R.I.P. Usenet
Das Usenet stirbt einen langsamen Tod. Früher galt es als *das* Diskussions- und Austauschmedium im Internet schlechthin. Linus Thorvalds veröffentlichte die Geburt von Linux ebenso im Usenet wie Matthias Ettrich die von KDE. Inzwischen haben sich die Kommunikationsformen verlagert. Es gibt Mailgroups, es gibt Bittorrent, es gibt Facebook, es gibt Youtube, es gibt das WWW, Die rein textbasierte Form des Austausches im Usenet mag noch von Puristen präferiert werden (die übrigens die volle Sympathie des Autors dieses Beitrags besitzen), aber die Bedürfnisse der Menschen haben sich inzwischen andere Kanäle geschaffen.
Der Trend geht zu mehr Multimedia, und damit auch zu mehr Chancen, Menschen zu manipulieren. Die Textform war nicht nur ein Zwischenschritt, sondern der Höhepunkt menschlicher Kommunikation. Jedenfalls, soweit es um komplexe Themen jenseits des Unterhaltungsbedürfnisses geht.
bisher 12 Kommentare » Kommentare
Ich habe das Usenet Anfang der 90er viel genutzt. Allerdings wurde der Ton irgendwann immer aggressiver und rechthaberischer.
Newbies wurden arrogant abgefertigt. So recht Lust machten die Diskussionen nicht mehr.
Alles hat seine Zeit. Von dem, was da in den alt.binaries so alles verteilt wurde, mag ich gar nicht reden.
Das war sicher mehr und mehr ein Nachteil. Aber dass die Nachkommen frei davon wären, lässt sich leider auch nicht behaupten.
Ist wohl so. Mit teilweise aber gemischten Gefühlen.
Es gab imo wenig Nischen und wenig Nutzer, sodass man zwecks Popularität in den größeren Gruppen veröffentlichte.
Heute findet man ganze Foren zu jeden noch so skurillen Thema mit genügend Nutzern und unter Gleichgesinnten ist der Ton nicht arrogant.
Social Networks habe ich bis jetzt als aktiver User komplett gemieden, was mir von Jahr zu Jahr schwerer fällt (Facebook)
Ich habe halt einfach keine Zeit dafür.
Vermute auch, dass das der Hauptgrund ist.
Es macht, wenn die Gruppen groesser werden, ja auch durchaus Sinn, fuer die Gruppe eine eigene, speziell auf deren Beduerfnisse zugeschnittene Plattform zu nutzen.
Rayson du hast als Beispiel Linux und KDE genannt… sehr gutes Beispiel. Es gibt heute diverse Plattformen speziell fuer eine bestimmte Linux-Distribution oder eine bestimmte GUI.
Ich sehe das als Spezialisierungsvorteil, spart Arbeit (auch wenn das ‘ueber den Tellerrand schauen’ dadurch mehr Aufwand erfordert).
Eine spezialisierte Community ist fuer mich uebringens inzwischen eines der wichtigesten Entscheidungskriterien fuer die Verwendung bestimmter Produkte geworden.
Der Hauptgrund bspw., warum ich mich fuer eine bestimmte Linux-Distribution und ein bestimmtes Smartphone entscheiden habe.
Der textbasierte Austausch kann m.E. uebrigens nicht ersetzt werden, er findet heute nur anders (besser) strukturiert statt.
@ Buenavista: Ich denke das haengt auch mit dem Wachstum zusammen und der damit einhergehenden Tatsache, dass die ‘Newbies’ im Verhaeltnis zu den Erfahrenen immer mehr werden.
Ich habe beispielsweise mal als Moderator in einem Forum zu einem speziellen Thema mitgearbeitet; aus irgendeinem Grund gingen die Besucherzahlen ruckzuck nach oben, und die Frischlinge haben immer wieder und wieder die gleichen 3 Probleme eroertert.
Ich verstehe durchaus, dass einem ‘Experten’, der sich spezielleren Dingen widmen will, da mal der Kragen platzt.
Die Loesung dieses Problems kennen wir heute alle: Suchfunktion einfuehren und perfektionieren, Community-Regeln festsetzen und Leute, die gegen die Regeln verstossen zunaechst ignorieren und dann sanktionieren, wie im Kindergarten.
Oh Mann, diese verd.. Telekom. Kein Wunder das ich keineen Kontakt mehr bekomme. Das ist ja wirlich u.a.S.
Ich habe zwischen Anfang der 90er Jahre und 2007 in einigen IT-Newsgroups gelesen und geschrieben. Es waren wohl ca. 2.000 Artikel. Meine Erfahrungen als aktiver Teilnehmer beschränken sich im Wesentlichen auf TeX/LaTeX, Unix-Werkzeuge, ein wenig Datenbanken. Was man so beruflich gebraucht hat.
Gelesen habe ich in meiner aktiven Zeit etwa zwei Dutzend Newsgroups.
Zur Arroganz: War der Ton in den Newsgroups arrogant? Diese Frage kann man pauschal nicht beantworten. Es ist immer möglich, dass ein Beitrag vom Sender arrogant geschrieben und vom Empfänger als arrogant wahrgenommen wurde. Es dürfte aber viel öfter vorgekommen sein, dass sachlich-kühle Antworten als arrogant wahrgenommen wurden.
Suchfunktionen gab es spätestens seit 1995 mit der Einführung von DejaNews. Darüber hinaus gab es aber in jeder gut geführten Newsgroup eine FAQ, die regelmäßig ergänzt und gepostet wurde. Und da mag es manchem als arrogant vorgekommen sein, dass er die Antwort bekam: »Du möchtest Abschnitt 3.1.2 in der FAQ lesen und anwenden!« oder »Welchen Teil der Antwort zu Frage 9.1.3 hast du nicht verstanden?«. Aber die alteingesessenen Teilnehmer wollten eigentlich nur erreichen, dass ihre redaktionelle Arbeit an der FAQ entsprechend respektiert wird.
Community-Regeln gab es in den Newsgroups auch schon — lange bevor solche Gruppen als Community bezeichnet wurden. Auch die Anwendung solcher Regeln kann als arrogant empfunden werden. Aber damit muss man leben, wenn hunderte Leute über ein technisches Thema diskutieren. Was viele heute nicht mehr wissen: Die Newsgroups waren ja im Grunde selbstverwaltet. Es gab richtige Gremien, die sich z.B. mit Wünschen oder Beschwerden beschäftigt haben.
Ignorieren und sanktionieren: Zum Ignorieren gab es ja die sogenannten Killfiles und »Plonk« war der Ton beim Aufschlagen eines Kandidaten auf dem Boden des Killfiles. Ich muss ehrlich sagen: ich hatte nie ein Killfile, weil ich zu oft erlebt habe, dass Leute plötzlich Vernunft angenommen haben. Außerdem gab es die Regel: »Sei weise, plonk’ leise« …
Das Niveau in den IT-Newsgroups der 90er war aus meiner Sicht nicht intelligenter als die Mischung aus Blogs, Portalen, Foren, openSource Projekte zu allem möglichen und wesentlich günstigeren technischen Büchern, vmwares, maven oder vergleichbares, die wir heute haben. Sollte man sich da engagieren wollen, haben die Barbaren sicher nicht den Limes überschritten und man wird hinreichend fündig.
Für mich hat diese newsnet Nostalgie viel von Opa erzähl mal von Krieg und ich bin ü40, also in dieser Generation.
Mein Kommentar war nicht wie »Opa erzählt vom Krieg« gemeint, ich wollte nur einige Dinge aus meiner Sicht ergänzen.
In den IT-Newsgroups der 90er Jahre gab es deutlich weniger Teilnehmer als heute in den Portalen und Foren. Es gab noch gewisse technische Zugangsschwellen. Deshalb war der Anteil der Fachleute höher als heute.
In den meisten IT-Newsgroups wurden Artikel mit Halbwissen und/oder Fehlern konsequent richtiggestellt. Das scheint mir heute in Foren oder Portalen eher die Ausnahme zu sein, ich kenne es allenfalls noch aus Foren zu Spezialthemen.
Stefanolix, ich meinte dich nicht persönlich. Eher dachte ich an jemand anderes.
Du wirst diese Typen vermutlich auch kennen. Jemand will emails aus einer Anwendung auf einer bestimmten Business-Plattform versenden und die verweisen dann auf die SMTP Spezifikation. Read the fucking manual. ja ja
Viele Probleme lassen sich mit google klären und für komplexeres gibts wirklich gute Spezialforen für openSource oder Hersteller.
Oh. Schon verloren. Ich meinte natürlich RFC 821, ich unwürdiger noob, ich.
In Newsgroups für Business-Plattformen war ich leider nie, aber ich kenne solche Typen natürlich auch.
–
Trotzdem: allein schon der Begriff RFC (request for comments) hat doch eine zeitlose Eleganz. Ich reiche einen Vorschlag ein und bitte die Kollegen um Kommentare. Wenn der Vorschlag gut ist, wird er zum Standard …
Und erst der RFC-Humor:
Es ist ja nicht so, dass Neulinge völlig im Regen stehen mussten ;-)