Eine deutsche Feier …

Gestern wurde in Berlin offiziell 20 Jahre Mauerfall gefeiert. Mit Politikerreden, Volksmassen, Feuerwerk und Fernseh-Übertragungen – soweit so normal wie Nationalfeiern auch anderswo ablaufen würden.

Aber einiges war schon sehr deutsch.

Das fängt an mit dem zentralen Gag – dem Domino-Day aus bemalten “Mauersteinen” (aus Styropor). Etwas bizarr, etwas kitschig, die Beteiligten hatten offenkundig viel Spaß – und durch Beteiligung vieler junger Leute aus diversen Nationen war es nicht nur politisch korrekt, sondern auch bunt und entspannt.
Ein bißchen befremdlich kam mir das vor, aber irgendwie doch nett.

Politisch überkorrekt dagegen das weitgehende Fehlen irgendwelcher nationaler Symbolik. Schwarz-rot-gold schien verpönt, offenbar darf das nur zu Fußballspielen benutzt werden, nicht bei nationalen Anlässen.
Die Nationalhymne wurde auch nicht gespielt.
Von den anwesenden Ausländern wird das wohl keiner verstanden haben.

Immerhin wurde gegen Ende noch einmal demonstrativ “Freiheit” vorbuchstabiert und an die Bürgerrechtler erinnert. Ansonsten hätte man meinen können, die Mauer hätte sich in Luft aufgelöst, nachdem die SED spontan den Wechsel zur Demokratie beschlossen hat …

Insgesamt eine merkwürdige Feier, aber noch erträglich.

Weniger erträglich die ZDF-Journalisten, denen zur DDR-Mauer nur zwei Vergleichsbeispiele einfielen: Die Sperranlagen Nordkoreas – und den Grenzschutz Israels.
Womit diese widerlichen Charakterschweine das demokratische Israel, das sich gegen Terror wehren muß, mit widerlichen Diktaturen gleichsetzt, die die eigene Bevölkerung einsperren.
Volksverhetzung pur kann man das nur nennen, von öffentlich-rechtlichen “Qualitätsmedien”.

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16 Kommentare zu “Eine deutsche Feier …”

  1. R.A.
    10.11.2009 | 15:55

    Wesentlich besser war übrigens der Film im Anschluß an die Übertragung der Feier.

  2. 10.11.2009 | 16:27

    Das Wunder von Berlin? Der Film war wirklich gut.

  3. R.A.
    10.11.2009 | 16:51

    Das Wunder von Berlin?

    Exakt der.
    Da wurde die miese Realität der Diktatur besser gezeigt als in jeder anderen Darstellung, die ich bisher kannte.

    Besonders interessant die Geliebte des StaSi-Offiziers mit ihrer überaus flexiblen Karriere-Orientierung – wahrscheinlich ist sie inzwischen in gehobener Position tätig (der Film beruht ja auf einer wahren Geschichte).

    Gut geschildert auch die feudalen Strukturen hinter der Gleichheits-Kulisse, Zettel beschreibt das ja immer wieder.

  4. Heinz
    10.11.2009 | 18:29

    Wenn man etwas vergleicht, setzt man es ja nicht gleich. Da verstehe ich die Aufregung nicht. Man kann ja auch Äpfel und Birnen vergleichen, ist ja beides schließlich Obst. Und auch Israel, dessen demokratische Verfasstheit ich nicht anzweifeln will, sperrt mit seiner Mauer die Bewohner der palästinensisch verwalteten Gebiete aus, bzw. schränkt deren Bewegungsfreiheit im Alltag (z.B. Hin- und-her-pendeln zwischen Arbeitsplatz in Kernisrael und Wohnsitz in palästinensischem Gebiet und die Einverleibung wichtiger Ressourcen z.B. Trinkwasser) ein. Das sich zur Wehr setzen gegen den Terror (den es von palästinensischer Seite aus unbestritten gibt) ist nur eine Seite der politischen Rechtfertigung.

  5. 10.11.2009 | 19:14

    Ich fand es ganz lustig … aber Humor ist des Deutschen Stärke nicht, also nehme ich an

    a) die Feier war nicht lustig gemeint, dann hat R.A. mit seinem viel zu ernsten Beitrag recht oder
    b) die Feier war lustig gemeint und der Kommenator ist eine Spaßbremse.

  6. Max
    10.11.2009 | 19:40

    Das war genauso lustig gemeint (also die feier), wie es die franzosen an ihrem Nationalfeiertag mit Scherzen über die Republik und ihre Körperhygiene nehmen, oder die Amis wenn man sich über den 4. July lustig macht. Und da kann mir erzählen wer will, die würden da ganz schnell keinen Spass mehr verstehen.

    Ich kann also nicht ganz nachvollziehen, warum man hier den Deutschen jetzt wieder Humorlosigkeit vorwirft, gerade an einem solchen Tag.

    Ich mein das mit dem Domino war ein netter Spass, wenn auch nicht sonderlich intelligent.

  7. R.A.
    11.11.2009 | 11:04

    @Heinz:

    Wenn man etwas vergleicht, setzt man es ja nicht gleich.

    Aber man vermittelt eine gewisse Einschätzung.

    Man kann z. B. der Meinung sein, daß Goebbels rhetorisch gewisse Qualitäten hatte.
    Aber wenn man von jemandem sagt, er würde reden wie Goebbels, ist das eindeutig eine Beleidigung.

    Daß jede Mauer Bewegungsfreiheit einschränkt ist trivial. Daß die Palis konkrete Nachteile durch die Absperranlagen haben ist auch klar.
    Und man kann das auch kritisch diskutieren.

    Aber die Berliner Mauer war deutlich mehr, sie war insbesondere Symbol für eine menschenverachtende Diktatur, die ein ganzes Volk einsperrte und unterdrückte. Nur wegen dieser Symbolik war ihr Fall ein so denkwürdiges Ereignis, daß man diese Gedenkfeier machte.

    Und wer jetzt andere Beispiele sucht, der kann Nordkorea nehmen, daß ist eben auch eine Diktatur die ihr Volk einsperrt und quält.

    Aber Israel als Vergleich zu nehmen ist direkte Diffamierung. Und Deine Vergleiche halte ich für ein Beispiel ziemlich häßlich verrutschter moralischer Maßstäbe.
    Ein längerer Weg zur Arbeit ist etwas so grundsätzlich Anderes als die Morde an der Mauer – wie kann man nur auf die Idee kommen, das in einen Kontext zu setzen?

  8. R.A.
    11.11.2009 | 11:08

    @suffragium:

    Ich fand es ganz lustig …

    Ich teilweise auch. Und ich habe auch gar nichts dagegen, wenn es bei einer solchen Feier auch mal entspannt zugeht. Ob es nun deswegen gleich Gottschalk und Domino-Day sein muß, ist letztlich Geschmackssache.

    Aber der Mauerfall hat natürlich eine Dimension, der man nicht nur auf Kindergeburtstags-Niveau entsprechen sollte. Die Politikerreden waren da passend (über die Qualität einzelner Beiträge will ich hier nicht streiten), die kitschigen Musikbeiträge eher grenzwertig – und die Abwesenheit von nationalen Symbolen wie Fahne und Hymne befremdlich. Eben eine deutsche Feier.

  9. 11.11.2009 | 12:29

    Vielleicht hat ja die TAZ mit ihrer Interpretation der Dominosteine recht:

    http://www.taz.de/fileadmin/seite1/kari.gif

  10. Florian
    11.11.2009 | 17:42

    Heinz:

    Das verbrecherische an der Berliner Mauer war, dass damit die eigene Bevölkerung eingesperrt wurde.

    Dass hingegen ein Staat das Recht hat, seine eigenen Grenzen zu verteidigen – bei Bedarf auch mit einer Mauer – ist hingegen ja wohl unstritttig.
    Mit einer solchen Mauer sperrt man ja nicht die eigenen Bürger ein – sondern man sperrt unliebsame Fremde aus.

    Die Abwehrlinien der EU gegenüber Nordafrika sind vielleicht nicht schön (und m.E. auch durchaus kritisch zu sehen) aber sie sind gleichwohl völkerrrechtlich und ethisch vollkommen in Ordnung.
    Gleiches gilt auch für sonstige Schengen-Außengrenzen, für Grenzbefestigungen der USA gegenüber Mexiko und eben auch für die Grenzbefestigungen Israels gegenüber den Palästinensergebieten.

    Die Palästinenser selbst wollen sich ja selbst verwalten und sind dann auf ihrem Gebiet auch für die Sicherheit zuständig.
    Und wenn der palästinensische Staat nicht in der Lage ist, zu verhindern, dass von seinem Territorium aus ständig terroristische Angriffe gestartet werden, dann darf er sich nicht wundern, wenn das davon betroffene Israel die gemeinsame Grenze irgendwann dicht macht.

  11. Heinz
    11.11.2009 | 23:18

    Es gibt aber keinen palästinensischen Staat. Dagegen wehrt sich doch Israel beständig. Und das macht eben doch einen gewaltigen Unterschied, weil die Palästinenser, die arbeiten und sich nicht in die Luft sprengen in ihrem Erwerbsleben existenziell bedroht sind und von lebensnotwendigen Ressourcen (z.B. Grundwasser) systematisch abgeschnitten sind.

  12. Florian
    12.11.2009 | 1:31

    Heinz:

    Es gibt eine autonome palästinensische Verwaltung, insbesondere mit eigenen Sicherheitsbehörden.

    Es wäre daher auch die Aufgabe dieser Verwaltung, auf dem eigenen Gebiet für Ordnung zu sorgen.

    Im übrigen hat sowohl Gaza als auch Westbank Außengrenzen, die nicht an Israel grenzen (zu Äqypten und Jordanien).
    Es kann also nicht die Rede davon sein, dass Israel die Palästinenser “einsperren” würde, wie das die DDR getan hat.

    Dass es für betroffenen Palästinenser unangenehm ist, nur noch mit Schwierigkeiten in Israel arbeiten zu können, ist natürlich unstrittig.
    Aber seit wann ist ein Staat überhaupt verpflichtet, (faktische) Ausländer in seinem Staatsgebiet arbeiten zu lassen?
    Nach der gleichen Logik müssten Sie Mitleid mit Ukrainern haben, denen an der Schengen-Außengrenze eine Einreise und damit eine Erwerbstätigkeit in Deutschland erschwert wird.

  13. Heinz
    12.11.2009 | 15:33

    Es sind eben de jure keine Ausländer weil die palästinensischen Autonomiebehörden kein souveräner Staat sind. Und sie werden auch nie ein Staat werden so lange Israel das nicht will.
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,530818,00.html
    Hier wird auch nochmal die Problematik für die palästinensischen Flüchtlinge richtung Ägypten beschrieben.

  14. 12.11.2009 | 15:49

    @Heinz

    Was wollen denn die Palästinenser? Einen Staat? Seit wann? In welchen Grenzen?
    Was passiert, wenn Israel die Kontrolle über das Westjordanland abgibt und auch von dort Raketen abgeschossen werden? Soll dann Israel seine dann plötzlich in Schussweite liegenden Großstädte räumen und den einzigen internationalen Flughafen schließen?

    Von Wollen sollte also nicht so schnell die Rede sein. Eher von Können.

    Ich denke, dass das Problem nicht lösbar ist, so lange Mafia-ähnliche Banden in Palästina das Sagen haben und die Sicherheit Isreals dort nicht durch staatliche Autorität durchgesetzt werden kann.

  15. R.A.
    12.11.2009 | 18:49

    @Heinz:

    weil die palästinensischen Autonomiebehörden kein souveräner Staat sind.

    Na und?
    Die Palis haben alle nötigen Möglichkeiten (insbesondere reichliche Finanzhilfe), um sich staatsähnlich zu organisieren, für Sicherheit, Infrastruktur und Bildung zu sorgen und ihre Bevölkerung in eine friedliche Zukunft zu führen.
    Das offizielle Etikett “Staat” ist überhaupt nicht nötig, um vor Ort gute Politik zu machen.

    Und wenn sie das täten, und ihr Gebiet normal verwalten und für Sicherheit sorgen würden – dann wäre die staatliche Anerkennung auch kein Problem.

    So lange sie aber täglich den Beweis liefern, daß sie noch nicht staatsfähig sind, wird dieser letzte Schritt zur Souveränität eben fehlen.

  16. DDH
    12.11.2009 | 23:03

    “Womit diese widerlichen Charakterschweine”

    Bitte um Contenance!

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