Verantwortung übernehmen
Unsere Kollegen weiter links folgen gerade gehorsam der Parteilinie: Da es in NRW mit Rot-Grün alleine wohl nicht funktioniert, soll die FDP jetzt "Verantwortung übernehmen" und in eine Ampelkoalition eintreten.
Wohlgemerkt: Das will die SPD, die eben noch nichts unversucht gelassen hat, die FDP in eine rechte Ecke zu stellen, sie als "fundamentalistisch" den "Linken" gleichstellte und verhindern wollte, dass die FDP überhaupt in den Landtag kommt. Auch jetzt verzichtet die SPD darauf, ihre Ausfälle wenigstens im Nachhinein abzumildern oder gar inhaltliche Angebote zu machen. Der Ton ist derselbe wie seit Jahren: "Du willst es doch auch, Schlampe!" Wie verführerisch… Wer sich als Sozi da noch ernsthaft wundert, dass die FDP bei diesem miesen Spiel nicht mitmachen will, beweist damit also auch eine Wertschätzung für den jetzt plötzlich wieder gewünschten Koalitionspartner, die auch jegliche Gespräche in der Pissrinne auf Jahre hinaus unmöglich machen sollte.
Aber wo wir schon bei dieser seltsamen "Verantwortungs"-Logik sind: Seltsamerweise wird eine ähnliche Forderung an die "Grünen" nicht herangetragen. Was im Grunde erstaunen muss, könnten sie mit einer Zustimmung zu einer "Jamaika-Koalition" doch dafür sorgen, dass die Partei mit den meisten Wählerstimmen auch den Ministerpräsidenten stellt. Oder aber auch nicht erstaunen muss, wenn man bei denen, die derart mit zweierlei Maß messen, eine parteipolitische Voreingenommenheit unterstellt. Im Fall der SPD ist das klar, aber die Macher des angeblich unabhängigen Blogs "Wir in NRW", das in den letzten Wochen geschickt terminiert CDU-Interna zum Besten gab, haben damit nun endgültig bestätigt, was jeder vermutete, nämlich eine zumindest "SPD-nahe" Veranstaltung zu sein. Wenigstens hat der SPON-notorische Franz Walter die Zeichen der Zeit erkannt und fordert, dass jetzt endlich zusammenwächst, was inhaltlich zusammengehört.
A propos "Grüne": Ich werde keine Sekunde zögern, auf die SPD einzudreschen, wenn sie sich für eine Koalition mit den "Linken" entscheidet. Aber meine Ansprüche an diese Partei sind nicht so hoch, dass ich ihr Zögern und (ich hoffe, mich da nicht zu täuschen) ihr Unwohlsein angesichts dieses potenziellen Partners nicht zu schätzen wüsste. Wie sich aber die "Grünen", in deren offiziellem Namen immerhin noch "Bündnis 90" enthalten ist, auf peinliche Weise geradezu überschlagen, Rot-Rot-Grün herzustellen, legt den Kern dieser Partei, die nicht zuletzt wegen ihres journalistischen Rückhalts als die politisch korrekteste aller deutschen Parteien gilt, und für die als Partner, der nicht SPD heißt, eine CDU bedenkenlos eigene Programmatik mit einer Lust zu opfern bereit ist, die man ihr zur Durchsetzung eigener Programmatik mit der FDP wünschen würde, dankenswerterweise mal wieder offen.
bisher 16 Kommentare » Kommentare
Wow. Bis zum letzten Satz war ich inhaltlich total bei dir, aber dann habe ich beim Lesen vor lauter Begeisterung über so viel syntaktischen Wagemut völlig das eigentliche Thema vergessen. (Mag nicht so klingen, ist aber als Lob gemeint.)
Trotzdem inhaltlich: Schon lustig, das mit der Verantwortung und dem Regierungsauftrag. Irgendwie darf immer die SPD entscheiden, wem was davon zufällt.
Der Verfasser eines solchen Satzes spielt skrupellos gegenüber dem Leser eine Überlegenheit aus, die darauf beruht, dass er in einem längeren Prozess allmählich Schicht auf Schicht setzen kann. Und zeigt diesem somit, dass es ihm nur darauf ankam, die Pfauenfedern zu spreizen, nicht aber, über irgendwas zu informieren.
Erwischt.
Auch wenn ich vielem Zustimme wir-in-nrw SPD-nähe vorzuwerfen ist etwas weit hergehohlt. Im Netz sind die Meisten CDU kritisch.
Das sagt aber noch lange nichts über Gesinnung aus (außer halt “nicht CDU”).
Der letzte Satz lesen, ist wie Tischtennis gucken.
“Den letzten Satz zu lesen, ist wie Tischtennis zu gucken”, sollte es heißen. Ist es schon so spät?
Das ist wie Latein übersetzen, erst das Verb suchen und dann die anderen Satzteile zusammen suchen.
@Robert (SCNR): Zusammen suchen oder zusammensuchen? Der Staat lässt uns hier noch ein klein wenig Freiheit. Wir dürfen uns für eine Variante entscheiden ;-)
Dieser Appell an die Veratntwortung hat natürlich Methode: Da sich die FDP weigern wird, diese “Verantwortung” zu übernehmen, bleibt der armen SPD leider nichts anderes übrig, als mit den Kommunisten ins Bett zu steigen.
Das muß man doch einsehen, oder?
Wobei, um mal ganz ehrlich zu sein, und obwohl ich weiß, dass ich mich damit der Gefahr aussetze, mich hier sehr unbeliebt zu machen und heftigen Widerspruch zu provozieren, ich durchaus nicht sicher bin, ob man es der SPD wirklich vorwerfen könnte, wenn sie mit der Linken koalierte, falls sie nicht vor der Wahl versprochen hat, das nicht zu tun, was mir leider gerade nicht erinnerlich ist, denn letzten Endes ist doch die entscheidende Frage nicht, ob man seine Koalitionspartner toll findet, sondern, wie man seine politischen Ziele am besten durchsetzen kann, was für die SPD aufgrund zahlreicher Übereinstimmungen mit der Linken wohl eine Überlegung wert wäre, ohne dass ich damit zum Ausdruck bringen wollte, die Ziele der SPD oder der Linken gut zu heißen. (Der war für dich, Rayson.)
Um uns enteignen zu lassen, brauchen wir die Linken gar nicht
@Buenavista: Ja, äh, so hätte ich es wohl auch sagen können.
Diese Anspielungen auf Zeiten von vor 20 Jahren sind zwar interessant, aber das bringt mich darauf, dass es dann auch kein schwarz-grün oder Jamaika geben dürfte, da Union und FDP die jeweiligen Blockflöten integriert haben.
@Marc
Was hat die Aufnahme von Mitgliedern in demokratische Parteien mit einer weiter existierenden SED zu tun?
@Marc:
Sie sind vor allem deswegen interessant, wenn man das Programm der “Linken” anschaut.
Daß die jetzt behaupten keine Mauer mehr bauen zu wollen – geschenkt, das würden sie eh nicht durchkriegen.
Aber das Wirtschaftsprogramm besteht aus genau den Maßnahmen, mit denen sie schon einen ganzen Staat ruiniert haben. Das sollte einem schon zu denken geben.
Politische Verantwortung, die zu tragen ist, als “nützlicher Idiot” einer Partei die in NRW kontinuierlich Stimmen verloren hat, SPD, und regierungssüchtigen Grünen.
Ich habe die sinngemäße Aussage der FDP am NRW Wahlabend, “Man könne als FDP in NRW Opposition und sei gewillt, diese bestmöglich darzustellen”,mit Respekt honoriert. Ich honoriere den politisch exzellenten Schachzug der NRW FDP, nur bei Verzicht von SPD und Grünen auf Koalitionsgespräche mit antidemokratischen Parteien, wie der Linkspartei NRW, zu Ampelgesprächen bereit zu sein, ebenfalls mit Respekt.
In weiser Voraussicht will sich die NRW FDP nicht von einer SPD “Isch”-Kraft, nebst einer verfrüht SPD Wahlsieg feiernden SPD Putte Gebriel, wie auch einer “liberal und antidemokratisch sind gleichwertige Gesprächspartner” (Trittin bei Beckmann) BdG Partei mit “wir prostituieren uns auch für Kommunisten und Antidemokraten”, Hauptsache wir bestimmen die (Un-)Bildung in NRW” Löhrmann, zum Steigbügelhalter für rot-grün-blutrot erklären lassen.
Ein ausgesprochen geschickter Schachzug zum Schutz einer FDP, der die minimale Steigerung der Zustimmung in NRW nichts half und die sich dieser Erkenntnis einschließlich der Folgen noch am Wahlabend realistisch stellte.
Die Wetten für den Versuch von Fr. Isch-Kraft und egal-mit-wem-Löhrmann die Antidemokraten der enteignungswilligen Alt-und Neokommunistenpartei zur Regierungsbildung für demokratisch akzeptabel zu erklären und damit rot-grünen demokratischen Ausverkauf einzuläuten steigen stündlich.
Soviel zur “Wahrnehmung politischer Verantwortung”.
Politische Verantwortungslosigkeit und Verwahrlosung, Dein Name sei rot-grün.
[...] Natürlich hat Rüttgers es verdient, abgewählt zu werden. Und ich verstehe auch die SPD-Leute, die sich über ihren, ähem, Sieg freuen (0,1 Prozentpunkte mehr sind immer noch mehr. Nah dran zählt nur bei Hufeisen und Granaten.) und sich ärgern, dass alles so kompliziert ist. Trotzdem ist es albern, jetzt von der FDP zu erwarten, dass sie aus lauter Verantwortungsbewusstsein um jeden Preis mit der SPD koaliert. Rayson von B.L.O.G. sagt: „Aber wo wir schon bei dieser seltsamen „Verantwortungs“-Logik sind: Seltsamerweis… [...]