste Management geschafft hätte (wir reden hier allerdings nicht von DAX-Konzernen, sondern einer Nummer kleiner…). Sehr wahrscheinlich nicht, denn es schafft immer nur ein sehr kleiner Teil. Aber ich weiß, dass ich mich mal so ungefähr auf einem Fünftel der Strecke entschieden habe, es nicht zu versuchen. Bewusst, weil mir die Nachteile größer erschienen als die Vorteile. Selbst gesetzt den unwahrscheinlichen Fall, es wäre mir am Ende gelungen.
Ich vermute, dass sich sehr viele Frauen, die den Weg ähnlich weit gegangen sind, dann auch so entscheiden, weil sie – wie ich ebenfalls vermute – die Vor- und Nachteile eher so gewichten wie ich. Nicht jeder ist z.B. bereit, sein Privatleben völlig der Karriere zu opfern. Meiner Erfahrung nach Frauen deutlich weniger als Männer. Man könnte auch sagen, sie denken vorausschauender. Wäre jedenfalls meine mit Selbstlob verbundene Einschätzung.
Wer also mehr Frauen im Management haben will, muss dafür sorgen, dass sich ändert, was Management ist und welche Wege dahin gegangen werden müssen. Das geht schlecht in bestehenden Konzernen. Also braucht man eine Gründungskultur. Schlechte Karten, Deutschland.
Das Lumpenkommentariat macht mal wieder was es will.
Aber ich beende das schnell indem ich nochmal klarstelle, dass ich von der Quote nicht viel halte.
@Rayson
Das wird man korrekterweise nicht sein. Aber man darf m.E. auch nicht in die Falle tappen, das Momentane als Ergebnis einer rein liberalen Ordnung zu sehen (nicht, dass ich Dir das jetzt in den Mund lege – aber es ist ein Motiv was mir häufiger begegnet ist).
@dirk
Die Quote lehne ich wie gesagt ab. Die Frage ist aber ob man nicht durchaus aus liberaler Sicht einen Handlungsbedarf begründen könnte. Und “Handlungsbedarf” ist bei uns ja eben nicht automatisch “staatlicher Handlungsbedarf”.
@20.
Ich bin da mal wieder ganz hayekianisch: Das Momentane hat jedenfalls schon mal die Meriten, sich historisch durchgesetzt zu haben und ist daher nicht gering zu schätzen. Daraus folgt, dass willkürliches Herumbasteln eher nicht angesagt ist. Und als Liberaler wird man sein Augenmerk natürlich eher auf die Regeln und Begleitumstände werfen, als ein bestimmtes Ergebnis herbeizwingen zu wollen.
Will sagen: Wo Frauen wirklich durch allgemeine Regeln einseitig daran gehindert werden, den nächsten Karriereschritt zu tun, kann man vielleicht sinnvoll ansetzen. Ich sehe das nur nirgendwo.
Und wenn ich mich mal für eine Sekunde in virtuelle Koalitionsverhandlungen mit Christian S. begeben würde, wäre die Quote ein “No-Go”, aber man müsste dann wohl über Kinderbetreuung reden. Die ich, dass wir uns nicht falsch verstehen, auch nicht staatlich geregelt sehen möchte, aber man muss dem Sozi ja was anbieten
Werden die Schützenvereine aus dem Steuertopf gefördert? Wenn ja, haben sie natürlich den deutschen gesetzen zur Antidiskriminierung zu folgen. Wenn nicht, können sie diskriminieren wen sie wollen.
@ Christian S.
Bezogen auf Aufsichtsräte und Vorstände ist es in der Tat ein Eingriff in die Eigentumsverhältnisse, eine Quote vorzuschreiben. Es ist aber gerechtfertigt, da Gleichstellung nicht nur de jure auf dem Papier stehen soll.
Seit wann gibt es in Deutschland eine rechtliche Verpflichtung zur Gleichstellung? Im GG jedenfalls steht “Gleichberechtigung”, nicht “Gleichstellung”.
Im Übrigen frage ich mich, ob Du die Frauenquote auch in anderen Bereichen einführen willst, in der Armee z.B. oder dem Straßenbau. Vermutlich nicht…
Ach, so verdient man sich Meriten?
Dann brauche ich eine Armee.
@Rayson
Gerade die Kinderbetreuung ist ein Beispiel wie Bürger unterschiedlichster, oder auch ohne politische Ansichten, in Elterninitiativkinderläden soziale Aufgaben wesentlich besser bewerkstelligen als staatliche Einrichtungen.
Erstere werden letzteren deutlich bevorzugt, so man die Wahl hat.
Dieses Modell ließe sich durchaus auch auf das gesamte Bildungswesen ausdehnen, aber seltsamerweise stoppte hier die linke Begeisterung für Eigeninitiative. Vermutlich weil der Marsch durch die Institutionen erfolgreich abgeschlossen wurde und man zur Phase zwei überging – dem Ausbau der eroberten Institutionen. Auch bietet der auf viel Eigeninitiative ausgerichtete Ansatz der Kinderläden wenig Möglichkeiten zur Einführung von Prokrustesbetten, weil die meisten Eltern sehr individuelle Vorstellungen die Bedürfnisse ihrer Kinder betreffend haben.
Die Kindern in mir bekannten Einrichtungen können bspw. auf die Benutzung eines Bettes gänzlich verzichten, wenn ihre Leistungsbereitschaft eine Ermüdung gar nicht zulässt!
@ 12 Dirk
Werter Dirk,
…es waren einmal 2 kleine Jungs, die wünschten sich eine Puppe und einen Puppenbuggy zu
Weihnachten und der Weihnachtsmann tat wie ihm aufgetragen ward.
Die beiden kümmerten sich sehr gut um “Paula”.
Erzählten Geschichten, brachten zu Bett.
Kaum 4 Monate im Kindergarten, mit überdeutlicher Frauenquote in allen Altersklassen,
bedann für “Paula” der soziale Abstieg.
Sie wurde mit Farbe bemalt, an den Marterpfahl gebunden und aufs übelste gefoltert.
“Paulas” Buggy wurde der persönliche Rennwagen der beiden.
Soviel zu geschlechtlich determiniertem Verhalten!
@Tischler
nur zur Klarstellung. Ich bin kein Anhänger der Hypothese, dass das Geschlecht ein rein soziales Konstrukt sei. Im Gegenteil: Alleine die Tatsache, dass es Transvestiten gibt, also Leute, die ein anderes Geschlecht leben als Ihnen auferzogen wird/wurde, widerlegt diese Hypothese.
@Dirk: Du meinst, dass die Transvestiten einem von der Natur eingebauten Code folgen?
Ich verstehe die Beweisführung nicht. Wenn es ein soziales »Konstrukt« gibt, dass in der Jugend aufgebaut wird, dann kann dieses Konstrukt doch später trotzdem noch »umkonstruiert« werden.
Manche Menschen sind mit Anfang 20 fertig und ändern sich in dieser Hinsicht nicht mehr. Andere erfinden sich immer wieder neu (natürlich unter dem Einfluss ihrer Umgebung).
Wenn ich das richtig verstehe, hat ein treffsicherer schwuler Schütze in einem Verein des »Bundes der Historischen Katholischen Schützen-Bruderschaften« die Schützenkrone gewonnen.
Jetzt dürfte er offensichtlich eine beliebige Frau neben sich auf dem Thron haben, mit der er weder verheiratet noch verlobt ist, aber zu seinem festen männlichen Partner darf er sich nicht bekennen.
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mir kommen beide Alternativen nicht gerade »historisch-katholisch« vor. Wenn solche Vereine einen Schützenkönig haben wollen, der konform zum althergebrachten katholischen Glauben ist, dann sollen sie einfach nur in erster Ehe verheiratete oder offiziell verlobte Männer zum Schießen zulassen ;-)
@28:
Wenn sie nach dem letzten Amoklauf Schuetzenvereine verboten haetten, muessten wir dieses Problem heute nicht diskutieren.
Wenn das mal kein Argument fuer den Nanny-Staat ist, dann weiss ich auch nicht…
Nachtrag zu 29.: Wenn es sich nicht um einen Schuetzenverein handeln wuerde, sondern, sagen wir um einen Karnevalsverein, wuede die Sache auch nicht diskutiert.
Schuetzenverein ist so ein Relikt der Anpassungsverweigerer, das muss einfach suspekt sein.
@30: Ein traditioneller Karnevalsverein und ein traditioneller Schützenverein nehmen sich in dieser Beziehung wohl nicht viel ;-)
@24.
Es gibt ja viele Ansatzpunkte staatlicher Förderung.
@27.
Ich stehe dem Konstruktivismus-Zeugs ziemlich skeptisch gegenüber. Aber lass es mich mal so sagen: Wenn schon konstruiert wird, dann bitte möglichst unbewusst.
@28.
Ich habe null Bock, mich in die Gehirnwindungen der besagten Schützenbrüder hineinzudenken. Wenn sie als Begründung gewählt hätten, dass ihnen diese Regel vom heiligen Grmblfjx vorgeschrieben wurde, dann wäre das für mich nicht anders zu beurteilen. Die sollen halt ihren Scheiß machen, und was mich angeht, gerne auch alleine.
@Rayson
Verstehe ich nicht. Was für eine staatliche Förderung? Bei meinem Beispiel werden lediglich die Erzieher durch den Staat bezahlt, da ja die Einnahmen, in Form von Steuern, an denselben abgetreten werden müssen. Kein perfektes Modell, sicher, aber gemessen an den Vorraussetzungen und angesichts der Alternativen…Voucher täten es auch.
Und die vielen Vereine deren “Förderung” darin besteht, dass sie keine Steuern bezahlen (Gemeinnützigkeit), auf einen Gewinn den sie kaum machen, weil die Gier ihrer Mitglieder sie daran hindert, einen ausgeglichenen Haushalt hinzulegen, könnten sich noch einmal so richtig unabhängig und gesellschaftskritisch wie einst fühlen, als es gegen die Bevormundung durch den bismarckschen Obrigkeitsstaat ging.
Sollte diese “Förderung” endlich beendet werden (durch die EU bspw.). Dann wäre der Implementierung marktwirtschaftlicher Prinzipien vielleicht eine Schneise geschlagen, zugegeben, eine von mir unerwartete Entwicklung, die ich begrüßen würde – nach mehr einem Dutzend Jahrzehnten.
@33.
Ist doch cool.
Thema Schützenverein: Nachdem unsere Empörungsbeauftragten den Medien flächendeckend diesen “Skandal” gesteckt haben, finden sich nun endlich welche, für die “Toleranz” nicht nur eine leere Worthülse ist.
http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/schuetzen-erhalten-morddrohung-1.2752282
Ah, Realsatire ist immer wieder befreiend… der zitierte Text klingt wie ein Satire-Text der Hip Hop Band “Feinkost Paranoia” (als Erklaerung fuer die Leute, die di Band nicht kennen: Die haben ganz gerne mit dem Muslim-Kanacken-Stereotyp gespielt)… zum kaputtlachen
@27
Was auch immer Transvestiten bewegt, sie fügen sich nicht in die Rolle, die ihr – kauft man die Hypothse des Geschlechts als sozialem Konstrukt – auferlegt wird. Wenn Leute sich als Frauen fühlen, obwohl die Gesellschaft für sie die Männerrolle vorsah, kann die Hypothse nicht richtig sein. Es muss andere Einflussfaktoren geben als gesellschaftliche Erwartungshaltungen und Erziehungsmuster.