(BPT 4) Lobbies in der Lobby
Bei Parteitagen kann man sehr schön die beiden Bedeutungen des Begriffs “Lobby” kennen lernen.
In der Lobby des eigentlichen Parteitagsraums werben Lobbyisten aller Art um die Gunst, oder vor allem um die Aufmerksamkeit der Delegierten. Das gibt es wohl bei allen Parteitagen, aber besonders bei einem Bundesparteitag kurz vor einer entscheidenden Bundestagswahl. Es gibt eben die gute Wahrscheinlichkeit, daß die FDP ab Herbst in der Regierung sitzen wird – da will so mancher rechtzeitig den Fuß in der Tür haben.
Aber glauben die Firmen- oder Verbandsvertreter ernsthaft, mit ein paar Prospekten oder Gummibärchen irgendeinen Einfluß gewinnen zu können?
Wenn Audi ein schickes Cabrio vorstellt, hat das ja wenigstens noch direkte Werbewirkung auf potentielle Käufer.
Aber was will denn EADS hier?
Die Panzer- und Flugzeugmodelle sind ja ganz interessant – aber selbst wenn ich (nur zur Ankurbelung der Wirtschaft …) davon etwas haben wollte, sie würden es mir ja gar nicht verkaufen.
Aktueller Einschub: Gerade ist Westerwelle als Bundesvorsitzender wiedergewählt worden. Und der Zustimmungsgrad bei solchen Personalia ist ja immer politisch interessant.
Gerade bei den eher mäkeligen und individualistischen FDP-Delegierten sind hohe Ergebnisse selten, die Wiederwahl eines Vorstandsmitglieds (ohne Gegenkandidat!) liegt selten über 70-80%.
Und auch bevorstehende Wahlen sorgen nicht unbedingt für bessere Werte – vor der letzten Bundestagswahl 2005 erhielt Westerwelle 80,1%.
Diesmal sind es erstaunliche 95,8%!
Er freut sich sichtlich, als er die Wahl annimmt und sich bedankt.
Drinnen jubelt der Parteitag, draußen wird Kaffee gezapft. Aufwendige Espresso-Maschinen sind Hauptinventar der meisten Lobby-Stände, den Vogel schießt NTV ab, die haben den Espresso-Weltmeister hinter der Theke.
Einen Teil der Stände bestücken natürlich liberale Vorfeldorganisationen: Liberale Frauen, LHG, Friedrich-Naumann-Stiftung, der liberale Mittelstand, die Senioren und die Julis, die europäischen Liberalen und immer so weiter.
Aber im wesentlichen geht es natürlich um beinharte Interessenvertretung. Die Bahn, die Post, die Pharmaunternehmen sind massiv von staatlichen Entscheidungen abhängig, die Sparkassen wollen nicht privatisiert werden. Philipp Morris verteilt reichlich Zigaretten – immerhin ist die FDP die Rauchverbotskritischste Partei.
Und dann die Subventionsabgreifer: Solarfirmen, “Klimaschützer”, Energiekonzerne …
Denen möchte man am liebsten sagen: “Gebt Euch keine Mühe – Ihr werdet alle auf Null gesetzt, verdient Euch doch Euer Geld auf ehrliche Weise”.

bisher 8 Kommentare » Kommentare
Bei N-TV stehen die Gewinner der deutschen Kaffee-Olympiade. Aber sonst muss ich dir zustimmen. In München hat letztes Jahr Reemtsma bei der Abendveranstaltung mit netten Damen in schwarzen Kleidern Zigaretten verteilt. Unmöglich.
Die Rede des Herrn Westerwelle, die ich als PDF-Datei gelesen und in Ausschnitten audio-visuell genossen habe, bringt all das, was man als Bürger von einem Politiker zu hören wünscht.
Zu meinem Bedauern wird in der medialen Berichterstattung stets nur der wirtschaftliche Teil (auch dieser Rede) des Programms der FDP berücksichtigt, sodass ich als Arbeiter Probleme habe, meine Kollegen, die die FDP immer nur als Partei der Besserverdienenden kennnenlernen durften, für deren freiheitliche Bestrebungen ganz allgemein zu erwärmen.
Meiner Meinung nach MUSS die FDP gerade bei diesem Wahlkampf die Bürgerrechte eindeutig in den Vordergrund rücken. Denn nicht nur der ganze sozialistische Dreck der letzten elf Jahre geht vielen auf den Bürzel, sondern, gerade in letzter Zeit, die Bestrebungen unserer politischen “Elite” sich den gläsernen Bürger zu blasen.
Freiheit (vor allem anderen) und Wohlstand für alle.
Euch allen ein schönes Wochenende
Uwe R.
Ich bitte die falsche Kommasetzung im zweiten Abschnitt (falsches Komma vor “zu erwärmen”) gedanklich zu korrigieren, da ich keine Möglichkeit fand nachträglich die notwendige Korrektur vorzunehmen.
So viel Liebe zur deutschen Sprache wird gern durch Korrektur des winzigen Fehlerchens belohnt.
Das beschriebene ist kein Lobyismus sondern Imagewerbung. Die Leute dort sollen den Firmen und Branchen einfach ein Gesicht geben. Dann sind die Marken keine leeren Worte mehr sondern Unternehmen, mit denen man im Kopf Menschen verbindet.
Und dann fällt es schwerer, aus dem reinen Papier über diese Menschen zu entscheiden. Und natürlich denkt man bei jedem Thema eher an eine Firma, mit der man Gesichter oder wichtige Erinnerungen verknüpft.
Deshalb ist Audi da. Deshalb ist EADS da. Sie überbrücken damit die emotionale Distanz und erleichtern damit eine spätere Kontaktaufnahme bei Kongressen. (Und Audi verdient wahrscheinlich ganz direkt an FDPlern nicht übel.)
Die Solarfirmen wollen wahrscheinlich einfach nur in die Diskussion kommen und ein bißchen missionieren. Das wäre dann schon richtiger Lobbyismus. Aber eher die hausbackene Sorte.
Schlamperei, keine Spieleverlage. Da müssen mal ganz rasch Klimaschutzabgaben auf Holzklötzchen und Würfel eingeführt werden.
“Und dann die Subventionsabgreifer: Solarfirmen, “Klimaschützer”, Energiekonzerne …
Denen möchte man am liebsten sagen: “Gebt Euch keine Mühe – Ihr werdet alle auf Null gesetzt, verdient Euch doch Euer Geld auf ehrliche Weise”.”
Das ist zu schön um wahr zu sein….
Ziel der Aussteller ist es wohl, mit den Delegierten ins Gespräch zu kommen, um ihnen ihre Ansicht der Dinge näherzubringen. Das gelingt natürlich nur, wenn der Delegierte überhaupt in die Nähe des Standes kommt. In dieser Hinsicht helfen kostenlose Giveaways meiner Erfahrung nach enorm. Selbst Millionäre sind ganz wild auf kostenlose Kugelschreiber oder Leuchtflummis.