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(BPT 6) Raubtierkapitalismus

Träge kommt der Parteitag wieder in Gang. Und nicht jeder Delegierte kann sich in Ausreden flüchten der Art, schuld wäre nur die Juli-Fete gestern abend gewesen.
Also kurz Zeit für einen Rückblick auf den Donnerstag abend.

Da gab es zur Parteitagseröffnung einen Presseempfang im Hannoveraner “Erlebniszoo”. Geladen nur die Crème de la Crème, also auch wir Blogger.

Der ganze Abend stand unter dem Motto “Indien”. Aber nicht mit Bangalore-IT, Tata-Billigautos und sonstigen Schrecken der Globalisierung, sondern das klassische Indien. Als die Welt noch in Ordnung war, mit Kolonialismus und Maharadjas.

Stilvoll wurden wir mit Rikschas abgeholt und durch den Zoo gefahren, bis zum Palast. Den Eingang bewachten rechts der Gepard und links der Leopard, beide sehr neugierig auf die Gäste starrend. Und drinnen (gleich hinter der Garderobe) residierte ein prächtiger Tiger, dessen betont nicht-vegane Ernährung schon signalisierte, daß keine Grünen erwartet wurden.

Zum Empfang wurde ein undurchsichtiger bräunlicher Cocktail gereicht.
“Was ist da drin?”
“Malariaprophylaxe.”
Gut so. Schweinegrippe hat so etwas Prolohaftes.

Die Gesellschaft versammelte sich vor dem Elephantengehege. Eine ganze Familie, mit einem niedlichen Baby-Elephanten.
Man konnte sich auch echte indische Tempel-Tänzerinnen anschauen (made somewhere near Rotenburg an der Wümme).

Allgemein wurde Smalltalk geführt, Kontakte geknüpft, wohl auch die Abstimmungen des nächsten Tages vorgeklärt.
Nun mag das zwar mein erster Bundesparteitag sein, aber Veranstaltungen dieser Art kenne ich zur Genüge.

Also erst einmal strategische Aufklärung. Aha, es gibt Sitzplätze nur für maximal ein Drittel der Gäste, also gleich einmal einen Tisch in Beschlag nehmen.
Gleich hinter der Getränke-Ausgabe, zwei Buffets in Reichweite (je nachdem, wo die Schlange kürzer ist), und vor allem direkt neben den beiden Tischen in der Mitte, an denen sich bestimmt etwas tun wird.
Der Abend kann beginnen.

Und richtig, natürlich setzt sich die Prominenz in die Mitte. Lassen wir einmal den Tisch mit den ganzen Landesministern, das ist heute nur zweite Liga. Gleich daneben sitzen die Chefs.

Da sitzen also Guido mit seinem Freund (Private Nachricht an die Damen zu Hause: NEIN, ich habe nicht nach Karten für Aachen gefragt).
Da sitzen Ehrenvorsitzender Graf Lambsdorff mit Gräfin Lambsdorff.
Und da sitzt Ehrenvorsitzender Genscher mit, na ja, Rainer Brüderle.
Das Leben ist halt nicht gerecht, das wissen Liberale ja.

Aber Promi-Watching ist doch nur Nebenaspekt im prunkvollen Palastsaal, wie auch das hervorragende Essen. Das wichtigste sind aber die Gespräche. Mit diversen Journalisten, mit Mitarbeitern der Fraktion oder Bundesgeschäftsstelle, mit Delegierten. Die Stimmung ist auffallend gut, die FDP ist mit sich selbst im Reinen.
Am nächsten Tag wird sich dann diese Stimmung im Wahlergebnis für Westerwelle niederschlagen.

R.A. in Politik am 16. 05. 2009 » Kommentare sind für diesen Beitrag ausgeschaltet

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