Inflation gegen Wissenschaft

Wie wir spätestens zuletzt in der Debatte um die Äußerungen des Herrn Sarrazin gelernt haben, hat sich die “korrekte” Definition des Begriffs Rassismus so sehr vom allgemeinen Verständnis entfernt, dass noch nicht einmal eine Unterscheidung in “Rassen” notwendig ist, um einen entsprechenden Vorwurf zu konstruieren. Aus linker Sicht ist das praktisch: Da werden alle empirisch beobachtbaren Unterschiede auf Klassenunterschiede zurückgeführt, und wer auch immer andere Gründe für Differenzen nennt, ist eben ein Rassist. Womit sich der Begriff komplett für alle entwertet hat, die mit einer marxistischen Interpretation nichts am Hut haben.

Demzufolge gilt in diversen lautsprecherischen Kreisen auch der als Rassist, der darauf hinweist, dass die Hayekschen spontanen Ordnungen, die man im Zusammenhang mit der diesjährigen Nobelpreisträgerin nicht umhin kommt zu feiern, durchaus verschiedene Ausprägungen annehmen können. Insofern besteht wohl keinerlei Anlass mehr, sich einen entsprechenden Vorwurf zu Herzen zu nehmen.

Nun bin ich ja der Meinung, dass es keinerlei biologisch vererbte Eigenschaften braucht, um menschliches Verhalten weitgehend zu erklären (vielleicht mit der Ausnahme von Mann und Frau, aber eben auch nur vielleicht…), dass aber über Generationen vererbtes Kulturgut bestehen bleibt und mitunter mit der realen Welt in Konflikt gerät. Aber nichtsdestotrotz scheint die Forschung andere Wege aufzuzeigen: Irgendwo gibt es also doch Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen von Individuen. Und sie scheinen auch den Genen geschuldet zu sein.

Was machen wir jetzt mit solchen Infos? Konkret fallen mir keine politischen Maßnahmen ein.

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46 Kommentare zu “Inflation gegen Wissenschaft”

  1. 18.10.2009 | 10:23

    @”Aus linker Sicht ist das praktisch: Da werden alle empirisch beobachtbaren Unterschiede auf Klassenunterschiede zurückgeführt, und wer auch immer andere Gründe für Differenzen nennt, ist eben ein Rassist. Womit sich der Begriff komplett für alle entwertet hat, die mit einer marxistischen Interpretation nichts am Hut haben.” —- Rayson, das ist nicht Dein Ernst, oder? Diese dümmliche Ebene ist ja nun wirklich das Niveau eines Dorfstammtischs, wenn überhaupt. Dass es eine wissenschaftliche Debatte zum Thema Rassismus gibt, eine umfangreiche Literatur dazu, ich habe wiederholt entsprechende Titel hier zitiert, nein, “marxistisch” sind die nicht, und daher auch Rassismusdefinitionen, die mit einem biologischen Rassenbegriff, den, bezogen auf Menschen, die moderne Anthropologie mehrheitlich ohnehin ablehnt (das Statement on Race wurde 1950 verabschiede), das wird hier alles so mal kalt ignoriert. Jemand wie Du sollte sich schämen, noch einmal das Wort “Wissenschaft” in den Mund zu nehmen.

  2. 18.10.2009 | 10:31

    [...] der System-Umwelt-Relation bewegt und Lernen ja nicht ausschließt, als dieser diffuse Brei, der im dort verlinkten Artikel (“dass noch nicht einmal eine Unterscheidung in “Rassen” notwendig ist, um einen [...]

  3. Buenavista
    18.10.2009 | 11:19

    @che

    Ja das ist in der Tat einfach. Wenn es keine Rassen gibt (die wissenschaftliche Dinfinition von Rasse scheint mir beim Menschen tatsächlich nicht erfüllt, dafür sind sich Schwede und Aborigine genetisch viel zu ähnlich), dann gibt es auch keinen Rassismus.

    Hurra, Problem solved.

    Die Realität ist natürlich eine völlig andere. Nehmen wir den Antisemitismus. Den haben erst die Nazis (bzw. ihre Vordenker und Vorläufer) in “rassistisch-genetische” Bahnen gelenkt.

    Tatsächlich waren die meisten Juden auch im Dritten Reich kaum oder gar nicht vom Rest der Bevölkerung zu unterscheiden, daher musste man sie ja auch mit Judenstern kennzeichnen.

    Rassismus braucht keine Gene, keine “Rasse”, höchstens vielleicht eine tatsächliche oder vermutete ethnische Zugehötigkeit, die diskriminiert wird.

    Wenn Sarrazin pauschal von “Arabern” und “Türken” spricht, die da irgendetwas sind oder nicht, ist das Rassismus. Fast noch widerlich ist sein zur Schau getragener (Pseudo?)Philosemitismus (“osteuropäische Juden mit höherem IQ).

    Übrigens, woran erkennt man einen Rassisisten/Antisemiten in Deutschland?

    Am in weinerlichen Ton eingeleiteten (oder beschlossenen Satz: “Aber das darf man ja in Deutschland nicht mehr sagen.”

    Oder daran, dass es dann einer doch öffentlich sagt. Und die Stammtische grölen: “Endlich sagt es mal einer!”

  4. 18.10.2009 | 12:07

    Ein Buch, dass die Unterschiede im Menschen und deren Ursachen ganz gut beschreibt ist “The 10,000 Year Explosion”:

    http://www.amazon.de/000-Year-Explosion-Civilization-Accelerated/dp/0465002218/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1255859126&sr=8-1

    Manches ist Spekulation (z.B. eine Verbindung zwischen Neanderthaler und modernem Mensch), das meiste aber wissenschaftlich fundiert.

  5. Klaus 
    18.10.2009 | 12:36

    @ Buenavista

    Angenommen Sarrazin ist ein Rassist, muss dann zwangsläufig seine Analyse Berliner Zustände – die Probleme der Unterschicht und der Migranten eingeschlossen – völlig falsch sein? Mal von pauschalisierenden Formulierungen abgesehen, wo liegt Sarrazin näher an der Wahrheit und wo nicht?

  6. tigger
    18.10.2009 | 12:55

    Vielleicht muss man einfach voraussetzen, dass er genetische Abweichungen als Ursache seiner Analyse sieht, weil er explizit keinen andere Ursache erwähnt hat. Das ist praktisch “default”.

  7. dirk
    18.10.2009 | 13:06

    @Che

    Zitat Rayson: “Da werden alle empirisch beobachtbaren Unterschiede auf Klassenunterschiede zurückgeführt, und wer auch immer andere Gründe für Differenzen nennt, ist eben ein Rassist.”

    Ist das nun so oder ist es nicht so? Dieses Phänomen ist doch permanent beobachtbar. (Für die Aussage von Rayson ist es auch unerheblich, dass der moderne Linke vielleicht noch etwas feiner nach Rassismus, Sexismus, Ausländerfeindlichkeit und ähnlichem differenziert als es über die Medien ankommt. Es bleibt dabei, dass helle Aufregung herrscht, sobald irgendwelche Unterschiede nicht durch anfängliche vermeintliche Ungerechtigkeiten erklärt werden.)

  8. 18.10.2009 | 14:38

    Sarrazin hat in der Tat nicht über Rassen, sondern über ethnische Gruppen und über soziale Gruppen innerhalb dieser ethnischen Gruppen gesprochen. Warum kam es also überhaupt zu Rassismusvorwürfen?

    Übrigens zerpflückt die F.A.S. heute schön seinen Spruch über die Obst- und Gemüsehändler.

    @Che: Weder Rayson noch sonst jemand kann in einem einzigen Absatz erschöpfende wissenschaftliche Ausführungen zu diesem Problem vortragen. Aber Rayson hat pointiert auf ein Problem hingewiesen: Einige Linke neigen dazu, Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen zu verdrängen.

    Ganz sicher warst Du ja mit »in diversen lautsprecherischen Kreisen« überhaupt nicht gemeint, warum steigst Du dann so darauf ein?

  9. Buenavista
    18.10.2009 | 14:57

    Eine (vermeintliche) ethnische Gruppe pauschal zu diskriminieren ist Rassismus. Ihr könnt ja ein präziseres Wort dafür erfinden, aber das ändert nichts am Prinzip.

  10. 18.10.2009 | 15:13

    Und ich habe lang und breit, zum Beispiel drüben bei Hartmut, erläutert, wieso Sarrazins Denke unter sozialen Rassismus fällt, da nämlich die Einteilung der europäischen Bevölkerung in “Rassen” analog den Gesellschaftsschichten durch Sozialdarwinisten des 19. Jahrhunderts die Geburtsstunde der Rassentheorien war. Die Vorstellung, das Proletariat entstamme slawisch-keltischen Vorfahren und Adel und Bürgertum germanischen Vofahren, Erstere seien weniger intelligent als Zweitere, wurde so um 1860 als Antwort auf das “Kommunistische Manifest” und die Arbeiterbewegung an sich formuliert, um soziale Ungleichheit als naturnotwendig und “rassisch” bedingt zu begründen. Später wurde das mit dem Mythos der “nordischen Rasse” zur Herrenmenschen-Ideologie der Nazis weiterentwickelt. Was der Sarrazin da ablässt, ist im Grunde nichts Anderes als eine Variante dieses ursprünglichen Sozialrassismus, sozusagen reload back to 1860 and remix with Berlin 2009.

  11. 18.10.2009 | 15:46

    Lieber Rayson,

    du schreibst

    Nun bin ich ja der Meinung, dass es keinerlei biologisch vererbte Eigenschaften braucht, um menschliches Verhalten weitgehend zu erklären (vielleicht mit der Ausnahme von Mann und Frau, aber eben auch nur vielleicht…)

    Mich würde interessieren, auf welche wissenschaftlichen Daten du diese Meinung stützt. Ich frage das deswegen, weil ich solche Daten nicht kenne. Alle, die ich kenne, weisen darauf hin, daß bei der Intelligenz und einigen der hauptsächlichen Persönlichkeitsdimensionen – beispielsweise Extraversion/Introversion und Neurotizismus – ungefähr die Hälfte der Varianz durch genetische Faktoren aufgeklärt werden kann. Bei anderen Dimensionen liegt der genetische Anteil niedriger, ist aber immer noch signifikant.

    Das ist, lieber Rayson [und lieber Che ;-) ], nicht eine Frage der Weltanschauung oder der poltischen Einstellung, sondern es ist eine Frage der Daten und der Varianzanalyse.

    Herzlich, Zettel

  12. 18.10.2009 | 16:12

    @Stefanolix:

    “Einige Linke neigen dazu, Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen zu verdrängen.”

    Quatsch. Sie weisen “Ethnie” als relevantes Kriterium für die Erklärung von Verhaltensweisen explizit zurück, das ist keine Verdrängungsleistung.

    Und wenn man nun statt “Rasse” “Ethnie” sagt, das aber verwendet, wie man “Rasse” verwenden würde, ist das ja gehupft wie gesprungen. Wenn man “Ethnie” als ererbte Verhaltensweisen begreift, die von verschiedenen Personen einer wie auch immer bestimmten Gruppe geteilt werden, im folgenden Sinne:

    “Irgendwo gibt es also doch Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen von Individuen. Und sie scheinen auch den Genen geschuldet zu sein.”

    und man sich dabei nicht auf schlichte Äußerlichkeiten beschränkt,ist das halt Rassismus. Zudem das, wie man nun die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bestimmt, selbst begründungsbedürftig ist und nicht so klar, wie immer geglaubt wird. Das ist zumeist rein willkürlich.

    Gibt sonst noch Verwendungsweisen von “Ethnie” analog zu “Volk” im nicht-demokratisch-partizipatorischen Sinne, also das, was Milosovicz oder wie der sich schreibt auf dem Amselfeld jüngst erfunden hat, und das ist halt völkisch.

    Ansonsten kann man noch von “Kulturen” sprechen, die Verwendung von “Kultur” macht in unserem Sprachraum aber nur Sinn, wenn man sie als Gegensatz zu “Natur” begreift. Und dann macht da “Gen” keinen Sinn.

    Und was soll jetzt “Ethnie” heißen?

  13. 18.10.2009 | 16:21

    @Zettel:

    “Alle, die ich kenne, weisen darauf hin, daß bei der Intelligenz und einigen der hauptsächlichen Persönlichkeitsdimensionen – beispielsweise Extraversion/Introversion und Neurotizismus – ungefähr die Hälfte der Varianz durch genetische Faktoren aufgeklärt werden kann.”

    Dann führen Sie doch mal aus, wie man das fest stellt, was da nun “genetische Faktoren” sind, welche das sind, wie deren Wirkungsweise ist, wieso es möglich, das mit statistischen Methoden überhaupt in den Griff zu bekommen, also sinnvoll beschreiben zu können – “Varianzanalyse” liest sich ja turboschlau, aber was das variiert, das ist ja seltenst irgendeine gen-immanente Substanz oder tatsächliche Eigenschaft von Person X, sondern als Relation zwischen Individuen nur erforschbar, die erst im statistischen Verfahren selbst sich konstituiert. Das waren Sie ja mal so freundlich, uns zu erläutern, dass das bei Intelligenztest so funktioniert. Und dann erläutern Sie doch bitte noch, wie man das auf Gruppen sinnvoll beziehen kann.

    Und was soll “Extroversion/Introversion” denn sinnvoll heißen? Ob jemand introvertiert oder extrovertiert ist oder etwas anderes? Und wie misst man sowas, um da zu so großen Thesen zu gelangen? Wie sehen die Daten denn da aus?

    Ich vermute da viel heiße Luft und bin gespannt …

  14. 18.10.2009 | 18:12

    Also, Spearmans Faktorenanalyse, Hamburg-Wechsler-est usw., das ist doch selbst längst nur noch Wissenschaftsgeschichte. Abgesehen davon, dass die Frage der Verteilungswahrscheinlichkeit bei multivariaten Datensätzen auf ererbte, erworbene oder prägungsbedingte Komponenten bei einem falsch oder richtig vermessenen Menschen keinerlei Bezug dazu hat, daraus Eigenschaften eines wie auch immer definierten Kollektivs abzuleiten. Auch wenn es eines Tages erwiesen würde, dass eine Reihe von Verhaltensweisen genetisch bedingt seien, was ich mit Skepsis sehe, ließe sich daraus keine “Rasse” oder sonstige Abstammungsgruppe ableiten. vgl. “Blutgruppen und die Geschichte der Völker” in Walter, Populationsgenetik der Blutgruppensysteme des Menschen, die eine allgemeine genetic drift belegen, die geschlossene Populationen oder zusammenhängende Abstammungsgemeinschaften als gedankliches Konstrukt ohne Entsprechung in der Wirklichkeit erscheinen lasse oder Dobzhansky, Vererbung und Menschenbild: “Es muss betont werden, dass die Menschheit während der letzten Generationen nicht erst eine bedeutungsvolle biologische Einheit wurde, als der Mensch anfing, oft und viel zu reisen. Die menschliche Art war schon eine solche Einheit, bevor sie erkennbar menschlich wurde. Der Genfluss zwischen menschlichen Populationen macht Rassegrenzen mehr oder weniger undeutlich…Man könnte versuchen, der Schwierigkeit auszuweichen, indem man annimmt, die Rassegrenzen seien früher deutlicher gewesen und durch Vermischung verschwunden. Aber das hilft zu nichts: Je mehr “Rassen” man aufstellt, umso mehr verfilzen sich ihre Grenzen.”

    So, und das ist keine linke Propaganda, sondern Biologie.

  15. 18.10.2009 | 23:07

    Und widerlegt gründlich alle Behauptungen, die hier keiner aufgestellt hat. Ist ja auch was wert.

  16. 18.10.2009 | 23:11

    Na ja, dass der von Dir verwendete Begriff der “Inflation” des Rassismusbegriffs von denen hier

    http://de.wikipedia.org/wiki/Institut_f%C3%BCr_Staatspolitik

    stammt sollte schon zu denken geben, gelle?

  17. 18.10.2009 | 23:23

    @Zettel

    Das ist ein Blog und kein Proseminar… Um meine Aussage etwas deutlicher zu machen: Ich glaube nicht, dass irgendein Problem, das politisch zu diskutieren wäre, sinnvoll unter der Prämisse genetischer Ursachen betrachtet werden kann. Da scheinen mir andere Erklärungsansätze wesentlich fruchtbarer zu sein. Damit will ich nicht behaupten, dass es keine genetischen Bestimmungsfaktoren von Verhalten gibt, aber ich wüsste eben nicht, was man mit diesem Wissen konkret anfangen sollte. Beispiel Bildungserfolg: Wenn wir annehmen, und das tue ich eigentlich auch, dass nicht jeder zu akademischen Höchstleistungen geboren ist, so können wir doch nicht alle Unterschiede im erreichten Bildungsgrad der vererbten Intelligenz zuschreiben, gibt es doch auch andere Faktoren, die darauf einen Einfluss haben. Und um einige dieser Faktoren könnte Politik sich – im Gegensatz zum Wirken der Gene – tatsächlich auch kümmern.

  18. 18.10.2009 | 23:40

    @che2001

    Dass bestimmte Begriffe zum Zweck der Beherrschung des politischen Diskurses immer mehr inflationiert werden, ist nicht neu und sicher auch nicht eine originäre Entdeckung von der von dir angeführten Institution.

    Wenn zur Erklärung von bestimmten Konstellationen nur noch sozio-ökonomische Faktoren heranziehbar sein sollen und alle anderen Ansätze, von Tradition über Kultur bis zu religiösen Einflüssen (bzw. einem Gemisch daraus), als “rassistisch” abgeschmettert werden, drängt sich der Eindruck der Begriffsinflationierung geradezu auf.

    Ich davor nur warnen: Inflation entwertet und beschädigt Vertrauen.

  19. dirk
    19.10.2009 | 9:44

    @Che

    Du argumentierst ziemlich häufig (eigentlich fast immer) über Ursprung und Historie von Begriffen und Erklärungsmustern. Begriff X wurde von Y zur Zeit t im Kontext K verwendet und danach von Z zu X’ weiterentwickelt und deswegen stehe jeder der X verwendet Z, mindestens aber Y nahe. Für mich eine seltsame Methode, zumal man somit bis auf Neologismen jeden Begriff in jede beliebige Ecke stellen kann.

  20. 19.10.2009 | 10:15

    Siehste, Che, hab ich’s nicht gesagt?

    Es geht um das Ersetzen von historischen Entwicklungen durch eine Vorstellung natürlicher Ordnungen und einer Hierarchie der Kulturen.

    Aus “Geschichte” wird dann, dass aus der Tradition des Christentums zwar auch säkulare Aufklärung erwachsen kann; das ist dann aber auch zugleich selbst christlich und der Grund der natürlichen Überlegenheit “westlicher” Kulturen, die auch den Kommunismus zum Einsturz brachte und im Kapitalismus, nicht etwa im demokratischen System sich realsiert, der z.B. technischen Fortschritt erst möglich machte. Und hat u.U. sogar was mit Genen zu tun, aber nur u.U. und zur zusätzlichen Absicherung, und das sollte auch nicht übertrieben werden, das mit der Aufklärung, dann “kommen die Leute nicht mehr mit”, sind “überfordert”, und die natürliche Ordnung bricht zusammen, und naturgemäß gehört der anatolische Bauer halt nach Anatolien.

    Das fängt bei Naturrechtslehren an und hört beim beim Handelsblatt-Artikel auf, dieses Schema …

  21. dirk
    19.10.2009 | 10:26

    @MR

    Muss ich das verstehen? Oder reicht es, wenn ich lache?

  22. Fuchur
    19.10.2009 | 13:52

    (@dirk
    Ich versteh grade auch nicht so ganz, gegen welche Windmühlen die beiden (Che und Momo) da grade voller Elan anrennen… scheint wohl eine längere Geschichte zu sein.)

    Es ist übrigens interessant, die Diskussion in diesem Fall mit dem Fall Sarrazin zu vergleichen: Auch hier hat keiner den Artikel, um den es eigentlich geht, gelesen (u.a., weil er bei Nature nur kostenpflichtig verfügbar ist), und es scheint wieder große Schwierigkeiten zu geben, sich darauf zu einigen, worum es denn überhaupt geht.

    Für mich ist das der Knackpunkt:

    Im Februar 2009 forderte der Neurologe Steven Rose in „Nature“, Rassen- und Geschlechtsunterschiede im Bezug auf die Intelligenz nicht zu erforschen, da „die Gesellschaft davon keinen Nutzen habe“.

    Es geht für mich also gar nicht so sehr um die Frage, ob es relevante genetische Unterschiede zwischen bestimmten Menschengruppen gibt, oder ob es sowas wie “Rassen” oder “Ethnien” überhaupt gibt, sondern vielmehr um die Frage, ob man überhaupt darüber reden/forschen darf/soll.

    Für mich ist die Frage ganz klar mit Ja zu beantworten. Die Gefahren sind zwar offensichtlich, und (wie Rayson schon sagt) es ist auch für mich nicht absehbar, welchen konkreten Nutzen es haben sollte, wenn wir irgendwann wissen würden, dass z.B. Asiaten durchschnittlich intelligenter als Westeuropäer sind. Aber Wissen bewusst zu unterdrücken kann auf keinen Fall eine vernünftige Lösung sein!

    In dem Zusammenhang finde ich Steve Sailers Polemik “Let’s celebrate gravity!” äußerst amüsant: http://isteve.blogspot.com/2009/10/lahn-lets-celebrate-human-genetic.html

  23. 19.10.2009 | 14:44

    Die Forderung nach Nicht-Erforschung ist tatsächlich ein Augenöffner in dieser Diskussion.

  24. Paradin
    19.10.2009 | 15:38

    Es ist Zeit dafür die genetische Ungleichheit unter den Menschen anzuerkennen. Blutgruppen, Erbrkankheiten aber auch Verhaltenstendenzen und Begabungen verteilen sich in Menschengruppen jeweils unterschiedlich. Es gibt bedeutende Unterschiede zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen. Charlotte Höhn musste sogar zurücktreten weil sie es wagte die Dogmen linksgrüner Gutmenschen anzuweifeln. Mit Erkenntnisfeindschaft versuchen sie Fortschritte in Pharmazie und Forensik zu verhindern. Bestimmte Medikamente wirken aber nur bei bestimmten Ethnien. Kaukasier spielen besser Schach. Afrikaner können besser rennen. Warum das so ist muß erforscht werden. Ich finde das interessant auch weil das eine gute Chance für bessere Heilbehandlungen darstellt.

  25. Lyssenko
    19.10.2009 | 18:32

    Nein, das hat nichts mit Genen zu tun, sondern mit jahrhundertelanger Anpassung durch Training. Zwischen Russland, Armenien Iran hat man vor Erfindung des Fernsehens und seit den Tagen der Wikinger täglich Schach gespielt. In Schwarzafrika musste man jahrhundertelang vor Löwen weglaufen. Das prägt eben.

  26. Heinz
    19.10.2009 | 20:06

    @Lyssenko:
    Training vererbt sich aber nicht. Wenn alle hundert Generationen vor mir jeden Tag 10 Stunden Schach gespielt haben hat das null Auswirkung auf meine Schachkenntnisse.

  27. 19.10.2009 | 20:25

    @Heinz: Don’t feed the trolls.

  28. 19.10.2009 | 20:36

    @dirk, Fuchur

    Wieso, das ist doch die Standard-Links”argumentation” in drei Akten:

    1. Berufung auf Autoritäten
    2. Aufzeigen von angeblichen verdächtigen Verbindungen
    3. Ersetzen der Argumentation der anderen Seite durch ein Feindbild aus der Schublade

    Schön, dass die hier so komprimiert zu besichtigen ist.

    @Boche

    Das missverstehst du. Freiheit der Wissenschaft versteht sich von selbst. Aber gottgefälligen Zwecken hat sie zu dienen, sonst kommt irgendwann noch jemand und will “wissenschaftlich” nachweisen, dass die Erde sich um die Sonne dreht. So geht es ja nun nicht.

  29. 19.10.2009 | 20:38

    @Heinz

    Califax hat recht. Und Paradin ist ab sofort gesperrt, wie auch vorher schon unter diversen anderen Usernamen.

  30. Andreas
    20.10.2009 | 14:28

    @ Heinz:

    “Training vererbt sich aber nicht. Wenn alle hundert Generationen vor mir jeden Tag 10 Stunden Schach gespielt haben hat das null Auswirkung auf meine Schachkenntnisse.”

    Nicht unmittelbar, aber ein Umfeld mit vielen starken Schachspielern fördert möglicherweise Deine Lernerfolge, wenn Du mit diesem Spiel beginnst. Damit wirst Du mit einer höheren Wahrscheinlichkeit selber zu einem guten Schachspieler als ohne diese Multiplikatoren.

  31. Die Stimme aus dem Off
    20.10.2009 | 14:55

    Der Begriff “Rasse” ist in der Tat für Menschen abzulehnen. Richtigerweise muss es wohl “genetische Unterschiede” heißen. Man sollte diesen Begriff – so man ihn ablehnt – aber bitte konsequent weglassen und ihn nicht nur dann tabuisieren, wenn es gerade mal passt. Also dann bitte den Begriff auch aus den Gesetzen streichen, denn was es nicht gibt, kann ja auch nicht Gegenstand der Diskriminierung sein, hehe. ;-)

    So jedenfalls neulich meine Frau in einem Schriftsatz der mich tierisch zum lachen gebracht hat.

    Das Problem mit den Genen ist, dass sehr viel vermutet aber so gut wie nichts bewiesen ist. Abgesehen von einigen wirklich gemeinen (genetischen) Krankheiten, evtl. der Haarfarbe und einigen äußerlichen Besonderheiten kann man aus der Genetik nicht wirlich einen Nutzen für den Rückschluss auf “soziale” Probleme der Gegenwart ziehen. Man sollte auch nicht vergessen, dass in der Medizin sehr viel hinter vorgehaltener Hand schon lange als “wahr” betrachtet, jedoch aus Karrieregründen niemals offen ausgesprochen wird. In der Medizin gibt es politische Korrektheit.

    Dass Sarrazins Aussagen nicht rassistisch waren, beweist schon die Tatsache, dass sie zu fast 100 % wahr sein soll. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht sie zu verifizieren, darum halte ich mich zurück. Selbst aber wenn sie “überwiegend” wahr ist, so gilt sie im sozialwissenschaftlichen Sinne wohl als “wahr” oder jedenfalls als wahrer als ihr Gegenteil und das ist ja auch schon ein großer Erkenntnisgewinn.

    Man kann jetzt noch Stunden und Stunden darauf verschwenden Sarrazins Meinung moralisch zu bewerten, ich halte das jedoch für verschwendete Liebesmühe. “Die Linken” regen sich nur deshalb über diesen Populismus auf, weil es nicht ihr eigener ist. Das Sarrazin recht hat, kann man bei einem Gang durch Neuköln oder in eine (wie heisst das heutzutage gleich? Ist es noch das “Sozialamt”?) Fürsorgestelle sehen.

    Hätten die Roten nicht sämtliche Statistiken im Vorfeld mit Maulkorberlassen schön zurechtfrisiert, dann hätte man auch belastbareres Zahlenmaterial. Solange bei Straftätern aber noch nicht einmal die Haarfarbe öffentlich gemacht werden darf, solange braucht man auch nicht damit zu rechnen, dass man von einer öffentlichen Stelle eine ehrliche Antwort oder belastbares Zahlenmaterial erhalten wird.

    Und trotz aller Zahlenstricksereien haben die Richter der Dezernate mit dem Buchstaben Y auch weiterhin die Arschkarte gezogen. Und nein, es liegt nicht an den Ypsilantis…

    Natürlich sind es nur Türken und Araber, die uns Probleme in diesem Ausmaß bereiten. Das kann jeder sehen, der nicht blind durch die Welt geht. Und natürlich gibt es auch nette Individuen unter ihnen, ein paar jedenfalls. Das ändert aber nichts daran, dass die Mehrheit den Steuerzahler unter dem Strich nur Geld kostet.

  32. 20.10.2009 | 22:51

    Natürlich sind es nur Türken und Araber, die uns Probleme in diesem Ausmaß bereiten.

    Pauschalisierender Quatsch.

  33. Fernando
    21.10.2009 | 0:20

    Wenn in den amerikanischen Unis anerkannt wird, dass die afroamerikanische Studenten Hilfe brauchen und daher Pluspunkten in den Zugangsverfahren erhalten ist das Rassismus?
    Ich denke Nein, Rassismus ist nur die tatsächliche Benachteiligung der Personen anhand ihrer ethnischen Zugehörigkeit.
    Zum Beispiel: wenn ich intuitiv und oder ohne Überlegung Menschen andere Hautfarbe persönlich benachteilige, d.h. ohne bewusst zu artikulieren warum ich das mache, dass ist Rassismus.
    Wenn ich aber der Meinung bin, dass Menschen andere Hautfarbe auch im Gehirn zum Teil anders im Durchschnitt sind (was natürliche sehr große Abweichungen bei den verschiedenen Einzelnen erlaubt), diese Tatsache (auch wenn nur für mich) für wahr halte aber dann diese Menschen wie alle andere behandele oder sogar bevorzuge, dass ist nicht Rassismus.
    Rassismus ist die Benachteiligung bestimmte Menschengruppen auf der Grundlage vermeintlichen oder tatsächlichen genetischen Unterschiede zu anderen Menschengruppen.
    Die Meinung, dass diese genetischen Unterschiede relevant sind oder sein können und die Forschung darüber können auf keinen Fall als Rassismus bezeichnet werden.

  34. 21.10.2009 | 1:47

    Die Bevorzugung schwarzer Studenten an amerikanischen Unis ist stadtteilbezogen und hat nichts mit Vererbung aber sehr viel mit den miserablen Schulen in bestimmten Vierteln bestimmter amerikanischer Großstädte zu tun.

    Man geht dabei ganz plausibel davon aus, daß
    1) an einer schlechten Schule in einem Drogenghetto überdurchschnittlich viel Fleiß und Intelligenz nötig ist, um Leistungen zu erzielen, die im Landesdurchschnitt mittelmäßig sind und
    2) Leute, die das schaffen, das Zeug haben, um ihre Rückstände dann an Uni oder College aufzuholen und mit den anderen gleichzuziehen.

    Übrigens gilt es dabei für alle Rassen den selben Intelligenztest zu bestehen, bei dem keiner bevorzugt wird.

  35. Die Stimme aus dem Off
    21.10.2009 | 6:31

    #
    Boche
    20.10.2009 | 22:51

    Natürlich sind es nur Türken und Araber, die uns Probleme in diesem Ausmaß bereiten.

    Pauschalisierender Quatsch.

    Aha. Na, dann ist ja alles in bester Ordnung. Boche weiss es besser, damit ist die Sache erledigt.

    Wie kommst Du auf diese Aussage? Welche andere Gruppe bereitet denn Integrationsprobleme in diesem Ausmaß?

  36. Boche
    21.10.2009 | 8:02

    @DSadO

    Wie Sarrazin ja richtig ausgeführt hat, “machen” nicht diese Gruppen “Probleme”.
    Sondern unser Sozialstaat ermutigt zu bestimmten Verhaltensweisen. (Bei manchen Gruppen vielleicht mehr als bei anderen, aber das ist bei der Ursachenforschung eben erst einmal zweitrangig.)

  37. Die Stimme aus dem Off
    21.10.2009 | 8:28

    Wie Sarrazin ja richtig ausgeführt hat, “machen” nicht diese Gruppen “Probleme”.

    Ja, natürlich. Der Sozialstaat ist an allem schuld. Merkwürdigerweise kommen andere Gruppen mit dem Sozialstaat wunderbar klar ohne die Integrationsprobleme zu machen. Siehe Griechen, Italiener, Spanier, Portugiesen.

    PI hat dazu einen ARD – Fakt Beitrag verlinkt.
    http://www.mdr.de/fakt/6786069.html

    Das Filmchen zeigt ziemlich deutlich, woran es liegt. Nämlich am mangelnden Willen. Und der rührt ganz offensichtlich nicht vom Sozialstaat, sondern von mangelnder Integrationsbereitschaft her.

    Diese Leute haben eigene kulturelle (Wert-)vorstellungen, die sich mit unseren nicht vertragen.

  38. 21.10.2009 | 9:49

    @DSadO

    Diese Leute haben eigene kulturelle (Wert-)vorstellungen, die sich mit unseren nicht vertragen.

    Die sich aber komischerweise überwinden lassen, wenn unser Sozialstaat nicht mehr zur Verfügung steht. Will sagen: Natürlich gibt es diese Wertvorstellungen, aber die sind erstens nicht unabänderlich (schon gar nicht im Ablauf der Generationen) und die treffen zweitens auf ein Umfeld, das diesen Menschen keinen Grund gibt, etwas zu ändern oder als weniger wichtig einzustufen. Vielleicht sogar noch weniger, als wenn sie in ihrem Heimatland geblieben wären. Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass Auswanderergruppen versuchen, ihre eigene Identität zu bewahren, sich dabei aber sogar von der Entwicklung in ihrem Herkunftsland abkoppeln.

  39. 21.10.2009 | 10:09

    Welche andere Gruppe bereitet denn Integrationsprobleme in diesem Ausmaß?

    Albaner. Sind nur als Einwanderergruppe dünner gestreut.

  40. dirk
    21.10.2009 | 13:13

    Natürlich sind es nur Türken und Araber, die uns Probleme in diesem Ausmaß bereiten.

    Pauschalisierender Quatsch.

    Finde ich nicht.

  41. jopa
    21.10.2009 | 22:09

    Allgemein:

    Faszinierend finde ich an der ganzen Debatte eins:

    Die gleichen Leute, die hier betonen, daß es “die” Türken/Araber/… nicht gebe, sprechen gern von “der” Wirtschaft – oder, anders ausgedrückt: Ansonsten auf anderen Gebieten gern gebildete Kollektiva oder Anthropomorphismen werden in solchen Fragen konsequent und durchweg abgelehnt.

    MfG

  42. Die Stimme aus dem Off
    22.10.2009 | 6:57

    Die sich aber komischerweise überwinden lassen, wenn unser Sozialstaat nicht mehr zur Verfügung steht.

    Eine gewagte These angesichts der Wirklichkeit in der Osttürkei.

  43. dirk
    22.10.2009 | 16:00

    @jopa

    Der Begriff “Rassismus” ist nun mal in den Augen der Linken ihr Eigentum, das sie in Diskussionen beliebig zu verwenden wissen. Genauso wie der Holocaust von denen zum Instrument gemacht wird. Ständig holen sie die Nazis raus, und sei es um die “faschistische” Strassenverkehrsordnung anzuprangern – aber wehe jemand anderes wagt es, dann schreien sie sofort “Verharmlosung”, “Relativierung” und der gleichen.

  44. 23.10.2009 | 0:33

    @DSadO

    In der Osttürkei muss sich gar nichts “mit unseren Wertvorstellungen vertragen”. Dafür gibt es auch dann auch so gut wie keine Ausbruchsmöglichkeiten.

  45. Die Stimme aus dem Off
    23.10.2009 | 8:16

    #
    Rayson
    23.10.2009 | 0:33

    @DSadO

    In der Osttürkei muss sich gar nichts “mit unseren Wertvorstellungen vertragen”. Dafür gibt es auch dann auch so gut wie keine Ausbruchsmöglichkeiten.

    Ich meinte Deine Argumentation gegen den Sozialstaat. Den gibt es dort nicht, deshalb existiert dort aber nicht mehr Freiheit.

    Dieselben kulturellen Bedinungen einmal mit und einmal ohne Sozialstaat.

    Das widerlegt Deine These eigentlich ziemlich deutlich.

  46. 25.10.2009 | 11:27

    @DSadO

    Dieselben kulturellen Bedinungen einmal mit und einmal ohne Sozialstaat.

    Darum ging es nicht, sondern um die Erleichterung der Anpassung an andere kulturelle Bedingungen. In Ost-Anatolien stellt sich das Problem gar nicht. Daher: Thema verfehlt.

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