Wahl in Sachsen (1): Die Verlierer

Die LINKE ist in Sachsen einer der beiden großen Verlierer, sie schrumpft um drei Prozentpunkte. In den Auswertungen der großen Fernsehanstalten im Internet lässt sich darüber hinaus ein interessanter Trend erkennen.

Während die LINKE insgesamt 20% aller Stimmen erhält, erreicht sie bei den bis zu 30jährigen nur etwa 12% und belegt damit den dritten Platz. Die CDU erreicht in der gleichen Altersgruppe etwa 30% und die FDP 14% [Quelle: ZDF/FG Wahlen, Befragungen nach der Abstimmung].

Das ist sehr interessant, denn normalerweise sind viele junge Leute aus Protest und aus Gerechtigkeitsempfinden für die LINKE. Es könnte darauf hinweisen, dass die Basis der SED-Nachfolger in Sachsen langsam bröckelt. Bei den über 60jährigen erreicht die LINKE noch 26% der Stimmen.


Die SPD ist in Sachsen der allergrößte Verlierer des Abends. »Opa« Karl Nolle wurde in unserem Wahlkreis mit unter zehn Prozent der Erststimmen abgestraft. Das reicht wohl nur für den fünften Platz. Die SPD erhielt in ganz Sachsen nur halb so viele Stimmen wie die LINKE.

Das ist ein Desaster, zu dem noch nicht mal der Genosse Müntefering Worte findet. Müntefering war einer der Architekten der Schröderschen Reformpolitik und am Anfang einer der Gestalter der Großen Koalition. Heute ist sein Credo: »Die CDU hat Verluste erlitten. In zwei Ländern reicht es nicht für Schwarz-Gelb«.

Dass seine SPD nur miese Ergebnisse eingefahren hat und in zwei Ländern sehr weit hinter der LINKEN liegt, scheint er zu verdrängen. Das traurige Ende einer politischen Karriere: Wir können noch verhindern.

Erbsenzählerei

Die Bundestagswahl naht und ist natürlich auch Thema des Politikunterrichts an den Schulen. Also auch bei meinem Sohn in der achten Klasse.

Und weil es den Unterricht etwas auflockert wird ein Quiz gemacht. Mit drei Dutzend Fragen zum Wahlrecht, dem Hintergrund der Wahl, und eben auch den Parteien, ihren Personen und Zielen.

Da haben wir also schön ausgewogen je drei Fragen zur Union und zur SPD. Und je eine zu Grünen und FDP (natürlich reduziert auf: Mit wem will die FDP eine Koalition bilden).
Und vier Fragen zu den “Linken”.

Egal wer regiert: So schnell ändert sich Hessen nicht.

Formel 1: Valencia

Okay, ich habe seit meinem letzten Formel 1-Artikel keinen “normalen”, politischen mehr geschrieben – was aber trotzdem kein Grund ist, eine frisch begonnene Serie schon zu beenden. Also zum GP von Valencia.

Was das Beste am diesjährigen Valencia-GP war, darüber war sich unser gesamter F1-Club sofort einig: Valencia. Eine derartig schöne, attraktive Strecke gibt es sonst nirgendwo. Nicht einmal in Monaco, wo die normalen Verkehrswege natürlich eine Besonderheit darstellen, die Umgebung der Strecke aber eher aus angegriffener Bausubstanz besteht – während in Valencia eine wunderschöne Landschaft den Hintergrund der Strecke bereichert.

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Union ist, wenn man trotzdem lacht

Man kann manchmal sogar aus Wahlkämpfen lernen: Wann immer Ihnen ein Unionspolitiker etwas von einer Vereinfachung des Steuersystems erzählt, goutieren Sie den Witz und lachen Sie herzlich.

Einleuchtende Erklärung

Viel mehr als die langweiligen Rituale der Unpolitik stören mich ihre Zumutungen an die Logik des Publikums oder, wohl treffender, die Unterstellungen hinsichtlich seiner Dummheit.

Gut, die Union hat endlich mitbekommen, dass sie in der zu erwartenden Neuauflage der Größten Koalition aller Zeiten besser da steht, wenn einige Stimmen von der FDP (vermutlich) zurück zur Union wandern. Man kann die Positionen der FDP natürlich kritisieren, und zwar von links, von rechts und von liberaler Seite. Kritik “von rechts” würde aber sofort das “Buh” der veröffentlichten Meinung nach sich ziehen, eben so wie die “von liberaler Seite” – aber bei letzterem erleichtert der Umstand, dass die Union das nicht kann. Also versucht man sich mit Kritik von links, wie z.B. der mir bislang unbekannte und zukünftig diesem Schicksal nicht entrinnen könnende Vorsitzende der CSU-”Mittelstands-Union”, ein gewisser Hans Michelbach. Der stellt ausgerechnet bei den Liberalen eine “konzernhörigkeit” fest. Das ist nicht nur deswegen etwas dümmlich angebracht, weil am gleichen Tag herauskommt, wen seine Kanzlerin so zum Geburtstagfeiern ins Kanzleramt einlädt, sondern vor allem, weil sein Gehirn keine Probleme hat, seine Zunge wenige Augenblicke später den Verdacht formulieren zu lassen, in Wirklichkeit wolle diese FDP (wir erinnern uns: die konzernhörige) am liebsten mit den Sozis und den Grünen zusammen regieren. Da muss man dem Mann irgendwie recht geben: Mit Leuten, die den Wählern die Idee zumuten, “Konzernhörige” hätten nichts Besseres zu tun als mit denen zu regieren, die gar nicht genug in der Wirtschaft herumregulieren können, will wohl wirklich keiner koalieren. Da müsste man sich ja schämen.

So richtig begreifen kann ich auch nicht, dass das “Werben” der beiden irgendwie gar nicht mehr so großen Parteien um die FDP darin besteht, sie mit möglichst viel Dreck zu bewerfen. Das heißt: Eigentlich kann ich es doch. Denn in Wirklichkeit haben sie sich natürlich auf eine Fortdauer der aktuellen Konstellation eingerichtet, und sie brauchen Koalitionsoptionen nur noch, um sich gegenseitig den Preis in Form von Pöstchen und Einfluss hochzutreiben.

Erbsenzähler

Da lässt die Regierungschefin eines demokratischen Staates den Chef einer großen Privatbank zu Lasten ihres Etats seinen Geburtstag an ihrem Amtssitz feiern, und das einzige, was die Nation interessiert, ist, was das Ganze gekostet hat.

Also entweder sind wir ein Volk von Erbsenzählern, oder wir haben uns längst daran gewöhnt, dass unsere Regierung mit Konzernmanagern so sehr gemeinsame Sache macht, dass die Einladung an sich als völlig normal erscheint. Letzteres würde einiges erklären.

Was aus einer linken Utopie geworden ist

beschreibt Henryk M. Broder in einem Reisebericht aus der Freistadt Christiania bei Kopenhagen. Schöne Gegend. Das war mal der Platz für eine linksalternative Gesellschaft. Heute gibt es einen florierenden Drogenhandel, Gewalt, Nötigung und Selbstjustiz: Warum muss das so enden?

Wenn ich mich an linke undogmatische Ideen von einer künftigen Gesellschaft erinnere — ja, auch ich habe viele Jahre »taz« gelesen — dürfte es das doch alles nicht geben(?) Da war immer die Rede von Basisdemokratie, linken Utopien, Gewaltfreiheit, Repressionsfreiheit … Jetzt ist ein Gebiet daraus geworden, in dem der Rechtsstaat nicht mehr eingreifen kann. Gibt es eigentlich irgendwo ein Gebiet von der Größe und Einwohnerzahl Christianias, in dem so etwas wirklich funktioniert?

Schade eigentlich

Also wenn das “Guttenberg-Papier” dem entspricht, was RP Online zum Download anbietet, dann kann man nur froh sein, dass die Union nichts Eiligeres zu tun hatte, als sich davon möglichst weit zu distanzieren. Die Sozis und ihre zukünftigen Koalitionspartner von der “Linken” mussten da schon mit der Lupe hinsehen, um etwas zum Empören zu finden. Denn das “Papier” strotzt trotz gegenteiliger Lippenbekenntnisse im allgemeinen Textteil geradezu von staatlicher Anmaßung des Wissens. Gut, man will die übelsten Vergewaltigen der Steuersystematik zurücknehmen, die durch die Größte Koalition aller Zeiten eingeführt wurden, aber damit hat es sich dann auch. Ach ja, für flexible Arbeitsmärkte plädiert man auch noch – o.k., in einem Land, in dem der Vorsitzende einer Partei, die den Kanzler stellen möchte, sich für unflexible Arbeitsmärkte ausspricht, mag das ja originell erscheinen, aber keiner, der auch nur einen Hauch wirtschaftlichen Sachverstand besitzt, könnte auf etwas anderes kommen; der Rest soll es den Arbeitslosen erklären. Ansonsten: Micromanagement at its best. Das braucht kein Mensch, höchstens eine Ministerialbürokratie.

So ein wenig hege ich die Befürchtung, die Unionisten wollten nur deswegen nichts von diesem Papier wissen, weil es ihnen selbst zu “liberal” vorkommt. Dann wäre es für die FDP vielleicht tatsächlich angemessen, sich in der Koalitionsaussage nicht allzu sehr festzulegen – ist doch egal, mit welchen Sozis sie die Regierung bilden kann. Sie muss auf jeden Fall das Schlimmste verhindern. Fragt sich, ob diese selbst den Verlockungen staatlicher Protektion allzu sehr gewogene Partei dazu die Kraft aufbringt.

Zu wenig Gier

Es gilt ja in gewissen Kreisen mittlerweile als Konsens, dass die Finanzkrise auf die Gier einiger weniger zurückzuführen sei. Und auch sonst steht die “Gewinnmaximierung” im Mittelpunkt der Kritik von Linken und Moralisten (ok, die Schnittmenge ist groß…).

Aber irgendwie scheint das mit der Gier nicht überall zu klappen. Wenn es denn stimmt, was uns die Frauenbewegten überall erzählen, nämlich dass sich Unternehmen durch die geringe Repräsentanz von Frauen in den Führungsetagen selbst schaden und dass Frauen nur deshalb schlechter bezahlt werden, weil sie Frauen sind, ansonsten aber die gleiche Produktivität böten wie Männer, dann scheint ja bei den so Kritisierten die Gier unwichtig genug zu sein, dass man sie einer Geschlechterdiskriminierung zu opfern bereit ist.

Und anders Bewegte werden uns sicher davon überzeugen wollen, dass auch andere Merkmale von Benachteiligten (name it, you have it) der Gier geradezu zwingend Einhalt gebieten. Da ist anscheinend niemand, dem es kürbisegal ist, wie Vorstand und Aufsichtsrat zusammengesetzt sind, so lange sie ihm ein Maximum an Knete ‘rüberschieben. Im Gegenteil: Die Egoisten ohne soziale Verantwortung mutieren plötzlich zu gesellschaftlich denkenden Wesen, wenn es darum geht, Minderheiten zu diskriminieren.

Wo ist eigentlich die Gier, wenn man sie braucht?

Wahlkampf absurd

Dass sich Parteifunktionäre jetzt traditionell vier Wochen lang gegenseitig beschimpfen werden, ist mir eigentlich wurscht. Aber dass sich der Qualitätsjournalismus auf die Fahnen geschrieben hat, uns dieses lächerliche Gehabe als “Nachrichten” und “Politik” zu verkaufen, das ist – je nach Gemütslage – ein Skandal oder einfach nur traurig.

Zumal die Hälfte der Sprüche einem zu normaler Logik fähigen Menschen aufgrund ihrer unfreiwilligen Absurdität körperliche Schmerzen bereiten müssten.

Und das alles, obwohl wir doch alle im Grunde genau wissen, welche Parteien die nächste Bundesregierung stellen werden. Könnte man da nicht einmal auf diese seltsamen Rituale verzichten, mit denen wir demnächst unter der Bezeichnung “Wahlkampf” belästigt werden sollen? Und sich vielleicht mit wirklich wichtigen Dingen beschäftigen, z.B. zur Ausnahme mal mit Politik?

Pippilotta-Plakat

“Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.” ist offenbar nicht nur das Lebensmotto der liebenswerten Pippi Langstrumpf, sondern auch die Wahlkampfstrategie (!) des Bundesverband Erneuerbare Energie. Selbiger plakatiert derzeit mit folgendem Spruch gegen die etablierte Energiewirtschaft an:

„Laufzeitverlängerung für Atomkraft und zusätzliche Kohlekraftwerke gefährden den Ausbau Erneuerbarer Energien. Denn träge Grundlastkraftwerke verstopfen die Netze und sind nicht flexibel genug, um das Angebot der Erneuerbaren bedarfsgerecht zu ergänzen.“

Also die Bürger, die eine stabile Stromversorgung zu günstigen Preisen wünschen und von den Stromversorgern ein entsprechendes Angebot aus kostengünstigen Kraftwerken erwarten, erschweren die Energiewende, weil sie sich nicht mit Stromausfällen, Flackerlicht und defekten elektrischen Geräten zufrieden geben. Unverfrorener kann die Argumentation kaum sein. Energieanbieter, die weder die Zeit noch den Umfang der eingespeisten Energie genau spezifizieren können, erwarten doch nicht ersthaft vom Rest der Welt, dass er sich doch gefälligst aus übergeordneten Gründen an ihre Unzuverlässigkeit anzupassen hat. Zudem stellen die Kollegen gerade einmal 15 Prozent des gesamtdeutschen Stromangebots und jedes Kind sollte wissen, dass ein mehr an Wind- und Sonnenstrom nicht automatisch auch einen Verzicht an konventionellen Erzeugungskapazitäten erlaubt, gerade weil sich alle Welt flexibel anzupassen hat.

Das ist wirklich der Gipfel des Des-Infotainments, dass nahezu perfekt mit den ideologischen Scheuklappen und der naturwissenschaftlichen Ignoranz des Durchschnittsdeutschen spielt. Wer sich durch eine derartige Unverfrorenheit zu einem Kreuzchen auf dem Wahlzettel verleiten lässt, der hat höhere Strompreise wirklich verdient.

Auf den Mond geschossen

Derzeit läuft eine hitzige Debatte um ein deutsches Mondprogramm, das der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt und frühere CDU-Generalsekretär fordert. Auch der geschätzte Blogger-Kollege Zettel greift dieses Thema auf und findet die Sache von der Idee her recht gut:

Teuer ist ein solches Programm nicht. Im Augenblick werden Kosten von 1,5 Milliarden Euro erwartet, auf fünf Jahre verteilt. 300 Millionen Euro pro Jahr – das sind ungefähr sechs Prozent des Betrags, der in diesem Jahr allein für Abwrackprämien von uns Steuerzahlern aufgebracht wird.

Das kann ich nicht ganz unwidersprochen lassen. Ob etwas teuer ist oder nicht, kann man nicht mittels eines Vergleiches einer Geldsumme für irgendeinen anderen Unsinn ersehen, sondern indem man das entsprechende Projekt mit der Kosten-Nutzen-Relation von Maßnahmen vergleicht, deren Wirkung von den Menschen allgemein als nützlich anerkannt worden ist. Beispielsweise wäre zu Fragen, wieviele Menschenleben retten diese Ausgaben im Vergleich zu anderen Möglichkeiten des Mitteleinsatzes. Mir fallen da spontan wesentlich wirksamere Verwendungszwecke ein.

Das dürfte ausgezeichnet investiertes Geld sein. Erstens, weil neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden; und zwar ungleich billiger als mittels bemannter Mondflüge. Zweitens wegen der technologischen Kompetenz, die durch ein solches Projekt erworben wird. Und drittens natürlich auch, weil damit neue Arbeitsplätze in der deutschen Raumfahrtindustrie geschaffen und bestehende gesichert werden.

Ein deutsches Mondprogramm hat nun wahrlich kein Alleinstellungsanspruch auf die Gewinnung neuer Erkenntnisse. Erst kürzlich kam eine OECD-Studie zu dem Ergebnis, dass öffentlich geförderte Forschung und Entwicklung im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen R&D-Ausgaben keine eindeutigen Wachstumseffekte zugerechnet werden können. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass öffentliche Forschungsgelder den privaten Mitteleinsatz verdrängen. Ebenso ist es mit der technologischen Kompetenz, denn diese kann auch in anderen Bereichen erworben und dort eingesetzt werden. Das Arbeitsplatzargument schließlich ist so alt wie ausgedroschen und außerdem auch nicht richtig. Arbeitsplätze werden nicht geschaffen, sondern Menschen können produktiv tätig werden und die Ergebnisse dieser Arbeit gegenseitig tauschen, wodurch unser Wohlstand entsteht. Je produktiver wir sind, umso mehr Beschaftigung gibt es und umso höher ist unser Wohlstand. Dabei kommt es jedoch eher auf den Wohlstand als auf die Arbeit an, im Schweiße derer der Wohlstand geschaffen wurde. Insofern kann man das Beschäftigungspotential der Weltraumforschung nur an seinen Produktivitätseffekten messen. Solange nicht klar ist, ob das Geld für die Mondforschung tatsächlich die höchste Produktivität bringt, sind euphorische Aussagen über die Arbeitsplatzeffekte fehl am Platz. Schließlich kann es ja auch sein, dass die Bundesregierung hier Geld und Ressourcen verschwendet und damit Beschäftigungsmöglichkeiten vernichtet. Das relativiert dann auch das folgende Statement Zettels:

Und es handelt sich dabei ja nicht um beliebige Arbeitsplätze. Es sind überwiegend Jobs für Spitzenleute aus Wissenschaft und Technik, die ins Ausland abwandern werden, wenn ihnen Deutschland keine adäquate Beschäftigung bieten kann.

Spitzenleute zeichnen sich dadurch aus, dass sie hoch produktive Arbeit leisten, für die sie am Markt entsprechend hoch entlohnt werden. Wenn aber hochqualifizierte Akademiker mit staatlichem Geld in Deutschland beschaftigt werden, sagt das noch nichts über ihre Produktivität aus, sondern lediglich darüber, dass sie am Monatsende von irgendjemandem Geld in die Lohntüte gesteckt bekommen. Ob das aber in der Summe die produktiven Jobs im Land erhält, ist durchaus fraglich, vor allem dann, wenn nicht klar ist, ob das Mondprogramm die gesamte Produktivität der Volkswirtschaft erhöht. Bei all dem, was wir über die Wirkung öffentlicher Forschungsförderung wissen, bin ich da sehr skeptisch.

Wohin geht das Bündnis 90?

Ende 1989 habe ich mit vielen anderen Leuten friedlich gegen das SED- und Stasi-Regime demonstriert. In buntgemischten Gruppen waren Christen, Umweltschützer, Konservative, Liberale, undogmatische Linke und viele andere Menschen zu finden. Aus dem Kreis der Demonstranten ging unter anderem auch das Bündnis 90 hervor.

Bis heute haben die Grünen hier in Sachsen eigentlich meinen Respekt dafür, dass sie aus der Bürgerrechtsbewegung hervorgegangen sind. Aber vor der Landtagswahl schreibt nun der Direktkandidat Johannes Lichdi auf seiner Webseite:

Ich werbe insbesondere um die sozialdemokratischen Wähler, die sich eine Regierungsbeteiligung der SPD außerhalb einer Koalition mit der CDU wünschen. Meine Direktwahl wäre ein starkes Zeichen, dass auch in Sachsen eine Mehrheitsbildung links von der CDU möglich ist.

Herr Lichdi, eine Mehrheitsbildung links von der CDU ist nur mit der SED-Nachfolgepartei PDS/Linke möglich. Das ist eine Partei,

— die sich immer noch in der Nachfolge der SED sieht,
— die immer noch zwei Drittel alte SED-Mitglieder in ihren Reihen hat,
— aus deren Mitte Grußadressen an alte Stasi-Kader kommen,
— die einen überführten reuelosen Stasi-IM wieder für den Landtag aufstellt.

Wie können Sie mit diesen Leuten zusammenarbeiten? Herr Lichdi, mir kommt das wie ein Verrat an den Zielen von 1989 vor. Ich mag einfach nicht begreifen, wie man zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution derart geschichtsvergessen sein kann. Können Sie mir da eventuell weiterhelfen?

Konjunkturblüten

Rayson wies gestern in seinem Beitrag über Konjunkturprogramme darauf hin, dass kaum Geld aus dem Konjunkturprogramm ausgegeben wird. Im verlinkten Handelsblatt-Artikel ist ein Zitat zu finden, das man einfach noch mal ans Licht holen muss:

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier betonte, er habe »keine einzige Gemeinde kennen gelernt, in der das zur Verfügung stehende Geld nicht Kreativität und Fantasie losgetreten habe, was man auf der kommunalen Ebene damit machen kann«. Er gehe davon aus, dass das zur Verfügung stehende Geld auch eingesetzt werde. Kein Bürgermeister wolle sich vorwerfen lassen, das Geld, das der Gemeinde zugestanden hätte, nicht genutzt zu haben.

Und ich zeige in meinem Blog, was passiert, wenn Bürgermeister wirklich mal mit einem kleinen Teil des großen Geldes umgehen: Konjunkturblüten in Dresden ;-)

Püschologie mätters

Es gibt viele Gründe, warum Konjunkturprogramme nicht funktionieren. Zum Beispiel diese hier.

Und es gibt einen Grund, warum sie es manchmal doch tun: Weil sie öffentlichkeitswirksam beschlossen wurden.

Ullala, Boni und die Entscheidung zwischen Sozialismus und Hayek

Das größte politische Thema in Deutschland bleibt Ullalas Dienstwagen-Schmu, und an die Finanzkrise erinnert nur noch die Empörung, wenn Banker Boni kassieren. In beiden Fällen muss man wohl von einem Demokratieversagen sprechen (mehr…)

Gut angelegt

Weil sich die SED heute “Die Linke” nennen darf, ohne allgemeine Empörung der Linken hervorzurufen,
während die ehemals zwangsvereinigten Sozialdemokraten sich nicht schämen, mit genau jenen zu paktieren,
weil “Goodbye Lenin” und “Sonnenallee” als DDR-Alltagsbeschreibung durchgehen könnten,
und weil eine Diktatur eine Diktatur eine Diktatur war (deren größerer Ableger rote KZs unterhielt, in die auch Deutsche verschleppt wurden)

ist eine Spende in eine ehrenvolle Einrichtung gut angelegtes Geld.

Harald Martenstein: ein schöner Rant

Im ZEIT-Magazin fand ich eine schöne Martenstein-Kolumne, die sich mal wieder wie ein schnell und kräftig von der Seele geschriebener Blog-Artikel liest. Start:

Der SPD-Finanzexperte Florian Pronold hat in der Zeitung etwas über die Ursachen der Wirtschaftskrise gesagt und über die Steuererhöhungen, die auf uns zukommen. Er sagte: »Die Besserverdienenden müssen stärker herangezogen werden, weil sie starke Schultern haben und mitverantwortlich sind für die Krise.«

Hätte ich dieses Zitat zu kommentieren gehabt, dann wäre mir nur eingefallen: Plumpe SPD-Wahlkampf-Demagogie! — Martenstein gelingt ein schöner Rant über die Unverschämtheit und Borniertheit der Politiker, die vorgeben, unsere Interessen im Parlament zu vertreten.

Die ganze Kolumne als Text bei ZEIT-Online. Schade, dass man die Audio-Version nicht frei hören kann …

Ordensverleihung (2)

Unvorhergesehenerweise schon zum zweiten Mal in diesem Monat sehen wir uns in der heiligen Pflicht, das Bumsverdienstkreuz am Spartakus zu verleihen. Es geht diesmal an Roderich Egeler, den neuen Präsidenten des Statistischen Bumsamtes und Bumswahlleiter, der in seiner übergroßen Weisheit einige kleinere Parteien opferte, indem er ihre Wahlzulassung verhinderte, dadurch jedoch bewirkte, daß zum ersten Mal in der Geschichte der Bumsrepublik eine hier so dringend benötigte Beobachterkommission der OSZE die Bumstagswahl beobachten wird. In freudiger Erwartung der darum mit Sicherheit besten Wahl aller Zeiten danken wir Herrn Egeler und hoffen, daß er das Amt des Wahlleiters noch lange Zeit bekleiden möge!

Einfache Lösungen

“Wir haben starke Grundrechte in unserem Grundgesetz verankert, aber die hindern uns manchmal, einfache, klare Lösungen zu finden.”

Wer hat’s gesagt: Ein NPD-ler auf der Suche nach einer “einfachen und klaren Lösung” für das Ausländerproblem?
Ein Kommunist auf der Suche nach einer “einfachen und klaren Lösung” für Zuviel-Verdiener?

Oder eine SPD-Dame, die, von den Internet-Überwachungsmöglichkeiten berauscht, Kapitalvergehen wie Urheberrechtsverletzungen anpacken will?

Die Lösung findet sich hier.

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