27. November 2009
Die Logik stinkt
Die Welt berichtet vom Preisrekord auf dem Knoblauchmarkt und macht dafür drei Gründe dingfest, von denen zwei sicherlich treffend sind, der dritte aber Unfug ist, auch wenn er so schön ins Bild des bösen Kapitalisten passt. Chinesen glauben offenbar das Knoblauch gegen die Schweinegrippe hilft und decken sich mit dem aromatischen Zwiebelgewächs ein bis zur Halskrause. Das macht Sinn. Bis vor dem Ausbruch der Wirtschaftskrise boomte die Nachfrage schon einmal, brach dann zusammen und veranlasste die Bauern zur Reduktion der Anbaufläche und damit des derzeitigen Angebots. Chinas Bevölkerung leidet offenbar nicht nur unter der Schweinegrippe, sondern auch unter dem Schweinezyklus. Schließlich sollen die Preise auch wegen der Spekulanten steigen, weil diese die damals billig eingekauften Knollen jetzt gewinnbringend auf den Markt werfen würden. Moment mal, da erhöht jemand das Knoblauchangebot um Gewinne zu machen, für die er, ganz nebenbei, zu Zeiten des Überangebots ein erhebliches finanzielles Risiko eingegangen ist und das soll die Preise treiben. Bekanntlich sinkt mit steigendem Angebot der Preis, weshalb wir chinesischen Knoblauchspekulanten sehr dankbar sein sollten. Offenbar scheuen nicht nur Vampire den Knoblauch, sondern Welt-Journalisten auch die ökonomische Logik.
Verfasst von SteffenH um 17:13 Uhr in der Kategorie Presse / SPON- und taz-Blog, Wirtschaft (Trackback)
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