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Begriffsinflation: “Hetze”

Als Hetze (kein Plural) im gesellschaftlichen Sinn bezeichnet man unsachliche und verunglimpfende Äußerungen zu dem Zweck, Hass gegen Personen oder Gruppen hervorzurufen, Ängste vor ihnen zu schüren, sie zu diffamieren oder zu dämonisieren.

(Wikipedia)

Wenn man bedenkt, wie oft in Blog- oder sogar auch Zeitungsbeiträgen und in welchen Zusammenhängen das Wort mittlerweile fast regelmäßig auftaucht, muss man feststellen: Schon wieder ist ein Begriff durch inflationäre Verwendung seines Inhalts beraubt worden. Die neue Bedeutung lautet einfach nur noch: Kritik an etwas, das der Sprecher gut und richtig findet.

Rayson in Politik,Sprache am 22. 11. 2010 » 15 Kommentare
bisher 15 Kommentare » Kommentare
  1. Klaus sagt am 22. 11. 2010 um 19:10 Uhr:

    War wieder der Spiegel der Auslöser für diesen Rant?

  2. Rayson sagt am 22. 11. 2010 um 20:16 Uhr:

    Was haben wir gelacht.

  3. Rainer Lang sagt am 22. 11. 2010 um 20:19 Uhr:

    Hetze inflationär verwendet, ist nur einer von vielen Begriffen aus der Extremistensprache, die zur Normalität in der politischen Kultur geworden sind. Kein Wunder, wenn man sich die extremistische Herkunft überraschend vieler bundesdeutscher Politiker vergegenwärtigt. Tja, wie man sich bettet, so liegt man.

  4. R.A. sagt am 23. 11. 2010 um 10:25 Uhr:

    Mein Bauchgefühl neigt zur Zustimmung – aber eigentlich fehlen mir die Belege dafür, daß “Hetze” häufiger verwendet wird als früher.

  5. Niemand sagt am 23. 11. 2010 um 13:35 Uhr:

    Ich kann diese Beobachtug nicht teilen, weder mit dem Herz noch mit dem Kopf.
    Was mir auffällt, ist, dass ees in Deutschland immer mehr die Neigung zu einer hysterischen Diskussion zu geben scheint. Allerdings ist die Tendenz bei genauer Betrachtung auch weder neu, noch überraschend.

    Selbst wenn es aber stimmen sollte, sehe ich die Sache mit größter Gelassenheit. Das Extremistenwort \”Gutmensch\” hat es auch in die Alltagssprache geschaft. Ja teils sogar in die von am sonsten sehr linken Autoren und Denkern und damit war auch keine Änderung der politischen Kultur verbunden.

  6. Karsten sagt am 24. 11. 2010 um 08:28 Uhr:

    Ich muss R.A. recht geben, Rayson: Wenn Du ein paar Beispiele für den inflationären Gebrauch des Wortes “Hetze” hättest, könnte ich vielleicht erkennen, wovon Du redest.

    @Reiner Lang:

    Kein Wunder, wenn man sich die extremistische Herkunft überraschend vieler bundesdeutscher Politiker vergegenwärtigt

    Was ja nichts neues ist. Auch 1950 waren viele bundesdeutsche Politiker von einer extremistischen Herkunft geprägt – entweder, weil sie Mitglieder der NSDAP gewesen waren, oder weil sie ihre politische Karriere in Exil und/oder Widerstand geführt hatten…

  7. tigger sagt am 24. 11. 2010 um 12:04 Uhr:

    Ja, nur damals hatten sie sich sprachlich noch im Griff.

  8. Robert Michel sagt am 24. 11. 2010 um 15:12 Uhr:

    @Karsten: Für dich ist jede Form von Widerstand/Politik aus dem Exil extremistisch?

  9. Karsten sagt am 24. 11. 2010 um 17:55 Uhr:

    @Robert:
    Nein, das “entweder-oder” meinte ich im Sinne von “je nach Perspektive”. Für die Nazis waren die Demokraten extremistisch.

  10. Buenavista sagt am 25. 11. 2010 um 12:03 Uhr:

    Was mir auffällt, ist, dass es in Deutschland immer mehr die Neigung zu einer hysterischen Diskussion zu geben scheint.

    Oh ja. Da fällt mir das Bonmot ein. “Schneechaos” nannten wir früher “Winter”.

  11. Rayson sagt am 25. 11. 2010 um 13:06 Uhr:

    @Karsten

    Ich führe über sowas selbstverständlich nicht Buch… Subjektive Eindrücke kann man entweder bestätigen oder nicht, das liegt halt in der Natur der Sache.

  12. David sagt am 26. 11. 2010 um 05:33 Uhr:

    Wenn man bedenkt, wie oft in Blog- oder sogar auch Zeitungsbeiträgen und in welchen Zusammenhängen das Wort mittlerweile fast regelmäßig auftaucht, muss man feststellen…

    “Man” bezeichnet also Dich? Hast Du jetzt Dein eigenes Pronomen? ;)

  13. Rayson sagt am 26. 11. 2010 um 21:30 Uhr:

    Die Hoffnung, dass ich mit meinem Eindruck nicht völlig allein dastehe, musst du mir schon noch lassen…

  14. David sagt am 26. 11. 2010 um 22:13 Uhr:

    Hoffnungen lassen ist nicht mein Ding.

  15. Rayson sagt am 26. 11. 2010 um 23:22 Uhr:

    Dann nehme ich mir das einfach.