Das Versagen der Giganten

Das »Handelsblatt« spricht von einem Bündnis der Giganten: Microsoft und Rupert Murdoch wollen eine Vereinbarung schließen, die auf den ersten Blick völlig absurd erscheint.

Was war? Microsoft hat nach vielen Fehlversuchen im WWW mit großem Marketing-Aufwand eine Suchmaschine namens BING gestartet. Sie hat bis heute nur einen sehr geringen Marktanteil. Und selbst bei diesem geringen Marktanteil würde ich gern mal die Statistik auswerten: Wie viele Nutzer kommen nur auf die Seite, weil BING irgendwo voreingestellt ist? Wie viele Nutzer kommen wirklich wieder?

Was ist geplant? Microsoft will nun mit News Corp folgendes Bündnis eingehen: Die Medien aus dem Imperium des Rupert Murdoch sollen ihre Seiten bewusst aus dem Google-Index heraushalten, damit sie nur noch bei BING gefunden werden.

Warum wird das nicht funktionieren? Jede interessante Nachricht wird heute praktisch innerhalb von Minuten durch andere Medien, durch Blogger oder durch Twitterer übernommen. All diese Medien, Blogs und Twitter-Meldungen werden bei Google weiterhin gefunden. Und aus diesen Medien, Blogs und Twitter-Meldungen wird es Links auf die Murdoch-Medien geben. Die Artikel dieser Medien werden also auch gefunden, wenn sie nicht direkt bei Google in den Suchergebnissen auftauchen.

Welches Prinzip haben Microsoft und Murdoch nicht verstanden? Abschottung ist im offenen Internet des 21. Jahrhunderts nicht möglich. Man wird Informationen niemals auf das »Gebiet« zweier Unternehmen beschränken können. Dem Kunden geht es immer nur um seinen Nutzen. Und sein Nutzen steigt, wenn er mit einer Suchmaschine alles findet, was er im Netz sucht. Diese Suchmaschine wird auch mit diesem Bündnis sicher nicht von Microsoft kommen.

Was bleibt? Diese Vereinbarung ist auch auf den zweiten, dritten und vierten Blick absurd. Verkaufen Sie Ihre Microsoft-Aktien und investieren Sie in ein Unternehmen, das kein Geld damit verbrennt, Informationen einsperren zu wollen;-)

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9 Kommentare zu “Das Versagen der Giganten”

  1. 23.11.2009 | 15:34

    Aber das kann doch nicht wirklich stimmen ?!
    Wie können große Unternehmer wie diese so etwas planen ?
    Das kann nicht sein ! Denn es liegt auf der Hand das es nicht funktionieren wird. Wenn “wir” das schon sehen…
    Ich kann mir nicht vorstellen das hier ein “Missgeschick” vorliegt, da muss mehr dahinter stecken .

    Lg

  2. R.A.
    23.11.2009 | 16:07

    Wo sich Murdoch m. E. sehr überschätzt (und von MS überschätzt wird): Er hat keinen besonders attraktiven Content.
    Was in seinen Zeitungen steht, steht ähnlich in allen übrigen Medien – Exklusivmeldungen dürften die große Ausnahme sein. Wobei es echte Exklusivmeldungen ohnehin de facto nicht mehr gibt, alle interessanten Meldungen werden sofort von den Kollegen zitiert.

    Angesichts der traurigen Marktposition von Bing heißt das also: Murdoch Medien werden im Internet nur noch eine Nebenrolle spielen.

  3. 23.11.2009 | 16:07

    Microsoft hat schon so viele dumme Enthscheidungen getroffen, mich wundert nix mehr.

  4. 23.11.2009 | 16:08

    @Flüge: Hast Du eine Verschwörungstheorie? Meist reicht Dummheit als Erklärung doch völlig aus.

    Im Verlaufe der ersten Dotcom-Blase wurde so viel Geld verbrannt … dagegen sind diese Beträge hier sicher nur »peanuts«.

  5. 23.11.2009 | 16:12

    @R.A.: Jetzt wollen die Murdoch-Medien (wenn ich die Meldungen richtig verstehe) auch noch »paid content« anbieten. Der muss doch aber gefunden werden, zumindest die Themen und die Zusammenfassungen der Dossiers, Artikel etc. Aus dieser Sicht ist es noch dümmer, sich nur an »bing« zu binden.

  6. 23.11.2009 | 16:15

    @Christian: Mich auch nicht. Und das passiert immer, wenn sie von ihrem eigentlichen Kerngeschäft auf Gebiete ausweichen, von denen sie keine Ahnung haben: MP3-Player, Internet …

    Man sieht hier ein frappierendes Beispiel für das Gegenteil einer Win-Win-Situation;-)

  7. googlehupf
    23.11.2009 | 19:40

    Ich behaupte dass es nicht nur nichts bringt sondern darüber noch schädlich wäre. Die Leute nutzen Google wenn sie was finden wollen. Wenns dort keine Inhalte von Murdoch gibt dann wird die Konsequenz nicht sein, dass man Bing nutzt sondern, dass man eben keine Inhalte von Murdoch nutzt.

  8. 23.11.2009 | 19:59

    So sieht’s aus. Entweder haben sie wirklich schlechte Berater oder sie haben Berater mit Freude am Scheitern;-)

    Oder Murdoch rechnet damit, dass sein Inhalt ja doch irgendwie gefunden wird und will nur Microsoft über den Tisch ziehen;-)

    Murdoch scheint sich in eine Vorstellung hineingesteigert zu haben, die so aussieht: Google verdient viel Geld am Suchen, wir verdienen zu wenig Geld mit unserem redaktionellen Inhalt. Die logische Folge wäre doch: man bringt Inhalt, der den Kunden einen höheren Nutzen bringt (oder zumindest verspricht)?

    Man liest, dass Murdoch seine Boulevard-Medien im Web kostenpflichtig machen will. Ist das nicht fast schon Größenwahn? Wer zahlt für so etwas?

  9. 23.11.2009 | 22:46

    Man sieht hier ein frappierendes Beispiel für das Gegenteil einer Win-Win-Situation;-)

    lol, sehr schön :-)

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