Primat der Politik

Das Beharren Josef Ackermanns “auf dem völlig überzogenen Renditeziel von 25 Prozent ist ein Skandal”, sagte Vize-Fraktionschef Joachim Poß am Dienstag in Berlin. Er kritisierte die Verlängerung des Vertrags des Deutsche-Bank-Chefs deshalb als “schlimmes Signal”: Einige in der Branche “können und wollen offenbar nichts dazu lernen”.

(Spiegel Online)

Wie so oft in den Monaten der Finanzkrise sind die lautesten Ankläger nicht eben die, die am meisten Ahnung haben. Denn die 25 Prozent sind bei weitem kein Irrwitz. Selbst die Frankfurter Volksbank, die als konservativ geführtes Institut gilt, konnte im Jahr 2005 nach eigenen Angaben schon einmal eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von fast 23 Prozent einfahren. 2007 waren es immerhin noch 18 Prozent.

Im Kontext der internationalen Investmentbanken, zu denen die Deutsche Bank nun mal zählt, sind 25 Prozent durchaus üblich, wie Michael Grote, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, erläutert. Denn viel Geld wird hier mit Geschäften verdient, die in der Regel mit so gut wie gar keinem Eigenkapital unterlegt werden müssen, so etwa mit der Beratung von Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen oder mit der Ausgabe von Anleihen. Eigenkapital hingegen ist vor allem beim Ausgeben von Krediten notwendig – und darin ist die Deutsche Bank weit weniger aktiv als zum Beispiel die Commerzbank.

Den Vergleich mit anderen Unternehmen muss Ackermann auch nicht scheuen. Die Bundesbank hat auch von anderen Branchen die Eigenkapitalrenditen archiviert. Demnach erreichten alle deutschen Unternehmen, die ihr Geld 2007 in der Industrie, auf dem Bau, im Handel und im Verkehr verdienten, eine Eigenkapitalrendite von durchschnittlich 37,2 Prozent. Da andere Berufsstände, Berater oder Anwälte etwa, für ihre Geschäfte kaum Eigenkapital benötigen, dürften dort sogar Renditen von mehr 100 Prozent durchaus üblich sein.

(FAZ.net)

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21 Kommentare zu “Primat der Politik”

  1. Eloman
    30.04.2009 | 14:21

    Recht hat er, der Herr Poß: Banken sind nicht da um Geld zu verdienen, sondern um Geld zu verbrennen (siehe IKB, WestLB, HSH Nordbank usw. usf.)

  2. 30.04.2009 | 14:31

    Aber es hilft anscheinend nichts zu erklären, wie Renditen auf das Eigenkapital zustandekommen. Der Kritiker sieht eine große Zahl “25% Rendite? Wahnsinn, ich krieg auf mein Konto nur 4%!” und leitet seine Kritik daraus ab.

    Das in der realen Welt Eigen- und Fremdkapital sich unterschiedlich verzinsen (weil sie unterschiedlich riskant sind) und man damit durch geeignetes Laveraging recht schnell hohe Eigenkapitalrenditen einfahren kann, hat die politische Linke noch nie interessiert.

  3. 30.04.2009 | 14:41

    Der Unterschied im Risiko macht da m.E. den kleinsten Teil aus.

    Entscheidender ist das, was irgendsoein professoraler Volldepp mal zum “Unwort des Jahres” erklärt hat: das Humankapital. In das wurde investiert (Aus- und Weiterbildung), und diese Investition verzinst sich, wenn sie erfolgreich in Leistungen umgesetzt wird, genau so wie die in eine Maschine. Einziger Unterschied: Offizielle Renditen werden auf das bilanzierte Kapital bezogen, Humankapital taucht in der Bilanz aber nicht auf (höchstens vielleicht mal ganz versteckt in einem Firmenwert).

  4. Buenavista
    30.04.2009 | 15:25

    dass man damit durch geeignetes Laveraging recht schnell hohe Eigenkapitalrenditen einfahren kann, hat die politische Linke noch nie interessiert.

    dass man allerdings durch ungeeignetes Leveraging am Ende den Steuerzahler zur Kasse bittet, ist wiederum eine andere Geschichte.

    Und auch die Deutsche Bank tut dies, über kleine Umwege

  5. 30.04.2009 | 15:34

    Das Herr Poß keinerlei Ahnung vom Bankwesen und der Art deren Renditeerstellung hat ist doch nicht weiter erstaunlich. Wann hatte ein SPD-Politiker das jemals? Es heist nicht umsonst:”Soziale Pleite Deutschlands”.

  6. R.A.
    30.04.2009 | 16:09

    Während die SPD wieder mal populistischen Unsinn erzählt, sehen das die Betroffenen ganz anders.
    Es waren wohl wesentlich die Vertreter der Belegschaft, die für eine Verlängerung Ackermanns gesorgt haben:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,622158,00.html

  7. Markus
    30.04.2009 | 23:23

    Seit seinem ostentativ gezeigten “Victory” vor Gericht, hat sich Ackermann selbst das Image eines arroganten Bankers verpaßt und versucht seitdem auch nicht, daran etwas zu ändern:

    Werte zu schaffen, gibt er vor, und danken solle man der Deutschen Bank für ihre Leistungen.

  8. 30.04.2009 | 23:37

    @Markus

    Werdet wie die Kinder. Sie bauen sich ihr Weltbild aus Bildern. Und nichts sonst. Alles schön bunt und leicht “verständ”lich.

    @Hardy

    Um mal schon dem Prä-Wahlkampf vorzubeugen: Es ist die Union, die Enteignungsgesetzen zugestimmt, sich mit dem Aufblasen von Abwrackblasen geschmückt und an der populistischen Hatz auf “gierige Manager” teilgenommen hat.

    Ich würde wohl nie mehr SPD wählen. Aber die Alternativen sind allesamt jämmerlich genug.

  9. F.Alfonzo
    1.05.2009 | 0:35

    Der FAZ-Mann ist schon mal eine Erleichterung für das von Vollidioten malträtierte Gehirn eines Menschen, der ganz gern 2 Sekunden nachdenkt, bevor er sich ein Urteil bildet. Aus meiner Sicht ist der Mann eine Lichtgestalt in der Finsternis deutscher Massenmedien. Überlege gerade, ob ich nicht ab und zu die FAZ lesen sollte.

    Trotzdem: Wie diese 25% EK-Rendite zustandekommen, vermochte auch er nicht zu erklären.

    @ Daniel: Das Leverage-Level bei der DB ist m.W. ziemlich niedrig, im Vergleich zu anderen Banken. Ein Pluspunkt für Ackermann.

    Man kann’s so oder so sehen, Fakt ist: Der Ackermann ist ein verdammtes Genie, was das Management einer Bank angeht. Das kann ihm keiner madig machen, auch kein dumm daherschwätzender Politiker. Ich glaube, die meisten Leute wissen das auch.

  10. 1.05.2009 | 17:36

    @Boche
    Selbiges ist mir bekannt, jedoch hätten sie es nicht ohne die SPD machen können. Und wenn Du dir die Sprüche von Nahles und Konsorten anhörst wirst Du merken wie sehr ihnen das entgegen kommt. Die wollen sogar noch mehr.

  11. Markus
    1.05.2009 | 22:25

    @ F.Alfonzo

    “Man kann’s so oder so sehen, Fakt ist: Der Ackermann ist ein verdammtes Genie, was das Management einer Bank angeht. Das kann ihm keiner madig machen, auch kein dumm daherschwätzender Politiker. Ich glaube, die meisten Leute wissen das auch.”

    Ein Aprilscherz am 1. Mai.

    @ Boche

    Welch ein Kommunikationsgenie der Ackermann doch ist!

  12. 11.05.2009 | 15:05

    Der Spiegel von heute titelt:

    DAS PRINZIP GIER
    Warum der Kapitalismus nicht aus seinen Fehlern lernen kann

    Und die Wahrscheinlichkeit von weiterem Kladderadatsch wird mit diesem Auszug offenschtlich:

    “Die Vermögensblase, das sind jene um die Welt vagabundierenden Billionen Dollar, die nicht mehr in die warenproduzierende Wirtschaft investiert werden, in Fabriken und Maschinen, weil dort die Renditen geringer sind sind als auf den Finanzmärkten..
    Das globale Finanzvermögen lag 1980 bei 12 Billionen Dollar und hat sich bis 2007 auf 196 Billionen vervielfacht.
    Die Finanzvermögen sind in den vergangenen 25 Jahren dreimal so stark gestiegen wie die Weltproduktion, die Vermögensansprüche der Geldbesitzer sind inzwischen viermal größer als die jährliche Wirtschaftsleistung”
    Quelle: Der Spiegel NR.20

    Da liegt was schief und es geht nun darum, das Finanzsystem auf das Maß der realen Ökonomie zu bringen, also es nicht nur zu rekapitalisieren, sondern in der Größenordnung und in der Art der Geschäfte zu redimensionieren. Mit kommt das so vor als ob die plutokratischen Finanzanleger wie Schweine am Trog hängen und die eierlegende Wollmilchsau wird gerade von allen Akteuren reanimiert.

    Ansonsten mal in diese Richtung schauen und mal darüber nachdenken warum wir Bauvorschriften einhalten, ebenso die Straßenverkehrsordnung (nicht wegen der Ordnung:-), gelle?

    “Der Dummkopf stellt sich vor, dass die Wonne, Regeln zu brechen, unbeschreiblich wächst, wenn man die Regeln selbst abschafft”
    Nicolas Gomez Davila
    Kolumbianischer Philosoph und Aphoristiker

    Ansonsten kommt das große Unglück in der Welt, laut einem alten Frankfurter Bankier, Albert Hahn, nur durch die Dummheit von gescheiten Leuten.

    Dann kann alles nur noch besser werden….

    Na denn, schöne Woche noch aus Ricciland!

  13. 11.05.2009 | 15:24

    Wie gut steht die ach so famose Deutsche Bank eigentlich wirklich da?
    Und wie ist das Verhalten des ersten Mannes in der Führung zu verstehen?

    La Rochefoucauld kannte diesen menschlichen Charakter:
    “Wenn wir uns zum Nutzen anderer bemühen, sieht es ao aus, als würde unser Eigennutz von unserer Güte überlistet und vergäße sich darüber selbst.

    In Wahrheit nimmt er nur den sichersten Weg zu seinem Ziel. er gibt vor zu schenken und leiht doch auf Zinsen, denn er gewinnt auf feine und kultivierte Weise alle Welt für sich.”

    Im spiegel war unter dem Titel “Die Schamlosen” dies hier zu erfahren:
    “Für begabte Händler repräsentierte die Dt. Bank die beste aller Welten. Die Besten unter ihnen konnten mit dem Kapital der Bank spekulieren und ihr Einkommen maximieren. Je mehr Risiko sie eingehen konnten, desto höher der potenzielle Gewinn.
    Bis das System kollabierte. Frei von Schuld ist keine der großen Banken. Aber wer bekennt sich dazu?
    Wie soll die Branche ihr verspieltes Vertrauen wieder gewinnen, wenn sie nicht zu ihrer Verantwortung steht?”
    Zitatende

    Eines ist wohl hoffentlich allen klar, mit dem puren Imperativ des Profits ( am besten heute entschieden und gestern war die marie schön überwiesen:-) lässt sich weder Geschäft noch Vertrauen nachhaltig gestalten.

    Doch schon ging es bei der Deutschen Bank um die Nachfolge des Konzernlenkers und im capital Nr. 5 ist dazu einiges zu lesen:

    “…(…)Josef Ackermann hat es versäumt rechtzeitig einen geeigneten Nachfolger aufzubauen . Erschreckend kommt hinzu, dass die Dt. Bank weitaus weniger strahlend dasteht, als der Chef dies glauben macht(….)…

    So, da kommt am dicken Ende noch einiges nach. Oft kommt es anders als gedacht, in diesem Fall lag ev. schon die Planung falsch, denn laut einer Studie der Schweizer Beratungsfirma Independent Credit View ( ICV ) hat die Deutsche Bank im Vergleich mit 16 internationalen Großbanken kaum noch Reserven um Kreditausfälle zu verkraften. Was passiert wenn demnächst der Ausfall von Unternehmensdarlehen ansteht?

    Hierzu ist in der Titelgeschichte des capitals diese Feststellung von Interesse:
    “In New York an der Wall StreetNo. 60 verabschiedete sich kürzlich Staranalyst
    Mike Mayo bei seinen Kollegen von der Dt. Bank, er wechselte zu Calyon, einer Tochter des französischen Wettbewerbers Credit Agricole.
    Beliebt gemacht hat er sich zuletzt nicht. Mayo zählt weltweit zu der Handvoll Vordenker, die rechtzeitig bemerkt haben, dass in den Bankbilanzen etwas faul ist. Nach den faulen Hypothekenkrediten sieht er nun die nächste Schockwelle auf die Finanzbranche zurollen,
    bei den Unternehmensdarlehen.
    Die Ausfälle, so seine Prophezeihung, werden höher sein als während der großen Depression. 1934 fielen 3,4 % des Kreditvolumens aus, für 2010 rechnet Mayo nun mit mindestens 3,5 % wenn es schlimm kommt sogar mit 5,5 %”

    Zusätzlich zum allgemeinen Kladderadatsch, sieht es bei den Rückstellungen des Unternehmens auch sehr dünn aus. Dieselben betragen noch zart-seidige 0,71% des Kreditportfolios. Damit landet der Schweizer Boss mit seiner Deutschen Bank auf dem drittletzten Platz der im Stresstest geprüften Banken.

    Hierzu Christian Fischer, ICV Partner:
    “Viele Banken hielten es nicht für nötig, in guten Jahren die Reserven für faule Kredite aufzubauen. Einige haben ihre Reserven absolut wie relativ zum Volumen des Kreditportfolios sogar abgebaut. Die Deutsche Bank spielt in dieser Liga.”

    Dumm gelaufen ist auch und gerade der Eigenhandel, darin sind ebenso Verluste angehäuft und keine Reserven aufgebaut.. Zum Schluss kommt der Artikel zum Resümee:
    …(…) Gerangel um die Nachfolge, kaum Puffer für notleidende Kredite und übergroße Abhänigkeit vom gerade kollabierenden Kapitalmarkgeschäften – die
    Deutsche Bank geht schwierigen Zeiten entgegen. Sie steht exemplarisch für den Zustand des gesamten deutschen Bankensystems, der die Krise lange unterschätzten und schönredete, zu spät gegensteuerte und um unter erhöhter Verletzungsgefahr leidet.”
    Ende des Auszugs

    Schöne Woche noch aus Bad Vilbel
    Ricci R.

  14. R.A.
    11.05.2009 | 15:57

    Die
    Vermögensblase, das sind jene um die Welt vagabundierenden Billionen Dollar, die nicht mehr in die warenproduzierende Wirtschaft investiert werden, in Fabriken und Maschinen, weil dort die Renditen geringer sind sind als auf den Finanzmärkten..

    Danke für dieses Zitat. Wenn da solcher Unsinn geschwatzt wird, braucht man auch diesen SpOn-Artikel nicht mehr zu lesen.

  15. Ricci Riegelhuth
    11.05.2009 | 23:58

    @Hallo R.A.

    Hier noch kurz zur Licht-Reserve aus der Schweiz, in Persona des Chefs
    Der Artikel im capital endet auch sehr süffisant, wie hier dick zu lesen, denn:
    DIE DEUTSCHE BANK WÄRE KAUM VON DEUTSCHLAND ALLEIN ZU STÜTZEN

    …(…)In Washington, nicht in Berlin,wurde das Undenkbare debattiert. Vor dem Council on Foreign Relations, einem einflussreichen Thinktank, gab am 1.Aprildieses Jahres der Experte Benn Steil, eine führende Stimme in der internationalen Bankenregulierung, zu Protokol:

    “Für die Vereinigten Staaten ist es relativ einfach, mit den systemrelevanten Instituten umzugehen, das ist aber eindeutig nicht der Fall in Europa. Nehmen wir ein Institut wie die Deutsche Bank. Wenn sie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten sollte, dann wäre das ein größeres Problem. Nicht nur für Europa, für die ganze Welt.”

    Josef Ackermann hat aus der Deutschen Bank ein instabiles Haus gebaut.Und es it mittlerweile zu groß, um beim nächsten Beben allein von den Deutschen gerettet zu werden.
    Zitatende

    Na prima, das eigene Risiko wird als Externalität angesehen und so den Regierungen verkauft. Da Vertrauen mehr Gesprächstoff als Verstand bietet, dasselbige zur Zeit von der Finanzwirtschaft auf den Misthaufen geworfen wurde, sind alle gierig nach Papa-Staat. Herr Präsident Obama zeigt auch ein gewendetes Verhalten zu Herrn Präsident-Ex Bush. Die angestellten Führungskräfte der quasi verstaatlichten US- Banken bekommen nicht mehr als 500.000 Dollar im Jahr. Das ist der Sozialismus der Marktradikalen, da wird der Verlust direkt an den Steuerzahler weitergereichtWas für ein Elend für die Damen und Herren “of feinänschel maasters of junivers” und trotzdem wird der Säckel voll.
    Heidiwixka,bezahlt wird der Kladderadatsch von uns allen, egal ob in den USA oder sonstwo.
    Der Mittelstand fährt dabei auch gleich in den häufig unverschuldeten Bankrott.
    Unschuld findet immer weniger Schutz, als Verbrechen und Dummheit von Bonzen.
    Das war immer realiter bei den deutschen Stämmen und Fürsten!
    Zur Unterfütterung und Erbauung zum Kladeradatsch,
    hier ein Text-Auszug:
    Philosoph Badiou über die Finanzkrise
    Das Reale dieses Krisenspektakels

    Der französische Philosoph Alain Badiou polemisiert gegen die Moral des Kapitalismus: Manager müssten sich wie “Raubtiere” benehmen, die jetzige Ordnung basiere auf “Banditentum”. VON ALAIN BADIOU

    Hier ein Auszug:

    “Man hat diese Wochen oft von der “Realwirtschaft” (der Produktion der Güter) gesprochen. Man hat ihr die irreale Ökonomie (die Spekulation), von der das Übel ausginge, gegenübergestellt, da ihre Vertreter “unverantwortlich”, “irrational”, “Raubtiere” geworden seien. Diese Unterscheidung ist absurd. Der Finanzkapitalismus ist seit fünf Jahrhunderten ein wichtiger Teil des Kapitalismus im Allgemeinen. Was die Eigentümer und Manager dieses Systems angeht, so sind sie allein für Profite “verantwortlich”. Ihre “Rationalität” ist an den Gewinnen messbar, und Raubtiere sind sie nicht einfach, sondern müssen sie sein. Es gibt folglich im Warenlager der kapitalistischen Produktion nichts “Realeres” als auf ihrer Handelsetage oder in ihrer Spekulationsabteilung.

    Die Rückkehr zum Realen kann nicht in der Bewegung, die von der schlechten “irrationalen” Spekulation zur gesunden Produktion führt, bestehen. Es ist die Rückkehr zum unmittelbaren und reflektierten Leben all derer, die diese Welt bewohnen. Von dort aus kann man den Kapitalismus samt dem Katastrophenfilm, den er uns in der letzten Zeit aufzwingt, beobachten, ohne schwach zu werden. Das Reale ist nicht dieser Film, sondern das Publikum.

    Was sieht man, wenn wir uns abwenden oder zurückwenden? Man sieht, und das ist, was man sehen nennt, einfache und seit langer Zeit bekannte Dinge: Der Kapitalismus ist nichts als Banditentum, irrational in seinem Wesen, verheerend in seinem Werden. Schon immer hat er sich einige kurze Jahrzehnte des bestialisch ungleich verteilten Wohlstands mit Krisen, in denen astronomische Wertmengen verschwanden, mit blutigen Strafexpeditionen in alle Zonen, die ihm strategisch wichtig oder bedrohlich erschienen, oder mit Weltkriegen, in denen er sich erholt hat, bezahlen lassen. Lassen wir dem so gesehenen Krisenfilm seine didaktische Kraft. Kann man angesichts des Lebens der Menschen, die ihn anschauen, noch wagen, uns ein System anzupreisen, das die Organisation des kollektiven Lebens den niedrigsten Trieben, der Habsucht, der Rivalität, dem mechanischen Egoismus, überlässt? Die Lobrede auf eine “Demokratie” zu halten, in welcher die Regierenden so ungestraft die Diener der privaten Gewinnaneignung sind, dass sie selbst Marx erstaunt hätten, der dennoch bereits vor 160 Jahren die Regierungen als “Agenten des Kapitals” bezeichnet hat? Zu affirmieren, dass es unmöglich ist, das Loch der “Sozialversicherung” zu stopfen, aber dass man, ohne zu zählen, Milliarden in das Loch der Banken stopfen muss?”

    Quelle:http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-finanzkrise/artikel/1/das-reale-dieses-krisenspektakels-1/

    Ja, da hat er Recht. Damit deutsche Schulen wieder in Ordnung kommen musste erst Lehman Brothers in den USA ÜBER DIE WUPPER GEHEN….hartes Leben für Bildung und Achtung vor Schülern im Lande der Dichter und Denker!
    Doch Vorsicht, nach dem Alpen-Adi, kam Honni und wegen verückt gewordenen
    Finanzhasadeuren beginne ich nicht den Kommunismus mit Hosianna zu Lobpreisen, sowie die Firma von Herrn Lafontaine zu wählen, denn Humbug und Bockmist wird nun schon reichlich von Kapitalisten veranstaltet.

    Beste Grüße aus Ricciland / Bembelcounty / Bad Vilbel

  16. 12.05.2009 | 0:12

    Ja, wenn Alain Badiou das sagt, dann müssen wir wohl von allem abschwören, was wir bislang angenommen haben. So was Dummes aber auch.

    Ich hoffe, man nimmt uns ab, dass wir den Kommentar da nicht gefaket haben…

  17. 12.05.2009 | 9:38

    Vielleicht klappt es jetzt, im dtitten Versuch, mit dem Posting:-)
    @Rayson

    Manchmal ist das Leben so mühseelig, gelle!
    Die bissigen Liberalen haben mir schon meine Meinung durch einen menschgewordenen Bleistift entsorgt, 2 mal schon , na so was!
    Awwär isch bleib dran….

    Das wars und ward entfleucht (allerdings schon verlinkt und festgehalten auf dem finanzblog, der einen netten Hinweis der gnadenlosen Liberalen als Beitrag brachte, deswegen ich erst auf die Seite kam):
    “Ja, das ist richtig es war wohl in den letzten 3 bis 4 Jahrzehnten nicht möglich über die system-enthaltenen “Fakes” des Kapitalismus wertfrei zu forschen, denn zumeisst hatten wir es mit Markttheologen und Finanz-New-Age-Entertainern zu tun.Hier nochma,l kein Fake:
    Im Endstadium des Booms wurde wohl jedem in den USA, der nicht schnell genug um die Ecke ging ein Kredit angedreht. Vorher nutzten die US-Amerikaner ihre Begeisterung an gruppendynamische Ritualen zur Steigerung des Wohlstandes aller. Angezettelt durch Politiker, Ökonomen und Finanzbonzen und Wirtschaftsfunktionäre.

    Vorher noch eine Info:
    Damit jeder weiß was ein SUV ist.
    Es ist ein Sports Utility Vehicle , kurz, ein Geländewagen!

    Robert MvTeer,
    Gouverneur der Federal Reserve-System in Dallas vor der Handelskammer
    in Richardson, Texas, Februar 2001

    “LASST UNS ALLE DIE HAND REICHEN UND EIN “S U V” KAUFEN!”

    Dazu folgender Auszug:
    “Mittlerweile ist der Konsum in den Rang einer patriotischen Pflicht erhoben worden:

    Wenn alle nur weiter fleißig weiter kaufen , so wird dem US-Bürger suggeriert, dann steigt auch das Bruttosozialprodukt.

    Noch vor den Anschlägen des 11.09. 2001 brachte es Herr McTeer fertigt in seiner Funktion der amerikanischen Notenbank Federal Reserve in Dallas, fertig, seinem Publikum zu sagen, dass alles in Ordnung sein würde, wenn sich nur A L L E an der Hand nehmen und ein S U V kaufen würden.”
    Quelle:”Der Crash Kommt, Max Otte, Ullstein
    4. Auflage 2008

    Welchen Schluss können wir daraus ziehen?
    Dummheit ist eine zutiefst menschliche Begabung und dieselbe konnte selbst in
    “Gods Own Country” noch nicht geheilt werden. So und da wir in Old Europe gerne die Claquere der US-Amerikaner sind, haben wir mitgemacht. Hosianna!

    Doch, Fakes beiseite, besser und treffender habe ich den Zustand der Krise noch nicht gelesen:

    Behavioural Finance

    “Politik und Finanzwirtschaft setzen also mehr oder weniger darauf, dass die Krise durch bekannte Verhaltensanomalien im Bewusstsein der Menschen die bittere Realität falsch bewertet. Es geht im Kern also um die Hoffnung durch Placeboeffekte würde die Wirtschaft wieder gesunden. Politik und Wirtschaft werden so zu Wunderheilern, die durch ein Illusionstheater die blöde Masse soweit beruhigen will, dass sie dem Zaubertrick der Vernichtung der Wertverluste durch das Schwarze Loch einer Bad Bank Glauben schenken. Danach kann man dann beruhigt wieder mit der Voodoo-Ökonomie wie bisher weitermachen.”
    Zitatende

    Und wer weiter auf Readers Edition lesen will, hier zum testen:

    Skaleneffekte der Finanzkrise und Grenzen staatlicher Lösungsmöglichkeiten
    Donnerstag, den 5. Februar 2009 von Georg Erber

    “In der derzeitigen Debatte um die Lösung der globalen Finanzkrise werden Lösungen wie beispielsweise durch Bad Banks, Verstaatlichung Staatsbürgschaften und Augleichsforderungen nur abstrakt, d.h. ohne Berücksichtigung der konkreten Zahlen für die Staatsfinanzen diskutiert. Dies ist fatal, da man ohne Hinzuziehung der für eine Bankensanierung erforderlichen Summen, die Grenzen der Staatsverschuldung, die dadurch übernommen werden muss, ignoriert”
    Zitatende

    ….hinter dem eingepflegten Link geht es weiter!

    Gruß aus Bad Vilbel
    Ricci R.

    PS: Sollte die Freiheit der Meinung eure Liberalität wieder finden, freut es mich jetzt schon!Ansonsten hacke ich das hier ab unter dem Motto ” Arroganz ist die Perücke geistiger Kahlheit!”
    Gas gewe un längär lewe, gelle:-)

  18. 12.05.2009 | 11:23

    @Ricci

    Du solltest dich vielleicht mal erkundigen, was ein Spamfilter ist und welche Rolle Akismet in Wordpress-Blogs spielt. Da wir hier nicht ständig die Admin-Oberfläche aufrufen, kann es sein, dass Kommentare, die bei Akismet keine Gnade gefunden haben, einen halben Tag oder länger auf Freigabe oder Löschung warten. Aber wenn wir jemanden rausschmeißen, dann kündigen wir das an.

    Allerdings: Akismet hat manchmal ein eingebautes Textverständnis, so scheint mir…

    Ehrlich, Ricci, ich habe keine Ahnung, was diese Kommentare sollen. Kommt irgendwann mal eine Aussage oder willst du nur missionieren?

  19. Marco
    12.05.2009 | 12:13

    @Ricci
    Sehr orginiell und auf keinen Fall langweilig!
    Wie weit brennt es eigentlich?
    Welche Brandbreite ist die unsere?
    Hier ein paar Zahlen zur Veranschaulichung der finanziellen Feuerbrunst:
    Im Jahr 2006 betrug das Weltbruttosozialprodukt – der Output der gesamten Weltwirtschaft – geschätzte 47 Billionen Dollar. Der Börsenwert aller weltweit gehandelten Aktien betrug allerdings 51 Billionen, also rund 3 Prozent mehr. Der Gesamtwert aller gezeichneten Obligationen betrug 68 Billionen, also rund 40 Prozent mehr. Und der Nominalwert aller Ende 2006 ausstehenden Finanzderivate – Termingeschäfte, Kreditausfallversicherungen und dergleichen – betrug über 400 Billionen Dollar, das sind über 700 Prozent mehr. Der Reichtum, den die Welt wirklich erwirtschaftet, ist nur noch ein Bruchteil dessen, was sie auf die eine oder andere Weise in ihren Büchern stehen hat. Rattattazong im Karton!

    Die Zahlen sind aus dem Vorwort des Buches “Der Aufstieg des Geldes” von Naill Ferguson. Das Buch ist zu empfehlen.

  20. Hildegard von Bingen
    12.05.2009 | 21:18

    “Den Völkern schadet vielmehr die Habsucht der eigenen Bürger als die Raubgier der Feinde. Dieser läßt sich bisweilen ein Ziel setzen, jener aber nicht.”
    Niccolò Machiavelli

    …Probleme die der Mensch nicht lösen kann, muss eine Gesellschaft als ganzes kultivieren. Der Kapitalismus entstand aus Raub und Überfall. Das Primat der Politik ist deshalb nach der Kernschmelze im letzten Herbst angesagt.
    Kann es sein, dass die Freiheit zur einer Ideologie verkommen ist?
    Wir vergessen schnell unser ureigenes Wesen und ausserdem ist in dem Fall die Wissenschaft zur Theologie erhoben worden. Allerorten waren die Marktgläubigen
    am Jubilieren und zauberten mit mathematischen Formeln eine Art
    “Astrologie der Unendlichen Profitmaximierung”.
    Mir kam das schon so vor wie der Ablaßhandel auf Konjunkturdellen und Krisen. Papst war Herr Greenspan in den USA
    Nach dem Motto:
    “Und alle Spekulanten landen im Maximierungsparadies!”
    Alles menschlicher Übermut der mit Demut hadert.
    Doch jetzt ist Demut anstatt Unmut angesagt.

    Das Ende ist es wieder nicht:-)

    Nur “Money for nothing, chicks for free” hat Flasche leer.

  21. 12.05.2009 | 22:33

    Kommentieren unter verschiedenen Usernamen ist alles andere als originell, zumal wenn der Betreffende sich noch nicht einmal die Mühe macht, seine Diktion zu ändern. Ich bitte, das als letzte Warnung zu verstehen.

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