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Es geht auch schlimmer

Okay, okay, ich gebe ja gern zu, dass unsere Politiker nicht die tollsten sind. Der eine oder andere ist ein wenig korrupt, mancher ein wenig radikal, andere betätigen sich gerne als Empörungsmaschine oder stellen dämliche Vergleiche an, die einen nur noch mit dem Kopf schütteln lassen.

Aber haben andere Länder es besser? Nein. Besonders begeistert mich da im Moment ein Blick nach England, wo sich ein Parlamentarier herumtreibt, der an Leichtgläubigkeit, Verbohrtheit und Dreistheit alles zu schlagen scheint, was wir in Deutschland so gewohnt sind – und das in einer Person.

David Amess, MP, hat es nicht nur geschafft, innerhalb von vier Jahren 19.000 Pfund an Steuergeldern für Essensspesen auszugeben (das sind immerhin 400 Pfund im Monat). Nein, er hat sich auch mehrere Urlaubsreisen auf die Malediven von der dortigen Regierung bezahlen lassen – und danach gut ein Dutzend Anfragen zugunsten der Malediven im britischen Unterhaus gestellt. Dabei hat er nur leider vergessen, auf die reichhaltigen Geschenke seiner maledivischen Freunde hinzuweisen, wie das das britische Gesetz verlangt. Im vergangenen Jahr teilte er dem Sicherheitspersonal an einem Flughafen mit, seine Koffer seien von Osama bin Laden gepackt worden – um sich dann während des Fluges mehrfach zu übergeben, die Orientierung und die Erinnerung an seinen eigenen Namen zu verlieren und sich schließlich sogar noch über die Fluggesellschaft zu beschweren.

Wirklich bekannt geworden ist er aber durch eine Fernsehsendung, die ihn bat, ein Video aufzunehmen, in dem er vor den schrecklichen Folgen einer “made-up drug”, einer “erfundenen Droge” also, warnen sollte – was er nicht nur tat, sondern sogar direkt eine Organisation ins Leben rief, die sich mit dem Kampf gegen diese imaginäre Droge beschäftigt!

Augenblicklich ist Amess wieder einmal in den Medien – weil er dazu aufrief, eine a parlamentarische Untersuchungskommission zu gründen, die sich mit dem schlechten Abschneiden der englischen Nationalmannschaft bei der WM beschäftigt.

Und dieser Mann wurde mit 46% Zustimmung ins Unterhaus gewählt. Nee, also da sind mir unsere Politiker doch lieber!

bisher 19 Kommentare » Kommentare
  1. [...] This post was mentioned on Twitter by Karsten Reisdorf. Karsten Reisdorf said: RT @BissigeLiberale: Neuer Beitrag: Es geht auch schlimmer http://bit.ly/ccj30k [...]

  2. David sagt am 01. 07. 2010 um 18:44 Uhr:

    Naja, wenn der schon so heißt.

  3. Karsten sagt am 01. 07. 2010 um 18:54 Uhr:

    A mess? ;)

  4. der_gute_don sagt am 01. 07. 2010 um 20:22 Uhr:

    bemerkswert, daß die Medien keine Transparenz gegenüber den Wählern herstellen …

  5. David sagt am 01. 07. 2010 um 20:57 Uhr:

    @Karsten: Nein, ich meinte selbstverständlich den Vornamen.

    Ähnlich wie ich auch, scheint mir dieser Mensch nämlich sein Unwissen und seine Gedankenarmut halbwegs erfolgreich durch ein beständiges Bemühen, die tumben Massen tüchtig zu unterhalten, auszugleichen bemüht zu sein.
    Und deswegen ist er mir doch viel lieber als diese deutschen Politiker, die allesamt so unterhaltsam sind wie die Innenansicht eines Komposthaufens. (Schröder war da eine lobenswerte Ausnahme, vor allem während der Elephantenrunde 2005! Westerwelle ist redlich bemüht, seinen Bemühungen haftet aber stets auch etwas tragisches an.)
    Wenn ich schon mies regiert und noch mieser legisliert werde, dann will ich mich dabei wenigstens ordentlich amüsieren.

  6. Rayson sagt am 01. 07. 2010 um 23:43 Uhr:

    @David

    Man sollte den Abgeordneten statt Diäten Freibier gewähren, dann sähe die Sache anders aus.

  7. F.Alfonzo sagt am 02. 07. 2010 um 01:13 Uhr:

    mein Vorschlag seit langer Zeit (kann international angewendet werden):

    Jeder Parlamentarier kriegt 5 Mio. im Jahr zum verprassen, darf dafür aber nicht mehr im Parlament abstimmen :)

    Win-win-Situation für beide, den Politiker und die Wähler.

  8. Boche sagt am 02. 07. 2010 um 07:38 Uhr:

    Also 400 Pfund im Monat für Essen finde ich nicht so doll viel…

  9. Karsten sagt am 02. 07. 2010 um 08:43 Uhr:

    @Boche:
    Moment, das sind nur die Essensspesen. Auf Reisen, und wenn er dienstlich unterwegs ist. Er soll sich nicht seine gesamte Ernährung extra vom Steuerzahler bezahlen lassen… und er hat jeden Monat dieses Limit ausgereizt!

    @David/Rayson:
    Naja, die Idee mit dem Freibier hat was…

  10. Boche sagt am 02. 07. 2010 um 09:39 Uhr:

    @Karsten

    Meine Einschätzung habe ich auf technischer, nicht auf moralischen Überlegungen getroffen.

  11. VolkerD sagt am 02. 07. 2010 um 09:54 Uhr:

    Ich kann verstehen dass die Engländer diesen Menschen gewählt haben:
    der Abgeordnete ist versorgt
    er ist aus dem Wirtschaftskreisluaf entfernt und kann dort kaum Schaden anrichten
    und das Wichtigste: Die Engländer haben was zu lachen.

    Das sind doch drei überezeugende Gründe, oder ;)

  12. Karsten sagt am 02. 07. 2010 um 11:18 Uhr:

    @Boche:
    Klar, wenn ich mich bemühe, kann ich auch locker 400 Pfund Essensspesen im Monat verursachen. Da muss man sich aber schon etwas bemühen… Vor allem, wenn man es jeden Monat schaffen will.

    Kleiner gelber Zettel: “Nicht vergessen: Am 30. noch drei Mal Essen gehen – Spesen!” :)

  13. tigger sagt am 02. 07. 2010 um 11:22 Uhr:

    Kommt auch darauf an, wo man essen geht, 400 Pfund kann man auch locker an einem Abend raushauen :-)

  14. Boche sagt am 02. 07. 2010 um 11:38 Uhr:

    Da, wo ich jeden Tag vom Büro zum Mittag essen gehe, könnte ich ohne jede Mühe 300 EUR verbraten. Nur zum Mittag. Und nicht einmal in bester Lage und im besten Restaurant. Wenn ich demnächst im Stadtzentrum arbeite, toppe ich das mit noch viel weniger Mühe.

    Ich muss jetzt nur noch gewählt werden.

  15. R.A. sagt am 02. 07. 2010 um 13:05 Uhr:

    @Karsten:
    Vergiß’ nicht das Preisniveau in London.
    Ein nettes Abendessen in einem guten Restaurant (muß gar nicht Luxusklasse sein), ein paar Getränke – schon sind 50 Pfund weg.

    Und das zweimal die Woche ist für einen Parlamentarier gar nicht mal viel.

  16. stefanolix sagt am 02. 07. 2010 um 13:41 Uhr:

    Alles klar, aber muss man als gut verdienender Abgeordneter sein Essen wirklich vom Steuerzahler bezahlen lassen, muss man das wirklich ausreizen?

    Ich könnte es in solchen Situationen verstehen wie am 30.06. in der Bundesversammlung — da sind die Spesen ja wirklich gerechtfertigt. Aber ich will kein Fass aufmachen …

  17. R.A. sagt am 02. 07. 2010 um 13:46 Uhr:

    @stefanolix:
    Nicht daß ich falsch verstanden werde – ich habe das Verhalten des Mr. Amiss nicht verteidigt, sondern nur einen Seitenaspekt kommentiert.

    Ansonsten bleibt der Eindruck, daß die Wähler von Southend West einen Vollspacken im Amt bestätigt haben.

  18. Karsten sagt am 02. 07. 2010 um 18:33 Uhr:

    Eben, die Geschichte mit den Spesen ist ja nur ein Aspekt dieses Horror-Abgeordneten, und nicht einmal der skurrilste. Wobei an der Sache ja auch noch amüsant ist, dass Mr. A Mess dann noch vor den Journalisten davonläuft… :)

  19. Christian S. sagt am 02. 07. 2010 um 22:16 Uhr:

    Die Spesen-Regelung ist halt schwachsinnig. Abgeordnete sollten eine Pauschale bekommen, von der alles bezahlt werden muss.