Woran Sie erkennen, dass ihr Kind ein Erzkapitalist ist
Bei der "Welt" erschien in deren Satire-Rubrik "Glasauge" im Jahr 2008 eine dieser witzigen Listen, diesmal mit dem Thema "So merken Sie, dass Ihr Kind linksextrem ist" (HT: Heute getwittert von Christian S.)
Da wollte dieser Autor nicht zurückstehen, und es entstand die – so muss man das an dieser Stelle wohl immer sagen – ultimative Liste, woran Sie erkennen, dass Ihr Kind ein Erzkapitalist ist:
- Ihr Kind teilt seine Süßigkeiten nicht, sondern versteigert sie.
- Ihr Kind reibt sich die Hände, wenn im Fernsehen von fallenden Kursen die Rede ist.
- Ihr Kind will immer nur die Geschichte von König Rothbard hören.
- Ihr Kind versucht herauszufinden, wer John Galt ist.
- Ihr Kind will zu Weihnachten immer nur Spekulantius.
- Ihr Kind kennt das Wort "Dividende", bevor es bruchrechnen kann.
- Ihr Kind geht besonders gern zu Partys der Nachbarkinder, wenn dort Tee ausgeschenkt wird.
- Ihr Kind spielt nicht selbst im Sandkasten, sondern lässt dort spielen und stellt nur die Schaufeln gegen Süßigkeiten zur Verfügung.
- Das einzige Haustier, das ihr Kind akzeptiert, ist ein Goldhamster.
- Ihre Ermahnungen werden von ihrem Kind als Anmaßung von Wissen abgetan.
- Der Lieblingscomedian ihres Kindes ist Markus Maria Profitlich.
- Ihr Kind gewinnt immer beim Monopoly.
- Ihr Kind versteht bei Hallervordens berühmtem Sketch immer nur "Palin, Palin!"
- Ihr Kind schmeißt jedes Jahr die 5% der Spielsachen weg, mit denen es im vergangenen Jahr am wenigsten gespielt hat.
- Ihr Kind fordert von ihnen stets mehr Deregulierung.
- Der beste Freund ihres Kindes ist ein Chinese, der ihm hilft, bei World of Warcraft den nächsten Level zu schaffen.
- Ihr Kind hat heimlich ihre Flatrate auf Minutenentgelt umgestellt, weil das verursachergerechter ist.
- Ihr Kind lehnt die kostenlose Herausgabe seiner Zeichnungen mit Hinweis auf das Urheberrecht ab.
- Wenn das Taschengeld alle ist, fordert ihr Kind einen Rettungsfonds. weil sonst die heimischen Bäckereien in ihrer Existenz bedroht wären.
Der Ehrgeiz dieses Bloggers war, auch die 19 zu schaffen. Aber dabei muss es ja nicht bleiben. Vielleicht fällt dem einen oder anderen Leser ja noch etwas ein?

bisher 39 Kommentare » Kommentare
20. Die Kindergartengruppe Ihres Kindes gewinnt 2 Jahre in Folge das Börsenspiel der heimischen Sparkasse.
“Ihre Ermahnungen werden von ihrem Kind als Anmaßung von Wissen abgetan.”
Haha, das ist mein Liebling.
Bah, so ein Kind würde ich verkaufen!
#10 und #12 kommen mir aus der Praxis als Vater sehr bekannt vor.
@Torsten: Das ist vermutlich keine Kunst, die Kinder kennen ja die Fehler der »Profis« noch gar nicht ;-)
21. Das Taschengeld Ihres Kindes setzt sich aus Fixum und Bonus zusammen
22. Ihr Kind verbrieft die Sandburgen der Kindergartengruppen
23. Ihr Kind weint bitterlich, weil es beim Sport mit Balph Eubank und Ellsworth Toohey in eine Mannschaft gewählt wurde
@Torsten
Sehr gut
@Dagny
zu 21.: Das wäre doch wohl eher ein Zeichen, dass die Eltern Erzkapitalisten sind, oder?
22. ist aber klasse! Und 23. verstehe ich nicht
24. Ihr Kind verweigert standhaft die Mülltrennung: »Ich habe gelesen, Maschinen können das besser«.
Doch, Rayson, es stimmt: Wenn das Kind die Regelung nach #21 eingefordert hat.
15 und 18 widersprechen sich zumindest was das Urheberrecht angeht.
Ich tendiere dann klar für 15.
@David
Ich hoffe, du beachtest aber, wenn das Kind weiblich sein sollte, mindestens die Gebote von 2. Mose 21,7 ff.
@stefanolix (9.)
Dann muss man es aber so schreiben
@Torsten W.
Für Erzkapitalisten besteht da kein Widerspruch.
#15 trifft eigentlich für alle Kinder zu. Ich kenne kein Kind, das mehr Regulierung im Kinderzimmer fordert ;-)
@ 13.
Stimmt. Aber auch hier kommt es auf die Wortwahl an
25. Ihr Kind möchte einen Teil seines Taschengeldes in verzinste Elternanleihen investieren.
Ihr Kind versucht seinem senilem Opa einen überteuerten Immobilienkredit anzudrehen, bündelt diesen in einen Kredit Default Swap und verkauft an das Nachbarskind.
Das Nachbarskind wird dann Nr. 19 in Kraft setzen wenn der Kredit platzt.
Ihr Kind fordert einen Nachweis der Aktienmehrheit, welche die Elternfraktion dazu berechtige, die Geschicke der Familie zu lenken…
Das Lieblingsspiel Ihres Kindes ist das Ponzi-Spiel.
Die 10 ist auch klar mein Liebling.
Ihr Kind ist nicht auf Facebook, sondern auf XING.
#25 ist toll, aber die #10 ist natürlich der Winner.
26. Ihr Kind lehnt das Taschengeld empört als Angriff auf seine Integrität ab.
Wie wäre es mit “Wie erkennt man ob ein Kind ein Liberaler ist?” Würde doch auch besser zum Blog passen oder?
Ihr Kind mag Schnitzel und Pommes, lässt aber regelmäßig das gesunde Gemüse auf dem Teller liegen und hofft dabei auf Marktbereinigung.
Auf ihre Frage, wer denn die Unordnung in der Wohnung veranstaltet hat, verweist ihr Kind auf das wirken der “unsichtbaren Hand”.
@Rayson
Wenn das Kind John Galt sucht, wird es über diese beiden Erzschurken aus Atlas Shrugged und The Fountainhead stolpern.
“Ihrem Kind wird im Sandkasten regelmäßig von den linksextremen Kindern das Spielzeug geklaut.”
ihr kind schreit nach einer starken elternhand, aber nur wenn ihm regelmäßig von den linksextremen kindern das spielzeug im sandkasten geklaut wird, wenn es selbst aneignet verbietet es die regulierung
Die Nachbarskinder zertrümmern die Ipods ihrer Eltern auf der Suche nach verwertbaren Metallen und tauschen sie bei ihrem Kind gegen Gummibärchen ein.
“19. Sie haben den Klarnamen Ihres Kindes erst durch die Birthler-Behörde erfahren.”
Kann man aber schwer toppen.
“Ihr Kind lehnt die kostenlose Herausgabe seiner Zeichnungen mit Hinweis auf das Urheberrecht ab.”
Was hat das mit Erzkapitalist zu tun? Staatliche Monopole auf Ideen sind keineswegs liberal (zumindest besteht da kein liberaler Konsens).
Genausogut könnte man schreiben:
“XYZ lehnt Abtreibungen mit Hinweis auf ein Recht auf Leben ab”
Ja, aber liberale Kapitalisten sind auch doofe Kapitalisten (Anwesende wie immer ausgenommen).
Wenn andere Kinder was angestellt haben, zeigen sie auf ihr Kind und sagen “aber der/die wars”.
Ich tendiere zu 32 von Googlehupf. Ich glaube bessers findet sich nicht
Zu viel der Ehre. Die 10 bleibt auch weiterhin der beste Beitrag.
Ihr Kind findet Vaduz, Zürich und die Kanalinseln viel cooler als Paris oder Berlin.
Ja, und Kapitalisten sind ja sowieso böse, ne?!
Habe den Beitrag wunschgemäß angepasst. Wäre nett, wenn du dich mit einer echten E-Mail-Adresse revanchieren könntest. R.
Die Rubrik des Blogbeitrags muss ich dir aber nicht erklären, oder? Wie die Satire in der “Welt” spielt auch der mit gängigen Klischees, und wenn man dazwischen auch mal etwas Selbstironie erkennt, liegt man wohl nicht ganz falsch.
Sowas unterscheidet schließlich den verbohrten Ideologen von den etwas entspannteren Gemütern.
@Rayson:
“Die Rubrik des Blogbeitrags muss ich dir aber nicht erklären, oder? Wie die Satire in der “Welt” spielt auch der mit gängigen Klischees, und wenn man dazwischen auch mal etwas Selbstironie erkennt, liegt man wohl nicht ganz falsch.”
Irgendwie scheint meine Aussage bei dir falsch angekommen zu sein. Ich habe die Aussage von David bloß erweitert…
@38.
Kann gut sein.