Wahlkampf um das Grundgesetz

Ob wir es wollen oder nicht: der Wahlkampf 2009 ist eröffnet. Franz Müntefering heuchelt in der »BILD am Sonntag« Interesse an den ostdeutschen Wählern und will ein ganz neues Grundgesetz schaffen:

“Bei manchen Ostdeutschen spüre ich Skepsis”, sagte der SPD-Chef. “Nicht gegenüber den Inhalten des Grundgesetzes, aber sie sagen: ‘Eigentlich war doch vorgesehen, dass es nach der Einheit eine gemeinsam erarbeitete Verfassung gibt, deshalb hat die Bundesrepublik ja nur ein Grundgesetz’”, so Müntefering in der “Bild am Sonntag”. Diese Bürger sagten: “Ihr habt uns Euer Grundgesetz einfach übergestülpt, anstatt eine gemeinsame Verfassung zu schaffen.” Das müsse man nun aufarbeiten. [Quelle: SPON, Originalquelle: »BILD am Sonntag«]

Herr Müntefering, ich darf Ihnen als Ostdeutscher ganz deutlich entgegnen: Noch nie war ich mit einer Verfassung so zufrieden wie mit dem Grundgesetz. Ich spüre immer dann Skepsis, wenn sich jemand am Grundgesetz zu schaffen macht und wenn jemand meine Grundrechte einschränken will. Niemand hat mir etwas »übergestülpt«.

Das Grundgesetz kann nur mit der Zweidrittelmehrheit im Bundestag und Bundesrat geändert werden. Ein neues Grundgesetz müsste nach Artikel 147 in einer Volksabstimmung bestätigt werden:

Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich FDP und CDU auf eine Änderung des bestehenden Grundgesetzes oder auf die Schaffung einer neuen Verfassung einlassen werden. Warum macht Müntefering das Grundgesetz ausgerechnet im Frühjahr 2009 zum Wahlkampfthema?

Vermutung 1: Die SPD hat eigentlich kein Interesse an einer neuen Verfassung, sondern will nur ein Thema besetzen, das CDU und FDP aus nachvollziehbaren Gründen bisher nicht in den Wahlkampf hineingezogen haben. Die SPD kann damit vortäuschen, dass sie eine ganz moderne Partei ist, denn die anderen wollen das Grundgesetz ja nur »bewahren«, also am Alten festhalten.

Vermutung 2: Die SPD will gemeinsam mit Grünen und Kommunisten eine Verfassung entwickeln, die Deutschland nach links rückt. Sie will den Widerstand gegen diese Änderung als Widerstand gegen die »Gerechtigkeit« denunzieren. Sie will SPD, Grüne und Kommunisten in einem Volksfront-Wahlkampf einigen.


Das Grundgesetz ist in aller Welt anerkannt. Es entstand, nachdem die Politik in der Weimarer Republik versagt hatte und nachdem die Alliierten Deutschland von der Nazi-Diktatur befreit hatten. Im Grundgesetz ist gerade deshalb große politische Weisheit enthalten. Es schützt unsere Werte, es garantiert Demokratie und Rechtsstaat.

Ich bin sicher, dass wir im Jahr 2009 kein besseres Grundgesetz schaffen könnten. Ich bin sicher, dass Konservative und Sozialisten bestimmte Grundrechte unter Vorbehalt stellen würden und ich bin sicher, dass viele Formulierungen nicht so klar gefasst würden. Deshalb: Hände weg vom Grundgesetz!

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78 Kommentare zu “Wahlkampf um das Grundgesetz”

  1. DrB
    13.04.2009 | 10:18

    Grundsätzlich richtig: Münte will hier bei den Ossis Punkten, eventuell auch mal ossikonformes wie den Soli in das Grundgesetz schreiben lassen?!

    Ansonsten, dieses Grundgesetzt ist einer Verfassung unwürdig und beinhaltet Regelungen, die krank sind und krank waren, jetzt aber veraltet sind (und nicht rausgekickt werden können wegen der Mehrheitsverhältnisse).

    Zudem ist das Ding abartig aufgebläht.

  2. 13.04.2009 | 10:35

    Es lässt sich aus dem Interview nicht wirklich ableiten, was Müntefering inhaltlich überhaupt ändern oder neufassen will. Es haben sich aber viele Medien auf diesen Absatz bezogen, Müntefering hat also sein erstes Ziel erreicht. Die Frage der »BILD am Sonntag« war übrigens:

    Nicht nur 20 Jahre Mauerfall, auch 60 Jahre Grundgesetz werden in diesem Jahr gefeiert. Schweißt das Grundgesetz die gesamtdeutsche Nation auf Dauer zusammen?

    Das sieht für mich nicht nach journalistischer Fragestellung, sondern eher nach Stichwortgeberei aus. Denn ein Grundgesetz dient nicht dazu, etwas zusammenzuschweißen.

    Ich bin auf jeden Fall gegen »Änderungen nach Zeitgeist« und gegen Rückschritte. Wer inhaltlich etwas gegen einen Artikel einzuwenden hat, kann sich ja eine Zwei-Drittel-Mehrheit und Bundestag und Bundesrat organisieren und die Änderung dann in Karlsruhe prüfen lassen.

  3. Emmett Grogan
    13.04.2009 | 10:47

    Müntefering will nur bei den Ossis punkten. Dem gehtes nur um den Wahlerfolg. In einem halben Jahr wird sich keiner an die gemeinsam erarbeitete Verfassung erinnern können. Müntefering am allerwenigsten.

  4. 13.04.2009 | 10:49

    Dann hoffen wir mal, dass er bei den meisten Ostdeutschen auf höfliches Desinteresse oder auf Ablehnung stößt;-)

  5. R.A.
    13.04.2009 | 10:59

    Besonders perfide finde ich, daß Münte hier in blinder Wahlkampfstimmengier die sonst nur von den Kommunisten propagierte Sichtweise “Grundgesetz wurden den Ostdeutschen übergestülpt” übernimmt.

    Das ist natürich völlig unwahr – schließlich sind die neuen Länder freiwillig und mit großer Mehrheit der Bundesrepublik und dem Grundgesetz beigetreten.

    Die Kommunisten versuchen ja immer wieder, diese demokratische Willensbildung (die sich ja gegen ihre Diktatur richtete) vergessen zu machen und zu insuinieren, die Bundesrepublik hätte sich die armen wehrlosen Ossis gegen deren Willen einverleibt.

  6. 13.04.2009 | 11:06

    @DrB
    gfy

    @all
    Ich bin in der DDR geboren und nach meiner Meinung ist das Grundgesetz das mit Abstand Wertvollste, was wir durch die Wende errungen haben.

  7. 13.04.2009 | 11:11

    @R.A. — Genauso ist es: Die Ostdeutschen haben bei den ersten freien Volkskammerwahlen mehrheitlich Parteien gewählt, von denen sie wussten, dass diese einen Prozess der Wiedervereinigung gemäß dem damals geltenden Artikel 23 anstreben. Es gab dazu weder wirtschaftlich noch politisch irgendeine Alternative. Die große Mehrheit der Ostdeutschen hat 1990 die Wiedervereinigung genau zu diesen Bedingungen gewollt.

  8. Die Stimme aus dem Off
    13.04.2009 | 12:50

    Ich frage mich auch, warum CDU und SPD erst in ewig langer Zeit die Förderalismusreform abarbeiten, um dann von Münte einen Hinweis auf eine neue Verfassung zu bekommen.

    Müntes Absicht ist so eindeutig wie kriminell:

    Er spekuliert darauf, dass er angesichts der sich abzeichnenden konservativen Mehrheiten in Deutschland noch schnell linke Vorstellungen in die Verfasung zementieren kann.

    Bei der Förderealismusreform sind der SPD nämlich ein paar fiese Fehler unterlaufen, derer sie sich erst jetzt gewahr wird. Sie würde gerne z.B dann doch wieder eine Bundesbeteiligung an der Hochschulfinanzierung haben, aber der Zug ist wohl abgefahren, hehe. Auch die Reform des Beamtenrechts war nur vordergründig ein Sieg der SPD.

    Entgangen war ihr, dass die Besoldungsträume der SPD zukünftig ja auch bezahlt werden müssen. Die Beamtenschaft wird angesichts knapper Kassen zukünftig dann doch eher CDU wählen.

    Die SPD wird also unter den Uni-Angestellen und den Beamten langfristig derbe Verluste hinnehmen müssen. Die Gesichter einiger Genossen sind schon sehr, sehr lang geworden.

    Man muss ja auch mal daran denken, dass die SPD noch einen riesigen Wählerkreis verliert, der früher unter allen Umständen SPD gewählt hätte und der – aus völlig unverständlichen Gründen – vollkommen aus dem Sichtfeld gefallen ist:

    Die Genossenschaften.

    Das Wohnungsbaugenossenschaften sind eine eigene Sozialkultur. Das sind – man mag es gar nicht glauben, ich weiss das auch nur von meiner Frau, die die Übernahme einiger Genossenschaften durch us-amerikanische Investoren mit durchgeführt hat -, die loyalsten aller SPD-Wähler gewesen, die man sich nur denken kann. Die haben ein richtiges sozialdemokratisches Alltagsleben gehabt, mit gemeinsam organisierten und verwalteten Aufenthaltsräumen.

    Mietpreise, die allen Ernstes nach rein solidarischen Gesichtspunkten gestaltet wurden.

    Und diesen Wählerkreis hat die SPD verkauft. Das sind geschätzte 200.000 stramme Wähler. Ein riesiges Potential.
    Damit einher ging der Niedergang einer großen deutschen Versicherung in Gewerkschaftshand: Der Volksfürsorge-Versicherung.

    Die letzten Genossenschaften werden gerade privatisiert. Die schlechten Wohnungen werden erst notdürftig saniert, dann werden die Mieten erhöht und dann gehen die diese Bestände an die Mieter als Eigentumswohnungen. Die “guten” Bestände gehen an die Investoren.

    Die haben aber kein Interesse an Erhaltung. Die reißen die “guten” Bestände ab und bauen völlig neu.

    Die SPD wird sich von diesen Verlusten unter den Wählern sehr lange Zeit nicht mehr erholen.

  9. 13.04.2009 | 13:32

    @DSadO: Das waren keine Wohnungsbaugenossenschaften. Eine Wohnungsbaugenossenschaft kann man nicht gegen den Willen der Genossenschafter (Eigentümer von Genossenschaftsanteilen) an einen Investor verkaufen. Verkauft wurden Wohnungsbaugesellschaften im Besitz der Kommunen oder Staatsbetriebe.

  10. Die Stimme aus dem Off
    13.04.2009 | 14:23

    Nö, das waren ursprünglich Genossenschaften. Die wurden erst später zu Wohnungsbaugesellschaften.

    http://www.bmgev.de/themen/genossenschaften/40genossenschaftsreform-lau1.html

    Das läuft alles schon jahrelang. Die ersten Genossenschaften sind schon gefallen, viele andere forsten gerade ihre Mietverträge durch und passen die Verträge an.

    Die Wohnungsbaugesellschaften sind doch schon lange Geschichte. Jetzt geht an die Genossenschaften, weil da noch riesige Wohnungsbestände darauf warten, an die Mieter gebracht zu werden.

    Vorgehen: Zuerst werden einzelne Objekte an Investoren verkauft, die werden dann zu Eigentumswohnungen umgewandelt und an die Mieter vertickt.

    Gutes Beispiel: Die Genossenschaften der Eisenbahner. Die sind zum großen Teil schon Geschichte.

    Die Gewinnspannen für die Investoren sind enorm.

  11. Dirk
    13.04.2009 | 14:25

    Unglaublich wie die SPD für ein wenig Wahlkampfgetöse das Vertrauen in das Grundgesetz untergräbt. Für ein wenig politisches Kapital wird hier jede Menge Porzellan zerschlagen.

  12. 13.04.2009 | 14:56

    @Dirk: Zumal es überhaupt nicht ermittelt wurde, wieviel Prozent der Bürger aus den neuen Ländern ausgerechnet im Jahr 2009 eine neue Verfassung haben wollen. Ich kenne keinen einzigen;-)

    Es gibt wohl eine linke (linksradikale) Bewegung, die gern zusätzlich bestimmte soziale Rechte im Grundgesetz verankern möchte, um daraus höhere staatliche Leistungen z.B. für ALG-II-Empfänger ableiten zu können. Aber eine politische Bewegung für eine neue Verfassung ist mir wirklich noch nie aufgefallen.

    Ich hoffe, dass dieser »klassische Müntefering« dem Vergessen anheimfällt. Das Thema taugt nicht für billige PR.

  13. 13.04.2009 | 15:32

    Ich bin (nicht) auf der Suche…

    Ja, sprechen wir doch ein bisschen über die Liebe, über Gott und die Welt. Und übrigens, das Grundgesetz muss auch auf den Prüfstand — denn: “Bei manchen Ostdeutschen spüre ich Skepsis” (Franz Müntefering).
    Da drängt sich di…

  14. Dirk
    13.04.2009 | 16:23

    @Stefanolix

    Ich hoffe, dass dieser »klassische Müntefering« dem Vergessen anheimfällt. Das Thema taugt nicht für billige PR.

    Nicht nur taugt es nicht, es ist auch brandgefährlich. Politische Auseinandersetzungen und Wahlkampfgeplänkel sind okay, aber bitte im Rahmen der Spielregeln und nicht um eben diese.

  15. 13.04.2009 | 19:23

    Müntefering macht die Verfassung zum Wahlkampfthema…

    Müntefering sagte in einem Interview der “BILD am Sonntag”:
    “Bei manchen Ostdeutschen spüre ich Skepsis”, sagte der SPD-Chef. “Nicht gegenüber den Inhalten des Grundgesetzes, aber sie sagen: ‘Eigentlich war doch vorgesehen, dass …

  16. 13.04.2009 | 20:02

    Es wird um Wahlkampf gehen. Linke Positionen werden bei der SPD nur eingenommen, wenn sie fern davon ist sie umzusetzen. Siehe Mindestlohn. Der wurde unter rot-grün abgelehnt, bei schwarz-rot machte ihn der Arbeitsminister zum Thema.

    Und bevor eine regierende SPD mit linker Politik tatsächlich ernst macht, finden sich schon ein paar Genossen, die das verhindern. Siehe Hessen.

  17. 13.04.2009 | 20:23

    Ich tendiere auch zur ersten Vermutung. Wenn keiner darauf einsteigt, wird er das wieder fallen lassen. Bisher habe ich noch nicht gehört, dass jemand diesen Vorschlag befürwortet hat — noch nicht mal der ebenso wackere wie erfolglose Ost-Beauftragte Wolfgang Tiefensee. Das Thema hat hierzulande überhaupt keine Basis. Nur wegen uns Ostdeutschen muss niemand eine neue Verfassung aufstellen;-)

  18. Boche
    13.04.2009 | 23:50

    Widersprechen möchte ich doch der Behauptung, der Gedanke an eine Verfassung wegen der Wiedervereinigung sei eine Idee der Kommunisten. War es doch die Bürgerrechtsbewegung, die dies gefordert hatte.

  19. Boche
    13.04.2009 | 23:55

    PS: Was nichts an der Richtigkeit der Einschätzung der Motivation Müntererings ändert. Ein mieser … ähm … Politiker.

  20. Markus
    14.04.2009 | 0:12

    Das Grundgesetz ist insgesamt wirklich zu loben. Weise waren die Väter und Mütter auch darin, Enteignungen (gegen Entschädigung) zuzulassen und die Wirtschaftsordnung nicht explizit vorzuschreiben, wie der sog. EU-Reformvertrag (also die in Volksabstimmungen gescheiterte EU-Verfassung) dies tut.

    Der Neoliberalismus in der Verfassung festgezurrt. Das fehlte noch! Auch um solche Selbstherrlichkeiten der Politik möglichst zu verhindern, sind Volksabstimmungen wichtig. Das Grundgesetz der Bundesrepublik würde diese “Weihe” vom Wahlvolk sicherlich erhalten, wenn denn endlich einmal darüber abgestimmt werden dürfte.

  21. 14.04.2009 | 0:21

    Man muss sich nur ansehen, was seit dem Urtext verändert wurde. Schon sprachlich wird deutlich, dass es sich da so gut wie ausschließlich um Verschlechterungen handelt.

    Wer das Fass nochmal aufmacht, bekommt ein Dokument des Zeitgeistes, das keine zehn Jahre halten wird.

  22. DrB
    14.04.2009 | 2:49

    Was aus Ossi-Sicht auf jeden Fall für die Beibehaltung des GG spricht ist: Der (demokratische) Sozialismus ist verfassungskonform.

  23. 14.04.2009 | 6:01

    @Boche: Es stimmt, das war vor 20 Jahren im Gespräch. Und möglicherweise hätte die Situation im Jahr 1989 ähnlich gewirkt wie die Situation im Jahr 1949. 1989 war der Kalte Krieg zu Ende, der Sozialismus war zugrundegerichtet, die Teilung quasi schon beendet, eine beispiellose Aufbruchstimmung. Damals hätte man darüber reden können. Aber heute sehe ich keinen Sinn darin.

    @Markus: In welcher Verfassung ist [in Deinen Worten] der politische Kampfbegriff »Neoliberalismus« festgezurrt? Und kannst Du mir bitte die Stelle im EU-Reformvertrag zeigen, auf die Du Dich beziehst?

    @DrB: Theoretisch schon. Mit einem unveränderten Grundgesetz blieben aber so tiefgreifende Bürgerrechte erhalten, dass ein Sozialismus kaum entstehen würde bzw. sich nicht lange halten könnte.

  24. DrB
    14.04.2009 | 10:05

    @stefanolix:
    Nicht ganz klar, die Schwulenehe ist auch gekommen.

  25. 14.04.2009 | 10:41

    @DrB, zum Thema Eingetragene Lebenspartnerschaft

    Durch die eingetragene Lebenspartnerschaft wird keines der Bürgerrechte aus dem Grundgesetz beeinträchtigt. Das Bundesverfassungsgericht hat ein eindeutiges Urteil gesprochen.

    Mehr ist dazu nicht zu sagen. Wenn es Dir nicht passt: geh nach Karlsruhe und beschwere Dich dort.

  26. DrB
    14.04.2009 | 10:51

    Der bes. Schutz der Ehe fand Aufnahme in Artikel 6 des Grundgesetzes und diente der Abgrenzung bzw. – positiv formuliert – der besonderen Förderung der Ehe vor dem Hintergrund, dass Kinder und Familie am besten in der Ehe aufgehoben sind. Primärziel waren sog. “wilde Ehen”.

    Aufgeweicht wurde nun dieser u.a. dem Schutz der Kinder dienende Artikel nun durch das Bundesverfassungsgericht, es wurde aus meiner Sicht hier Recht gebeugt bzw. neu entwickelt. Die Homoehe mit Adoptionsrecht war natürlich per GG ausgeschlossen, auch die Schwulenehe selbst. Genau dazu dient ja auch dieser Artikel.

    Mir ist Deine Sicht auf die Dinge egal, ich kann nur schreiben, wie es sich darstellt. Erwähnt habe ich das auch nur, weil die Homoehe sehr schön darstellt wie das GG umgedeutet werden kann. Das vor dem Hintergrund “demok. Sozialismus”.

  27. Markus
    14.04.2009 | 11:59

    @ stefanolix

    Von globalisierungskritischer Seite wurde u. a. betont, dass der Vertrag von Lissabon keine Antwort auf die sozialen und demokratischen Bedenken gebe, die in den Referenden in Frankreich und den Niederlanden zu einer Ablehnung geführt hätten. Zwar wurde unter den Zielen der EU der Passus „Binnenmarkt mit freiem und unverfälschten Wettbewerb“ gestrichen; zugleich wurde jedoch ein Protokoll über die Sicherstellung eines freien und unverfälschten Wettbewerbs vereinbart, sodass diese Änderung lediglich symbolischen Wert hatte.

    Wurde allgemein überhaupt schon auf die weitreichenden Folgen des EU-Reformvertags für die Geltung des Grundgesetzes eingegangen?

  28. 14.04.2009 | 12:59

    @Markus

    Du hältst den Wunsch nach einem freien und unverfälschten Wettbewerb für “neoliberal”? Damit hättest du sogar recht: Diese Forderung entspricht genau dem Ideal des hinter dem ursprünglichen Konzept der Sozialen Marktwirtschaft steckenden Ordoliberalismus, der, weil er sich gegen das Laissez-faire des klassischen Liberalismus wendete, auch “Neoliberalismus” genannt wurde.

    Was mich nur noch interessieren würde: Da für dich “neoliberal” ansonsten eigentlich nichts Gutes bezeichnet, kann ich davon ausgehen, dass du gegen freien und für verfälschten Wettbewerb bist?

  29. 14.04.2009 | 13:01

    @DrB

    Bei einem “besonderen Schutz” von einem Bürger”recht” auszugehen, fällt mir schon sprachlich schwer.

  30. 14.04.2009 | 13:16

    [Disclaimer: Ich bin kein Jurist.] Es zählt wohl zu den Grundrechten. Aber das Urteil des Bundesverfassungsgerichts scheint mir sehr klar: der »besondere Schutz« ist durch gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht beeinträchtigt.

    Aber es geht inzwischen sehr weit weg vom Ausgangspunkt. Ich bezog mich oben mit

    Mit einem unveränderten Grundgesetz blieben aber so tiefgreifende Bürgerrechte erhalten, dass ein Sozialismus kaum entstehen würde bzw. sich nicht lange halten könnte.

    auf die klassischen Bürgerrechte.

  31. DrB
    14.04.2009 | 14:19

    @Rayson:
    Wenn offen von Gleichstellung der Schwulenehen gesprochen wird, wie z.B. bei der Hinterbliebenenversorgung, dann kann natürlich kein bes. Schutz der Ehe mehr gegeben sein.
    Die Linke hat sich jahrelang an der Besserstellung der unehelichen Gemeinschaften abgerackert und dabei aus verfassungsgegebenen Gründen das Wort “Gleichstellung” tunlichst gemieden.
    Diese “kleine” Hürde der Verfassung ist genommen.
    Das GG ist also durchaus sozialismustauglich. Aber natürlich nicht nationalsozialistisch geeicht, sondern eher Richtung “demokratischer Sozialismus”, LOL.

  32. 14.04.2009 | 14:39

    @DrB: Beinhaltet Dein Diktum dann kann natürlich kein bes. Schutz der Ehe mehr gegeben sein schon eine Begründung oder kommt noch eine hinterher?

    Eine wirkliche Gleichstellung gibt es ohnehin nicht. Um eine Besserstellung gegenüber dem früheren Stand richtig zu finden, muss man kein Linker sein. Ich bin sicher keiner. Ich finde es aber richtig, dass auf Dauer angelegte und eingetragene Partnerschaften auch mit bestimmten Rechten verbunden sind.

    In einigen Punkten sind es einfach humanitäre Rechte (beispielsweise im Zusammenhang mit der medizinischen Versorgung des Partners) oder Grundrechte (wie das Recht, vor Gericht eine Aussage gegen den Partner zu verweigern). Im letzteren Fall kam für diese Menschen einfach ein Grundrecht hinzu, aber kein Verheirateter wurde dadurch in seinem Recht eingeschränkt.

    Es kommt hinzu, dass selbstverständlich nicht nur die Rechte, sondern auch die Pflichten erweitert wurden. Insgesamt sehe ich in den Änderungen eher einen Nutzen als einen Schaden.

  33. DrB
    14.04.2009 | 14:47

    Es geht hier um die Umdeutung klarer Verfassungsangaben. Wenn von Gleichstellung die Rede ist, beisst sich das mit dem verfassungsangelegten bes. Schutz der Ehe. Iss nun mal so, Alder.

    Sogar in den Schulen wird gelehrt, dass sich Gesetze semantisch ändern können, ganz ohne Zutun des Souveräns.

    Diese (linke) Sicht gilt es im Auge zu behalten.

    Ansonsten ist ja alles richtig, die Bevölkerung wäre zurzeit nicht in der Lager sich eine angemessene liberale Verfassung zu geben.

    Dass das GG ein Schrotthaufen ist, vielleicht ein vglw. guter, muss aber klar sein.

  34. 14.04.2009 | 16:06

    DrB: Nö. Der besondere Schutz einer Sache geht nicht verloren, wenn man aufhört, eine andere nicht-konkurrierende Sache zu bekämpfen.
    Das kommt nur in den Wahnvorstellungen von Leuten vor, die ein bißchen zuviel in hebräischen Gruselmärchen gelesen haben oder um ihren Popo fürchten. Kann natürlich sein, daß diese Schwulenparanoia Konservative zum “besonderen Schutz” der Ehe motiviert hat, so wie man die Selbstbstimmung von Frauen unter dem Deckmantel des “Schutzes der Familie” bekämpft oder die Suchtbekämpfung vorschiebt, um das staatliche Glücksspielmonopol zu erhalten.
    Aber dann hätte man bei der Formulierung eben ehrlich sagen müssen, was man wollte. Warum hat man das wohl nicht gemacht, hmm? Warum wohl nur…

  35. ftt
    14.04.2009 | 16:06

    Allein durch Eigentums- und Berufsfreiheit als Abwehrrechte ist die Wirtschaftsordnung zumindest implizit sehr wohl vorgeschrieben. Insgesamt ist das Grundgesetz auch im internationalen Vergleich eine sehr gute Verfassung. Aufgebläht ist es auch nicht. Es leidet halt leider allzuoft, wenn der verfassungsändernde Gesetzgeber seine Wurschtfinger anlegt.

  36. 14.04.2009 | 16:16

    @califax

    “Nicht gleiche Rechte einräumen” != “bekämpfen”

  37. 14.04.2009 | 16:17

    Welche “hebräischen Gruselmärchen” meinst du übrigens?

  38. 14.04.2009 | 16:35

    Wenn unbescholtenen, erwachsenen und mündigen Menschen gesetzlich verwehrt wird, gemeinsam ein Kind an Vaters statt anzunehmen oder im Krankheitsfall für einander einzustehen, hat das nichts mit dem Einräumen von Rechten zu tun sondern mit juristischen Schikanen gegen eine bestimmte Personengruppe, deren moralische Verurteilung nur auf einer ziemlich verwegenen Sagensammlung aus Judäa und Israel beruht.

  39. 14.04.2009 | 16:38

    PS.: Wobei ich zugeben muß, daß der Entsetzensschrei “Sodom und Gomorrha!” etwas aus der Mode gelacht wurde. Schaumermal, wann die Schwulen ersatzweise am Nationalsozialismus schuld sein sollen. Irgendein Bischof wird sich da schon noch reinrhetorisieren. :)

  40. 14.04.2009 | 16:38

    Ach herrje… Ist das eigentlich schwierig, sich so gänzlich anderen Sichtweisen zu verweigern?

  41. 14.04.2009 | 16:41

    Übrigens ist es mir und meiner Freundin auch verwehrt, gemeinsam ein Kind zu adoptieren. Und wenn wir uns im Krankheitsfall umeinander kümmern wollen, müssen wir das mit offiziellen Willenserklärungen tun.

    Verfolgt fühle ich mich allerdings nicht.

  42. DrB
    14.04.2009 | 17:29

    @ftt:
    Schau mal wieder ins GG und stell Deine dann vermutlich ellenlange Streichliste hier vor. Ein Vergleich mit der Länge anderer Verfassungen wäre auch aussagekräftig. Vermute mal, dass nur im bekloppten D der Natur- und Kinderschutz explizit in der Verfassung gelandet ist.
    Den Soli hätte ich schon deshalb gerne in der Verfassung gesehen (genauso wie bspw. auch die Gleichstellung der Schwulenehe in allen Bereichen) damit dann wirklich jeder den Salat versteht, der in D Verfassungscharakter hat.

  43. 14.04.2009 | 17:35

    Vermute mal, dass nur im bekloppten D der Natur- und Kinderschutz explizit in der Verfassung gelandet ist.

    Kinderschutz? Wo?

    Und der Art. 20a GG ist wirklich nicht mehr als Kosmetik: “im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.”

    Das heißt übersetzt: Wenn uns dafür noch Zeit, Geld und Lust bleibt.

  44. DrB
    14.04.2009 | 17:52

    “Kinderschutz” war in der Diskussion, Merkel hats abgenickt, ist noch nicht drinne?

  45. DrB
    14.04.2009 | 17:54

    Die Mehrehe muss auch rein, wird ja schon sozialstaatlich anerkannt und wir wollen ja nicht diskrimieren. Natürlich auch die Mehr-Schwulenehe (sofern die in einem Land abgeschlossen worden ist, wo das möglich ist).

  46. 14.04.2009 | 17:57

    @DrB

    Ich wüsste nicht.

  47. DrB
    14.04.2009 | 18:04

    Merkel hat dann wohl doch nach einigem Zögern die Sache abgeblockt, hielt sich ziemlich lange in der Diskussion und verschwand dann nach der Abblocke, die mir entgangen ist, blitzschnell.
    Aber schon aberwitzig den Kinderschutz (was auch immer das sein mag) ins GG zu fordern, gell.

  48. 14.04.2009 | 18:21

    Ein von mir sehr geschätzter und bewunderter Mensch hat dazu wieder einmal außerordentlich Kluges gesagt:

    http://www.bissige-liberale.net/2007/12/17/pressemeldung-aus-dem-jahr-2037/

  49. 14.04.2009 | 18:49

    Rayson, Dir und Deiner Freundin ist gar nichts verwehrt. Ihr müßt Euch nur mit einer kurzen Formalie beim Standesamt als Ehepaar registrieren lassen.
    Die Vorbereitung ist in Deutschland unnötig bürokratisch, dafür gibt’s dann bei der Einschreibung eine salbungsvolle Ansprache mit Glückwünschen.
    Niemand darf Euch das verwehren. Und darum geht es.

    Aus einem Ende der Schikanierung von Homos eine Bedrohung oder auch nur einen geringeren Schutz der Ehe abzuleiten ist irrational.
    Und es ist tatsächlich sehr anstrengend, zu versuchen, ständig die Wahnvorstellungen von irgendwelchen Religionsanhängern ernstnehmen zu sollen.

  50. 14.04.2009 | 19:15

    @califax

    So’n Scheiß aber auch. Wir können aufgrund gegebener Fakten kein Ehepaar sein (abgesehen davon, dass wir das nicht wollen). Und nu? Wird unsere Form des Zusammenlebens verfolgt?

    Aus einem Ende der Schikanierung von Homos eine Bedrohung oder auch nur einen geringeren Schutz der Ehe abzuleiten ist irrational.

    Ach herrje, Schikanierung… Glaub mir, mit dem “Schutz der Ehe” ist mehr gemeint als der Schutz einer Beziehung von zwei Menschen, die sich lieben. Wenn dieses Mehr in den gleichberechtigt bevorzugten Partnerschaften nicht manifest wird, handelt es sich eben um zwei verschiedene Dinge, die auch nicht gleich zu behandeln sind.

    Nun kann man mit einiger Berechtigung feststellen, dass heutzutage zwischen Ehen, “wilden Ehen”, homosexuellen Partnerschaften und meinetwegen beliebig anderen Kombinationen zweier Geschöpfe Gottes keine wirklich entscheidenden Unterschiede mehr bestehen. Was für einen Liberalen eigentlich zur Konsequenz führen müsste, endlich diese bestehenden Privilegien voll und ganz abzuschaffen, statt sie immer mehr Berechtigten zugänglich zu machen.

    Die Verweigerung einer Bevorzugung ist aber nun einmal keine Schikanierung. Hier nicht, und irgendwo anders auch nicht. Die für einen Liberalen logische Forderung wäre immer nur Abschaffung des Privilegs, nicht aber dessen Ausdehnung.

    Und mir ist es kürbisegal, ob du da irgendwelche religiösen Ursachen hineinphantasierst oder nicht. Religionsphobie wäre auch mal ein Feld.

  51. 14.04.2009 | 19:31

    @Rayson: Die Anerkennung einer intimen Lebensgemeinschaft ist doch kein Privileg! Aus welchem Sklavenhalterhirn ist denn dieses Denken entsprungen?
    Wir reden von den normalsten zwischenmenschlichen Dingen wie der gegenseitigen Fürsorgepflicht im Notfall oder der Aufnahme von Kindern. Und da hat sich der Staat nicht aufgrund irgendwelcher Wahnvorstellungen mit Verboten einzumischen.

    Das einzige “Privileg”, daß ich hier mit viel gutem Willen erkennen könnte, wäre das zweifelhafte “Privileg” weniger stark ausgeplündert zu werden.
    Solche “Steuerprivilegien” sollte man freilich abschaffen und dafür grundsätzlich die Steuern senken.

  52. ftt
    14.04.2009 | 19:41

    @DrB:

    Bevor Du hier von Streichlisten redest, solltest Du vielleicht selber einen Blick ins GG werfen. Der Kinderschutz lässt grüßen. Wenn das GG im übrigen sozialismustauglich ist, ist es jede andere westliche Verfassung auch.

  53. 14.04.2009 | 20:10

    @califax

    Ich bin mir nicht so sicher darin, dass ein Übermaß von Invektiven zur Qualität der Argumentation beiträgt. Im Gegenteil: Normalerweise werte ich sowas als intellektuelle Kapitulation.

    Ich habe keine Ahnung, welche Sphären sich bei dir zwischen ungestörter Praxis und staatlich geförderter Ausnahmen auftun, aber meinereiner möchte gerne letzteres auf ein Minimum beschränkt wissen, unter Wahrung von ersterem.

    Ansonsten bin ich ein Freund von allem, was Menschen für sich untereinander vereinbaren.

  54. DrB
    14.04.2009 | 21:10

    @cali:
    Dann aber auch die Vielehen und die absehbaren schwulen Vielehen anerkennen, am besten gleich adoptionstauglich machen. LOL
    Ein anderes Problem ist natürlich, sollten schwul Zusammenlebende bevorzugt werden, dass es zu schwulen Scheinehen kommen wird.
    Ich rate für den Fall, das es für schwul verbundene Vorteile geben wird (nun, es gibt schon welche, also ran!), den Ledigen (und bevorzugt Älteren mit Versorgungsansprüchen) _dringendst_ an schwul werden!

    Bist Du schon schwul oder zahlst Du noch?

  55. 14.04.2009 | 22:50

    @Califax: Der Ton macht die Musik. Die Begleitung zu Deinem Text ist unnötig schrill, fast versteht man den Text nicht mehr.

    @DrB: Bitte informiere Dich darüber, was wirklich im Grundgesetz steht, bevor Du es als Schrotthaufen bezeichnest. Und wenn Du damit fertig bist, dann informiere Dich über die Rechte und Pflichten, die mit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft verbunden sind.

    Man kann sicher darüber diskutieren, die Ehe ganz abzuschaffen. Aber momentan leben wir in einer Gesellschaft, in der Partnerschaften eben noch formell eingetragen werden. Und für das Zusammenleben in dieser Gesellschaft müssen Regeln gefunden werden.

    Es kann doch wirklich sinnvoll sein, eine Partnerschaft eintragen zu lassen, damit bei Unfall, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit eines Partners eine verlässliche Regelung getroffen wird. In dieser Beziehung sollten homosexuelle Paare unbedingt gleichberechtigt sein. Wie diese Partnerschaft genannt wird, ist eine ganz andere Frage.

    Vielleicht wird in hundert Jahren keiner mehr von Trauschein und eingetragener Partnerschaft reden. Vielleicht wird man dann beim Notar eine Vollmacht hinterlegen oder es werden sich noch ganz andere Regeln herausbilden. Aber bis es soweit ist, sollten alle Arten von Paaren ähnliche Rechte haben.

  56. 14.04.2009 | 23:40

    stefanopolix: Ich glaube nicht, daß man daran vorbeikommt, feste Partnerschaften eintragen zu lassen, da es beispielsweise um ziemlich ernste Entscheidungen im Krankenhaus geht.

    Rayson: Wo siehst Du in der simplen Anerkennung der gegenseitigen Fürsorgepflicht in einer eingeschworenen Liebesbeziehung eine “Förderung einer Ausnahme?” Es geht schlicht darum, daß der Staat nicht irgendwelche Dinge verbietet, die ihn nichts angehen. Insbesondere, wenn es um die wichtigsten zwischenmenschlichen Entscheidungen geht.

    DrB: Ihre kleine dreckige Attacke läuft so weit ins Leere, wie der dahinterstehende Denkprozeß. Ich bin erstens Hetero und zweitens auch schon verheiratet.
    Und Sie haben sehr viel über sich selbst und den kleinen feigen Haß hinter Ihren Ansichten verraten. Danke für die Aufklärung.

  57. DrB
    14.04.2009 | 23:53

    @cali:
    LOL, Glückwunsch jedenfalls dazu den richtigen Weg gefunden zu haben.
    Ansonsten, nachvollziehbar war aber alles, was ich schrieb, gell.
    Beste Grüße!

  58. 15.04.2009 | 0:11

    @DrB: Nachvollziehbar ist definitiv nicht, dass Du hier für andere irgendeinen »richtigen Weg« deklarierst. Es mag für Dich persönlich einen »richtigen Weg« geben. Das schließt aber andere subjektiv richtige Wege nicht aus.

    Die Grenze meiner Geduld ist jetzt erreicht. Die nächste unterschwellig homophobe Äußerung fliegt raus.

  59. DrB
    15.04.2009 | 0:15

    @stefanolix:
    So habe ich Dich auch eingeschätzt. Ich mag Dich nicht.

  60. 15.04.2009 | 0:47

    @DrB: Damit kann ich leben.

    @califax: Sollte ich mich jemals umbenennen, werde ich unbedingt auch »stefanopolix« testen;-)

    Als das Grundgesetz geschrieben wurde, war Homosexualität noch strafbar, da war an offene Partnerschaften überhaupt noch nicht zu denken. Dann hat sich die Gesellschaft weiterentwickelt, der Paragraph 175 wurde immer mehr entschärft und schließlich abgeschafft.

    Eine aufgeklärte Mehrheit akzeptiert heute schwule Landespolitiker, Parteipolitiker und Bürgermeister (schwarze, gelbe, rote, grüne) und eben auch diese Art der Partnerschaften.

    Es gibt für Hetero- und Homosexuelle einige ganz klare und im Prinzip gleiche Grenzen, alles andere ist Privatsache und da hat sich der Staat nicht einzumischen.

  61. 15.04.2009 | 1:05

    Klingt alles irgendwie gallisch. Und meine Fische sind eh frischer.

  62. Markus
    15.04.2009 | 10:34

    @ Rayson

    Welch eine Frage! Natürlich bin ich gegen freien und für verfälschten Wettbewerb – und damit voll auf Linie der Konzernwirtschaft. ;-)

  63. 15.04.2009 | 19:07

    @califax

    Das Nichtverbieten eines Füreinandereinstehen auf allen Ebenen des Lebens finde ich natürlich völlig ok. Ich bevorzuge dafür aber gegenseitige Vereinbarungen statt staatlicher Register.

    Was mich aber vor allem an deinen Kommentaren nervt. ist, so hast du es ja auch beabsichtigt, die Herabsetzung jüdischen und christlichen Glaubens, die sich seltsamerweise mit einer reichlich unterkomplexen Ursachenzuschreibung der Ablehnung bzw. Bekämpfung von Homosexualität paart.

  64. Andreas
    16.04.2009 | 1:29

    Die Intention des GG ist schon gut, aber es ist halt trotzdem ein Schrotthaufen. Daran hat die Föderalismusreform leider auch nichts geändert.

  65. ftt
    16.04.2009 | 10:21

    aber es ist halt trotzdem ein Schrotthaufen

    Warum?

  66. 16.04.2009 | 10:49

    Ja, es schreibt sich so leicht dahin: “Das Grundgesetz ist ein Schrotthaufen.” Und es ist ja sogar im Grundgesetz verankert, dass man das schreiben darf. Aber andererseits darf ich es getrost ignorieren, solange keine fundierten Begründungen nachgeschoben werden.

  67. der_gute_don
    16.04.2009 | 20:31

    > “Das Grundgesetz ist ein Schrotthaufen.”

    Gesetz lebt.

    Beispielsweise wurden vor 50 Jahren Vermieter, die einem unverheirateten Pärchen Unterkunft gaben, schonmal der Kuppelei angeklagt. Heute wäre das kein Anlass den Kuppelparagraphen auszupacken. Finde ich gut.

    Im Strafrecht würde ich mir allerdings wünschen, die Richter würden der veränderten Täter- und Tatstrukturen gewahr werden und die Gesetze entsprechend anwenden.

  68. 17.04.2009 | 1:21

    Rayson, des einen heiliges Buch ist nunmal des anderen Sagensammlung. Was ist die Bibel denn halbwegs rational betrachtet anderes als eine Sammlung von Sagen mit lauter Wundermärchen?
    Wenn Leute daraus Regeln für ihr eigenes Leben ableiten und an höhere Wesen glauben, ist mir das ehrlich wurscht.
    Bei der heutigen europäischen Variante des Christentums ist es mir sogar recht symphatisch. Da beschäftigen sich unzählige kluge Köpfe lebenslang damit, herzuleiten, warum man seine Nachbarn nicht massakrieren sollte. Mit dem selben Aufwand werden woanders und wurden früher auch entgegengesetzte Forderungen herbeigeredet.
    Aber mich nerven ganz gewaltig die Leute, die aus ihrer Interpretation dieser Texte herleiten, wie ihnen wildfremde Menschen zu leben, zu lieben und zu sterben haben.
    Und da ist es wurscht, ob mal wieder gegen Schwule, Zigeuner, Juden, Christen, Atheisten, Heiden, etc. gepredigt und gehetzt wird. Es nervt grundsätzlich.
    Und bei schwarz-gelb angefärbten Leuten scheint es übrigens manchmal ganz heilsam zu sein, wenn sie merken, daß Christentum ebensowenig Ausrede für Anmaßung ist wie Mohammedanismus, Judentum, Polytheismus oder Buddhismus.
    Ich hab nichts gegen religiöse Gefühle und auch nichts gegen religiöse Überzeugungen an sich. Ich habe etwas gegen Allmachtsgelüste und Überlegenheitswahn.

  69. ftt
    17.04.2009 | 8:41

    Was ist die Bibel denn halbwegs rational betrachtet anderes als eine Sammlung von Sagen mit lauter Wundermärchen?

    Damit glauben Christen also “halbwegs rational betrachtet” an nichts anderes als Sagen und Märchen? Wenn es für Dich von vornherein schon klar ist, dass Christen ein bisschen naiv sind, ist die Basis für eine Diskussion darüber natürlich recht brüchig.

  70. DrB
    17.04.2009 | 21:25

    @stefanolix:
    Ich halte Dich ja für einen Drecksack. Ein Schwein so zu sagen.

  71. DrB
    17.04.2009 | 21:33

    Metaphorisch natürlich nur. :–)

  72. 17.04.2009 | 22:44

    califax schrieb:

    Aber mich nerven ganz gewaltig die Leute, die aus ihrer Interpretation dieser Texte herleiten, wie ihnen wildfremde Menschen zu leben, zu lieben und zu sterben haben.

    Hat das hier jemand hergeleitet, den man in irgendeiner Weise ernst nehmen müsste?

    Ich stimme Dir ja darin zu, dass niemand wildfremden Leuten vorschreiben soll, wie sie sich zu lieben haben und wie sie zu leben haben — sofern diese Leute erwachsen sind und aus freiem Willen zusammen leben.

    Aber ein Rundumschlag gegen den gesamten christlichen Glauben ist deshalb wirklich nicht angemessen. Viele schwule oder lesbische Paare erhalten ja z.B. einen Segen in ihrer Evangelischen Landeskirche. Schon allein deshalb sollte man sich etwas Zeit zum Differenzieren nehmen.

    Soweit ich weiß, akzeptieren die meisten Christen in Deutschland, dass es homosexuelle Partnerschaften gibt. Aus welchen Beweggründen sie das tun, das sollte Privatsache bleiben.

    Es sollte auch Privatsache bleiben, wenn wiederum andere Christen solche Partnerschaften ablehnen. Es kann aber nicht unwidersprochen bleiben, wenn eine Minderheit von Fundamentalisten meint, aus ihrem Christentum eine Art Mobbing gegen Homosexuelle ableiten zu müssen. Aber das ist nun wirklich eine Minderheit.

    Man könnte sogar begründen, dass solches Mobbing unchristlich ist. Aber das will ich hier nicht tun, denn Mobbing ist in erster Linie das Ergebnis einer Mischung aus Dummheit und niederen Instinkten.

  73. 18.04.2009 | 5:39

    stefanolix: Ein Rundumschlag gegen Christen? Wo denne?
    Gegen gewisse Leute schon. Gegen Leute,die ihre eigene Unreife und Angst gegen Schwule richten und gegen Leute, die meinen, aus der Bibel einen göttlichen Auftrag zum Kampf gegen Homosexualität u hören. Und ich glaube doch, daß ich ziemlich klar formuliert habe, wer damit gemeint ist. Ich denke schon, daß ich in die richtige Richtung getreten habe. Einer der gemeinten hat sich sogar entblödet, sich stantepede zu outen.

    ftt: Mit Naivität hat nichts zu tun. Nur mit Wunderglauben, Wunschdenken und Erziehung. Ein Christ wird das natürlich nicht so sehen. Man muß auch nicht über jeden Graben hopsen, bloß weil er da ist. Man kann sich auch so gut unterhalten.

  74. 18.04.2009 | 6:11

    Wie man oben lesen kann, habe ich diesen Kommentator verwarnt und im Nachhinein betrachtet hätte ich das schon eher tun sollen. Aber über die Beweggründe dieser Figur weiß ich nichts und ich kann sie mir aus diesem Thread auch nicht herleiten. Was von ihm zu lesen ist, kommt wohl eher vom Stammtisch als aus einer Kirche.

    Ich halte diesen Rundumschlag immer noch für überzogen. Es ist kein Geheimnis, dass unter den BLOG-Autoren Leute sind, denen der christliche Glaube etwas bedeutet.

  75. 18.04.2009 | 14:21

    @califax

    Mein Problem mit deiner Polemik ist, dass du mit einer fertigen Diagnose herumrennst, die du allen aufdrücken musst, die in diesem Fall nicht deiner Meinung sind. Die dürfte zum einen in den seltensten Fällen stimmen (hier z.B. wurde in der Diskussion noch keine religiös begründete Meinung formuliert), zum anderen erscheint es mir wenig sinnvoll, die Sache des Eintretens für Rechte Homosexueller mit antireligiösen Ressentiments zu kombinieren, denn das drückt diese Sache ebenfalls in eine fundamentalistische Ecke.

  76. 20.04.2009 | 23:24

    stefanolix: Wo ist da der Rundumschlag? Ich schreibe explizit, daß mich diejenigen welchen nerven und charakterisiere sie auch so, daß eigentlich jeder weiß, welche Typen gemeint sind. Gerade Christen dürften die entsprechenden Knallköppe daran erkennen.
    Und da steht direkt drüber:

    Bei der heutigen europäischen Variante des Christentums ist es mir sogar recht symphatisch. Da beschäftigen sich unzählige kluge Köpfe lebenslang damit, herzuleiten, warum man seine Nachbarn nicht massakrieren sollte. Mit dem selben Aufwand werden woanders und wurden früher auch entgegengesetzte Forderungen herbeigeredet.

    Soll das ein Rundumschlag sein? Bitte lies erst, was da steht, ehe Du beleidigte Leberwurst spielst. Übrigens der gleiche Tip, den man auch manchen Atheisten geben muß, wenn irgendwelche Benedicts und Mixas mal wieder große Reden schwingen. ;)

  77. 20.04.2009 | 23:39

    Dein Zitat kann man nun sicher auch unterschiedlich interpretieren. Ich brauche keine lebenslange Herleitung für die Erkenntnis, dass man seine Nachbarn nicht massakrieren soll. Und ich muss solche Erkenntnisse auch nicht lesen. Aber ich war nie eine beleidigte Leberwurst und ich lasse das jetzt einfach mal auf sich beruhen;-)

  78. 21.04.2009 | 0:56

    Kein normaler Mensch braucht solche philosophischen oder theologischen Herleitungen, um seinen Nachbarn am Leben zu lassen. Ganz meine These, wenn es um die bekannten Reibereien geht. Man braucht auch keinen Gott dazu. Und einen Kant sowieso nicht. Man muß noch nicht einmal kapieren, was das Gerede über Moral und Religion eigentlich soll, sonst dürften die vielen pathologisch Doofen nicht offen auf der Straße rumlaufen. (Gut, sie haben Pfleger und Vormund, aber eben nicht zum Schutz des Nachbarn sondern zur Abwehr von Betrügern. Weil sie eben normalerweise völlig harmlos sind.)
    Aber andererseits: Immer wieder können Vordenker die Politik beeinflussen. Da ist die heutige Theologie mir doch einigermaßen symphatisch. Sie steht zwar m.E. auf einem Fundament aus Bullshit, aber sie zieht meistens Schlüsse, die auf friedliches Zusammenleben und Barmherzigkeit aus sind.
    Das war nicht immer so und ist auch bis heute kein allgemeines Merkmal weltanschaulicher Lehren, egal ob religiös oder nicht.
    Und die daraus resultierenden Institutionen wie Caritas, Rotes Kreuz, ASB, etc. sind bei aller Kritik, die sie oft verdienen, doch eine wirklich feine Sache.
    Übrigens: Ich bin, unschwer zu erraten, Atheist. Und gleichzeitig bin ich Mitglied in der Kirche (Römisch-Katholisch) und Mitglied im ASB. Das geht. ;)

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