Was nicht reicht

Es gibt Politikerkarrieren, die bestehen nur aus Politik von Jugendzeiten an, ohne irgendeine Substanz aus anderen Lebensbereichen.

Z. B. der Herr Annen, der nach 26 Semestern sein Studium abbrechen mußte, weil er am Latinum scheiterte – aber immer noch von den Medien ganz groß zitiert wird.

Oder die Frau Nahles, deren mühsamer Magisterabschluß nach 20 Semestern Qualifikation genug scheint, um als Bildungsexpertin (!) in das SPD-”Kompetenz”-Team zu gehen.

Aber den Vogel schießt zweifellos die Frau Lührmann ab. Die sitzt als jüngste Abgeordnete aller Zeiten für die Grünen im Bundestag. Ihre außerpolitische Lebensleistung besteht im wesentlichen darin, die Einschreibung für ein Studium hingekriegt zu haben.

Ansonsten paßt auf sie das Urteil: “Es ist nicht genug, jung und Frau zu sein”.

Aber das darf man natürlich nicht sagen. Das wäre sehr PC-widrig, bösartig chauvinistisch, und die Reichsempörungsbeauftragte Roth würde sofort geifernd über jeden herfallen, der so etwas über Lührmann zu sagen wagte.

(mehr…)

Öffentliche Daten schützen, private Daten nützen / Sonnenloch

Öffentliche Daten schützen, private Daten nützen
In der großen Sommerloch-Dienstwagen-Tour 2009 tritt eine neue Kandidatin und alte Bekannte an: Ursula von der Leyen. Wie bei Ulla fällt natürlich auch dieser Vorgang bei der Betrachtung des Großen Ganzen nur wenig ins Gewicht. Es wäre der letzte Grund warum ich die Ministerin nicht mehr im Amt sehen wollte. Aber es ist natürlich amüsant, dass gerade diese Ministerin ein Problem mit Transparenz hat. Oder ist das auch nur konsequente Zensur?

Sonnenloch
Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt…
dass mit regelmäßgen Solariumsbesuch ein höheres Hautkrebsrisiko einhergeht. Andere bahnbrechende Erkenntnisse:

  1. Regelmäßiges Rumliegen in praller Sonne erhöht die Wahrscheinlichkeit eine gesunde, rote Hautfarbe zu erhalten
  2. Regelmäßge Teilnahme an Mobilität im öffentlichen Raum erhöht die Wahrscheinlichkeit an Verkehrsunfällen zu erkranken
  3. Regelmäßiges Trinken macht einem zum Trinker, unter Umständen gar betrunken

Vielleicht müssen die Leuchtstoffröhren ja bald mit dicken Warnhinweisen vollständig überklebt werden. Ich bin sowieso für stärkere Reglementierung. Dann fällt meine heller IT-Teint nicht mehr so auf.

Ist Fortschritt unfair?

Gestern waren es die High-Tech-Schwimmanzüge, heute sind es die schnellen Computer der High-Frequency-Trader, immer ist es der technische Fortschritt, der, bis er sich durchgesetzt hat, dem einen oder anderen einen Vorsprung im Rennen gibt, weil er nicht wie mit der Gieskanne verstreut wird.

Es ist das eine, darüber zu klagen, dass andere mit höheren Investitionen und damit auch Risiko die größeren Kartoffeln ernten, hier gilt der alte Spruch “No risk, no fun.” Doch mag man sich kaum ausdenken, zu welchen Konzqenzen diese unseelige Attitüde führen kann, wenn sie sich im Denken unserer Mitmenschen ausbreitet. Fortschritt gibts dann nur noch auf Rezept und nur für alle in gleichen Dosen. Über jede Verbesserung wird erst abgestimmt, bevor sie zum Einsatz kommen darf. Technology-Mainstreaming wird zum Beschäftigungsfeld einer ganzen Bundesbehörde und alle Bürger bekommen ein iPhone, um ja die Coolness in der U-Bahn nicht zu einem ungleich verteilten Wettbewerbsvorteil werden zu lassen. Technologische Gerechtigkeit hat es nie gegeben und wird es nie geben. Und um Himmels willen, soll es nie geben, denn woher soll dann noch die Motivation zu technischem Fortschritt herkommen?

Der Sieg der Neoliberalen

… zeigt sich z.B. im raubtierkapitalistischen Arbeitsrecht.

Wohl ein lesenswertes Buch

… und auf jeden Fall eine lesenswerte Rezension.

Merkzettel für mich selbst: Es kann so nicht weitergehen, dass ich von interessanten Texten aus deutschen Publikationen erst einen Monat später erfahre, und das auch nur, weil ich ein bestimmtes amerikanisches Blog lese…

Unsere tägliche Affäre gib uns heute

Wie ich an anderer Stelle schon einmal geschrieben habe: Die Milliarden-Investitionen werden in Meetings von Vorständen und Aufsichtsräten durchgewinkt, aber über die Dienstwagenregelung diskutiert man Wochen. Eine ähnliche Logik gilt auch für die Politik. Rein rational betrachtet wäre es absurd, der Ministerin, die maßgeblich mitverantwortlich ist für die sozialistisch-korporatistische Ressourcenverschwendung, die man auch “unser Gesundheitswesen” nennt, ausgerechnet wegen der anscheinend legitimen Nutzung eines Dienstwagens an den selbigen fahren zu wollen.

Aber hier wie da: Das gemeine Vorstandsmitglied ist so dumm wie der gemeine Wähler. Die Hintergründe der wirklich großen, teilweise arg abstrakten und komplexen Dinge erschließen sich ihnen nicht, also konzentrieren sie sich auf das Greifbare, Unmittelbare und Bekannte. Auch hier wie da: Wenn man sich in dieser Welt auf etwas verlassen kann, dann dass der Neid jede Chance nutzt, sich bemerkbar zu machen. Nach der Logik der Unpolitik haben die anderen Parteien den natürlich sofort zu bedienen. Wenn ich an die kommenden Wochen denke, bis sich endlich entschieden hat, welche Sozialdemokraten uns regieren, wird mir schlecht…

Formel 1: Großer Preis von Ungarn

Die beste Nachricht aus meiner Sicht: Lewis Hamilton ist wieder da! Hatte sich schon am Nürburgring abgezeichnet, dass der McLaren wieder ein konkurrenzfähiges Auto ist, hat Hamilton dies nun auch in ein hervorragendes Ergebnis umsetzen können. Mit dem Sieg in Ungarn hat er die Scharte seines Fahrfehlers in Deutschland, der ihn die Früchte eines hervorragenden Starts gekostet hat, wieder ausgewetzt. Dass auch Heikki Kovalainen in die Punkte fahren konnte, unterstreicht die Entwicklungserfolge von McLaren-Mercedes in den letzten Wochen – von einem völlig konkurrenzunfähigen Wagen zu Saisonbeginn hin zu einem siegfähigen Auto jetzt.

(mehr…)

Sprachlosigkeit

Wo gewaltsame Nötigung und Freiheitsberaubung als “Bossing” verniedlicht und als “legitime Gegenwehr” im Arbeitskampf eingestuft werden, da fehlen mir die Worte, und ich bleibe sprachlos zurück.

Wüstenstrom

Immer wieder frage ich mich bei gewissen Parteifreunden, wie sie ihre Staatsgläubigkeit mit liberalen Grundsätzen vereinbaren können. Oder ob sie eigentlich auch mal nachdenken, bevor sie populistisch draufsatteln, wenn die nächste Sau durchs Mediendorf getrieben wird.

(mehr…)

Sündenfälle

Und wo es gerade um Sünden ging…

Irgendetwas wichtiges muss mir entgangen sein. In der Blogosphäre bebt es. Das Böse lebt: Blogger werben für Konzerne.

Nun bin ich selbst jemand, der seine Bloggerei nicht mit kommerziellen Interessen in Verbindung bringen will. Mir reicht der monatliche Scheck von der INSM, um voller Freude dem Finanzkapital zu dienen und Lust an der Ausbeutung der Arbeiterklasse zu empfinden. Aber für irgendwelche Produkte zu werben, das erscheint mir dann doch etwas würdelos. Eine Haltung, die ich mir wegen eben dieses Schecks auch leisten kann. Jetzt rechne ich aber durchaus damit, dass die INSM nicht allen Bloggern gegenüber so großzügig ist, dass darunter also doch ein paar sind, die weder dem Kapital dienen noch von Ererbtem leben, also zusehen müssen, dass sie das Geld für ihre Miete zusammenbekommen. Und wenn ich tief genug in mich gehe, fällt es mir auch schwer, einen moralischen Unterschied zwischen diesen Formen der Einkommenserzielung auszumachen. Und wo wir schon dabei sind: Das gilt auch für alle, die mittels eines allgemein als “Arbeitsvertrag” bezeichneten Abkommens dem raffgierigen Kapital Mehrwert zur Verfügung stellen.

Wo ist jetzt also das Problem? Dass nicht alle dasselbe wollen? Auch nicht unter Bloggern? Gilt etwa der schrecklich schlichte Satz aus SPON:

Wer Bloggen cool findet, findet internationale Großkonzerne und ihr Gewinnstreben ganz prinzipiell eben eher nicht cool. So ist das eben, schließlich geht es um Gegenkultur, und ums Authentischsein.

Also ich blogge anscheinend. Ich finde Gewinnstreben aber durchaus cool, wenn auch nicht zwingend bestimmte Unternehmen. Und wenn ich einen auf “Gegenkultur” machen würde, wäre ich eben nicht mehr authentisch.

Liege ich also gar zu falsch mit meinem Verdacht, dass die Aufregung deshalb so groß ist, weil da ganz bestimmte Blogger beanspruchen, das Bloggen an sich inhaltlich und teleologisch zu bestimmen, und dass deren Ideale durch den gar zu irdischen Drang zur Erzielung von Einkommen, den diese Blogger woanders (also in ihnen genehmen Vertragsbeziehungen) genug befriedigt sehen, beschmutzt zu werden drohen?

Erschöpfung

Hui, da ist die Bundesbank aber mit ihrer “Modellrechnung” gewaltig ins Fettnäpfchen der “Die Rente ist sischer”-Apologeten getreten. Rente mit 69? Da ist doch nur noch die Klimakatastrophe schlimmer. Und irgendwie klingt das ja nach “nur noch 1,99 €”, hat also die >70 längst im Visier…

Ich hoffe zwar immer noch auf die Archäologen, die endlich die von Moses damals vorgezeigten Tontafeln ausgraben, wo letztgültig vermerkt ist, dass der Mensch nach Gottes Fügung mit 65 in Rente zu gehen habe (und dass die jetzt noch irgendwie halbwegs amtierende Bundesregierung für ihren Sündenfall alle Höllenqualen zu erwarten hat), aber so an und Pfirsich könnte man ja doch auf die Idee kommen, dass verbesserte Gesundheit, körperlich anspruchslosere Arbeitsplätze und höhere Lebenserwartung sich auch irgendwie auf die Zeit auswirken könnten, in der man Menschen zumutet, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Und wo wir schon bei den naiven Annahmen sind, könnte man auch meinen, es sei kein großes Problem, für die wenigen Berufsgruppen, die heutzutage noch wirkliche Knochenarbeit leisten müssen, entsprechende Sonderregelungen zu treffen.

Der Zorn der Unpolitik lebt davon, dass sich niemand solche Gedanken macht. Und es wäre natürlich naiv, in Vorwahlzeiten anderes zu erwarten. Aber ich wage die Wette: In zwanzig Jahren werden wir über diese Debatte lachen, weil dann für die neu in das Rentensystem Eintretenden die 7 als erste Ziffer für das Renteneintrittsalter keine Besonderheit mehr darstellt.

Verwirrung um Tauss

Wenn sich die Zeitung mit den großen Buchstaben einer Sache annimmt, dann ist die öffentliche Debatte über sie bereits jenseits von Gut und Böse angekommen. Jetzt hat das besagte Blatt die Karlsruher Staatsanwaltschaft zu einem “Kunstfehler” veranlasst, nämlich die Erhebung der Anklage anzukündigen, bevor überhaupt der Anwalt des Beschuldigten Akteneinsicht bekommen hat. Das hat, wie die Chefin der übereifrigen Strafverfolger zu Recht kritisiert hat, mit “Rechtsstaat” nicht mehr allzu viel zu tun und klingt ein wenig nach einer Art von Prozess, wie er vor einigen Jahrzehnten etwas weiter östlich an der Tagesordnung war. Ob da etwas politischer Wille der großkoalitionären Zensursula-Freunde mitgeholfen hat?

Aber machen wir uns nichts vor: Die Verurteilung von Tauss ist fast so sicher wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche. Auch wenn etwas schlichte journalistische Gemüter der Politik den Gefallen tun und den Anlass der Strafverfolgung in der “Nutzung von kinderpornographischem Material” sehen: Dass Tauss solches Material besessen hat, bestreitet er selbst nicht. Und genau das ist der Straftatbestand – die Staatsanwaltschaft wird also keinen Finger krumm machen, dem Abgeordneten eine Nutzung nachzuweisen. Ob sich der Besitzer solcher Bilder auch an ihnen aufgegeilt hat, ist strafrechtlich völlig schnurz und piepe. Tauss’ Argumentation mit der eigenen, privaten Ermittlung ist es – jedenfalls kann ich keine Hinweise auf das Gegenteil finden – übrigens auch. Und so ist die Lage klar: Straftatbestand erfüllt, Anklage, Verurteilung. Einzig das Strafmaß birgt noch Nachrichtenpotenzial.

Aber bis dahin wird man politisch der Versuchung weiterhin nicht widerstehen können, mehr oder weniger plump (wie hier der neue Hoffnungsträger der CSU) die Gegner von Internetsperren als Pädophile abzustempeln.

Massenkonjunkturprogramm auf der A2

Unerwartete Konkurrenz hat die Abwrackprämie der Bundesregierung als Instrument der Konjunkturbelebung in der Automobilbranche bekommen. Ganz ohne staatlichen Stimulus gelang gestern abend auf der A2 in wenigen Minuten die Verschrottung von mehr als 250 Fahrzeugen. Dies dürfte erhebliche Ersatzinvestitionen nach sich ziehen und die notleidende Automobilbranche nachhaltig stimulieren. Auch die Dienstleistungsnachfrage nach Rettungspersonal und Einsatzkräften der Polizei wurde erheblich angekurbelt.

Soviel Bürgerengagement in Sachen Krisenmanagement reduziert den Bedarf nach der Abwrackprämie zur Verschrottung eigentlich funktionstüchtiger Fahrzeuge und hält dem Staat damit den Rücken frei durch öffentlich finanzierte Straßenbauinvestition Platz für weitere Bürgerinitiative in Sachen Nachfragestimulus für Opel & Co. zu sorgen.

Neoliberale Kommentatoren werden meinen, dies führe zu einem Crowding-Out alternativer Nachfrage und trage daher wenig zur Gesundung der krisengeschüttelten Wirtschaft bei, doch Deutschlands Autofahrer werden sich durch derartig altbackene ordnungspolitische Dogmen nicht den Spaß am Rasen und der “schöpferischen Zerstörung” auf Deutschlands Straßen vermiesen lassen.

Klimaschutz per Rufmord

Die Rettung der Welt ist ein ehrenhaftes Ziel. Doch vergessen manche im Eifer des Gefechts, dass es bei diesem Unterfangen immer noch angesagt ist, die Grundregeln wissenschaftlicher Kommunikation einzuhalten, auch wenn es dabei nur um den Versuch der Aufklärung der Öffentlichkeit geht. Weil schon immer bekannt war, dass die Argumente des Gegners noch wackliger erscheinen, wenn man ihn vorher schon als Mensch oder Experte diskreditiert hat, beginnt der in der Öffentlichkeit geführte Streit um den Klimawandel auch in der Regel nicht mit dem Austausch von Argumenten, sondern zunächst einmal mit der Zuweisung von mehr oder weniger niederen Motiven. Sehr gern werden auch die politische Orientierung, berufliche Herkunft oder der Arbeitgeber als Mittel zur Vorabdisqualifizierung verwendet.

So geschehen kürzlich beim Sciencblog “PRIMAKLIMA”. Der Autor des Blogs diskutiert dort einen Beitrag zu einer Klimakonferenz im Juni in Berlin (bei der auch ich Vortragender war) im Online-Magazin “Die freie Welt”. Daran ist zunächst nichts Ehrenrühriges, vielmehr ist es sogar erfreulich, dass es mit der Blogosphäre eine Art Reviewprozess des Internet-Journalismus gibt. Überflüssig jedoch ist der hier unternommene Versuch, nicht nur das Magazin als solches durch die Nennung seines Herausgebers, sondern auch den Autoren des Beitrags und andere Mitwirkende des Magazins aufgrund ihrer beruflichen Herkunft oder des Arbeitgebers vorab zu disqualifizieren, bevor auch nur ein Argument genannt ist. Was hat der Geldgeber, die fachliche Ausrichtung oder auch nur die politische Orientierung einer Institution mit dem vorgebrachten Inhalt zu tun, den man ja glücklicherweise anhand vorhandenen Faktenmaterials nach Sachlichkeit überprüfen kann? Mit diesem Stilmittel hat man die Leser bereits vor der Faktenanalyse soweit, dass man sich hier auch nicht mehr so viel Mühe geben braucht. Zwar hat der Autor durchaus einen berechtigten Grund zur Klage an der Darstellung der Fakten, doch kommt die konkrete Auseinandersetzung damit nicht über Spitzfindigkeiten und die Zitation von Quellen, die bei näherer Betrachtung auch inhaltlich nicht unumstritten sind, hinaus.

Auch ich bekomme in der Kommentarsektion des Beitrags vom Blog-Autoren mein Fett weg, nicht bevor zunächst mein Brötchengeber erwähnt wurde. Offenbar hat der Autor noch nicht verstanden, dass Menschen sich häufig nicht so oder so äußern, weil sie dort und dort arbeiten, sondern dass sie von diesem Arbeitgeber wegen ihrer Art zu denken oder zu argumentieren beschäftigt werden. Das ist so und daran wird sich nichts ändern. Auch fühlt sich der Autor gemüssigt, obwohl er sich selbst eingesteht wenig über den Inhalt meines Vortrags informiert zu sein, über denselben sein Verdikt auszusprechen. Hier stellt sich also wirklich die Frage, ob es dem Autoren primär darum geht eine wissenschaftliche Diskussion zu führen oder ob er eher versucht, die Diskussion und ihre Protagonisten zu polarisieren?

Auf jeden Fall zeugt die Verflechtung von Motiven und Argumenten von einem bedauernswerten Diskussionsstil. Die Klimadebatte würde erheblich an Qualität gewinnen, wenn beide Seite den Faktenstreit klar von ihrer weltanschaulichen Position und der persönlichen Einschätzung der Motivation ihres jeweiligen wissenschaftlichen Gegenübers trennen könnten. Zweifellos ist die wissenschaftliche Debatte auch von Interessen geleitet, doch diese Tatsache für sich, beeinträchtigt in keiner Weise die Qualität der in der Diskussion vorgebrachten Argumente. So einfach ist die Welt nicht. Schließlich lässt sich z.B. aus der Tatsache, dass üble Regime oft verantwortlich für den Hunger der von ihnen unterdrückten Gesellschaft sind, nicht zwangläufig ableiten, dass Diktatoren nicht kochen können.

Subventionitis?

Ist der massive Kauf von H1N1-Impfstoffen durch die Länder eigentlich eine besonders clevere Form von Subvention, dem Wahlkampf geschuldet oder bin ich einfach zu zynisch und es besteht ernsthafte Gefahr? Wenn ich das hier lese denke zumindest ich, dass ich mich noch ohne so etwas nach draußen trauen kann.

Uschi von der Leyen verleumdet Indien

Die perfekte Schlagzeile – reißerisch und wahr. Hier gibt es das Interview zum Anhören. Das kann man ja mal machen, denn Uschis Stimme ist ja eigentlich ganz angenehm. Vielleicht sollte sie Hörbücher aufnehmen, wenn sie demnächst – hoffentlich – wieder mehr Freizeit hat?

Wie man’s nicht macht

In den Kommentaren zu meiner letzten Meinungsäußerung zu Honduras wurde mehrfach von verschiedenen Kommentatoren eine Frage formuliert, hier in der Version von Rayson:

Angenommen, der Präsident eines solchen Landes plant tatsächlich Maßnahmen, die Verfassung auszuhebeln und die anderen Institutionen wie Parlament und Obersten Gerichtshof lahmzulegen: Wie sollten die Verantwortlichen dieser Institutionen reagieren?

Ja, wie sollten sie reagieren, was sollten sie tun? Buenavista schlug vor, einen Generalstreik zu organisieren. Eine gute Idee wäre es im Falle Honduras auch gewesen, die Wahlzettel für das illegale Referendum erneut zu beschlagnahmen und das Referendum selbst zu unterbinden. Den Präsidenten zu verhaften und vor Gericht zu stellen wäre auch eine Option gewesen. Aber nichts davon geschah, die honduranischen “Verteidiger des Rechtsstaats” entschieden sich für eine andere Vorgehensweise und demonstrierten damit, wie man es nicht machen sollte, wenn man nicht als Putschist gelten will.

1. Man sollte den Präsidenten nach seiner Verhaftung nicht in einem Schlafanzug außer Landes schaffen, wenn man den Eindruck erwecken will, ein rechtsstaatliches Verfahren zu betreiben.

2. Für den Fall, dass dieser zurückkehren möchte, sollte man keine Vorbereitungen zu einem Blutbad treffen und sicherlich nicht auf Demonstranten schießen.

3. Man sollte darauf verzichten, die Pressefreiheit abzuschaffen und mißliebige Medien einfach zu schließen.

4. Auch andere Menschenrechte und Grundfreiheiten sollte man nicht abschaffen.

4. Man sollte die ordentlich gewählten Präsidenten anderer Staaten nicht als “Negerchen” bezeichnen (oder sonstwie beleidigen), wenn man auf ihre Unterstützung hofft.

5. Man sollte schließlich weder mit einem Krieg noch einem Bürgerkrieg drohen, auch dann nicht, wenn ein bekannter hitzköpfiger Spinner wie Chavez damit anfängt.

Was man so über die Aktivitäten der De-Facto-Regierung in Honduras liest, gibt weiterhin wenig Anlass dazu, sich mit Christian Lüth und der Friedrich-Naumann-Stiftung auf ihre Seite zu stellen. Was da abläuft, ist keine Wiederherstellung von Rechtsstaat und Verfassung, sondern eine gewaltsame Machtübernahme und Abschaffung der Bürgerfreiheit, die offenbar von Rassisten und Nationalisten zumindest mitgetragen wird. Denn nur dadurch, dass sie von einigen Verfassungsorganen mitgetragen und unterzeichnet wird, ist eine gewaltsame Machtergreifung noch lange keine legitime Aktion.

Wobei natürlich kaum ein Widerspruch gegen die von Werner Hoyer und anderen Politikern der FDP augenblicklich vertretene Position möglich ist – auch, wenn sie teilweise recht verniedlichend daherkommt:

Die Tollpatschigkeit, mit der Parlament und Verfassungsgericht in Honduras glaubten, einen Konflikt zwischen Verfassungsorganen lösen zu können, hat ausgerechnet den wahrscheinlichen Urheber des Konflikts, den entmachteten Staatspräsidenten Mel Zelaya, zum Märtyrer gemacht. Das ist ebenso bedrückend wie gefährlich.

“Tollpatschigkeit”? Tollpatschig ist, wenn man versehentlich ein Wasserglas umstürzt. Wenn man Menschen erschießt, die Presse- und Versammlungsfreiheit abschafft und sehenden Auges einen Bürgerkrieg sowie internationale Kriege provoziert, ist das schon etwas mehr als tollpatschig.

Faust aufs Auge

Als die Friedrich-Naumann-Stiftung diese Broschüre auflegte, war der Titel noch originell.

Jetzt beschreibt er nur noch graue politische Realität.

Das die SPD nun ausgerechnet Unterstützung aus dieser Ecke (“Kulturprogramm”) bekommt, ist ohnehin Realsatire.

Still und heimlich

Und wo wurde dieser schwerwiegende Eingriff in die Grundrechte deutscher Bürger in unseren öffentlich-rechtlichen Qualitätsmedien diskutiert? Nach 23 Uhr im Kulturprogramm?

Das ist allmählich keine Demokratie mehr, sondern nur noch mieses Showbiz.

Lieber Ente als Sklave

Dem Abgeordneten des Europaparlaments Jo Leinen, also einer der Pappnasen, die ihr mit eurer Stimme legitimiert habt, gebührt der Dank aller “Euro-Skeptiker”. Seine goldenen Worte sollte sich jeder, der für die Begriffe Subsidiarität, Rechtsstaat und Demokratie etwas übrig hat, auf der Zunge zergehen lassen.

Er verwies darauf, dass nach dem Urteil die Übertragung von Befugnissen der nationalen Regierungen an die EU durch «dynamische Kompetenzklauseln» im «Lissabon-Vertrag» ohne ausdrückliche Zustimmung des Bundestages nicht mehr möglich sei. «Das ist eine Integrationsbremse», sagte Leinen. «Deutschland droht zur lahmen Ente und vom Musterknaben zum Nachzügler in der EU zu werden. Europa wird öfters auf Deutschland warten müssen.»

(aus Welt online)

Weiß der Kerl eigentlich, was er da sagt? Dass Geschwindigkeit vor Selbstbestimmung zu gehen habe? Lassen wir dabei mal außer Acht, dass Leinen den aus der US-Politik entlehnten Ausdruck “lame duck” entgegen seiner eigentlichen Bedeutung verwendet (auf eine “lame duck” wartet nämlich niemand). Aber dieses Verabsolutieren von Einheitlichkeit zu Lasten der demokratischen Mitbestimmung würde auch jedem potenziellen Diktator gut zu Gesicht stehen.

Die Partei des Herrn Leinen nenne ich hier absichtlich nicht, weil sie nichts zur Sache tut, denn ich bin davon überzeugt, dass er hier im Namen der überwältigenden Mehrheit seiner Kollegen spricht.

Nächste Seite »

Bad Behavior has blocked 1037 access attempts in the last 7 days.