8. September 2009
Automatisierte Wahl
Ich gebe es zu: Ich bin ein großer Fan des Wahl-O-Mat. Auch wenn das Ja/Nein/Neutral-Schema eigentlich viel zu unscharf ist, spuckte der Automat mir eigentlich immer eine recht zuverlässige Rangordnung aus, die ich auch so unterschreiben würde (wenn ich das denn in unserem Wahlsystem dürfte). Das Prinzip ist einigermaßen erfolgreich und wird dementsprechend gerne kopiert.
Die FDP Berlin zum Beispiel unterhält das Liberal-O-Meter. Die Frage ob ich da zu den ersehnten 100% gelange ist für mich natürlich der höchstwissenschaftliche Lackmustest über die Gültigkeit dieses Messverfahrens. Schließlich habe ich die Lufthoheit über die Definition des “one and only liberalism” (TM).
Ein anderes Automatisierungsverfahren hält der, mir durchaus sympathische, FoeBuD e.V. unter dem Titel “Bürgerrechte wählen” bereit. Ich möchte mal dazu einladen, dass jeder der interessierten Leser diesen Test über sich ergehen lässt. Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere sein orange-rotes Wunder erleben wird. Das Wunder ist aber keines, wenn man die Auswahl der Fragen mal etwas kritischer beäugt und wenn man weiß, dass Parteiprogramme leider nicht alles sind. Das hat der Liberale, der sich zur Wahl dann doch noch zum gelben Kreuz quält, schon häufig genug erfahren.
Was ich aber besonders mild-würzig finde ist, dass der FoeBuD e.V:
1) Durch die Art der Fragestellung schon vorher suggeriert was eine freiheitliche Entscheidung wäre. Bei den meisten Fragen finde ich es eindeutig. Aber bei vielen wird so wenig Kontext vermittelt (irgendwelche “neutralen” Kommissionen und Arbeitsgruppen), dass man da als Liberaler kaum man mal eben einfach auf “stimmt so” klicken kann ohne weitere Infomationen zu erhalten.
2) Man dem Punkt “Parteien im Vergleich” eine gewisse Parteilichkeit nicht absprechen kann: Die Grünen kommen ziemlich gut weg (da könnte man noch was von der “Grünen Giftliste” – Achtung FDP-Meinung – hinzufügen). Die FDP wird zu Recht für ihre Verfehlungen kritisiert. Unter anderem für den Sündenfall des Großen Lauschangriffs – auch wenns natürlich etwas zurückliegt (leider noch nicht lange genug) und sich die Meinung dazu in der Partei gewandelt hat.
Aber: Wie wäre es damit, sich dann auch mit der selben Konsequenz mit der Geschichte der LINKEn auseinanderzusetzen? Gleichbehandlung n’ Rechtsidentität n’ Stuff?
Verfasst von googlehupf um 10:37 Uhr in der Kategorie Blogosphäre, Medien, Politik, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)
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