Zum Glück kein Rechter

Wird ein durchschnittlicher Finanzminister eigentlich zu einem besseren, wenn er noch ein bemerkenswertes Talent als hundsmiserabler Kabarettist offenbart?

Steinbrücks Auftritt war peinlich, aber die Reaktionen waren beschämend: Der Finanzminister sollte sich nicht etwa bei Österreich oder der Schweiz, sondern bei Burkina Faso entschuldigen, weil er die Hauptstadt dieses Landes eindeutig in herabsetzender Absicht erwähnt hat. Wäre Steinbrück kein SPD-Politiker, hätten wir wahrscheinlich schon einen Rassismus-Skandal.

Ähnliche Beiträge


53 Kommentare zu “Zum Glück kein Rechter”

  1. 6.05.2009 | 11:56

    Du wirst lachen: Genau das war mein erster Gedanke, dass Herr Steinbrück sich da in eine ziemlich üble Form von Rassismus hineingetölpelt hat. Die Reaktion meiner Freunde vom “Braunen Mob”, denen ich es mailte, war eher, dass es doch gut sei, daß nun auch mal jemand auf Korruption etc. in “westlichen” Staaten verweisen würde, anstatt das als afrikanisches Privileg zu behaupten.

    Und was meinst Du mit der Überschrift?

  2. 6.05.2009 | 12:04

    @momorulez: Ich stimme der Kritik an Steinbrücks unüberlegter und dummer Äußerung zu. Aber man kann den Grad der Korruption ja nun nach bestimmten Kriterien messen. Und dann bekommt man ein Ergebnis, das ganz ohne Rassismus betrachtet werden kann: wo sich Despoten oder bestimmte Gruppen die Macht sichern, wo sich eine Günstlings- und Vetternwirtschaft etabliert, wo es keine Gewaltenteilung gibt, wo systematisch das Recht gebrochen wird und wo die Bürger keine Mitsprache haben, dort wird es immer einen höheren Grad an Korruption geben als in einem demokratischen Rechtsstaat.

  3. 6.05.2009 | 12:16

    @Stefanolix:

    Kein Dissens, ich habe ja wohlweislich auch geschreiben “Mein erster Gedanke” und die Einwände meiner schwarzen Freunde gegen diesen gleich mit thematsiert.

    Was mir ja am meisten aufstieß, war, dass Steinbrück genau so gut “Bonga-Bonga-Wald” hätte sagen können, eben “Wie die Wilden”. Und nicht etwa die FIFA und Kapstadt erwähnt oder irgendwas dergleichen.

    Aber hier noch die Reaktion von jemandem, dem ich gerade den Link zu dieser Diskussion hier geschickt habe:

    “Verlogenes Pack, wundert mich nicht, günstige Gelegenheit sich als Gutmenschen zu präsentieren. Die Marktliberalen sind es doch, die an das Weltbanksystem und den IWF glauben, der Länder wie Burkina Faso (Baumwolle) zum billigen, ewig verschuldeten, abhängigen Rohstoffproduzenten degradiert. Und der Korruption somit erst Vorschub leisten. Ich find den Gedanken, dass die Schweiz genau so eine Bananenrepublik ist wie Burkina Faso durchaus lustig…die Menschen in Burkina bestimmt auch. Die korrupten Herrscher Blaise Campaoré hat seine Kohle doch bestimmt auch in der Schweiz versteckt…. “

    Nur so als noch ‘ne andere Meinung, die sonst ihren Weg hierher nicht finden würde …

  4. R.A.
    6.05.2009 | 12:38

    Steinbrück ist nur noch peinlich.

    Immerhin liegen die Schweiz und Österreich VOR Deutschland im Korruptionsindex.

  5. 6.05.2009 | 12:41

    @Momorulez: Du kannst diese Meinung auch gern als eigene Meinung hier posten, dafür ist eine Diskussion ja da;-)

    In einem Punkt stimme ich Dir zu: es ist inakzeptabel, das blutverklebte Geld eines Diktators zu schützen und zu mehren. In der Schweiz ist das früher geschehen. Soweit mir bekannt ist, haben die Schweizer Banken aber umgedacht und ihre Praxis geändert.

    Wenn Du mir ein besseres Modell der Preisbildung für Baumwolle beschreiben kannst als den Markt, dann lasse ich mich gern überzeugen. Marktliberale glauben nicht an IWF oder Weltbank, sondern sie sind davon überzeugt, dass sich der Preis für Baumwolle nach Angebot und Nachfrage bilden sollte. Weil Baumwolle ein Naturprodukt ist, schwanken die Preise unter Umständen ziemlich stark.

    Wenn nun ein Land mit hoher Korruption sehr viel Baumwolle exportiert (und sich vielleicht gar davon abhängig macht), werden die Preisschwankungen sich bei den Baumwollbauern und Baumwollverarbeitern viel schlimmer auswirken als in einem gut regierten Land. Denn in diesem Land wird die Clique des Diktators wahrscheinlich sehr stark an den Erlösen beteiligt sein und die Regierung wird das Land in guten Zeiten nicht nachhaltig entwickeln.

    Jetzt kannst Du mir entgegnen, dass IWF oder Weltbank dieses Land dazu gebracht haben könnten, Baumwolle in Monokultur anzubauen. Wenn es so gewesen sein sollte, würde ich darin eine Anmaßung von Wissen sehen — aber nichts, was mit Liberalismus zu tun hätte.

  6. 6.05.2009 | 14:00

    @MR

    Und was meinst Du mit der Überschrift?

    Im Prinzip das, was im Text steht: Wenn Steinbrück ein “Rechter” gewesen wäre oder sich zu einem hätte hinbehaupten lassen, was aber nach herrschender Meinung eben ausgeschlossen ist, da Mitglied der SPD, dann wäre es Rassismus gewesen. So ist es Kritik an Österreich und der Schweiz.

    Wahrscheinlich wieder mal ein Beispiel dafür, wie derselbe Tatbestand nicht nur abhängig von den handelnden Personen (quod licet iovi…), sondern auch abhängig von der Schussrichtung des Betrachters eingestuft wird.

  7. 6.05.2009 | 15:22

    Interessantes Detail über den Präsidenten des Landes Burkina Faso:

    Eine Verfassungsänderung im Jahre 2000 begrenzte die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Perioden von je fünf Jahren Dauer. Zugunsten einer erneuten Kandidatur Compaorés bei den Wahlen 2005 wurde argumentiert, dass er zwei Amtsperioden von sieben Jahren Dauer absolviert hatte und ihm daher nach den Worten der später geänderten Verfassung also die Möglichkeit offen stehe, für zwei weitere fünf Jahre dauernde Amtszeiten zur Verfügung stehen zu können. [Quelle]

    Aber Steinbrück meint wohl nur die Herkunft des Namens Burkina Faso. Und wer wollte bestreiten, dass auch die Schweiz schon immer das »Vaterland der ehrenwerten Menschen« war?

  8. 6.05.2009 | 15:35

    Übler: Steinbrück hat nicht “Burkina Faso” gesagt, was der Satzlogik entsprochen hätte, sondern die Hauptstadt “Ouagadougou” erwähnt, wahrscheinlich weil das so schon lustig nach “Hottentotten” klingt.

  9. 6.05.2009 | 15:42

    @Stefanolix:

    Das ist aber gar nicht ungebrochen meine Meinung, weil ich mich in Burkina-Faso schlicht nicht auskenne. Bin in Sachen Afrika wie die meisten anderen auch ziemlich ungebildet und kann nicht beurteilen, wie IWF und Weltbank da nun wirklich agieren, und will auch nicht jedem Spezialfall meine Allgemeinbildung in solchen Fragen überstülpen.

    Und der Glaube an die Idealität von Preisbildungsprozesse ist bei mir auch nicht so ausgeprägt. Ich gehe – nun doch allgemein phrasierend – mal davon aus, dass ein Bündel verzweigter und ausdifferenzierter Institutionen da sowieso immer schon interveniert hat und das liberale Lehrbuchwissen da wenig weiterhilft, das formuliert, wie die Welt denn nun am besten sein sollte. Und dass es genau diese Instituionen sind,die differente Märkte erst konstituieren.

    Das hilft uns nur immer gar nicht weiter, diese Diskussion :-(

    @Rayson:

    Aber schreibst Du nicht selbst, dass Herr Steinbrück aufgefordert wurde, sich bei Burkina-Faso zu entschuldigen?

    Natürlich ist Rassismus per Definition rechts, wer Rassist ist, kann gar nicht links sein, wirklich liberal eigentlich auch nicht, aber dass die SPD nun frei von rechtem Gedankengut wäre, das wäre mir neu … die sind doch “Neue Mitte” ;-) – und da schwingt halt die Exklusion der gesellschaftlicher Ränder a Priori mit. Und so geht die SPD halt auch mit denen um. Zudem der Steinbrück ja auch noch mit Überwachungs-Schäuble rumkungelt, der einst zu beginn der 90er alldeutsche Mitteleuropa-Fantasien veröffentlicht hat, wo ich schon immer ganz gut verstehen kann, dass die Schweiz das gar nicht mag.

    Deswegen verstehe ich auch nicht, welche “herrschende Meinung” Du da meinst und in welchen Gewässern Du damit fischen können wolltest. Habe mich neulich schon beim A-Team gewundert, mit welcher Akribie Du nach “Instrumentalisierungen des Rassismus zur Immunisierung gegen Kritik an Obama” suchst, und mir erschließt sich der Anlaß solcher gedanklichen Suchbewegungen nicht wirklich …

  10. 6.05.2009 | 15:43

    @Rayson:

    “sondern die Hauptstadt “Ouagadougou” erwähnt, wahrscheinlich weil das so schon lustig nach “Hottentotten” klingt.”

    Ja, genau das meinte ich oben auch, und genau das habe ich gedacht!

  11. 6.05.2009 | 16:03

    @MR

    Nein, Steinbrück wurde aufgefordert, sich bei Österreich und der Schweiz zu entschuldigen. Das ist nämlich noch die Krönung, deswegen schrieb ich von “beschämenden Reaktionen”.

    “Herrschende Meinung” ist die in den Medien vorherrschende. Es gibt da Muster und Sprachregelungen, von denen abzuweichen man sich nur auf Kosten eines “Skandals” mit anschließender “Entschuldigung” leisten kann. Das heißt z.B., dass bei bekannten Konservativen jede Äußerung nach Spuren von “das sagt man nicht” abgesucht wird, während man bei Sozis gar nicht erst auf die Idee kommen würde. Ist halt so in dem, was uns jeden Tag als Politik verkauft wird. Im Übrigen “fische ich nicht in irgendwelchen Gewässern” – ich dachte, über solchen Unsinn wären wir hinaus.

    Ich würde mir wünschen, wenn ich nach der mit dem Rassismus-Vorwurf betriebenen Tabuisierung von Kritik an Obama “akribisch suchen” müsste. Nur leider wurde ich mit der Nase draufgestoßen, und auch in linken Blogs habe ich das schon als Generalargument gegen Kritik von “rechter” Seite gelesen.

  12. 6.05.2009 | 16:27

    @Rayson:

    “Nein, Steinbrück wurde aufgefordert, sich bei Österreich und der Schweiz zu entschuldigen. Das ist nämlich noch die Krönung, deswegen schrieb ich von “beschämenden Reaktionen”.”

    Dann habe ich das falsch verstanden. Sorry.

    Ach, und das mit der “herrschenden Meinung”, gegen die man dann opponiert, ist ja doch immer ziemlich selektiv – erinnere mich z.B. bestens, wie auch auf der “realen Linken” sich sehr über Lafontaines “Fremdarbeiter”-Zitat aufgeregt wurde. Kenne viele, die sonst die Partei “Die Linke” gewählt hätten, es deshalb aber nicht getan haben, bis heute nicht.

    Und wenn in linken Blogs so ein Müll stand, mir ist das bisher noch nicht aufgefallen. Ich lese die aber auch selten ;-)

    Es gibt ja rassistische Muster der Kritik an Obama, wobei mir die zuletzt vor der Wahl auffielen, deshalb ist es auch so nervig, ständig nur zu lesen, dass Rassismus instrumentalilsiert würde (was es zweifelsohne gibt), weil man ihn somit auch gerne mal für nicht-existent erklärt.

    Dieser übliche Trick halt, dass die einzigen Rassisten weltweit die Schwarzen seien in diversen Varianten, zum Beispiel, lese ich hohngesättigt häufig, und das finde ich schon gruselig.

    Aber versuch mal, ‘ne ghanaische Frau dort zu heiraten und die dann mit nach Deutschland zu bekommen – es wird alles dafür getan, dies zu verhindern. Gestützt von einer SPD-Regierung. Das ist ein alter, linker Vorwurf an die SPD, dass die eine solche rassistische Asyl- und Immigrationspolitik forcieren und stützen würde.

    Aber im Moment gibt es – zurück zu Obama – wohl eher aus ganz anderen Gründen höchst Kritikwürdiges (z.B. die Militärtribunale), und mir wäre jetzt nicht aufgefallen, dass da irgendwer sich nun gescheut hätte, loszuwettern, weil er Angst vor dem Rassismus-Vorwurf hätte. In meiner täglichen FR-Lektüre lese ich schon, dass da sehr kritisch drüber geschrieben wird, zum Beispiel.

  13. F.Alfonzo
    6.05.2009 | 22:53

    Nebenbei bemerkt:

    Als Westerwelle diesen 18%-/Guidomobil-Wahlkampf geführt hatte, wurde er ja parteiübergreifend (gerade auch von der regierenden SPD) dafür veräppelt.

    In einem Interview hat er dann mal sinngemäß sowas gesagt wie: Die SPD ist die humorloseste Partei Deutschlands (konkretisiert auf Müntefering: ‘Meine Oma hat mir mal gesagt: Trau niemandem über den Weg, der nicht auch mal richtig lachen kann’).

    Irgendwie hat er recht damit, das Beispiel Steinbrück zeigt es wieder: Humor gibt’s bei SPD-Politikern entweder nur wertend, von oben herab, oder ungewollt in Form von Realsatire. Gegenbeispiele sind willkommen. Kann (und wird vermutlich) auch für andere Parteien gelten.

    Irgendwie komisch: gerade jemand, der sein ganzes Leben in der Politik zubringt, sollte doch eigentlich Sinn für Humor haben, oder?

  14. 7.05.2009 | 21:52

    @MR

    Ich ärgere mich immer ein wenig, wenn man mir ohne Grund das Befolgen von Mustern unterstellt. Selbstverständlich ist das Selbstbildnis eines gegen den Mainstream Opponierenden ein übliches Muster. Nur hat das nichts mit meiner Aussage zu tun, dass sich in den Medien immer eine Art “herrschende Meinung” oder auch “herrschende Haltung” herauskristallisiert – wie übrigens in vielen anderen Bereichen auch, z.B. in der Rechtswissenschaft.

    “Herrschende Meinung” heißt hier nicht, dass anderes gar nicht mehr geäußert werden könne oder dürfe, aber dieses Andere fällt dann eben vor dem allgemeinen Zungenschlag als abweichend auf.

    Und ich beziehe diese “herrschende Meinung” auch nicht unbedingt als gegen mich oder meine Auffassungen gewandt – wenn irgendwelchen Konservativen ein Rassismusverdacht untergeschoben werden soll, dann nervt mich das höchstens wegen der Methode, nicht aber, weil ich zu dem Betroffenen eine besondere Sympathie empfinden würde. Ich lasse auch gerne offen, wie es zu der “herrschenden Meinung” in den Medien kommt. Was wahrscheinlich sinnvoll ist, kommen hier doch mehrere Ursachen zum Tragen.

    Es gibt ja rassistische Muster der Kritik an Obama, wobei mir die zuletzt vor der Wahl auffielen, deshalb ist es auch so nervig, ständig nur zu lesen, dass Rassismus instrumentalilsiert würde (was es zweifelsohne gibt), weil man ihn somit auch gerne mal für nicht-existent erklärt.

    Das ist doch Unsinn. Die Welt ist nicht “schwarz-weiß”. Dass Rassismus instrumentalisiert wird, schließt das Vorhandensein von Rassismus überhaupt nicht aus. Im Gegenteil – um etwas sinnvoll instrumentalisieren zu können, muss dessen Existenz allgemein anerkannt sein. Aber die Versuchung der Parteigänger Obamas ist viel zu groß, um diese Karte nicht zu spielen. Dementsprechend wird es auch versucht.

    Aber im Moment gibt es – zurück zu Obama – wohl eher aus ganz anderen Gründen höchst Kritikwürdiges (z.B. die Militärtribunale), und mir wäre jetzt nicht aufgefallen, dass da irgendwer sich nun gescheut hätte, loszuwettern, weil er Angst vor dem Rassismus-Vorwurf hätte. In meiner täglichen FR-Lektüre lese ich schon, dass da sehr kritisch drüber geschrieben wird, zum Beispiel.

    Aber die FR darf das doch, die kritisiert doch ganz korrekt von links ;-) . Keine Sorge, ich unterstelle dir nicht diese simple Sicht auf “links” oder “rechts”, aber mir scheint es so zu sein, als immunisiere landläufig die Selbstetikettierung als “Linker” schon von vorherein gegenüber den übelsten Vorwürfen. Lafontaines “Fremdarbeiter” haben zwar für viel Kritik gesorgt, aber doch überwiegend nur bei denen, die ihm eh nicht freundlich gesonnen sind. Geschadet hat es ihm offensichtlich nicht. Hätte z.B. Schäuble das gebracht (auch das von Steinbrück jetzt), hätten uns die rituellen Forderungen nach Rücktritt und/oder “Entschuldigung” über mehrere Wochen verfolgt.

    Nur “Liberaler” ist da noch vorteilhafter besetzt, deswegen ärgern sich ja auch einige Linke so über uns…

    Der Rassismus-Vorwurf wird ja nicht universell angewendet, sondern er soll nur Obama-Kritik aus bestimmten Richtungen abwürgen. Ob das auch wirkt, ist eine andere Frage. Auf jeden Fall heizt es das politische Klima an, und in den USA scheint, wenn man dem Economist glauben kann, ja gerade die politische Kultur vor die Hunde zu gehen – zumindest bei den Fernsehsendern.

  15. 8.05.2009 | 7:59

    Nachdem die politische Kultur bei den Fernsehsendern da ja zuvor geradezu vorbildlich war, gerade zu Zeiten des Beginns des Irak-Kriegs – komm, wenn man sich vor allem mit für und wider und dem Image von “die Linken” beschäftigt, dann ist das aber schon ein Muster, pardonnez-moi. Und Schäuble sitzt ja nun schon auch in der Regierung und hält sich da auch erstaunlich wacker. Zudem es einfach rassistische Konservative gibt. Kann man ja nicht wegreden, indem man den Rassismus vor Instrumentalisierung schützen will (sorry, der letzte war gemein, da ging’s mir um die Pointe, und Du warst nicht gemeint ;-) …).

    Ganz ehrlich: Die Welt würde sehr anders aussehen, wenn es diese “linke Meinugsführerschaft” wirklich geben. Selbst der aktuelle, hiesige Staatsinterventionismus ist ein zutiefst konservativer, weil wir hier eben andere Konseravtive haben als in den USA.

  16. R.A.
    8.05.2009 | 10:31

    @Momo:

    Nachdem die politische Kultur bei den Fernsehsendern da ja zuvor geradezu vorbildlich war, …

    Das muß vor meiner Zeit gewesen sein. Die letzten drei Jahrzehnte fand ich das nicht mehr vorbildlich …

    gerade zu Zeiten des Beginns des Irak-Kriegs

    Ach Du je.
    Ich kann mich kaum an eine Phase erinnern, als die deutschen Medien (und erst recht die Staatssender) einseitiger waren.

    Da gab es nicht Pro und Contra, sondern nur die Auswahl zwischen Contra, viel Contra, hysterisch Contra und deutlich Contra.

    Die Welt würde sehr anders aussehen, wenn es diese “linke Meinugsführerschaft” wirklich geben.

    Meinungsführerschaft bedeutet ja nicht, daß niemals eine nicht-linke Position zu Wort käme.

    Aber wenn die große Mehrheit der deutschen Journalisten sich selber als links einstuft, kann man das schon als Meinungsführerschaft bezeichnen.

  17. 8.05.2009 | 13:43

    @R.A.

    Ich vermute eher, dass dein Ironiedetektor versagt hat, und dass MR das amerikanische Fernsehen meinte.

    @MR

    Ich hatte nicht von “linker Meinungsführerschaft” gesprochen. Aber “konservativ” ist die “herrschende Meinung” ganz sicher auch nicht. Ich glaube, es ist das, was die Betreffenden für “mittig” und “kritisch” halten, und das hängt ja nicht zuletzt vom eigenen Standpunkt ab, wozu man dann auch mal zur Kenntnis nehmen müsste, was R.A. gesagt hat.

  18. 8.05.2009 | 15:17

    @R.A. + Rayson:

    Ich bezog mich beim Irak-Krieg-Beispiel auf die US-Sender, weil da zudem eben auch deutlich war, wie ökonomsiche Macht wirkt.

    Und ich wüßte nicht, inwiefern das politische Selbstverständis einer statistischen Mehrheit von Journalisten irgendeine allzu große Rolle spielen sollte. Kenne nun zufällig den einen oder anderen Sender von innen, und da ist das in meisten Fällen nicht so wahnsinnig wichtig, wo sich der Einzelne politisch wähnt, außer bei Peripherien wie ARTE, wo eine gewisse Linkslastigkeit schlicht darauf zurück zu führen ist, dass sich dort ein bestimmter Medienmacher-Typus tummelt, der in Zentren ökonomisch nicht überleben könnte, weil er bestimmte Kompromisse nicht machen will (ich übrigens schon, also Überleben in den Zentren, und meine politische Perspektive spielt da rein gar keine Rolle).

    Mir ist diese Perspektive sowieso immer zu sehr am Leitartikel der Print-Medien orientiert, die ihr so auffächert. Das ist ja gar nicht das, was “hegemonial” wirkt, wie die Gramsci-Leute sowas immer nennen. Da haut schon eher das hin, was Rayson “mittig” nennt, das Abschleifen der Rändern und eine gewisse 50er-Jahre-Trutschigkeit und eine “Volkstümlichkeit” des Populären ist da eher Programm. Und dann zeigt man auch mal die Mauertoten lieber nicht, weil’s die Ossi-Zugukcer verstören könnte in ihrer Ostalgie.

    Das ist aber ja noch lange keine gesellschaftliche Hegemonie. Auch das kann man nicht immer alles über einen Kamm scheren. Die liegt zum einen bei denen, die ich eben im Zug gesehen habe, und die gucken bestimmten am liebsten Disziplinierungs (Jugend in der Wildnis zur Umerziehung und so)- und Schuldenberatungsfernsehen (letzteres produziert übirgens Friedrich Küppersbusch – merkt ihr da das, was er in der taz schreibt?). Und da setzt mal ein sauberes und behutsames “Pro & Contra” durch, ihr Pappnasen, sorry. Und Knopp schreibt mit diesen Methoden beharrlich die deutsche Geschichte um, zum Beispiel, und das ganz explizit konservativ.

    Das ist allerdings ein klarer Privatfernseh-Effekt, wobei ich jetzt nicht finden kann, dass die oft verklärte, rein öffentlich-rechtliche Vergangenheit nun soooo viel besser war, es gab aber schon mehr Raum für’s Differenzieren. Wenn man aber heute BR-Beiträge aus den frühen 80ern sieht, dann ist das nicht weit weg vom DDR-Fernsehen. Und diese von Maischberger moderierte “Bonner Republik” mit Schmidt- und Kohl-Behudelei auch nicht, übrigens.

    Aber wie gesagt: Gesallschaftliche, kulturelle und politische Hegemonien können völlig quer dazu stehen. Du wirst nix Schwulenfeindliches, aber viele Schwulenwitze à la Bully im Fernsehen sehen, und auf dem Schulhof hörst Du all die üblen Varianten trotzdem, z.B.. meiden sind ja nicht die Wirklichkeit.

    Und was ich meinte mit konservativer Hegemonie bei den Staatsinterventionen (Banken stützen und so), das ist eben Bestandserhalt und Systemstabilisierung, aus meiner Perspektive auch eine weitere Umverteilung von unten nach oben, was ihr aber von mir aus nicht kommentieren braucht, letzteres.

    Wichtiger ist mir der Punkt, dass Etatismus in Deutschland immer schon konservativ war, mal ab von der kurzen Periode der frühen Siebziger, als die SPD den Keynes gab oder es versuchte, und das das auch immer so noch ist, weil es diese rechtslibertären Traditionen hier nicht gibt.

  19. 8.05.2009 | 15:19

    “Medien sind ja nicht die Wirklichkeit”, wollte ich schreiben.

  20. 11.05.2009 | 14:36

    @MR

    Die linke Grundeinstellung der Medienmacher muss sich ja nicht in bewussten Parteinahmen äußern. Was in meinen Augen nachhaltiger wirkt, ist eben eine gewisse Art, die Welt zu sehen, und die ist es dann, die zu “herrschenden Meinungen” führt. Du kannst es gerne auch “herrschender Konsens” nennen, wenn dir das weniger kriegerisch erscheint.

    Wir brauchen auch nicht darüber zu reden, dass überwiegend Unpolitisches gesendet wird, bei den Privaten allemal, aber auch bei den Öffentlich-Rechtlichen. Aber bei letzteren gibt es eben noch Inseln, wo Politisches behandelt wird, und insbesondere sind es die Nachrichten und die Nachrichtenmagazine, die nach wie vor ein relativ hohes Ansehen genießen und als leitende Vermittler von Politik gelten dürfen. Das, was ich “herrschende Meinung” nenne, wirkt sich vor allem dort aus.

    “Medien sind ja nicht die Wirklichkeit”

    Hm, sind sie das nicht? Immer öfter ertappe ich mich dabei, Baudrillard recht zu geben…

    Und was ich meinte mit konservativer Hegemonie bei den Staatsinterventionen (Banken stützen und so), das ist eben Bestandserhalt und Systemstabilisierung, aus meiner Perspektive auch eine weitere Umverteilung von unten nach oben, was ihr aber von mir aus nicht kommentieren braucht, letzteres.

    Das ist, sorry, Unsinn. Die Banken werden gestützt, weil sonst das ganze Finanzsystem zusammenbrechen würde, und kein in Amt und Würden befindlicher Politiker dieser Welt hat Lust, diese Folgen heraufzubeschwören – im Gegensatz zu den theoretisierenden Ideologen, die nichts lieber sehen würden, weil sie gerne die wirtschaftlichen Nöte vieler für ihre Großsimulationen instrumentalisieren möchten. Das ist nicht “konservativ”, das ist Ausdruck von Verantwortung, was man auch daran sieht, dass sogar Verstaatlichungen in die Wege geleitet werden, was ja nun wirklich kein “konservatives” Projekt sein kann.

    Von “Umverteilung” brauchen wir da nicht zu reden. Die Kapitalbesitzer dieser Welt haben erhebliche Vermögensverluste hinnehmen müssen (zumindest, wenn man – wie in besseren Zeiten ja auch – die nominellen Werte heranzieht), und ob der Staat per Saldo nicht sogar Knete aus dem Finanzsystem in den eigenen Haushalt umleitet, um die Renten bezahlen zu können, ist so unwahrscheinlich auch nicht.

    Übrigens halte ich den Ausdruck “rechtslibertär” für sehr unglücklich. Was an libertären Positionen sollte “rechts” sein? Das Eintreten für freie Märkte etwa? Entweder ich habe einen Gewaltmonopolisten oder ich habe keinen, und wenn ich keinen habe, werden sich, je nach sonstigen vorhandenen Institutionen, auch freie Märkte herausbilden.

  21. 11.05.2009 | 15:35

    @Rayson:

    - Nachrichtenmagazine, also “Heute”, Tagesschau” etc. – beim ZDF sind die mittig bis konservativ, bei der ARD mittig-links, bei RTL nix von alledem (um die relevanten zu nennnen, ProSieben und Sat1 haben da wenig Relevanz und setzen ja zumeist auf Starberichterstattung und Boulevard).Wüßte jetzt nicht, welche “Weltbilder” da durchschlagen sollten. Zudem es sachlich falsch ist, dass in den Sendern nur Linke sitzen. Das stimmt nicht. Das kann in den Print-Medien anders sein, traditionell kulturkritisch Linke, also jene, die eigentlich verkappte Konservative sind, finden Fernsehen ja eh unappetitlich.

    Und dort kommen gerade die aus “unserer Generation” an’s Ruder, für die sowas gar kein relevanter Gesichtspunkt mehr ist. Das sind eher “erfolgsorientierte Medienmacher- bzw. Manager” jenseits der rechts/links-Orientierung, wie an den Unis ja bald auch. Und da isses dann schlicht austauschbar, ob man nun Kapitalismuskritik vorgaukelt oder Neoliberales nachplappert, Hauptsache, die Leute schalten ein und man kriegt keine Probleme mit dem Rundfunkrat.

    Radio ist, von den Info-Wellen, komplett entpolitisiert. Da findet auch in den Nachrichten nur noch Boulevardeskes statt, und das ist immer noch das Medium mit der größten Reichweite. Und genau das bedient Frau von der Leyen mit ihrer Internet-Sperren-Politik, das ist ja eine Boulevardisierung von Politik.

    - Politmagazine: Wenn die vom RBB kommen, sind die von diesem Blog kaum zu unterscheiden.

    - Unterhaltung wirkt gesellschaftspolitisch sehr viel tiefer als Infotainment. These. Und die ist aktuell extrem konservativ, die Unterhaltung.

    - Wenn verstaatlicht wird zur Bestandserhaltung, dann ist das sehr wohl ein konservatives Projekt. “Verantwortung” ist ja ‘ne Worthülse in dem Fall, “There’s no Alternative” stimmt nie.

    - “rechtslibertär” ist das Recht des Stärkeren mit der Knarre in der Hand oder aber der ökonomischen Macht im Rücken, das ist ja weitestgehend austauschbar. Du schaffst ja Gewalt nicht aus der Welt, wenn Du sie ent-monopolisierst. Bandenkriege in South Central sind in diesem Sinne rechtslibertär.

  22. 11.05.2009 | 16:08

    @MR

    Um dir zu verdeutlichen, was ich meine, müssten wir mal eine solche Nachrichtensendung komplett analysieren, hinsichtlich Themenauswahl und -platzierung, Bildauswahl und Wortwahl.

    Und die ist aktuell extrem konservativ, die Unterhaltung.

    Linke Unterhaltung gibt es nicht. Zu wenig “Betroffenheit” ;-)

    “rechtslibertär” ist das Recht des Stärkeren mit der Knarre in der Hand oder aber der ökonomischen Macht im Rücken, das ist ja weitestgehend austauschbar.

    Dann ist es aber wieder nur ein Kampfbegriff, also eine Begriffsbildung, die die Kritik am Gegenstand schon enthält und damit lediglich das eigene Meinungsrevier markiert, ungefähr dieselbe Funktion erfüllend wie z.B. “Linksfaschisten” für eine andere Richtung. Denn die Libertären streben ja keinesfalls ein Recht des Stärkeren an, sondern vertreten die Auffassung, dass alternative Systeme auf freiwilliger Basis Gewalt viel besser einschränken als ein Staat, der denen, die in ihm die Macht haben, zu viele Versuchungen bietet, sie auszuüben.

  23. 11.05.2009 | 17:18

    @Rayson:

    “Linke Unterhaltung gibt es nicht”

    Von wegen! Das ist der Sinn meines Lebens ;-) – bisher wollte das nur noch keiner zeigen :-(

    “Dann ist es aber wieder nur ein Kampfbegriff, also eine Begriffsbildung, die die Kritik am Gegenstand schon enthält und damit lediglich das eigene Meinungsrevier markiert, ungefähr dieselbe Funktion erfüllend wie z.B. “Linksfaschisten””

    Dann dürfte ja die Beschreibung eines Regenwurms nur dessen Selbstverständnis enthalten. Ich schreibe ja extra “Rechtslibertäre”, um diese von diesen ganzen sympathischen Idealisten, die glauben, Habermas z.B. habe eine faktische, nicht etwa kontrafaktische Antizipation der Bedingungen einer idealen Sprechsituation formuliert, abzugrenzen. Hoppe und solche nun nicht als “rechts” zu bezeichnen, das wäre schlicht sachlich falsch (und der nimmt ja US-Traditionen in sich auf). Alex Jones bezeichnet sich selbst als “rechtskonservativ”. Dann kannste auch Stalin rein wertneutral beschreiben wollen.

    “Linksfaschist” geht ja deshalb nicht, weil das ein Widerspruch in sich wäre ;-)

  24. 11.05.2009 | 17:53

    @MR

    Dann dürfte ja die Beschreibung eines Regenwurms nur dessen Selbstverständnis enthalten.

    Um “dürfen” geht es hier nicht, sondern um die Verquickung von Bezeichnung und Kritik. Dass im Begriff “Regenwurm” eine Kritik an diesem Tier enthalten sein soll, wäre mir neu. Und nicht alles, was man “darf”, ist auch eine sinnvolle Sache: Natürlich kann jeder Kampfbegriffe verwenden, wie er will, aber er bekommt dann eben auch eine bestimmte Art von Diskussion oder auch Nicht-Diskussion.

    Hoppe steht in dem, was ihn zu einem “Rechten” macht, also z.B. die Bevorzugung der Feudalherrschaft und die Lust an der Ausgrenzung Andersdenkender und Anderslebender, eindeutig nicht in der Tradition Rothbards und anderer Libertärer, auf die er sich beruft, und er ist ganz sicher auch nicht repräsentativ für die Bewegung in den USA. Und was ein Alex Jones in diesem Zusammenhang soll, erschließt sich mir auch nicht so recht – der ist zwar in seinem Eintreten für freien Waffenbesitz und seinen paranoiden Thesen gegen “Government” ein Phänomen, das so wohl heute nur in den USA denkbar ist, aber das macht ihn noch lange nicht zu einem Libertären… Mal ganz abgesehen davon, dass ebenso wie “liberal” auch “conservative” drüben eine andere Bedeutung hat.

    Dann kannste auch Stalin rein wertneutral beschreiben wollen.

    Kann man auch, und dadurch ändert sich an der Person und ihren Taten rein gar nichts. Ich muss Stalin nichts unterstellen, was er nicht auch tatsächlich getan hat.

  25. 11.05.2009 | 18:12

    @Rayson:

    Auf Alex Jones kam ich nur, weil der – wohl recht populär – eine bestimmte Form der Regierungs- und “Weltherrschaftskritik”, also dass irgendwelche Verschwörer nun die USA “sowjetisieren” wollen würden, vertritt, und das sind so Motive, die wie eine überpointierte Zerrspiegelung dessen, was man auch hier in der Kommentarsektion lesen kann, auf mich wirken. Der ist mir aber auch gerade erst über den Weg gelaufen, von daher kann ich irren, und so ein Phänomen finde ich schon erstaunlich. Ist aber auch die Zerrspiegelung von vielem, was man so unter “Neoliberalismuskritik” lesen kann, teilweise wohl sogar bei mir.Halt die Unterstellung des großen Plans wahlweise linker Meinungsführer oder neoliberaler Chefstrategen, der dann die jeweils andere Seite unterjocht. Dabei kann man doch bei Foucault lernen, dass macht gar nicht in diesem Sinne als Intention von Gruppen mal eben so verstanden werden kann.

    Zudem der keine Probleme hat, sich selbst unter “rechts” einzustufen, darum ging’s mir vor allem …

    Und dass Du glaubst, ich würde Rothbard mit “rechtslibertär” meinen, da kann ich doch nix für ;-)

  26. 11.05.2009 | 23:06

    @MR

    Dabei kann man doch bei Foucault lernen, dass macht gar nicht in diesem Sinne als Intention von Gruppen mal eben so verstanden werden kann.

    Vielleicht muss man dazu nicht unbedingt Foucault lesen, aber so ist das halt. Der Mensch stellt sich das Böse ja gerne irgendwie personifiziert vor, als einzelnen Menschen oder eine Gruppe, die man nur zu bezwingen braucht, damit alles wieder auf natürliche Weise gut werden kann. So sind die Märchen aufgebaut, die Karl-May-Bücher und viele Verschwörungstheorien. Der etwas anspruchsvollere Intellektuelle ersetzt die Personen durch Institutionen (Privateigentum an Produktionsmitteln, Staat) und tauscht dadurch Verschwörungstheorie gegen Ideologie.

    Dabei kann es m.E. nur darum gehen, ein System mit möglichst vielen Freiheitsgraden und Irrtumsmöglichkeiten zu finden, das in der Lage ist, in einem “trial and error”-Prozess zu lernen. Meines Erachtens erfordert das eine sehr weitgehende Dezentralität.

  27. 11.05.2009 | 23:32

    “Meines Erachtens erfordert das eine sehr weitgehende Dezentralität.”

    Ja, eine alte, linke Forderung. Marx nannte das die “freie Assoziation der Produzenten”.

  28. googlehupf
    12.05.2009 | 0:23

    Und wenn wir da jetzt das Privateigentum als Gesamtkonzept nicht abschaffen, sondern lediglich innen im Verein, gibts da ja auch kein böses Blut. ;)

  29. 12.05.2009 | 9:17

    Privateigentum an Produktionsmitteln unter der Bedingung der Industrialisierung, bitteschön. Und man wandele es in Gemeinschaftseigentum, nicht Staatseigentum, Staat ist ja im Zuge dessen längst abgestorben, um so die Grundversorgung zu gewährleisten, damit Leute morgens jagen, mittags fischen und abends in Ruhe ein Buch lesen können.

    Das ist übrigens gar nicht weit weg von libertären Vorstellungen, soweit sie nicht rechtslibertär sind, was der Marx sich da erträumte … aber dann kam Lenin, das Arschloch, der Killer, und der Traum war aus. Aber so konnte Rio Reiser wenigstens ein tolles Lied draus machen.

  30. googlehupf
    12.05.2009 | 21:31

    Okay der Staat ist weg. Aber wem gehört das Gemeinschaftseigentum? Vermutlich doch kleineren, begrenzten, Gemeinschaften die dieses zur Produktion benutzen und im Konsum verbrauchen. Anders kann ich es mir schwerlich vorstellen.

    Wenn diese Gemeinschaften nicht völlig autark funktionieren, müssen sie irgendwann Handel betreiben mit den anderen Gemeinschaften. Das heißt, die Gemeinschaften tauschen irgendwelche Einheiten ihres Gemeinschaftseigentums aus um ihrern gegenseitigen Bedarf zu befriedigen. Wir gehen davon aus, dass dieser Tausch ganz idealtypisch auf gleicher Augehnhöhe und fair verläuft und eine Seite der anderen nicht einfach eine Banane für 100 Computer anbietet (und falls doch dieses Angebot nicht akzeptiert werden würde).

    Ist das nicht eine Privateigentumsgesellschaft?

  31. 13.05.2009 | 9:35

    @Googlehupf:

    Was jetzt die reine Marx-Exegese betrifft, hat der das meines Wissens nie wirklich durchgespielt, und ich muss da zunächst mal auch passen.

    Weil immer, wenn ich das durchspiele, ich dabei lande, dass “eure” Herrschaft so gefestigt ist, dass man den Schritt zu Lenin nachvollziehen müßtem, was ich nie wollte und nie wollen würde und imer schon falsch fand, und dann sitzt man im Dilemma, weil diese Vorstellung, dass im staatenlosen Verbund lauter Genossenschaften die Grundversorgung sichern, und alle haben Spaß in einem für alle zugänglichen Sektor, eben auch ganz schön naiv ist und zumeist sowieso an der Zentralisierung der Realwirtschaft scheitert.

    Gab ja z.B. in der Alternativbewegung der späten 70er, frühen 80er allerlei Versuche, das mal auszuprobieren, und da war dann tatsächlich so ein Mix aus Gemeinschafts- und Privateigentum das Ergebnis. Aber die taz ist meines Wissens das einzige Projekt, das überlebt hat, all die alternativen Läden, Indie-Labels etc., die sind schlicht an den “Majors” gescheitert und haben lauter überschuldete Menschen hinterlassen …

  32. tigger
    13.05.2009 | 10:52

    Wenn ich das durchspiele lande ich nicht bei Lenin, sondern bei den versauten öffentlichen Grünanlagen, die auch der Gemeinschaft gehören. Und wenn ich dann vorstelle, dass auch noch der Staat, und mit ihm der orangene Putztrupp wegfällt, frage ich mich: Wie lange würde wohl die von Marx vorausgesetzte Bedingung der Industrialisierung erhalten bleiben ? Denn nicht nur Parks und Grünanlagen, sondern auch Maschinen benötigen Wartung und Pflege.

  33. 13.05.2009 | 11:43

    @Tigger:

    Na ja, der Zusammenhang zwischen Autoritarismus und zwanghafter Persönlichkeitsstruktur ist ja bekannt – wobei ich es auch bemerkenswert fand, dass weiter oben im Zuge der Grill- und Grünanlagendiskussion bei den B.L.O.G.s nunmehr “Mehr Staat! Mehr Gebühren! Aber nur für die ohne großen Garten an der Elbchausee!” gefordert wurde … aber ansonsten hätten Ulbricht und Honecker das jetzt nicht schöner schreiben können als Du.

  34. R.A.
    13.05.2009 | 12:58

    @MR:

    Gab ja z.B. in der Alternativbewegung der späten 70er, frühen 80er allerlei Versuche, das mal auszuprobieren …

    War aber nichts Neues: Schließlich wurde die Idee der Genossenschaft von den Liberalen erfunden und auch umgesetzt.

    Und siehe da: Es geht in vielen Bereichen auch gut ohne Staat. Solange die Individuen freiwillig in so eine Gemeinschaft gehen (und genauso freiwillig wieder ausscheiden können, unter Mitnahme ihres Eigentumanteils).

    … die sind schlicht an den “Majors” gescheitert und haben lauter überschuldete Menschen hinterlassen …

    Nö – die sind an ihrer eigenen Inkompetenz gescheitert.

    Weil eben auch bei sich für sozialistisch haltenden Genossenschaften gilt, daß man nicht mehr von Anderen (Kunden, Geschäftspartnern) erwarten kann als man selber diesen liefern kann/will.

  35. 13.05.2009 | 13:06

    @R.A.:

    “Schließlich wurde die Idee der Genossenschaft von den Liberalen erfunden und auch umgesetzt.”

    Die sind sind ja auch die Gründerväter des Wahren, Guten und Schönen ;-) … und auch wenn’s nicht neu war, war’s ja trotzdem gut. Man kann jetzt auch jede Schnittmenge wieder wegdiskutieren, indem man sie exklusiv für sich beansprucht, aber macht das denn Sinn?

    “Nö – die sind an ihrer eigenen Inkompetenz gescheitert.”

    Nein, zumindest hinsichtlich der Plattenindustrie ist das falsch, und was ganz Analoges hat sich jüngst bei den Bioläden abgespielt: Die “Majors” holen jene Produkte in’s Regal,bieten sie billiger an, inflationieren, und die Nische ist tot. Das ist strukturell so, dass die Großen die Kleinen vernichten. Und es komme mir jetzt keiner mit Udo Jürgens “Tante Emma Laden” ;-)

  36. 13.05.2009 | 14:21

    @MR

    wobei ich es auch bemerkenswert fand, dass weiter oben im Zuge der Grill- und Grünanlagendiskussion bei den B.L.O.G.s nunmehr “Mehr Staat! Mehr Gebühren! Aber nur für die ohne großen Garten an der Elbchausee!” gefordert wurde

    Du verwechselst das: Nur die Linken müssen immer erheben, was jemand hat und woher jemand kommt. Der Liberale möchte lediglich, dass diejenigen, die das Gleiche tun, auch gleich behandelt werden.

    “Mehr Staat” hat übrigens keiner gefordert: Der Park gehört dem Staat schon. Und “mehr Gebühren” ist – als nutzungsabhängige Alternative zu “mehr Steuern” – tatsächlich eine sehr sinnvolle Forderung.

    Man sieht aber an diesem Beispiel, und da erwähnt tigger nur altbekannte Phänomene, dass mangelnde bzw. nicht durchgesetzte Eigentumsrechte zunächst zu Überkonsum und dann zum allmählichen Verfall des jeweiligen Gutes führen: “tragedy of the commons”, Umweltverschmutzung, Tiergarten…

  37. tigger
    13.05.2009 | 14:29

    Na ja, der Zusammenhang zwischen Autoritarismus und zwanghafter Persönlichkeitsstruktur ist ja bekannt – wobei ich es auch bemerkenswert fand, dass weiter oben im Zuge der Grill- und Grünanlagendiskussion bei den B.L.O.G.s nunmehr “Mehr Staat! Mehr Gebühren! Aber nur für die ohne großen Garten an der Elbchausee!” gefordert wurde … aber ansonsten hätten Ulbricht und Honecker das jetzt nicht schöner schreiben können als Du.

    Whoa. Keine Ahnung was Du mir jetzt da unterschieben willst, LOL !
    Aber egal. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass der Wegfall oder das Verbot des Privateigentums IMHO nicht notwendigerweise zu Lenin führt, sondern evtl. ganz einfach dazu, dass sich keiner mehr für irgendwas verantwortlich fühlt, und das bestehende einfach nach und nach kaputt geht.

  38. 13.05.2009 | 14:41

    @Rayson:

    “Du verwechselst das: Nur die Linken müssen immer erheben, was jemand hat und woher jemand kommt. Der Liberale möchte lediglich, dass diejenigen, die das Gleiche tun, auch gleich behandelt werden.”

    Deswegen verlegt sich der Liberale ja auch immer auf Binsen, Grundsätze und Kochrezepte als Wirklichkeitsflucht und beschäftigt sich ansonsten damit, seinen Vorurteilsgarten bezüglich “der Linken” zu hegen und zu pflegen – ich führe bald auch mal Diskussionen so, dass ich jedes Mal einfach nur den kategorischen Imperativ zitiere und sonst nix. Die Pointe ensteht nur leider bei den “Anwendungsfragen” und der “Urteilskraft”. Übrigens sieht man an der Antwort auch, wer tatsächlich gleichmacht.

    Und zum Thema: Natürlich heißt es “mehr Staat”, wenn Gebühren erhoben werden, weil irgendwer die ja auch erheben, einfordern und verwalten muß. Lebe ja in einer Stadt voller Hundegsetze und sonstigen Reglemetierungen der Bevölkerung, und das ist schon immens, was das so zusammenkommt an Aparratschiktum.

    Und diese “Durchsetzung von Eigentumsrechten” – der Quell jeder Diktatur – und so: dahinter steht ergänzend ja immer das Prinzip, mit dem McKinsey und Konsorten eine Institution nach der anderen ruinieren, dass man jeden Pfurz beziffert und als virtuelle Kosten irgendwo hineinschreibt, und das lähmt jedes Funktionieren irgendwann ganz. Kenne da ein paar prominente Beispiele.

    @Tigger:

    Hatte das schon verstanden, der Vorgarten muß sauber sein. Finde einfach immer bemerkenswert, wem was zu welchem Thema als erstes einfällt – und wer als erstes “Sauberkeit” assoziiert, hatte halt Probleme in der analen Phase … nach Freud, meine ich.

  39. 13.05.2009 | 14:57

    @MR

    Deswegen verlegt sich der Liberale ja auch immer auf Binsen, Grundsätze und Kochrezepte als Wirklichkeitsflucht und beschäftigt sich ansonsten damit, seinen Vorurteilsgarten bezüglich “der Linken” zu hegen und zu pflegen

    Was dir ja komplett abgeht. Mit den “großen Gärten an der Elbchaussee” hast da ja nur korrekt wiedergegeben, was SteffenH beabsichtigt hat. Schon klar…

    Und diese “Durchsetzung von Eigentumsrechten” – der Quell jeder Diktatur

    Ach herrje – mit solchen Ideologiekartätschen, die mal eben mehrere hundert Jahre Wirtschaftsgeschichte ignorieren, mag umgehen, wer will.

    dahinter steht ergänzend ja immer das Prinzip, mit dem McKinsey und Konsorten eine Institution nach der anderen ruinieren, dass man jeden Pfurz beziffert und als virtuelle Kosten irgendwo hineinschreibt, und das lähmt jedes Funktionieren irgendwann ganz

    McKinsey hat mit der Durchsetzung von Eigentumsrechten soviel zu tun wie der KSC mit der Deutschen Meisterschaft.

  40. googlehupf
    13.05.2009 | 14:57

    @Momo

    Durchsetzung von Eigentumsrechten – der Quell jeder Diktatur

    Gälte dann natürlich auch für Gemeinschaftseigentum. Außerdem würde ich diese Durchsetzung weder als nötiges noch hinreichendes Kriterium für Diktaturen sehen. Die kann man auch noch ganz anders begründen: Ideologie, Religion, Rassismus, Gemeinwohl, Notstände, etc.

    Weil immer, wenn ich das durchspiele, ich dabei lande, dass “eure” Herrschaft so gefestigt ist, dass man den Schritt zu Lenin nachvollziehen müßtem

    Machst du das an der bloßen Existenz von privaten Eigentumsrechten oder an anderen Dingen fest, diese Herrschaft?

  41. ftt
    13.05.2009 | 15:03

    McKinsey hat mit der Durchsetzung von Eigentumsrechten soviel zu tun wie der KSC mit der Deutschen Meisterschaft.

    Nachdem der KSC am letzten Spieltag gegen Hertha spielt, hat er vielleicht gar nicht so wenig mit der Meisterschaft zu tun. ;-)

  42. 13.05.2009 | 15:08

    @ftt

    Selbst wenn die dafür nötige Konstellation einträte: Nach dem Spiel gestern ist der KSC als Hindernis für diese Saison ausgefallen, da könnte es nur noch um das Torverhältnis gehen, aber bei dem liegt die Hertha eh hoffnungslos zurück…

  43. 13.05.2009 | 15:28

    @Rayson:

    “Was dir ja komplett abgeht.”

    Nö, gar nicht. Ich versuche mich da manchmal gerade zu bessern, gelingt mir aber noch nicht immer. Und noch mal der Hamburg-Bezug: Die Beispiele, die Steffen so anführt, warum auch immer, führen hier tatsächlich zunehmend dazu, dass, wer kein Geld hat, auch aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen wird. Finde ich nicht gut.

    McKinsey hat was damit zu tuen, dass man Vorgänge mit virtuellen Kosten versieht, die innerhalb von Institutionen zuvor aus einem zugewiesenen Gesamt-Topf finanziert wurden. Klassisch: Archive. Kölner Stadtarchiv war übrigens auch so ein Beispiel. Das entspricht ungefähr der Budgetierung dessen, was Foucault in “Überwachen und Strafen” über Disziplinierung schreibt – Zerlegung in Tätigkeiten usw. . Und was Steffen fordert, ist das Übertragen dieses Prinzips auf den öffentlichen Raum.

    Ich komme da auch nur gerade drauf, weil ich im Falle einer dieser prominenten Institutionen akut das Problem mit den Paradoxien, die dann folgen, habe – nervtötend. Lauter qualifiziertes Personal ist nur noch mit Unfug beschäftigt, und die Bürokratie wächst und wächst und wächst …

    @Googlehupf:

    “Gälte dann natürlich auch für Gemeinschaftseigentum.”

    Ja, in der Tat, siehe Lenin. Und wer wußte es zu nützen? Die Nomenclatura, also das, was Steffen gerne fördern möchte, wenn’s gegen Unterschichten geht.

    Ich träume ja ganz wie wie ihr von freiwilliger Kooperation, nur eben anders. Und die ideologischen Rechtfertigungen, die Du zu recht anführst, sind ja in vielen Fällen doch eher die “Oberflächenstruktur” ökonomischer Fundierungen, jetzt mal frei nach Marx und dessen Ideologiebegriff. Franco und Hitler waren die Besitzstandswahrung der Eliten (exklusive Juden, soweit sie zu diesen zählten, unter Hitler, wie das bei Franco war, weiß ich gar nicht), na, und zu Lenin habe ich ja oben schon geschrieben.

  44. der_Neue
    13.05.2009 | 15:38

    Vorgänge mit virtuellen Kosten versieht, die innerhalb von Institutionen zuvor aus einem zugewiesenen Gesamt-Topf finanziert wurden

    Nennt man auch “innerbetriebliche Leistungsverrechung”, auch als ein Instrument der “internen Marktwirtschaft”.

    Dies beides ist auch durchaus sinnvoll, da Aufwand, der nur intern betrieben wird, ja auch “kostet”. Opportunitätskosten oder auch tatsächliche Kosten (Gehälter, Material,…).

    Die größten Kritiker sind meist diejenigen, die nach innerbetrieblicher Leistungsverrechung keinen positiven Deckungsbeitrag mehr liefern;)

  45. ftt
    13.05.2009 | 15:44

    Selbst wenn die dafür nötige Konstellation einträte: Nach dem Spiel gestern ist der KSC als Hindernis für diese Saison ausgefallen, da könnte es nur noch um das Torverhältnis gehen, aber bei dem liegt die Hertha eh hoffnungslos zurück…

    Das haben sie mit bekanntem Ausgang 1992 bei der Frankfurter Eintracht sicher auch gedacht, als sie am letzten Spieltag zum Absteiger Rostock gefahren sind.

  46. tigger
    13.05.2009 | 15:54

    Hatte das schon verstanden, der Vorgarten muß sauber sein. Finde einfach immer bemerkenswert, wem was zu welchem Thema als erstes einfällt – und wer als erstes “Sauberkeit” assoziiert, hatte halt Probleme in der analen Phase … nach Freud, meine ich.

    Ach gottchen, geht grad so weiter :-)
    Und ich dachte, ich wär da jetzt pfiffig, weil parallel eine Diskussion zu den Problemen mit Gemeinschaftseigentum läuft, und werfe mal diese Verknüpfung ein.

    Aber nehmen wir mal ein Auto, das der Gemeinschaft gehört. Normalerweise muss man es regelmässig Warten. Wenn das Auto aber jedem zusteht und keinem gehört, wird es schwierig sein, denjenigen zu finden, der sich bereit erklärt auf des Autos Nutzung zu verzichten, und es stattdessen mal durchzuchecken. Bitte unterstelle mir jetzt nicht aufgrund meines Einwurfs den verhinderten Oberkontrolleur *g*.

  47. 13.05.2009 | 15:56

    @der_Neue:

    Glaub’s mir, ich weiß schon, wie Betriebswirte das sehen, damit schlage ich mich schließlich seit 15 Jahren herum und habe mittlerweile meine eigene Firma – ich weiß aber auch, was für einen Rattenschwanz an Unsinn das nach sich zieht, ohne jemals zu denen gehört zu haben, die deshalb keinen positiven Deckungsbeitrag mehr hätten liefern können. Wenn, dann meistens, weil irgendwelche Leute, die die Prozesse nicht kennen oder nicht verstehen, die sie regulieren wollen, unsinnig sparten, so dass hinten alles noch viel teurer wurde, oder aber wenn der Overhead zu teuer war – oder aber die Art von Projekt, die ich gerade hatte, nicht zu dessen Opulenz passte, also relational nicht genug abwarf. Und dieser “Overhead” war in der Regel nicht der Archivar, sondern der Vorstand …

    Meistens waren sie aber positiv, meine Deckungsbeiträge, und trotzdem produziert dieses Diszplinierungssystem lauter Unsinn, verschlechtert Proukte, bringt leute dazu, ganztätig mit Nebensächlichkeiten beschäftigt zu sein undundund – man kann nicht alles quantifizieren, selbst dann nicht, wenn man bereit, gegen die Weltherrschaft der Betriebswirte nicht mehr anzukämpfen ;-)

  48. 13.05.2009 | 16:08

    @Tigger:

    Huch, ein Kommentator mit Humor, und das bei den B.L.O.G.s? ;-) Sehr sympathisch.

    Ich vermute mal, im Falle des Autos erledigt sich die Sache dann bald von selbst, wenn irgendwann keines mehr fährt. Wie in WG-Küchen: Irgendwann wäscht halt doch jemand ab ;-) – was ja eher auf das Problem verweist, dass sowohl die Liberalen als auch die an der Alternativszene orientierten, laut R.A. ja ebenfalls genuin liberalen, linken Modelle nur bis zu einer gewissen Größenordnung funktionieren. Geht’s über diese hinaus, hebt sich, was die Organistionsweise betrifft, in der Regel auch die Differenz staatlicher und privatwirtschaftlicher Organisationsweise irgendwann auf, wo immerhin ein Statler mal die Größe hatte, das ganz ähnlich zu sehen. Und da weiß auch niemand eine Antwort.

    Ergänzend war’s im Falle der DDR aber durchaus ein Problem, dass es Privatautos gab (also nicht nur, dass man darauf so lange warten mußte). Weil die Produktivität darunter zu leiden hatte, dass die Leute so viel Zeit damit verbrachten, Ersatzteile zu organisieren im Rahmen der informellen Strukturen, die das System am Leben hielten ;-)

  49. 13.05.2009 | 16:40

    @MR

    Im Beispiel von SteffenH geht es ja nicht darum, jemanden von irgendwas auszuschließen, sondern eine bestimmte Form der Nutzung entweder zu verhindern oder zu gewährleisten, dass deren Folgen von den Verursachern getragen werden.

    Das funktioniert eben überall da nicht, wo entweder keine Eigentumsrechte bestehen, diese nicht durchsetzbar sind oder nicht durchgesetzt werden. Die Beispiele dazu habe ich aufgeführt.

    Zum OT-Teil:

    Als praktizierender Betriebswirt mit dem totalen Durchblick des Freiberuflers muss ich hier natürlich Einspruch erheben. Es gibt zwischen “Beyond Budgeting” und internen Verrechnungspreisen fürs Toilettenbenutzen und Bleistiftanspitzen tausende von Modellen, wie man in einem Betrieb zu einer effizienten Nutzung der Ressourcen gelangt, und die Betriebswirte sind sich da alles andere als einig, was zu bevorzugen ist. In gewissem Sinne, man will als Berater ja auch was verkaufen, ist das auch Moden unterworfen.

    Ich halte die meisten Kostenverrechnungen für Controller-Onanie. Es gibt genau zwei mögliche Zustände: Entweder die gegenseitige Kosten- und Leistungsverrechnung ist sinnvoll, oder sie ist es nicht. Da, wo sie sinnvoll ist, sollte man aus den Einheiten besser gleich selbständig operierende Unternehmen machen, die dann echte Rechnungen schreiben und empfangen, und da, wo sie nicht sinnvoll ist, lässt man die Finger davon.

  50. 13.05.2009 | 16:41

    @ftt

    Wenn es nur der Tabellenplatz wäre.. Aber so ein Unvermögen, wie es der KSC gestern in Angriff und Abwehr an den Tag gelegt hat, lässt dem Fan nur die Hoffnung, die Saison möge alsbald vorbei sein.

  51. 13.05.2009 | 17:03

    @Rayson:

    “Im Beispiel von SteffenH geht es ja nicht darum, jemanden von irgendwas auszuschließen, sondern eine bestimmte Form der Nutzung entweder zu verhindern oder zu gewährleisten, dass deren Folgen von den Verursachern getragen werden.”

    Ja, ja, und wenn das Ganze dann im Falle von Großindustrien oder Autofahrern gefordert wird, dann ist das Geschrei groß ;-)

    Und es läuft doch immer auf Ausschluss hinaus. Und trifft nun mal wirklich die, die keinen Garten haben. Und das Geld fließt dann in irgendwelche Fliegerstaffeln bei Hafengeburtstagen, die mir Magengeschwüre verursachen, und da trägt auch keiner die Folgekosten. Finde ja grundsätzliche Diskussionen, was nun öffentliche Aufgabe sei und was nicht, völlig in Ordnung. Ich wundere mich dann aber immer über die Wahl der Beispiele.

    Wobei ich auch finde, das liegt aber an meiner analen Phase, dass es nervt, Müll in Parkanlagen rumliegen zu lassen. Ärger ich mich jeden Sonntag morgen drüber in meinem “Planten & Blomen”. Ist in dem Fall vor allem McDonalds-Müll von Kinobesuchern, übrigens. Gibt aber auch Fälle von Papierkugeln auf Rasenflächen, über die ich mich richtig freuen kann :-D

    Und mit Deinen differenzierten Kommentaren zur Betriebswirtschaft hast Du natürlich völlig recht.

  52. 13.05.2009 | 17:16

    @MR

    Ja, ja, und wenn das Ganze dann im Falle von Großindustrien oder Autofahrern gefordert wird, dann ist das Geschrei groß

    Hier bei uns bestimmt nicht.

    Und es läuft doch immer auf Ausschluss hinaus. Und trifft nun mal wirklich die, die keinen Garten haben.

    Nein, es trifft die, die so tun, als gehörte ein öffentlicher Park allein ihnen, und die andere Nutzer, die z.B. Ruhe und Erholung suchen, durch ihr Treiben belästigen bzw. – hier trifft es dann zu – von der beabsichtigten Nutzung ausschließen. Und die dann ihren Dreck herumliegen lassen, der mit den Geldern anderer gefälligst zu beseitigen ist. Wer sich der Parole “Frechheit siegt” nicht anschließen kann, wird hier nur wenig Sympathien empfinden.

    Gibt aber auch Fälle von Papierkugeln auf Rasenflächen, über die ich mich richtig freuen kann :-D

    Ja, wenn die Dinger eine wichtige Funktion erfüllen ;-)

  53. 13.05.2009 | 17:40

    @Rayson:

    Na, wer wann wen wie belästig, so tut, als gehöre der Park ihm, die Straße, wasauchimmer, all diese Fragen, das ist immer so eine Endlos-Diskussion. Was zwar nicht perfekt funktioniert, in manchen Gegenden mehr, in anderen weniger, ist, dass hier in Hamburg diese schwarzen Beutel für Hundescheiße ausgegeben wurden, zum Beispiel. Seitdem liegt signifikant weniger von dem Dreck rum, ich habe die auch immer in der Tasche. Gäbe es da nur die Saktionsandrohung, die’s ja gibt, hätte sich kein Mensch daran gehalten. So ist jetzt eher das Problem, dass die Jogger alles zuscheißen … wie sowieso ein Problem ist, dass meine Spaziergänge im wesentlichen daraus bestehen, Joggern und Radfahrern auszuweichen, und das, obgleich letzteres in “meinem Park” verboten ist. Würde aber trotzdem keine Gebühren für die erheben wollen … und leine meinen Hund auch freiwillig an, wenn kleine Kinder uns entgegen kommen, dabei tut sie denen gar nix. Um ansonsten fröhlich Gesetzesbruch zu begehen, indem ich sie laufen lasse … ja, machen nicht alle so, ich weiß. Aber ständige Platzverweise für Punks auf der Reeperbahn finde ich noch doofer …

Bad Behavior has blocked 1030 access attempts in the last 7 days.