Ich ziehe hier ein Thema nach oben, um die Diskussionen zu entflechten und um einen Raum für sachbezogene Kommentare zu schaffen. In einem Kommentar zu dem Beitrag über Diskriminierung wurde gestern am Rande die These aufgestellt:
Die Konditionierung des Bewusstseins durch kommerzielle Massenmedien der werbenden Wirtschaft ist nicht weniger totalitär als die durch staatliche Propaganda [Che2001].
Che2001 stellt diese These in den Zusammenhang mit Machtmissbrauch und mit der Verblendung des Bewusstseins durch die Massenmedien. Googlehupf fragte dann sinngemäß:
Wenn wir diese Prämisse gelten ließen: Was wäre ein Lösungsansatz dafür? (…) Gibt es überhaupt einen?
Können wir diese Prämisse gelten lassen?
Che2001 erwähnt in seinem Kommentar zur Stützung dieser These beispielsweise die »Dialektik der Aufklärung«. Allerdings ist diese Theorie unter der Voraussetzung eines ganz anderen Medienzeitalters entstanden. Damals gab es Medien und Medienkonsumenten. Es gab in den Medien und Verlagen die »Türhüter«, an denen keine Meldung vorbeikam. Es gab für die Medienkonsumenten praktisch keine Möglichkeit, selbst Informationen zu publizieren. Bis etwa 1990 musste man von diesen Voraussetzungen ausgehen. Theodor W. Adorno starb 1969, Max Horkheimer 1973.
Horkheimer und Adorno waren scharfsinnige Denker. Sie konnten aber nicht in die Zukunft sehen. Sie wussten nicht, dass im Jahr 2009 so viel Wissen frei verfügbar sein würde. Sie wussten nicht, wie einfach der Zugang zu Wissen heute sein würde. Sie hatten wahrscheinlich auch keine Vorstellung davon, wie einfach man Informationen heute im Internet vernetzen kann.
Jede maßgebliche Meldung der Massenmedien wird heute entweder in anderen Medien oder im freien Internet quasi in Echtzeit hinterfragt. Diese Vorgänge kann man in Ländern mit freiem Netzzugang überhaupt nicht totalitär kontrollieren.
Beispiel: Murdoch und Microsoft. Die ersten Meldungen lasen sich wie die Abschrift einer PR-Mitteilung. Beinahe zeitgleich kamen im Netz Zweifel an der Vereinbarung auf. Dann haben auch die Mainstream-Medien kritisch über diese Partnerschaft nachgedacht.
Eine totalitäre Konditionierung erscheint mir unter diesen Voraussetzungen überhaupt nicht möglich zu sein. Aber Ihr könnt mir gern widersprechen: schreibt in den Kommentaren, wo Ihr Verblendung oder Konditionierung in der Gesellschaft seht …
Sollten sich dann doch Tendenzen eines totalitären Einflusses zeigen, wäre die nächste Frage: wie kann man diesen Tendenzen begegnen? Dazu habe ich gestern nacht kommentiert:
Der Lösungsansatz kann nur heißen: Aufklärung. Noch nie gab es so viele frei verfügbare Wissensressourcen und so viele Möglichkeiten der Vernetzung des Wissens. Begrenzt ist nur die Zeit, die wir für unsere eigene Aufklärung aufwenden können.
So, und jetzt seid Ihr dran.