Der war’s!

Im Moment wird viel über die Krise in Griechenland geredet. Die dortigen Regierungen haben eine Tradition gepflegt, über zunehmende Verschuldung Wohltaten für Pressure Groups zu finanzieren. So weit, so wenig ungewöhnlich. Nur hat man es dort etwas übertrieben, indem man zum einen versuchte, die wahre Lage nicht nur mit den üblichen Tricks, sondern auch mit plumper Fälschung zu verschleiern, und indem man zum anderen ein wenig zu sehr von diesem süßen Honig kostete. Jetzt ist der Katzenjammer natürlich groß, und gerade die deutsche Regierung will und kann es natürlich nicht zugeben, dass eben das, nämlich hemmungslos über die eigenen Verhältnisse zu leben in der begründeten Hoffnung, der Pappi bzw. die Bundesmutti würden das bedauernswerte Kind schon nicht ins Unglück rutschen lassen, eine natürliche Versuchung innerhalb von sich als Schicksalsgemeinschaft begreifenden Gemeinschaften ist, so wie es einer veralteten Denke anhängende deutsche VWL-Professoren schon immer geunkt hatten, wie es aber auch Teil einer umfassenderen Kritik sein kann.

Um von all dem abzulenken, präsentiert uns die Politik einen neuen Feind: die Spekulanten. Nebenan beim Antibürokratieteam hat Sascha Tamm einen schönen Beitrag dazu geschrieben, dem ich noch diese Links hinterherschieben möchte:

“Wirrnis und Wahrheit” (FAZ)
“Euro-Spekulanten gehen leer aus” (Handelsblatt)
“Elf Wahrheiten über „finanzielle Massenvernichtungswaffen“” (Handelsblatt)

Aber Vorsicht: Dieses Wissen, das in den öffentlich-rechtlichen Qualitätsmedien noch nicht angekommen ist, könnte Sie am Stammtisch oder in Ihrem Ortsverein auf unangenehme Weise isolieren. Jetzt, wo man den geeigneten Täter gefunden hat.

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14 Kommentare zu “Der war’s!”

  1. R.A.
    12.03.2010 | 9:44

    einer veralteten Denke anhängende deutsche VWL-Professoren

    Kann man wohl sagen.
    Die Herren Professoren scheinen das Euro-System nicht verstanden zu haben.

    Für die Stabilität des Euro ist die Pleite eines Mitgliedsstaates direkt völlig unwichtig (indirekt kann es natürlich Wirtschaftsprobleme geben und sich damit die Marktbewertung des Wirtschaftsraums ändern).

    Im Prinzip könnten sogar alle Mitgliedsstaaten pleite gehen, jeder für sich – das muß die EZB nicht wirklich stören.

    Denn sie druckt ja deswegen keine Euros nach und stellt sie den betroffenen Staaten zur Verfügung, damit diese per Inflation ihre Schulden bedienen könnten.

    Der Effekt einer Staatspleite, ob nun Griechenland oder sonst ein Staat, wäre derselbe, wenn dieser Staat seine komplette Verschuldung in Dollar oder Franken gezeichnet hätte.

  2. Qualitätsredakteur
    12.03.2010 | 10:20

    “Aber Vorsicht: Dieses Wissen, das in den öffentlich-rechtlichen Qualitätsmedien noch nicht angekommen ist, könnte Sie am Stammtisch oder in Ihrem Ortsverein auf unangenehme Weise isolieren.”
    Ja, wir fürchten uns alle ganz furchtbar davor, uns durch überlegenes Wissen zu isolieren. Nur Du, Rayson, bist da wie immer komplett furchtlos. Wenn Du wüsstest, wie sehr ich den mutigen Querkopf in Dir beneide, der nur mit der Süddeutschen, der FAZ und dem Handelsblatt in so eine irre Schlacht um die Wahrheit und gegen die Unwissenheit zieht!

  3. 12.03.2010 | 10:43

    @Qualitätsredakteur

    Hast du auch was in der Sache beizutragen oder willst du nur Autoren schräg von der Seite anlabern? Deine Einstellung zu meiner Person interessiert hier keine Sau und ist in jedem Thread OT.

  4. R.A.
    12.03.2010 | 10:54

    @Qualitätsredakteur:

    Ja, wir fürchten uns alle ganz furchtbar davor, uns durch überlegenes Wissen zu isolieren.

    Da mußt Du nun wirklich keine Angst haben …

  5. Florian
    12.03.2010 | 11:45

    “Im Prinzip könnten sogar alle Mitgliedsstaaten pleite gehen, jeder für sich – das muß die EZB nicht wirklich stören.
    Denn sie druckt ja deswegen keine Euros nach und stellt sie den betroffenen Staaten zur Verfügung, damit diese per Inflation ihre Schulden bedienen könnten. ”

    In der reinen Lehre ist das sicher richtig.
    Die Praxis sähe aber wohl anders aus.
    Die EZB könnte sich dem politischen Druck wohl kaum entziehen, die Staaten zu retten.
    (Und nicht ganz zu unrecht: was bringt es den europäischen Bürgern, wenn sie zwar niedrige Inflation haben, aber ihre Staaten kollabieren).

    Praktisch läuft das natürlich nicht so ab, dass die EZB einfach Geld druckt und unters Volk wirft.
    Sondern sie kauft Staatsanleihen (und stabilisiert dadurch die betroffenen Staaten). Bezahlt werden diese Staatsanleihen aber eben schon mit frischem Notenbank-Geld.
    Die Geldmenge steigt, die BIPs bleiben konstant – ergo Inflation.

    Übrigens kann es diesen Mechanismus selbst dann geben, wenn die EZB nicht direkt griechische Staatsanleihen kauft.

    Es reicht aus, wenn Griechenland sich weit über das Maastricht-Kriterium hinaus bei privaten Gläubigern verschuldet. Denn diese werden sich ihrerseits wieder refinanzieren müssen. Und irgendwann endet die Kette eben doch bei der EZB.
    (Einzige Alternative wäre “Crowding Out”: d.h. die griechischen Staatsschulden reduzieren in gleicher Höhe die Möglichkeit der Privatwirtschaft an Kredite zu kommen).

    So oder so:
    Das Verhalten Griechenlands HAT Auswirkungen auf den Euro.

    Genau weil man dieses Problem von Anfang an gesehen hat, hat man ja die Maastricht-Kriterien aufgestellt. (Und es war auch von Anfang an klar, dass die Kriterien im Ernstfall ohnehin nicht durchsetzbar sein würden. Es ist einfach zu verführerisch, seinen Nachbarn für eigene Defizite mit haften zu lassen).

  6. R.A.
    12.03.2010 | 13:23

    @Florian:

    Die EZB könnte sich dem politischen Druck wohl kaum entziehen, die Staaten zu retten.

    Das ist jetzt ein ganz anderer Aspekt. Eigentlich ist die EZB so konstruiert, daß sie unabhängig genug ist, um keine staatlichen Junk-Bonds kaufen zu müssen. Und sie kann solchen Ideen wohl auch besser widerstehen als jede nationale Zentralbank das könnte.

    Natürlich gibt es hier keine letzte Sicherheit – aber im Prinzip ist das Euro-System stabiler als die früheren, national orientierten.

    Es reicht aus, wenn Griechenland sich weit über das Maastricht-Kriterium hinaus bei privaten Gläubigern verschuldet. Denn diese werden sich ihrerseits wieder refinanzieren müssen.

    Und das können sie nur solange, wie ihre eigene Kapitaldecke reicht. Wie bei jedem privaten Großschuldner auch.

    Richtig ist natürlich, daß JEDE staatliche Verschuldung private Kreditaufnahme behindert (crowding out). Das gilt aber auch bei Einhaltung der Maastricht-Kriterien.

    Es ist einfach zu verführerisch, seinen Nachbarn für eigene Defizite mit haften zu lassen.

    “Haften” wäre das nicht wirklich.
    Es besteht das Risiko, daß einige Regierungen so blöde sind, die Defizite ihres Nachbarn zu übernehmen. Hoffen wir mal, daß die deutsche dies nicht ist.

  7. 12.03.2010 | 23:17

    So ist es, der Feind ist ausgemacht. In geschickter PR präsentieren uns die Medien den Spekulantenfeind. Bereits D und F sind ihm auf der Spur, Spanien ermittelt gar mit allen Mitteln. Dabei war das die Regierung, die seit vielen Jahren falsche Impulse gesetzt hat. Und Nikos soll’s nun ausbaden.

  8. F.Alfonzo
    13.03.2010 | 5:50

    Eigentlich ist die EZB so konstruiert, daß sie unabhängig genug ist, um keine staatlichen Junk-Bonds kaufen zu müssen. Und sie kann solchen Ideen wohl auch besser widerstehen als jede nationale Zentralbank das könnte.

    Natürlich gibt es hier keine letzte Sicherheit – aber im Prinzip ist das Euro-System stabiler als die früheren, national orientierten.

    word.
    Manchmal ist eine Union doch zu etwas zu gebrauchen.

  9. 13.03.2010 | 12:51

    @ F.Alfonzo: Aber nur solange, wie die europäische Zentralregierung schwach bleibt.

  10. Buenavista
    13.03.2010 | 13:32

    “Öffentlich-rechtliche Qualitätsmedien”

    Der war gut

  11. Heinz
    13.03.2010 | 16:21

    @Robert Michel
    Die EU-Kommission ist doch nicht schwach. Wer erzählt denn so etwas?

  12. 13.03.2010 | 16:40

    @Heinz: Die Schwäche der EU-Kommission besteht in ihrer Budgetbeschränkungen, sie kann keine eigenen Schulden aufnehmen und die Höhe ihres Etats liegt unterhalb der Höhe des Etats vieler Gliederstaaten.

  13. Xabi
    13.03.2010 | 18:01

    Die Spekulanten die nur daran interessiert sind Griechenland zu ruinieren gibt es nicht, es sei denn man möchte die Fakten als Spekulation bezeichnen.
    Die Schulden Griechenland sind sehr groß und betrügerisch versteckt gehalten worden (wer weißt ob noch größer sind?).

    Diese sind die Fakten und haben mit Spekulation nichts zu tun.

    Man sollte alle die von Spekulanten reden, folgendes Angebot machen:
    Sie erhalten 25€ geschenkt und sollen entscheiden ob es vorziehen, sie in 10-jährigen deutschen Staatsanleihen oder in griechischen Staatsanleihen anzulegen.

    Eine andere Möglichkeit wäre diese Menschen zu fragen, welche Staatsanleihen sie kaufen würden, wenn sie einen privaten Rentenfond verwalten würden.

    In beiden Fällen würden diese Gutmenschen feststellen, dass sie auch “bitterböse Spekulanten” sind.

    Wenn aber für die Staatsanleihen eines Landes keine Käufer gibt, steigen zwangsläufig die Zinsen, weil nur so sind die Käufer zu überzeugen griechische Staatsanleihen anstatt deutsche oder chineschische zu kaufen.

  14. Escep
    13.03.2010 | 18:15

    Investoren als Spekulanten zu bezeichen, weil sie Zinsaufschläge von 2 bis 3% für zehnjährige grichiesche Staatsanleihen verlangen ist absurd.

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