Menschenskinder!
Der "mitfühlende Liberalismus" konkretisiert sich, allerdings eher als "nacheilender Liberalismus", also einer, der mit rhetorischen Kunststückchen versucht, bei Forderungen von links "wir auch" zu rufen.
Wobei die Führung der FDP im Ländle ja noch auf die glorreiche Idee gekommen ist, den genialen Schachzug der SPD zu kopieren, die mal eine "freiwillige Wehrpflicht" erfand, denn der Mindestlohn, den die Südwest-"Liberalen" da wollen, soll nicht etwas Gesetz werden, sondern nur irgendwie "für die Politik bindend". Wer da an Pelze denkt, die zugleich gewaschen und trocken gehalten werden sollen, liegt vermutlich nicht falsch. Der konkrete Antrag scheint also eher ein Fall für das politische Kuriositätenkabinett zu werden.
Was aber erstaunen muss, ist die Rhetorik, derer man sich in angeblich liberalen Funktionärskreisen mittlerweile befleißigt.
„Wir müssen Politik stärker von den Menschen her erklären, nicht von einer Wirtschaftstheorie her“, sagte Kober. Mit dem Thema Mindestlohn, davon ist er überzeugt, werde man als Partei wieder ganz nahe ans Wahlvolk rücken. „Die Menschen haben ein sensibles Gespür dafür, dass es nicht sein kann, dass 1,5 Millionen Menschen unter fünf Euro in der Stunde verdienen.“
Der Schreiber dieser Zeilen weiß nicht, wie der Herr Kober die gedankliche Beschäftigung mit den Folgen eines Mindestlohns nennt, aber "Wirtschaftstheorie" wäre da vielleicht schon mal ein guter Anfang. Zumal in der Ökonomie überraschenderweise was Thema ist? Richtig, menschliches Handeln. Wer wie der gute Herr Kober hier also einen Gegensatz konstruiert, weiß entweder nicht, wovon er faselt, oder er beabsichtigt, die werte Zuhörerschaft übers Ohr zu hauen. Es ist jetzt schwer zu sagen, welche Erklärung die sympathischere wäre, aber dieser Blogger vermutet aufgrund der weiteren Ausführungen des FDP-WirtschaftsMenschenexperten eher letztere als zutreffend.
Denn nicht Hayek oder Dahrendorf sind nach Herrn Kober die Vorbilder des "mitfühlenden Liberalismus", sondern Morgensterns Palmström:
Weil«, so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf!«
Nun sind leider Aussagen darüber, was nicht sein soll, immer etwas unbefriedigend, wenn unklar bleibt, was stattdessen sein wird. Erklären wir das also mal vom Menschen her. Angenommen, Arbeitgeber G und Arbeitnehmer N vereinbaren einen Lohn unter fünf Euro. Jetzt wird ein Mindestlohn von acht Euro eingeführt. Dann gibt es zwei mögliche Anpassungen. Anpassung 1: G zahlt N drei Euro mehr. Anpassung 2: G verzichtet auf die Dienste von N. In beiden Fällen wäre der Palmström-Forderung genüge getan. Die spannende Frage ist jetzt, ob die Anpassung 2 irgendwo auf dem Radar des Herrn Kober aufgetaucht sein könnte, und wenn ja, warum er sie so locker-flockig akzeptiert. Es gibt nämlich gute Gründe anzunehmen, dass sie die häufigere sein wird.
Wie mitfühlend wäre das?
P.S.: Das Neusprech eines Herrn Kober hat übrigens in der FDP Vorläufer. Dazu und zu einer etwas näheren Auseinandersetzung mit dem Mindestlohn vgl.: http://www.bissige-liberale.net/2011/09/11/die-realitat-der-menschen/
P.P.S.: Die anderen im verlinkten Artikel der "Stuttgarter Nachrichten" behandelten Vorschläge finden die Zustimmung dieses Autors.
bisher 57 Kommentare » Kommentare
http://www3.fdp-bundesverband.de/webcom/show_article_start.php?wc_c=358&wc_id=627
(2008)
@1.
Ich hoffe mal, dass meine Änderungen in deinem Sinn sind. Ansonsten bitte protestieren!
dein Beispiel ist etwas arg simpel (in bester Tradition). erweitern wir es um Nebensätze. Anpassung 1: G zahlt N drei Euro mehr, und erwirtschaftet statt 20 nur noch 15 Prozent Mehrwert (Rendite); Anpassung 2: G verzichtet auf die Dienste von N, und hat keinen mehr, von dem er Mehrwert abschöpfen könnte – welches Szenario wird häufiger eintreten? erweitern wir es noch um die öfter anzutreffende Realität: 1G und nN. die nN sind in der ausgangssituation “aufstocker” – G sozialisiert also seine kosten auf kosten des Sozialstaates, privatisiert seine gewinne aber. selbst wenn in Anpassung 1 etwa 1/10 der nN aus dem wertschöpfungsprozess ausscheidet liegt imo der gesamtgesellschaftliche wohlfahrtszuwachs durch die masse an n höher als vorher, und darum geht es euch ja vorgeblich
Nun gut, Provinzpolitiker. Der will halt auch mal in einer Zeitung zitiert werden, weil er sich gerne reden hoert; Kubicki light. Morgen alles vergessen.
Der Niebel ist allerdings unertraeglich; der Mann ist ein wandelndes Politiker-Vorurteil. Es lohnt sich aus meiner Sicht schon, nicht FDP zu waehlen, einzig und alleine damit der Niebel in seinen verdienten Ruhestand entsorgt wird; waere mittelfristig wohl auch fuer die FDP besser, so ein reinigendes Gewitter.
Gruesse,
F.Alfonzo
@tomas: Was wenn von den 20 Prozent Rendite auch noch Abschreibungen und Kredite bezahlt werden müssen und das Unternehmen unter den neuen Bedingungen nicht mehr weiter geführt werden kann?
@ Robert: Mit Rendite ist vermutlich der Unternehmesgewinn gemeint, da steckt das schon drin.
Von der Rendite muss ein Unternehmer allerdings leben koennen, und das nach Steuern.
Das mag bei einem Fonds-Manager problemlos moeglich sein, ein Imbissbudenbesitzer koennte da aber ins Schleudern geraten.
Bloederweise beschaeftigen Fonds-Manager i.d.R. aber keine Leute, die auf einen Mindestlohn angewiesen waeren, Kleinunternehmer schon.
Anders, extrem formuliert: Den Dax-30-Unternehmen, die staatliche Umverteiler gerne ins Visier nehmen weil die Rendite zu hoch erscheint, wird der Mindestlohn egal sein. Die Arbeitslosigkeit entsteht dann eher bei hunderttausenden Kleinunternehmern, die sich statt zwei Mitarbeitern nur noch einen leisten koennen.
Beispiel: Die Deutsche Post AG hat sich sicherlich nicht aus humanitaeren Gruenden fuer einen Briefzusteller-Mindestlohn eingesetzt.
@3.
Ich kann keine “Erweiterung” der Beispiele erkennen, sondern nur engere Voraussetzungen.
Dass in den Branchen, in denen üblicherweise die geringen Stundenlöhne gezahlt werden, Renditen von 20% zu erwirtschaften wären, ist allerdings eine interessante Information, die du sicher anhand von Bilanzen oder ähnlichem untermauern kannst. Bliebe nur noch das Mirakel zu klären, warum sich so viele Leute diese Gelegenheit entgehen lassen, reich zu werden.
Was den geringen Anteil der “Aufstocker” betrifft, die bei geringen Löhnen Vollzeit arbeiten, so stellt sich da dieselbe Alternative: Wenn der Arbeitsplatz zum geringen Lohn nicht angeboten werden kann, fällt er weg. Nochmal: Wie mitfühlend ist das?
Mindestlöhne würden eigentlich fast nur den Dienstleistungssektor betreffen und dort dann eher die für das Inland erbrachten Dienstleistungen.
Das Resultat dürften eher Preiserhöhungen denn Entlassungen sein.
Natürlich gibt es dann weitergehende Effekte, da diese Preiserhöhungen teilweise zu weniger angeforderten Dienstleistungen führen würden, die höheren Löhne dürften dass aber teilweise über mehr Nachfrage andernorts wieder ausgleichen.
Die negativen Effekte dürften, wenn man sich die sonstigen Kostenfaktoren in DE ansieht, eher gering sein.
Da 5€ die Stunde in DE kaum dazu reichen dürften, selbständig für seinen Lebensunterhalt aufzukommen und die Anforderungen des Arbeitgebers zu erfüllen, wird eben jetzt das fehlende Geld vom Staat über komplexe und ineffiziente bürokratische Verfahren aufgebracht.
Das dürfte über die Steuern deutlich teurer als ein Mindestlohn kommen, da zusätzlich Bürokratie Kosten anfallen.
Ein Mindestlohn ist da die deutlich weniger dämliche Lösung.
D’accord.
Nee, das Resultat kann man jetzt schon beobachten: Es fuehrt zu einer Mischung aus Entlassungen (Malerbetrieb zu teuer, streich ich meine Wohnung selbst) und Schwarzarbeit (ich kenn da nen Schreiner, der dir billig ne Kueche nach Mass anfertigt, aber nur gegen Cash).
@8.
Das eine schließt das andere nicht aus. Und die Frage ist immer, inwieweit Preiserhöhungen im Wettbewerb durchsetzbar sind.
Diesen geheimnisvollen Mechanismus müsstest du mir mal erklären, denn das Geld für die höheren Löhne kommt nach deinem Modell doch von den Kunden und fällt als Nachfrage dann genau dort aus, wo du die Lohnerhöhungen so gerne am Wirken sehen würdest. Ce qu’on voit….
Eine mutige Behauptung, die sich auf was stützt?
Die Kritik ist berechtigt. Die Antwort darauf lautet “Bürgergeld”.
Das wage ich zu bezweifeln. Sowohl ökonomisch als auch aus liberaler Sicht. Letztere bezieht sich insbesondere darauf, dass etwa, worauf sich zwei Parteien geeinigt haben, verboten wird. Und das auch noch, ohne dass sich an den Voraussetzungen, die jeweils zum Vertragsabschluss führten, irgendetwas geändert hätte.
Ich meine insgesamt, nicht individuell bei einer bestimmten Person in einem bestimmten Job.
Natürlich würde soetwas zu Umstrukturierungen führen.
11 war zu F.Alfonzo.
@Alfonso: Mit ging es vor allem darum, zu zeigen, dass es neben Lohn und Gewinn noch andere Kostenbestandteile gibt. Wenn Abschreibungen und Fremdkapitalkosten nicht berücksichtig sind, kommt man nie und nimmer auf 20% Rendite.
@Mir:”die höheren Löhne dürften dass aber teilweise über mehr Nachfrage andernorts wieder ausgleichen.”
Das ist falsch, wenn die Preise von ihrem Gleichgewichtsniveau abweichen, führt das zu niedrigerem Einkommen und weniger Beschäftigung. Das gilt auch für Mindestlöhne und die damit verbundenen Effekte.
Mal grundsaetzlich: Was in Diskussionen wie diesen gerne uebersehen wird sind einfache Alternativen:
Ein Unternehmer muss nicht so lange Lohn zahlen, bis die Rendite weg ist, auch nicht so lange, bis er von der Rendite nicht mehr leben kann. Er kann ja auch schon vorher aufgeben und nen Job annehmen der ihm mehr bringt. Oder sein Geld in ein fremdes Geschaeft investieren, das ihm mehr bringt.
Und ein Arbeitsloser wird nicht zwangslaeufig einen Job annehmen fuer den die Ungleichung gilt: Stuetze + Freizeit < Nettogehalt + Selbsterfuellung
Sondern er kann auch schwarz arbeiten und gleichzeitig Stuetze kassieren.
Ich schaetze aber die Erkenntnis wird (wenn ueberhaupt) nur durch Trial & Error-Mechanismen bekannt werden, z.B. wenn nach Einfuehrung eines allgemeinen Mindestlohns von 10 Euro unter Rot-Rot-Gruen die Arbeitslosigkeit auf Kohl-Niveau steigt und die Staatseinnahmen gleichzeitig auf Weimarer Republik-Niveau sinken.
@Rayson
“Diesen geheimnisvollen Mechanismus müsstest du mir mal erklären, denn das Geld für die höheren Löhne kommt nach deinem Modell doch von den Kunden und fällt als Nachfrage dann genau dort aus, wo du die Lohnerhöhungen so gerne am Wirken sehen würdest. Ce qu’on voit….”
Es sind weniger Steuern nötig und einige haben mehr Geld als vorher, wodurch Nachfrage entsteht und die Dinge effizienter ablaufen.
“Eine mutige Behauptung, die sich auf was stützt?”
Die sonst deutlich höheren Löhne in DE, sowie Steuern und bürokratische Vorschriften.
“Die Kritik ist berechtigt. Die Antwort darauf lautet “Bürgergeld”.”
Etwas in die Richtung, Ja.
“Das wage ich zu bezweifeln. Sowohl ökonomisch als auch aus liberaler Sicht. Letztere bezieht sich insbesondere darauf, dass etwa, worauf sich zwei Parteien geeinigt haben, verboten wird. Und das auch noch, ohne dass sich an den Voraussetzungen, die jeweils zum Vertragsabschluss führten, irgendetwas geändert hätte.”
Der Staat verbietet und/oder regelt so ziemlich alles, was Wirtschaft angeht.
Toll finde ich das auch nicht, aber in diesem System einfach eine Gruppe zu benachteiligen während anderen der allerwerteste gepudert wird ist keine Lösung.
@Robert Michel
“Das ist falsch, wenn die Preise von ihrem Gleichgewichtsniveau abweichen, führt das zu niedrigerem Einkommen und weniger Beschäftigung. Das gilt auch für Mindestlöhne und die damit verbundenen Effekte.”
Also sollten wir alle Dinge möglich kompliziert machen und mit möglich viel Bürokratie belasten und bekommen dadurch einen Wirtschaftsboom ?
Vielleicht eine Lohnobergrenze von 5€ einführen, alle über den Staat, Steuern und Bürokratie wieder auf altes Lohnniveau heben und unser neues Utopia genießen ?
@ 11:
Dienstleistungssektor ist halt sehr allgemein, in diesem Sektor ist die ueberwiegende Mehrheit der Bevoelkerung beschaeftigt.
Nochmal: Ohne genaue Zahlen zu kennen, gehe ich mal davon aus, dass ein Mindestlohn, wie er zur Zeit im Gespraech ist (7 Euro oder so) ca. 90% der Arbeitnehmer im Dienstleistungssektor gar nicht betreffen wuerde, weil sie sowieso mehr verdienen.
In den Teilsektoren, in denen 5-Euro-Jobber beschaeftigt sind, ist halt dann die Frage, ob ein Unternehmer die hoeheren Kosten
1. auf die Kunden ueberwaelzen kann, oder
2. aus seinem Gewinn bezahlen kann
Annahme 1: Funktioniert nur dann halbwegs, wenn dieser Teilsektor etwas anbietet, was die Kunden nicht gut substituieren koennen (ich hatte das Handwerker-Beispiel gebracht; Baumaerkte boomen in Deutschland); denn nur dann koennen alle Anbieter gleichzeitig ihre Preise erhoehen ohne sich einem ruinoesen Wettbewerb auszusetzen. Ich bezweifele ernsthaft, dass es solche Gueter oder Dienstleistungen gibt, die nicht ohnehin unter staatlicher Kontrolle sind (Trinkwasser o.ae.)
Annahme 2: Hier kommt das zum Tragen, was Rayson schon beschrieben hat: Wenn ein Unternehmer in einer Branche soviel Geld machen kann, dass er problemlos den Lohn seiner Angestellten um 50%-100% erhoehen koennte, stellt sich halt die Frage, warum es in der Branche nicht mehr Konkurrenz und damit Preisdruck gibt. Sowas kann nur kurzfristig funktionieren fuer einen Unternehmer, der eine Nische entdeckt hat; mittelfristig bekommt er dann Konkurrenz.
@15.
Höchstens unter der Voraussetzung, dass die Beschäftigung konstant bleibt. Was sie aber eben nicht tut.
Außerdem ändert sich rein nachfragetechnisch nichts, wenn der Mindestlohn über höhere Preise statt über Steuern aufgebracht wird. Woher soll die neue Nachfrage auch kommen, ohne dass neuer Wohlstand geschaffen wird?
Sorry, aber das ist noch keine Erklärung.
Wer wird denn warum benachteiligt, und wem wird der Allerwerteste warum gepudert?
Ich muss mich korrigieren:
Natürlich hat Robert Michel recht: Ein Mindestlohn führt eher dazu, dass das gesamte Einkommen (und damit auch die Nachfrage) sinkt.
@19
Yep. Das gilt in allen unregulierten staatenlosen Marktwirtschaften dieser Erde wo solche theoretischen Konstrukte so simplifiziert Anwendbar sind.
Also genau Nirgendwo.
Zum Thema “Liberalismus und Mindestlöhne” hier mal drei provokante Ansätze… http://freizeichen.net/node/52
@21.
Lesenswert dort insbesondere der Kommentar eines sehr klugen Zeitgenossen dazu.
@20.
Unsinn. Das geschieht immer dann, wenn der Mindestlohn zu Arbeitslosigkeit führt. Also immer dann, wenn er wirkt.
@20: Oder ueberall dort, wo sich kein Mensch fuer Regulierung interessiert und Sanktionen nicht durchgesetzt werden. Das waere dann die Haelfte der Menschheit.
@Mir: Wenn du die auswirkungen des Mindestlohns lieber empirisch geklärt haben willst, da sieht es genauso finster für ihn aus wie in der reinen Theorie.
@18
“Höchstens unter der Voraussetzung, dass die Beschäftigung konstant bleibt. Was sie aber eben nicht tut.
Außerdem ändert sich rein nachfragetechnisch nichts, wenn der Mindestlohn über höhere Preise statt über Steuern aufgebracht wird. Woher soll die neue Nachfrage auch kommen, ohne dass neuer Wohlstand geschaffen wird?”
Ich habe auch nicht behauptet, dass es zu nennenswert mehr Jobs als vorher führt.
Es führt nur zu “nützlicheren” Jobs, da bürokratischer Aufwand weg fällt.
Der Rest gleicht sich lediglich aus.
“Sorry, aber das ist noch keine Erklärung.”
Doch, im Kontext der restlichen Diskussion schon.
“Wer wird denn warum benachteiligt, und wem wird der Allerwerteste warum gepudert?”
Es gibt für so ziemlich alle Jobs außerhalb des Niedriglohnbereiches staatliche Zugangsbeschränkungen welche die Konkurrenz beschränken, festgelegte Mindesthonorare, Ausschluss von ausländischer Konkurrenz, steuerliche und andere Subventionen, staatlich Begünstigte Vereinigungen bei Freiberuflern, Kündigungsschutz etc.
Warum ? Mehr gesellschaftlicher Einfluss der Betroffenen.
@25
“Wenn du die auswirkungen des Mindestlohns lieber empirisch geklärt haben willst, da sieht es genauso finster für ihn aus wie in der reinen Theorie.”
Ja, bitte. Im Gegensatz zu den Auswirkungen des jetzigen Systems von staatlicher Subventionierung über bürokratische Systeme inklusive des Effektes durch die höheren Steuern auf die sonstige Wirtschaft, wie es zur Zeit geregelt ist also.
Stell die Auswirkungen mal gegenüber und erklär mir warum es so besser ist, wie es ist.
“Es gibt für so ziemlich alle Jobs außerhalb des Niedriglohnbereiches staatliche Zugangsbeschränkungen welche die Konkurrenz beschränken, festgelegte Mindesthonorare, Ausschluss von ausländischer Konkurrenz, steuerliche und andere Subventionen, staatlich Begünstigte Vereinigungen bei Freiberuflern, Kündigungsschutz etc.
Warum ? Mehr gesellschaftlicher Einfluss der Betroffenen.”
Richtig, aber davon wird der Mindestlohn nicht besser.
@26.
Zunächst mal führt es zu weniger Jobs. Ob man diese dann für “nützlicher” erklärt und es dabei bewenden lässt, ist vielleicht eine Frage des Werturteils. Allerdings nicht meines.
Nö, auch da nicht
Einverstanden, da bin ich ganz bei dir. Aber die Antwort kann doch nicht sein, Unsinn auf möglichst viele Bereiche auszudehnen. Denkt irgendwann auch mal jemand an die Verbraucher?
@Rayson: Hehe.
Ich stehe insbesondere noch zu meiner folgenden Aussage in meinem Blogartikel: “Ein allgemein gültiger Mindestlohn ist ja in erster Linie ein Verbot. Nämlich das Verbot, dass sich zwei Menschen frei zu einem Tausch von Geld gegen Arbeit zu einem geringeren Stundenlohn als X entschliessen.”
Und dementsprechend kann ein allgemeiner Mindestlohn eben nie und nimmer als “liberal” verkauft werden.
@30.
Ich halte diesen analytischen Unterschied für sehr wichtig. Die ökonomische Betrachtung ist eben nicht zwingend deckungsgleich mit der liberalen, obwohl wir das in den meisten Fällen so gewohnt sind. Meines Erachtens auch beim Mindestlohn, aber selbst wenn man als Ökonom zu anderen Erkenntnissen käme, bliebe das liberale Argument bestehen.
Auch deswegen nutze ich wieder mal die Gelegenheit, Statlers “Wir Rückenmarksliberale” zu empfehlen. Ich weiß, mit welcher Intention dieser Beitrag geschrieben wurde (er fällt nicht zufällig in die Zeit kurz vor seinem Ausstieg aus der Blogosphäre), aber er hat m.E. auch eine darüber hinaus gehende Bedeutung.
@26
“Zunächst mal führt es zu weniger Jobs. Ob man diese dann für “nützlicher” erklärt und es dabei bewenden lässt, ist vielleicht eine Frage des Werturteils. Allerdings nicht meines.”
Wenn Bürokratie nicht notwendig ist, sollte man sie nicht künstlich schaffen.
Hunderttausend/e Menschen die sich mit Aufstockern, X Sonderleistungen, deren Bewilligung, Prüfung, Verteilung etc. beschäftigen sind keine gute Sache und da es Alternativen gibt nur eine teurere Form von ABM.
Klar fallen da Jobs weg, aber generell führt mehr Effizienz fast immer zu insgesamt besseren Resultaten für alle.
“Einverstanden, da bin ich ganz bei dir. Aber die Antwort kann doch nicht sein, Unsinn auf möglichst viele Bereiche auszudehnen. Denkt irgendwann auch mal jemand an die Verbraucher?”
Gleicher Unsinn für alle, es lebe die Revolution
Wenn man so ziemlich alle irgendwie bevorteilt ist eine nicht Bevorteilung einer Gruppe eine Benachteiligung.
Klar wäre es besser, wenn man es insgesamt anders gestalten würde, aber ich denke eher nicht, dass das möglich ist, aktuell jedenfalls geht es nur um Mindestlohn oder nicht.
“Nö, auch da nicht ”
Doch. Gute Nacht
@32.
Ich glaube nicht, dass sich mehr Menschen mit der Problematik von Aufstockern unterhalb des Mindestlohns beschäftigen als davon überhaupt betroffen sind. “Aufstocken” heißt übrigens in der Regel nicht, dass Vollarbeitskräfte ALG II beantragen müssen, sondern meist, dass ALG-II-Bezieher sich etwas hinzuverdienen.
Du vergisst die Schnittmengen.
Warum?
Gute Nacht.
Oh mein Gott,
Ist denjenigen die hier für einen Politisch bestimmten von einer Rwegierung festgesetzten Mindestlohn sind auf gefallen, dass es in Deutschland durch aus schon ehedem sehr wirkungsvolle Mittel gab sich gegen eine “Ausbeutung” der niedrig Verdiehnenden gegen den ihn ausbeutenden Arbeitgeber zustemmen.
Und schon erkannt welche Institution dafür eigentlich vorgesehen sind und ihre Arbeit nicht vernünftig nach kommen?
Und? Und?
Na ich lös es mal auf. Da sind die Gewerkschaften gefragt.
Na wenn Verdi und diese Quatschköppe sich zu fein dafür sind Arbeitnehmer zuvertreten, da kann man nichts machen außer neue Gewerkschaften gründen die auch wirklich sich für ihre Mitglieder interessieren.
Naja denkt doch mal darüber nach warum die Gewerkschaften im Niedriglohnbereich so kläglich versagen, so dass sie sogar die Unterstützung der jetzigen Regierung mit ihrem Entwurf zum Mindestlohn unterstützt werden müssen.
Denkt mal darüber nach, ob nicht eine Reform deer Gewerkschaftslandschaft die lösung wäre und nicht ein Arbeitsplatz vernichtender Mindestlohn.
Der Antrag kommt ja glücklicherweise nur von ein paar einzelnen Vorstandsmitgliedern, und nicht vom gesamten Vorstand der Bawü-FDP. Dass das Beschlusslage der Partei wird, halte ich für noch längst nicht ausgemacht.
Ich verstehe gar nicht, wo das Problem liegt. Rayson, Du bist doch der Pragmatiker?
Der Mindestlohn kommt sicher. Spätestens nach der nächsten Bundestagswahl. Da ist es doch besser und ein “Erfolg” für die FDP ihn jetzt umzusetzen und “das Schlimmste zu verhindern”.
von der Leyen sagte schon vor Monaten “Ich streite nicht darüber, ob wir Mindestlöhne brauchen. Das wird ohnehin kommen.” (http://www.tagesspiegel.de/politik/ursula-von-der-leyen-ich-will-keinen-zentralistischen-superstaat-seite-3/4656758-3.html)
Von den drei Projekten Mindestlohn, Frauenquote und Eurobonds, deren “Lieferung” ich noch vor der nächsten Bundestagswahl erwarte, ist Mindestlohn das wahrscheinlichste.
Oder überrascht es Dich wirklich, dass diese “Ausbeutungstheorien” auch in der FDP vertreten werden?
Ich entschuldige mich für den sarkastischen Ton. Und danke, dass Du neulich drüben bei Zettel auf diesen ärgerlichen Beitrag (‘danielphoffmann’) eingegangen bist.
@Mir: “Wenn man so ziemlich alle irgendwie bevorteilt ist eine nicht Bevorteilung einer Gruppe eine Benachteiligung.”
Nein weil die nicht Bevorteilten auch in sich eine heterogene Gruppe sind. Wenn man einige von denen bevorteilt, geht das vor allen zu Lasten von anderen in der selben Gruppe.
@ 36:
Ja, auf diesen Punkt kann man die aktuelle FDP-Politik bringen: Selbstmord aus Angst vor dem Tod.
@36.
Ich schrieb ja, dass mich vor allem die Rhetorik ärgert.
Aber auch als Pragmatiker muss man nicht jeden Mist begrüßen, zumal wenn man der Meinung ist, dass er sich kontraproduktiv auswirken würde.
arbeitslosigkeit durch mindestlöhne kann ja nicht auch nur dort entstehen, wo nachfrage wegfällt weil produkte teurer werden müssen, sondern weil falsche preise (verdienst) eine nachfrage nach arbeitskräften vorgaukelt, die gar nicht vorhanden ist.
ich kann mir gut vorstellen, daß die 16jährige realschülerin, die jetzt auf die ausbildung zur friseurin verzichtet weil sie mehr verdienen will, in zukunft bei höherem zu erwartendem verdienst die lehre anfängt, die eher ihrer altersgerechten neigung, nämlich frisieren und kosmetik, entspricht.
das könnte bei fachkräftemangel in anderen branchen auch eine verschwendung von wichtigen ressourcen darstellen.
@33
“Ich glaube nicht, dass sich mehr Menschen mit der Problematik von Aufstockern unterhalb des Mindestlohns beschäftigen als davon überhaupt betroffen sind. “Aufstocken” heißt übrigens in der Regel nicht, dass Vollarbeitskräfte ALG II beantragen müssen, sondern meist, dass ALG-II-Bezieher sich etwas hinzuverdienen.”
Es war ja auch nicht nur von Aufstockern die Rede.
“Du vergisst die Schnittmengen.”
Nein. Eigentlich haben die meisten Berufe die gut bezahlt werden irgendwelche vom Staat verursachten Vorteile die Konkurrenz eindämmen oder ein gewisses Einkommen garantieren. Dass da einige mehrfach betroffen sind ändert daran ja nichts.
“Warum?”
Ich meine in der Politik.
Dass die ganzen Begünstigungen und Ungleichbehandlungen abgebaut werden ist ja eher nicht zu erwarten, ein Mindestlohn schon.
@30/Daniel:
“Nämlich das Verbot, dass sich zwei Menschen frei zu einem Tausch von Geld gegen Arbeit zu einem geringeren Stundenlohn als X entschliessen.”
Die entscheidende Frage dabei ist, wie frei der Vertragspartner, der seine Arbeitskraft “verkauft”, dabei wirklich ist. Ein Empfänger von Leistungen nach dem SGB II (d.h. Arbeitslosengeld II, vulgo “Hartz IV”), ist in diesem Sinne gerade NICHT frei; er hat in einem gewissen Rahmen, den ich zu faul bin, jetzt zu zitieren, zumutbare Arbeitsangebote anzunehmen. Darunter fallen auch solche mit einer Entlohnung, die unter dem ALG II-Satz liegt. Damit ist er dann ein “Aufstocker”.
Und das halte ich für die eigentliche Crux bei der ganzen Diskussion: diese “Freiheit” ist die Freiheit, unter Brücken zu schlafen und zu hungern. Wirklich frei im Sinne der ökonomischen Modelle wäre man erst, wenn der Lebensunterhalt abgesichert wäre. Erst dann kann man wirklich frei entscheiden, ob man eine Arbeit ablehnen oder annehmen möchte.
@42.
Wie Hayek schon sagte: Der Soldat, der in der Regel ja weder von Obdachlosigkeit noch von Hunger bedroht ist, ist nicht frei. Der Landstreicher hingegen ist es.
Man sollte “Freiheit” nicht als “Mindestausstattung an Ressourcen” übersetzen. Das sind zwei Paar Schuhe.
Freiheit ist die Abwesenheit von Zwang. Niemand wird gezwungen, eine Arbeit anzunehmen. Wer allerdings Geld von anderen zur Sicherung des eigenen Lebensunterhalts einfordert, von dem wird eben eine zumutbare Gegenleistung in Form von Arbeit erwartet. Die meisten Menschen, mich eingeschlossen, halten das für fair.
Da die Bedürfnisse unendlich sind und die Ressourcen begrenzt, wäre eine als materielle Sorglosigkeit umdefinierte “Freiheit” ein reichlich sinnloses Konzept.
Klar: Abwesenheit von Zwang ist nicht alles. Aber für einen Liberalen eben das wichtigste.
Irgendwie kommt bei diesen Diskussionen nichts Neues hinzu (vielleicht dies?). Der Zwang für Hartz-IVler eine prekäre Beschäftigung anzunehmen, und ggf. bei Weigerung die Streichung der Staatsknete und damit Verhungern zu riskieren, ist schwerwiegender als z.B. der Zwang der auf Reiche ausgeübt wird wenn er/sie sich weigert Steuern zu zahlen.
@44.
Selbst bei Streichung verhungert keiner. Geh mir weg mit den Ammenmärchen.
@45
Natürlich geht niemand so weit, das ändert nur nichts an der Zwangslage der Bedürftigen, die weit größer ist als die der Reichen. Im Grunde geht es um zwei Sorten von Zwang: den systemimmanenten Zwang im real existierenden Kapitalismus (besonders spürbar für die an den Rand gedrängten) und dem in Gesetzestexten expliziten Zwang. Du scheinst dich nur für letzteren zu interessieren, als ob für einen Liberalen nur dies das wichtigste wäre.
@46.
“Systemimmanent”? Sorry, aber das ist wieder ganz gewaltiger Quatsch. Dass Menschen selbst etwas zu ihrem Lebensunterhalt beitragen, ist nicht kapitalistisch, sondern fällt unter die Rubrik “wirtschaften”. Erst der Reichtum, den der Kapitalismus ermöglicht hat, verführt Menschen dazu anzunehmen, es könne so etwas wie ein Recht auf Faulheit geben. Wenn etwas “systemimmanent” ist, dann diese Illusion.
Die Überzeugung, dass niemand die Verantwortung für seln Leben übernehmen muss, ist keine liberale.
Mit “systemimmanent” (ok, unglückliche Wortwahl) war auch die extreme Einkommensverteilung aufgrund marktwirtschaftlicher Mechanismen gemeint (daher auch der Link auf das Dieterich Interview). Und wo habe ich vom Recht auf Faulheit gesprochen?
@48.
Bei welchem Gini-Koeffizient würdest du die Einkommensverteilung nicht für extrem halten?
Zumutbare Arbeit ablehnen zu können, impliziert ein Recht auf Faulheit.
Ok, da haben dann nur noch die winzige Aufgabe eine Definition zu finden was “zumutbar” heißt.
Aber egal, solange mir mein Recht rational zu handeln (unter den gegebenen Umständen) nicht streitig gemacht wird ….
@50.
Wahrscheinlich liegt die auseinander. Deswegen kann sowas auch nur demokratisch entschieden werden, so unvollkommen das Verfahren auch ist.
Das Recht, rational zu handeln, nehme ich für mich übrigens auch in Anspruch. Dazu ein kleiner Hinweis:
http://gregmankiw.blogspot.com/2012/01/de-gustibus-non-est-taxandum.html
Das bedeutet dies konkret?
Siehe Link.
Das ist keine Antwort. Und überhaupt: vier mögliche Werte für die Einschätzung ob die 18-jährigen stinkreich werden wollen auf der einen Seite und eine Spreizung der Einkommen um den Faktor eine Million (global gesehen) auf der anderen Seite sagt wirklich gar nichts aus über das Thema Umverteilung. Noch dazu Leute befragen die auf Eliteunis gehen werden … sehr witzig. Mister Caplan tut gut daran das Gesagte mit dem letzten Satz zu relativieren.
@54.
Ich sag’s mal so: Ich steuere das Maß, zu dem ich mein Einkommen umverteilt sehen möchte, mit meiner Arbeitszeit.
Statt wie ein Blöder für mehr Umsatz zu blockern, der mir dann doch zu einem hohen Prozentsatz weggesteuert werden würde, genieße ich lieber meine Freizeit.
Das ist ok. Ich würde dir nie diese Freiheit nehmen wollen.
Wäre ja noch schöner, schließlich geht dich das auch überhaupt nichts an.