14. März 2010
Ping-Pong
Wenn ich mir eine Meinung zu den derzeitigen Diskussionen um Guido Westerwelle bilden soll, so spielt mein Verstand immer wieder Ping-Pong mit mir. Als treuer Soldat der Partei, in der ich Mitglied bin, wäre das ganz einfach – alles Verleumdung und Wahlkampf. Als treuer Soldat der Partei, in der ich Mitglied war, ebenfalls – Westerwelle ist ein übler Vetternwirtschaftler, der die Gesellschaft spaltet. Aber wenn man selbst zu denken versucht, beginnt sofort das Ping-Pong.
- Das Ausmaß der Begünstigungen, die Guido Westerwelle Menschen zukommen lässt, die auch schon vor der Wahl zu seinem privaten, persönlichen Netzwerk gehörten, ist enorm. Ebenso enorm sind die Spendensummen, die dieses persönliche Netzwerk offenbar an seine Partei leistet.
- Prinzipiell ist das nichts außergewöhnliches – jeder Politiker hat dieses persönliche Netzwerk, und jeder wird in dieses auch Vorteile führen, die aus seinem Amt erwachsen. Wer das nicht sehen will, ist einfach schreiend naiv.
- Trotzdem wird Guido Westerwelle in der Größenordnung dessen, was er in dieser Hinsicht unternimmt, nur noch von Parteifreunden (etwa Möllemann, über den auch Freunde sagten “Mein Gott, war der korrupt) und Gerhard Schröder übertroffen. Wobei der wenigstens gewartet hat, bis er abgewählt war, um sein ehemaliges Amt zu verkaufen.
- Die Art und Weise, wie Westerwelle jetzt bis ins Detail durchleuchtet wird, hat nicht nur etwas kampagnenhaftes, sondern ist ganz klar eine Kampagne. Die SPD betreibt sie, ebenso die Grünen und die Linken, und die angeblich so unabhängige Presse lässt sich hier dafür gewinnen, eine Kampagne zu führen – mitten im Wahlkampf, was auch abstoßend ist.
- Ein Blick in die Nebenverdienstberichte des Bundestags zeigt, dass es kaum einen Politiker gibt, bei dem eine solche Kampagne so ergiebig sein dürfte wie bei Guido Westerwelle, dessen “Nebenverdienste” jedes erträgliche Maß sprengen.
- Dennoch gibt es einige, bei denen ein solcher Blick auch interessant wäre. Dass er nicht erfolgt, zeigt, dass es der Presse nicht um Aufklärung und investigativen Journalismus geht, sondern lediglich darum, Westerwelle “zur Strecke zu bringen”.
- Die Dummheit, mit der Christian Lindner jetzt verlangt, Korruption und Vorteilsnahme hinzunehmen, ist erschreckend. Aus längerer Beobachtung hätte ich gedacht, dass der FDP-Generalsekretät für solch einen Unsinn zu schlau ist.
- Westwerwelle und die FDP werden hauptsächlich angegriffen, weil sie als einzige Partei in der deutschen Politik, die auch an Mehrheiten beteiligt sein kann, überhaupt echte Themen aufgreift und verfolgt. Die Volksparteien sind gelähmt, diese Kampagne ist eine Strategie, die wir in den nächsten Jahren öfter sehen werden – die Volksparteien und die ihr zugeneigte Presse werden über die jeweils stärkste “kleine Partei” herfallen, bis sie zerstört ist.
Und so geht es hin und her. Die Essenz ist ganz einfach in zwei Sätzen gesagt: Ich bin sowohl mit dem marktradikalen Kurs der FDP-Führung als auch mit der immer offensichtlicheren Netzwerkerei derselben absolut nicht einverstanden. Noch mehr aber ärgere ich mich über die Heuchelei derjenigen, die dagegen anzugehen behaupten. Und besonders ärgere ich mich über die alte Tante SPD, die in die Hände der Krafts und Gabriels und Nahles’ gefallen ist, die außer Hetzkampagnen von Politik gar nichts mehr verstehen.
Und abgesehen von dieser Unpolitik, leide ich als politisch denkender Mensch daran, dass ich keinen mehr sehe, der gestalten will.
Nachtrag: Wenn sich die Frage stellt, wie ich darauf komme, dass es sich um eine Kampagne handelt, muss man nur folgenden “Kommentar” bei Spon lesen:
Vom Niveau her kaum ausreichend, um als Kommentar zu einem Blogbeitrag nicht gelöscht zu werden. “Qualitätsmedien”? Eifern die mittlerweile wirklich dem Bodensatz der Blogosphäre nach? Armer Spiegel. Ich habe ihn mal sehr gemocht.
Verfasst von Karsten um 15:49 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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