Kein Orden der Rechtsstaatlichkeit

Was war ich stolz, als ich als kleiner Schuljunge für ein funktionierendes Schlußlicht am Fahrrad, eine laut hörbare Klingel und ein paar auswendig gelernte Vorfahrtsregeln die “Goldene Eins im Straßenverkehr” an die Brust geheftet bekam. Irgendwie muss mir damals schon bewusst gewesen sein, dass man mit der Straßenverkehrsordnung ein Stückchen Rechtsstaat in den DDR-Alltag gerettet hatte, das sich jetzt als Argument gegen die Einordnung der DDR als Unrechtsstaat anbringen lässt. So sieht das offenbar ein Kommentator im Tagesspiegel, wenn er schreibt:

Gewiss, das Familienrecht oder die Straßenverkehrsordnung machen aus der DDR noch keinen Rechtsstaat. Aber sie begrenzen die Unrechtsstaatlichkeit, die sie in Bezug auf das Große und Ganze ihrer Struktur kennzeichnete.

Die DDR hatte also etwas rechtsstaatliches, weil man sich in politisch unverfänglichen Spähren des Zivillebens rechtsstaatlich anmutender Institutionen bediente. Das ist etwa so rechtstaatlich wie die Festellung, dass Hausfrauen in der DDR, wenn sie denn genügend Eier kaufen konnten, Sonntag morgen die Wahl zwischen Spiegel- oder Rührei hatten, ohne diesbezüglich einer staatlichen Reglementierung ausgesetzt zu sein. Aus der bloßen Existenz einer unverfänglich erscheinenden Rechtsnorm eine Schlußfolgerung über ihre Anwendung im Alltag ableiten zu wollen, grenzt im Rückblick auf die DDR-Realität durchaus an den Versuch der Geschichtsklitterung, weiß man doch wie weit es die Staatorgane der DDR mit Auslegung der DDR-Gesetze trieben. Es mag sein, dass der eine oder andere im DDR-Alltag das Gefühl haben konnte, an der Straßenkreuzung sein Vorfahrtsrecht rechtmäßig in Anspruch zu nehmen, doch hat ihn die Straßenverkehrsordnung im Zweifel nicht davor bewahrt, kurz darauf wegen staatsfeindlicher Aktivitäten in öffentliche Verwahrung genommen zu werden.

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67 Kommentare zu “Kein Orden der Rechtsstaatlichkeit”

  1. R.A.
    20.05.2009 | 16:28

    Unglaublich.

    Seit die Schwan mit DDR-Verkitschung Wahlkampf betreibt, kommen immer mehr so strunzdummer (oder bewußt lügender?) Kommentare.

    Als ob die Straßenverkehrsordnung im Dritten Reich nicht gegolten hätte (sorry, aber hier muß der Nazivergleich einfach sein).

    Interessant übrigens, wie ihr Oberkommunist Gysi zustimmt:
    “Bei einer Diktatur könne man unterscheiden, ob die Ziele verbrecherisch seien oder nur die Methoden.”
    Heißt im Umkehrschluß: Wenn nur die Ziele “richtig” sind, hält Gysi Diktatur und verbrecherische Methoden für nicht so schlimm.

    Und dann:
    “In der DDR seien nicht alle Ziele von Anfang an verkehrt gewesen.”
    Ah so.
    Waren jetzt die Ziele “Abbau der Arbeitslosigkeit” oder “Autobahnbau” bei den Nazis von Anfang an verkehrt?

  2. googlehupf
    20.05.2009 | 16:48

    Ist doch prima, dann haben wir auf der Welt doch viel weniger Unrechtsstaaten als gedacht. Ich ruf gleich mal beim Freedom Index an, dass sie alles mal nicht so eng sehen sollen.

  3. R.A.
    20.05.2009 | 17:03

    dann haben wir auf der Welt doch viel weniger Unrechtsstaaten als gedacht.

    Noch besser: Nach Schwan hat es wohl auf der Welt überhaupt noch nie einen Unrechtsstaat gegeben.

  4. Boche
    20.05.2009 | 17:52

    Man muss das verstehen: Wenn man mit aller Macht einen Präsidenten durchsetzen möchte und dafür dummerweise die NPD bräuchte, und wenn man keine Skrupel hat, dann würde man eben das Relativieren braungefärbt beginnen.

  5. Colombia
    20.05.2009 | 19:21

    Die Formulierung “totaler Unrechtsstaat” (welcher ja immer benutzt wird in der Debatte) ist falsch. Es gibt nur Unrechtsstaat oder nicht Unrechtsstaat, genauso wie es z.B. nur Frieden oder keinen Frieden gibt (und keinen totalen Frieden).
    Ein Staat ist entweder ein Unrechtsstaat oder nicht. Vergleiche und Versuche von Abstufungen sind sinnlos, was natürlich nicht heisst, dass jeder Unrechtsstaat gleich ist/war.

  6. Buenavista
    20.05.2009 | 21:56

    Zwar ist der Begriff des Unrechtsstaats zumindest teilweise auch politisch definiert, dennoch halte ich Relativierungen in Bezug auf die DDR nicht für angebracht.

    Es mag in Unrechtsstaaten einen höheres oder niedrigeres Maß an Freiheit geben. Auf Kuba würde ich lieber leben wollen als in Nordkorea, dennoch sind beide Unrechtsstaaten.

    Auch im Dritten Reich gab es vermutlich Bereiche, in den vor Gericht “Recht” gesprochen wurde. Das ändert nicht das geringste.

    Die “Nostalgisierung” und klammheimliche Relativierung der Verhältnisse in der DDR sind mir höchst suspekt.

    Ich hatte Verwandte in der DDR und bin deshalb öfter dort gewesen. Ich erinnere mich noch heute lebhaft an diesen Seufzer der Erleichterung, wenn die Grenze in die Bundesrepublik wieder passiert war.

    Ich erinnere mich an die Panik im Gesicht eines Passanten, als ich ihn – im Westauto sitzend – nach dem Weg fragte.

    Wie man so schön sagt: Nein, es gibt nichts Richtiges im Falschen.

  7. 21.05.2009 | 9:08

    “Ich hatte Verwandte in der DDR und bin deshalb öfter dort gewesen. Ich erinnere mich noch heute lebhaft an diesen Seufzer der Erleichterung, wenn die Grenze in die Bundesrepublik wieder passiert war.”

    Ja das Gefühle kenne ich und ich war nur 13-18 Jahre alt. Im Augenblick sehe ich aber Deutschland auf den Weg zu einer neuen DDR.

    Wir werden bespitzelt, und unter Generalverdacht gestellt. Unsere Rechte sollen aus den fadenscheinigsten “guten” Gründen eingeschränkt werden. Die CDU möchte wohl die Partei Controlliere Deutschland Union werden. Mit Gedankenpolizei, gut-sprech und politischen Gefangenen.

    Das ich da wütend werde…

    Wenn kann es wundern….

  8. 21.05.2009 | 9:47

    @Friedrich:

    Aber es bleibt dir doch die Straßenverkehrsordnung, als Rückzugsinstanz der Rechtsstaatlichkeit. Also hab dich gefälligst nicht so. ;-)

  9. Buenavista
    22.05.2009 | 0:21

    Wie gesagt, ich finde diese Relativierung des DDR-Unrechtsstaates sehr verdächtig.

    Und machen wir uns nichts vor: Hätte es 1989 in Moskau ein “Umdenken” gegeben, dann hätte die DDR-Staatsführung die friedlichen Demos gewaltsam niedergeschlagen… die Lager waren ja offensichtlich schon bereit.

    Die 90er Jahre hätten auch ganz anders laufen können.

    Nicht Goodbye Lenin sondern Hello Stalin 2.0

  10. volesne
    22.05.2009 | 10:57

    die dämonisierung der ddr als unrechtsstaat – sie gehen in ihrem artikel ja noch weiter und ziehen die gesamte lebenswirklichkeit dort ins lächerliche – hilft niemanden, im gegenteil sie beleidigen einen grossen teil der ostdeutschen bevölkerung und verhindern dadurch ein zusammenleben in deutschland auf gleicher augenhöhe. sollten sie (aus freieheitlicher sicht) nicht lieber daran arbeiten endlich die innere vereinigung voranzutreiben.

  11. 22.05.2009 | 13:45

    Welcher “große Teil” könnte sich davon wohl beleidigt fühlen? SED-Genossen? IMs?

  12. volesne
    22.05.2009 | 18:25

    wendeverlierer?

  13. Buenavista
    22.05.2009 | 21:30

    @volesne

    Nein, umgekehrt wird ein Schuh daraus. Wer die DDR NICHT als Unrechtsstaat bezeichnet, beleidigt die Menschen, die gegen diesen Staat gekämpft haben, die bespitzelt, eingesperrt und an der Grenze erschossen wurden.

    Er beleidigt die, die im Herbst 1989 verdammt viel riskiert haben, um diesen Unrechtsstaat ein Ende zu bereiten.

    Er beleidigt alle, die – oft unter vielen Opfern – den aufrechten Ganz zumindest versucht haben.

    Da wird gar nichts “dämonisiert”, das war einfach so.

    Ein Staat der

    - seine Bürger erschießt, wenn sie ihn verlassen wollen

    - der seine Bürger einsperrt, wenn sie ihn verlassen wollen, und dann Lösegeld für sie nimmt

    - ein Staat, der kritischen jungen Menschen die Chance auf ein Studium und damit auf höherqualifizierte Berufe verwehrt

    - ein Staat, der oft genug Bürger dazu erpresste, Spitzel zu werden

    - ein Staat, der seinen Bürger jegliche freie wirtschaftliche Selbstbestimmung verwehrte (man hätte noch nicht mal selbständiger Bäcker sein dürfen)

    dieser Staat ist ein Unrechtsstaat, ganz ohne Dämonisierung.

    Und ihn nicht so zu nennen, beleidigt alle, die unter ihm gelitten haben.

    Eine “innere Vereinigung”, die derart Grundsätzliches leugnet oder unter den Tisch kehren will, auf die kann ich verzichten.

  14. Buenavista
    22.05.2009 | 21:32

    PS: Es gibt keine “Wendeverlierer” (von den SED-Bonzen und Stasi-Mitgliedern mal abgesehen.

    Jeder Hartz IV Empfänger in Ostdeutschland lebt heute besser (und freier sowieso) als in der alten DDR.

  15. 22.05.2009 | 21:47

    Jetzt wollte ich grad antworten, aber so gut wie Buenavista hätte ich das nicht hinbekommen.

  16. 22.05.2009 | 22:04

    Ich schließe mich Raysons Zustimmung unbedingt an, aber eine kleine Richtigstellung muss ich trotzdem anfügen: es gab in der DDR Bäckermeister und andere Handwerksmeister. Wie alle anderen Selbständigen wurden sie hoch besteuert (allerdings in Ost-Mark, die sowieso keiner haben wollte) und in ihrer Arbeit behindert. Aber zumindest ab 1980 hat die SED eingesehen, dass es doch sinnvoll sein kann, die Handwerker arbeiten zu lassen. Verstaatlicht wurden bis 1972 vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. Verstaatlicht wurden auch alle Unternehmen, deren Inhaber zu viel Freiheit wollten. Aber im Rahmen der DDR konnte sich ein Handwerker durchaus in einer Nische einrichten und mit sehr viel Arbeit zu einem gewissen Wohlstand kommen. Ich kann das deshalb sagen, weil ich in jungen Jahren selbst oft am Wochenende für Privatleute gearbeitet habe und weil die immer ordentlich bezahlt haben.

  17. 22.05.2009 | 22:08

    PS: man verzeihe mir den kleinen Seitenhieb, aber bei Leuten wie »volesne« unterstelle ich nach den Erfahrungen in den Diskussionen der letzten Tag von vornherein kein Verständnis für Selbständigkeit und Unternehmertum.

  18. Buenavista
    22.05.2009 | 22:11

    Da solltest du mal erleben, wenn ich RICHTIG sauer werde bei den DDR-Verstehern.

    Hier gehts eben nicht um unterschiedliche Auffassungen, wie eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft aussehen soll und wie man sie verbessern kann, sondern um wirklich Grundsätzliches.

    Selbst “Das Leben der anderen” war noch harmlos. Ich würde mir mal einen Film wünschen, der wirklich die ungeschminkte Realität in der DDR zeigt.

    Aber wir wollen ja nicht irgendwelche Befindlichkeiten stören.

    @stefanolix

    Danke, das war mir jetzt nicht so geläufig. Aber schon beim kleinen Restaurant wäre wohl Schluss gewesen, oder?

  19. Buenavista
    22.05.2009 | 22:16

    PS: Und einstellen durften die Selbständigen wohl keinen, oder ging das auch?

  20. volesne
    22.05.2009 | 23:16

    ich hatte nicht behauptet die ddr sei ein freiheitlicher rechtstaat gewesen!

    dass in den mainstream-medien (und davon möchten sie sich doch abheben) die ddr allein auf die stasi reduziert und als zweite diktatur nach dem dritten reich dargestellt wird, wird den lebensläufen der meisten ddr bürger nicht gerecht. und das nenne ich dämonisierung. stafanolix zeigt den weg.

    was halten sie davon endlich den artikel 146 gg umzusetzen (in meinem gg ist der noch enthalten):

    dieses grundgesetz verliert seine gültigkeit an dem tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die vom deutschen volke in freier entscheidung beschlossen worden ist.

    das würde sicher eine differenzierte und versachlichte diskussion fördern.

    p,s: sie werden es nicht glauben, aber ich bin freiberufler. (mit humanistischer ausbildung, vielleicht macht das ja den unterschied)

  21. volesne
    22.05.2009 | 23:58

    pps.: die regierung stellt den banken finanzmittel in doppelter höhe des bundeshaushaltes ohne parlamentarische kontrolle zur verfügung und verstösst damit gegen das grundgesetz. darf man deutschland jetzt auch einen unrechtstaat nennen?

  22. Buenavista
    23.05.2009 | 0:20

    @volesne

    “dass in den mainstream-medien (und davon möchten sie sich doch abheben) die ddr allein auf die stasi reduziert und als zweite diktatur nach dem dritten reich dargestellt wird, wird den lebensläufen der meisten ddr bürger nicht gerecht. und das nenne ich dämonisierung.

    Was hat die Tatsache, dass die DDR ein Unrechtsstaat war, mit den “Lebensläufen der meisten DDR-Bürger” zu tun?

  23. Buenavista
    23.05.2009 | 2:24

    Trotz später Stunde versuche ich mal selbst eine Antwort.

    Ich halte das Ganze nämlich für eine reichlich infame Argumentation und klammheimliche Rechtfertigung des SED-Regimes, nach dem Motto: Wenn die DDR ein Unrechtsstaat war, dann wäre das an der “Biografie” der meisten Menschen abzulesen gewesen. Man nimmt also die Menschen in ideologische Geiselhaft, nach dem Motto: Da das ja fast alles ganz anständige Leute waren, die in der DDR gelebt haben, kann auch das Regime so übel nicht gewesen sein, sonst… und dann folgt der drohende Umkehrschluss.

    Sehr infam, und mit Sicherheit die falsche Anbiederung an ehemalige DDR-Bürger. Frau Merkel sollte das eigentlich besser wissen und nicht so wachsweich um das Thema herumeiern.

  24. Buenavista
    23.05.2009 | 2:30

    @volesne

    “pps.: die regierung stellt den banken finanzmittel in doppelter höhe des bundeshaushaltes ohne parlamentarische kontrolle zur verfügung und verstösst damit gegen das grundgesetz. darf man deutschland jetzt auch einen unrechtstaat nennen?”

    Ja darf man, denn es unterscheidet einen Rechtsstaat von einem Unrechtsstaat, dass man diesen so nennen darf, wie man will, ohne deswegen im Knast zu landen.

    Nur trifft es eben nicht zu. Wenn die REgierung tatsächlich Dinge tut, die dem Grundgesetz widersprechen (was schon öfter vorgekommen ist), dann wird das unabhängige Bundesverfassungsgericht die Angelegenheit klären.

    Vielleicht sollten Sie wirklich mal darüber nachdenken, was ein Unrechtsstaat ist.

  25. Die Stimme aus dem Off
    23.05.2009 | 9:34

    Da fehlen mir die Worte. Die Straßenverkehrsordnung oder das Familienrecht werden jetzt schon bei der Diskussion über Rechtsstaatlichkeit der DDR angeführt.

    Mit dem Straßenverkehrsrecht wäre ich da aber sehr vorsichtig. Man bewegt sich schnell in die Nutzung der öffentlichen Straßen und ist damit schon wieder in einem Bereich der Überschneidung von Straßenrecht und Straßenverkehrsrecht, gelangt damit schon wieder bei den “Klassikern” der Juristerei an, wie dem Flugblattverteilen oder dem (wie auch immer eingeschränkten oder gesteigerten) Gebrauch der Anlieger einer Straße.

    Ich bin mir sehr sicher, dass in Bezug auf die Nutzungen der öffentllichen Straßen in der DDR alles andere als rechtsstaatlich zuging.

    Zum Thema Familienrecht kenne ich mich nicht so genau aus, wage aber auch zu bezweifeln, dass da alles wirklich in Ordnung war. Man müsste sich mal mit Scheidungsfällen von SED Bonzen beschäftigen oder mit Adoptionen und Heimunterbringungen.

    So ganz werden diese Rechtsgebiete nicht frei von Unrecht gewesen sein.

  26. volesne
    23.05.2009 | 10:16

    @buenavista

    sie sind emotional sehr stark in dieses thema eingebunden. das schränkt ihre wahrnehmungsfähikeit ein. das verstehe ich. für mich bedeutet das: ich muss viel einfachere sätze bauen. nur so kann ich ihnen meine argumente zugänglich machen.

    nochmal: ich sage nicht, dass die ddr kein unrechtsstaat war.

    ich behaupte: die mainstream-medien zeichnen ein unvollständiges bild der ddr. allein die repressionen gegen die bürger werden dort zum thema gemacht. die ddr wird als zweite deutsche diktatur nach dem dritten reich dargestellt (wie auch hier geschehen, z.b.: r.a.). diese darstellung wird den biographien der meisten ddr-bürger nicht gerecht. positive aspekte ihres lebens finden sie dort nicht wieder. ihre vergangenheit wird dadurch entwertet. das ist ein wesentlicher grund dafür, dass die innere einheit auch nach 20 jahren noch nicht gelungen ist.

    ich schlage vor: dem deutschen volk soll die möglichkeit gegeben werden, sich eine verfassung zu geben (artikel 146 gg). das wird den diskurs über die ddr differenzieren und versachlichen und die innere einheit vorantreiben. und das wollen wir doch alle.

    @stefanolix

    wenn er’s jetzt immer noch nicht rafft erklären sie’s ihm.

  27. 23.05.2009 | 14:51

    die ddr wird als zweite deutsche diktatur nach dem dritten reich dargestellt (wie auch hier geschehen, z.b.: r.a.). diese darstellung wird den biographien der meisten ddr-bürger nicht gerecht. positive aspekte ihres lebens finden sie dort nicht wieder.

    Das ist ebenso absurd wie infam. Die DDR war selbstverständlich eine Diktatur, und dieser Umstand hat mit den Biographien der Einwohner nichts, aber auch gar nichts zu tun. Dass auch gelebt, geschuftet, gespielt und geliebt wurde, stimmt für die DDR ebenso wie für die Zeit des Nazi-Regimes, ändert aber nichts an der Bewertung des Staates und der Taten seiner Handlanger.

    Ich kann Buenavista nur zustimmen: Der Versuch, nachträglich eine Identität zwischen Bürgern und SED-Regime herzustellen, ist schäbig.

    Die Notwendigkeit einer neuen Verfassung besteht nicht. Das Grundgesetz war offensichtlich attraktiv genug, dass die Menschen in den Neuen Bundesländern ihm beitreten wollten, und es ist, was auch die Umfragen anlässlich des Geburtstages andeuten, in Ost wie West gleichermaßen geschätzt und anerkannt.

  28. R.A.
    23.05.2009 | 15:59

    @volesne:

    sie sind emotional sehr stark in dieses thema eingebunden.

    Das zeigt, daß Buenavista (im Gegensatz zu Dir) noch über ein klare moralische Orientierung verfügt.

    ich muss viel einfachere sätze bauen

    Quatsch. Und zwar beleidigender Quatsch.
    Du bekommst für Deine abstrusen Behauptungen Kontra WEIL sie ganz genau verstanden werden.

    nochmal: ich sage nicht, dass die ddr kein unrechtsstaat war.

    Gelogen.
    Oben beginnst Du die Diskussion damit, daß Du von “Dämonisierung” redest, weil die DDR als Unrechtsstaat bezeichnet wird.

    ich behaupte: die mainstream-medien zeichnen ein unvollständiges bild der ddr

    Ein zu positives …

    allein die repressionen gegen die bürger werden dort zum thema gemacht

    Unfug. Im Gegenteil ist davon eher selten die Rede – die Folgen sieht man ja z. B. an der historischen Unbildung von Schülern.

    die ddr wird als zweite deutsche diktatur nach dem dritten reich dargestellt

    Was eben genau der Fall ist.
    Das abzuleugnen ist lächerlich.

    diese darstellung wird den biographien der meisten ddr-bürger nicht gerecht

    Eine infame Verzerrung: Die Masse der DDR-Bürger (also die Opfer der Diktatur) sollen damit in Zwangssolidarität mit den Tätern genommen werden.
    Den “Biographien der meisten DDR-Bürger” wird man im Gegenteil nur gerecht, wenn man deutlich sagt, wie sehr sie von der SED-Diktatur um einen Teil ihres Lebens und ihrer Chancen betrogen wurden.

    dem deutschen volk soll die möglichkeit gegeben werden, sich eine verfassung zu geben

    Nette Idee, eher überflüssig (weil gegenüber dem GG-Text wenig Änderungsbedarf besteht) – und auf jeden Fall hat das nichts mit dem Thema zu tun.

    das wird den diskurs über die ddr differenzieren

    Mumpitz.
    Wenn man über eine neue Verfassung diskutieren würde, dann wären irgendwelche Diskurse über vergangene Dikaturen völlig fehl am Platze.
    Und auch in einer neuen Verfassung würde kein Satz stehen, der das DDR-Unrecht irgendwie relativiert.

  29. volesne
    23.05.2009 | 18:48

    ich will mich explizit nicht an die hier geltenden blogregeln halten.

    @buenavista

    ich wollte sie nicht beleidigen. wenn sie meinen letzten post so verstehen, möchte ich mich entschuldigen. der hinweis auf den zusammenhang zwischen emotionen und wahrnehmung war aber ernst gemeint. sie sollten ihn auch überdenken.

    @rayson

    wenn sie die ddr auf diese art mit dem dritten reich vergleichen, relativeren sie den von beginn an in der nazi-ideologie angelegten systematischen genozid an den juden auf’s bedenklichste, und verhöhnen zugleich die menschen, die nach dem krieg bewusst einen anderen weg gehen wollten, als die bundesrepublik es tat, und unterstellen, dass sie den “unrechtstaat” von beginn geplant haben. wollen sie das wirklich?

    @r.a.

    sie werden verstehen, dass ich nicht jede absurdität kommentiere. aber für sie gilt das gleiche wie für buenavista: wenn einmal lesen nicht reicht, um eine argumentation zu erfassen, dann müssen sie das post mehrmals lesen. ich mach’s genauso.

    ich bin natürlich dafür, geschehenes unrecht deutlich zu bennenen und auch strafrechtlich, so weit möglich, zu verfolgen. wenn aber kein positiver aspekt an der ddr gelassen wird. wo soll sich sich da z.b. die kindergärtnerin, die überzeugt ist mit ihrer arbeit etwas positives geleistet zu haben, in ihrem bild wiederfinden. ich denke, gerade dadurch werfen sie alle in einen topf.

    @stefanolix

    ich kann nicht glauben, dass sie die hier gezeichneten einstellungen teilen.

    im übrigen wurde meiner bewertung, dass mit diesem artikel der inneren einheit entgegengewirkt wird, bisher nicht widersprochen.

    p.s.: bissig? doch wohl eher verbissen. liberal? doch wohl eher national. ohne gnade? ja.

  30. 23.05.2009 | 21:25

    Zum Thema Diktatur: Die DDR nannte ihre eigene Staatsform »Diktatur des Proletariats«. In der Praxis war es eine Diktatur der SED und im Grunde die Diktatur einer kleinen Clique von Funktionären. Und als Diktatur hat dieser Staat auch funktioniert: vom Schießbefehl bis zur weitgehenden Lenkung der Wirtschaft. Ich achte schon sehr genau darauf, dass die DDR differenziert beurteilt wird.

    Die Kindergärtnerinnen wurden in der DDR sehr ideologisch ausgebildet (sie gehörten zum Bildungssystem), die Kinderkrippenerzieherinnen an einer medizinischen Fachschule. Viele einzelne Vertreterinnen beider Berufe sind mit den Kindern anständig umgegangen, aber das war ihre persönliche Berufsethik und nicht im Sinne der SED-Führung. Die politisch-ideologischen Erziehungsziele waren eindeutig und sie sind ja glücklicherweise für die Nachwelt dokumentiert.

    Ich gehe mit dem »wir« sehr zurückhaltend um, wenn es meine Blog-Kollegen einbezieht. Aber an dieser Stelle ist es vielleicht angemessen: Uns ist das Grundgesetz in der jetzigen Form sehr viel wert (und an so einem Tag wie heute darf man vielleicht das Wort Verfassungspatriotismus anklingen lassen). Deutschland hatte noch nie eine bessere Verfassung. Es wäre deshalb ein großer Fehler, die ganze Verfassung neu zu verfassen. Es würde mit Sicherheit keine bessere Verfassung entstehen.

    Mir persönlich ist die Verfassung wichtiger als die Nation und ich stelle »liberal« über »national«.

    @volesne: Es ist grundsätzlich in Ordnung, wenn keiner einen anderen beleidigen will. Aber ich kann nicht sehen, dass Buenavista emotional (im Sinne von unsachlich oder im Gegensatz zu differenziert) reagiert hätte. Und für »volesne« noch mal ganz persönlich: in der Abkürzung B.L.O.G und in ihrer Unterzeile stecken auch Ironie und Hintersinn.

  31. Buenavista
    23.05.2009 | 21:29

    @volesne

    Eigentlich sollte ich Ihnen dankbar sein, denn Sie erinnern mich daran, warum ich – trotz vieler Meinungsverschiedenheiten – hier kommentiere und nicht woanders.

    Was meine „Emotionen“ betrifft: Ach, so doll sind die nicht. Emotioal dürften wohl eher die Menschen sein, die in der DDR bespitzelt, eingesperrt und um ihre freie Entfaltung gebracht wurden. Musiker, die nicht singen durften, Autoren, die nicht schreiben durften usw.

    Ich könnte Ihnen auch die Geschichte von meiner Cousine erzählen, die sich im Fach „Staatsbürgerkunde“ eine eigene Meinung leistete und die „Jugendweihe“ als Brimborium bezeichnete. Die Konsequenz war, dass man ihr unmissverständlich klarmachte, dass sie – trotz exzellenter Noten – nie und nichts würde studieren dürfen. Darauf schrieb sie an Honecker, und flog drei Wochen vor dem Abitur von der Schule.

    Entschuldigung, das ist Ihnen vermutlich schon wieder zu emotional. Lieber verweisen wir da auf die Kindergärtnerin, die wir möglichst vor einer vielleicht unangenehmen Auseinandersetzung mit der Tatsache bewahren wollen, dass schon im Kindergarten Kinder zum Bespitzeln ihrer Eltern angehalten wurden, und dass viele Lehrer/innen so unschuldig nicht waren. Selbstredend gab es jede Menge Menschen, die sich ihre Integrität bewahren wollten und manchmal auch konnten. Aber mit 99% Regimegegnern kann man auch keine Diktatur betreiben.

    Und ja, die DDR war eine glasklare, eiskalte Diktatur. Dass sie dabei keine 6 Millionen Juden umgebracht hat, ändert daran gar nichts, und es relativiert und verharmlost auch das Dritte Reich nicht. Auch dies ist eine infame Unterstellung.

    Ach ja, 1945 wollten viele in Ostdeutschland den „besseren“ Staat errichten. Das war vielleicht bei einigen so, aber gerade die „integren“ Intellektuellen haben sehr schnell Verrat an der Freiheit geübt. Ich erinnere nur an Anna Seghers, die es hätte besser wissen müssen. Und was die in Moskau geschulten Politiker wollten, war bestimmt nicht das, was ich als das bessere Deutschland bezeichnen würde.

    Die wollten und schufen eine Diktatur, in der es weder freie Wahlen noch freie Presse, freies Reisen, freie Berufswahl und überhaupt verdammt wenig Freiheit gab. Aber dafür durfte man sich ja an der Ostsee nackig machen und beim Dekor der Blümchentapete machte die Partei auch keine Vorschriften.

    Wir hatten natürlich in der alten Bundesrepublik das Glück, dass uns nicht Entscheidungen wie in der DDR abverlangt wurden, nämlich Täter, Mittäter, Mitläufer, Schweiger oder Dissidenten zu sein. Aber es hat in der DDR nun mal verdammt viele Mitläufer und auch Denunzianten gegeben, und daneben verdammt mutige Menschen, denen mein ganzer Respekt gilt.

    Das System der DDR klammheimlich „rehabilitieren“ zu wollen, damit die arme Kindergärtnerin nicht über ihr Leben nachdenken muss? Nein danke.

    Ein Satz zum Grundgesetz. Das wird mir jetzt schon zu häufig geändert. Eine neue Verfassung aber braucht kein Mensch, schon deshalb nicht, weil heute vermutlich ein bürokratisches Monstrum wie die EU-Verfassung dabei herauskäme.

  32. 23.05.2009 | 22:00

    “Ich kann das deshalb sagen, weil ich in jungen Jahren selbst oft am Wochenende für Privatleute gearbeitet habe und weil die immer ordentlich bezahlt haben.”

    Nun es gab da eine wenn ich es mal so sagen darf, florierenden “schwarzen” Markt. Von wegen ich mach Dir das und das und dafür machts Du mir das oder besorgst mir xy….

    Aber wenn ich an die aktuelle Kamera denke mit der soundovielten Übererfüllung eines 5-Jahre Plans…. Mit den “Helden der Arbeit” und so….

    Dann schüttelt es mich einerseits aber ein gewisses Schmunzeln kann ich mir dann nicht verkneifen. Die Leute waren ja nicht blöd und eigentlich ein ziemlich vorbildlich mit Mangel umzugehen…. Was aber nichts am Status des Unrechtstaates etwas ändert….

  33. 23.05.2009 | 22:21

    @Friedrich: Es gab keinen wirklich schwarzen Markt, sondern es gab einfach einen tolerierten Markt. Ohne diesen Markt und ohne die Eigeninitiative wären viele alte Häuser zusammengefallen und viele neue private Häuser nie gebaut worden. Die DDR-Führung hat das zynisch-pragmatisch gesehen: wenn die Leute nebenbei arbeiten gehen und tauschen, haben sie wenigstens etwas zu tun und befassen sich nicht mit Politik. Allerdings war das alles »Freiheit unter Vorbehalt«.

    Buenavista fragte, ob Handwerker auch Mitarbeiter haben durften. Ja, Handwerker hatten Gesellen und andere Mitarbeiter. Aber offiziell wurden schon sogenannte »Dienstleistungskombinate« aufgebaut, in denen z.B. Schuhe repariert oder Textilien gereinigt werden sollten. Würde es die DDR heute noch geben, hätte sie dem Handwerk vielleicht doch den Garaus gemacht. Man weiß es nicht …

  34. 24.05.2009 | 0:32

    @volesne

    Ui, da muss aber bei dir schon sehr der argumentative Notstand ausgebrochen sein, wenn du die Benennung von Gemeinsamkeiten mit dem unsäglichen “Vergleich”-Verdikt verhindern willst. Aber ich habe heute meinen großzügigen Tag und teile deshalb ein Geheimnis mit dir: Um als Unrechtsstaat und Diktatur zu gelten, muss ein Staat nicht unbedingt einen Völkermord begehen.

  35. volesne
    24.05.2009 | 1:15

    @stefanolix

    vielen dank für die persönlichen einblicke, die ich als “wessi” so nicht haben kann. sie haben mich entwaffnet.

    ich fasse also zusammen: die ddr hat in vierzig jahren nichts hervorgebracht, das es in die zukunft mitzunehmen wert wäre. wenn jemand etwas anderes behauptet ist er ein SED-funktionär, stasi-spitzel oder ddr-versteher, kurz ein kommunist.
    (haben sie das so auch ihren eltern und grosseltern schon erzählt)

    ja, demnach habe ich ein verklärtes bild von der ddr, ist es umgekehrt aber nicht auch sehr wahrscheinlich, dass sie ebenso ein verklärtes bild von der brd haben?

    @rayson

    mal schön den ball flach halten.
    ich habe die these verteten, dass die ddr in den medien als zweite diktatur nach dem dritten reich dargestellt wird. in ihrer antwort haben sie bekräftigt, dass die ddr eine diktatur gewesen sei, um im nächsten satz die gemeinsamkeiten des alltagslebens zwischen ddr und dritten reich zu bennenen. was ist das anderes als ein vergleich.
    aber keine angst, sie kommen deswegen nicht in die hölle.

  36. Buenavista
    24.05.2009 | 2:09

    @volesne

    Können oder wollen Sie nichts verstehen? Wir reden hier vom politischen System der DDR, vom Staatswesen DDR, nicht von den Errungenschaften der darin lebenden Menschen.

    Wer bestreitet denn letztere? Auch im Dritten Reich haben die Menschen Wertvolles, Sinnvolles, Nützliches geschaffen, die Sowjetunion hat den ersten Satelliten ins All geschossen.

    Aber darum geht es doch nicht.

    Oh, und beim Alltagsleben in Diktaturen gibt es sehr wohl Parallelen, vom Rückzug ins Private zur inneren Emigration, aber auch hin zu Denunzianten- und Mitläufertum.

  37. Buenavista
    24.05.2009 | 2:11

    ich habe die these verteten, dass die ddr in den medien als zweite diktatur nach dem dritten reich dargestellt wird.

    Ja, und was war die DDR denn Ihrer Meinung nach? Warum war die DDR denn keine Diktatur?

  38. Buenavista
    24.05.2009 | 2:20

    Aber noch ein aktuelleres Beispiel. Auf Kuba kann man die Segnungen einer sozialistischen Diktatur noch live verfolgen. Und da gibt es haufenweise Leute, die das “kostenlose” Gesundheitssystem Kubas rühmen. Bis in die späten 80er Jahre war das sogar wirklich gut, heute gibt es längst ein Zweiklassensystem.

    Aber das tolle kostenlose Gesundheitssystem, das wäre doch was, das man übernehmen könnte, als Errungenschaft einer sozialistischen Diktatur?

    Wenn der Staat allerdings den Menschen für Vollzeitarbeit nur noch zehn Euro im Monat bezahlt, wenn Menschen, die für internationale Firmen arbeiten, de facto mit 97% Steuern enteignet werden, wie “kostenlos” sind diese Errungenschaften?

    Wer also etwas “mitnehmen” will aus der alten DDR, der sollte nicht vergessen, womit es bezahlt wurde.

    Also gut, das Sandmännchen nehmen wir.

  39. volesne
    24.05.2009 | 2:42

    @buenavista

    ich habe klar gesagt worum es mir geht. ich finde den artikel nicht in ordnung, da er meiner meinung nach der inneren vereinigung entgegenwirkt. und habe dann die these aufgestellt (in letzter diktion): wenn den menschen etwas belassen würde, was sie in die zukunft mitnehmen können (womit sie sich identifizieren können), würde auch die innere einheit gestärkt.

    eine von ihnen eingebrachte these kann ich nicht finden. zuletzt wollten sie zwischen dem staat und den bürgern trennen? dem kann ich nicht folgen.

    Sandmännchen … wenn sie weiter nachdenken fällt ihnen bestimmt noch mehr ein.

    warum kommentieren sie hier lieber als woanders? kann ich mir vielleicht zu eigen machen.

  40. Buenavista
    24.05.2009 | 4:20

    wenn den menschen etwas belassen würde, was sie in die zukunft mitnehmen können (womit sie sich identifizieren können)

    Was nehme ich den Menschen denn weg?

  41. 24.05.2009 | 7:03

    Ich fasse noch mal geduldig zusammen: die DDR hat sich selbst als Diktatur bezeichnet und somit gibt es keinen Grund, dass wir sie nicht als Diktatur einstufen können. Es gibt unterschiedlich ausgeprägte Arten von Diktaturen. Die Verbrechen der NS-Diktatur sind zweifellos singulär. Aber eine genaue Untersuchung der Wirkmechanismen von Diktaturen ist legitim.

    Die DDR hat bei der Wiedervereinigung Millionen Menschen eingebracht, die sich unter der Diktatur des Proletariats Eigenschaften wie Demokratiefähigkeit, Menschlichkeit, Leistungsmotivation bewahrt haben. Darunter waren viele Menschen, die sich in der DDR einfach eine Nische gesucht haben und mit Politik nichts zu tun haben wollten. Darunter waren wenige Dissidenten. Darunter waren auch einige lernwillige und lernfähige Mitglieder der SED.

    Nach meinen Maßstäben ist es niemandem verboten, sich in eine Nische zurückzuziehen, niemand kann zum aktiven Widerstand gezwungen werden und das Umdenken ist nur in freier Selbstbestimmung möglich.

    Diese Millionen Menschen brauchen zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung keine neue Verfassung, in der irgendwelche Errungenschaften der DDR »belassen« werden. Sie haben alle aus der DDR individuell das mitgenommen, was sie für richtig hielten.

    Wenn A einen Gegenstand kritisiert, unterstellt B dem A die totale Abwertung des Gegenstandes — diesen Versuch einer Diskussionsverlagerung oder Diskussionsverweigerung kenne ich von Kindern und Jugendlichen. Ich habe meinen Kindern immer davon abgeraten. Manchmal ist es besser, eine Pause einzulegen und noch mal nachzudenken.

  42. volesne
    24.05.2009 | 11:07

    @stefanolix

    diskussionsverweigerung können sie mir wahrlich nicht vorwerfen.

    ich habe nicht behauptet, die ddr sei keine diktatur gewesen. ich habe einzig geasgt man könne die ddr-diktatur nicht mit der nazi-diktatur vergleichen.

    ich stelle fest: meine behauptungen, der artikel ziehe die lebenswirklichkeit ins lächerliche und wirkt somit der inneren vereinigung entgegen, bleiben weiterhin unwidersrochen. sie sind mit keinem satz auf auf den begriff innere einheit eingegangen, wieso eigentlich nicht?

    ihr bundeshotte hat ihnen erst gestern einen driftigen grund für eine neue verfassung gegeben (wenn er es wahrscheinlich auch nicht so gemeint hat): die verankerung eine starken plebiszitären elements.

    bezüglich der “freien selbstbestimmung” sollten sich die letzten ergebnisse der hirnforschung ansehen. kein ernstzunehmender forscher gesteht uns den noch (uneingeschränkt) zu.

    ich bemerke, die artikelproduktion hat in den letzten tagen doch merklich abgenommen. sollten sie nun genauer darüber nachdenken, wie diese wirken, ist ja schon was gewonnen.

  43. R.A.
    24.05.2009 | 11:09

    @volesne:

    sie werden verstehen, dass ich nicht jede absurdität kommentiere.

    Natürlich verstehe ich, daß Du die eigenen Beiträge nicht kommentierst.

    Aber es ist schon bezeichnend für einen gewissen “Argumentations”-Stil, wie Du relevante Punkte ignorierst, andere mißverstehst, um dann immer wieder Strohmänner aufzubauen.

    Als zentrales Beispiel:

    wenn aber kein positiver aspekt an der ddr gelassen wird.

    Davon war überhaupt nie die Rede.
    Die DDR war eine Diktatur und sie war ein Unrechtsstaat. Das ist klar nachweisbar und es ist mehr als befremdlich, wenn man das bestreitet.

    Aber niemand hier (und m. W. auch niemand in den Medien oder der Politik) hat jemals behauptet, es hätte in der DDR keine positiven Aspekte gegeben.

    Nur haben diese positiven Aspekte eben nichts mit der Diktatur-Diskussion zu tun. Was die Menschen TROTZ der SED-Schikanen erreicht und in ihrem Leben positiv gestaltet haben, ändert am negativen Urteil über das Regime überhaupt nichts und gehört deswegen nicht in eine Diskussion über die Frage des Unrechtsstaats.

  44. volesne
    24.05.2009 | 12:21

    männer, sie sollten unbedingt mal mit r.a. sprechen, er schadet ihrem blog, indem das niveau hier dermassen nach unten zieht.

  45. Colombia
    24.05.2009 | 12:39

    Also langsam gleitet es ins Trollige ab…

  46. 24.05.2009 | 13:14

    @volesne: Wir sind hier sehr tolerant und (meist) geduldig. Diskussionsbeiträge sind ausdrücklich auch dann willkommen, wenn sie durchdachten Widerspruch enthalten. Aber wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen.

    In Steffens Artikel wird nicht der Anspruch erhoben, die komplexen Zusammenhänge um Recht und Unrecht in der DDR erklären zu können. Das hat der Artikel mit manchem Leitartikel und mancher Glosse in unseren Zeitungen gemeinsam.

    Horst Köhler können Sie als »Bundeshotte« bezeichnen, das sagt mehr über Sie als über den Bundespräsidenten aus. Aber Sie sollten sich vielleicht über die Umfragen informieren, bevor Sie ein Plebiszit vorschlagen: bei einer Direktwahl hätte nämlich Horst Köhler eine ganz klare Mehrheit bekommen. Eine ganz kleine Minderheit wäre dafür gewesen, dass Gesine Schwan Bundespräsidentin wird.

  47. volesne
    24.05.2009 | 13:47

    nochmal: zu meiner these, dieser artikel wirkt der inneren vereinigung entgegen hab ich bisher nichts lesen können.

    nicht, die innere vereinigung ist bereits vollzogen und alles ist gut.
    nicht, die innere vereinigung ist nicht möglich, das wird sich biologisch lösen.
    nicht, die innere vereinigung könnte durch die angleichung von löhnen und renten an das westniveau viel besser befördert werden.
    nicht, die innere vereinigung ist nur möglich, wenn sich die ostdeutschen assimilieren.

    nichts dergleichen.

    nein, sie lesen die schlagworte dämonisierung der ddr als unrechtstaat, und gehen los wie zäpfchen.

    @stefanolix
    wenn sie unter plebiszitäre elemente nichts anderes als die direkte wahl des bundespräsidenten vorstellen können, sollten sie ihr demokratieverständnis überprüfen.

  48. 24.05.2009 | 14:15

    Die innere Vereinigung wird wohl kaum durch einen Artikel auf unserem Blog beeinflusst werden … Hier schreiben Blogger mit unterschiedlichen Biografien: einige haben die DDR noch selbst erlebt, andere sind im Westen aufgewachsen. Wir hätten uns ohne Wiedervereinigung nicht in einem Blog zusammengefunden und wir wirken der inneren Vereinigung natürlich nicht entgegen.

    Ich weiß nicht, was »innere Vereinigung« genau ausdrücken soll. Deutschland ist föderal aufgebaut und es gibt in einer Föderation natürlich unterschiedliche Lebensverhältnisse. Während es in den USA niemandem wehtut, dass in San Francisco andere Lebensverhältnisse als in der tiefsten Provinz von Minnesota herrschen, wird hier bei uns der Unterschied viel zu oft negativ besetzt.

    In einem föderalen Staat muss es Unterschiede geben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde ein wirtschaftlich gut situierter Oberbayer mit einem wirtschaftlich gut situierten Friesen überhaupt nicht tauschen wollen.

    Wem es aber in München besser gefällt als in Dresden, der sollte alles daransetzen, dass er in München einen Arbeitsplatz und eine Wohnung findet. Es kann auch in Dresden etwas für die Verbesserung seiner Lebensumstände tun oder ins Umland Dresdens ziehen, um dort günstiger zu leben.

    Unabhängig davon, ob er mal als »Ossi« oder als »Wessi« geboren wurde: Sollte er mit all seinen Bemühungen scheitern, wird er durch ein soziales Netz aufgefangen, das man sicher in einzelnen Punkten kritisch betrachten kann — das aber funktioniert. Er wird auch als Arbeitsloser eine vorbildliche medizinische Betreuung bekommen, eine Wohnung halten können und Geld für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung haben.

    Das ist doch schon ein ganzes Stück »innere Einheit«.

  49. 24.05.2009 | 18:55

    @volesne

    ich habe nicht behauptet, die ddr sei keine diktatur gewesen. ich habe einzig geasgt man könne die ddr-diktatur nicht mit der nazi-diktatur vergleichen.

    Natürlich kann man das. Man kann sie allerdings kaum gleichsetzen, und das aus vielen verschiedenen Gründen nicht, was aber wiederum durch das Aufzeigen von Parallelen auch nicht geschieht.

    männer, sie sollten unbedingt mal mit r.a. sprechen, er schadet ihrem blog, indem das niveau hier dermassen nach unten zieht

    Ich unterschreibe R.A.s letzten Kommentar Wort für Wort.

    nicht, die innere vereinigung ist nur möglich, wenn sich die ostdeutschen assimilieren.

    Ich werde den Eindruck nicht los, als ob für dich “die Ostdeutschen” nur eine Manövriermasse sind, um dem SED-Regime nachträglich Legitimität zu verleihen. Ich habe einige Ostdeutsche kennen gelernt, die heute im Westen leben, und dabei handelt es sich in jedem Fall um Menschen, die meinen ganzen Respekt haben für das, was sie aus ihrem Leben gemacht haben. Drei davon, an die ich hier besonders denke (und Boche, den ich als einzigen der B.L.O.G.ger auch im echten Leben kenne, ist einer davon), haben ihre vorgeblich schlechtere Ausgangsposition nicht etwa beklagt, sondern als Konsequenz daraus eben Dinge getan, die ein stinknormaler Wessi empört als Zumutung von sich gewiesen hätte, und sich dadurch nicht nur beruflich, sondern auch als Persönlichkeit deutlich profilieren können. Einer davon ist sogar als eine Art Flucht vor den Drangsalierern des SED-Regimes jahrelang für die DDR-Handelsmarine zur See gefahren und hat dann, als die Mauer fiel, mal eben schnell BWL studiert (und die besser kapiert als 90% der Wessis) – ich brauche hoffentlich niemandem zu erzählen, was das für ein selbstbewusster, intelligenter Typ ist, der zudem noch eine besondere Menschenkenntnis mitbringt. Alle drei stehen auch als Familienväter voll im Leben. Das sind Menschen und Biografien, vor denen ich meinen nicht vorhandenen Hut ziehe.

    Kein Ostdeutscher muss sich “assimilieren”. Im Gegenteil: Diese drei Beispiele handeln von Menschen, die Dinge getan haben, die im Westen als ungewöhnlich gelten. Sie zeigen, dass diese Gesellschaft tatsächlich durch die Ostdeutschen bereichert wird, und sie künden vom Triumph des Einzelnen über die Sozialingenieure in Ost und West, die ihn am liebsten in Standard-Raster pressen wollten und heute noch wollen.

  50. Buenavista
    24.05.2009 | 21:00

    Ich hab noch eine Geschichte. Es war Frühling 1989, die DDR-Bürger hatten gerade das letzte Mal gefaltet… pardon gewählt, Krenz hatte in besonders peinlicher Weise die Ergebnisse gefälscht, da war ich an einem sonnigen Tag in einem Buchladen in Ostberlin, um den Zwangsumtausch zu verbraten. Da fiel mir einen sehr schönes dünnes Buch auf, rotes Leinen mit Goldprägung auf dem Cover… die DDR-Verfassung. Kostete glaube ich 3 Ostmark. Die nimmst du mit, dachte ich.

    An der Kasse dann tippt die Kassiererin die Beträge der anderen Bücher ein, nimmt dann das schöne rote in die Hand und sagt dann laut und vernehmlich: “Und einmal das Märchenbuch!”

    Alle Umstehenden grinsten.

    An dem Tag dachte ich das erste Mal: Das geht nicht mehr lange mit der DDR.

  51. volesne
    25.05.2009 | 10:21

    @stefanolix

    “es gibt in einer Föderation natürlich unterschiedliche Lebensverhältnisse”

    nur kurz dazu:

    Art. 106 [3] Ziff. 2 GG: (es geht da um die verteilung steuern)

    “die deckungsbedürfnisse des bundes und der länder sind so aufeinander abzustimmen, dass ein billiger ausgleich erzielt, eine überlastung der steuerpflichtigen vermieden und die einheitlichkeit der lebenverhältnisse gewahrt wird”

  52. 25.05.2009 | 13:48

    Okay, I’ll bite:

    Warum eigentlich die 106 und nicht die 72? Dort wird doch bereits die berühmte “Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse” festgelegt. Gleichwertigkeit bedeutet nicht, dass es keine unterschiedliche Lebensverhältnisse geben darf sondern nur, dass die Unterschiede nicht zu stark werden dürfen. Daraus folgt, dass der Bund Gesetze erlassen darf um zu starke Missverhältnisse anzugleichen. Aber wo fängt das an wo hört das auf? Da macht das GG fast keine Vorgaben.
    Aber wo wir dann bei der 106 sind: Was willst du uns damit sagen? Dass z.B. die jetzigen Regelungen z.B. zur Erhebung von Gemeindesteuern verfassungswidrig sind weil damit die Einheitlichkeit verletzt wird? Kontext?

    Aber ich frage mich sowieso was das mit dem Thema hier zu tun hat. Oder wolltest du dich einfach an einer Aussage von stefanolix aufreiben? Geschenkt.

  53. 25.05.2009 | 14:48

    Wenn man gleichzeitig einen Ausgleich erzielen, eine Überlastung der Steuerpflichtigen vermeiden und die Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse wahren will, dann entsteht ein gesamtgesellschaftlicher Zielkonflikt. Also kann man allenfalls eine grundsätzliche Gleichwertigkeit, aber weder Gleichheit noch Einheitlichkeit erreichen.

  54. 25.05.2009 | 17:01

    Zielkonflikte? Ich dachte es geht “vorwärts immer”. ;)

  55. 25.05.2009 | 17:10

    Ja, und den Sozialismus in seinem Lauf …

    Ich meine, dass volesne bisher nicht schlüssig darstellen konnte, was denn überhaupt an unserem Grundgesetz geändert werden soll und was »innere Vereinigung« überhaupt bedeutet. Es ist zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung nicht mehr sinnvoll, darüber zu diskutieren, was die DDR-Bürger in das wiedervereinigte Deutschland »mitnehmen« sollen. Die DDR gibt es nicht mehr und wir werden hoffentlich nie wieder einen ähnlichen Staat haben.

  56. volesne
    25.05.2009 | 18:46

    @googlehupf

    natürlich “vorwärts immer” – “wachstum, wachstum, wachstum” – sonst funktioniert ja ihr system nicht.

    @stefanolix

    eine wirklich interessanter text zur inneren einheit:

    Wie ist es um die innere Einheit Deutschlands bestellt? [Link repariert, stefanolix]

    dort wird meine these stark relativiert. vielleicht finden sie sich da auch wieder (stichwort referenzgesellschaft)

    hier muss man sich stichhaltige gegenargumente offensichtlich selbst suchen.

    ich will das grundgesetz nicht geändert wissen. ich schlage vor artikel 146 umzusetzen.

  57. 25.05.2009 | 19:06

    natürlich “vorwärts immer” – “wachstum, wachstum, wachstum” – sonst funktioniert ja ihr system nicht.

    Unfug. Marktwirtschaften wachsen aus demselben Grund, aus dem Hunde sich die Eier lecken: Sie können es.

  58. 25.05.2009 | 19:23

    Das Grundgesetz enthält im Artikel 146 lediglich die Möglichkeit, eine neue Verfassung zu beschließen. Die große Mehrheit der Deutschen respektiert das Grundgesetz in seiner aktuellen Form als gültige und angemessene Verfassung. Es besteht also kein Handlungsbedarf.

  59. 25.05.2009 | 21:27

    @volesne
    Auch wenn wir nur noch ganz einfach leben und einen rechtlich geregelten Austausch von Gütern und Dienstleistungen (auf Basis von Privateigentum) betreiben ist das immer noch eine Marktwirtschaft. Alles weitere entnimmt man Raysons amüsantem Vergleich. Ansonsten danke für das “ihr System”. Es lenkt und waltet sich ganz angenehm hier aus der Hauptzentrale.

    Wer anderen vorwirft nicht auf Beiträge einzugehen, sollte übrigens selber gucken, dass er sich an seine eigenen Standards hält. Ist aber nur meine bescheidene Meinung.

  60. volesne
    25.05.2009 | 22:16

    @googlehupf

    ich dachte, wir können uns das schenken?

    im artikel 72 (übrigens war hier früher auch von einheitlichkeit die rede, nicht von gleichwertigkeit) geht es um konkurrierende gesetzgebung, in 106 geht es um die verteilung der steuereinnahmen zwischen bund und ländern. nun hatte stefanolix wirtschaftlich argumentiert, da passt halt der 106 besser.

    wie sie auf eine mögliche verfassungswidrigkeit bei der hebesatzbestimmung von gemeinden kommen kann ich nicht nachvollzeihen, zumal diese im dann grundgesetz angelegt wäre.

    also vor dem beissen gebiss einsetzen.

    natürlich haben sie beide mit dem wachstum recht, wenn man die marktwirtschaft von unserem geldsystem trennt. dem kann ich, ohne philosophisch zu werden, nicht folgen.

  61. 25.05.2009 | 22:39

    Schreibt mir bitte eine Mail, wenn wir wieder zum Thema kommen ;-)

  62. Buenavista
    26.05.2009 | 0:29

    Wieder zum Thema:

    Es geht darum, dass Schwan eine inakzeptable Argumentation der Linkspartei salonfähig machen wollte: Danach wäre das System der DDR etwas gewesen, das eigentlich etwas Gutes, Richtiges wollte, dies aber leider leider mit etwas unfeinen Methoden durchzusetzen suchte. Und wer nicht darauf reinfällt, verhindert die “innere Vereinigung”

    Nur: Die DDR war kein sympathisches, etwas aus dem Ruder gelaufenes Experiment von Gleichheit und Brüderlichkeit, sondern eine knallharte Diktatur, deren Führer als Erfüllungsgehilfen der Sowjetunion schlichtweg Verbrecher waren wie die Führer der Sowjetunion selbst.

    Ja volesne, Verbrecher.

  63. R.A.
    26.05.2009 | 10:08

    @stefanolix:

    Es ist zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung nicht mehr sinnvoll, darüber zu diskutieren, was die DDR-Bürger in das wiedervereinigte Deutschland »mitnehmen« sollen.

    Richtig. Und es wäre auch damals müßig gewesen. Denn im wesentlichen haben die DDR-Bürger die Erfahrung mitgenommen, daß Diktatur Mist ist.
    Und das war im GG schon eingearbeitet.

    Es gäbe in manchen Details durchaus Änderungsbedarf beim GG, aber bestimmt nicht in Richtung DDR.

    Und Buenavista hat das auch in Richtung auf das Originalthema noch einmal sehr gut dargestellt.

    Und ich bin froh, daß Schwan inzwischen die Quittung für ihre Anwanzerei an die SED bekommen hat.

  64. Buenavista
    26.05.2009 | 20:26

    Köhler war bei manchen in der Union nicht so beliebt. Hätte sich Schwan an der Mitte orientiert, wäre es vielleicht enger geworden.

    Mir hat auch noch keiner so recht erklärt, welche Errungenschaft der DDR denn nun unbedingt ins GG muss.

    “Die Würde des Sandmännchens ist unantastbar?”

  65. 26.05.2009 | 20:52

    Stimmt schon: Das, was ich mir im Grundgesetz wünschen würde, mehr Subsidiarität und individuelle Freiheitsrechte, wäre aus der DDR nicht gekommen.

    Nur rein psychologisch hätte es vielleicht (auf beiden Seiten) gut gewirkt, wäre der Beitritt dadurch zur Augenhöhe gehoben worden, hätte man den Anlass genutzt, die ausstehende Verfassung zu schaffen.

  66. Buenavista
    26.05.2009 | 21:37

    Nur was hätte man denn zusätzlich reinschreiben sollen?

    Ich fürchte, am Ende wäre sowas wie die EU-Verfassung rausgekommen.

    Wer schreibt heute noch so klare kurze Sätze wie 1949.

    Schau dir mal die späteren Zusätze an.

  67. Boche
    26.05.2009 | 22:05

    Wie gesagt: Wäre reine Psychologie gewesen.
    Hast ja sonst Recht.

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