Nackt für die Sicherheit – über die Politisierung eines Hilfsmittels

Nach dem gescheiterten Attentat auf ein Flugzeug mit Ziel Detroit ist es hierzulande zu einer merkwürdigen Debatte gekommen. Gut, die CSU denkt über schärfere Gesetze nach, aber das tut sie ja eigentlich immer und bei allen möglichen Anlässen. Würde mich nicht wundern, wenn auch ein Scheitern des FC Bayern in der nächsten Runde der Champions League zu solchen Reaktionen führte. Aber ansonsten? Die halbe Republik redet über “Nacktscanner”, und Politiker auch meiner Lieblingspartei (ist ungefähr so zu lesen wie Lieblingskrankheit) können gar nicht schnell genug Pressemitteilungen dazu herausgeben.

Dabei könnte man ja erstmal von vorne anfangen. Da müsste man konstatieren, dass es dem Attentäter von Detroit offensichtlich gelungen war, eine zu Sprengungen geeignete Mischung an Bord zu schaffen, ohne dass dies von den Kontrollen bemerkt worden wäre. Anscheinend ist das sogar systemgegeben: Diese Art Sprengmittel kann von den üblichen Detektoren nicht aufgespürt werden.

Kommen wir also zur ersten Frage: Soll etwas getan werden, um die Sicherheit der Fluggäste zu verbessern? Wer hier “nein” sagt, dürfte wohl kaum je selbst fliegen wollen. Zumindest möchte ich den mal sprechen, wenn er vor seinem Flug in die USA am Gate junge Männer mit langem Bart in traditioneller muslimischer Kleidung mit ihm warten sieht, was, wie ich ihm zu seiner Beruhigung selbstverständlich vorher mitteilen würde, so gut wie immer absolut kein Grund zur Besorgnis ist. Aber dennoch gibt es auch Blogger, die das anders sehen. Deren Argument lautet meist: Absolute Sicherheit gibt es nicht, und nicht nur Flugzeuge werden Ziel von Attentätern, auch U-Bahnen oder sonstige Massenansammlungen. Das ist richtig, aber schon die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen bei Flügen sind mit denen von U-Bahnhöfen wohl kaum zu vergleichen, ohne dass dies zu Bedenken Anlass gab. Und tatsächlich existiert ja auch ein wesentlicher Grund (es gibt noch weitere), warum Flugzeuge so beliebt sind: Nicht die Bombe selbst muss alle töten, der Absturz erledigt das schon. Es kann auch nicht darum gehen, “absolute” Sicherheit zu erzeugen. Aber wenn es für bekannte Lücken sozusagen schon mal einen Exploit gibt, warum soll man auf das Mittel verzichten, diese Lücke zu stoppen?

Also “ja”. Kommen wir zum “aber”. Was, wenn sich die Sicherheit nur verbessern ließe, indem sich jeder Fluggast vorher einer Prozedur unterzieht, bei der ihn die Kontrolleure auf einem Schirm nackt angezeigt bekommen, um verdächtiges Material an seinem Körper identifizieren zu können? Dass dies die Würde eines Menschen verletzt, weil es intime Details von ihm preisgibt, steht fest (Wer denkt dabei eigentlich an die Kontrolleure? Es reisen ja nicht nur Models und die Chippendales…). Aber ist es nicht besser, mit einer kleinen Verletzung der Würde weiterzuleben als in Würde für den Dschihad anderer zu sterben? Immerhin sehen Ärzte ja auch vieles von dem, was wir anderen Menschen nicht unbedingt gerne zeigen würden. Es gibt auch FDP-Politiker, die das gerne für alle anderen entscheiden wollen. Für besonders liberal halte ich diesen Drang nicht. Sollte man es nicht besser dem Einzelnen überlassen, ob er sich einer solchen Prozedur unterzieht oder nicht? Schließlich muss niemand in ein Flugzeug steigen. Was spräche zum Beispiel dagegen, wenn verschiedene Flüge angeboten würden, einmal mit, einmal ohne eine solche Kontrollmethode? Vorausgesetzt, für die Flüge ohne Kontrolle fänden sich genug Passagiere und Besatzungsmitglieder… Ein Konflikt wäre da zweifellos gegeben, aber wer soll ihn entscheiden?

Gehen wir jetzt einen Schritt weiter. Nehmen wir an, das verdächtige Material kann auch identifiziert werden, ohne dass die Kontrolleure den tatsächlichen Körper des Überprüften nackt angezeigt bekommen. Stattdessen sehen sie nur eine schematische Darstellung eines menschlichen Körpers (siehe z.B. den FAZ-Artikel hier, solange das noch kostenlos geht). Je nach Befund wird der Fluggast dann noch einmal zielgerichtet abgetastet. Verletzt das die Menschenwürde? Wohl nicht mehr als ohnehin schon (Interessant, dass das Begrapschtwerden keine Proteste wert ist – vermutlich hätten viele ohne diese Prozedur gar kein Sexualleben mehr…). Oder? Die im letzen Fall geäußerten Bedenken wären damit irrelevant. Es könnte wohl niemand mehr etwas gegen diese Methode einwenden. Außer den Terroristen natürlich.

Kommen wir zur Schlussübung. Welche Art Geräte sollen wohl künftig eingesetzt werden (siehe obigen FAZ-Artikel)? Und jetzt lesen Sie bitte die Presse und die Mitteilungen der Politiker? Über welche Art Geräte empört sich die Politik? Und wie tut sie das? Können Sie die Hintertürchen erkennen? Was sagt uns das über Glaubwürdigkeit? Und wissen Sie jetzt, warum ich von Lieblingskrankheiten rede?

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29 Kommentare zu “Nackt für die Sicherheit – über die Politisierung eines Hilfsmittels”

  1. 2.01.2010 | 23:29

    Sollte man es nicht besser dem Einzelnen überlassen, ob er sich einer solchen Prozedur unterzieht oder nicht? Schließlich muss niemand in ein Flugzeug steigen. Was spräche zum Beispiel dagegen, wenn verschiedene Flüge angeboten würden, einmal mit, einmal ohne eine solche Kontrollmethode?

    Das wäre tatsächlich die demokratischste und sauberste Methode. Wer bereit ist, das Risiko zu tragen, wird nicht zu den Kontrollen gezwungen. Und wer lieber die zusätzliche Kontrolle will, bekommt sie.
    Wer von beiden doof ist, sollen die dann untereinander per Handy ausmachen. Das geht die Regierung dann nichts mehr an.

  2. Heinz
    2.01.2010 | 23:39

    Was ist mit dem erhöhten Krebsrisiko durch die Röntgenstrahlen? Für Vielflieger ist das sicher relevant.

  3. 3.01.2010 | 0:32

    Das sind ziemlich sicher keine Röntgenstrahlen. Damit müßte man den ganzen Körper durchleuchten.
    Wird eher ein modifizierter MASER sein.
    Damit kommt man durch Textilien, bleibt aber an der Haut hängen.

  4. 3.01.2010 | 7:56

    Interessant. Das mit den getrennten Flügen ist dann aber doch nur auf den ersten Blick eine Lösung, denn im Falle einer eventuellen Entführung eines Flugzeugs haben wir dann ja auch keine getrennten World Trade Center. Oder mache ich da einen Denkfehler?

  5. Popeye
    3.01.2010 | 8:05

    Hier werden die Terahertz-Scanner erklärt:

    http://alleswasfliegt.wordpress.com/2009/12/31/die-nackten-fakten/

  6. benpal
    3.01.2010 | 8:22

    In Amsterdam werden Nacktscanner schon seit einiger Zeit eingesetzt. Und die Behörden wurden vor dieser Person speziell gewarnt. Hat nichts gebracht.

    Für den Nacktscanner muss sich jede Person bis auf die einfachsten Kleidungsstücke ausziehen und dann wieder anziehen, ist im Winter besonders beliebt.

    DasProblem besthet darin, dass Attentäter keineswegs auf Flugzeuge angewiesen sind. In der Warteschlange vor dem Nacktscanner (das letzte Mal, als ich in Amsterdam war, waren das gut 50 Personen) ist eine Sprengladung ebenso effizient. Oder im Bus, im Zug, im Warenhaus, bei Aldi …

  7. F.Alfonzo
    3.01.2010 | 8:54

    @ Muriel: Sehe ich genauso. Es muss ja auch nicht immer gleich ein WTC sein; wenn ein Flugzeug über dicht besiedeltem Gebiet abstürzt (und ein Terrorist, der den größtmöglichen Schaden und medialen Effekt suchen wird, wird die Bombe wohl eher über NYC als über dem Atlantik zünden), dann sind davon eigentlich immer Personen am Boden betroffen, die dann für dieses Prinzip wohl eher wenig Verständnis aufbringen werden.

    Wenn es nur um die eigene Sicherheit ginge und nicht auch um die Sicherheit dritter, könnte man auch einen freiwilligen Führerschein einführen.

  8. apex
    3.01.2010 | 9:14

    Das Problem ist eine weitere Versteifung auf das “was”. Sicherheit wird man damit nie erlangen können, weil es einen Innovationswettlauf gibt, in dem die Sicherheitsmaßnahmen immer hinterherlaufen werden, es geht um Symptombekämpfung. Guns don’t kill people, people kill people, gleiches gilt für Terrorismus. Die Lösung ist ein Paradigmenwechsel auf das “wer”, wie es in Israel seit 40 Jahren erfolgreich praktiziert. Und das muß man nicht auf Flughäfen und Flugzeuge beschränken.

    apex

  9. Die Stimme aus dem Off
    3.01.2010 | 9:48

    Diese Islamisten lenken vom Thema ab:

    Ich selbst fliege seit dem Absturz der Air France gar nicht mehr. Die internationalen Flugsicherheitsbehörden haben sich nämlich darauf verständigt, explosionsgeschützte Tanks erst ab 2011 zu verbauen. In den neuen Tanks soll Stickstoff in den durch den Kerosinverbrauch zunehmend leereren Raum gepumpt werden.

    Zwar erzählen uns viele “Experten”, Blitzeinschläge würden für Flugzeuge keine Gefahr darstellen, allerdings stimmt das einfach nicht. Nicht die Elektriziät, die Hitze stellt das Problem dar. 100.000 Grad reichen eben auch bei einem Bruchteil einer Sekunde, um Kerosin zu entzünden.

    Über dieses Problem herrscht strengste Verschwiegenheit. Man muss sich alles mühsam im Netz zusammensuchen, leider finde ich die Studie nicht wieder, aber sie war hier:
    http://www.lightning.ece.ufl.edu/

    “Nacktscanner” sind dagegen irrelevant. Ob sich alle paar Jahre mal ein durchgedrehter Irrer in die Luft sprengt oder nicht, fällt statistisch nicht ins Gewicht. Viel relevanter sind die Abstürze durch Blitzschläge.

    Und übrigens auch kostenintensiver.

    Und zum Thema: Mich kann gerne jeder scannen, nach ein paar tausend gescannten Passagieren ist es den Sicherheitsleuten kaum noch möglich sich an einem auch noch so schönen Körper wie dem meinigen aufzugeilen. Von daher: Geschenkt.

  10. 3.01.2010 | 9:51

    @apex: Vielleicht ist das eine dumme Frage, aber was genau meinst du mit einem Paradigmenwechsel auf das “wer”? Und hast du wirklich den Eindruck, dass Israel seit 40 Jahren außerordentlich erfolgreich in der Bekämpfung des Terrorismus wäre? Für mich sieht das anders aus, aber ich war zugegebenermaßen auch nie dort.

  11. F.Alfonzo
    3.01.2010 | 10:05

    Ob sich alle paar Jahre mal ein durchgedrehter Irrer in die Luft sprengt oder nicht, fällt statistisch nicht ins Gewicht. Viel relevanter sind die Abstürze durch Blitzschläge.

    Abstürze fallen im Vergleich zum Verkehrsaufkommen grundsätzlich nicht statistisch ins Gewicht, und nach meiner (subjektiven) Einschätzung passieren die Überwiegende Mehrheit der Abstürze, weil irgendjemand (Pilot, Bodenpersonal, Fluglotse) Mist gebaut hat.

    Die Frage bei beiden Problemen lautet vielmehr: Lässt sich der zusätzliche Aufwand durch die zusätzliche Sicherheit rechtfertigen? Ich könnte ohne beides ganz gut leben und fliegen…

  12. nana
    3.01.2010 | 10:20

    Gegen Flugzeugentführungen gäbe es die Lösung, die Kanzeln komplett vom restlichen Flugzeug abzuschotten, also sowohl räumlich als auch informationsmäßig. Wenn die Crew keine Infos aus dem hinteren Teil bekommen kann, dann kann sie auch nicht erpresst werden. Und wenn niemand von hinten in die Kanzeln eindringen kann, dann kann auch kein Flugzeug irgendwo mutwillig reingedonnert werden.

  13. lukas
    3.01.2010 | 10:23

    Interessant. Das mit den getrennten Flügen ist dann aber doch nur auf den ersten Blick eine Lösung, denn im Falle einer eventuellen Entführung eines Flugzeugs haben wir dann ja auch keine getrennten World Trade Center. Oder mache ich da einen Denkfehler?

    Ja, denn die 9/11-Entführer waren nur darum so erfolgreich, weil die Passagiere und Crew sich darauf verlassen haben, dass sie ihr Leben am ehesten dadurch retten könnten, dass sie die Forderungen der Entführer akzeptierten (wie das ja bis dahin auch der Fall gewesen war). Der Trick funktioniert nur einmal.

  14. 3.01.2010 | 11:23

    @lukas: Nur einmal? Ich glaube, da überschätzt du die Menschheit. Meinst du wirklich, dass es in Zukunft nie wieder so eine Entführung geben kann, weil die Passagiere auf jeden Fall in Erinnerung an 9/11 die Entführer überwältigen würden?
    Ich glaube, das ist so eine Art Trick, die immer wieder funktioniert.

  15. apex
    3.01.2010 | 17:26

    @Muriel: Darauf konzentrieren, “wer” gefährlich ist, nicht darauf, “was” gefährlich ist. Und ja, ich denke daß das israelische System funktioniert, das belegt der vollkommen fehlende Erfolg bei “harten” Zielen. Daß das zu einem Ausweichen auf weichere Ziele führt ist natürlich auch richtig, aber selbst da sind die letzten Jahre sehr ruhig geworden.

    apex

  16. matt
    4.01.2010 | 11:30

    Werden die Täter sich nicht einfach anpassen?

    Drogen werden doch auch im Körper transportiert, warum sollte das nicht auch mit anderen Stoffen funktionieren.

    http://www.zoll.de/f0_veroeffentlichungen/b0_rauschgift/v0_2009/y75_pm_kokainschlucker/index.html

  17. Eierkopp
    4.01.2010 | 12:25

    @matt:

    Das wird der nächste Schritt sein. Als Konsequenz können Männer ab 40 demnächst einen Teil der Flughafengebühren als Prostata-Vorsorgeuntersuchung bei der Krankenversicherung einreichen.

    Die Anpassung ist erst vollzogen, wenn der Flughafen von Terroristen nicht mehr betreten werden muß, weil das Flugzeug mit einer Boden-Luft-Rakete vom Himmel geschossen wird. Zur Zeit scheinen suizidale Islamisten noch zu billig zu sein, um die Investition in Beschaffung oder Entwicklung anderer Techniken rechtfertigen zu können.

  18. 4.01.2010 | 19:07

    Wenn die Tatsache, dass sich Flugzeugentführer immer neue Wege ausdenken, gegen eine zusätzliche Kontrolle spricht, spricht sie auch gegen Kontrollen überhaupt. Man kann diese beliebten Slippery-Slope-Gags ja auch mal umdrehen: Letzte Sicherheit gibt es nicht, also werden wir mit dem Risiko, dass jemand, der eine Bombe in ein Flugzeug mitnimmt, diese auch dort benutzen will, wohl leben müssen. Zur Not bringt man seine eigene Bombe mit, denn das Risiko, dass gleichzeitig zwei Bomben an Bord sind, soll so gut wie bei Null liegen.

  19. Christian
    5.01.2010 | 1:35

    Genau zu diesem Thema des “Sicherheitstheaters” hat Bruce Schneier neulich was aufgeschrieben.
    http://www.cnn.com/2009/OPINION/12/29/schneier.air.travel.security.theater/index.html

  20. R.A.
    5.01.2010 | 16:24

    @apex:

    Darauf konzentrieren, “wer” gefährlich ist, nicht darauf, “was” gefährlich ist.

    Klingt vernünftig.
    Ich bin es wirklich leid, daß wir immer mehr (auch sehr kostenträchtige) Einschränkungen hinnehmen müssen, nur damit Leute, die zufällig so aussehen, sich so kleiden und benehmen wie Islamisten, nicht wegen Diskriminierung jammern.
    Wie wäre es denn mal mit einer Positivliste: Da kommt man nur drauf, wenn man glaubhaft machen kann, daß man wegen Herkunft, Weltanschauung, Lebenslauf etc. mit Terrorismus bestimmt nichts zu tun hat.
    Und dann gibt es eben Flüge reserviert nur für Leute, die auf dieser Liste stehen. Ohne Sicherheitskontrollen, einfach nur einchecken und losfliegen.

  21. 5.01.2010 | 20:34

    @R.A: Auf die Gefahr hin deine Ironietaps übersehen zu haben: Wenn ein solche Liste legitim wird, dann kann damit auch unappetitlichen Unsinn anrichten. Die lädt förmlich dazu ein missliebige Minderheiten zu gängeln, auch wenn Einzelne aus diesen Minderheiten sich nichts zu Schulden kommen lassen haben.

  22. 5.01.2010 | 22:40

    R.A.:

    Wie wäre es denn mal mit einer Positivliste: Da kommt man nur drauf, wenn man glaubhaft machen kann, daß man wegen Herkunft, Weltanschauung, Lebenslauf etc. mit Terrorismus bestimmt nichts zu tun hat.
    Und dann gibt es eben Flüge reserviert nur für Leute, die auf dieser Liste stehen. Ohne Sicherheitskontrollen, einfach nur einchecken und losfliegen.

    Ist der Vorschlag ernst gemeint?

  23. 5.01.2010 | 22:46

    Ich glaube schon. Wenn man nach Vergewaltigern sucht, schaut man auch nur nach Männern.

  24. 6.01.2010 | 0:40

    Das Problem ist, daß man da auch nur noch als Mitarbeiter der Sicherheitsdienste oder als Person einer hohen Schutzstufe draufkommt.
    Und bei den Sicherheitsdiensten ist es auch gerade erst schiefgegangen…

  25. R.A.
    6.01.2010 | 16:21

    @Robert Michel:

    Auf die Gefahr hin deine Ironietaps übersehen zu haben

    Nein, da waren keine wirklichen Ironietags. Ich bin einfach stinkesauer wie diese Diskussion seit Jahren läuft – es ist aber klar, daß so eine “Positivliste” auch nicht funktionieren wird.

    @Christian:

    Ist der Vorschlag ernst gemeint?

    Halb.
    Es geht einfach mal darum, daß man in die von apex vorgeschlagene Richtung denkt und nicht blind versucht, aus Angst vor Diskriminierungsvorwürfen lauter überflüssige Kontrollen durchführt (und dabei im Zweifelsfall nötige Kontrollen vernachlässigt).

    Um mal mit dem Extrem anzufangen: Es ist m. W. noch nie in der Geschichte ein Flugzeug von einer Europäerin oder Asiatin über 50 entführt/angegriffen worden. Man kann die Omas dieser Sorte eigentlich grundsätzlich durch alle Kontrollen winken, das ist keine Risikogruppe. Und bei diversen anderen Gruppen reichen Minimalkontrollen, wie sie vor 20-30 Jahren üblich waren.

    Während umgekehrt junge Männer generell durch den Scanner sollten, und bärtige Muslime sich durchaus für eine besonders sorgfältige Überprüfung qualifizieren. Es ist doch so sinnlos – nicht nur im Flugverkehr – die komplette Bevölkerung unter Generalverdacht zu stellen, wenn man doch genau weiß, daß die Bedrohung nur von einer bestimmten Gruppe ausgeht.

  26. R.A.
    6.01.2010 | 16:30

    Sehr gut passend zu unserer Diskussion, so ungefähr habe ich mir das vorgestellt, ohne es klar beschreiben zu können.

  27. 7.01.2010 | 10:33

    Gedankenexperiment: Wenn der Ku-Klux-Clan anfangen würde, Flugzeuge durch Selbstmordattentäter zum Absturz zu bringen, und man sieht am Gate einen Schwarzen, einen Inder (oder Pakistani) und einen jungen Weißen stehen, wäre es dann falsch, den Weißen viel genauer als die anderen zu filzen?

  28. 7.01.2010 | 18:05

    Die Selektion führt sich aber selbst ad absurdum. Wenn das Schule macht, findet der Ku-Klux-Klan eben einen willigen (oder erpressten oder geistig umnachteten) Schwarzen, der die Bombe ins Flugzeug trägt.

  29. R.A.
    11.01.2010 | 13:28

    @Boche:

    Die Selektion führt sich aber selbst ad absurdum.

    Gut möglich.
    Deswegen war das mit der “Positivliste” auch nur ein Gedankenexperiment, das ich nicht wirklich für realisierbar halte.

    Der israelische Ansatz beruht offenbar nicht (nur) auf Selektion. Es wird im Artikel nicht ganz klar, was alles das Erfolgsrezept ausmacht – ein Teil davon ist eben auch bewußt geheim gehalten.

    Aber einen geistig umnachteten oder erpreßten Attentäter würden die Kontrollmaßnahmen der Sicherheitskräfte in Tel Aviv wohl herausfinden.

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