Produktivitätsfortschritt ein Wertevernichter?

Wenn IT-Journalisten etwas in den falschen Hals bekommen, dann aber richtig.

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17 Kommentare zu “Produktivitätsfortschritt ein Wertevernichter?”

  1. VolkerD
    1.07.2009 | 19:30

    Was ist daran falsch?

  2. Buenavista
    1.07.2009 | 19:39

    So gut wie alles.

    Ebensogut könnte man argumentieren, dass die Tatsache, dass sich heute die meisten Leute ein Auto leisten können, mit einer gigantischen Wertevernichtung seit den 50er Jahren einherging, als sich nur wenige ein Auto leisten konnten.

  3. 1.07.2009 | 19:51

    Das hat wirklich starken Unterhaltungswert. Ich weiß nicht ob Geschichte sich wiederholt aber Meinungen tun es auf jeden Fall. Irgendwie geistern gerade Webstühle durch meinen Kopf.

  4. VolkerD
    1.07.2009 | 20:01

    >So gut wie alles.

    –> sehe ich nicht so; eigentlich ist doch eher eine Analyse des “ich will alles und das umsonst” – was nicht gut geht.

  5. volesne
    1.07.2009 | 21:32

    geschaffenen werte werden in geldeinheiten gemessen. verfällt der preis, verfällt auch der wert. in dieser marktwirtschaftlichen logik hat der autor natürlich recht.

    analog sind im letzten jahrhundert auch die werte von autos oder textilien verfallen. und das obwohl der resourcenverbrauch in beiden fällen drastisch gestiegen ist.

  6. 1.07.2009 | 22:27

    Auch ich als Quoten-Sozi möchte mein Amüsement über diesen Artikel zum Ausdruck bringen. ;-)

  7. 1.07.2009 | 22:29

    @volesne

    geschaffenen werte werden in geldeinheiten gemessen. verfällt der preis, verfällt auch der wert.

    Reden wir hier von einem Wert, der einem Produkt (welchem auch immer) von den Käufern in einem Markt zugewiesen wird?
    Oder reden wir über einen irgendwie moralisch-ethischen Wert (der von wem zugewiesen wird)?

    Im ersteren Fall sinkt nicht der Wert des Produktes sondern der relative Wert. Das heißt, welchen Anteil meines Einkommens muss ich für ein Produkt ausgeben, um es zu bekommen?

    Im zweiten Fall wäre es egal, dass sauberes Wasser auch bei geringem Preis sehr wertvoll wäre. Dass wir aber so reich sind, über es verfügen zu können und trotzdem noch so viel unseres Einkommens für die Erfüllung anderer Wünsche übrig zu haben.

  8. forentourist
    1.07.2009 | 22:45

    geschaffenen werte werden in geldeinheiten gemessen.

    quatsch. in geldeinheiten bemißt man preise, nicht werte. geld ist zahlungsmittel, den unsinn von “wertmaßstab” sollte man nach abschluß des studiums gründlich aus seinem hirn waschen. geld ist ein gut wie jedes andere auch, sein wert bemißt sich nach dem nutzen der marginalen einheit.
    dass etwa die vokswirte notgedrungen in geldeinheiten messen müssen, weil sie nicht die notwendigen informationen haben, um ein BIP in “nutzeneinheiten” anzugeben, ist eine schwachstelle dieser zunft. man sollte sich aber immer bewußt sein, daß dies nur eine krücke ist, um unvollkommene informationen auszugleichen.

    verfällt der preis, verfällt auch der wert.

    wert=nutzen aus sich des individuums

    beispiel: ich versteigere bei ebay ein buch. es gibt drei interessenten. dem einen ist das buch 50€ wert(=sein nutzen, falls er das buch erhält), dem zweiten 100€ und dem dritten 150€. alle bieten ihren potentiellen nutzen als höchstgebot ->das buch geht für 101€ an bieter 3. dieser freut sich, weil er für 101€ bekommen hat, was ihm auch 150 wert gewesen wäre.
    jetzt modifizieren wir das ganze: gleiche ausgangssituation, nur diesmal versteigere ich ZWEI mal gleichzeitig dieses buch (die bieter wollen es aber nur jeweils einmal haben). ergebnis: die bücher gehen für jeweils 51€ an bieter 2 und 3. bieter 2 freut sich, weil er jetzt auch en buch hat. bieter 3 freut sich noch etwas mehr, weil er 50€ gespart hat und jetzt anderweitig verprassen kann.
    conclusio? das buch ist den einzelnen individuen nicht weniger wert als zuvor. lediglich der preis ist gesunken. durch die gewachsene differenz von preis minus nutzen hat sich die KONSUMENTENRENTE erhöht.

    die gleichung “sinkender preis=sinkender wert” gilt lediglich für den sonderfall, daß der nutzen eines gutes zu einem teil aus dem preis resultiert, oder prosaischer: wenn ich mit sündhaft teuren spielzeugen meine mitmenschen beeindrucken will (“seht her, was ich mir leisten kann”), ist es notwendig, daß nicht jeder das zeug bei sich rumstehen hat. im normalfall freut man sich aber eher über das “schnäppchen” (kosumentenrente) und gönnt seinen mitmenschen auch den genuß von autos, zentralheizungen oder flugreisen.

  9. volesne
    2.07.2009 | 0:00

    @forentourist
    der autor nimmt eine gesamtwirtschaftliche perspektive ein.

    Was bedeutet aber die zunehmende Ausbreitung von IBDTs, ihre vergleichsweise niedrigen Entwicklungskosten und die Möglichkeit, sie nahezu zum Nulltarif überall bereitstellen zu können für die Gesamtwirtschaft?

    der preisverfall hat aus dieser sicht doch wesentlich weitreichendere auswirkungen, als die erhöhung der konsumentenrente.

    aber nehmen wir ihr ihr beispiel und nehmen wir weiter an, dass ihr buch in digitaler form im internet auch umsonst zu haben ist. dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass zwei ihrer bieter ganz auf das gebot verzichten, da für sie der nutzwert der gleiche ist. wurde bei diesen dann ein wert vernichtet? der dritte bekommt das buch also für 1 euro. wurde damit bei ihnen ein wert vernichtet, wenn sie hofften doch vielleicht 50 euro dafür zu bekommen? ganz abgesehen davon, dass sich der dritte bieter bei seinem nächsten kauf versuchen wird eine ähnlich hohe konsumentenrente herauszuschlagen.

  10. 2.07.2009 | 12:48

    @VolkerD:

    Es ist doch klar, dass technischer Fortschritt und Produktivitätsentwicklung Verlierer des dadurch angestoßenen strukturellen Wandels auslösen. Doch das führt nicht zu einer Vernichtung von Werten, sondern zu einer Wertsteigerung, die sich ja gerade im Wohlstandswachstum der Nationen bemisst. Selbst die Verlierer gewinnen in der Regel nach einer Anpassungsphase dazu, weil sie schneller einen Job finden oder weil wohlhabendere Länder sich im Zweifel ein üppigeres Sozialsystem leisten können. Schließlich sind es auf der Verliereseite auch keine Werte die vernichtet werden, sondern bestenfalls Werterwartungen, die durch den technischen Fortschritt und die damit verbundene verstärkte Arbeitsteilung nicht erfüllt werden.

  11. forentourist
    2.07.2009 | 19:57

    @volesne

    aber nehmen wir ihr ihr beispiel und nehmen wir weiter an, dass ihr buch in digitaler form im internet auch umsonst zu haben ist. dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass zwei ihrer bieter ganz auf das gebot verzichten, da für sie der nutzwert der gleiche ist.

    in diesem fall sinkt der preis auf null. alle drei bieter erhalten ihre individuellen wert vollständig als produzentenrente.

    wurde damit bei ihnen ein wert vernichtet, wenn sie hofften doch vielleicht 50 euro dafür zu bekommen?

    nur wenn das buch dem verkäufer selbst nichts wert ist(=er keinen nutzen davon hat). dann sinkt durch das abspringen der bieter durch die kostenlose konkurrenz seine produzentenrente auf null.
    vergleichen wir einmal ganz makroökonomisch den nutzen (in €) für die bespiele
    [nutzen bieter 1 + nutzen bieter 2 + nutzen bieter 3 + nutzen verkäufer = "gesamtwohlfahrt"]
    variante 1: 0 + 0 + (150-101) + 101 = 150
    variante 2: 0 + (100-51) + (150-51) + 2*51 = 250
    “bücher umsonst”: (50-0) + (100-0) + (150-0) + 0 = 300
    gesamtwirtschaftlich ist variante “umsonst im internet” also am besten. hier findet eine umverteilung statt vom anbieter auf die nachfrager.

    was das “hoffen auf 50€” angeht: entweder, ich kann selbst einen nutzen äquvivalent zu 50€ aus dem besitz des buches ziehen. dann sinkt bein den verkaufsvarianten sogar die produzentenrente, weil der verkäufer ja für die 101 bzw. 2*51€ im gegenzug etwas ihm wertvolles aufgeben muß. oder er kann dies nicht, dann bringt es ihm nichts, ob er auf 50, 500 oder 5 mio. “gehofft” hat.

    falls ich beim meinem “mikroökonomik für anfänger”-kurs hier bisher schlampig formuliert haben sollte, nochmal klar: der verkäufer verliert schon, wenn der preis sinkt. die wohlfahrtsgewinne der nachfrager gleichen das aber per definitionem mindestens aus. es findet “umverteilung” von einem zu anderen statt.

    im ausgangstext: von den reichen industrieländern zu den entwicklungsländern wie indien. also die gleiche wirkung, die auch entwicklungshilfe erzielt.
    was der text unterschlägt: dem verlust der “Hochbezahlte[n] Angestellte[n] in vielen Berufen” stehen auch gewinner gegenüber: die beschäftigten in den entwicklungsländern und die unternehmen in den industrieländern. der gewinn der unternehmen verteilt sich dann noch auf deren eigentümer (über höhere gewinne) oder deren kunden(über sinkende preise). und falls die unternehmen untereinander im wettbewerb stehen sollten, so müßten zumindest mittelfristig die preise sinken und sich die waagschale vollständig den kunden zuneigen. effizienzsteigerungen sind immer wohlfahrtsfördernd. sie können lediglich zu umverteilungswirkungen führen. diese lassen sich aber wieder beseitigen, z.b. durch staatliche eingriffe.

    ganz abgesehen davon, dass sich der dritte bieter bei seinem nächsten kauf versuchen wird eine ähnlich hohe konsumentenrente herauszuschlagen.

    käufer versuchen IMMER, ihre konsumentenrente zu maximieren, verkäufer ihre produzentenrente. niemand zahlt/liefert mehr als er muß.

  12. 4.07.2009 | 1:47

    Nuja, wir stecken doch gerade in einer Bredouille, die entstanden ist, weil wahnsinnig coole mit Haargel und Nobelschlips ausgestattete Grünschnäbel den Kurswert eines Papiers mit seinem Wert verwechselt haben.
    Oder was ist denn nun der Wert einer Sache? Der erzielbare Marktpreis? Dann sind das Internet und die Opensource-Szene eine Wertvernichtungskampaigne ohne geschichtlichen Vergleich.
    Der Ruinierung von Aktenwerten, Marken und Monopolen steht eine Kultur gegenüber, die ihre Dienstleistungen am liebsten gratis erbringt.
    Das ist auch eine Form von Wirtschaft, aber eben eine kommunale Tauschwirtschaft.
    Andererseits hat diese Wertvernichtung einen enormen Wohlstandszuwachs gebracht!
    Musikkonzerne, Softwarefirmen, etc. sind sozusagen die Milchbauern des geistigen Eigentums.
    Mit dem Unterschied, daß bei Milch ein Überangebot existiert, während bei Raubkopien der erst seit dem alten Goethe errungene Konsens, ein Urheber sei auch Eigentümer seiner Werke, kurzerhand mißachtet und abgelehnt wird.

  13. volesne
    4.07.2009 | 9:43

    @forentourist

    sie schliessen von einem mikroökonomischen ansatz auf die gesamtwirtschaftlichen auswirkungen? das kann nicht ihr ernst sein.

    ersetzen sie in ihrem beispiel den privaten verkäufer durch einen verleger, der eine neue auflage herausbringen will, und nun zu entscheiden hat, inwieweit er diese in buchform oder elektronisch ausliefern will, denken sie dann weiter an die druckerei, den arbeitsmarkt, an staatliche einnahmen, an staatliche ausgaben, an staatsschulden, an schuldendienst, an banken, …

    @califax

    Oder was ist denn nun der Wert einer Sache? Der erzielbare Marktpreis? Dann sind das Internet und die Opensource-Szene eine Wertvernichtungskampaigne ohne geschichtlichen Vergleich.

    danke. das ist die argumentation des autors.

    Andererseits hat diese Wertvernichtung einen enormen Wohlstandszuwachs gebracht!

    im sinne eines gesamtgesellschaftlichen wohlstandes galt das vielleicht zu zeiten von vollbeschäftigung.

    gilt das auch in zeiten von 6 mio empfängern staatlicher transferleistungen und einem schuldendienst in höhe von 20% des bundeshaushalts?

  14. 5.07.2009 | 13:31

    Oder was ist denn nun der Wert einer Sache? Der erzielbare Marktpreis? Dann sind das Internet und die Opensource-Szene eine Wertvernichtungskampaigne ohne geschichtlichen Vergleich.

    Mit so einer Argumentation würde man den Wert eines einzelnen Gutes mit dem Wert der insgesamt verfügbaren Güter verwechseln. Es ein Ausdruck des Wohlstandsschaffers Marktwirtschaft, dass eine gestiegene Nachfrage durch ein über sinkende Preise verfügbares Angebot bedient wird. Ein PC mag mal 20.000 DM gekostet haben – zu diesen Zeiten hatten aber nur eine Handvoll Menschen so ein Gerät.

    Auch dass sich der Preis von Gütern, gemessen am Preis anderer Güter, verändern kann, sagt uns nichts über die Summe an Werten insgesamt, die uns umgeben.

    gilt das auch in zeiten von 6 mio empfängern staatlicher transferleistungen und einem schuldendienst in höhe von 20% des bundeshaushalts?

    Umverteilung ändert nichts an Werthaltigkeiten.

  15. volesne
    9.07.2009 | 1:36

    der wohlstand steigt mit steigenden einkommen und nicht mit sinkenden preisen.

    ersteres ist der inflationäre prozess, den das system braucht. letzteres ist ein deflationärer prozess, der das system blockiert.

    sie werden nach den wahlen erfahren, ob sie einen solchen, dann gesamtwirtschaftlich deflationären prozess in den nächsten jahren in realiter studieren können.

  16. der_Neue
    9.07.2009 | 11:42

    Der wohlstand steigt mit steigenden einkommen und nicht mit sinkenden preisen.

    Dieser Satz macht keinen Sinn.

    Sinkende Preise sind gleichbedeutend mit steigendem Einkommen, da dieses dann mehr Kaufkraft hat. Nachzulesen in jeder Einführung in die Mikroökonomie.

  17. der_gute_don
    9.07.2009 | 20:13

    Der wohlstand steigt mit steigenden einkommen und nicht mit sinkenden preisen. ersteres ist der inflationäre prozess, den das system braucht. letzteres ist ein deflationärer prozess, der das system blockiert.

    Eine sehr einseitige Sicht. Steigendes Einkommen könnte etwas mit steigender Leistungsfähigkeit zu tun haben. Und fallende Preise könnten auch durch sinkende Grenzkosten beeinflusst werden. Wie schon jemand treffend bemerkt hat, gehen die Grenzkosten für digitale Güter sogar gegen Null. Und das sogar unabhängig davon, ob der break even bereits erreicht wurde. Erstaunlich.

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