Ich bereue

Gestern habe ich wieder unverantwortlich gehandelt.

Ich habe ein Autohaus, in das ich mit der Absicht eingetreten war, einen fünfstelligen Betrag zu investieren, nach 15 Minuten wieder verlassen, weil keiner von mir und meiner Freundin Notiz nahm, geschweige denn, dass man uns eine Erfrischung angeboten hätte. Daraufhin suchte ich den zweiten Händler derselben Marke am Ort auf, bei dem der Verkäufer zwar ebenso beschäftigt war, sich aber die zehn Sekunden Zeit nahm, uns zu begrüßen und uns auf die Getränkeauswahl aufmerksam zu machen. Am Ende stand der Kaufvertrag.

Ich gestehe hiermit meine Fehler:

- Ich habe aus reinem Eigennutz gehandelt.
- Ich habe nicht untersucht, in welcher sozialen Lage sich die Mitarbeiter der beiden Autohäuser befinden.
- Ich habe einem erfolgreichen Verkäufer einen weiteren Auftrag verschafft, statt ihn einem weniger erfolgreichen zu geben, und dadurch die soziale Ungleichheit verschärft.
- Statt durch die Stärkung des größeren Autohauses den Druck auf die Effizienz der Produktion zu erhöhen (wie das Kalle mir immer sagt), die eine Übernahme des kleineren Konkurrenten erforderte, habe ich den ruinösen, kalten Wettbewerb verstärkt und dadurch ein Stück an der Gesellschaft mitgearbeitet, die Bundespräsidentenkandidatin Schwan so geißelt.

Aber wie das so ist mit Sünden: Sie machen so verdammt Spaß…

P.S.: Absolute Insider werden ahnen, welchen Roman ich gerade mal wieder lese…
P.P.S.: Aber das da oben ist eine wahre Geschichte: Ich freue mich schon auf mein neues Auto. Der Staat hat übrigens “nix dazugezahlt”, mein aktueller Hobel ist nur zwei Jahre alt.

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38 Kommentare zu “Ich bereue”

  1. Die Stimme aus dem Off
    21.04.2009 | 21:35

    Ja, das gute alte “Brücken bauen”. Ein Kombi?

  2. der_gute_don
    21.04.2009 | 21:52

    jetzt rätsele ich, welche Automarke zwei Autohäuser hier in der Stadt hat …

  3. 22.04.2009 | 3:29

    Ein sooo absoluter Insider braucht man nun auch nicht zu sein, um zu erraten, welchen Roman Du da mal wieder liest. :-)

  4. Herbert
    22.04.2009 | 13:46

    “Ich habe aus reinem Eigennutz gehandelt.”
    Worin bestand denn Dein Nutzen genau?
    Du bist jedenfalls nicht unbedingt ein Homo Oeconomicus, wenn Du eine “Investition” über “einen fünfstelligen Betrag” allein von 10 Sekunden Aufmerksamkeit und einem Automatengetränk abhängig machst, das den Verkäufer so gut wie nichts gekostet hat:-) Statt ökonomischer Rationalität bist Du möglicherweise eher Deiner gekränkten Eitelkeit oder dem beschädigten Imponiergehabe gegenüber Deiner Freundin gefolgt. Schon wieder ein Beispiel dafür, dass die wirtschaftswissenschaftlichen Annahmen wenig mit der Realität zu tun haben:
    http://www.ft.com/cms/s/0/35301d06-2eaa-11de-b7d3-00144feabdc0.html

  5. 22.04.2009 | 14:30

    @DSadO

    In dem Roman geht es zwar u.a. auch um eine Brücke, dennoch verstehe ich deine Bemerkung nicht so recht…

    Und was die Frage angeht: Ich bin weder Familienvater noch Handwerker.

  6. 22.04.2009 | 14:37

    Auch andere Leute fahren einen Kombi;-)

  7. 22.04.2009 | 14:52

    @der_gute_don

    Vielleicht sind die Gelben Seiten dein Freund? Oder weißt du es schon?

  8. 22.04.2009 | 14:53

    @Ingo

    In Deutschland schon, meine ich.

  9. 22.04.2009 | 14:54

    @stefanolix

    Das sind dann Familienväter oder Handwerker im Geiste ;-)

  10. 22.04.2009 | 15:13

    Ja, Rayson, auch an diesem Blogbeitrag merkt man, dass Du über 30 bist. ;-) Ab dem Alter will man nämlich, dass der andere für die von einem selbst lang erarbeitete Kohle auch was tut.

    Ist also kein Sieg des Kapitalismus, sondern ein präseniles Syndrom. Geht mir auch so. :-)

  11. R.A.
    22.04.2009 | 15:41

    @Marc:
    Diesen Beitrag hättest Du anonym schreiben können – ich hätte Dich erkannt ;-)

  12. Klaus 
    22.04.2009 | 16:01

    Hihi, wegen solchen Kunden arbeite ich nicht mehr im Verkauf :-)

    Allerdings war dies auch eine komische Branche: bsw. verkauften wir u.a. ein Notebook für DM 4500,- dem Laden blieben aber nur ca. DM 150,- (Franchisepartner, Differenz Verkauf/Einkaufspreis) – da wäre es durchaus ökonomisch gewesen zu sagen: “Ey, Schnösel mit der dicken Brieftasche, geh ein Hauseck weiter”

  13. R.A.
    22.04.2009 | 17:47

    @Klaus:

    wegen solchen Kunden arbeite ich nicht mehr im Verkauf

    Tja, Kunden, die etwas kaufen wollen – und nicht einfach unbeachtet in der Gegend rumstehen, die sollte man als Verkäufer natürlich meiden.
    Könnte ja in Arbeit ausarten.

  14. 22.04.2009 | 19:08

    @Klaus: Meist ließen sich doch damals die Schnösel mit der dicken Brieftasche eine Ecke weiter beraten und kamen dann zur Franchise-Kette …

  15. admin
    22.04.2009 | 20:22

    da wäre es durchaus ökonomisch gewesen zu sagen: “Ey, Schnösel mit der dicken Brieftasche, geh ein Hauseck weiter”

    Wirklich? Du hättest es ökonomisch gefunden, ein Notebook, für das bereits 4350 DM ausgegeben wurden, lieber nicht zu verkaufen? Und selbst wenn ihr es nur in Kommission gehabt hättet: Nichtverkaufen bringt auf jeden Fall Null Deckungsbeitrag.

  16. 22.04.2009 | 20:45

    @Herbert 13:46

    Gerade wenn man als Privatperson eine Investition in solcher Höhe tätigt, will man aus dem Kauf ein rundum positives Erlebnis machen, Stichwort “kognitive Dissonanz”.

    Deswegen allerdings gleich die Aussage zu treffen, der “homo oeconomicus” sei für aggregierte Betrachtungen eine völlig unsinnige Annahme, hielte ich für sehr mutig. Generell muss man in einer Modellwelt natürlich auch mal Komplexitätsreduktionen vornehmen, und zwar am besten da, wo es besonders sinnvoll ist. Auch die Wirtschaftswissenschaft weiß natürlich seit Urzeiten (und nur Leute, die noch nie etwas von Mikroökonomie gehört haben, wissen das nicht), dass Nutzen eine sehr individuelle Sache ist. Aber letztlich kann man die meisten Nutzenarten mit monetären Äquivalenten versehen, und das trifft dann auch auf die freundliche Behandlung durch den Händler zu. Wieviel Euro Preisunterschied mir die wert gewesen wäre, musste ich zum Glück nicht überlegen, weil ich bereits ein Angebot des gleichgültigen Händlers vorliegen hatte, das ich nur noch um ein paar Prozent reduzieren wollte, die der eifrige Verkäufer aber, ohne meine Grenze zu kennen, sofort durch einen genialen Trick zu toppen wusste. Aber ich hätte dafür sicher nicht 1000 Euro mehr bezahlt. Einen niedrigen dreistelligen Eurobetrag vielleicht, aber der macht am Gesamtpreis nur minimal etwas aus.

    Im übrigen kommen beim Kauf eines Fahrzeugs noch andere Faktoren hinzu, über die man als Kunde a priori nicht über genug Informationen verfügt. Aber wenn man schon bei signalisierter Kaufbereitschaft schofelig behandelt wird, was kann man dann mit speziellen Wünschen bei Inspektionen und Reparaturen erwarten? Insofern ist die Einstellung des Verkäufers auch ein Hinweis, wie man in dem Unternehmen generell mit Kunden umgeht. Sieht man in ihnen lästige Bittsteller, die die Angestellten von wichtigen Arbeiten abhalten, oder betrachtet man deren Zufriedenheit als Grundlage des Erfolgs? Die Kosten und Möglichkeiten der Informationsbeschaffung sind übrigens ein interessantes Gebiet, auf dem einen auch mal der Name Hayek begegnen wird.

    Im konkreten Fall hatte ich außerdem noch einen besonderen Trumpf: Meine Freundin war mal Kundin des Händlers, für den ich mich letztlich entschied.

    Nebenbei: Dass du mir unterstellst, ich würde für gekränkte Eitelkeit erhebliche monetäre Einbußen in Kauf nehmen, zeugt von zweierlei. Erstens, dass du mich und meinen Beruf nicht kennst. Zweitens, dass du nicht davon ausgehst, dass es so etwas wie Marktpreise gibt. Das erstere ist ebenso normal wie verzeihlich.

  17. Die Stimme aus dem Off
    22.04.2009 | 20:57

    Brücken bauen meint das Fangen der Kunden in den ersten Augenblicken. Wenn man den Kunden nicht innerhalb von 5 Sekunden hat, dann hat man ihn meistens gar nicht.

    Ich verkaufe für mein Leben gerne.

  18. 22.04.2009 | 21:40

    @DSadO

    Ok, verstehe. Ich kann nicht verkaufen, aber ich merke, wenn ich einen miesen Verkäufer vor mir habe ;-)

  19. Klaus 
    22.04.2009 | 22:02

    @admin

    Natürlich auf Kommission. Auf den Deckungsbeitrag ist gepfiffen wenn man zig Stunden Support hinterher leisten muss.

  20. 22.04.2009 | 22:07

    @Klaus: Dann hättet Ihr halt bessere Technik verkaufen müssen;-)

  21. Klaus 
    22.04.2009 | 23:01

    Bessere Technik? In manchen Fällen wäre das ein Abakus gewesen.

  22. 22.04.2009 | 23:46

    @Klaus

    Ok, ich nahm an, dass in eurer Kalkulation der Support schon drin gewesen wäre. Aber Komission plus unbekannte zukünftige Verpflichtung ist natürlich eine Super-Kombination, um Verkäufe unattraktiv erscheinen zu lassen.

  23. googlehupf
    23.04.2009 | 1:50

    @Marc
    Für die Anerkennung einer gewissen Art von Reziprozität muss man keine 30 Jahre alt sein. Aber ich hatte auch nie ein Herz, glaubt man Churchill. ;)

  24. Herbert
    23.04.2009 | 8:31

    @ Rayson
    “Zweitens, dass du nicht davon ausgehst, dass es so etwas wie Marktpreise gibt.”
    Oho, Marktpreise! Ich brüte gerade über drei Angeboten für eine neue Elektroinstallation. Von Marktpreisen ist da weit und breit nichts zu erkennen:-)

  25. Klaus 
    23.04.2009 | 13:50

    Herbert, um das Ganze mal auf einen Punkt zu bringen: du stimmst mir sicher zu, dass wer erstens sich so verhält wie hier dokumentiert, und zweitens schon nach zwei Jahren wieder ein neues Auto kauft (wir reden hier sicher nicht über Kleinwagen) ein 1a-Kandidat für die neue SPD-Reichensteuer ist, oder?

  26. 23.04.2009 | 14:49

    @Herbert

    Oh Mann, du hast recht. Es gibt keine Marktpreise. Ich habe das jetzt auch empirisch getestet: Unglaublich, wie groß die Bandbreite für 1 Stück Auto ist!

  27. 23.04.2009 | 14:52

    @Klaus

    Und da sag noch mal jemand, mit Neid hätte das alles nichts zu tun…

  28. 23.04.2009 | 15:14

    @Rayson: Gestehe doch Klaus auch mal einen Funken Ironie zu;-)

    Im übrigen habe ich Dich durchschaut: Du kaufst das Auto nur deshalb jetzt, damit Du 2010 besser über den Einbruch der Verkaufszahlen infolge staatlicher Strohfeuer-Maßnahmen lästern kannst;-)

  29. 23.04.2009 | 16:09

    @stefanolix

    Gestehe doch Klaus auch mal einen Funken Ironie zu;-)

    Du mir bitte auch, wenn ich darauf eingehe…

    Du kaufst das Auto nur deshalb jetzt, damit Du 2010 besser über den Einbruch der Verkaufszahlen infolge staatlicher Strohfeuer-Maßnahmen lästern kannst;-)

    So gesehen wäre Warten rationaler gewesen. Die Rabatte dürften nächstes Jahr deutlich höher ausfallen. Aber ich wollte die Kiste eben so bald wie möglich, um noch ein paar Jahre ein richtiges Auto genießen zu können, bevor wir von unseren gutmeinenden Klimarettern gezwungen werden, in Mini-Elektro-Seifenkisten zwischen Tausenden von Windmasten hindurchzukurven.

  30. 23.04.2009 | 16:15

    Der Verzicht auf den möglichen Rabatt — das sind jetzt also Deine Opportunitätskosten für den Spaß am Fahren;-)

  31. 23.04.2009 | 17:19

    So ist es. Allerdings wäre mein Gebrauchter dann auch etwas weniger wert gewesen.

  32. Klaus 
    23.04.2009 | 20:02

    @stefanolix
    Was du mir so alles unterstellst ;-)
    Aber ich muss Rayson auch loben: es ist schon mutig angesichts möglicher sozialer Unruhen sich ein neues Auto zu kaufen …

  33. 23.04.2009 | 21:10

    Wer der Kiste zu nahe kommt, wird eh abgebastelt. Da wird aus der Unruhe ganz schnell ewige Ruhe.

  34. googlehupf
    23.04.2009 | 21:58

    Ich dachte der Autokauf ist gerade in diesen Zeiten höchster Not erste Bürgerpflicht? Konjunkturbelebung, Binnenmarkt, usw. Und wehe es war kein Opel oder VW.

  35. 23.04.2009 | 22:45

    War es natürlich nicht ;-)

  36. 25.04.2009 | 1:45

    Aber ich muss Rayson auch loben: es ist schon mutig angesichts möglicher sozialer Unruhen sich ein neues Auto zu kaufen …

    Natürlich hat er eine Garage. Zumindest enthält seine Versicherungspolice eine entsprechende Klausel. Da spart man nämlich echtes Geld. :-)

  37. Herbert
    25.04.2009 | 14:49

    “Unglaublich, wie groß die Bandbreite für 1 Stück Auto ist!”
    In der Tat.

  38. 26.04.2009 | 15:48

    @Horst

    Natürlich habe ich einen Tiefgaragenplatz. Schon wegen der Parkplatzsituation.

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