15. Oktober 2009
Man muss nie müssen
Wie schon geschrieben: Ich gönne dem Guido ja alles. Den Wahlerfolg, das Außenministeramt – einfach alles. Das meine ich wirklich ernst, denn es gibt nur wenige Politiker, bei denen es als politisch korrekt galt, Häme über sie auszuschütten. So lange man den Schwulen nur ahnte, war das Anbringen von plattesten Schwulenklischees bei ihm nicht nur erlaubt, sondern bei den vielen verzweifelten Versuchen in Deutschland, so etwas wie Satire herzustellen, geradezu geboten. Erst nachdem er sich geoutet hatte, ging das nicht mehr. Was auch immer das uns über “unsere Gesellschaft”, oder besser: die Welt, in der wir leben, sagt.
Aber, so sonnig eine Bundesregierung auch klingt, in der eine Frau Bundeskanzlerin und ein Schwuler Vizekanzler wären, und so sehr ich mir auf der Zunge zergehen lassen würde, dass das eben nicht dank eines rot-grünen Quotenregimes, sondern auf Stino-Wegen in einer schwarz-gelben Koalition möglich wird: Diese Koalition ist für die FDP kein Muss. Im Gegenteil: Die FDP kann es sich nicht leisten, auf die Immobilität ihres Wunschpartners einzugehen. Interessant ist ja schon, wie sehr sich die Medien damit beschäftigen, was von den tatsächlichen oder angeblichen FDP-Wahlversprechen (ich wüsste nicht, dass je zuvor erwartet worden wäre, der kleinere Koalitionspartner müsse sich gefälligst mit all seinen Forderungen durchsetzen, wenn er keinen “Wählerbetrug” begehen wolle) wohl durchzusetzen wäre und was nicht. Hat eigentlich schon mal jemand von den CDU-Wahlversprechen geredet? Moment mal – da gab es doch gar keine! Die CDU ist gewählt worden, weil sie, äh, weil sie…. weil sie gesagt hat, es müsse etwas geschehen, aber es dürfe nix passieren. Wir haben hier also zwei Koalitionspartner, von denen der kleinere alles ändern will, der größere aber eigentlich nichts. Nur bei den Bürgerrechten, da hat die Union klare Vorstellungen, nämlich dass diese ein Sicherheitsrisiko seien, das es zu beseitigen gelte.
Also, liebe Parteifreunde, die ihr da gerade in Berlin verhandelt: Wenn es zu einer gewaltigen Steuerreform käme, könnte ich es euch verzeihen, wenn ihr bei den Bürgerrechten nur Schlimmeres verhütet. Und wenn ihr die Vorratsdatenspeicherung entkernt, die Online-Durchsuchung und die Websperren ihrem verdienten Schicksal als totgeborenes Gesetz zuführt, dann verzeihe ich euch, wenn aus dem Steuerversprechen nichts wird. Aber wenn ihr beides nicht durchsetzen könnt, dann solltet ihr es lieber bleiben lassen.
Auch wenn Guido dann um seinen verdienten Lohn gebracht wird.
Verfasst von Rayson um 00:40 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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