Das SPD-Arbeitsmarktkonzept – eine erste Kritik

Die SPD hat heute ihr Konzept zur Arbeitsmarktpolitik vorgelegt. Lesen kann man es z.B. bei unseren Bloggerkollegen von “Rot steht uns gut“. Es ist – wie leider bei fast allen Veröffentlichungen einer politischen Partei – eine Qual, diesen Text zu lesen. Die Hälfte davon befindet sich auf dem Niveau von Waschmittelwerbung, wobei ich da vielleicht sogar der einen oder anderen Werbeagentur Unrecht tue. Im folgenden unternehme ich einen ersten Versuch, nur auf die besonders relevanten und markanten Punkte einzugehen.


Der deutsche und der europäischen Arbeitsmarkt sind unfair geworden. Globaler Wettbewerb und die Wirtschafts-und Finanzkrise bringen die Arbeitsmärkte unter Druck. Weltweit steigt die Arbeitslosigkeit wieder an, auch in Deutschland, und Armutslöhne breiten sich aus. 20 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten in Deutschland im sogenannten „Niedriglohnsektor“. Über 5 Millionen Menschen arbeiten für weniger als 8 Euro pro Stunde. Mindestens 1,2 Millionen arbeiten für weniger als 5 Euro pro Stunde. Und mindestens 1,3 Millionen Menschen müssen nach der Arbeit noch staatliche Unterstützung erhalten, weil ihre Löhne zu niedrig sind, um wenigstens das gesetzliche Existenzminimum abzusichern (sogenannte „Aufstocker“). Unter diesen Menschen im „Niedriglohnsektor“ wächst die Zahl von qualifizierten Arbeitskräften.

Man teilt uns hier leider nicht die Quellen für diese Zahlen mit, aber ich meine z.B. die Studie eines Instituts “Arbeit und Qualifikation” identifizieren zu könnenm (dazu mehr bei “Neues aus Westsibirien“), und die Zahl der “Aufstocker” ist ja durchaus eine offizielle. Allerdings wendet die SPD hier einen bei Linken sehr beliebten Taschenspielertrick an: Durch die Zusammenstellung wird der Eindruck erweckt, die “Aufstocker” arbeiteten in Vollzeit, und der “Aufstockungs”-Bedarf ergebe sich aus zu geringen Löhnen. Die Realität sieht aber anders aus. Nur knapp 400.000 “Aufstocker” arbeiten in Vollzeit. Der Normalfall ist nämlich nicht der arme Arbeitnehmer, der zu seinem Einkommen noch ALG-II-Unterstützung benötigt, sondern der Normalfall ist der ALG-II-Bezieher, der zusätzlich als Minijobber oder in Teilzeit arbeitet, denn die Regelungen sehen nun einmal so aus, dass wegen der drohenden Anrechnung sich nur wenige hundert Euro Hinzuverdienst lohnen. Und bei den Vollzeit-Arbeitnehmern, die zusätzlich noch ALG II beziehen, wirkt sich aus, dass diese Unterstützungsleistung im Gegensatz zum Lohn um so höher ausfällt, je mehr Kinder im Haushalt vorhanden sind. Man kann als Familienvater einen Stundenlohn von 10 Euro verdienen und trotzdem “Aufstocker” sein.

Leih-und Zeitarbeit, die ursprünglich dazu dienen sollten, Überstunden abzubauen und Arbeitsplätze neu zu schaffen, gefährden normale und tarifgebundene Arbeitsplätze und haben eine Funktion als „Lohndrücker“ für viele Arbeitnehmer beim Lohn einen „Fahrstuhl nach unten“ geschaffen. Weil Mindestlöhne fehlen, werden faire Unternehmen mit Tariflöhnen im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungssektor zunehmend vom Markt verdrängt. Ihre Wettbewerber setzen sich durch, weil die von ihnen gezahlten Armutslöhne staatlich dauersubventioniert werden. CDU/CSU/ und FDP wollen diesen unfairen Wettbewerb auf dem Rücken von fairen Unternehmen und ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch eine Erhöhung der Zuverdienstmöglichkeiten bei den sogenannten „Hartz IV-Empfänger/innen“ sogar noch ausdehnen. Gleichzeitig finden viele, die arbeiten wollen, keine Beschäftigungsmöglichkeit.

Die SPD verwechselt hier Ursache und Wirkung. Das, was den “Lohn drückt”, sind nicht die Leih- und Zeitarbeiter, sondern das ist die Produktivität. Es ist ja nicht so, dass die Unternehmer früher mitfühlender und arbeitnehmerfreundlicher gewesen wären, nur haben in den 70ern massiv steigende Löhne und staatliche Regulierung dazu geführt, dass die Teilnahme von anderen Ländern am internationalen Handel hierzulande als störend empfunden wird. So lange der chinesische Bauer am Existenzminimum herumkrebst, ist er den wackeren Kämpfern für Arbeitnehmerrechte hierzulande weitgehend egal bzw. kann er als Anlass dienen, sich durch die Gabe von Entwicklungshilfe einen Ablass früherer angeblicher oder realer Kolonialsünden zu versprechen. Fängt er aber an, als Fabrikarbeiter etwas herzustellen, das auch den Leuten hierzulande gefällt, gibt seine Lebenssituation plötzlich Anlass zur Sorge, auch wenn sie sich für ihn selbst gebessert hat.

Leih- und Zeitarbeit sind Instrumente, die von den Unternehmen genutzt werden, um die Lohnkosten zu senken. Das ist vollkommen richtig erkannt. Aber das kann diesen Unternehmen nur gelingen, wenn auch die Produktivität eine Senkung nahe legt, denn anderenfalls würde gerade das Gewinninteresse die Konkurrenten dazu veranlassen, den Niedrigentlohnern Arbeitskräfte abzujagen. Leih- und Zeitarbeit sind quasi die Voraussetzung dafür, dass sich überhaupt eine Entlohnungsdiskrepanz einstellen kann, denn sie ermöglichen den Erhalt gering produktiver Arbeitsplätze im Inland. Ohne diese Instrumente würde diese Arbeit woanders erledigt, die niedrig Entlohnten von heute wären dann arbeitslos, und die Sozi-Seele wäre es zufrieden, denn eine Diskrepanz in der Lohnzahlung könnte nicht mehr festgestellt werden. Stattdessen würde man dann wahrscheinlich das ausländische “Lohndumping” anprangern, mit dem Ziel, den chinesischen Bauern wieder auf seine Scholle zurückzutreiben.

Die Behauptung, Mindestlöhne würden verhindern, dass Unternehmen vom Markt gedrängt werden, ist frech. Tatsächlich, wie man am Beispiel der Post sehen konnte, dienen Mindestlöhne vor allem dazu, Konkurrenz zu verhindern und dem oder den Platzhirschen einen Vorteil zu verschaffen. Als Liberaler ist man für offene Märkte, und das bedeutet auch, die Marktzutrittsbarrieren so gering wie möglich zu halten, damit kein Unternehmen vor neu hinzukommendem Wettbewerb sicher sein kann. Die Lage in Märkten mit Netzwerkeffekten, wo also schon die Größe des Unternehmens zum Vorteil an sich wird, erfordert es, dass Newcomer alle Möglichkeiten nutzen, den (Quasi-)Monopolisten anzugreifen. Und wenn sich dann herausstellt, dass auf der E-Lok kein Heizer mitfahren muss, dann ist das vor allem ein Gewinn für den Kunden.

Alle Versuche, durch Beschränkung dieser Instrumente mehr “Normalarbeitsplätze” zu schaffen, sind deswegen zum Scheitern verurteilt. Das Gegenteil ist richtig: Es gibt nur noch diese Anzahl von “Normalarbeitsplätzen”, weil es auch diese Möglichkeiten der Flexibilisierung gibt.

Die gesamte Argumentation der SPD läuft auf die Logik hinaus: Wir wollen euch vor zu geringen Löhnen schützen, deshalb bleibt lieber arbeitslos.

Darüber hinaus erhalten Frauen bei gleicher bzw. gleichwertiger Arbeit im Durchschnitt 23 Prozent weniger Lohn als Männer. Selbst bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter und gleichem Beruf sind es immer noch 12 Prozent. Freiwillige Vereinbarungen zwischen den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung, diese Lohndiskriminierung zu beenden, haben in den vergangenen Jahren zu nichts geführt. Die SPD will deshalb verbindliche gesetzliche Regelungen einführen, auf die sich Frauen berufen können, wenn sie von Lohndiskriminierung betroffen sind.

Das kann man nur als Drohung auffassen, weitere Arbeitsplätze zu vernichten. Siehe dazu wieder einmal “Neues aus Westsibirien“. Ideologie geht der SPD vor Analyse.

Immer noch sind die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unbefristet bei ihren Arbeitgebern beschäftigt. Aber die Zahl derjenigen, die mit unsicheren Arbeitsverhältnissen zu kämpfen haben nimmt zu. Das liegt vor allem an der Zunahme von Leiharbeit und befristeter Beschäftigung.

Siehe zur “Mär von den zunehmenden Befristungen” – ja, natürlich – “Neues aus Westsibirien“. Und auch, ob Zeitarbeit wirklich “prekär” ist.

Seit der Gesetzgebung über die Montanmitbestimmung und der in der sozialliberalen Koalition entwickelten paritätischen Mitbestimmung ist dieses Instrument gefestigt. Die Erfahrungen der letzten Jahre rechtfertigen und verlangen einen weiteren Ausbau. Eine Ausweitung der Mitbestimmungsmöglichkeiten ist auch ein Ausdruck demokratischer Souveränität. Sie dient der Rückbindung wirtschaftlichen Handelns an Gemeinwohlinteressen. Die paritätische Mitbestimmung sollte bereits in Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten greifen. Die Umgehung der Mitbestimmung durch Rechtsformwahl oder Auslandsgesellschaften mit Verwaltungssitz in Deutschland muss beendet werden.

Die guten Erfahrungen rechtfertigen aber auch einen Ausbau der Mitbestimmung auf Unternehmensebene indem ein Katalog im Aufsichtsrat zustimmungsbedürftiger Geschäfte festgelegt wird. Das ist auch ein wirksamer Schutz gegen die schlimmsten Auswirkungen des modernen Finanzkapitalismus.

Das ist wohl der historisch nicht seltene sozialdemokratische Lobpreis des Monopols. Die Märkte, in denen die “paritätische Mitbestimmung” gilt, zeichnen sich nicht gerade durch eine besondere Innovationsdynamik und Wettbewerbsintensität aus. Um darüber hinaus Gewerkschaftsfunktionäre bei Unternehmensentscheidungen mitreden zu lassen, nimmt die SPD gerne in Kauf, Deutschland für Investitionen unattraktiver zu machen. Denn das Problem am angeblichen Erfolgsmodell ist, dass diejenigen, denen der Erfolg angeblich zuteil wurde, davon nie etwas mitbekommen haben und deswegen auch ihre Entscheidungen nicht danach ausrichten werden. Davon mal abgesehen, dass die Mitbestimmung entgegen der frisch-fröhlich-freien Behauptung der SPD hierzulande keinen Unterschied gemacht hat, ob und wie die Institute in die Finanzkrise involviert waren. Im Gegenteil, da, wo die besten Bedingungen herrschten, wo den “Arbeitnehmer”-Vertretern nur ihnen zum Teil sehr freundlich gesonnene Politiker gegenübersaßen, wurde am meisten gezockt.

Die Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind in den letzten Jahrzehnten nur wenig gestiegen. Das hat Folgen für die Attraktivität von Beschäftigung in Deutschland. Und nicht nur deshalb, aber auch deshalb macht es Sinn, sich dafür einzusetzen, dass die Löhne in Deutschland gerade im unteren Bereich höher ausfallen.

Die SPD darf sich rühmen, ein Problem erkannt zu haben, das nach ihrer Meinung nur in den Köpfen angeblicher “Rechtspopulisten” existiert: Arbeitslose lehnen Jobs ab, weil sie ihrer Meinung nach nicht genug damit verdienen. So steht es da, nur wenig verklausuliert. Was die SPD vom Geruch des Rechtspopulismus befreit, ist natürlich die Lösung: Die Löhne müssen hoch. Daraus lernen wir: Rechtspopulist ist, wer darauf hinweist, dass wegen des zu geringen Abstands von Löhnen zu Lohnersatzleistungen Arbeitslose arbeitslos bleiben wollen, aber sich im Gegensatz zu den Sozis nicht von der Realität lösen will, dass irgendwer auch höhere Löhne bezahlen können muss. Gerade die “Lohnpeitsche” im unteren Bereich war bislang verheerend für die Arbeitslosenzahlen: Man hat in Deutschland Arbeitnehmer mit geringer Qualifikation durch die Anhebung insbesondere der unteren Lohngruppen konsequent in die Arbeitslosigkeit gedrückt. Aber dafür kann man dann ja die bösen Arbeitgeber verantwortlich machen, die aus reiner Böswilligkeit nicht einstellen wollen. Und wieder mal abgesehen davon, dass Bruttolöhne nur ein Teil der Lohnkosten sind. Gerade staatliche Fürsorge hat den Keil zwischen dem, was beim Arbeitnehmer ankommt, und dem, was der Arbeitgeber zahlen muss, enorm vergrößert.

Löhne und Gehälter erfüllen auch eine volkswirtschaftliche Funktion. Die Löhne müssen der Produktivität folgen. Das sind sie in den letzten Jahren nicht mehr. Ohne eine produktivitätsorientierte Lohnpolitik fehlt der nötige Impuls für die Kaufkraft. Deutschland benötigt eine Kehrtwende bei der Lohnquote. Der Zusammenhang zwischen sinkender Lohnquote, steigenden Spitzeneinkommen und Vermögen einerseits und schwacher Inlandsnachfrage andererseits muss aufgebrochen werden.

Der Zusammenhang zwischen der Produktivität und der Erhöhung der Lohnquote ist innovativ. Immerhin. Aber gehen wir zunächst auf die Produktivitätssteigerung ein. Die kann man immer nur einmal ausgeben. Wenn man Rentenpolitiker fragt, finanzieren die Produktivitätssteigerungen die Renten, aber dann bleibt nichts mehr für die Arbeitnehmer übrig. Und wenn man gerne die Arbeitslosigkeit verringern möchte, kann man die Produktivitätszuwächse nicht komplett als Lohnerhöhung verfrühstücken. Eine “Lohnzurückhaltung” in diesem Sinn wirkt also beschäftigungsfördernd, und das ist ja per se erstmal nichts Schlechtes. Richtig ist, dass Löhne der Produktivität folgen, aber nicht als von außen herangetragene Norm, sondern als Logik eines Wettbewerbs auf dem Arbeitsmarkt. Löhne unterhalb der Produktivität führen gewinnmaximierende Unternehmer dazu, Leute einzustellen, bis der Lohn einer zusätzlich eingestellten Arbeitskraft gleich deren zusätzlicher Produktivität ist. Ein Abweichen von diesem Verhalten müsste entweder die These der Gewinnmaximierung in Frage stellen oder auf andere Einflussfaktoren zurückzuführen sein.

Eine “Münchhausen”-Lohnpolitik, die sich quasi selbst aus dem Sumpf zieht, funktioniert nicht: Lohnerhöhungen müssen, bevor sie makroökonomisch wirken können, mikroökonomisch sinnvoll sein. Die SPD erweckt hier zumindest den Eindruck, als wolle sie diesen Zusammenhang politisch überdecken.

Eine Marktwirtschaft braucht Mindestlöhne.

Das ist jetzt Satire, oder? Der Satz heißt nichts anderes als: “Eine Marktwirtschaft braucht Mindestpreise” und ist daher kompletter Unfug. Eine Marktwirtschaft mit Mindestpreisen ist keine Marktwirtschaft mehr.

Fast überall auf der Welt sind sie daher selbstverständlich. Nur in Deutschland ist das bisher anders.

Deswegen beschwert man sich mittlerweile auch bei uns über unsere Leistungsfähigkeit… Es gibt genau zwei Arten von Mindestlöhnen: Solche, die nicht wirken und daher unschädlich sind, und solche, die wirken und daher schädlich sind. Unter den existierenden Mindestlöhnen findet man beide Varianten. Der französische z.B. gehört zur letzteren, auch wenn er alle, die nicht die “broken window fallacy” kennen, dazu verführt, ihn als Konjunkturprogramm für französische Automobile aufzufassen (in den Banlieus fackelt man keine Produkte aus Stuttgart ab, weil es da keine gibt).

Der Deutsche Gewerkschaftbund schlägt deshalb zurecht einen Mindestlohn von 8,50 Euro vor.

Der Satz ist wichtig, denn bis vor kurzem galt noch die Kunde, Moses habe vom Berg Sinai eine Zahl von 7,50 Euro mitgebracht. Daraus kann man vor allem eins schließen: Sobald es einen Mindestlohn gibt, werden DGB und SPD dafür sorgen, dass er sehr, sehr wirksam wird.

Rund 70 Prozent der im Niedriglohnsektor Tätigen sind Frauen. Sie würden von der Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohnes besonders profitieren.

Indem man sie mit den Segnungen vertraut macht, die die SPD für Arbeitslose in petto hat. Mehr dazu weiter unten.

Das [jüngste BVerfG-]Urteil hat den Sozialstaat gestärkt. Damit sind all diejenigen Konzepte mit den Geboten der Verfassung nicht vereinbar, die versuchen, Mobilisierung auf dem Arbeitsmarkt durch eine geringe finanzielle Unterstützung Arbeitsuchender durchzusetzen.

Ich weiß nicht, wer bei der SPD für Öffentliches Recht zuständig ist. Aber sie sollten es mal mit jemandem versuchen, der sich damit auskennt.

Das verlangt zum einen, dass die Zahl derjenigen, die neu auf dem Arbeitsmarkt auftreten und zu geringe Qualifikationen aufweisen, so gering wie möglich ausfallen muss.

Das ist der aus meiner Sicht spannendste Abschnitt des Papiers, der im Gegensatz zum übrigen Text auch Ansätze von Vernunft erkennen lässt. Der Tenor da gefällt mir, aber die Begleitmusik ist noch nicht rund. Mangelnde Qualifizierung ist nicht nur ein schulisches Problem. Aber wie gesagt, da steckt wirklich etwas drin, woran man anknüpfen sollte. Zukunftsfähigkeit erlangt man nur über Bildung.

Auch da, wo die SPD auf die Probleme der Arbeitsvermittlung eingeht, berührt sie einen wahren Kern, aber meines Erachtens nicht konsequent genug. Langzeitarbeitslosigkeit ist oft sehr eng mit persönlichen Problemen verbunden, und zwar nicht nur als Folge, sondern auch als Ursache. Für viele Menschen reichen die sozialen Bindungen nicht mehr aus, und ein Sachbearbeiter auf dem Amt kann die ganz sicher nicht ersetzen. Neben einer stärkeren Verantwortung des Einzelnen in seiner Funktion als Nachbar, Vereinsmitglied, einfach als Mitmensch, müsste darüber hinaus auch an eine Betreuung gedacht werden, die von Staats wegen organisiert ist., und zwar in all den Fällen, in denen Menschen Probleme haben, sich überhaupt noch in der (Arbeits-)Welt von heute zurecht zu finden. Ich denke da z.B. an Fälle, wo ALG-II-Bezieher zu Hause verhungern, was dann nicht an zu wenig Geld gelegen hat, sondern daran, dass die betreffende Person in kein soziales Netz eingebunden war, das sich für sie über eine Aktenlage hinaus interessiert hätte. Denn so sehr ich es bedaure, es ist nun einmal eine Tatsache, dass heutzutage alle Institutionen zwischen Individuum und Staat entweder bereits im Namen des Konsums oder der sozialen Gerechtigkeit vernichtet wurden oder noch unter schwerem Beschuss stehen.

Den Abschnitt zum “sozialen Arbeitsmarkt” betrachte ich hingegen als reine Defensivmaßnahme, um den umstrittenenen Äußerungen der SPD-Spitzenkandidatin für NRW im Nachhinein noch etwas halbwegs Sinnvolles zu unterlegen. Bisherige Erfahrungen mit solchen Ansätzen sind allerdings alles andere als ermutigend.

In einem ersten Fazit hatte ich bei “Rot steht und gut” noch vor allem die Kritikpunkte bewertet, und die bleiben aus meiner Sicht erschreckend genug. Das ist ein Rückgriff auf Methoden aus der 70er Mottenkiste und, wie Mitblogger R.A. an derselben Stelle schon anmerkte, eine nachträgliche Rechtfertigung all dessen, was die SED bisher so verbreitet hat. Wahrscheinlich ist es auch so gedacht, als Vorbereitung für ein rot-rotes Bündnis unter grüner Mithilfe in NRW. Aber immerhin, es gibt da zwei Punkte, da würde ich die Sozis schon noch gerne beim Wort nehmen, zumal es da auch von der FDP interessante Ansätze gibt (“Bildungsgutscheine”).

Soweit in der Schnelle. Mit dem besten Dank an mein bevorzugtes Gegenmittel zum veröffentlichten Unsinn, soweit er den Arbeitsmarkt betrifft: “Neues aus Westsibirien“.

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59 Kommentare zu “Das SPD-Arbeitsmarktkonzept – eine erste Kritik”

  1. jopa
    15.03.2010 | 18:57

    “Die Löhne müssen der Produktivität folgen.”

    Sehr hübsch, alte Gewerkschaftsforderung. Das Problem: Was passiert, wenn die Produktivität sinkt? Folgerichtig müssten die Löhne dann fallen. Und, oh Wunder: In 2009 ist die Produktivität in DE krisenbedingt in den Keller gegangen. Nur auf die linksseitigen Forderungen nach korrespondierenden Lohnkürzungen warte ich immer noch….

  2. Gsjiir
    15.03.2010 | 20:49

    Sehr schönes Kommentar Rayson, kannst du dass vielleicht mal einigen Volksvertretern in Berlin zukommen lassen? Oder wenigstens den kritischen Medien, auf das diese mal die Forderungen der sog. Volksparteien auseinandernehmen? Natürlich nur falls auch nur ein Hauch von Hoffnung besteht dass sich irgendwer der druckenden Medien ähnlich kritisch an die Volksmeinung heranzugehen traut…

    vermutlich eher nicht…..

    aber bitte gerne weiter so

  3. BC
    15.03.2010 | 21:24

    Toller Kommentar. Warum schreiben Leute wie Rayson eigentlich nicht fuer Spiegel, Focus und Co?

  4. F.Alfonzo
    15.03.2010 | 21:47

    @ jopa: Im Aufschwung folgen die Löhne dem BIP, im Abschwung der Produktivität. Geil oder?

    Die Löhne folgen immer irgendeinem Geschwalle, welche Arbeit für welches Geld gemacht wird, ist irrelevant. Das muss so sein. Hat die SPD beschlossen. Abartig.

  5. F.Alfonzo
    15.03.2010 | 21:51

    …ansonsten: Hatte das beim Christian schon gesehen, hab mir gedacht: Ich tu’s mir jetzt mal nicht an, den ganzen Unsinn durchzulesen. Du hast es auch nicht wesentlich vereinfacht…

    …vielleicht finde ich ja mal jemanden, der mir das in 5 Sätzen erklären kann.

  6. 15.03.2010 | 22:00

    @Gsjiir

    Ich schätze, dass diese Positionen viel bekannter und verbreiteter sind, als man so zu hören bekommt. Nur das auch öffentlich so zu sagen, das meinen die meisten Politiker sich nicht leisten zu können.

    @BC

    Weil sie es nicht können. Ein Hobby-Blog ist (zum Glück) etwas anderes als professioneller Journalismus.

    @F.Alfonzo

    Du willst mir doch nicht etwa erzählen, dass ich mir das umsonst angetan habe? ;-)

  7. Forentourist
    15.03.2010 | 22:20

    Gewerkschaftliche Wirtschaftslogik sieht etwa so aus:
    Arbeitslosigkeit niedrig (drohende “Überbeschäftigung”): die Löhne müssen steigen, um mehr Menschen aus der “stillen Reserve” in den Arbeitsmarkt zu bringen
    Arbeitslosigkeit hoch: die Löhne müssen steigen, um durch mehr Nachfrage mehr Jobs zu schaffen
    Inflation hoch: die Löhne müssen steigen, um die Lohnabhängigen vor einer Entwertung ihrer Löhne zu schützen
    Inflation niedrig: die Löhne müssen steigen, um ein Umkippen in die Deflation zu verhindern
    Produktivität steigt: die Löhne müssen mit der P. schritthalten
    Produktivität sinkt: Ursache sind die demotivierend niedrigen Löhne

    und so weiter und so fort…

    Rayson ist für seinen Einsatz wirklich zu bewundern: Er wiederholt, was schon tausendfach dargelegt wurde, obwohl er sicher sein kann, dass die Gegenseite auch noch in 10 Jahren die gleichen Behauptungen rausholen wird.

  8. dirk
    15.03.2010 | 22:49

    Danke Rayson. Es ist bewundernswert wie Du offenkundigen Schwachsinn auch analytisch als solchen identifizierst.

  9. 16.03.2010 | 9:18

    “Weil sie es nicht können. Ein Hobby-Blog ist (zum Glück) etwas anderes als professioneller Journalismus.” –Für diesen Artikel hast Du aber mehr nachgedacht und recherchiert als professionelle Journalisten vieler Zeitungen. Mit dem Ersten Satz hast Du allerdings recht, dank des kapitalistischen Eigentumsrechts der VerlegerInnen an ihren linken Zeitungen. ;)

  10. 16.03.2010 | 9:21

    Erstklassiger Kommentar. Danke dafür!

    Nochmal kurz zum Thema Mindestlöhne: Gibt es eigentlich auch Überlegungen wie man diesen wirkungsvoll durchsetzen will? Neulich habe ich eine TV-Doku über den Zoll gesehen, der garnicht hinterherkommt, die ganzen Baustellen hinsichtlich Einhaltung des Mindestlohnes zu überprüfen. Wenn also ein bundesweiter Mindestlohn kommen soll, braucht man Unmengen Kontrolleure, also quasi eine “Stasi light” für den Arbeitsmarkt. So kann man Arbeitslosigkeit auch bekämpfen… zulasten der Freiheit, aber die ist einer Mehrheit der Deutschen ja eh unwichtig, wie wir gestern in der Emnid-Umfrage erfahren durften.

  11. 16.03.2010 | 9:40

    @Marc

    Wenn der ELENA-Weg weiter beschritten wird, weiß doch die Regierung von jedem, was er verdient.

  12. 16.03.2010 | 9:52

    @Boche

    An ELENA hab ich gar nicht gedacht, nette Idee. Aber auf dem Papier stimmt der Lohn pro Stunde auf den Baustellen doch auch immer, nur halt in der Realität nicht. Also wird man um ne händische Kontrolle auch in Zukunft nicht umhinkommen, oder? Wie machen das eigentlich andere Mindestlohnländer? Oder wird das da garnicht kontrolliert?

  13. 16.03.2010 | 9:52

    Dem Lob schließe ich mich übrigens und selbstverständlich an!

    Man fragt sich ja wirklich, warum es in der Presse nicht möglich sein soll, eine derartige Detailanalyse von Politiker-Output zu unternehmen. Sicher, was Politiker in Programme schreiben, ist oft irrelevant und hat wohl auch gelegentlich eine zu geringe Haltbarkeit als dass man das allzu ernst nehmen sollte. Aber man könnte ja hoffen, dass eine strenge, kritische Analyse solcher Texte auch erzieherische Wirkung haben könnte.

  14. 16.03.2010 | 9:54

    @Marc

    Stimmt schon: Meldungen können auch gefälscht sein. Allerdings weiß ich gar nicht, ob die Probleme dann nicht zu groß werden. Schließlich wird ja dementsprechend Lohnsteuer erhoben, oder?
    Aber vielleicht müssen gewisse Löhne gar nicht über ELENA gemeldet werden?

  15. 16.03.2010 | 10:18

    @Boche
    Es geht ja nicht nur um die Löhne an sich. Es wird einfach einfach auf 35h-Niveau der Mindestlohn eingehalten. Tatsächlich arbeiten die Leute aber 45h und schon ist das Problem da. Solange aber keine vollständige Kontrolle von Lohn und Arbeitszeit stattfindet, kann der Mindestlohn nicht durchgesetzt werden. Laut einem Sprecher der Bundesfinanzdirektion West in diesem diesem WDR-Beitrag gibt es in der Bauindustrie während Kontrollen bei bis zu 20 Prozent der überprüften Mitarbeiter Auffälligkeiten.

  16. dirk
    16.03.2010 | 10:26

    Man fragt sich ja wirklich, warum es in der Presse nicht möglich sein soll, eine derartige Detailanalyse von Politiker-Output zu unternehmen.

    Ich glaube das hat weniger mit Wollen zu tun als mit Intelligenz. Da gibt es in der Presselandschaft nur ein paar, die auf dem Niveau von Rayson, Dir oder Zettel mitspielen können. Richard Herzinger zum Beispiel.

  17. 16.03.2010 | 10:41

    @dirk

    Erst einmal fühle ich mich geehrt, in einer Niveau-Liga mit Rayson oder Zettel genannt zu werden. Meine Selbsteinschätzung ist allerdings etwas bescheidener.

    Und dann weiß ich nicht, ob mangelnde Intelligenz nicht eine zu einfache und deshalb falsche Erklärung ist. Ich kenne Journalisten, die beileibe nicht dumm sind. Ich vermute hier eher, dass die Produktplanung der Verlage derartige Analysen nicht vorsieht.

  18. 16.03.2010 | 10:45

    Werde in den nächsten Tagen wohl auch noch was schreiben. Finde es jedenfalls gut, dass zur Abwechslung mal sachlich debattiert wird.

    Nur eines:

    Nochmal kurz zum Thema Mindestlöhne: Gibt es eigentlich auch Überlegungen wie man diesen wirkungsvoll durchsetzen will?

    Das ist ja mal ein alberner Einwurf. Dass nicht alle Verbrecher geschnappt werden, ist ja auch kein Grund, das BGB abzuschaffen. :S

  19. 16.03.2010 | 10:52

    @Christian S.

    Ganz so albern ist der Einwurf nicht. Jedes erlassene Gesetz, von dem klar ist, dass es nicht oder nur sehr begrenzt durchgesetzt werden kann, schwächt das Vertrauen in den Rechtsstaat.

  20. 16.03.2010 | 11:03

    Das Vertrauen in den Rechtsstaat wird aber nicht minder geschwächt, wenn möglicherweise (!) notwendige Reformen mit dem Verweis auf fehlendes Personal nicht angegangen werden.

    Nein, das Argument “Lässt sich nicht durchsetzen” lasse ich nicht gelten.

  21. 16.03.2010 | 11:13

    Ist es realistisch, eine Vollüberwachung bundesweiter Arbeitsstätten in Betracht zu ziehen?
    Mal abgesehen von der Frage, ob hier der Aufwand in irgendeinem akzeptablen Verhältnis zum “Nutzen” steht.

  22. 16.03.2010 | 11:23

    Warum Überwachung? Es reichte doch, sollte der Mindestlohn unterschritten werden, wenn sich die Arbeitnehmer vor Ort zu Wort meldeten, dass dann die jeweilige Behörde einschritte.

  23. 16.03.2010 | 11:26

    @Christian S.
    Es wird immer über unsere Nachbarn und ihren Mindestlohn gesprochen. Nur seltsamerweise hört man da nie etwas über Kontrollen? Finden die nicht statt und ist der Mindestlohn also de facto da eine Good Will Sache? Weil dass es Mißbrauch in großem Ausmaß gibt, sieht man ja bspw. in der deutschen Bauindustrie.
    Und was mit Gesetzen passiert, deren Durchsetzung nicht verfolgt wird, hat man ja bspw. bei den sogenannte Spekulationsgewinnen gesehen – das BVerfG hat die entsprechenden §§ kassiert und wir haben die Abgeltungsteuer bekommen, weil der Ehrliche eben nicht der Dumme sein darf!

  24. 16.03.2010 | 11:33

    @Christian S.

    Die ganze sozialdemokratische Illusion zum Thema wird meiner Meinung nach in diesem einen Satz von dir sichtbar:

    Es reichte doch, sollte der Mindestlohn unterschritten werden, wenn sich die Arbeitnehmer vor Ort zu Wort meldeten, dass dann die jeweilige Behörde einschritte.

    Warum sollte ein Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber anzeigen? Sofern er nicht unter Zwang zur Arbeit erscheint (es sich also um Sklavenarbeit handelt wo der “zu niedrige” Lohn das geringste Vergehen sein dürfte), ist der geringe Lohn das Ergebnis einer Abmachung. Wenn er den Arbeitgeber anzeigt und damit die Abmachung bricht, dürfte er schlicht seinen Job verlieren.
    Hartz4 könnte er in der Regel wohl auch ohne diesen Umweg bekommen.

  25. 16.03.2010 | 11:36

    Ich glaube eher, dass mit Deiner Replik deutlich wird, dass Du arbeitskampftechnisch nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit bist. :)

  26. 16.03.2010 | 11:42

    Kannst mir ja mal die arbeitskämpfenden Friseusinnen und befristet angestellten Bauarbeiter zeigen.

  27. R.A.
    16.03.2010 | 11:45

    Das Grundproblem der SPD ist m. E., daß sie keine strategische Linie mehr hat.

    Denn die Experten dort wissen ja genau, daß das “Arbeitsmarktkonzept” im wesentlichen Unsinn ist, genau wie Rayson das analysiert hat. Es ist ja kein Zufall, daß die SPD während ihrer Regierungszeit alle diese Forderungen NICHT umgesetzt hat. Und insbesondere strikt gegen den Mindestlohn war.

    Sie wissen es besser – und trotzdem knicken sie um, und gehen auf die Forderungen der Linken ein. Was nicht nur die SPD-Glaubwürdigkeit kaputt macht, sondern auch taktisch nicht funktionieren kann: Für jede SPD-Forderung kann die Linke problemlos eine noch großzügigere und unbezahlbarere nachschieben – diesen Wettbewerb kann die SPD immer nur verlieren.

    Anstatt über jedes Stöckchen zu springen, daß Lafo ihr hinhält, müßte die SPD eigentlich eine eigenständige Linie entwickeln, vielleicht nach dem Vorbild der Genossen in Holland.

    Oder sich auch mal daran erinnern, daß Hartz IV bei aller Wichtigkeit doch nicht das zentrale Thema sein kann. 90% der Deutschen und auch die breite Masse der SPD-Wähler haben mit Hartz IV nichts zu tun und es wäre gerade für eine linke Partei mal nützlich, deren Interessen wahrzunehmen.

  28. 16.03.2010 | 12:11

    Kannst mir ja mal die arbeitskämpfenden Friseusinnen und befristet angestellten Bauarbeiter zeigen.

    Bei SAP war vor wenigen Jahren ein Betriebsrat etc. noch undenkbar, man war ja eine große Familie, und alle wollen nur das Beste füreinander. Das hat sich mittlerweile geändert. Das nur als Beispiel dafür, dass nichts für die Ewigkeit ist.

    Oder sich auch mal daran erinnern, daß Hartz IV bei aller Wichtigkeit doch nicht das zentrale Thema sein kann. 90% der Deutschen und auch die breite Masse der SPD-Wähler haben mit Hartz IV nichts zu tun und es wäre gerade für eine linke Partei mal nützlich, deren Interessen wahrzunehmen.

    Theoretisch mag das stimmen. Praktisch sprechen die Wahlergebnisse eine andere Sprache. Offensichtlich ist Hartz IV für SPD-Wähler eben doch das zentrale Thema.

  29. Forentourist
    16.03.2010 | 12:39

    arbeitskämpfenden Friseusinnen

    Vielleicht sollte man mal probeweise mit dieser Berufsgruppe anfangen, um zu zeigen, dass Mindestlöhne nicht funktionieren. Die SPD zieht das zwar gerne ins Lächerliche, weil nun niemand wegen der nierdigeren Löhne zum Haareschneiden nach Indien fliegt. Dafür könnte man aber…
    …seltener zum Frisör gehen
    …selbst schneiden
    …häufiger schwarz schneiden lassen(und mir erzähle niemand, die durchschnittliche Friseuse würde ihre Freunde, Verwandten und Bekannten nicht privat nach der Arbeit steuer- und sozialabgabenfrei frisieren)

    Dafür opfert man dann natürlich alle bisherigen Frisörsalons, die mangels Kundschaft zusperren müssen – aber das sind ja auch alles kapitalisitsche Ausbeuter, um die es nicht wirklich schade wäre.

  30. 16.03.2010 | 12:59

    @Christian S.

    Du siehst schon, dass das Beispiel SAP nicht in die von mir genannten Gruppen passt?
    Vielleicht gehst du einfach mal auf des Forentourists Vorschlag ein und erklärst, wie die Friseusin erfolgreich und ohne ihren Job zu verlieren gegen ihren Arbeitgeber “kämpft”?

  31. 16.03.2010 | 13:24
  32. 16.03.2010 | 13:28

    [...] das SPD-Diskussionspapier auf einmal umfassend zu kommentieren (im Gegensatz zu geschätzten Mitbloggern). Es muss Schritt für Schritt geschehen. In diesem Beitrag: der Mindestlohn. Formuliert wird: Eine [...]

  33. R.A.
    16.03.2010 | 14:15

    @Christian:

    Praktisch sprechen die Wahlergebnisse eine andere Sprache. Offensichtlich ist Hartz IV für SPD-Wähler eben doch das zentrale Thema.

    Da lese ich die Wahlergebnisse anders.
    Die SPD hat nur wenige Prozent an die Linke verloren (das sind dann wohl Leute, die Hartz IV wichtig nehmen). Und selbst diese hätte sie m. E. halten können, wenn sie ihre Politik positiv kommuniziert hätte.

    Die weit größeren Verluste hatte die SPD an die Nichtwähler (aber auch an Union und FDP). Und das sind im wesentlichen “Normalbürger”, d.h. die typische SPD-Klientel aus kleinen Angestellten und Arbeitern. Nur die wenigsten davon beziehen Hartz IV (auch nicht als Aufstocker) und die werden sich im neuen Arbeitsmarktkonzept weiterhin nicht angesprochen fühlen.

  34. 16.03.2010 | 14:56

    Ok, nehmen wir an, Du hättest Recht – in welchem Bereich müsste sich die SPD Deiner Meinung nach neu positionieren?

    Die groben Züge sind die gleichen wie 2002 und 2005 …

  35. R.A.
    16.03.2010 | 16:11

    @Christian:

    in welchem Bereich müsste sich die SPD Deiner Meinung nach neu positionieren?

    Ganz einfach, das FDP-Programm übernehmen ;-)

    Nein ehrlich, es ist für mich nicht leicht, die Themen der SPD-Wähler auch in SPD-Denke zu adressieren.

    Zu einem guten Teil wäre das aber schon der Kurs, den Schröder versucht hat. Das Problem war, daß er einerseits in Schlangenlinien auf Sicht gefahren ist – es fehlte eine stringente Gesamtlinie. Und er hat die Agenda als Notmaßnahme verkauft, mit einer “Blut, Schweiß und Tränen”-Rede – anstatt als positives Reformprojekt, mit dem Chancen geschaffen werden.

    Das muß man sich mal vorstellen: Da bekommen die meisten Betroffenen unterm Strich mehr Staatshilfe als früher – aber das Ganze wird als unsoziale Schweinerei gesehen.

    Eigentlich hätte die Agenda in Richtung “aktivierender Sozialstaat” gehen sollen, so wie in Holland (uns Liberalen ist das natürlich zu paternalistisch …). Das hätte auch dem zukunftsoptimistischen Weltbild entsprochen, für das die SPD eigentlich immer stand. Für Sozialdemokraten ging es doch immer darum, daß es ihren Wählern und vor allem deren Kindern mal besser gehen sollte – und nicht darum, von jeder Veränderung das Schlimmste zu erwarten und vorsichtshalber zu bekämpfen.

    Was die SPD-Wähler bei solchen Veränderungen brauchen, da ist ein Kern von Sicherheit (den ihnen Liberale nicht bieten können) – aber auch kein Rundum-Sorglos-Paket.

    Die Riester-Rente ist zwar etwas vermurkst worden, ging aber in die richtige Richtung. Der Einzelne sorgt selber vor, aber in einer vom Staat abgesicherten Geldanlage. So etwas wäre auch bei anderen Finanzprodukten sinnvoll: Der Staat sollte nicht die Pleitebanken garantieren, durchaus aber die Anlagen der Kleinanleger. So etwas könnte eine SPD gut formulieren. Ein “Riester-Anlagefonds” für die private Geldanlage, nicht so renditestark, aber gut reguliert und vom Staat garantiert – das würde sehr vielen Leuten helfen. Und dann kann man sich die populistische Jagd auf “Spekulanten” sparen.

    Und ansonsten: Eigentlich sollte die SPD Hauptgegner grüner Politik sein. Mir fällt ad hoc keine grüne Maßnahme ein, die sich nicht direkt gegen die Interessen der SPD-Stammwähler richtet.

  36. 16.03.2010 | 16:49

    Bei SAP war vor wenigen Jahren ein Betriebsrat etc. noch undenkbar

    … und ist ein schönes Beispiel wie die Einführung von Mitbestimmung nicht funktionieren sollte.

  37. 16.03.2010 | 16:52

    Eigentlich passten SPD und FDP weiterhin gut zusammen. Gesellschaftspolitisch ist man eh einer Meinung, und arbeitsmarktpolitisch fände man zusammen, wenn man nur wollte.

    Nuja. Die FDP will aber offensichtlich bei der CDU bleiben, und wird von der CDU somit vermutlich irgendwann erdrückt, und so muss sich die SPD zwangsläufig Richtung Linkspartei orientieren, wenn sie jemals wieder den Kanzler stellen will.

    Politik ist schon seltsam. :)

  38. 16.03.2010 | 16:53

    googlehupf, Du arbeitest bei SAP?

  39. R.A.
    16.03.2010 | 17:04

    @Christian:

    Eigentlich passten SPD und FDP weiterhin gut zusammen.

    Das kommt darauf an, welche SPD Du meinst.

    Die SPD, für die Du stehst, die könnte wohl passen. Paßt z. B. auch gut zwischen unserer lokalen SPD und der FDP auf städtischer Ebene.

    Aber in der Bundes-SPD und den meisten Landesverbänden haben halt Leute das Sagen, die weitgehend inkompatibel sind. Nicht nur mit der FDP, sondern mit der Realität. Und die müssen nicht zur Linkspartei, weil wir sie so böse ausgrenzen, die wollen das. Um nicht zu sagen: Eine Reihe von SPD-Politikern wäre eigentlich bei der Linken inhaltlich besser aufgehoben.

  40. 16.03.2010 | 18:17

    @Christian
    Habe mal als Stundelöhner dort gearbeitet. Aber auch ganz unabhängig davon ob man den Betrieb von innen kennengelernt hat, sah man doch schon an den Zahlen, dass die drei Leute nicht unbedingt die Mehrheitsmeinung trafen.

  41. 16.03.2010 | 18:23

    Ich arbeite nicht bei SAP, kenne aber einen SAP-Betriebsrat persönlich. Es stimmt: anfangs waren fast alle skeptisch bis dagegen, heute hingegen werden die Wahlen mit breiter Mehrheit getragen.

  42. Forentourist
    16.03.2010 | 19:05

    @Christian S.

    Gesellschaftspolitisch ist man eh einer Meinung

    Teils, teils.
    Was den Überwachunsstaat angeht, brauchen sich beide Seiten keine Vorwürfe zu machen: sie haben gesündigt (Großer Lauschangriff, diverse Schilysche Sicherheitsgesetze, Vorratsdatenspeicherungen und Websperren), obwohl ein großer Teil ihrer Bürgerrechtler dies für falsch hält (und es einem großen Teil ihrer Wähler leider egal ist).
    Minderheitenpolitik: die SPD fordert häufig gesetzliche Regelungen (Quoten, Kontraktionszwang), wohingegen die FDP sich damit zufrieden gibt, wenn der Staat diese nicht diskriminiert, und Privatpersonen davon ausnimmt: Wer eine freie Wohnung nicht an homosexuelle, großmäulige Juristen vermieten will, weil er die nicht ausstehen kann, der soll deswegen nicht heucheln müssen, er benötige die vielleicht doch für Eigenbedarf. Eine staatlich finanzierte Wohnungsgesellschaft ist etwas anderes.

    und arbeitsmarktpolitisch fände man zusammen, wenn man nur wollte.

    Wenn man in einer Koalition wäre – sicher. Dann müsste man nicht mehr versuchen, in die Worte des anderen das menschenverachtendstmögliche hineinzuinterpretieren. Beide wollen keine Hungertoten. Die Frage ist, wie man nun dafür sorgt, dass schlechtausgebildete Menschen mit niedriger Produktivität trotzdem ein menschenwürdiges Einkommen erhalten.
    Die Frage ist auch, wie man die Bildung (und damit die Produktivität und damit später einmal die Löhne) der Kinder dieser Unterschicht heben kann. Inzwischen ist auf beiden Seiten die eher paternalistische Sichtweise verbreitet, dass direkte Transferzahlungen an die Eltern nicht die wirksamste Methode sind. “Mehr Bildung” wird oft gefordert, doch wie soll diese aussehen? Zumindest scheint sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass es sehr sinnvoll sein kann, wenn Kinder mit Beginn der ersten Klasse über grundlegende Deutschkenntnissse verfügen.
    Aufstieg durch Bildung war mal ein großes sozialdemokratisches Ideal, wie es ein Gerd Schröder (Lehre->Abendschule->Studium) besonders anschaulich verkörpert. Einige migrantische Millieus (viele Vietnamesen, Chinesen und manche Osteuropäer) hängen diesen Idealen auch sehr stark an, wie auch ein Thilo Sarrazin feststellte. Ihre Kinder sind erfolgreich und können dann als “gut integriert” gelten.
    Dagegen sind andere zurückgeblieben, unter ihnen besonders viele Ausländer. Es verfestigt sich ein Teufelskreis aus Antriebsschwäche, Bildungsversagen und Arbeitslosigkeit, der sich auch über mehrere Generationen fortpflanzt. Kinder, die nie erlebt haben, dass ein Elternteil morgens aufsteht und zur Arbeit geht.
    Hier braucht es auch manchmal auch etwas drastischere Mittel (vulgo: “Tritt-in-den-Arsch”), um die Lethargie zu durchbrechen und wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Dies kann mit der Schneeschippe geschehen oder durch ehrenamtliches Engagement im Sportverein oder bei der freiwilligen Feuerwehr – hauptsache, nicht abgeschottet vor dem Fernseher sitzen. Da sind sich in meinem Umfeld zumindest die ambitionierteren Arbeiter (die mit freiwilligen Überstunden oder der Absicht, nochmal Meister zu werden) und ausgewiesene Liberale (nicht “Libertäre” – denen ist völlig egal, was andere Menschen tun, solange sie nicht dafür zahlen müssen) einig.

  43. Florian
    16.03.2010 | 19:22

    Wegen Durchsetzbarkeit Mindestlohn:

    Das wäre ganz unbürokratisch machbar.
    Man müsste nur dem Arbeitnehmer ein Interesse verschaffen, zu niedrige Löhne öffentlich zu machen.

    Etwa so:
    Jeder Arbeitnehmer bekommt das Recht, die Differenz zwischen tatsächlichem Lohn und Mindestlohn auch noch nach 15 Jahren einzuklagen.
    Wenn der Arbeitgeber zu einer Zahlung verurteilt wird, muss er auch den kompletten Sozialbeitrag (AG+AN Beitrag) nachträglich abführen und ggf. zusätzlich eine Strafe zahlen.

    Und schon wäre der Mindestlohn faktisch durchgesetzt – auch ganz ohne Kontrollen.

  44. Florian
    16.03.2010 | 19:28

    @ R.A.:

    Ich stehe – genau wie Du – fassungslos vor der derzeitigen SPD-Politik.

    Es wäre für die SPD doch SO leicht gewesen, aus der Agenda2010 politisches Kapital zu schlagen:
    - erstens hat sie die Soziale Absicherung für viele Betroffene VERBESSERT.
    - und außerdem hat sie nachweislich zu einem grandiosen Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt geführt (man schaue sich mal eine lange Zeitreihe an. Noch NIE in der Geschichte der Republik wurden in so wenigen Jahren so viele Jobs geschaffen wie 2005-2008).

    Aber statt diese unbestreitbaren Erfolge herauszustellen, kämpft man dagegen an.
    Wie blöd ist das denn?

  45. 16.03.2010 | 19:46

    Das ist das alte Problem der SPD. Sie ist nicht in der Lage, auf Erfolge stolz zu sein. Das scheint eine tief verwurzelte Krankheit zu sein. Immer werden nur die (vermeintlich) negativen Folgen gesehen. Niemals die positiven.

  46. 16.03.2010 | 19:48

    Früher war das nur halb so schlimm, weil niemand in der Lage war, daraus Kapital zu schlagen. Heute gibt’s Oskar Lafontaine und die Linkspartei.

  47. Forentourist
    16.03.2010 | 19:53

    Eigentlich passten SPD und FDP weiterhin gut zusammen.

    Nach dem jüngsten Drohsel-Interview muss man das wohl wieder relativieren.
    Im Ergebnis fordert sie ein bedinungsloses, erhöhtes Hartz-IV für alle. Schlaraffenland wir kommen, irgendwer wirds schon bezahlen!

  48. 16.03.2010 | 20:07

    Da Franzi, die ich persönlich sehr mag, für ihre Position keine Mehrheit finden wird, bleibe ich bei meiner Einschätzung. :)

  49. Heinz
    16.03.2010 | 23:06

    Deren Gutmenschengehabe ist etwa auf einem Fremdschämlevel mit Claudia Roth. Aber immerhin sieht sie besser aus.

  50. 16.03.2010 | 23:36

    Das Vorrecht der Jugend!

    Claudia Roth aber hat keine Entschuldigung. ;)

  51. R.A.
    17.03.2010 | 9:05

    @Florian:

    Jeder Arbeitnehmer bekommt das Recht, die Differenz zwischen tatsächlichem Lohn und Mindestlohn auch noch nach 15 Jahren einzuklagen.

    Das ist Theorie, in der Praxis wird er die meisten Umgehungsmethoden nicht beweisen können. Man würde durch solche Methoden nur mehr Rechtsunsicherheit schaffen bzw. einen noch größeren bürokratischen Aufwand für niedrig bezahlte Tätigkeiten. Soll heißen: Noch mehr Jobverluste.

  52. R.A.
    17.03.2010 | 9:10

    @Christian:

    Früher war das nur halb so schlimm, weil niemand in der Lage war, daraus Kapital zu schlagen. Heute gibt’s Oskar Lafontaine und die Linkspartei.

    Früher wie heute kamen die größten Feinde der SPD-Politik aus der SPD selber. Die Kampagne gegen das angeblich “asoziale” Hartz-IV wurde doch maßgeblich von Parteigrößen des linken Flügels (z. B. Ypsilanti) begründet, dieses jahrelange parteischädigende Verhalten hat doch erst die Basis geschaffen, auf der sich die Linkspartei etablieren konnte.

    Und inzwischen sind diese Leute noch mächtiger geworden, dominieren die wesentlichen Landesverbände und Gabriel muß auf sie eingehen, damit sie nicht auch auf Bundesebene den Durchmarsch machen.

    Wenn ich mir so anschaue, wie sehr die SPD sich in den letzten Jahren in ihren Positionen verändert hat, dann sind Drohsels Forderunegn das SPD-Programm für das nächste oder übernächste Jahr.

  53. 17.03.2010 | 14:39

    Vielen Dank Rayson, für die freundliche Erwähnung meiner Artikel, vor allem aber auch für die Mühe, diesen Text auseinanderzunehmen. So etwas ist oft nur sehr schwer verdaulich und man muss sich oft erst durch ein Gestrüpp an Phrasen, frommen Wünschen und Wahlkampfpropaganda schlagen, bevor man eine verwertbare inhaltliche Aussage isolieren und diskutieren kann. Deine Analyse lässt kaum Fragen offen, ein sehr interessanter Beitrag.

  54. 17.03.2010 | 19:06
  55. 17.03.2010 | 22:55

    @florian:

    Jeder Arbeitnehmer bekommt das Recht, die Differenz zwischen tatsächlichem Lohn und Mindestlohn auch noch nach 15 Jahren einzuklagen.
    Wenn der Arbeitgeber zu einer Zahlung verurteilt wird, muss er auch den kompletten Sozialbeitrag (AG+AN Beitrag) nachträglich abführen und ggf. zusätzlich eine Strafe zahlen.
    Und schon wäre der Mindestlohn faktisch durchgesetzt – auch ganz ohne Kontrollen.

    You made my day! Danke für den Lacher. :)

  56. 17.03.2010 | 23:04

    @Holger

    der Amateur nimmt das Lob vom Profi gerne entgegen… Ganz ehrlich: Ohne die von dir gelieferten Daten und Richtigstellungen hätte ich mich an das Sujet nicht herangetraut, weil mir die Recherche zu viel geworden wäre, die für eine meinen eigenen Ansprüchen genügende mit Fakten unterlegte Argumentation, so schnell und grob sie auch erfolgt ist, erforderlich gewesen wäre. Es ist so verblüffend wie traurig, wie verzerrt über statistische Informationen in der Öffentlichkeit berichtet wird. Man kann sich leider nicht mehr darauf verlassen, dass Journalisten einseitigen “Interpretationen” auf den Grund gehen. Um so wertvoller ist deine Blog-Arbeit.

    Übrigens hast du recht: Das Schwierigste war, die inhaltlichen Passagen herauszufiltern. Das gelang auch nicht immer trennscharf, aber das Wortgeklingel habe ich dann versucht zu ignorieren. Eine ganz bestimmte Neusprech-Passage ist mir aber im Eifer des Gefechts noch entwischt, die Kritik daran hole ich demnächst nach. Und wieder habe ich dann einen Link auf “Neues aus Westsibirien” ;-)

  57. 21.03.2010 | 18:22

    [...] von B.L.O.G. hat hier eine (für Blogverhältnisse) ausführliche Kritik des SPD-Arbeitsmarktkonzeptes, der ich mich gerne vollumfänglich anschließen [...]

  58. 22.03.2010 | 9:01

    Ich lese ideologiestrotzende Zeilen, die dann vermeintlich theoretisch untermauert werden. Das ist eine Art Un-Kritik geworden.
    Hier wird ein Markt diskutiert, der höchstens in den Köpfen einiger Wirtschaftsliberaler existiert aber so gar nichts mit der Realität zu tun hat.

    “Als Liberaler ist man für offene Märkte, und das bedeutet auch, die Marktzutrittsbarrieren so gering wie möglich zu halten, damit kein Unternehmen vor neu hinzukommendem Wettbewerb sicher sein kann.”
    Man ist aber nur für offene Märkte für einige Leute. SO habe ich noch nicht gelesen, dass die Liberalen gedenken, die Mindestpreise für Ärzte, Rechtsanwälte, Notare…Darüber hinaus gibt es auch gewaltige Markteintrittsbarrieren.
    Hans von der Baustelle muss sich dagegen gefallen lassen, dass jemand für 5 Euro die Stunde sogar ohne Ausbildung ihn ersetzen kann.

    Erst wenn man auch da anfangen würde zu stänkern, feste Gebühren abzuschaffen, Marktzutritt ausländischer Arbeitnehmer auch in diesen Bereichen erleichtern, dann, aber erst dann könnte man über so was nachdenken.
    “Eine “Münchhausen”-Lohnpolitik, die sich quasi selbst aus dem Sumpf zieht, funktioniert nicht: Lohnerhöhungen müssen, bevor sie makroökonomisch wirken können, mikroökonomisch sinnvoll sein.”

    Aber so weit ist das nur theorieverliebtes Gerede.

  59. 22.03.2010 | 9:30

    @Oliver

    Ich lese ideologiestrotzende Zeilen, die dann vermeintlich theoretisch untermauert werden.

    Es ist zwar immer nett, wenn jemand gleich zu Beginn so eine Art Visitenkarte abgibt, auf der die eigene ideologische Ausrichtung sichtbar wird, aber ich hätte mehr davon, wenn es denn konkreter würde: Was ist “ideologiestrotzend”, was ist “vermeintlich theoretisch”?

    Man ist aber nur für offene Märkte für einige Leute. SO habe ich noch nicht gelesen, dass die Liberalen gedenken, die Mindestpreise für Ärzte, Rechtsanwälte, Notare…

    Das kommen zwei Probleme zusammen, die eine gemeinsame Ursache haben. Erstens setzt du “die Liberalen” anscheinend mit der Partei namens FDP gleich. Und zweitens kann man sich natürlich nicht beschweren, etwas nicht gelesen haben, wenn man nicht den Versuch dazu unternimmt. In diesem Blog wärst du mehrfach fündig geworden.

    Darüber hinaus gibt es auch gewaltige Markteintrittsbarrieren.

    Ja. Weg damit.

    Hans von der Baustelle muss sich dagegen gefallen lassen, dass jemand für 5 Euro die Stunde sogar ohne Ausbildung ihn ersetzen kann.

    Dir wäre Hans lieber gewesen als der andere?

    Aber so weit ist das nur theorieverliebtes Gerede.

    Ich will dir nicht zu nahe treten, aber meine Erfahrung sagt mir, dass Leute, die sich abfällig über Theorie äußern, sehr oft mit denen identisch sind, die von der jeweiligen Theorie keine Ahnung haben oder die sich weigern, ihnen unliebsame Erkenntnisse zu akzeptieren. Wie sagte doch Keynes so treffend:

    „Praktiker, die von sich glauben, sie unterlägen keinerlei intellektuellen Einflüssen, sind gewöhnlich die Sklaven eines längst verstorbenen Ökonomen.“

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