Begriffsinflation: “Hetze”
Als Hetze (kein Plural) im gesellschaftlichen Sinn bezeichnet man unsachliche und verunglimpfende Äußerungen zu dem Zweck, Hass gegen Personen oder Gruppen hervorzurufen, Ängste vor ihnen zu schüren, sie zu diffamieren oder zu dämonisieren.
Wenn man bedenkt, wie oft in Blog- oder sogar auch Zeitungsbeiträgen und in welchen Zusammenhängen das Wort mittlerweile fast regelmäßig auftaucht, muss man feststellen: Schon wieder ist ein Begriff durch inflationäre Verwendung seines Inhalts beraubt worden. Die neue Bedeutung lautet einfach nur noch: Kritik an etwas, das der Sprecher gut und richtig findet.
bisher 15 Kommentare » Kommentare
War wieder der Spiegel der Auslöser für diesen Rant?
Was haben wir gelacht.
Hetze inflationär verwendet, ist nur einer von vielen Begriffen aus der Extremistensprache, die zur Normalität in der politischen Kultur geworden sind. Kein Wunder, wenn man sich die extremistische Herkunft überraschend vieler bundesdeutscher Politiker vergegenwärtigt. Tja, wie man sich bettet, so liegt man.
Mein Bauchgefühl neigt zur Zustimmung – aber eigentlich fehlen mir die Belege dafür, daß “Hetze” häufiger verwendet wird als früher.
Ich kann diese Beobachtug nicht teilen, weder mit dem Herz noch mit dem Kopf.
Was mir auffällt, ist, dass ees in Deutschland immer mehr die Neigung zu einer hysterischen Diskussion zu geben scheint. Allerdings ist die Tendenz bei genauer Betrachtung auch weder neu, noch überraschend.
Selbst wenn es aber stimmen sollte, sehe ich die Sache mit größter Gelassenheit. Das Extremistenwort \”Gutmensch\” hat es auch in die Alltagssprache geschaft. Ja teils sogar in die von am sonsten sehr linken Autoren und Denkern und damit war auch keine Änderung der politischen Kultur verbunden.
Ich muss R.A. recht geben, Rayson: Wenn Du ein paar Beispiele für den inflationären Gebrauch des Wortes “Hetze” hättest, könnte ich vielleicht erkennen, wovon Du redest.
@Reiner Lang:
Was ja nichts neues ist. Auch 1950 waren viele bundesdeutsche Politiker von einer extremistischen Herkunft geprägt – entweder, weil sie Mitglieder der NSDAP gewesen waren, oder weil sie ihre politische Karriere in Exil und/oder Widerstand geführt hatten…
Ja, nur damals hatten sie sich sprachlich noch im Griff.
@Karsten: Für dich ist jede Form von Widerstand/Politik aus dem Exil extremistisch?
@Robert:
Nein, das “entweder-oder” meinte ich im Sinne von “je nach Perspektive”. Für die Nazis waren die Demokraten extremistisch.
Oh ja. Da fällt mir das Bonmot ein. “Schneechaos” nannten wir früher “Winter”.
@Karsten
Ich führe über sowas selbstverständlich nicht Buch… Subjektive Eindrücke kann man entweder bestätigen oder nicht, das liegt halt in der Natur der Sache.
“Man” bezeichnet also Dich? Hast Du jetzt Dein eigenes Pronomen?
Die Hoffnung, dass ich mit meinem Eindruck nicht völlig allein dastehe, musst du mir schon noch lassen…
Hoffnungen lassen ist nicht mein Ding.
Dann nehme ich mir das einfach.