Wirklich nur ein Sparparadox?

Die Schweizer Monatshefte weisen mich diesen Monat auf folgenden Eintrag hin:

Julika, Freilich

Denkaufgabe: Keynes’ Sparparadox

27. Nov. 2009

Im Jahr 2008 geht X jeden Abend auswärts essen. 2009 verschlechtert sich seine wirtschaftliche Lage und X beschliesst, sein Geld lieber zu sparen und zu Hause zu essen. Dies zerstört das Einkommen des Wirts. Der Wirt muss nun, will er weiterhin sein Lokal betreiben wie bisher, Geld von seinem Sparkonto abheben. Also führt der Rückgang des Konsums (in wirtschaftlich schweren Zeiten) nicht zu vermehrtem Sparen. (X spart zwar, der Wirt spart dementsprechend jedoch weniger.) Im Gegenteil, es wird Einkommen zerstört, weil nicht nachgefragt wird. Also, Lösung: gebt X einen Stimulus. Wer findet den Fehler? Edit: Man widerlege die Argumentation bitte so, dass auch ein Zweitklässler, pardon: Politiker sie versteht. Ganz so einfach ist das nicht.

Ich habe daraufhin die Diskussion unter diesem Beitrag verfolgt und halte sie für reichlich dürftig. Gibt es denn außer mir keinen, dem zu diesem Szenario sofort das Stichwort “Globalisierung” einfällt?

Gedanken zu Weihnachten 2009

Weihnachten, das ist doch so richtig schön vor allem, wenn Kinder da sind. Nicht nur, dass Kinder noch in der Lage sind, die ganze Magie dieses Festes mit staunenden Augen aufzunehmen. Sie ermöglichen es auch den Erwachsenen, die im Lauf der Jahre anerzogene Skepsis und den Blick auf das Unmittelbare für eine kleine Zeit zur Seite zu legen und mit den Kindern mitzuträumen. Merken wir Älteren denn eigentlich noch zwischen “Avatar” und “An Inconvenient Truth”, was für eine wunderschöne Erzählung diese Weihnachtsgeschichte ist? (mehr…)

Ist der Weihnachtsmann kein Liberaler?

Ein Herr Waldfogel will uns die Freude an Weihnachten vermiesen, indem er darauf hinweist, wie ineffizient aus Sicht der Konsumentensouveränität das Schenken doch sei. Übersetzt heißt das: Der Beschenkte teilt nicht immer mit dem Schenkenden den Wert des Geschenks. Das ist auch kein Wunder, schließlich ist das Schenken eine komplexe Angelegenheit. Zum Beispiel gibt es die, die sich mit ihrem Geschenk die größte Mühe geben, die Vorlieben des Beschenkten zu treffen. Und andere, die eher Einfluss darauf zu nehmen versuchen, was der Beschenkte hätte wollen sollen (z.B. Wollsocken).

Es ist also alles andere als überraschend, wenn jemand herausfindet, dass man mit anderen Dingen beschenkt wird als man sich selbst gekauft hätte. Die oberflächliche Lösung lautet: Schenkt Geld, denn das gibt dem Beschenkten die maximale Freiheit, sich ein Gut gemäß seiner Präferenzen auszusuchen. Und warum gibt es dann nichts Enttäuschenderes als ein Geldgeschenk? Weil der Ökonom zu früh halt gemacht hat. Das Schenken ist nicht Teil der effizienten Allokation von Gütern, sondern es ist ein sozialer Akt. Der Schenkende offenbart seine Nähe und Zuneigung zu dem Beschenkten, und das insbesondere dadurch, dass er ein Geschenk auswählt, das zu dem Beschenkten aus seiner Sicht irgendwie passt. Also ist im Akt des Schenkens auch eine Botschaft enthalten. Der Schenkende kann natürlich daneben liegen, was sich auch darin äußern kann, dass der Beschenkte das ihm zugedachte Gut zu einem Schnäppchenpreis auf Ebay veräußert. Aber wir wissen nicht, wie sehr der Beschenkte dennoch die Mühen des Schenkenden goutiert. Obwohl das betreffende Gut seine ihm zugedachte Funktion nicht erfüllt, kann der Nutzen des bewussten sozialen Austausches viel höher bewertet werden. Um es mal anekdotisch zu trivialisieren: Wenn meine Liebste mir etwas schenkt, mit dem ich nichts anfangen kann, ich aber trotzdem schätze, welche Ideen sie zu diesem Geschenk geführt haben, dann löst sich die Bewertung des Schenkens von der des geschenkten Gutes. Analysen, die nur auf auf das betreffende geschenkte Gut abzielen, greifen deswegen nur einen Teil des Austauschs und können daher auch keine Aussagen über Effizienzen treffen.

Es lebe der Weihnachtsmann!

Ausflug in die Unpolitik

Zwei politische Themen beherrschen momentan die öffentliche Wahrnehmung: der Klimagipfel in Kopenhagen und die “Kunduz-Affäre”.

Zu ersterem gibt es hier schon das eine oder andere zu lesen, aber hier soll es mal um das andere gehen. (mehr…)

Der österreichische Akzent

Wann immer ich keynesianische Saldenmechaniker bei ihren Argumentationen beobachte, befällt mich sofortiges Unwohlsein. Gibt es so etwas wie eine aggregierte Nachfrage und ein aggregiertes Angebot, die als Kollektive interagieren? Oder finden die entscheidenden Anpassungsprozesse nicht auf einer viel niedrigeren Ebene statt, und dann auch den Gesetzmäßigkeiten dieser Ebene unterliegend? Vielleicht gibt es ja auch eine Wechselwirkung.

Wie auch immer: Meine Bedenken gegen die keynesianische Makrosicht formuliert Peter Boettke in “The Austrian Economics“:

Let me state this one more time with feeling — while there may be macroeconomic problems, there are only microeconomic explanations and solutions. Aggregate variables do not interact with one another independent of the choices of individuals. And those choices are guided by the incentives actors face, and the informational signals they receive. In short, economics is about exchange and the institutions within which exchanges take place. It is all about property rights, relative prices, the lure of profit and the penalty of loss.

Und wo ich schon beim Positiven bin

Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat eine, wie ich bei allen Einwänden im Detail finde, sehr angemessene und richtige Weihnachtsbotschaft verfasst. Ich glaube sogar, dass er damit auch den Ton derjenigen Muslime hierzulande trifft, die in keinem der bekannten Verbände organisiert sind, und die damit die Mehrheit ausmachen.

Sachlichkeit und Differenzierung, das ist es, was diese Debatte braucht. Wie jede andere auch.

Lämpchen

Wenn ich so auf meine Steckerleiste schaue, frage ich mich, wieviel von der Stromersparnis, die durch abschaltbare Steckerleisten erreicht wird (immerhin leuchtet dann im Standby kein LED-Lämpchen mehr am Fernseher) eigentlich durch die Lämpchen in den Schaltern dieser Leisten wieder aufgefressen wird…

Wo bleibt das Positive?

Hier: Brüderle plant Zerschlagungsgesetz.

Man soll ja nicht immer nur motzen.

Wir fackeln fürs Klima

Manchmal fällt einem keine Satire mehr ein, weil die Wirklichkeit viel besser ist.

“Umweltschützer setzen in Kopenhagen Barrikaden in Brand” (NZZ)

Morgen werden es wohl Heimatschützer sein, die Dunkelhäutige oder Andersaussehende verprügeln, und es wird die Sorge um die sozial-globale Gerechtigkeit sein, die besonders empfindsame Menschen dazu bringt, alte Herren zu entführen und ihnen von hinten in den Kopf zu schießen.

Ach, wie ist Satire schwer…

One Step Beyond

Hurra, der neue “Perso” ist da. (mehr…)

Paul Samuelson ist tot

Wenn sich jemand aus völlig unerfindlichen Gründen dafür interessieren sollte, wie der ökonomische Mainstream zu meiner Studentenzeit aussah, müsste er sich nur mit dem Werk von Paul Samuelson befassen. Jemand wie Buchanan kam in der VWL wenn, dann nur am Rande vor, und die “Österreicher” fanden schlichtweg gar nicht statt.

So gut wie alle Ökonomen sind sich einig, dass Samuelson ein großer Geist war, dessen Schaffen eine ganze Epoche prägte. Aus der Ecke der “Österreicher” kommt hingegen eine Kritik, deren implizite Aussagen ich zwar nicht komplett teile, aber deren Fragen mir die richtigen zu sein scheinen.

Na endlich

So etwas nicht nur in Blogs sondern auch mal in arrivierten Medien zu lesen – das macht doch Mut in diesen Tagen der lautsprecherischen Weltuntergangs- und Weltrettungskakophonie.

Säuberungen

Wenn die gesamte Menschheit erst einmal dazu gebracht worden ist, sich völlig in den Dienst der überragenden Idee zu stellen, die nicht weniger als die Rettung der Welt zu ihrem Ziel gemacht hat, dann wird es Zeit, die Gesellschaft von jenen reaktionären Elementen zu säubern, die bisher das Vorankommen der Idee behindert haben. Und die finden sich – wie kann es auch anders sein – in einer Verschwörung von Medien, Konzernen und Lobbygruppen, vor allem in Amerika, beim Großkapital, wo kleine Gruppen die Menschheit schon immer beherrschen wollten.

Werden diese Klimaverschwörer, die vor allem in den Vorstandsetagen transnationaler Energiekonzerne, in einflussreichen Medienunternehmen und konservativen Denkfabriken zu finden sind, sich für ihr Treibern (sic!) verantworten müssen? Genau dieses forderte James Hansen Mitte vergangenen Jahres. Die Vorstandsvorsitzenden der an der Desinformationskampagne beteiligten Konzerne seien sich durchaus im Klaren darüber, was sie anrichteten, und müssten “für die Verbrechen gegen die Menschheit und die Natur” zur Verantwortung gezogen werden.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31706/1.html

Abweichende Meinungen sind kein Fall von wissenschaftlicher Debatte, sondern ein strafwürdiger Verstoß gegen das Dogma. Das kennt man ja schon von früher. Ich denke eigentlich, dass es ausreichende Beweise für den Klimawandel geben dürfte und denke angesichts einer sehr großen Einigkeit unter Klimaforschern, dass es ihn wohl gibt und er vermutlich menschengemacht ist. Aber solche Forderungen und der augenblickliche Dauerbeschuss in den Medien machen mich da wieder skeptisch.

Same procedure as most recently

Die letzte Bundestagswahl hat zumindest eines erreicht: Die Presselandschaft ist wieder berechenbarer geworden. Wenn man mal von unerschütterlichen Parteigängern wie der “Frankfurter Rundschau”, der “taz” oder gar dem “Neuen Deutschland” absieht, haben sich auch andere Presseorgane mittlerweile eindeutig positioniert. Die FAZ lässt keinen Zweifel mehr daran, dass sie sich dem konservativen Flügel der Union zurechnet (auf den Politikteil bezogen), und der “Spiegel” hat sich nicht nur entschlossen, Gabriel zum deutschen Obama zu machen, sondern auch die neue Koalition nach allen Regeln der Kunst (bzw. was der “Spiegel” dafür hält) sturmreif zu schießen.

Wie kotzlangweilig.

PS: Eine Zeitung oder Zeitschrift mit überwiegend liberaler Ausrichtung ist hierzulande seltener als ein Einhorn. Eigentlich unglaublich, wo wir Liberalen doch das Geschäft der herrschenden Klasse besorgen, wenn man unseren linken Freunden glaubt.

Amerika, du hast es besser

Akhavan ist zugleich internationales Aushängeschild der Telekom und ein Fremdkörper im Vorstand des Konzerns: Der gebürtige Iraner hat nie verhehlt, dass er lieber in den USA lebt als in Deutschland. Die Landessprache seines Bonner Arbeitgebers hat er nie erlernt, den deutschen Lebensalltag empfand er als zu kompliziert und unverständlich. So kann sich Akhavan stundenlang darüber aufregen, dass deutsche Fernsehzuschauer bereit sind, stumpfsinnige Sendungen mit Werbepausen im Fernsehen zu akzeptieren, statt sich ein Bündel werbefreier Kanäle mit Spielfilmangeboten für eine Pauschale von 50, 60 Euro monatlich zu buchen, wie es die Amerikaner tun.

(Quelle: FTD)

Man kann sich gar nicht so recht entscheiden, was absurder ist: Wie lebensfremd und volkswirtschaftlich unbedarft Vorstände deutscher DAX-Konzerne sein können oder wie unkritisch-servil deutsche Journalisten schreiben.

Qu’ils mangent de la brioche

Vielleicht sollte ich mehr die “Süddeutsche” online lesen. Bislang bekam ich diesen Widerwillen, der sich aus knapp über einem Jahr München speist, nicht aus dem Kopf, aber man muss auch mal über seinen Schatten springen. Jedenfalls kam ich über die Links des Lawblog auf diese interessante Geschichte: “Debatte um Null-Euro-Jobber: Überall Verlierer“.

Es handelt sich hier um einen sehr instruktiven Konflikt zwischen der typisch liberalen und der typisch sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Sichtweise. (mehr…)

Der Erfolg von Kopenhagen

Neue Definition von Erfolg: Wenn ein Ereignis, dessen Eintreten ungewiss ist, durch Maßnahmen verhindert werden soll, deren Wirksamkeit ungewiss ist, die aber nahezu mit Sicherheit erhebliche Wohlstandseinbußen nach sich ziehen.

Rechtsverkehr, Abseitsfalle und Sonntagsruhe

“Hast du schon gehört? Die EU will Großbritannien zwingen, den Rechtsverkehr einzuführen!”
“Ja. Aber London sträubt sich noch und besteht auf einem Test. Erst soll der nur für Taxis gelten.”

Friedhelm Funkel hat jetzt endlich den Grund für den Absturz der Hertha herausgefunden. Sein Abwehrchef hat nämlich vor dem Spiel immer zu seinen Mitspielern gesagt: “Ok, Jungs! Ihr macht die Abseitsfalle, und ich bleibe zur Sicherheit hinten!”

An diese Witze fühle ich mich jedes Mal erinnert, wenn es um das Gebot der Sonntagsruhe, oder volkstümlicher: den freien Sonntag, geht. (mehr…)

Kampf gegen Windmühlen?

In der heutigen FAZ fasst Hans-Werner Sinn zum kommenden “Klimagipfel” in Kopenhagen seine Thesen aus dem Buch “Das grüne Paradox” zusammen. Ich verweise darauf nicht nur, weil Sinn ein ungewöhnlich heller Kopf mit Mut zu öffentlich geäußerten eigenen Ideen ist, sondern weil er da ansetzt, wo man ansetzen muss, wenn es um politische Maßnahmen zum Klimawandel geht. Die Rolle des Ökonomen ist nicht, der Politik vorgaben zu machen. Und schon gar nicht, als Laie in der Klimadebatte mitzumischen. Sondern der Ökonom muss, wenn ihm ein Problem unterbreitet wird, ökonomisch sinnvolle Lösungen unterbreiten. Und das möglichst transparent und nachvollziehbar.

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Phallisches

Es ist doch bemerkenswert, dass sich der Moscheenstreit, der im Augenblick ja seinen Kristallisationspunkt in der Schweizer Volksabstimmung findet, ausgerechnet auf die Frage der Minarette konzentriert.Das liegt vermutlich daran, dass mit einer fundamentalen Ablehnung fremder Religionen (“Gar keine Moscheen! Muslime raus!”) im aufgeklärten Abendland kein Staat mehr machen lässt. Denn selbst die größten Islamskeptiker müssen sich zumindest offiziell an das Gebot der Religionsfreiheit halten, das zu einer Grundlage der westlichen Kultur geworden ist und jegliche Diskriminierung gegen andere Religionen stark einschränkt.

Warum aber gerade die Minarette? Viele Moscheen, die keine Minarette haben, werden trotzdem von großen Halbmonden gekrönt, mit großen, farbigen Schildern angekündigt oder von einer gülden angestrichenen Kuppel verziert. Und doch sind es die Minarette, gegen die man kämpft. Das mag vielleicht ein wenig mit der typischerweise in muslimischen Ländern von diesen Minaretten ausgehenden Lärmbelästigung durch die Gebetsrufe zu tun haben, viel wichtiger ist aber wohl ihre phallische Bedeutung.

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