Woher das Heil kommt
Da hat SPON aber nicht aufgepasst. Wohl aus Versehen wird dort mit wohlwollenden Worten bedacht, dass Bill Gates und Warren Buffett insgesamt 40 Miiliardäre überzeugt haben, die Hälfte ihres Vermögen für wohltätige Zwecke zu spenden. Ausgerechnet der Deutschlandfunk muss die rot-grüne Internet-Hauspostille, die wahrscheinlich noch völlig besoffen von der jüngsten Wahlumfrage und deswegen so unaufmerksam war, auf Linie bringen: Sowas hat den aufrichtigen Deutschen selbstverständlich "erschaudern" zu lassen.
Denn die Meldung offenbart aus Sicht des DLF-Kommentators zweierlei Ungeheuerlichkeiten: Einmal, dass es überhaupt zu Milliardären kommen kann und zum zweiten, dass der Staat sie dann wenigstens nicht kräftig enteignet. Denn was hier als Wohltätigkeit maskiert wird, ist natürlich nichts anderes als der Versuch, aus reiner Willkür Abhängigkeiten zu schaffen. Versuchungen, die dem Staat fremd sind, da dieser ja schließlich bei uns "demokratisch legitimiert" ist.
Wer übrigens in die auf SPON veröffentlichte Liste schaut, wird zwei wesentliche Gruppen entdecken, unter denen in den USA anscheinend bevorzugt Milliardäre zu finden sind: Gründer und deren Nachkommen. In Deutschland hätte man hier schon Mühe, außer den Aldi-Brüdern und den ¨starting five" der SAP hinreichend viele zu benennen, die in diese Kategorie passen würden. Denn hier wird nicht gegründet, sondern erhalten bis zur Museumsreife, aber das wenigstens vom demokratisch legitimierten Staat, damit Volkserzieher nicht erschaudern müssen.
bisher 10 Kommentare » Kommentare
Der Deutschlandfunk-Kommentar ist wirklich krass!
Ansonsten:
Das Vermögen ist zwar meist nicht ganz so “jung” wie in den USA, aber auch in Deutschland gibt es unter den Milliardären viele Gründer (oder zumindest Kinder von Gründern).
Der Unterschied ist allerdings die Branchenzusammensetzung.
Hightech- und Internetmilliardäre gibt es in Deutschland (abgesehen von den SAP-Gründern) kaum.
Hingegen fällt die Dominanz des Einzelhandels auf:
Je nach Quelle gibt es unter den 20 Reichsten Deutschen ca. 6 bis 8, die ihr Vermögen v.a. im Einzelhandel gemacht haben.
Genannt werden meist K.Albrecht, T. Albrecht, M.Otto, E. Haub (Tengelmann), K.H.Kipp (Massa), (bis vor kurzem) M. Schickedanz, O.Beisheim (Metro), M.Schmidt-Ruthenbeck (Metro), W.Herz (Tchibo).
Teilweise auch noch A. Schlecker und H.Deichmann.
Die allermeisten dieser Personen haben ihr Vermögen “aus nichts heraus” geschaffen.
Wenn man mal darüber nachdenkt:
Eigentlich schon verblüffend. Die Margen sind im deutschen Einzelhandel im weltweiten Vergleich sehr gering, es herrscht sehr harter Wettbewerb. Der deutsche Verbraucher ist extrem preissensibel und hat eine vergleichsweise geringe Konsumneigung.
Und ausgerechnet in diesem Markt ist ausgerechnet der Einzelhandel ein besonders fruchtbarer Boden, um Milliardäre hervorzubringen.
Wäre mal interessant zu erforschen, warum das so ist.
Meine Vermutung: Um in den Handel einzusteigen, sind keine großen Anfangsinvestitionen erforderlich. Die meisten von den Genannten haben mit einem oder wenigen Geschäften angefangen und expandierten, als sich das Modell als erfolgreich erwies.
Für Karrieren in kapitalintensiven Branchen brauchst du als kleiner Anfänger Risikobereitschaft und -kapital, und beides findet sich eher “drüben”.
Damit wäre die Dominanz der Händler eher ein schlechtes Zeichen.
Oskar Lafontaine hat die Milliardenspender bei Maybritt Illner gelobt. Skandal!
Ich find’s auch gut. Immer dieses Haar-in-der-Suppe-Finden, sehr nervig.
Natürlich will ich trotzdem eine Vermögensteuer und höhere Erbschaftsteuer, das ist klar.
unglaublich skurril dieser DF Kommentar …
Der Kommentar ist doch nicht skurril sondern logisch schlüssig, wenn man den Sozialstaat befürwortet.
Ich gehe hundertprozentig d’accord mit Rayson in seiner Ablehnung des Inhalts des angesprochenen Radio-Kommentars.
Nur wundert mich meinerseits seine Bemerkung: “Ausgerechnet der Deutschlandfunk muss die rot-grüne Internet-Hauspostille, …”;
ich höre seit Jahren ausschließlich die beiden Sender des Deutschlandradios, weil sie meiner Meinung nach mit die letzten sind, die sich dem Trend zum Dudelfunk widersetzen und noch wissen, was gutes Radio eigentlich sein kann;
aber politisch schwimmen beide Programme doch wohl voll im links-”liberalen” Mainstream mit, oder sind, besser gesagt, als ein Leitmedium der politisch interessierten Kreise mitverantwortlich für die veröffentlichte Meinung in diesem Land mit ihrem gewissen Linksdrall.
SpOn ist die “die rot-grüne Internet-Hauspostille”? Das hatte ich zu rot-grünen Zeiten anders erlebt. Vielleicht kritisieren sie einfach immer die Regierung? (Was ich wegen der von Kontrolle der Regierung inzwischen für das sinnvollste halte.)
Ich würde Marc Recht geben: SPON ist kein rot-grünes sondern ein links-etatistisches Presseorgan. Das heißt, dass im Zweifel die rot-grüne Regierung von links attackiert wird.
Das ist zumindest mein Eindruck aus den letzten Jahren. Mal abgesehen davon, dass es sich bei SPON in der Liga der bekannten Medien meiner Ansicht nach um den Spitzenreiter beim miserablen Journalismus handelt.
Übrigens, ich weiß nicht, ob das hierher gehört, aber ich bin nicht mal sicher, ob ich dir ursprüngliche Idee der Spende vorbildlich finde. Ich finde sie sogar auf sonderbare Weise irgendwie unmoralisch. Weniger den Akt an sich, denn jeder darf natürlich selbst entscheiden, wie er mit seinem Vermögen umgeht, als die dazu gehörende Haltung und die PR. Ein bisschen wie diese merkwürdigen Leute hier in Deutschland, die (angeblich) selbst reich sind und höhere Steuern für Reiche fordern.
Sehr geil formuliert!
Auch von mir kurz etwas zu diesem aktuellen Thema:
Gründer, die auch über den mühsamen Status des Gründers hinaus kommen, gibt es leider in D tatsächlich zu wenige, Verwalter dafür umso mehr. Damit meine ich gar nicht einmal den Staat sondern viele Branchen, die nur Besitzstand verwalten und im Notfall gerne nach dem Staat schreien, selbst aber aktiv nichts zum Gemeinwohl beitragen…