Automatisierte Wahl

Ich gebe es zu: Ich bin ein großer Fan des Wahl-O-Mat. Auch wenn das Ja/Nein/Neutral-Schema eigentlich viel zu unscharf ist, spuckte der Automat mir eigentlich immer eine recht zuverlässige Rangordnung aus, die ich auch so unterschreiben würde (wenn ich das denn in unserem Wahlsystem dürfte). Das Prinzip ist einigermaßen erfolgreich und wird dementsprechend gerne kopiert.

Die FDP Berlin zum Beispiel unterhält das Liberal-O-Meter. Die Frage ob ich da zu den ersehnten 100% gelange ist für mich natürlich der höchstwissenschaftliche Lackmustest über die Gültigkeit dieses Messverfahrens. Schließlich habe ich die Lufthoheit über die Definition des “one and only liberalism” (TM).

Ein anderes Automatisierungsverfahren hält der, mir durchaus sympathische, FoeBuD e.V. unter dem Titel “Bürgerrechte wählen” bereit. Ich möchte mal dazu einladen, dass jeder der interessierten Leser diesen Test über sich ergehen lässt. Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere sein orange-rotes Wunder erleben wird. Das Wunder ist aber keines, wenn man die Auswahl der Fragen mal etwas kritischer beäugt und wenn man weiß, dass Parteiprogramme leider nicht alles sind. Das hat der Liberale, der sich zur Wahl dann doch noch zum gelben Kreuz quält, schon häufig genug erfahren.

Was ich aber besonders mild-würzig finde ist, dass der FoeBuD e.V:
1) Durch die Art der Fragestellung schon vorher suggeriert was eine freiheitliche Entscheidung wäre. Bei den meisten Fragen finde ich es eindeutig. Aber bei vielen wird so wenig Kontext vermittelt (irgendwelche “neutralen” Kommissionen und Arbeitsgruppen), dass man da als Liberaler kaum man mal eben einfach auf “stimmt so” klicken kann ohne weitere Infomationen zu erhalten.

2) Man dem Punkt “Parteien im Vergleich” eine gewisse Parteilichkeit nicht absprechen kann: Die Grünen kommen ziemlich gut weg (da könnte man noch was von der “Grünen Giftliste” – Achtung FDP-Meinung – hinzufügen). Die FDP wird zu Recht für ihre Verfehlungen kritisiert. Unter anderem für den Sündenfall des Großen Lauschangriffs – auch wenns natürlich etwas zurückliegt (leider noch nicht lange genug) und sich die Meinung dazu in der Partei gewandelt hat.

Aber: Wie wäre es damit, sich dann auch mit der selben Konsequenz mit der Geschichte der LINKEn auseinanderzusetzen? Gleichbehandlung n’ Rechtsidentität n’ Stuff?

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19 Kommentare zu “Automatisierte Wahl”

  1. Die Stimme aus dem Off
    8.09.2009 | 12:42

    Ja, ich habe auch Piraten gewählt. Und ja, vielleicht werde ich noch eine böse Überraschung erleben. Aber wenigstens werde ich dann überrascht, bei der FDP weiss ich schon, dass es beschissen wird.

  2. pikarl
    8.09.2009 | 13:12

    Apropos Linke: Die sorgt wenigstens dafür, undemokratisches Gebahren der Liberalen in Honduras mal zu quantifizieren: “378.000 Euro gegen die Demokratie” – http://www.heise.de/tp/blogs/8/144970

  3. R.A.
    8.09.2009 | 14:10

    @pikarl:
    Schon klar, daß die Linken es nicht mögen, wenn man die Demokratie fördert.
    Sie setzen lieber auf Despoten wie Chavez und Castro.

  4. R.A.
    8.09.2009 | 14:36

    Der FoeBuD-Test ist schon witzig. Wobei einige Fragen doch ziemlich unbrauchbar sind – man braucht kein “Moratorium”, sondern einfach nur eine geeignete gesetzliche Regelung.

    In vielen Punkten gilt ja: Union (oder Union/SPD) gegen den Rest.
    Bei anderen Punkten (wenn es um neue Kontrollgremien geht) sind sich Grüne/Piraten/Linke einig.

    Interessant sind die Ausreißer: Die Grünen sind für die Fingerabdrücke in Pässen und für den Abschuß von Passagierflugzeugen!

    Wobei man natürlich die kommunistischen Antworten in die Tonne treten kann, wegen völlig fehlender Glaubwürdigkeit.

  5. Buenavista
    8.09.2009 | 16:28

    Ich bin wohl ein hoffnungsloser Fall.
    Bei mir liegen Piraten, FDP und Linke gleichauf

  6. 8.09.2009 | 17:14

    Der Test kann einfach nicht richtig sein. Wie sollte es sonst möglich sein, dass nach den Piraten (verstehe ich ja noch) erst die Linken (!!), dann die Grünen und dann erst weiter hinten die FDP kommt? ;-) Vielleicht habe ich ja auch die Fragen nicht alle richtig verstanden… ;)

  7. ab0032
    8.09.2009 | 18:59

    Der Test rechnet falsch zusammen, wo sich die Partei enthalten hat, kriegt man eine halbe Übereinstimmung egal was man antwortet. Die Parteien, die mir dadurch vorgeschlagen werden sind für mich komplett indiskutable, die Ergebnisse haben mit der Realität nichts zu tun. Die Fragen sind aber teilweise schon witzig. Ich glaube aber die Fragen des Wahlomat sind wohl relevanter und aussagekräftiger.
    AB

  8. 9.09.2009 | 1:12

    Also der Wahlomat hat mir auch ganz deutlich zur FDP geraten, aber nach dem ich jetzt den Liberal-O-Meter gemacht habe, zweifle ich plötzlich. Das hat doch nichts mit liberaler Politik zu tun?! Nur Interessenpolitik wo man hinschaut: für den Mittelstand, für Familien, für Wissenschaft. Wahre liberale Politik sollte sich eigentlich genau dadurch auszeichnen, dass Sie eben keine Interessen vertritt (und neue Zwangsgesetze erlässt) … was soll ich jetzt wählen?!

  9. 9.09.2009 | 1:20

    Komme bei FoeBuD auf die Reihenfolge FDP, Linke, Piraten. Der Einfluss “neutraler” Antworten verzerrt aber tatsächlich… Beim Liberal-O-Meter komme ich gerade auf 65%…

  10. 9.09.2009 | 1:21

    @Freiheit.

    “Wahre liberale Politik” gibt es wohl so wenig wie irgendeine andere “wahre Politik”. Wähle das kleinste Übel oder lass es.

  11. FAB.
    9.09.2009 | 6:56

    73% – ich ahnte, daß mit mir etwas nicht stimmt. Mama, bin ich jetzt ein Liberaler? (Die FDP bekommt trotzdem keine Stimme.)
    Aber einige der Fragen provozieren natürlich, wie bei solchen Gelegenheiten üblich, die Gegenfrage: was soll denn xy in diesem Zusammenhang genau bedeuten?
    Daß die Bekämpfung “jeglichen Fanatismus” unter Wahrung “unserer Grundrechte” erfolgen sollte, hört sich ja zunächst gut an, ich habe auch zugestimmt, aber es ist doch etwas pauschal. Auf Artikel 4 GG, der vom Fragesteller vermutlich zu “unseren Grundrechten” gezählt wird, würde ich nämlich lieber ganz verzichten. Der sollte ersatzlos gestrichen und nicht in einen Fetisch verwandelt werden.

  12. 10.09.2009 | 13:38

    Das “Liberal-O-Meter” ist noch perfider gemacht als der “Grün-O-Mat”. Weichgespülte Aussagen, die nett klingen, die Konsequenzen werden jedoch verschwiegen. Aufrichtig ist das nicht.

  13. 10.09.2009 | 14:57

    Man setzt bei den Nutzern des »Liberal-O-Meter« eigenverantwortliches Weiterdenken voraus. Nicht wie bei den SPD-Linken und der PDS: deren Anhänger bekommen auf den »NachNichtdenkseiten« schon alles vorgekaut.

  14. Stefan
    10.09.2009 | 15:51

    Man setzt bei den Nutzern des »Liberal-O-Meter« eigenverantwortliches Weiterdenken voraus.

    Genau das sollte meiner Meinung nach auch erreicht werden – eine mündige Auseinandersetzung mit politischen Themen bzw. Thesen. Hirnloses “nachlabern” und gedankenloses “ankreuzen” sind nicht im Sinne der Demokratie.
    Leider erschließt nur ein geringer Prozentsatz der (wahlberechtigten) Bürger diese inhaltliche Tiefe…

    Egal wie – ob Wahl-O-Mat, Liberal-O-Meter oder wasauchimmer-mat – da der Durchschnitts-Wähler nicht x Parteiprogramme durchstöbert sind gerade einfache Aufbereitungen ein Anhaltspunkt für dessen Orientierung.

  15. 10.09.2009 | 17:29

    a. Die NachDenkSeiten lese ich nicht.
    b. Das Weglassen und sachlich falsche Verknappen von Aussagen hat nichts mit der Förderung von “eigenverantwortlichem Denken” zu tun. Damit wird Bauernfängerei betrieben, das ist alles.

  16. Stefan
    10.09.2009 | 19:25

    … schreibt ein Sozi – http://twitter.com/christiansoeder
    Dann wird es Zeit für ein Steinmeier-O-Mat – vielleicht hilft das aus dem Umfragetief?

    Der “Deutschland-Plan” ist deutlich seriöser, spielt nicht mit den Emotionen der Wähler und beinhaltet nur umsetzbare Thesen. Da werden sich aber die Landwirte der Republik freuen- unser Land kann mehr, Genossen!

  17. 10.09.2009 | 22:13

    @Christian: ich hatte Dich jetzt auch eher nicht als SPD-Linken gesehen.

  18. 11.09.2009 | 1:16

    Stefan: dass ich SPDler bin, ist nun wirklich kein Geheimnis. :)

    stefanolix: Ach, was weiß ich. Ich blick da bei diesen Flügeln und welcher Flügel wofür steht auch nicht wirklich durch. :S

  19. R.A.
    11.09.2009 | 9:57

    Der “Deutschland-Plan” ist deutlich seriöser,

    Fragt sich nur: Seriöser als was?

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