Wahl in Sachsen (1): Die Verlierer

Die LINKE ist in Sachsen einer der beiden großen Verlierer, sie schrumpft um drei Prozentpunkte. In den Auswertungen der großen Fernsehanstalten im Internet lässt sich darüber hinaus ein interessanter Trend erkennen.

Während die LINKE insgesamt 20% aller Stimmen erhält, erreicht sie bei den bis zu 30jährigen nur etwa 12% und belegt damit den dritten Platz. Die CDU erreicht in der gleichen Altersgruppe etwa 30% und die FDP 14% [Quelle: ZDF/FG Wahlen, Befragungen nach der Abstimmung].

Das ist sehr interessant, denn normalerweise sind viele junge Leute aus Protest und aus Gerechtigkeitsempfinden für die LINKE. Es könnte darauf hinweisen, dass die Basis der SED-Nachfolger in Sachsen langsam bröckelt. Bei den über 60jährigen erreicht die LINKE noch 26% der Stimmen.


Die SPD ist in Sachsen der allergrößte Verlierer des Abends. »Opa« Karl Nolle wurde in unserem Wahlkreis mit unter zehn Prozent der Erststimmen abgestraft. Das reicht wohl nur für den fünften Platz. Die SPD erhielt in ganz Sachsen nur halb so viele Stimmen wie die LINKE.

Das ist ein Desaster, zu dem noch nicht mal der Genosse Müntefering Worte findet. Müntefering war einer der Architekten der Schröderschen Reformpolitik und am Anfang einer der Gestalter der Großen Koalition. Heute ist sein Credo: »Die CDU hat Verluste erlitten. In zwei Ländern reicht es nicht für Schwarz-Gelb«.

Dass seine SPD nur miese Ergebnisse eingefahren hat und in zwei Ländern sehr weit hinter der LINKEN liegt, scheint er zu verdrängen. Das traurige Ende einer politischen Karriere: Wir können noch verhindern.

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27 Kommentare zu “Wahl in Sachsen (1): Die Verlierer”

  1. pikarl
    30.08.2009 | 21:17

    Wobei die Jungen eher zu den Piraten gehen, als der FDP ihre hohlen Datenschutzversprechen abzukaufen. Immerhin haben die in Sachen 2-3 % gemacht, grad das was den Linken fehlt.

  2. 30.08.2009 | 21:29

    (1) Über die Piraten gab es noch keine Zahlen. Aber ich bleibe dran.
    (2) Auch junge Leute haben nicht nur dieses eine Problem (Datenschutz).
    (3) Die Piraten werden eher als Protestpartei wahrgenommen.

    Insgesamt finde ich es interessant, dass in einem Ost-Bundesland etwa 44% der jungen Leute bis 30 Jahre bürgerlich wählen.

  3. 30.08.2009 | 21:49

    Ich gestehe, dass mich die Verluste der Union genauso freuen wie die fehlenden Gewinne der SPD.
    Die schwarzen und roten Sozialdemokraten und Grundgesetzverächter haben verloren. Gewonnen hat, wenn mich nicht alles täuscht, mit der FDP vor allem die Partei, die noch am wenigsten illiberal ist.

    Ach, das Saarland? Das geben wir eben an Frankreich zurück.

  4. Die Stimme aus dem Off
    31.08.2009 | 9:13

    3 % Minus für die Linkspartei würde ich nicht als “verlieren” bezeichnen. Das dürfte sich im Rahmen der üblichen Schwankungen bewegen.

    Da die jungen Wähler gefühlt sehr häufiger die Parteien wechseln als die Alten (in meinem Elternhaus wurde bedingungslos SPD gewählt, Argumente spielten dabei keine Rolle. Mein Opa war ein CDU-Anhänger, deshalb musste seine Tochter natürlich ebenso verbissen rot wählen), werden sich diese Ergebnisse für die FDP wohl nicht lange halten.

    Meine persönlichen Favoriten sind die Piraten, gerade weil sie sich nur weniger, dafür aber wichtiger Themen annehmen.

    Demokratietheoretisch halte ich das Konzept der Piraten für außerordentlich interessant. Falls die sich etablieren können, könnte das wegen der steigenden Transparenz in einem Ausbau von Volksabstimmungen und damit in einem Umbau des Staates enden.

  5. Florian
    31.08.2009 | 11:22

    Piraten:

    Thüringen und Saarland: nicht angetreten

    Sachsen: 1,9%

    Nicht schlecht, aber angesichts des Hypes um die Piraten auch kein so tolles Ergebnis (zum Vergleich: Tierschutzpartei 2,1%)

  6. R.A.
    31.08.2009 | 11:35

    @Stimme:

    Demokratietheoretisch halte ich das Konzept der Piraten für außerordentlich interessant.

    Welches Konzept?

    Bei ihrem Hauptthema Internetzensur bin ich ja völlig bei den Piraten.

    Darüber hinaus haben sie bisher aber fast nichts zu bieten (nur so die üblichen Stammtisch-Sprüche von Leuten, die unpolitisch sind, sich aber links fühlen).

  7. Die Stimme aus dem Off
    31.08.2009 | 12:58

    Vielleicht hat man das Konzept bei den Piraten noch nicht ausformuliert, aber es ist klar erkennbar.

    Sie teil-individualisieren die Gesellschaft über die Hebel Datenschutz und Transparenz. Dieser Ansatz wird die Parteienlandschaft weiter aufweichen und dezentralisieren.

  8. 31.08.2009 | 12:59

    Junge Leute neigen dazu, “progressiv” zu wählen, also den Wandel. “Die Linken” sind, jedenfalls im Osten, keine progressive, sondern eine konservative Partei. Das sieht auch Claus Christian Malzahn auf Spon so – und er macht eine interessanten Vorschlag: “Die rechnerisch stabilste Mehrheit in Thüringen bestünde übrigens aus CDU und Linken – absurd? Warum sollen die beiden großen konservativen Parteien im Osten nicht endlich mal öffentlich kooperieren?”

  9. 31.08.2009 | 13:05

    Lieber MartinM,

    bei Konservativen, also Bewahrenden, kommt es freilich darauf an, was sie bewahren wollen.

    Die CDU will den demokratischen Rechtsstaat und eine freie Wirtschaft bewahren. Die Kommunisten wollen bewahren, was an Erbe der DDR in den neuen Ländern übrig geblieben ist.

    Gemeinsamkeiten sehe ich da eigentlich nicht.

    Herzlich, Zettel

  10. Klaus 
    31.08.2009 | 13:12

    Die CDU will den demokratischen Rechtsstaat und eine freie Wirtschaft bewahren.

    Ich brech zusammen (vor Lachen)

  11. F.Alfonzo
    31.08.2009 | 14:30

    @ MartinM: Eigentlich ist das Piraten-Konzept schon klar formuliert: Man will keine Themen besetzen, von denen man keine Ahnung hat; eigentlich logisch. Wenn es mal soweit ist, ist das Gesamtkonzept möglicherweise nicht mehr wirklich stimmig. Ist dann aber auch wurst, weil ‘Gesamtkonzepte’ in Koalitionsverhandlungen sowieso völlig zerschreddert werden.

    Übrigens: Wenn man ‘konservativ’ mit ‘bewahrend’ gleichsetzt, sind auch (oder vor allem) die Piraten Konservative. Mir ist zumindest keine andere Partei bekannt, die sich so in die Menschen- und Bürgerrechte verbissen hat wie die Typen; man will ja hauptsächlich das GG aufweichende Gesetze rückgängig machen.
    Für die meisten anderen Parteien scheint das GG eher so eine nerviges Relikt zu sein, welches der Einführung eines wie auch immer gearteten Paradieses im Weg steht.

  12. 31.08.2009 | 14:55

    Zugegeben mit geht es ähnlich wie Klaus, aber Lachen kann ich darüber nicht.

  13. R.A.
    31.08.2009 | 15:24

    @Stimme:

    Vielleicht hat man das Konzept bei den Piraten noch nicht ausformuliert, aber es ist klar erkennbar.

    Sorry, ich kann da wenig erkennen.

    Sie teil-individualisieren die Gesellschaft über die Hebel Datenschutz und Transparenz.

    Das sehe ich nicht.
    Wenn man die Zensur-/Überwachungs-Gesetze der letzten Jahre wieder zurückschraubt, ist dem Individualismus kaum geholfen.
    Genauer: Man hat einen Versuch abgewehrt, ihn einzuschränken. Aber letztlich sind wir dann wieder auf dem Stand von vor einigen Jahren, die Gesellschaft und vor allem die politische Landschaft verändert das fast nicht.

    Im übrigen denke ich, daß die Piraten an ihrer Kommunikationsunfähigkeit scheitern werden.
    Sie sind in der Lage, ihre Subkultur und ein Stück weiter darüber hinaus zu mobilisieren – aber sie können weder methodisch noch inhaltlich dem Rest der Bevölkerung etwas mitteilen (oder diesen verstehen).

  14. R.A.
    31.08.2009 | 15:28

    @Stefanolix:
    Erst einmal herzliche Glückwünsche nach Sachsen für diesen schönen Erfolg.

    Ist mir eigentlich unverständlich, warum die Thüringer (u.a.) so doof sind und diesem Beispiel nicht folgen.

  15. 31.08.2009 | 16:37

    Frank-Walter Steinmeier hat überraschenderweise auch gratuliert. Ähnlichkeiten mit seiner echten Rede sind beabsichtigt ;-)

  16. 31.08.2009 | 17:27

    Die CDU erreicht in der gleichen Altersgruppe etwa 30% und die FDP 14%

    In der Tat bemerkenswert. Allerdings waren das drei Wahlen in unionsgeführten Ländern, d.h. die Bildungssysteme wirken nicht so stark linksausrichtend wie anderswo.
    Dennoch, auch dort haben 56% der jungen Leute links oder linksradikal oder rechtsradikal gewählt.
    Dabei beissen die sich ins eigene Bein, wirklich paradox…

  17. 31.08.2009 | 19:41

    Hier noch mal die Zahlen 24 Stunden später mit leichten Änderungen (wie gesagt: nur für Sachsen, Wähler bis 30 Jahre):

    CDU: 29%
    FDP: 13%

    Grüne: 7%
    SPD: 9%
    LINKE: 12%

    NPD: 12%

    Rest: Wahrscheinlich »sonstige« oder »keine Angaben«. Es steht natürlich zu vermuten, dass die Piraten in der Altersgruppe auch noch etliche Wähler haben.

    Also, CDU/FDP haben gegenüber Grünen/LINKE/SPD einen deutlichen Vorsprung. Und bei den Grünen sind noch etliche jung-bürgerliche Wähler dabei. Die LINKE hat jedenfalls bei den jungen Leuten deutlich eingebüßt.

  18. F.Alfonzo
    31.08.2009 | 23:39

    @stefanolix:
    Jeder 4. unter 30 hat also für Kommunisten oder Nazis gestimmt… das sind ja Aussichten.
    Herr, lass Hirn regnen.

  19. 1.09.2009 | 0:21

    Na ja, nachdem die Wahlbeteiligung knapp über 50% lag, war es wohl nur jeder achte. Ich habe die Wahlbeteiligung der einzelnen Altersgruppen aber hier nicht zur Hand.

  20. 1.09.2009 | 10:36

    Die derzeitige thematische Einseitigkeit der Piraten ist ein Vorteil der Partei, kein Nachteil. Dadurch ist nämlich bei Stimmen für die Piraten am deutlichsten erkennbar, welche Positionen damit eigentlich gewählt wurden.

  21. Paradin
    1.09.2009 | 10:38

    Wichtig ist doch zunächst einmal, daß die Sozen straucheln und scheitern. Sie sollen von Wahl zu Wahl abbauen und am Ende verschwinden. Wenn die Sozialdemokratie Vergangenheit ist geht es voran. Ich wäre unendlich froh wenn wir bei den Parteien eine Situation wie in Polen hätten. Liberale und Konservative ringen um die Macht und der Rest ist vernachlässigenswertes Kroppzeugs. So mö che ich das auch bei uns haben.

  22. R.A.
    1.09.2009 | 12:21

    @David:

    Dadurch ist nämlich bei Stimmen für die Piraten am deutlichsten erkennbar, welche Positionen damit eigentlich gewählt wurden.

    Eben nicht – für die meisten Positionen weiß ich dann überhaupt nicht, was ich wählen würde.

  23. Spruance
    1.09.2009 | 12:48

    @Paradin: Amen! Allein, mir fehlt der Glaube…

  24. 2.09.2009 | 14:47

    @R.A.: OK, ich muß das präzisieren: Ich meine, daß eine Stimme für die Piraten klar bekundet, welche Positionen für den betreffenden Wähler letztlich prioritär für die Wahlentscheidung waren. Wer eine Partei mit ‘Vollprogramm’ wählt, wählt die ja auch i.d.R. nicht all ihrer Positionen wegen, sondern wegen der Positionen, die ihm am wichtigsten sind. Welche Positionen das aber mit welcher Häufigkeit waren, ist dann schließlich gar nicht mehr erkennbar. Bei den Piraten ist dagegen derzeit ziemlich scharf erkennbar, welche Positionen für die Wähler Priorität hatten.
    Sicher ist die von dir begemerkte Unklarheit in allen anderen Bereichen ein Nachteil (insofern muß ich mich auch berichtigen), aber der genannte Vorteil besteht dennoch. Das sind zwei Seiten der selben Sache.

  25. R.A.
    2.09.2009 | 16:40

    @David:
    OK, jetzt habe ich es verstanden.

    Wobei es mir immer etwas unheimlich ist, wenn man seine Wahlentscheidung so stark an einem Aspekt festmacht, und alles übrige fast ignoriert.

    Und umgekehrt ist es für Einzelthemen fast immer sinnvoller, dafür nicht eine Einpunktpartei zu gründen, sondern diese in möglichst vielen Parteien voran zu treiben.

    Ich pflege da immer daran zu erinnern: Nichts hat dem Umweltschutz in Deutschland so geschadet wie die Gründung der Grünen.

  26. R.A.
    3.09.2009 | 10:28

    Inzwischen gibt es noch mehr Details zur Zusammensetzung der jeweiligen Wählerschaft.

    Da zeigt sich sehr deutlich der von Stefanolix beschriebene Trend.
    Während im Westen die FDP-Wähler recht gleichmäßig über die Altersgruppen verteilt sind, ist die FDP im Osten eine dezidiert junge Partei. Die über 60-jährigen wählen sehr stark CDU, Kommunisten und auch noch SPD. Bei allen Altersgruppen darunter ist dagegen die FDP sehr stark. In Sachsen ist sie sogar zweitstärkste Partei bei den Wählern unter 30 (die SPD landet auf Platz 5!), zwischen 30 und 60 ist die FDP drittstärkste Kraft mit gar nicht so viel Abstand zur Linken.

  27. Herbert
    4.09.2009 | 12:53

    “Also, CDU/FDP haben gegenüber Grünen/LINKE/SPD einen deutlichen Vorsprung.”
    Stimmt, aber selbst dann, wenn die anderen so lausig schwach sind, reicht es noch nicht einmal gemeinsam für die absolute Mehrheit.

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