30. April 2009
Primat der Politik
Das Beharren Josef Ackermanns “auf dem völlig überzogenen Renditeziel von 25 Prozent ist ein Skandal”, sagte Vize-Fraktionschef Joachim Poß am Dienstag in Berlin. Er kritisierte die Verlängerung des Vertrags des Deutsche-Bank-Chefs deshalb als “schlimmes Signal”: Einige in der Branche “können und wollen offenbar nichts dazu lernen”.
Wie so oft in den Monaten der Finanzkrise sind die lautesten Ankläger nicht eben die, die am meisten Ahnung haben. Denn die 25 Prozent sind bei weitem kein Irrwitz. Selbst die Frankfurter Volksbank, die als konservativ geführtes Institut gilt, konnte im Jahr 2005 nach eigenen Angaben schon einmal eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von fast 23 Prozent einfahren. 2007 waren es immerhin noch 18 Prozent.
Im Kontext der internationalen Investmentbanken, zu denen die Deutsche Bank nun mal zählt, sind 25 Prozent durchaus üblich, wie Michael Grote, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, erläutert. Denn viel Geld wird hier mit Geschäften verdient, die in der Regel mit so gut wie gar keinem Eigenkapital unterlegt werden müssen, so etwa mit der Beratung von Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen oder mit der Ausgabe von Anleihen. Eigenkapital hingegen ist vor allem beim Ausgeben von Krediten notwendig – und darin ist die Deutsche Bank weit weniger aktiv als zum Beispiel die Commerzbank.
Den Vergleich mit anderen Unternehmen muss Ackermann auch nicht scheuen. Die Bundesbank hat auch von anderen Branchen die Eigenkapitalrenditen archiviert. Demnach erreichten alle deutschen Unternehmen, die ihr Geld 2007 in der Industrie, auf dem Bau, im Handel und im Verkehr verdienten, eine Eigenkapitalrendite von durchschnittlich 37,2 Prozent. Da andere Berufsstände, Berater oder Anwälte etwa, für ihre Geschäfte kaum Eigenkapital benötigen, dürften dort sogar Renditen von mehr 100 Prozent durchaus üblich sein.
(FAZ.net)
Verfasst von Rayson um 13:51 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaft (Trackback)
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