Erbsenzähler
Da lässt die Regierungschefin eines demokratischen Staates den Chef einer großen Privatbank zu Lasten ihres Etats seinen Geburtstag an ihrem Amtssitz feiern, und das einzige, was die Nation interessiert, ist, was das Ganze gekostet hat.
Also entweder sind wir ein Volk von Erbsenzählern, oder wir haben uns längst daran gewöhnt, dass unsere Regierung mit Konzernmanagern so sehr gemeinsame Sache macht, dass die Einladung an sich als völlig normal erscheint. Letzteres würde einiges erklären.

bisher 23 Kommentare » Kommentare
Mh, ich habe nicht den Eindruck, dass die Einladung allgemein als normal angesehen wird. Ich jedenfalls finde es nicht normal, sondern sehr bedenklich.
Tja, ganz tot ist die Deutschland AG dann doch noch nicht…
Die Einladung des Chefs der größten Bank in Deutschland durch die Regierungschefin (auf Staatskosten versteht sich) um ihm eine Geburtstagsparty auszurichten hat nun mal ein “Geschmäckle” … und ist ein weiterer Ausdruck politischer Dummmheit a la Ulla Schmidt: Die Damen und Herren sollten mittlerweile wissen, dass sie sehr auf dem Kieker sind.
Das ist mir auch ein Rätsel. Die richtet ein Fest im Bundeskanzleramt aus und einzig die paar lächerlichen tausend Euro kommen in die Presse. Die Bevölkerung hat sich eben wirklich daran gewöhnt, dass “die Wirtschaft” die Politik macht.
Ackermann sollte zurücktreten. Er hat Staatshilfen immer abgelehnt.
1. Ackermann hat dort nicht seinen Geburtstag gefeiert. Der Geburtstag war höchstens der Anlass für die Absprache einer Zusammenkunft.
2. Es ist wichtig, dass die Bundeskanzlerin mit möglichst vielen unterschiedlichen Leuten zusammenkommt; ein Ohr für die Menschen hat. Ich wüsste nicht, was Unternehmensführern nun zu Unmenschen macht, dass man mit diesen nicht sprechen sollte. Aber “Wirtschaft” ist ja in diesem Land einfach per se böse.
3. Wenn es etwas zu verheimlichen gäbe, dann würde man sicherlich andere Möglichkeiten finden, als eine protokollierte Zusammenkunft im Amtssitz.
4. Der Amtssitz steht der Bundeskanzlerin für vielerlei Aufgaben zur Verfügung: eben u.a. um mit anderen Menschen zusammenzukommen, weil es keine Reisebundeskanzlerschaft gibt, sondern es einfacher ist, wenn Repräsentanten der Gesellschaft zu ihr kommen. Dafür ist der Amtssitz da! Das ist in anderen Ländern auch nicht viel anders: Im Weißen Haus oder im Kreml werden regelmäßig opulente Feste mit Repräsentanten der Gesellschaft bis weit in die Nacht gefeiert. In Deutschland regt man sich dagegen um ein lächerliches Buffet in den hässlichen Räumen der Bundeskanzlerin auf.
Seit wann ist es bedenklich, wenn Staatschefs Staatsempfänge geben? Natürlich lädt man dazu einflußreiche Leute wie eben einen Ackermann ein. Wenn ein Ackermann seinen Einfluß verliert, wird er auch nicht mehr eingeladen. So ist das nunmal mit solchen Empfängen.
Und natürlich sucht man schmeichelhafte Ansatzpunkte für die Einladung.
Man nannte das mal Regierungskunst oder auch einfach gute Manieren.
Aber Staatspolitik spielt in diesem Wahlkampf je eh keine Rolle. Verschuldung? Veruntreuung von Staatsvermögen zugunsten der Automobilkonzerne? Afghanistan? Kosovo? Verfassungswidrigkeit der EU-Politik? Arbeitsverbot für Tagelöhner? Zensur? Wiedereinführung des Sozialismus?
War da überhaupt etwas die letzten Jahre?
Alles kein Thema, iwo.
Die vertragsgemäße Nutzung eines Dienstwagens und ein Staatsempfang für einflußreiche Leute.
Als die regierende SPD die opponierende FDP für rot-grüne und rot-schwarze Politik verantwortlich machen wollte, dachte ich schon, das wäre jetzt der Tiefpunkt an Dummheit und Wählerbeleidigung.
Als die von der Lying ihre Internetkampaigne forcierte, habe ich schon nur noch leise in den Tisch gebissen.
Aber da ging es ja wenigstens überhaupt noch um Politik.
Jetzt berichtet “Partygänger” Frank Schirrmacher auf faz.net über die “große Sause” im Kanzleramt: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E8BFFF0E27B604536BFBAD9EDDBD6EA34~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Genauso wie ich geschrieben habe. Völlig harmloses Treffen. Alles andere hätte mich auch gewundert.
Trotzdem: Ein Deutsche-Bank-Chef nimmt vom Staat nichts an. Das ist der eigentliche Skandal. Der Aufsichtsrat sucht doch sicher schon nach einem Grund …;-)
Ob ich den DDH geben soll?
“Big Business, Big Governvement, Big Media, Big Culture – die Ausbeuter und möchtegernintellektuellen Sklaventreiber des Monstrums Staat, versammlet an einem Ort, sich berauschend an der eigenen Macht über andere, durch nichts begründet als durch Zwang und Gewalt.”
Mh.
Da fehlen intellektuell eminent wichtige Wortspiele wie Stalinazi oder Staziapologetik. Und natürlich drölfeinhalb Tonnen Literaturempfehlungen.
Guter Einwand, werde ich bei meiner nächsten DDH-Einlage bedenken.
Ach ja, der investigative Journalismus….
Das Abendessen fand im April 2008 (!!) statt.
Und wann wird über diesen “Skandal” berichtet?
16 Monate später….
Geladen waren übrigens auch etliche Journalisten.
Ganz so groß wäre der Recherche-Aufwand also wohl nicht gewesen, diesen sogenannten Skandal schon früher an die Öffentlichkeit zu bringen.
Aber mitten im Wahlkampf ist so etwas für den Spiegel natürlich ein viel saftigeres Fressen.
Es braucht keinen spezifischen Anlass, wenn Merkel mit jemanden Reden will, dann macht sie mit demjenigen einen Termin, und alles ist in Ordnung. Eine Party zum “Netzwerken” hätte auch am Stammsitz der Deutschen Bank stattfinden können.
Also wann darf ich mit meiner Einladung rechnen, ich bin sicher Frau Merkel hat mich noch niocht kennen gelernt, und als Facharbeiter bin ich sicherlich nicht unwichtig.
Wir sind ncht in Amerika und auch nicht in Russland. nur weil die dort auf Steuerzahlers kosten sich bei den reichen und schönen einschleimen, muss das weder richtig noch gut sein.
Ich nenne das Untreue, Bestechung oder Vorteilsannahme, zumindest wenn dies auf Steuerzahlers kosten geschieht.
Ich verstehe den Skandal nicht.
Waren ja nicht mal brasilianische Huren dabei.
lol.
Ich verstehe den Skandal auch nicht. Weder was die Kosten angeht noch eine mögliche Verquickung zwischen Staat und Wirtschaft. Der umgekehrte Fall: Ackermann lädt die Kanzlerin auf seine private Jacht zu einer Geburtstagssause wäre für mich bedenklicher.
Und ich nenne das Verleumdung und üble Nachrede.
Untreue bedeutet, daß man Gelder nicht im Sinne des Arbeitgebers einsetzt. Es war aber ein offizieller Staatsempfang aus dem vom Parlament beschlossenen Budget für offizielle Staatsempfänge. Solche Empfänge sind ein notwendiger und alltäglicher Teil der Regierungsarbeit, und daß Nichteingeladene darüber stinksauer werden können, ändert nichts daran – sagt nur viel über den Neid des wütenden Gernegroß’ aus.
Bestechung? Wer hätte denn hier von wem womit bestochen werden sollen? Und wozu? Dieser Vorwurf ist so dumm, daß er beim Aussprechen eigentlich Schmerzen verursachen müßte.
Und Vorteilsnahme? Nunja, was ein Empfang ist, was ein Gastgeber ist, etc. – Wenn man das nun erklären muß, landet man eben wieder bei den guten Manieren, bzw. beim Fehlen jeglicher sozialer Kompetenz bei denen, die da aufschreien.
Aber die Motivation kam ja schon: Facharbeiter und nicht eingeladen. Ooooch!
Nee Pantalaimon, als Facharbeiter biste eben nicht so einflußreich und wichtig, daß es sinnvoll wäre, Dich zu einem Regierungsempfang zu laden. Du bist ein kleines Würstchen wie wir anderen alle auch.
Ackermann ist Chef der größten und erfolgreichsten Bank Deutschlands und damit eben kein kleines Würstchen sondern einflußreich und kenntnisreich.
Mit dem lohnt sich ein Gespräch für Regierungschefs. Mit einem Gernegroß, der aus Neid Gastfreundschaft als Korruption verleumdet, lohnt es sich nicht.
Und deshalb war der Ackermann eingeladen und der Pantalaimon nicht.
[...] möchte ich mich Raysons Frage anschließen: „Also entweder sind wir ein Volk von Erbsenzählern, oder wir haben uns längst [...]
Merkels Reaktion auf die Vorwürfe fand ich nicht schlecht. Sie hat gar nicht erst angefangen, zum Vorgang selber etwas zu sagen (dafür ist die “Affäre” ja auch zu lächerlich), sondern hat darauf hingewiesen, daß sie als nächsten Termin ein Geschäftsessen im Kanzleramt hat. Mit Gewerkschaftsvertretern und Presseleuten.
Die SPD muß schon ziemlich verzweifelt sein, wenn sie solche Sachen aufkocht.
Ich würde die nachgeschobenen Rechtfertigungen ja nur allzu gern glauben. Dummerweise hat sich aber Ackermann ziemlich eindeutig geäußert, wie dieses Treffen zustande gekommen sein soll. Und damit bleibt das Unbehagen.
Ein “Skandal” ist das natürlich nicht – dazu kommt es zu oft vor, und die Nähe zu Konzernen ist ja auch keine Spezialität der Union, da muss man nur an Schröder und Konsorten denken. Das macht die Sache aber nicht besser. Das Problem bleibt, dass die Politik “die Wirtschaft” nicht als System, sondern als Ansammlung bestimmter Personen begreift und ihr Handeln auch genau danach ausrichtet.
Applaus. Genau meine Kritik (nicht an diesem speziellen Vorgang, sondern an der Wirtschaftspolitik im Allgemeinen. Ich bin auch “die Wirtschaft”!
@Rayson:
Dumm waren auf jeden Fall diese Äußerungen. Ackermann mag in seinem Job ziemlich gut sein – aber er sollte öffentliche Äußerungen künftig meiden, da hat er keinen Schimmer.
Der Gag ist aber, daß ich auch seine Version im Grundsatz völlig unproblematisch finde (die Neidpolitiker sehen das natürlich anders).
Die Bundeskanzlerin hat nicht ohne Grund vom Parlament einen speziellen Etat für genau solche Anlässe genehmigt bekommen. Und von Bestechungsgefahr kann hier wohl kaum eine Rede sein (die müßte ja auch umgekehrt laufen).
Das ist richtig, aber hier nicht der Knackpunkt.
Selbst bei einem zu wünschenden Minimalstaat ohne Eingriffe in die Wirtschaft müßten Politiker wohl wissen, was in “der Wirtschaft” vor sich geht. Und das erfährt man eigentlich qualitätvoll nur von Personen mit entsprechendem Hintergrund. Und für diesen Hintergrund ist weniger die Unternehmensgröße relevant, als die Verknüpfung mit anderen Firmen.
Bei einer Großbank laufen eben viel mehr Fäden zu den unterschiedlichsten Firmen zusammen als beim Frisör um die Ecke.
Z. B. ist es kein Zufall, daß auf der Gästeliste auch ein Friedrich von Metzler stand. Ganz kleines Institut – aber unglaublich vernetzt, er ist wohl einer der am besten informierten Fachleute in Deutschland.
Soll heißen: Ich bin grundsätzlich völlig bei Dir beim Problem, daß die deutsche Politik sich zu sehr an den Großkonzernen orientiert.
Aber Treffen wie dieses haben nur sehr indirekt damit zu tun.
@R.A.
Och – einen Schimmer hinsichtlich dessen, was seine Person betrifft, dürfte er schon haben. Ob er schweigt oder nicht, ist eine Frage der Taktik, aber da er sich geäußert hat, wissen wir eben einfach etwas mehr über den Sachverhalt, als es uns die offizielle Position des Kanzleramts und der CDU-nahen Unterstützer glauben machen will.
Es geht auch nicht um Neid – gerade diese Motivation, gegen das Treffen zu wettern, lehne ich ja ab. Jemand wie Ackermann hätte vermutlich ein weit gigantischeres Fest bezahlt, ohne dass sich die Ziffern der Stellen geändert hätten, auf die er bei seinem Kontoauszug schaut. Der Punkt ist, und genau über den hat der Mann sich ja öffentlich gefreut, die damit zum Ausdruck gebrachte Verbundenheit. Und die spricht nun einmal Bände.
Es war laut Ackermann eben kein Treffen wichtiger Menschen, auf dem er auch zugegen war, sondern ein extra zu seinem Geburtstag veranstaltetes. Somit haben wir in diesem Spiel mindestens einen Lügner – Merkel oder Ackermann. Bei einer von beiden Personen ist das Motiv klar.
Es liegt eben am Sch…Wahlkampf, dass sowas zum Schließen der Reihen auffordert. Die Freunde von SPD-geführten Regierungen müssen Ackermann folgen, die an einer schwarz-gelben Koalition Interessierten das vom Kanzleramt Verbreitete verteidigen. Das ist “Unpolitik”. Politik wäre, die personellen Beziehungen zwischen den führenden Funktionären von Politik und “Wirtschaft” jenseits von pseudo-unterschiedlichen Parteigrenzen kritisch zu betrachten.