Märchenstunde
Ein Märchen wird gerne immer wieder erzählt: An der Finanzkrise sei die ungeheure Deregulierung schuld, mithin ein Phänomen, dass nur von denen entdeckt wird, die es ablehnen, und das von ihnen "Neoliberalismus" genannt wird.
Bei SPON darf jetzt ein Onkel dieses Märchen noch etwas ausschmücken.
Dann kamen Ronald Regaen und Margaret Thatcher. Der US-Präsident und die britische Premierministerin orientierten ihre Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik stark an einer besonders konsequenten Spielart des Neoliberalismus. Sie assoziierten den Begriff fast ausschließlich mit einem schlanken Staat und einem möglichst freien Markt. Grundlage waren die Konzepte von Milton Friedman oder Friedrich August von Hayek, die staatliche Eingriffe selbst in Konjunkturkrisen ablehnen.
Und warum machte man das? Weil irgendwo dieses Konzept vom Himmel fiel und die Geister dieser Menschen verseuchte? Der angebliche "Neoliberalismus" ist selbst nur eine Negation eines anderen Modells. Eines Modells, das seit dem Ende des 2. Weltkriegs die Wirtschaftspolitik der westlichen Industrieländer dominierte (mit etwas Verspätung dank der Großen Koalition dann auch die deutsche): der Keynesianismus. Der Keynesianismus, wie er von der Politik aufgegriffen wurde, war eine Illusion der Gestaltbarkeit von Wirtschaft, eine Art Sozialismus light. Nicht umsonst waren in diesen Jahren Theorien von einer Annäherung der Systeme von Ost und West en vogue. Der politische Keynesianismus besagte, dass der Staat in einer Rezession durch Erhöhung seiner Ausgaben und Inkaufnahme von Defiziten die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, deren zu geringe Dimension als Ursache der Rezession galt, "ankurbeln" müsse. Zwar sah die Theorie selbst in ihrer vulgärsten Version vor, dass im Aufschwung dann das Gegenteil erfolgen sollte, aber nicht ganz zu Unrecht stellte die Politik fest, dass es einem nie gut genug gehen könne und die nächste Rezession ja schon unmittelbar bevorstünde. Auch wurde die sozusagen von höchster Stelle festgestellte segensreiche Wirkung von Defiziten dazu genutzt, die Staatstätigkeit sonst kräftig auszuweiten, soziale Wohltaten zu verteilen und Jobs im Öffentlichen Dienst zu schaffen. Am besten würde das begleitet von einer expansiven Geldpolitik, denn durch ein wenig Inflation könnte es gelingen, die Reallohnentwicklung auf das gewünschte Maß zu dämpfen und somit die Arbeitslosigkeit klein zu halten. Sinnbildlich für diese Politik stand die sogenannte "Phillips-Kurve", die vom Weltökonomen Helmut Schmidt so übersetzt wurde, dass ihm 5% Inflation lieber seien als 5% Arbeitslosigkeit. Dass er schließlich dann von beidem mehr bekam ("Stagflation"), leitete den Paradigmenwechsel ein. Man sah davon ab, bei jedem ökonomischen Problem sofort das Antibiotikum "Konjunkturprogramm" zu verabreichen, und die Geldpolitik wurde restriktiver. Um die inzwischen gewachsenen Defizite in den Griff zu bekommen und mehr wirtschaftliche Dynamik zu entfachen, zog sich der Staat aus zahlreichen Wirtschaftsaktivitäten zurück.
Einschub: Vielleicht sollte man den Piraten mal vor Augen führen, auf welch hohem Niveau sie dank der Privatisierung der Telekommunikationssparte der Deutschen Bundespost über fehlende Freiheit im Netz jammern dürfen. Der Schreiber dieser Zeilen kennt noch Tage, an denen es eine Straftat war, ein in anderen Staaten dieser Welt handelsübliches Telefon oder Modem ans Netz anzuschließen. Grund: Es sollten die Produkte des Hoflieferants dieses Staatsunternehmens, ein Unternehmen mit Sitz in Bayern und traditionell guten politischen Beziehungen, verkauft werden, die leider in der Regel technisch veraltet waren und deren Preis hinten eine Null zuviel auswies, und zwar noch vor dem Komma.
Die Zurücknahme des Staates war also mehr eine Reaktion auf seine vorherige Ausdehnung. Netto aber blieb es im Großen und Ganzen bei einer Zunahme der Staatsaktivität.
Seit Mitte der achtziger Jahre ergriff dieser "Freiheit über alles"-Gedanke mehr und mehr Besitz von der Finanzpolitik. 1986 erlaubte Thatcher britischen Banken den Einstieg ins Wertpapiergeschäft. 1999 hob der damalige US-Präsident Bill Clinton die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken auf. Und zum 1. Januar 2004 erlaubte der damalige Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) Hedgefonds in Deutschland das öffentliche Handeln.
Und ohne welche dieser Maßnahmen hätte es keine Finanzkrise gegeben? Der SPON-Qualitätsjournalist hüllt sich hier leider in Schweigen. Zumindest wissen wir ja, dass Wertpapiergeschäft und Hedgefonds irgendwie anrüchig sind. Die müssen unbedingt etwas mit der Finanzkrise zu tun haben. Oder sollte es etwa keinen vernünftigen Grund geben, warum als Antwort darauf immer wieder eine Regulierung der Hedgefonds ins Spiel gebracht wurde? Wie hieß nochmal der bekannte Hedgefonds, dessen Pleite die Finanzmärkte im Jahr 2008 erschütterte? Will einem partout nicht einfallen. Komisch.
In den folgenden Jahren entstand an den deregulierten Märkten eine neue Art Kapitalismus: der Casino-Kapialismus, der die Finanzmärkte immer stärker von den Gütermärkten abkoppelte. Der Wert aller auf der Welt vorhandenen Güter und Dienstleistungen wird auf 63 Billionen Dollar geschätzt. Das Volumen aller Finanzderivate auf rund 600 Billionen Dollar, also gut das Zehnfache.
Wenn Sie bei sich zu Hause ein Fenster öffnen, verschwinden dann die Wände? Bei Finanzmärkten ist das lt. SPON-Qualitätsjournalisten so. Kaum hat man einmal an einer Stelle etwas dereguliert, gilt das plötzlich für die Märkte insgesamt. Eigenkapitalhinterlegungen? Finanzaufsicht? Alles abgeschafft, weil Eichel Hedgefonds hat handeln lassen. Wenn die Welt mal nicht so einfach ist, wie man sie braucht: der freundliche SPONner von nebenan hätte da etwas für Sie. Die einzige Frage zu dem oben Zitierten aber ist: Wo kommt bloß die ganze Knete her? Von privaten Banken? Und wer sorgt für die niedrigen Zinsen, die es dann ermöglichen, über Kredite große "Hebel" anzubringen, ein "großes Rad zu drehen", wie man unter Spekulanten so sagt? Private Agenturen? Nicht ganz, aber Sie sind dicht dran. Kleiner Tipp: Schon mal den Namen Alan Greenspan gehört? Gut, es war nicht ganz so einfach. Zum Beispiel spielen die Ölkrisen der 70er Jahre und die damit verbundene Umverteilung ebenso eine wichtige Rolle wie andere Handelsungleichgewichte auf dem Weltmarkt. Aber hey, nicht dieser Blogautor ist es, der die Dinge nur monokausal sehen will…
Nach und nach erzeugte dieses Finanz-Casino eine gewaltige Blase – die mit der Lehman-Pleite platzte. Der zu freie Markt führte geradewegs in die Katastrophe. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler verglich die Finanzmärkte mit einem Monster.
"Zu freier Markt" ist angesichts der Tatsache, dass in Deutschland vor allem Banken in Staatshand aufgrund der Finanzkrise in Probleme gerieten, vielleicht etwas mutig ausgedrückt. Es war auch nicht eine zu geringe Regulierung, sondern eine falsche, der wir viele der Probleme zu verdanken haben. Geld ist heutzutage ein künstliches Produkt des Staates. Der Umgang mit ihm kann schon aufgrund seiner Entstehung nicht in einem "freien Markt" erfolgen. Es gibt hier Regulierung, und sie muss auch sein, um die Gefahren eines reinen Papiergelds (heute eher Bits & Bytes-Geld) zu begrenzen. Wer von denen, die jetzt triumphierend über den "Neoliberalismus" zu Gericht sitzen wollen, hat eigentlich schon mal eine Erhöhung der Eigenkapitalhinterlegung für Wertpapiergeschäfte gefordert? Und was ist am Markt "zu frei", wenn mit Hilfe staatlicher Institute Kredite an Menschen vergeben werden, die nie und nimmer in der Lage sein werden, diese zurückzuzahlen? Und wenn, auch mit Hilfe dieser Kredite, eine Blase auf dem Immobilienmarkt erzeugt wird? Waren es nicht gerade die schlimmsten Kritiker der "Neoliberalen", die immer wieder riefen: "Die Zinsen müssen runter!"? Aber wie gesagt: Die Welt ist manchmal nicht einfach genug.
Die neoliberale Theorie hat seitdem kein Fundament mehr. Zu groß und offensichtlich sind ihre Schwächen und Logik-Lücken: Ihr zufolge hätte die Finanzkrise nie passieren dürfen. Dass die Leidenschaften Einzelner das ganze System an den Rand des Zusammenbruchs führen, ist in der Theorie nicht vorgesehen.
Letzteres ist richtig. Und dem war ja auch nicht so. Aber die angebliche "Schwäche und Logik-Lücke" (wo letztere sein soll, muss ja nicht begründet werden) sucht man vergebens. Gerade nach dem oben vom SPONner zitierten Hayek und seiner "Österreichischen Schule" lag die Finanzkrise förmlich in der Luft. Der "Österreicher" Roland Baader z.B. hat sie in seinem Buch "Geld, Gold und Gottspieler: Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise"mit eindeutigen Worten vorhergesagt. Und es gibt wirklich keine größeren Verfechter freier Märkte als die Anhänger dieser Denkrichtung. Was uns der Qualitätsjournalist da also einreden will, ist schlicht falsch. Er baut sich einen Strohmann auf, zu dem er wenig mehr beitragen kann als etwas Namedropping, und prügelt dann auf ihn ein, zum Erstaunen aller mit großem Erfolg.
Zu seiner Rechtfertigung zieht er dann mal wieder mit verkürzenden Zitaten Charles Moore heran, den Thatcher-Biograf, den in Deutschland niemand kannte, bis er durch seinen Artikel über die politischen Zustände in Großbritannien zum Kronzeugen der deutschen Linken schlechthin wurde. So langsam bürdet die deutsche Qualitätspresse diesem armen Mann und seinem Beitrag etwas viel auf… Verbleiben wir hier aber zunächst mit der vielleicht für manche überraschenden Feststellung, dass sich sogar ein Thatcher-Biograf irren kann.
Der Staat, den die Neoliberalen zuvor so erfolgreich zurückgedrängt hatten, ist seit der Lehman-Pleite wieder unter Handlungsdruck. Regierungen legten Multi-Milliarden-Pakete auf, um Großbanken zu retten – ausgerechnet jene Unternehmen, die zuvor besonders stark für freie Märkte lobbyiert hatten. Sie legten Multi-Milliarden-Konjunkturprogramme auf, die wenige Jahre vorher kaum denkbar gewesen wären. Die Lehren des Ökonomen John Maynard Keynes sind plötzlich wieder in. Die Lehre, dass ein starker Staat die Weltfinanzkrise managt, löst die Lehre vom freien Markt ab.
Wie war das noch mit den Logik-Lücken? Woher also plötzlich dieses radikale Umschwenken binnen kürzester Zeit? Ohne dass durch Neuwahlen andere Regierungen mit neuen Vorstellungen an die Macht gekommen wären? Ganz einfach: Der Keynesianismus war nie weg. Weg war nur zu nachlässige Umgang mit Antibiotika. Als die gefährliche Entzündung ausbrach, war man damit aber wieder schnell zur Stelle. Wobei "man", das ist an dieser Stelle nicht ganz unwichtig, vor allem die bösen "Neoliberalen" sind, die vorher angeblich aus reiner Ideologie den freien Märkten frönten. Die "Österreicher" waren zwar wieder einmal anderer Meinung, aber auf die hört keiner.
Die Renaissance des Keynesianismus setzt sich bis heute fort. Im traditionell eher neoliberalen Amerika hat Präsident Barack Obama gerade ein neues Konjunkturpaket präsentiert. Zum wiederholten Male greift die US-Regierung ins Wirtschaftsystem ein – obwohl sie sich das angesichts einer Schuldenquote von fast 100 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung kaum noch leisten kann.
"Zum wiederholten Male" – richtig! Mit welchem Erfolg? Da hätten wir doch jetzt nach diesem langen Anlauf über die Verderblichkeit des "Neoliberalismus" Jubelmeldungen erwartet. Warum bleiben die jetzt nochmal aus? Funktioniert das alles etwa vielleicht doch nicht und sind auch die Gelder hoffnungslos verpulvert? Es gibt zumindest mittlerweile Studien, die im Hinblick auf die Beschäftigungswirkungen dieser Programme zur Skepsis mahnen.
Kommen wir zum Schluss zum feuchten Traum von Bond-Schurken und Linken: der Weltherrschaft.
Der globale Casino-Kapitalismus, das wird nun vielen bewusst, lässt sich nur schwer regeln. Das Hauptproblem ist stets, dass einzelne Staaten bei gewissen Regeln nicht mitmachen wollen, weil sie keine Standortnachteile in Kauf nehmen wollen. Wenn aber die Regulierung nicht überall gleich ist, können Zocker einfach in ein anderes Land umziehen, in dem weniger strenge Gesetze gelten. Um die entgrenzten Märkte wirklich konsequent wieder zu begrenzen, bräuchte es idealerweise eine Weltfinanzregierung.
Diese aber wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Und so mag der Neoliberalismus als Theorie massiv an Bedeutung verlieren – das Finanzsystem aber ist noch immer so von ihm durchdrungen, dass eine angemessene Regulierung enorm schwierig wird.
Erstmal die Logik-Lücken… Standortvorteile? Huch, welche Standortvorteile? Wo kommen die denn jetzt plötzlich her in all der Verderbnis? Herr Qualitätsredakteur? Aber nun zum wunderschönen Bild des "vom Neoliberalismus durchdrungenen FInanzsystems": Was die Finanzsysteme jetzt vor allem "durchdringt", ist die übrigens gut keynesianische Angst davor, durch eine Rosskur, wie sie z.B. den Österreichern vorschweben würde, erstens ihre Haushalte und zweitens ihre Wachstumszahlen zu ruinieren. Vor diesem Hintergrund fällt die Einflüsterei von Lobbyisten natürlich auf fruchtbaren Boden. Aber das Befolgen der Einzelinteressen bestimmter Branchen und Manager ist weder liberal noch "neoliberal". Es deutet im Gegenteil auf eine zu starke Verflechtung von Staat und Unternehmen hin. Große Unternehmen streben so etwas gerne an, um die Konkurrenz klein und die Margen groß zu halten. SIe erinnern sich an den kleinen Einschub weiter oben? Richtig: Die Politik hat ihre Seele an den Teufel verkauft. Aber der heißt nicht "Neoliberalismus", sondern "Stimmenkauf".
bisher 55 Kommentare » Kommentare
Schlimm finde ich auchn die Abneigung gegen “Zocker” und Menschen, die bereit sind, Risiken einzugehen. Es gibt nicht nur eine Gier nach Rendite sondern auch eine (teilweise durch Regulierung beförderte) “Gier” nach Sicherheit. Und die ist fatal.
Nach dem Motto: Erst wenn alle Leute Omas sind die letzte Bank der letzte Fonds aufhört Risiken einzugehen, werdet ihr feststellen, dass es ohne Risiken keine Investitionen gibt.
Es war ja gerade der Wunsch nach Sicherheit (doie sich dann als fiktiv herausgestellt hat), der die Motivation hinter der Tranchierung von gepoolten Krediten war. Und es ist jetzt die “Flucht zur Qualität” (also aus dem Risiko), die für das Ab- an den Börsen und bei den Investitionen sorgt.
Das sehe ich nun (mit Verlaub) als kein gutes Beispiel an. Wer hatte denn bitte einen Wunsch nach Sicherheit?
Das »Tranchieren« der Subprime-Kredite war nichts anderes als das Abschieben von Risiken und das Verlagern von Verantwortung. Normalerweise tranchiert man einen leckeren Braten, aber dort waren es aber von vornherein nur Knochen.
Jeder wusste, dass die Sicherheiten zu keinem Zeitpunkt jemanden satt machen konnten. Jeder wusste, dass viele schlechte Kredite in einem Pool auch nicht zu besseren Krediten werden können. Man hatte die Kredite aber vergeben und man wollte noch schlechtere vergeben. Also musste man immer wieder einen Dummen finden, der die tranchierten Knochen kaufen würde. Und der musst einen noch Dümmeren finden, der im einen Teil davon abkauft.
Mit Hilfe der Rating-Agenturen wurde noch etwas faules Fleisch um die Knochen drapiert. Idealerweise sitzt der Dumme in einem solchen Fall weit weg, weil es stinkt. Weit weg also von den Immobilien, beispielsweise in der Zentrale einer staatlichen Landesbank oder einer Kommune in Deutschland.
Und dieses Staatsversagen ist für mich immer noch unbegreiflich. Mag es für die Banker zum täglichen Geschäft gehören, Dumme über den Tisch zu ziehen — dass nicht wenige Dumme mit viel Staatsgeld spielen durften, hat die Krise doch erst richtig schlimm gemacht.
Es gibt eigentlich kein Marktversagen, solange sich nicht der Staat mit riesigen Summen in den Markt einmischt.
Du meintest oben nicht etwa Sicherheit für die Kreditnehmer, die ohne Sicherheiten, Sinn und Verstand auch noch Verträge mit variablen Zinsen unterschrieben hatten? Durch jedes weitere »Tranchieren« wurde der Kredit doch für diese Leute noch teurer.
Können wir uns darauf einigen, das Konfetti-Geschütz in Zukunft nur noch als Ministerium für Wahrheit zu bezeichnen? So eine dreiste, billige und offensichtliche Realitätsverdrehung haben sie schon lange nicht mehr geboten an der Brandstwiete….
Vielen Dank dafür, das du diesen wirklich äußerst dummen Artikel kommentiert hast, ist sicherlich nicht einfach gewesen, sich ernsthaft mit diesem Schwachsinn auseinander zu setzen.
@Goyamonster: Vielleicht ist etwas Differenzierung angebracht, angesichts der Recherchen, die auch noch manchmal Teil des SPIEGEL sind:
http://www.spiegel.de/international/business/0,1518,786048,00.html
Man darf SPON natürlich keinen Kommentar und keine Meinungsäußerung unbesehen abkaufen. Auch die Überschriften sind manchmal sehr unpassend. Aber wenn sie beim SPIEGEL Informationen recherchiert haben, kann man manchmal schon etwas damit anfangen (siehe auch: SPIEGEL als Quelle bei Zettel).
Hallo Rayson,
toller Artikel, aber bitte das Quoting an einigen Stellen korrigieren, Du willst doch nicht etwa, dass das Spiegel-Geschreibsel Dir zugeordnet wird…
@hubersn
Danke für den Hinweis!
Auch ich war damals ein Schädiger der Staatseinnahmen. Als dann endlich der Telekom-Markt frei war, hatte ich als erstes meinen alten schwarzen Bakelitkasten an die Post zurückgegeben. Mit der “Strafgebühr”. die ich für die Rückgabe bezahlen musste könnte ich heute mehrere Stunden mit dem Handy telefonieren. Und den Bakelitkasten hätte man mit der bis dahin bezahlten Leihgebühr fast vergolden können.
@ stefanolix:
Ex-Post gibt’s bei jeder Wette Gewinner und Verlierer, und Gewinner ist halt langfristig derjenige, der Risiken besser einschaetzen kann.
Das ist das taeglich Brot von hedge fonds Managern: Die Expertise auf einem bestimmten Markt nutzen, um Risikopraemien zu kassieren.
Der Vorteil fuer den Zahler der Risikopraemien ist der, dass er jene Risiken, bzgl. derer er keine Expertise hat (oder die mit dem aktuellen Budget nicht tragbar sind, bspw. Versicherungen) versichern kann.
So funktioneren letztendlich alle Finanzmaerkte: Versicherung und Spekulation sind 2 Seiten / 2 Vertragspartner der selben Medaille.
Jetzt muss nur noch jemand rausfinden, warum Deutsche Staatsbanken, die Investitionsprojekte von Haeuslebauern und Kleinunternehmen finanzieren sollen (und auch das entsprechende Personal haben) der Meinung sind, sie koennen den Wert eines amerikanischen Immobilienkredit-CDOs besser beurteilen als derjenige, der das Paket zusammengeschnuert hat (i.d.R. spezialisierte Investmentfonds oder Investmentbanken a la Goldman Sachs).
Das ist schlicht und ergreifend hochgradig daemlich und lohnt sich nur dann, wenn man fuer Verluste nicht in Haftung genommen wird.
Ach ja, zum SPON-Artikel:
“Stefan Schultz, Jahrgang 1980, studierte Medienkultur, Politik und Britische Literatur in Hamburg und Lissabon (M.A.). Praktika und freie Mitarbeit bei “Hamburger Abendblatt Online”, “Prinz”, “Hamburg LIVE” und der portugiesischen Tageszeitung “24 Horas”. Entwicklungsredakteur und Crossmedia-Beauftragter für die Print- und TV-Ausgabe von “Deutschland International”. Seit Juni 2007 Volontär bei SPIEGEL ONLINE, seit Dezember 2008 Redakteur im Ressort Wirtschaft.”
Geballte Kompetenz, kann man da nur sagen.
Naja, wenigstens ist er nicht im Sport-Ressort gelandet, das einzige, was auf SPON noch lesbar ist (wenn bisweilen auch grenzwertig).
Nachtrag @ Stefanolix:
Der Sinn von Wertpapier-Ratings besteht nicht darin, den absoluten Return eines Papiers zu berechnen (sonst wuerden sie halt den abdiskontierten Barwert schaetzen oder was weiss ich was), sondern lediglich darin, aehnlich Papiere zu vergleichen, daher auch das Schulnoten-System.
Prinzip: A ist besser als B. A kann aber trotzdem Mist sein, wenn der gesamte Markt ueberbewertet ist. Ich denke die meisten Leute in der Branche wissen das, oder sollten es wissen, ansonsten sind sie halt einfach unfaehig.
Dämlich?Gierig!
@ Stefanolix
Die Anleger haben es. Das sind Du, das bin ich, das sind Sparer im allgemeinen. Es sind reiche Leute, aber auch die Chinesen, die riesige Dollarreserven aufbau(t)en. Sie alle gehen hauptsächlich in festverzinsliche Anlagen mit möglichst wenig Risiko. Nun gibt es in der realen Ökonomie nur unsichere Investitionen irgendwer muss also das Risiko tragen. Und das sind Banken, Hedgefonds und so weiter. Und je weniger Du und ich bereit sind, Risiken einzugehen, umso mehr muss das Bankensystem tragen, um so höher muss deren Verschuldungsgrad sein oder aber die Investitionen finden – so wie jetzt – nicht statt.
So wie F.Alfonzo es gesagt hat. Dass sich Risiken konzentrieren liegt daran, dass es unetrschiedliche Risikopräferenzen gibt. Das, was den einen motiviert die Risiken zu halten, die Risikoprämie, im Volksmund Gier genannt, ist nur das Spiegelbild der Motivation der anderen das Risiko nicht zu halten, von mir überspitzt “Gier nach Sicherheit” genannt. Beides sind zwei Seiten derselben Medaille.
Das glaube ich nicht.
Das ist falsch. Aus 100 Krediten kann man 90 bessere Kredite machen. Auch wenn es eine Verbesserung auf geringem Niveau ist.
@ErlingPlaethe
Gierig passt hier m.E. nicht. Gier ist für mich immer das Streben nach einem zu großen Stück vom Kuchen und damit verbundenmit einem automatischen weniger für andere. Man kann m.E. gar nicht gierig nach Rendite, jedenfalls kann man einer solchen Gier nicht durch den Aufkauf von Wertpapieren nachgehen. Schließlich gibt es ja einen Verkäufer, an dem man zwangsläufig die Rendite wieder abgibt.
Anders ist es aber bei der in der Ökonomie begrenzten Sicherheit. Ich mit Geld Sicherheit erkaufen, aber das heisst, dass andere weniger Sicherheit und mehr Risiken haben. Sicher, dafür werden sie mit einer Risikoprämie entschädigt, dennoch passt das Wort Gier hier besser, weil die Sicherheit von anderen reduziert wird und mit einem gänzlich anderen Gut (Geld) kompensiert wird.
seinnicht nure ein Streben nach mehr somdern immer aucu verbunden mit einem weniger für einen Streben nach einem immer größeren Anteil vom Kuchen
Nochmal Nachtrag @ stefanolix, langsam wird’s nervig, ich weiss, war auch der letzte
Nun, es ist bspw. eine Strategie von diversen Hedge Fonds, diese Tranchen zu kaufen und aufzusplitten.
Man untersucht dann, warum die Kreditnehmer in dieser Tranche probleme haben den Kredit zu bedienen und bietet ihnen neue Vertragskonditionen an mit dem Ziel, die Ausfallquote zu verringern; das erhoeht den Wert der gesamten Tranche.
Je nach strategischen Fokus haelt der Fonds die Tranche dann entweder weiterhin selbst (fixed income) oder verbrieft sie erneut, um sie teurer weiterzuverkaufen.
Moeglich ist dieser Gewinn deshalb, weil die kreditgebenden Banken nicht die Kapazitaeten haben, kleine Gruppen von Schuldnern zu analysieren, oder weil sie ihre Bilanzen in Ordnung bringen muessen, also verkauft man die Tranche (mit Discount) an Spezialisten (Wieder: Versicherung Spekulation).
Letztenendes ist das dann fuer alle Beteiligten (Bank, Kreditnehmer, Fonds) eine Win-Win-Situation, sonst gaebe es dieses Geschaeft nicht.
Wenn ein Interessent die neuverpackte Tranche aber zu ueberzogenem Preis kauft, ist er selbst Schuld.
@dirk
Ich bezog mich auch auf den Vorlauf des Postings von F. Alfonzo, also auf die Risikoprämien.
Danke fuer den tollen Beitrag Rayson. Ich hatte es wirklich versucht mich durch den Qualitaetsartikel zu quaelen, habe es aber beim besten Willen nicht geschafft.
Kurz vor Schluss folgende Formulierung die letzte Hoffnung auf wenigstens etwas wertvolle Information vernichtet:
Selbst wenn der Autor den Unterschied kennen sollte zwischen Optionen, Futures, Swaps und Forwards etc., er scheint nicht wirklich bemueht sie herauszuarbeiten.
Gibt’s das? Einzelne Staaten wollen keine Standortnachteile in Kauf nehmen? Sollen wir erst die Kavallerie vorbei schicken?
Wie bitte schön sollen wir denn wieder Exportweltmeister werden, wenn unsere schönen Ideen wie Finanztransaktionssteuer, Steuerharmonisierung und CO2-Steuer einfach nicht verfangen? Am Ende wirft man uns noch Protektionismus vor! Ha!
Da pressen wir den letzten Euro aus dem Michel um unsere Exportwirtschaft zu subventionieren, arrangieren uns mit Frankreich und jetzt haben so ein paar verbockte Sturköpfe Angst vor Standortnachteilen?
Überhaupt, was für Nachteile? Unser Steuersystem das besser alle kopieren sollten, hat doch keine Nachteile! Das funktioniert doch super!
Wenn der ESM durch ist, machen wir so was ähnliches für die europäische Wirtschaft, aber mit höheren Stimmrechtsanteilen, für uns. Und dann harmoniert das alles.
@ Erling Plaethe:
Hatte ja in dem von dir zitierten Beitrag impliziert, dass es hier ein “moral hazard”- Problem im Bereich der Verguetung von Bankern gibt.
Grosses Risiko = mehr Gewinn im Erfolgsfall, aber auch mehr Verlust im Miserfolgsfall. Common knowledge.
Das Prinzip, nach dem Bankangestellte bezahlt werden (letztendlich Einkommen nach oben offen, nach unten gecappt) fuehrt halt auch dazu, dass die Entscheidungstraeger in Banken grosse Risiken eingehen: Wenn’s gut laeuft, verdienen sie viel, wenn’s in die Hose geht, tragen die Aktionaere (oder im Fall der deutschen Staatsbanken: Der Steuerzahler) den Verlust.
Bei Hedgefonds bspw. besteht dieses Problem nicht, weil in allen mir bekannten Faellen die Entscheidungstraeger in der Firma entweder massiv mit eigenem Geld in den Fonds investiert sind (im Millionen-$-Bereich) oder, sozusagen als Zeichen des Vertrauens, massiv Anlagekapital von ihren alten Arbeitgeben bekommen.
Das Prinzip ist einfach: Wer mit riskanten Wetten Haus und Hof verlieren kann, wird diese nur eingehen, wenn er sich sehr sicher ist, dass er richtig liegt, und auch dann nicht ohne geringste Absicherung.
Die Motivation (die Gier nach hohem Einkommen) ist die selbe bei Bankern und Fonds-Managern, aber die Unternehmensstruktur ist eine voellig andere und fuehrt dazu, dass Fonds-Manager risikoaverser sind als Banker… umso bizarrer, diese Leute trotzdem fuer alles verantwortlich zu machen was schief laeuft…
Man schnappt sich halt den, der hier keine Lobby hat, so funktioniert Politik, so funktioniert “Journalismus”.
Ja, wenn der Mann wuesste, dass seine Kapitallebensversicherung, die er von Oma zum 18. Geschenkt bekommen hat letztendlich auch nur ein “Derivat” ist, haette er seine Argumentation vielleicht ein wenig erlaeutert (oder den ganzen Quatsch gar nicht erst geschrieben).
Auch der Schreiber dieser Zeilen kennt noch Tage, in denen es ihm gelang, mit nicht genehmigten Modems in die große weite Welt zu gehen.
“Deregulierung” bedeutet aber nicht “keine Regeln mehr”. Das Ende des Telefonmonopols hat den Wettbewerb gebracht, aber nicht die Anarchie, während sich die Finanzwelt immer mehr von der realen Wirtschaft abgekoppelt hat. Wenn allerdings in deren irrealer Welt etwas schief geht, dann zahlt die reale Welt die Zeche.
Und schon deshalb muss reguliert werden. “Too big to fail” ist ein Unding. Entweder wird ein Finanzinstitut so überwacht, dass das “fail” nicht eintreten kann, oder es wird auf ein Maß reduziert, dass ein “fail” möglich wird.
Ich glaub den Begriff Gier verwende ich so schnell nicht noch einmal. Eigentlich wollte ich ihn so besetzen, dass zum Ausdruck kommt: Gier entsteht zu allererst wenn das persönliche Risiko gegen Null geht.
Danke an dirk und F. Alfonzo für die Erläuterungen!
Erklaer das mal Politiker x von Partei y.
Rayson hat hier ja in einem seiner letzten Beitraege (Hans-Werner Sinn-Bezug) schoen erklaert , wie man den Mist in den Griff bekommen kann, wenn man alle Banken zu jeder Zeit fuer systemrelevant haelt:
1. Kurze Frist: Jegliche Rettungsmassnahmen vom Staat gibt’s nur gegen Kapitalerhoehung und Aktien (das verhindert, dass Aktionaere zu viel Risiko erlauben).
2. Lange Frist: Pflicht zu Mindesteigenkapitalquoten von 30% – 50%… verhindert auch dass Banken zu hohe Risiken eingehen, weil Aktionaere dann mehr zu verlieren haben.
Das Resultat wird allerdings sein, dass:
1. Kreditde in Deutschland langfristig wesentlich teurer werden, und
2. Viele Banken aus Ueberlebensgruenden ins Ausland abwandern werden.
Letztendlich muss man hier nur eine demokratische Entscheidung treffen, nachdem man Vor- und Nachteile gegenuebergestellt hat.
Aber das passiert ja alles nicht in diesem Katastrophenstaat.
Großartiger Beitrag! Besonders schön fand ich auch den “Einschub” zum Thema Telekommunikationsmonopol. Gelungen ist auch das Projekt, das Ganze an einem einzigen Spiegel-Artikel aufzuziehen!
Ich kenne den Unterschied nicht. Ebensowenig übrigens wie die meisten Leute, die nun verzweifelt vor den Ruinen dessen stehen, was die Leute, die den Unterschied kennen, ihnen verkauft haben… aber egal.
Kann mir jemand erklären, warum diese Instrumente dringend nötig sind, um den Sinn der Börse zu erfüllen?
Deren Sinn ist es ja nun nicht, für Experten unterhaltsam zu sein. Ganz sicher auch nicht, als Casino für jene zu dienen, die mit den traditionellen Limits in Spielbanken nicht einverstanden sind. Und ganz sicher sollen sie nicht Einkommensquelle für jene sein, die gern am großen Rad drehen.
Sondern ihre Aufgabe ist es, Unternehmen der Realwirtschaft und deren potenzielle Geldgeber zusammenzubringen. Das, und nichts anderes.
Huch, bin im Spamfilter gelandet – oder?
*raushol*
@Karsten:
Da gibt es gewaltige Unterschiede in den jeweiligen Risiken und Verwendungszwecken der unterschiedlichen Derivatetypen, natuerlich auch davon abhaengig, auf welcher Seite des Vertrages man steht.
Einfaches Beispiel fuer nuetzliche Verwendung von Derivaten:
Ein Fondsmanager will sich gegen Zinsschwankungen absichern, und haette gerne eine vielleicht niedrigere, aber sichere Rendite. Er schliesst dann einen Zinsswap mit einem Kontrahenten ab, der auf steigende Zinsen hofft.
Oder: Ein Fondsmanager eines Fonds mit Buchungswaehrung Euro hat US-Staatsanleihen im Portfolio.
Diese Staatsanleihen werden zum 31.12. faellig und zahlen einen vorher genau bekannten Betrag in US-Dollar aus.
-> Der Fondsmanager schliesst zum 31.12. ein Devisentermingeschaeft USD gegen EUR zu einem vorher definierten Wechselkurs ab, um seine Anleger vor Wechselkursrisiken zu schuetzen.
etc…
Mit der Aussage
“auch der Handel mit gefährlichen Finanzprodukten wie Derivaten ist nur zum Teil reguliert” hat der Autor sehr eindeutig demonstriert, dass er wirklich ueberhaupt keine Ahnung hat, wovon er da schreibt.
Gut, das hat er auch wie von Rayson wunderbar aufgezeigt schon in anderen Teilen des Artikels getan, fiel aber mir besonders negativ auf
Kochmesser, Autos, Feuerzeuge, Atombomben, Ueberraschungseierinhalte, Jagd-Gewehre etc. koennen ebenfalls gefaehrlich sein.
Alle ueber einen Kamm zu scheren ist trotzdem Quatsch.
@F.Alfonzo
Es gibt noch eine dritte Möglichkeit, die für Optimisten.
Folgendes Szenario: “Too big to fail” gab es dann nur, weil niemand, kein Anleger, kein Geldmarktfonds und kein Einleger damit gerechnet hat, dass eine große Bank bankrott gehen kann. Das war das große Überraschungsmoment, was zu den Bank runs (Abzug der Geldmarktfonds) geführt hat. Nun aber ändert sich diese Wahrnehmung, die Fonds sorgen durch Risikomanagement und größere Haircuts vor. Und damit die Privatkundeneinlagen und der Zahlungsverkehr gesichert sind reicht es eine Trennung zwischen Geschäftsbanken und sonstigen Finanzinstitutionen sicherzustellen.
Ich finde es immer wieder komisch, dieser Glaube, Staaten seien letzendlich notwendig, um die Konjunktur anzukurbeln. Woher hat denn der Staat sein Geld für Investitionen?
Im Geiste ist wohl fast jeder Sozialist.
Ich würde behaupten, dass auch generell Preisbildung “Aufgabe” ist.
@Karsten
Aus Lustg an der Prokrastination mache ich das gerne.
Beispiel “Futures”. Ein Future ist nichts anderes als ein Kaufvertrag mit der Vereinbbarung einer zukünftigen Lieferung. Beispiel: Ich bekomme ein Barrel Öl im nächsten Jahr zu einem heute festgesetzen Preis. Der Vorteil: Der Preis für die zukünftige Lieferung ist bereits heute fixiert und unterliegt keinen Schwankungen mehr.
Airlines kaufen so etwas, um sich gegen Ölpreisschwankungen abzusichern.
Beispiel “Swaps”. Swaps sind Vereinbarungen bestimmte Zahlungsströme zu tauschen. Konkreter zum Beispiel Zinssätze unterschiedlicher Laufzeit. Ich zahle Dir den am Markt gehandelten veriablen Zinssatz und Du mir dafür sagen wir fix 4 %. Steigt der variable Zinssatz, gewinnst Du, fällt er gewinne ich. Der Nutzen: Vielleicht hast Du ja einen Kredit aufgenommen zu einem variablen Zinssatz und befürchtest nun, dass die Zinsen steigen. Das heisst Du hättest nun lieber einen Kredit zu einem festen Zinssatz. Also kaufst Du den Swap mit mir, der dafür sorgt, dass ich die Differenz aus dem variablen Zins, den Du an die Bank abführst und den fixen Zins, den die lieber zahlen würdest, von mir erstattet bekommst.
All diese Dinger (na gut es gibt auch Turbo Knock in or out Marketing Blödsinn, aber die werden quasi nur an Privatkunden verkauft, die es exakt so wollen) sind sehr nützlich. Mit ihnen lassen sich Risiken verschieben und auch reduzieren
Das tun sie ja auch. Banken sind Intermediäre, das heisst sie sind Mittler auf zwei Kundeninteressen. Der eine möchte Geld anlegen, der andere einen kredit aufnehmen, die Bank bringt beide zusammen. DIe Bank ist quasi Mittler im Raum. So weit so gut, das ist das gute alte Bankiersegschäft. Aber es gibt noch eine zweite Dimension, die da ins Spiel kommt. Banken sind auch Mittler in der Zeit. Sie bringen Kundeninteressen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zusammen.Da ist heute ein Sparer, der bereit ist für ein Jahr zu sparen. nächstes Jahr ist da ein weiterer – davon geht die Bank jedenfalls aus – der ebenfalls für ein Jahr spart. Und schon vermittelt sie die beiden an einen Investor, der heute einen Kredit für zwei Jahre aufnehmen möchte. Die Bank mittelt in der Zeit. Das ist das “Asset Pricing” als Spekulation verunglimpft.
Das Problem war weniger das Zocken, sondern mehr, dass es Banken taten.
Nur dadurch hatte es ein so großes Ausmaß und konnte so großen Schaden anrichten.
Dadurch, dass diese Versicherungen schlicht nicht gedeckt waren.
Es ist die gleiche Schwachstelle, wie sie jetzt auch bei den Staatsschulden besteht, die Banken geben sich selbst Kredit um damit etwas zu kaufen, hinterlegen als Sicherheit für den nächsten Kredit quasi das gekaufte Produkt und häufen so riesige Bilanzen an.
(Dort kam das Problem auch zum tragen, durch die Abwertung der subprime Kredite und ihrer follow-ups hatten die Banken keine hinterlegbaren Sicherheiten mehr, um an frisches Geld zu kommen und konnten damit gleichzeitig ihren Verpflichtungen durch die verkauften Versicherungen dieser Papiere nicht nachkommen, klassisches Schneeball System, aber völlig legal, offensichtlich.)
In guten Zeiten schütten sie das daraus gewonnene Geld an Aktionäre und Form von Boni an Angestellte aus und in schlechten…nun, schütten sie neues Geld über den Staat an sich selbst aus und kassieren dafür Zinsen.
Es war schlicht ein von der Politik beförderter und legalisierter Mißbrauch der Privilegien, welche den Banken vom Staat zugesprochen wurden.
Der Grund ist wenn schon irgendein “Ismus”, dann Lobbyismus der Banken und Idiotismus der Politiker und ihrer Apperate, die davon schlicht keine Ahnung haben und den Bock zum Gärtner machten.
Zu den “Österreichen” : Gegen deren homo oeconomicus wirkt der Marxmensch geradezu realistisch.
Das ist aber interessant, denn im Gegensatz zur Neoklassik bastelt die Österreichische Schule keine Gleichgewichtsmodelle, für die so ein Konstrukt erforderlich wäre. Woher nimmst du diese für mich völlig neue Information?
Ist ja recht einfach zu überprüfen was Mises vom Modell des homo oeconomicus hielt.
Mir ist auch unbekannt was ein “Marxmensch” sein soll. Die Ausformulierung von dem was nach dem “Ende der Vorgeschichte der Menschheit” kommt war ja nicht sonderlich umfangreich.
Besonders perfide finde ich, wie die Österreicher und Friedmanns Jungs einfach Seite an Seite gestellt werden. Dabei scheinen die Theorien doch eigentlich sehr verschieden zu sein.
@Rayson: Das könntest du ja mal in einem Artikel ausarbeiten!
@Home oeconomicus: Dieses Gejammer war mir schon immer etwas verdächtig. Das klingt so, als wolle man sich von den Ergebnissen einer Theorie immunisieren.
@Kapitalist
Keine Lust.
@Rayson
Die generelle Annahme, dass vollständig freie Märkte am Ende doch irgendwie wieder für optimale Verteilung und Effizienz sorgen. Der homo oeconomicus ersteht als Kollektivintelligenz wieder auf, durch die (die richtigerweise erkannten) individuellen Fehler wieder irrelevant werden.
Sie sind schlicht am Ende wieder dort gelandet, sagen es nur nicht explizit.
@Mir
Das ist deine persönliche Erfindung. Wenn du hörst, dass die “Österreicher” für noch freiere Märkte sind als andere, folgerst du daraus, sie müssten dieselben Annahmen vertreten, nur eben noch intensiver. Das ist aber ein Fehlschluss, der auf schlichter Unkenntnis beruht. Man kann das Studium einer Lehre eben nicht durch die Urteile ersetzen, die man bei der Auseinandersetzung mit einer anderen meint gewonnen zu haben.
Bei den “Österreichern” gibt es realiter keine “optimale Verteilung und Effizienz”. Gerade der Gedanke, dass man so etwas messen könne, wie die Neoklassiker das in ihren Maximierungskalkülen voraussetzen, führte ja dazu, dass es die Rufe nach einem Staat gibt, der den Märkten dabei mal ein wenig auf die Sprünge zu helfen habe.
Richtig ist allerdings, dass die “Österreicher” Märkte als den besten Mechanismus erkennen, wie man mit dem Knappheitsproblem umgeht. Richtig ist auch, dass nach gut “österreichischer” Theorie Märkte niemals versagen können, was allerdings mehr eine Tautologie ist. Und richtig ist auch, dass die ganze Theorie zu “externen Effekten” und “öffentlichen Gütern” von “Österreichern” – meines Erachtens unnötigerweise orthodox – abgelehnt wird.
Mit einem “homo oeconomicus”, diesem alles rational überdenkenden und unter Beherrschung der Erkenntnisse der Stochastik in die Zukunft schauenden Wesen, wie es ihn bei den Neoklassikern gibt, (die übrigens alles andere als identisch mit “Neoliberalen” sind, das nur btw) aber hat das alles nichts zu tun.
@Kapitalist
Vor allem sind die meisten journalistischen Kritiker ziemlich immunisiert gegen das Wissen was hinter den verschiedenen Begriff eigentlich steckt – Hauptsache man hat irgendwie ‘ne Meinung. Da setzt man auch gerne Neoklassik, Neoliberalismus, Monetarismus und österreichische Schule als Begrifflichkeit gleich. Die meisten Leser merken’s eh nicht. Haben alle ja irgendwas mit Marktwirtschaft zu tun.
Zu Oesterreichern, Neoklassikern und dem Homo Eco:
Grundsaetzlich gibt es kein perfekt funktionierendes Modell, das ist halt so in Sozialwissenschaften.
Die Oesis kritisieren die mathematische Modellierung halt deshalb, weil das auf Finanzwissenschafts- oder gar Makro-Ebene eben nicht funktioniert. Richtig.
Auf der Mikro-Ebene ist das Homo-Modell aber ziemlich gut. Und ein Bereich, in dem das Modell gut funktioniert (weil die Nutzenmaximierer hauptsaechlich risikoaverse Einkommensmaximierer sind) ist der Finanzmarktbereich.
Diese strikte Denkweise in “Schulen” ist falsch, Man muss sich halt fuer jede Baustelle das passende Werkzeug suchen.
Ach ja, Rayson, wollte ich im letzten SPON-Meckerbeitrag schon bringen, jetzt halt hier: Deficit-spending ist nicht auf dem Mist von Keynes gewachsen… das hat sich Hicks ausgedacht (IS-LM-Modell ist dir ein Begriff?).
Keynes wollte kunjunktur-unabhaengige, mit der Inflation wachsende, staatliche Investments in einer Schock-Groessenordnung. Finanziert aus Steuereinnahmen, nicht durch Schulden.
->Was beide halt nicht gesehen haben ist ganz einfach, dass eine Regierung kein Sozialplaner ist sondern Wahlstimmen-Maximierer.
Nebenbeibemerkt: Hicks war Neoklassiker…. Keynes die Deficit Spending-Staatsschulden in die Schuhe zu schieben ist eigentlich SPON-Style, wuerde ich nicht machen.
Gibt genug andere Kritikpunkte an Keynes, wie zum Beispiel seine bizarre Phillips-Kurve (hattest du ja erwaehnt).
@F. Alfonzo
Dass das IS-LM-Modell von Hicks kommt, und das jener Neoklassiker war, ist mir schon bewusst. Aber dass die Theorie von Keynes, auch in Sachen Defiziten, so verzerrt weitergegeben worden sein soll, ohne dass jemand widersprochen hätte, kann ich mir kaum vorstellen. Ok, ich habe die “General Theory” nicht gelesen, aber wer hat das schon?
Nicht? Wie waer’s z.B. mit dem original (politisch unvermurkstem) Konzept von Hartz:
Der Mann hatte einen niedrigeren Sozialhilfesatz vorgeschlagen, dafuer mit wesentlich besseren Zuverdienstmoeglichkeiten. Die Regierung hat das Ganze den vermurkst, und jetzt is das Ding als Harzt IV bekannt.
Ich musste einige Kapitel lesen, weil ich (leider) in der Makro-Pflichtveranstaltung im Hauptstudium nen Keynesianer als Professor hatte.
Interessant dabei ist, dass ich durch diesen Keynesianischen Professor die Lucas-Kritik kennengelernt habe, ein Problem fuer die Theorie (er hielt die Kritik fuer signifikant und hat sie gross und breit erlaeutert).
Aber das ist halt der Unterschied zwischen Wissenschaftlern und Politikern: Wissenschaftler suchen nach der Wahrheit, nicht nach der Mehrheit.
@Rayson
Ich
. Aber ich hätte auch deficit spending bei Keynes verankert.
Ich muss auch sagen, dass ich – nach dem ich die GT gelesen habe – Keynes deutlich positiver sehe als nach der IS/LM Karrikatur in den Lehrbüchern. In der GT, selbst im IS/LM, steckt mehr als in den modernen Makromodellen. Beispielsweise kann man die LM Kurve als Modell eines Finanzmarktes mit Fristentransformation sehen. (So etwas gibt es in den modernen Makromodellen wirklich nicht und dennoch behaupten sie von sich aussagen über Geldpolitik machen zu können !)
@ Dirk: Du hast das Ding tatsaechlich gelesen und verstanden? Respekt.
@F.Alfonzo
Es ist schwer zu beurteilen, ob man die GT verstanden hat. Schließlich besteht sie aus mehr als einem Argumentatiionsstrang. Aber im großen und ganzen würde ich sagen ja. Im wesentlichen ist Keynes Punkt, dass der (langfristige) Zinssatz nicht durch bestimmt ist durch die Größe, die Investionen und Sparen gleichstellt, sondern dass der langfristige Zins derjenige Zins ist, zu dem Banken bereit sind Fristentransformation zu betreiben (Investoren bereit sind, Liquidität aufzugeben).
Großartige Zusammenfassung der gegenwärtigen Bredouille! Ich erlaube mir zu verlinken.
@Mohammed:
Der (automatisch kreierte) Smiley 8) statt Punkt acht gefällt mir ganz besonders …
Anmerkung des Admins: Den Spam wollte ich trotzdem als solchen seiner gerechten Behandlung zuführen, daher entgeht den nächsten Lesern leider dieser unfreiwillige Scherz des Spammers.
Oh und mit welcher hochgradigen Dummheit die Landesbanken gesegnet sind. Obwohl Dummheit so aggressiv klingt. Sagen wir eher mit einer Unbedarftheit mit welcher Kinder im Sandkasten spielen.
Ein Triple-A bedeutet ja Ausfallwahrscheinlichkeit so nahe Null, dass man einfach mal annimmt sie wäre Null, das weiß ja jeder. Toll denkt sich die Landesbank: risikolose Rendite größer Fremdkapitalzinssatz. Das wird geleveraged. Einfach mal die Bilanzsumme mit FK verfünffachen und die Gelddruckmaschine läuft. Ab hier könnte man es dann Gier nennen. Gut dass das die Amateure bei Meryll Lynch und Deutsche Bank nicht bemerkt haben, die uns die lustigen Renditebringer weiterverkauft haben.
Oh ein kleiner teilweiser Zahlungsausfall. Die Gesamtkapitalrendite sinkt unter den FKzinssatz. Hmm bei diesem Verschuldungsgrad ungesund, aber macht ja nichts, wir sind ja die lustigen Sandkasten-Banker von der Landesbank. Humor ist wenn man trotzdem lacht.
Hoffentlich werden die bösen Investmentbanken auch endlich verstaatlicht, hören auf uns böse Spielzeuge (Mancher nennt sie auch Massenvernichtungswaffen. Bei der Nachfrage wäre die IKB dann der Iran.) zu verkaufen und fangen auch endlich an so seriös zu arbeiten wie wir, als Diener der Realwirtschaft.
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oh nein, warum musste dieser ernste sachverhalt in ironie enden…
Toller Artikel Rayson. Danke dafür.
Hatte den Beitrag schon auf SPON gelesen und mich etwas hilflos gefühlt, im Angesicht dieser überwältigenden Geistesgef++ktheit.
oder haben da etwa Landespolitiker höhere Renditen gefordert um im Landeshaushalt Lücken zu schließen?
@52
Sie haben Recht. Der Ursprung des Übels.
Umso schlimmer, dass es nun Rufe nach Verstaatlichung von Banken gibt, da Staatsbanken sich nicht auf Rendite konzentrieren müssten. Fragt sich nur wie dann Investitionen identifiziert werden.
Eventuell nach politischer Erwünschtheit? oder besser (oder schlimmer, je nach Sichtweise) formuliert: nach gesamtgesellschaftlichem Nutzen?
bye bye
(gut dass ich jung genug bin, ungebunden zu sein, für alle anderen tut es mir von herzen leid, aber im großen und ganzen glaube ich doch noch das alles gut wird. unverbesserlicher optimismus und so)
Ich glaube, es ist besser, alt genug zu sein, um bald von dem ganzen Elend nichts mehr mitzubekommen, denn wenn es so richtig schön kracht, wird es auf dieser Welt kaum noch Orte geben, die davon nicht betroffen werden.
Und dort, wo man nichts abbekommt, wollte man eh schon niemals hin…
Zustimmung zum ersten Teil der Satzaussage, Frage zum Zweiten: Welche Szenarien sind D.E. möglich&denkbar, wenn die Abrauche einsetzt?